Ausgabe 
24.11.1908 Zweites Blatt
 
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Erstes Blatt

158. Jahrgang

Dienstag 24. November 1908

General-Anzeiger für Oberheffen

bi Ä Rotationsdruck und Verlag der vrühfschen Untv.-Vuch- und Steindruuerel R. Lange.

Redaktion, Expedition und Druckerei: §chuistrahe 7.

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Berank wörtlich für den politischen Teil, für .Reutlleion* und .Berniischte-E: Ernst Anderson; für .Stadt u. Land- und.Gerichts-

Nr. 277

Der Siehencr Anzeiger erscheint täglich, ander Sonntags. - Beilagen: d, er mal wöchentlich GiedenerZamilienbläiter; Iweunal wochentl.Ureir- laltfürtzrnUreisGieben (Dienstag und Freitag); ziveunal monall. rand- wirtschaftliche Sestsragen Fernsprech - Anschlüsse r für tue Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse tüt Depeschenr

Anzeiger (Biegen.

Annahme von Anzeigen

Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.

~ ~-

£orö Roberts über eine deutsche Invasion.

Der vvm deutschen Kaiser s. Zt. so außerordentlich gefeierte und mit dem Schwarzen Adlcrorden ausgezeichnete Lord Roberts hat gestern ün englischen Oberhause eine recht eigenartige Reso­lution eingebcacht, die nicht gerade dazu dienen wird, die fried­lichen uitd freundschastlichen Beziehungen zwiscl^en Deutschland und England zu fördern. Die 'Süissichrungen des Lords Roberts zeigen auch deutlich genug, woran eS liegt, das; eine mirttidN Der st in- digitng zwischen beiden Ländern so sehr erschwerr wird. Auf deutscher Seite liegt die Schuld nicht. Die Art und Weise, wie Lord Roberts die Frage einer deutschen Invasion behandelt, wird in Deutsckftand geradezu als Beleidigung vmjTfuTibcn werden; nach allen den förmlichen, offiziellen, aintlich>en und privaten Erklä­rungen über die friedlichen Absichten Deutschlands und die Ge­sinnung des deutschen Volkes gegen England.

In der Resolution l>es Lord Roberts fai^t eS, die Frage der Landesverteidigung erfordere die unvcrMlicfa Aufmerksamkeit der Regierung zum Zweck der Beschaffung eines HerreS, das so stark an Zahl und so wirksam durch seine Eigenschaften sei, daß die furchtbarste fremde Macht zögern würde, eine Landung an der Küste Englands zu versuchen. Der Redner sagte, der Punkt, aus den er die AufmerksamiLit des Landes zu lenken wünsche, sei, ob eine Invasion möglich sei oder nicht. Lord Bal- fvur habe am 11. Mai 1905 gesagt, daß eine ernstliche Invasion nicht möglich sei. Diese Schlußfolgerung habe ans Daten be­ruht, die von der Admiralität in Hinblick auf F-rankrcich als das wichst gelegene Land geliefert seien, da von dort aus ein Einfall dm leichtesten auszuführen wäre. Eine in jüngerer Zeit angcstellte Untersuchung habe aber gezeigt, daß Balfours F-cstilel- lung, wenn sie andv bezüglich Frankreiä)s int Jahre 1905 zu- trcssend war, beziiglich Deutschlands im Jahre 1908 nicht äutraf. Die Bedingungen, die Balfour in seinem Urteil bestimm­ten, hätten sich vollkommen geändert, und England könne 1 i ch n i ch r länger vor der Möglichkeit einer In­vasion sicher fühlen. Lord Roberts fuhr fort: Ich habe die frrage runter dem GesickMpunk geprüft, daß die ein fallende Macht von Deutschland Herkommen werde. Lord Balfour hat Frankreich als Beispiel angeführt, ohne daß er dabei an Feindschaft gegenüber Frankreich oder an eine von diesem Lairde zu hegende Befürchtung dachte. Für meine analoge Beziehung auf Deutschland nehme ich dementsprechenden Anspruch, daß sie weder Feindseligkeit gegen Deutschland noch Furcht vor ihm ein- schließt. Ärd Roberts fuhr fort: Er und Lord Lovat Härten er­mittelt, daß in Dentsckftaud jederzeit Schiffe verfügbar seien, die jur Unterbringung von 200 000 Mann au seichtem Diese Truppen könnten während mehrerer Atonale des Jahres in den ihren Be­zirken zunächst gelegenen Häfen zusammengezogen werden, ohne Mobilisierungsmaßnahmen. Die Eiscnbahuvcroindungen seien so nahe, daß sie gestatteten, dieses Beer in sehr viel geringerer Zeit als in Frankreich nach den ipäjen zu bringen unv cinzusch'.sfen. Seine Unterjudjiungen und diejenigen Lovats hätten bewiesen, das ein deulsckres Heer vön 150 000 Mann in der gleichen Zahl von Schiffen transportiert werden könnten, die Balfour für die Einschiffung der falben Zahl für nötig erklärte. Die Einschiffung und bie Auschisfung würden weit weniger Zeil in Anspruch) nehmen, als dafür angenommen worden sei.

