dr^rs Erstes Blatt IS8. Jahrgang Di-Eag S8.Julit«08
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politifcbe Tagesscliarr.
Jugendgerichte im Großherzogtum Heffeu.
Das Großherzogliche Ministerium hat bei den einschlägigen Justizbehörden Erhebungen anstellen lassen wegen Einführung von Jugendgerichtshöfen im Bereiche des Groß- her^ogtums nach dem Muster des Frankfurter Jugend- gerichtshoses, dem ersten in Deutschland. Die Erhebungen haben ergeben, daß in Hessen ein ivesentliches Bedürfnis für eine derartige Institution nicht besteht. Die Fälle von Bestrafungen Jugendlicher an den Gerichten der fünf großen Städte des Landes: Darmstadt, Gießen, Mainz, Offenbach und Worms, waren und sind verhältnismäßig, mit Ausnahme von Mainz, so gering, daß eine Jnftradierung von Gerichten für Jugendliche sich nicht lohnt. Der Arbeitsstoff ist zu mäßig, der Strafvollzug würde in die Länge gezogen. Nach den Erhebungen wurden im Jahre 1907 nm Schöffen- gericht Mainz — es handelt sich hier nur um solche Strafsachen, die zu der Konrpetenz der Strafkammern nicht gehören — 145, am Schöffengericht Gießen nur 30 Jugendliche abgeurteilt bezw. gegen sie verhandelt. (In Frankfurt a. M. stehen jährlich 400 Fälle an.) Einen Jugendgerichtshof in Mainz zu installieren, hat das Ministerium im Auge. Im übrigen soll aber dahin gewirkt werden, daß die Verhandlungen an den einzelnen Gerichten des Landes gegen Jugendliche, egal ob in Ulrichstein oder Darmstadt, in Waldmichelbach oder Worms, zu einer andern Zeit stattfinden, als gegen die alten Sünder, event. an Nachmittagen, oder aber vor den eigentlichen Verhandlungen, damit Jugend und Alter hier nicht zusammenkommt. Den Vorsitz in diesen Verhandlungen soll ein älterer Richter, wenn möglich der Vormundschaftsrichter, übernehmen, der sich mit den Organen des Fürsorgeerziehungswescns, das im Großherzogtum in mustergültiger Weise geregelt ist und den Verwaltungsbehörden untersteht, in Verbindung zu setzen hat. Hier- durch wird erreicht, daß Strafrechtspflege und Fürsorgeerziehung der Jugendlichen Hand ui Hand gehen, und das qt der wesentlichste Faktor in der ganzen Bewegung.
Gegen die Elektrizitatssteuer.
Auf Einladung des Ausschusses oberschwäbischer Elektrizitätswerke versammelten sich am Montag in Stuttgart die Vertreter der hauptsächlichsten bestehenden und in Gründung getretenen privaten und genossenschaftlichen Ueber- landzentralen, um über gemeinsame Schritte gegen die geplante Elektrizitätssteuer zu beraten. Es wurde beschlossen, sich dem in Aussicht stehenden Vorgehen des Württem- bergischen Elektrizitätsverbandes und des Württembergischen Elettrotechnikervereins anzuschließen und Fühlung mit den außerwürttembcrgischen Jnteressentenvertretungen zur gemeinsamen Bekämpfung der Steuer zu suchen. Auch wurde in Aussicht genommen, für den Fall, daß die württem- bergische Regierung ihre Zustimmung zu der beabsichtigten Steuer geben sollte, Massenpetitionen der Interessenten an die württembergische Regierung, den Landtag und benReichs- tag vorzubereiten, welche bartun sollen, wie schwer neben der Großindustrie auch die kleinen Industriellen und Landwirte durch eine Verteuerung des Elektrizitätsstromes geschädigt werden.
Gin deutscher Luftflottenverein.
Wie bereits vor einiger Zeit berichtet, war die Gründung eines deutschen üuüflotlenvereins geplant, der sich in erster Linie die Sorge angelegen sein laffen will, daß in Deutschland lenkbare Lnstfahrzenge in hinreichender Anzahl und Größe gebaut werden. Die Gründung des Vereins, mit dein Sitz in Mannheim, ist nunmehr erfolgt, und wir lassen nachstehend einen Auszug der Satzungen des Vereins folgen:
Der Verein hat den Zweck, Mittel zu beschaffen für die Vervollkommnung von lenkbaren Luftfahrzeugen, welche vaterländischen Zwecken dienen sollen. Er will weiter das Verständnis und das Interesse des deutschen Volkes für die Bedeutung und die Aufgaben der zu beschaffenden und weiter auszttbauenden Luftflotte wecken, starken und pflegen.
