Ausgabe 
28.8.1908 Zweites Blatt
 
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Freitag 28. Angnft 1908

Nr. SOL

Zweites Blatt

158. Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

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DieSietzener $aminenb!3tttr werden dem »Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für bcn Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen Univ« »Buch» und bteindruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Truckerei: Schul» straße 7. Expedition und Verlag: 51.

Rebaktion:^K112. Tel.-AbruAnzcigerGicßen.

verhältnismäßig wenig bedeuten: Daher der Unglücksgedanke einer Elcktn-itäisabgabe, die gerade jetzt in Süddeutscblanb wie ein rotes Tuch wirtl und den Parlikularismus perltjärit, daher her In seratcnsteuer--Plan, der in der Presse aller Parteien den schärssten Widerstand findet usw. Esfehl t der Regier ungans chci- nen. d jede prinzipielle Direktive, die in der Materie selbst klar zu liegen scheint: Ausgleich der Hörten, die aus der notwendig werdenden Erhöhung der Abgaben aus Konsumattikcln entstehen, durch stärkere Beizichung der leiftungSsähigen Vermögen und Beseitigung wirtschastlicher Präzipualrechte, deren Berechtigung mehr als zweiselhast ist."

Abg. Dr. Müller-Meiningen gibt zu, daß die parlrmentariichc Situation bei der Neuregelung unserer Finanzverhältnisse für die Regierung keine rosige sei. Auf die Sozialdemokratie sei bei der Lösung der Ausgabe überhaupt nicht zu rechnen: sie täusche die Masse in bequemer Weise, indem sie ihr lehre, das Defizit sei nur mit direkten Reick>Ssteucrn zu decken. Man denke: 1015 Prozent direkte Steuern in Preußen (mit Kommunalabgaben, dazu noch 8 Prozent Einkommensteuer fürs Reich zur Deckung von nur 300 Millionen Defizit, das gäbe eine Konfiskation von 20 bis 25 Prozent des jährlichen Einkommens, die im Ernste der Re­gierung nicht zugemutet werden kann ganz abgesehen davon, das; eine Mehrheit im Reichstage dafür eine glatte Illusion be­deutet! Tas sei natürlich der Sozialdemokratie gleichgültig! Tr. Müller-Meiningen verkennt die Gefahr durchaus nicht, die schließ- lich entstehe, wenn Zentrum und Konservative die Schaffung der 3400 Millionen nach ihren Rezepten besorgeit wollten. Die Lag-- ist ernst, und die Regierung täte gut daran, auch in ihrem eigenen Interesse, doch endlich den Schleier von ihrem Finanz- planen hinweg zu ziehen. E- A.

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Ans und Land.

Gießen, 28. August 1908.

** Lau des Universität. Se. Kgl. Hoh. der Groß­herzog haben den außerordentlichen Professor bei der medi- zinischen Fakultät der LandcSuniversität Tr. Friedr. Best auf ein Nachsuchcu aus dem Staatsdienst entlassen.

* Ordensangelegenheiten. Seine Kgl. Hob. der Groß Herzog haben den nachstehenden Angehörigen des Großh. Gendariuerickorps die Erlaubnis zur Anlegung der ihnen von dem Kaiser verliehenen Orden und Ehrenzeichen erteilt: dem Oberstleutnant Zahn, Kommandeur des Gendarmcricdistrikts Rheinhessen, für den Kgl. Kronenorden 3. Klasse; dem Obcrwachtmcistcr Engel für da§ Kreuz des Allgemeinen Ehrenzeichens.

Gcwerbcschulwcseu. Se. Kgl. Hoh. der Groß­herzog haben den Hauptlchrer an der Gewerbeschule zu Büdingen Hch. Wenck auf sein Nachsuchen m den Ruhestand verseht und ihm aus diesem Anlaß in Anerkennung seiner langjährigen und treuen Dienste das Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen; ferner den Hauptlehrer HanS Becker zu Bingen zum Hauptlehrer an der Gewerbeschule zu Büdingen ernannt.