Nachdem > ich Lord Roberts eingehend über diesen Punkt vev- breitet uni) aus die verschiedenen verwaltungstechnischen uno strate­gischen Vorteile hingewiesen hatte, durch die es Deutschland mög­lich sein würde, der englischen Flotte zu entgehen und eine In­vasion auszuführen, fuhr er fort: Es w.sie Torheit, unsere Augen diesen Möglichkeiten gegenüber zu verschliefen, so sehr w.r den Frieden wünsch)en. Tie wartenden Ereignisse im na falt Osten brachten es dem sorglosesUn Beobachter zttm Bewusstsein, daß nichts ein Land zu retten vermag, daß für seinen Schub nicht vorbereitet ist. Weder Bündnisse noch Verträge sind von Nutzen.

Wenn wir fortsahren, die gewöhnlichsten Vorsichtsmaßregeln »u vernachlässigen, so können wir uns eines Tages in den Händen einer eingedrungenen 'Macht befinden uno bezwungen sein, uns den demütigendsten Bedingungen zu unterwerfen. Tie Gefahr wird mit jedem Tage drohender. Innerhalb von zehn Jahren har Deutschland die größte Seemacht geschaffen, die außer der augenblicklichen furchtbaren englischen Flottenmacht jemals bestaitdcn hat. Wenn die ausgezeichneten gesetzlichen Maßnahmen für eine weitere Verstärkung der deutschen Seemacht getroffen werden, so werden keine Häsen in der Welt besser ausgestattet sein als die deutschen Nordseehäfen, uno die Hatwetsmarme wird mit jedem Tage wirksamer werden. Um eine Invasion aus­führen zu können, muß eine Nation nicht notwendig die Herr­schaft zu See besitzen. Eine zeitweise ober lokale Beherrschung würde genügen. Dies ist den Deutschen sehr wohl bekannt und es kommt nicht daraus an, wie starr unsere Flotte fein kann, das Häupter fordernis ist ein starkes Lanöheer, ein Heer aus Bürgern, d a S aus einer 2)2 i H i o n M a n n bestehen sollte. Jenseits des na fan Meeres lebt ein Volk, das über 60 Millionen Menschen zählt, die unsere stärksten Neben­buhler im Handel sind unb die die grösste Heeresmacht der Welt besitzen; sie fügen zu einer überwiegenden Militärmacht eine Flotte hinzu, die sich entschieden und schnell vergrößert hat, während wir keine entsprechenden militärischen Gegenmaßregeln getroffen haben.