Der Deutsche Lustflotlenverein erblickt die Ausgabe der deutschen Luftflotte barm, die Ehre und Weltmachtstellung des .Deutschen Reichs 311 wahren, insbesondere soll sie auch die überseeischen Interessen Deutschlands und die Ehre und Sicherheit seiner im Ausland tätigen Bürger gewährleisten helfen.
Der Deutsche Luftflotteitoerein wird es als seine Hauptaufgabe betrachten, nach seinen Kräften dafür zu sorgen, daß lenkbare Lufl- iahrzeuge in hinreichender Anzahl und Größe gebaut werden, um ihrer Aufgabe voll und ganz gerecht zu iverden. Er will auch gegebenenfalls mit allen dazu vorhandenen gesetzlichen Mitteln auf die ganze Station einwirken, um die Flotte lenkbarer Luftfahrzeuge in einer der Größe Deutschlands entsprechenden Zahl und Vollwertigkeil zu erhalten.
Mitglieder des Vereins können alle deutschen Reichsangehörigen werden, bie treu zu Kaiser und Reich stehen, sich im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte befinden und volljährig und dispositions- sähig sind. Der Mindestjahresbeitrag ist auf 2 Mark festgesetzt. Dem Verein ist es gestattet, an allen ihm beliebigen Orten Ortsgruppen zu errichten. *
König Eduard als Friedensfreund.
Der König und bie Königin von England empfingen am 27. ds. im Buckinghampalast 24 Mitglieder des gegenwärtig in London tagenden internationalen Friedenskongresses. Der König hieß in seiner Erwiderung auf eine Ansprache, in der er der Förderer des Friedens genannt worden mar, die Delegierten willkommen und sagte, er empfinde nichts mit aufrichtigerer Genugtuung als die Erkenntnis, daß seine Bemühungen zur Aufrechterhaltung des Friedens unter den Völkern nicht fruchtlos gewesen seien und das Bewußtsetn der hochherzigen Wertschätzung, die seine Bestrebungen in England '"owohl wie in den anderen Landern gefunden hätten. Die Herrscher könnten sich kein höheres Ziel setzen als bie Förderung des guten Einvernehmens und herzlicher Freundschaft zwischen den Nationen. Dies sei das sicherste und geradeste Mittel, durch das die Menschlichkeit ihr vornehmstes Ideal Zur Wirklichkeit machen könnte. DieS Ziel zu erreichen, sei
sein unausgesetztes Bemühen und Gebet. Der König sprach schließlich die Hoffnung aus, daß die Arbeiten des Friedenskongresses gesegnet sein möchten.
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Zar und Präsident.
Das französische Geschwader mit dem Präsidenten Falliöres an Bord ist am Montag nachmittag auf der Revaler Reede eingetroffen unb hat mit den dort weilenden russischen Schiffen den Üblichen Salut ausgetauscht. Präsident F-allivres wurde an Bord des „Standard", wohin er nicht in einem russ. Kutter, sondern in eigener, mit einem Baldachin geschmückter Barkasse fuhr, vom Kaiser mit herzlichem Händedruck begrüßt. Der Besuch bauerte 10 Minuten. Der Gegenbesuch des Kaisers auf bem Präsibentenschiffe „Ve- rit6" währte eine Stunde; währenb bieser Zeit konferierten bie Minister Iswolski unb Pichon. An Borb ber kaiserlichen Jacht „Standard" sand abends Galatasel statt, in bereu Verlaufe Kaiser Nikolaus sich zu folgenbem Trink- spr ucy erhob: „Ich empfinde ein lebhaftes unb wirkliches Vergnügen, Herr Präsident, Sie in den russischen Gewässern willkommen zu heißen, und ich lege Wert darauf. Ihnen herzlich zu banken für ihren Besuch, ben ganz Rußlanb als ein neues Zeugnis für die Bande aufrichtiger unb un- veränberlicher Freundschaft ansieht. Ihr Ausentyalt unter uns — bavon bin ich überzeugt — wirb zur Wirkung haben, baß bieje Banbe noch enger werben, und baß ber feste Wille ber beiden befreundeten unb verbündeten Länder, wettzueifern an der Erhaltung und Festigung des Weltfriedens, aufs neue ins Licht geruckt wird. Ich trinEe auf Ihre Gesundheit, Herr Präsident, unb auf ben Ruhm unb bas Gebeihen Frankreichs."