Staatliche Betriebs-Krankenkasse. Die Generalversammlung findet am Donnerstag, 3. Sept., vormittags 11 Uhr, zu Darmstadt statt.

Der Turnverein veranstaltet, nachdem die Turn- festzcit für dieses Jahr nunmehr vorüber ist, morgen abend einen Fam i li e na b e nd auf Textors Terrasse. Für reich- haltige musikalische und sonstige Unterhaltung ist bestens ge­sorgt, so daß den Turnvereins-Angehörigen ein genußreicher Abend in Aussicht steht.

* Häutevcreinigung der Metzger. In einer gestern abend im Kaiscrhof abgehaltenen Versammlung der hiesigen Metzgermeisler wurde die Gründung einer Häute­vereinigung beschlossen zu dem Zwecke, eine bessere und vor- teilhaftere Verwertung der Häute zu erzielen. Ein provisorisch gewählter Vorstand wird die Satzungen der Vereinigung aus­arbeiten. Vereinigungen mit gleichem Zweck bestehen schon seit Jahren in den meisten Städten und zwar mit gutem Erfolg.

Heber Kammermusiker Kümmel lesen wir m den ,Lcipz. R. 91.* folgende Rezension, die sicher für die Landsleute des Künstlers Jnteresie hat:

Tie Tireklion des Leipziger Palmengarlens hat durch das Gastspiel des Piston - Virtuosen Louis K ü m m e l vom Orchester he-j Großh. Hess. Hoftheaters in Dar m (tobt den Freunden einer vornehmen 2)1 nfit einen aparten Genuß bereitet. Louis Kümmel ist fein Virtuose im landläufigen Sinne des Wortes. Er blendet nicht durch eine fabelhafte Technik und sucht lediglich durch sie eine äußere Wirkuiig zu erzielen. Allerdings ist er Pleister der Technik. Tenn ohne ent eminentes technisches Vermögen waren Leistungen, wie er sie bietet, unmöglich. Die Technik ist die uner­läßliche Voraussetzung hierzu. Tie conditio sine qua non. Aber

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Die Hauptschwäche unseres ganzen heutigen Regimes Zur Zeit Caprivis und Hohenlohes stand es damit bisweilen noch schlechter als unter Bülow: freilich ein recht schwacher Trost nonunt auch jetzt wieder scharf zum Ausdruck: M a n g e l a n zei- uigerFü h lungn ahm emitdem. Parlament, M angel icn innererer Geschlossenheit bcr egieru.ng fiel bst : Wie im Innern Geschichten wie bic Saiucking-Aftarc, Iber Fall Jubs usw. als ein wahrer Hohn auf eine zrelbewußte Politik wirken und den Eindruck hervorbrtngen, als verlache die ^Landratokratic" den leitenden Staatsmann mit seinem Ver,uche idnc-5 liberal-konservativen Zusammenarbeitens, so fehlt auch au 'bem Gebiete der Finanzpolitik jeder große, energische Zug: Man ..wurstelt". Tas Volk fühlt die Unentschlossenheit und .innere -Spaltung in der Regierung: Daher auch der Eindruck, daß man .lmscheinend die Fchler der sog. kleinen Reicksinanzresorm vom Zähre 1906 neuerdings machen will, indem man alle möglichen leinen und kleinlichen ©teuereben zusammenkratzt, biejebiglid) :as Odium, das der Volksvertretung an sich aus jeder ^teuerer» ;öhung naturgemäß erblüht, erhöhen, und für die ganze Reform

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

zeichneten. Tas Wcttertelegranmt vom Donnerstag brauchte vor^ ^lachen und Irland bis zum Schisse drei'Stunden.