In ähnlicher, wenn auch nicht so herausfordernder Weise wie Lord tlkobcrtS sprach sich bann Lord Cromer aus, und der Staatssekretär des Svoloninlamts, Earl o f Crewe liest in seiner Erwiderung kein Mittel unversucht, den schlechten Eindruck zu ver­wischen, den die beiden Vorredner herrorgerufen falten. Crewe sagte, die parlan'.enlarisck-e Erörterung eines solchen Gegeii- staudes sei eine ernste Angelegenheit, weil es schwierig sei, eine |olcfa Erörterung so zu leiten, oast sie aufarfalo nicht zu ernst lick-en M istyer standnsi en An la st geue. Er tonne nur fassen, dast em foldjes Mistvershrndnis sich nicht ergeben werde. Liedner verwies dann auf Die Rede Campucll Äannermanns, in der dieser die Bezugnahme auf Frankreich in Balfours Erklärung von 1905 bedauerte, und sagte, die Umstände seien heute andere; er möchte aoer den Appell Eampöell Bannernrnnns icicberfalen, weil er das Gefühl haue, fast, ivenn ein solck-cr Appell nicht erfolge, in der Öftentlidjen Rteinung Englands und des Aus­landes aus der Rede Loro Roberts sich (nicht unnatür.ick-erweise- jwnfequenzcn ergeben Eonnton, die von allen bedauert werden möchten. Was den Landrsoerteidigungs.russchust anuctreffe, so unterliegen dessen .Aiiscfauungen uno Beschulse einer stündigen Revision. _ Crewe wies auf verschiedene, feit 1905 gemaa-ie neue Errungenschaften hin, wie drahllose Telegraphie, erhöhte Schnellig­keit der Kriegsschiffe, Forischrate im Bau von Unierfeeoooten, und meinte, das feien die wichligst.'n Erwägungen, die man sich stets e gegenwärtig falten müsse.

Zum Schlüsse seiner Ausführungen teilte Earl of Crewe mit, dast der Generalstab Pläne ausarbeite, die England ermöa-

licheen sollen, zu jeder beliebigen Zeit an jeden beliebigen Ort eine größtmögliche Truppenmacht zu werfen, wenn dies erforderlich sei. Die Unterhaltung eines Heeres von einer Million Mann, wie Lord Roberts verlange, bedeute eine jährliche Erhöhung der HcereS- erfordernisse um 20 Millionen Pfund Sterling.

Die Resolution des Lords Roberts wurde schließlich mit 74 gegen 32 Stimmen angenommen.

Im deutschen Reiche wird mau sich diese Vorgänge im eng­lischen Oberfause wohl merken müsien. Sie zeigen besser als alles andere, wessen wir unS von England zu versehen haben. Erwähnt sei übrigens, dast auch das englische Unterfaud gestern über Rüstungsfragen debattiert hat; man hütete sich allerdings sorgsam batwr, die Spitze offen gegen Deutschland zu kehren.

Au8 bem NeichsbaushaltSetat.

DieNordd. Allg. Zlg." verösfenilicht einen Artikel, betreffend den Rcichshaiishaftselat. Darnach stellen sich bei der Verwaltung der öieichseuenbahnen die Einnahmen un oidemlichen Etat ans 123 291 000 Mk. (minus 2 2-11000 Alk.), im außerordentlichen Etat au' 519 LOO Mk. (plus 148 590 Alk.). Tie 'oitomieuiöcu 'llnigaben belaßen sich auf 98 774 009 Alk. (plus 3 626 000 Alk.), die ein­maligen auf 3015070 Alk. (uunuS 3817 100 Alk). Bei einer Ge- sanuauSgabe des ordemlichen Eiais von 101 708 070 Alk. verbleibt mithin em Ueberjchuß von 21501 930 Alk (minus 204920) Alk.. 3m austeroidentlicheii Etat loeiöen 20 799 500 Alk. (plus 1 063 Ou-> Aiark) vcilangt. Bei den einmaligen 'Ausgaben des ordentlichen Etats wird u. a. ange'oidert eine neue ei sie Rate zu Eigäuzungs aibeuen in der ipaiipliveifiiäiie IHülhnufcn, zum Umbau und zur Erweileriing dec Ifofomotioiepcutuuvanlnge Der paupliveikställe Alonligny, sowie zur Sichtung und Tlusbesserung des älteren Tunnels bet Tcieichen. Im anbei oibciuiicl)cn Etat sind juv Ver­mehrung der Betriebsmittel 7 Millionen angesetzt. Für einen als noiivciiDiq erlamuc» Smurnelbahni.oi noiöiid) von Ticdenho'eu für Die Saarbahn, die Alojewahn und bie Luxemburg-Lime sind Die Gesanukosieii d'ec Aus tihrung vorläufig auf 38 800 Oüu Alk. er­mittelt unD zunächst 2 Millionen zu Ginnderiverd eingeflellt. Tie - 'len Raten werben tentev gewidert zur Ansflihrnug genauer Bor- uiueiicu für Den Baueinglelsiger oollipurigcr Nebenbahnen. In, ordentlichen Etat treten Veränderungen ein in Den persönlichen Ausgaben lEtatsslellen, die ztun Teil auf der UingenaUuug Dei Betriebsverwaltung beruhen und deren Duichsührung arnl. Oliober 1909 erfolgen soll.