Präsident Falliör es erwiderte: „Ew. Majestät konnte nicht an der großen Freude zweifeln, die es dem Präsidenten der französischen Republik bereiten würde, Eurer Majestät in den russischen Gewässern ben herzlichen Gruß Frankreichs zu überbringen. Ich schließe Ihre Majestät bie Kaiserin, bereu Anwesenheit zu bem Glanze dieses Festes die Anmut fügt, in bie Gefühle ein, die ich mich freue Ihnen auszusprechen. Ich banke Ew. Majestät für bie Worte, bie Sie soeben ausgesprochen haben, unb ich bin glücklich, hiermit Eurer Majestät bie Gefühle ständiger unb treuer Freunb- schaft zu bekräftigen, bie unsere beiden Völker verbindet. Dieser für bie Wahrung des gemeinsamen Interesses so glücklich geschlossene Bund empfängt die kostbare Weihe der Zeit. Er ist in Europa eine Bürgschaft des Gleichgewichts. Er wird fondauern zum größten Wohle Frankreichs und Rußlands, und ich bin wie Ew. Majestät davon überzeugt, daß unsere gegenwärtige Begegnung aufs neue den festen Willen ber beiden befreundeten unb öerbünbeten Länder bestätigen wirb, wettzueifern an der Bewahrung unb Fe st igungdes Weltfriedens. Ich erhebe mein Glas zur Ehre Ew. Majestät unb Ihrer Majestät ber Kaiserin, Ihrer Majestät ber Kaiserinmutter unb der ganzen kaiserlichen Familie; ich trinke auf bie Größe unb auf bas Glück Rußlanbs, bes Freundes unb Bundesgenossen Frankreichs!"
Der Präsibent verweilte bis 10y2 Uhr an Borb bes „Stanbarb".
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Der Jubel über die türkische Verfaffung.
Die Türken sind sörinlich aus dem Häuschen. Die Jubel- hmbgebungen der Bevölkerung dauerten gestern die ganze Nacht fort. Unbehindert von der Polizei mürben auf öffentlichen Plätzen Reden gehalten. Die Volksbegeistcrung gipfelt in Hochrufen auf den Sultan. Türkischen Blättern zufolge erhielten die Provinzialbehörden den Befehl, künftighin nur mit der Pforte zu korrespondieren. Die Aufhebung der Zensur und die Ereignisse geben der türkischen Presse einen großen Aufschwung. Tie Auflagen der Preßorgane sind riesig gestiegen; das türkische Publikum reißt sich um bie Nummern und zahlt den vierfachen Preis Tie Wochenblätter „Serütifunun" und „Mekteb" mürben in Tageszeitungen umgeroanbelt; auch mehrere neue Tagesblätter werden angekündigt. „Sabah" veröffentlicht einen Leitartikel, in welchem erklärt wird, man dürfe jetzt nicht die Rachsucht zu be- sriebigen suchen, sondern alle möchten arbeiten, um bie Zukunst bes Landes zu sichern. Der Sultan habe bie Verfassung breißig Jahre ausgehoben gelassen, um bas Land vorzubereüen. — Dani" veröffentlicht einen Artikel über bie Verhältnisse bes Islam zur Verfassung. Tie türkische Presse begrüßt mit Begeisterung bie Aufhebung der Zensur und der Geheimpolizei. Gestern nach^ mittag sanden vor dem Jildis große Kundgebungen statt. Aus allen Stadtteilen tarnen während des ganzen Nachmittags größere und kleinere Gruppen zu Wagen, zu Pferde, auf Fahrrädern oder zu Fuß an. Tie meisten Teilnehmer gehörten den mittleren und unteren Volksklassen an. Man sah viele Offiziere, Mannschaften, sogar Schulkinder, hauptsächlich Molzamedaner aber end) Christen. Die Gesamtzahl kann auf viele Tausende geschützt werden. An der Spitze der meisten Gruppen fuhren oder gingen Geistliche, fortwährend betend und die Bevölkerung anredend. Viele Demonstranten trugen Fahnen oder Tafeln mit Inschriften wie Padischahim Ascl)ek Vascya; (ber Sultan lebe viele J-ahre), hoch die FceckM, hoch die ftonftitution! usw. In der Menge befanden sich auch viele türkische Frauen- Im Jildis angelangt, zogen die Demonstranten bis vor das große Tor, wo es zu neuerlichen, noch begeisterteren Huldigungen für ben Sultan kam. Generale überbrachten sodann den Demonstranten den Ausdruck der Befriedigung des Sultans und forderten die Menge auf, in Gruppen aufzumarschieren, um anderen Demonstranten Platz zu macl-en, welcher Aufforderung ohne Widerrede Folge geleistet wurde. Viele glaubten, den Sultan am Fenster gesehen zu haben. Der jungtürkischc Führer Enver Bay telegraphiert der „Neuen Freien Presst' aus Saloniki, daß nach der Publizierung der Verfassung alle griechischen Banden aus der Umgegend von Mona st ir die Waffen niedergelegt und ihre Tätigkeit eingestellt haben, um sich in ihre griedüidye Heimat zu begeben. Die bulgarischen Banden tun ein weiteres, auch der bekannte Führer Sandansly hat die Wafsen niedergestreckt.