Eine Gedenktafel für Heinrich H e i n e. Aw dem Geburtshaufe Heinrich Heines in Tüsseldorf, halten im Jahre' 1874 Tüsscldoifer Akademiker eure Gedeuktatel angebracht, die nr kurzen Worten aus die Geburlöftälte des Dichters hinwics. Tie. schlichte Tafel verwitterte mehr und mehr, und nun Hal der Renlnec Pt ar k ns in Brüssel, ein geborener Düsseldorfer, ein große Brouze- ta'el gestiftet, die unter der kleinen alten Gedenktafel ihren Platz erhalten hat. Sie zeigt das Reliefbildnis des jungen Heine, darunter den Ausspruch des Tichlers über feine Vaterstadt: ,Div Stabt Düsseldorf ist sehr schön, und wenn man m der Ferne air sie denkt und zufällig dort geboren ist, ivird einem wunderlich zu­mute. Ich bin dort geboren, und es ist mir, als müßte ich gleich nach Hause gehen.- Am Montag Abend wurde die Tatet mit einer kurzen Feier enthüllt, der jeber offizielle Anstrich fehlte. Aus einem Fenster des Hauses hielt ein Heute - Verehrer eine kurze Rede. Während die Hülle sank, fang die Zuschauerschar: Ich weiß nicht, was soll es bedeuten. _ . t . .

Kleine K n n stchroni k. Am 4. Oktober findet in! Berlin ein Kongreß zur Gründung eines großen .Deutschen D i r i g e n t e n d u n d e s" statt. Ter Bund cnirebt für feine Mit­glieder die Regelung der Honorarfrage, die Auibesserung der roirt- jcha'tlichen Lage, den Ausbau der ^ohlfahrtseinrichtungen, Unter- flühung in Slot und bei Sterbesallen re. Prof. Robert Koch war anläßlich seines Aufenthaltes in Tokio Gegenstand großen E h r u n fl e n. Ter Kaiser von Japan schenkte ihm einen Itlberneit Tafelaufsatz, außerdem wurden ihm zu Ehren offizielle Postkarten ausgegeben, die Ansichten des Tokioter und de§^ Berliner Instituts für Infektionskrankheiten zeigen. I m Schwanheimer 'j a l ö t stieß man ani die Spuren eines römischen Kastelks, nut dessen Ausgrabimg schon in allernächster Zeit begonnen werden soll. Schon vor einiger Zeit tauchte die Vermutung am, daß Schwanheim auf römische Ansiedelimgen zurückzusühren jci. Tie Eiitdeckung des Rönierkastells bestätigt diese Vermutung vollau;.

kleines Fernlleton.

Goethes Geburtseintragung. Einer unserer Frankfurter Korrespondenten ist in der Lage, zu dem vermeint­lichen Tiebstahl von Goethes Geburtsurkunde folgende nähere Einzelheiten uns zu geben: Zunächst erfahre man, daß Dav eigentliche Original von Goethes Geburtseintragung Nicht ge­stohlen, sondern wohlverwahrt im Städtischen Archiv 11 auige­hoben ist. Dieses Archiv, das die wichtigsten und locrtpolliten Aktenstücke der Stadt enthält, untersteht direkt dem Obcrvurger- meistcr selbst wenn Mitglieder des Magiftrats dieses Archiv bcsuck-en wollten, müßten sie sich erlaubnisnachiuäsend au den Oberbürgermeister wenden. In diesem Archiv bejinDtt uch auch cüt in dickes Leder gebundener Folioband von 1000 weiten, bur Geburtsanzeigen vom Jahre 1740 enthalt und vermutlich mc em Archiv einverleibt worden ist, weil in ihm,die OriginaKiNtragung von Goethes Geburtsanzeige enthalten ist. Anf^ ^eue - iie zu findeu. Uebrigens hieß cs ursprünglichsoyn vcs - - - - und seiner Eheliebsten". Tas Wort muß crc g 6