Nevolverschikßerei in der Universität.

Ein geradezu beispielloser Vorfall hat sich gestern an der Wiener Universität ereignet. Zwischen italienischen Studenten, die für die Errichtung einer italienischen Universität in Triest demonstrierten, und deutschen Studenten kam es gestern vor­mittag an der Wiener Universität zu Zusammenstößen. Die Italiener sangen die Garibaldihymne, die DeutschenDie Wacht am Rhein". Während eines Handgemenges fielen plötzlich seitens der Italiener Rm^lverjchüise, wodurch m.faere deutsche Studenten mehr ooer müiDcr verletzt wurden. Zahlreiche Stuoenten wurden auch durch Stockhiebe verwundet. Die Italiener wurden jchiießlich aus der Aula verdrängt. Die Polizei nahm auf der Straße mehrere Verhaftungen vor. In der Universität wurden 23 Stu­denten Verfallet; von ihnen drei wegen schwerer Wrpervcr- letzung, die in das Landgericht eingeliesert wurden. Die übrigen 20 wurden nach ihrer Wohnung sreigelassen. Nach einer anderen Meldung wurden bei den gestrigen Vorfällen in der Univerftläl 19 Studenten mehr oder weniger schwer verletzt. Zahlreiche Verletzte begaben sich direkt in ein Hospital oder in häusliche Pflege, so daß die Gesamtzahl nicht fcflgcftellt werden kann. Die Universität ist zurzeft geschlossen. Der Senat berät über die zu ergreifenden Maßnahmen.

Deutsches Uerch.

Für die geplante Kaiser reise nach Korfu im Frühjahre stehl nunmehr fest, daß der Kotier von Bremerhaven ans Den Seeweg wählen und dem Könige von Spanien einen Befuch abslalten' wird, Tie Kaijenn wird mit der Prinzessin Viktoria Luise und dem Priiizen Joachim über Venedig nach Storni reifen.

Angaben über Aeußerungen des Kaisers gingen dieser Tage durch die Presse, aber sie'Hangen jo tnuvahifdieinhch, daß wir von ihnen keine Notiz genommen haben. Nun fchrerbi der .Reichsanz." : Äleivyorker Dleldungen zufolge macht dieWorld" Angaben über Aenßerimgen, Die Der Kaiser bei einer dein ameri- kainjchen L chiiftsieller William Haie gewäbrien Audienz getan haben soll. Wir sind ermächtigt, Diese A >i g a b e n von A n fang bis zu Ende als haltlose E r i i n D n n g e n zu bezeichnen.

Caprivi-Zipfel. Ter Olouveuieur o. Schlickman» Hai, nm die >2luhed)teiha(umg der Ordnung und die Erlialinng Des WildbestandeS un Capiloi - Zipfel (Delltjch -Südweslaftlka) nach Alögllchken zu sichern, den Zutritt dorlhin Durch eine Verordnung vom 16. Oktober d. I. verholen.

Zur Frage Der öeuerbestaltung in Preußen hort Dasföerl. Tacicbl.", daß eine gesetzliche Regelung der An- gelegenheit in absehbarer Zeit nunmehr als gesichert anzu- iehcn ist.

Austand.

Erweiterung der Ve'ugnisse b e 5 öfterreichi - scheu Thronfolgers. Es gebt Das Gerücht, Daß am 2. Tezember durch cme kaiserliche Kundgebung der Koinpelenzkreis des Erzhetzog-Thron'oigers meiemlid) enveum werden wird.