Aolonralpost.
Die ersten Diamanten in TentsdpSüdwestafrika.
lieber die Auffindung der ersten Tiamanien werden in der „DeiUjch-Südwestasrikcmischen Zeitung" nachstehende Einzelheiten berichtet: Ein Streckenwärter der Bahn Lüderitzbucht—Keetmanns- Hoop hatte einen Kristall gesunden und zerschlagen. Die Stücke
zeigte er seinein Vorgesetzten, dein Oberbahnmeister Stauch, der s ihm sagte, er solle doch solche Steine nicht zerlrüinmern, sondern lieber ihm zeigen. Alan könne nie wissen, ob \o ein Fnnd nicht wertvoll sei. Auch solle er seine Eingeborenen anweisen, auf Steine und Kristalle zu achten. Einige Tage darauf kam einer der Leute des Slreckenivärters, ein Eapboy, au Herrn Stand) mit den Worten: „Mister • Jk hat en Demant? Der Junge Halle offenbar schon einmal in Kiinberley oder irgendwo gearbeitet und kannte daher Diamanten. Herr Stand) besah den Stein, fragte den Eingeborenen ans und stellte, da er gerade zufällig, um auf Kupfer zu schürfen, zwei Cd)ürsschcine gelöst hatte, seine Cchürs- tafeln an der Fnndstelle auf. Weiteres oberflächliches Abstichen brad;re in der Folge immer mehr der glänzenden Edelsteine zum Vorschein, aus zivec Schür1jd)ei>ien ivtirden nach und nach dreißig, iliid mit Hilse eines bemittelten Konsortiums ist cd jetzt gelungen, einen regelrechten Schürwelrieb einzurichten. — Tie Edelsteine sind meist unrcqelinäßige Splitter, jedoch sind darunter and) vollkommen regelmäßige Oktaeder und kr'.ililNifiäd)igeRhombendodekaeder^ in der bekminlen ll)pijd)en Kristallform deä Diamanten iud)t selten. Tie Farbe der Steine ist ivafferhell. Kenner behaupten, die Tiu- manten stünden im Wert den besten südafrikanijcheti nidjt nach. Eine weitere Prüfling luurbe im Laboratorium des Äsinensyndikats öoigenommen, über bereit Ausfall jedoch nichts bekannt geworben ist.
Deutsches Reich.
Von ber Nordlanbfahrt des Kais?rs. Ein Telegramm aus Bergen vom 27. Juli meldet: „Ter Kaiser ist nach guter Fahrt, die kurz vor Bergen burd) Nebel aufgehalten wurde, um 1.10 Uhr hier eingetrofjen. Das Wetter ist warm. An Bord alles wohl." Der Kaiser nahm gestern vormittag Vorträge entgegen unb frühstückte dann bei dem Konsul Mohr; uni 4 Uljr dampfte die „Hohenzollern" nach Swine münde ab.
Reichskanzler Fürst von Bülow wird fid) zum Vor-. trag beim Kaiser nach Swinernünde begeben, von dort tritt ber: Kaiser am Sonnabend seine Reise zum Besuche bes Königs von Sck)weden in Stockholm an, ait Der auch, die Kaiserin teihiimml. Am Donnerstag trifft der Reichsianzlcr in Berlin ein unb hält sich hier einige Stunden auf, um Vorträge entgegenzunehmeu. Am Sonnabend wird der Fürst wiederum ut Berlin cintrcffen, bleibt hier bis Sonntag unb wirb bann wahrscheinlich nachts nach Nor- berney zurüclkehren.
Für bie Reichstagsersatzwahl im Kreise Wolscnbüttel-Helmstedt haben Vertreter aller bürgerlichen Parteien den braunsd)weigisd)en Landtagsabgcorbneleii Kleye-Jerixbeim als Kanbibaten aufgestellt.