)cnn es ist durcksgcstrichen und durch die Bezeichnung erietzt. Unb seiner Ehe-Eonsortti". Von dieser ersten Urkunde wurden Abschriften in daS große standesamtliche Regtttcr gemacht und alle die Bemerkungen berücksichtigt, die in dem Z^nal gewünscht ober geänbert worden waren. L>o hat also di-gcst: $ outtsurknnde eigentlich nicht als das SrigiMil zu g SiebW [teilt sich jbemna^oon teilt

Georg Lomcr eine neue Version der letztenÄ^^rden Tie Worte sind, so heißt es da, offenbar falsch verstanden wordei vas aus den Begleitumständen verständlich erscheint^ Goethe ;at (nach der neuen Version) -Ottiliens Bemuhungen ihm starkcu )en Wein einzuflößen, nach einer Weile mit dc." Worten M r nicht" abaelehnt, und hiermit wäre de-.' ^ichter-_> leb^ -ung denn wohl der idealen Teutungsnwglichkest entzogen und

gebiet des Alltäglich-dtarürlichen geruckt. Wem diese Vypo-

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Ailgim 1908 lirchweMi 1 ladet ergebens, ein ner.

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tbefe eint Illusion raubt, der mag sich mit den Schlußworten des Lomcrschen Artikels trösten:Ist es doch so begreiflich, wenn das Genie und gerade das Genie, das eme Geisteswelt geschaffen angesichts dcS Todes alle Pose, alle theatralische Ausmachung verschinähl und in schlichter, natürlicher tttnsachhcit sich auschickt, den letzten aller Wege allem zu gehen. Lächerlich, ja n«hr als lächerlich wäre es, wollten wir sein Vermächtnis aus ein paar dürren Abschicdsworten heranszudcuteln versuchen, ^as wahre Vermächtnis eines Menschen sind ja seine Werke, und wer wollte leugnen, daß gerade Goethe fernem Volke tm Erbe hinterlassen Hai, wie es eines Königs würdig gewesen!

Ter Tod Walter Leistikows. Aus Berlin meldet man Seinerzeit siel cs auf, daß bei dem Tode Walter Leistikows die Familie (fein Vater ist der Fabrikant eines ausgezeichneten Bitteren", Kujaviak genannt, in Bromberg. D. Red. d. G. 21.) sich scheute über die näheren Umstände des Todes Auskunft zu geben. Es war nur bekannt, daß Leistikow ieft fahren schwer leidend war. Jetzt erfahrt man zuverlässig, daß Leistikow Selbstmord verübt hat. Er hat sich ein Raiter men er verschafft und sich damit die Kehle durchschnitten! Ein unheilbares Leiden hatte sich bei ihm eingestellt, nämlich Gchirn- tuberkulose. Er fürchtete, unter Umständen wahnsinnig zu werden und machte deshalb seinem Leben sieiwillig ein Enoe.

E in Radiotelegramm vom Dampfer Kaiserin Auguste Viktoria übermittelt uns das W. T. B. Dr. Potts, Direktor des Aachener meteorologischen Observatoriums, setzt Jane Versuche einer drahtlosen Uebermittciung m.tcorologischer Beobach- iungcii zur See -wisck-en Rewyork uno England sott, wobei es ihm gelang, Wetterberichte aus Amerika LOO Sceiuttten von der amerikanischen Küste entfernt, au,;unehmen, Lerichtc aus Europa sogar in einer Enlicttiung r.n l^JO Seemeflen von der cnglifchen .stufte Täglich wurden Wetterkarten hergestellt, die durch Be- nuisung der Wettermeldungen voruberfahrenoer Schisse die Wetter­lage auf bem Ozean bis zu 800 Seemeilen Ausdehnung ver-