Tas französische Gelbbuch über Al a r o k k o ist soeben erschienen. ES schilDerl die bekannlen Vorgänge u> Alarolko vom erstell Auilreten Muley Hafids an bis zu Der Stole über seine Anerkennung als Sultan. Ter deutfd)-'rauzösijd)e Zivijchen'all von Casablanca wub nicht ciwähnt.

D l e Zarin bat sich während des LeichenbeaängnisieS des Großnirsteil 2llexis eiläliet und ,nuß aui ärzllid)e AnordnunF das Bell hüten.

Präsident Castro soll nach einer Privatmeldunq aus Cariacae im Begriss stehen, imd) Enrova zu reisen, um sich ui einer Berliner Klinik operieren z»i lassen.

Aus Sta&t ii6i^ Larrd.

Gictzen, 24. November 1908.

** Der zweite Hessenprinz. Tas BejInden der Großherzogin und des kleinen Prinzen ist so zusrieden- stellend, daß reine TagesöulietinS mehr ausgegeben werden. Prof. Dr. von Franquä, der im Neuen Palais Woh­nung genommen hatte, reifte im Lause des Sonntags Nach­mittag wieder nach Gießen zurück.

Geb.-Rat Heß und die ihn am SamSlag bei einer forst­lichen Exkursion begleitenden 11 Studierenden der Forst- wissensck)aft richteleil von Frankfurt aus ein Glü^wnnsch- Telegramm an Se. K. H. den Großherzog, das mit dem Satze schloß, daß man auf das Wohl des neuen Prinzen mit einem dreimaligen Hoch trinken werde, was auch so­fort in dem betreffenden Restaurant geschah. Hierauf ist weiiige Stunden später folgendes, nach Gießen gerichtetes, daher erst nach der Rückkunft von der Exkursion vorgefun­denes huldvolles Telegramm eingegangen:Geheimerat Heß, Gießen. Habe mich über die freundlichen Glückwünsche sehr gefreut unb bitte Sic, meinen herzlichsten Dank den Studierenden der Fprstwissenschaft zu übermitteln. Ernst L u d w i g'."

* Ordensverleihung. Wie derPreuß. Staats- anzeiger" meldet, erhielt der bisherige hessische Gesandte in Berlin, Dr. v. Neid Hardt, das Großkreuz des Lioten Adlerordeus.

* * 'Neuer Kamm er Herr. S. & H. der Großherzog haben den Rittmeister a. 2. Wilh. Freiherr» Schenck zu Schweinsberg zum Stamm er Ijcrrn ernannt.

* * Das Ehrenzeichen für Mitglieder frei­williger Feuerwehren wurde verliehen durch Ent­schließung S. K. H. des Großherzogs dem Phil. Dan. Gorr zu Heuchelheim.

* AuS dem ^Militär - Wochenblatt^. Im Beiirlanbtenstande: Befördert zu Leutnants der Reserve: die Vizefeldwebel, bezw. Vizetvachtmeister: Snermondt (IV Berlin), deS Leib-Trag.-Regts (3. Großh, Hess.) 2ir. 24, Seeltg (Hersfeld), deS Letdgacde-Jns.- 'Rcgls. (1. Großh. Hess.) Nr. 115, v. Helmolt (Fried- betg), di'S Drag.-Regls. Frhr. v. Niantenffel (Rhetn.) 9?r. 5. Zu Oberleutnants: die Lts.: Lauteren (Atainz) Der Res. deS Garde-Trag.-ReglS. (1. Großh. Hess.) 91 r. 23, Bickelhaupt (Erbach) der Landw.-Jnf. 1. Aufgebots, Freiherr v. Fechenbach (II Darmsladl), Haberkorn (Gießen) des Landm.-TrainS 1. 9lnfgebots. Zn Haupt­leuten: Dölp (WormS) der Ref. des 2. Großh. Hess. Feld- Art.-Regts. 91 c. 61, Metten Heimer (Gießen), Geyer (Worms) dec Landw.-Jnf. 2. Aufgebots. Der Abschied bcwiUigt: Peiffer (Worms), Lt. der Landw.-Kav. 1. Auf­gebots, Geyl (Mainz), Lt. der Landwehr-Feld-Art. 2. Aufgebots.