Kein Konflikt mit Portugal. Wie der „L. A." an rnständiger Quelle erfährt, entspricht bie von einem auswärtigen Blati. gebrachte Bkeldung über den Ausbruch eines beutfdi-portu», giesischen Konflikts aus Anlaß ber Grenzregulierungs-Verhand- Inngen an ber Grenze von Kamerun unb Angola in keiner W e i s e b e n T a t s ache n, ba weder die Verhanblungen begonnen haben, noä) auch ein Zeitpunkt hierfür endgültig festgesetzt worden ist.
Die Stellung des bayerischen Kultusmini st ers vonWehner gilt als erschüttert. Der Minister ist am Sonntag plötzlid) unwohl geworben und hat )id) im Laubtage, wo zurzeit sein Etat verhandelt wirb unb gegen ihn mehrere Interpellationen in Aussicht standen, bis auf weiteres absagen lassen. Die Ursache dieser Vorgänge ist in dem jüngsten Konflikt zwischen dem Kultusministerium und ber Universität München zu suchen. Es wirb Herrn von Wehner vocgeworsen, er wolle ber juristischen Fakultät einen ihr nicht zusagenden Prosesior ausnötigen und den übrigen Universitäts-Professoren das Recht bet. öffentlichen Meinungsäußerung hierüber einschränken. Der Senat ber Universität Hal hiergegen einmütig Widerspruch erhoben.
Ausland.
Drohbriefe. Nach Meldungen aus Lausanne erhalten die Mitglieder des schweizerischen Bundesgeridsis, die für die Auslieferung des Russen Wasslliew gestimmt haben, mit jeder Post neue Stöße von Drohbriefen. Das Bundesgerichtspalais wird polizeilich bewacht unb ist für bas Publikum gänzlich abgesperrt.
Seckriegsrecht. Im Oktober sinbet in London eine internationale Konferenz zur Beratung ftrittiger Fragen des Seekriegsrechts statt. Das Beratungs-Programm umfaßt u. a. folgende Gegenstände: Kriegskontrebande mit verschiedenen Unterabteilungen, ferner Blockaderecht, endlich das von England bestrittene, von Rußland verfochtene Recht auf Zerstörung recht- mäßig gekaperter Schisse Neutraler in Fällen, wo kein Hasen erreichbar ist. England, das den Vorsitz führen wird, soll beabsichtigen seinen Vorschlag, ben Begriff ber Kriegskontrebande, sowohl der bedingten, wie der unbedingten, abzuschaffen, zu erneuern und wird sich, da auf Einstimmigkeit in dieser Frage nicht zn rechnen ist, mit möglichst viel Emzelmächten in diesem Sinne auf Gegenseitigkeit verständigen.
D i e Lustschifsahrt in Frankreich. Nach einem' erneuten Aufstiege des lenkbaren Luftschiffes „Republique" in Montes sprach sich die Militärkommission einstimmig für bie endgültige Uebcrnähme ans.
Kunbgebung gegen Venezuela. In Willsmstadt, ber Hauptstadt des holländischen Curacao, fand gestern eine starke Kundgebung gegen das venezuelanische Konsulat statt. Die Volksmenge umgab auch das deutsche Konsulat, wohin sich der, venezuelanische Konsul geflüchtet hatte. Er mußte später von einer Eskorte begleitet werden, um in sein Konsulat zurückzukommen, was nunmehr auch von Truppen bewacht wird. Am Vorabend hatte die Volksmenge die Wohnung eines Venezuclaners umgeben und zwang ihn, össentlich Abbitte zu leisten, weil er für Curacao beleidigende Artikel veröffentlichte. Seine Familie wurde gezwungen, die holländische Nationalhymne zu fingen, wozu die Menge rief: Nieder mit Castro! Es lebe die Stünigin Wilhelmine. Ter niederländische Gesandte be Rens erhielt inzwischen bie telegraphische Aussorberung, sofort nach Holland ab» zureisen. _____________________________________
Ans Stadt rind Land.
Gießen, 28. Juli 1908.
Tages-Kalender für Dienstag, den 28. Juli: Stadttheater: 6. Operetten - Gastjpiel v®a|parone'', Anfang 8 Uhr.
Bürgerverein Gießen: Tiskussionsabend, 9 Uhr, bei' Dickorö in der Kaiser-Allee.
Kolosseum: Große Vorstellung. *
'* Ernennung. S. K. H. ber Großherzog hat am 25. Juli b. I. ben Steuerkommlssarratsasfislenten bei dem Stcuerkommissariat Darmstadt 1, Regierungsassessor