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diese Technik ist ihm keineswegs Selbstzweck. Sic ist ihm, bem. wahren Künstler, nichts weiter als Mittel. Tic Weichheit seiner Kanlilcne ist dewimderiingswüidig. Wie er feinem Jnllttimcnt Seele gibt, berührt nicht nur das Ohr, sondern bas Hei . ~ide innere Wirkung, die man bisher in elfter Lutte als ein Vorrecht der Violine nnfah, weiß Louis Kümmel am das Cornel ;i Pifton zu übertragen. Und diese ieme Fähigkeit gibt ihm auch em Recht bazn, Kompositionen, die für Geige geschrieben wurden, auf fein Jnsliument zu übertragen. Ucberbics ivavict der SJlafer and) nut eigenen Kompositionen auf. So mit einer Phantafie-Polfi. <ir» tuofo. Sie brad'te ihm seilens bc8 Audiloriiiiiis omni Beifall cm, o nachhaltig, daß er sich erst nach einer Zugabe legte.-

Heber einen andern einheimischen Künstler, den Pianfiten Hahn geht uns aus bem Leserkreis folgcnbc Mitteilung zu: In Norderney hat unser einheimischer Pianist Herr Julius Hahn, der dort zur Kur weilte und öfters un KonveilafionS- haufe m Maliiuen unb Soireen vor einer größeren Ztlhörerschaifi pielte, solchen Beifall gesnnbeii, baß daS dankbare Publikum ihm bei seinem Scheiden einen Lorbeeikranz Überreichte.

" Eine Gallon balle in Griesheim a. M.? Im ,Höchster Kr.-Bl." lesen wir: Bekanntlich wirb Graf Zeppelin in FricbrichShasen zurzeit von allen möglichen Anträgen unb Vorschlägen überflutet, unter benen auch der Bau von Ballon­hallen eine große Nolle spielt. Zeppelin 5 ist zwar noch ,iicht gebaut; ober schon träumt man in einem nicht un­gefährlichen Optimismus von Luftrunbfahrten, für die man schon jetzt Stationen bauen will. Zu langen Liiftfahrten durch Teuischlanb ist aber zunächst gar fein Grund vorhanden, unb für die Probefahrtrn genügen wenige RcichS-Luftschiffhäscn. Einige von ihnen sollen im mittleren Nheintal angelegt werden und eine Ballonhalle soll auf den Vorschlag Zeppelins in bie9lä6)c ber chemischen Fabrik ©tieß* Heim-Elektron kommen. Die ,Fr. Z." rät daher, sich dort, wo man Gelder für Hallcnbauten fammelt, entweder soweit noch nötig an der Errichtung der Griesheimer Einlage zu beteiligen oder aber bic Beträge bem Friedrichs­hafener Unternehmer ohne llnuvege zur Verfügung zu stellen, da hier die zweckdienlichste Verwendung der Mittel erfolgen kann. Sollte sich diese Nachricht, die mit aller Bestimmtheit ausgesprochen wird, bewahrheilen, so wird unsere Gegend zur Sache des'lenkbaren Luftschiffes in so nahe Beziehung treten, wie man eS sich bisher kaum hat träumen lassen.

R. Ode nhausen, 27. August. In unserem Dörfchen herrfcht eine rege Tätigkeit im Gemeindeleben. Indem vor 3 Jahren ein prächtiges, völlig der Neuzeit entsprechendes Schulhaus am südlichen Eingang des Dorfes erbaut wurde unb eine Zierde des Ortes ist, wird jetzt unser altes ehr­würdiges Kirchlein, welches wohl eines der ältesten Gotteshäuser Oberhesscns ist, vollständig neu hergerichtet; auch altertümliche Bildniffe an den Emporen unb Malereien in dem Chorgewölbc, die seinerzeit übertüncht worden sind, werben ivicber blosgelegt und neu hergestcllt. Die Wasser­leitungs-Arbeiten sind in vollem Gange, nachdem im Frühjahr bie Qucllenfassung geschehen, erfolgt jetzt der Weiterbau. Der Hochbehälter, welcher direkt über bem Dorfe an die Kreisstraße GeilshausenKeffelbach kommt/ wird von dem Maurermeister Schöncweiß von Kessel buch und. die Leitung durch die Firma Panse aus Wetzlar ausgeführt.- Rachdem bic Felbbereinigiing beschlossen würbe, weilt der Großh. Geometer I. Kl. Schmidt auS Gießen hier unb nimmt Vermessungen zu genanntem Zwecke vor.