Tie Reichsbanknebenstelle Gießen ist am 25. November (Gcoßherzogs Geburtstag), nur bis Mittags 12 Uhr geöffnet.

' Kricgervercin. Die Feier von Großher- zogS Geburtstag findet heute (Dienstag) abend im vilöiuen' statt.

** Stadttheater. Es fei darauf hingewiesen, daß zur morgigen Feftvorstellung die Herren Studierenden die bekannte Ermäßigung genießen. Tas Ende dieser Voc- siellung ist gegen 9\'2 Uhr zu setzen, nicht 10(2 Uhr, loie ui dcr gestrigen Annonce zu, lesen. In Ergänzung des Spielplans sei mitgeteilt, daß am fomnicnöen Samstag nachmittag 31/2 Uhr eine Schülervorstcllung vonNathan der Weise" stattfindet.

" Wohltätigkeits-Konzert. ßu Gunsten der Hinterbliebenen dec dem schauerlichen Unglück auf der Zeche R a d b 0 d 311m Opfer gefallenen Bergleute wird, wie beflimmt verlautet, der Bauer'sche Gesangverein an einem der nächsten Tage em Konzert veranstalten. Zum Vortrage werden Kuustchöre, Volkslieder und Sologesänge gelangen. Tie Veranslallung findet statt im Sladttheatec und zwar obends von 81U Uhr. 9lähereS hierüber wird noch be­kannt gegeben. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß fai Dem bekannten Opfersinn der Einwohner Gießens und der Umgegend jedermann die Gelegenheit gerne benutzen wild, nach Vlöglichkeit fern Scherflein beantragen zur Linderung öec großen 9tot bet' so schwer vom Schicksal betroffenen Witwen und Waisen, und es bedarf deshalb wohl keines besonderen 9lppells an die Mildtäligkeit aller Edelbenkenden. Bemerkt wird, daß die hiesigen Behörden der Sache bereits wohlwollend beigetrelen sind.

** Frauenarbeit. Man schreibt uns: Ueberall öffnen sich der Frauenarbeit neue Wege zu fernen, erftre- bcnsiucrien Zielen. Ein «rischer Luftzug fegt veraltete An­schauungen hinweg. Gebiete, die bis jetzt für verschlossen galten, werden kühn erobert: ein ziclbewußtes Forlschrciten auf der ganzen Linie. Auch das uralte Felo der Frauen- tätigfeit, oie Fürsorge für Armc, Kranke, Verlassene, Ver­irrte, muß den Forderungen der Gegenw-.'.rt entsprechend neu bestellt werven. Es soll eine neue Generation von Frauen herangebildet werden, die mit offenen Augen den lozialen Schäoen entgegentritt und dadurch imstande ist, eine höhere Form der Armenpslege zu üben. J.i diesem ÄÜine möchten die vier Gemcinde-Franenvereinc wirken, die im Laufe dieses Jahres hier gegründet wurden. Mcht dariii sehen sie ihre Au,gabe, jedem Bittenden die offenen Hände zu füllen. Sie wollen weniger und doch mehr: ,ie wollen die Ursache jeder Not zu erforschen suchen, um wie ein guter Arzt nicht die Symptome, sondern das Leiden selbst beiämpjen zu tonnen. Dabei wollen sie dessen eingebenf sein, was eine unserer ersten Autoritäten auf bem Gebiete praktischer Armenpslege gesagt hat:Tas gute Herz allein züchtet die Armut, züchtet den Bettel." Beruht auch die ganze Arbeit auf der Liebe zu den Notleidenden, so beoari sie doch nicht nur der Liebe; die ist bei vielen vorhanden, die auch Arveits.reudigkeit und energischen Willen genug besitzen. Aber diese drei Dinge, so uneiit- behrlich sie auch sind, genügen noch nicht, um den Forde­rn..gen gerecht zu werden, die wir au uns stellen müssen. Zur Losung ocr o,t so oer.uiufc.tcn praktischen Fragen ist es unbedingt nötig, daß wir auäaerintet werben mit einet