--- Laub ach, 27. Aug. In einer in bic Aula bcs Ghiiv-> nasiums einberuseueu, von zahlreichen Tamen und Herren bc*f suchten Versammlung wurde ocftcni eine Vereinigung zur! Veranstaltung von Konzerten, Vortragsaben­den und ähnlichen Darbietungen gegründet, der f0|3ic teilweise schon vorher durch schriftliche oder nirnidlichc^ An­meldung 50 Mitglieder beitraten. Tie Turcgfuhrbarlctt des Unternelynens erfck-eult damit gesichert, zumal uoch vcrichiedcne Beitritte bestiinmt in Aussicht sichen. Zum Vorsitzenden luitroe Gymimsialdircktor Tr. Müller geivählt, dem cin^aus nemr Herren bestehender geschäftsführender Ausschuß zur Seite tteljL Die Vereinigung beabsichtigt, nrie Kämmerdirektor Birnbaum zu Beginn der Versammlung ausführtc, durch dcn int übrigen! , ganz zwanglosen Zusammenschluß die Mittel aufzubrmgcn uni> sicherzustellen, um in jedem Winter 5 bis 6 Abende miifikalifcher- literarischer odcc wisscnschaitlick)er Unterhaltung veranstalten sic , können, deren Besuch allen Bewohnern Lauoachs und der Umgebung, : ermöglicht werden svE M i t g l.i e d der Vereintgilna kann icder- : umnn werden: der Jahresbeitrag ist auf 10 ..i f. feftgeicöt : ivorden: Aumclduugen nimmt der Vorsitzende entgegen. Für ! Auswärtige ist durch Beschluß der Bcrjammlung Die .Skrgun-; . stigung eingeräumt rooroett, daß ihnen her Beitrag nur tn oornt : einer Garanticiond.cichnung bi5 zur Höhe to.i l > i. 31111.1 mit

Die Neuregelung Ser deutschen zinan-verhältnisse.

Die Reichsregieruitg bat es bisher nicht für nötig gehalten, Hre Steuerpläne bekannt zu geben. Run ist derBayer. Cour." mf Grund bester Informationen in der Lage mitzuteilen, daß die Regierung dem Reichstage folgende Steuern unterbreiten wolle: . Erhöhung der Biersteuer; 2. Einführung der Zigarren-Bandc- Iolenstcuer : 3. Grundlegende Acnderung der Brannfiveinsteuer; < Gas- und Elettrizikätsstcuer; 5. Wcinsteuer: 6. Ausdehnung ü>cr Erbschaftssteuer auf KXnder und Ehegatten. Sollte eine dieser Steuern im Reichstage abaelehnt werden, so hak bie Regierung "Lrsatzsteuern auf Lager. Zu denen gehörten in erster Linie die 2nseratensteucr und die Dividenden steuer. Von anderen Steuern ^u reden sei eine Irreführung des Publikums. Gewiß sei es üicht ausgeschlossen, daß im Reichs-Schatzamt noch andere Steuern besprochen unb bearbeitet werden würden, aber vorerst kämen nur )ie genannten in Betracht.

Run weiß man es also, wie das Steuerbukett ber Regierung Lussehcn wird, unb überrascht ist hierüber wohl niemand. Ueber- lascht wird man aber wohl sein, vomLeipz. Tagebl." zu hören, Laß bic Regierung bem Reichstage im Herbst eine sehr um­fangreiche Militärvorlage in Form eines Qninqncn- Jats zugehen lassen werde. An der Tatsache selbst sei lein Zweifel mehr möglich, alle Vorbereitungsarbciten seien erledigt, ts handle sich nicht (soll wohl lftißennicht nur") nm beträcht- «ichc Mehrfordcrungcn, sondern um eine Vorlage von ernster fiinanziellcr und militärischer Bedeutung.

Was soll die Ankünbigung dieser neuen Militärvorlage be- Leuten, die wenn sie sich bewahrheiten sollte, doch gewiß wieder im Zusarmnenhange stcl-en würde mit ber Finanzreform. Das toürbe aus mehr als einem Gtttnbe verhängnisvoll. In den »ccschiedenen Blättern werben denn auch schon bcgrüitbcte Zweifel n ber Richtigkeit ber Mitteilungen im ,Lei^. Tagebl." geäußert. iso schreibt bicDeutsck)e TageSzty.":Trotz ber auch bei ber Lensationsprcssc ungewöhnlichen Bestimmtheit, mit ber bic Mel­dung auf tritt bleiben wir boch dabei, daß der Reick>stag in seiner mäcbflcit Tagung sich mit einer neuen großen Militärvorlage Jiicht befaffen ivtrb. Die notwendigen Mehrforderungen und Reu- Forderungen werben fich innerhalb des geltenden Gesetzes über die ^ledenspräsenzstärke des Heeres halten und nur im Etat juni ilusdrucke kommen, wie das ja auch im vorigen Jahre ber Fall Dar. Richtig mag sein, baß im Kriegsministerium bereits an Lcr Vorbereitung des neuen Militärgesetzes gearbeitet wirb, bas Eber erst bann in Kraft treten wirb, wenn bas fetzt geltende abläuft. Daß mau für diese neue Vorlage auch die Form desQuui- . ucnnats" wählen wird, ist sehr wahrscheinlich. Wir wissen nicht, eb das dkriegsministerium sich veranlaßt sehen wird, ein jor- »iclles Tementi zu veröfsentlichcu: für kundige unb unterrichtete Greife ist das kaum nötig. Auch bic Franlsurter Zeitung bc- «ivciselt die Richttgkeit der Meldung des Leipziger Tageblatts unb schreibt:Trotz ber Bestimmtheit, mit welcher das Leipziaer Mlatt biete Nachricht als von bestunterrichteter Seite stammend, Wringt, müssen wir ihre Nichtigkeit doch durchaus bezwcsieln. ist garnicht einzuschen, welche Gründe jetzt ftir eine neue Mili- »ärvorlage vorliegcn sollen, nachdem erst vor drei Jahren eine Solche angenommen worden ist, deren Durchführung fich bis zum loahre 1011 erstrecken soll. Es ist inzwischen auch nichts bekannt geworden, was einer Vorlagevon ernster finanzieller und mili­tärischer Bedeutung" erklärlich machen würde. Am allerwenigsten läßt die Finanzlage eine solche Absicht glaublich erscheinen. Die "Sdjtoierigt'citen der Rcichssinanzresorm würden damit noch weit roßcr werden. Auf eine. Verminderung, nicht eine Vermehrung der Jiilitärlaften geht ber allgemeine Wunsch. Ans biescn Gründen jchcint uns die Ankünbigung eines neuen Quinquennats ganz unglaubhaft zu sein." Bewahrheiten sich bic Angaben bes Leip- iger Blattes, wie man nur hosscn unb wünschen möchte, nicht, so werben sic boch sicher in weitesten Kreisen Beunruhigung Her­vorrufen. Man sieht auch hier wieber, wie verkehrt die Geheimnis- .rämerci der Regierung ist: die ganze Finanzresorm ließe sich )icl glatter und leichter losen, wenn man den Parteien von vorn­herein klaren Wein einschänkte. Richt ohne Berechtigung sind Daher die Klagen, die der freisinnige Ab<!. Dr. Müller-Meiningen in einer Artikelserie im Septemberhefte der Berliner Halbmonats­schriftReue Revue" erhebt. In diesen sehr interessanten Aus- ührungen heißt es u. a.:

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j, bcn 31. August

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