Ausgabe 
25.3.1908 Erstes Blatt
 
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Der Ausbau unserer Arbeiterschutzgesetzgebüng ist dring­licher als die Arbeitskammerfrage. Zuerst stelle man die Tarifgemeinschaften, denen die Zukunft gehört, rechtlich sicherer, als es bisher der Fall ist, dann ordne man end­lich die Rechtsverhältnisse der Berufsvereine, was ja schon in Mrgriff genommen war. Weiterhin ändere man den § 75 oes Gewerbegerichtsgesetzes, indem man besondere Ausschüsse der Unternehmer und der Arbeiter, die ge­trennt verhandeln und beschließen, zuläßt. Es ist zwei­felhaft, ob das auf statutarischem Wege bereits jetzt mög­lich ist. Die Arbeitskammcrvorlage rann man für eine spätere Zeit zurückstellen. Der neue Reichstag mit seiner Blockmehrheit, der jetzt unter Ausschluß der Oefsentlich- keit tagte, was für den vielgeplagten Zeitunosleser eine wahre Erholung war, hat viel dringlichere Aufgaben zu lösen, als die' leidige Arbeitskammersache. Auch wenn die Regierungsvorlage vorläufig ehrenvoll begraben wer­den sollte, ist ja derEinlösung des Kaiserlichen Worts" hne das verbrauchte und anfechtbare Schlagwort heißt - endlich Genüge getan.Quieta non movere!", würde Bismarck sagen. Das ist unter Umständen immer noch eine der probatesten staatsmännischen Sentenzen.

Der Zournalistenstreik ist beendet.

Gestern, zu später Abendstunde, ist den Journalisten bes Reichstages endlich die erwartete Genugtuung zuteil geworden. Abg. Gröber gab am Schluß der gestrigen Reichstagssitzung folgende Erklärung ab:

In der Sitzung des Reichstages am 19. März sagte der Abgeordnete Erzberger in einer Rede über die Kow- nialpolttik,der Eingeborene ist auch ein Mensch, aus- gestattet mit einer unsterblichen Seele und zu derjenigen ewigen Bestimmung berufen wie wir". Nach Anhörung dieser Worte, wie ich ausdrücklich hervorheben will, ver­zeichnet der unkorrigierte, amtliche stenographische Bericht Unruhe, Zwischenrufe von der Journalistentribüne, leb­hafte Entrüstungsrufe aus der Mitte, Mocke des Präsi­denten. An den lebhaften Entrüstungsrufen aus der Mitte war auch ich beteiligt. Das Gelächter von der Journalistentribüne war so auffallend, daß ich mit an­deren Kollegen den Eindruck gewonnen habe, es handele sich um eine Verhöhnung des Inhaltes der Ausfüh­rungen des Redners. Ich möchte hinzusügen, daß ich wenige Tage vorher, nämlich in der Abendsitzung am 16. Mär^, durch einen Zuruf von der Journalistentribüne gestört worden bin, einen Zuruf, der dann vom Präsi­denten gerügt wurde. Der stenographische Bericht über die Sitzung am 19. März bestätigt, daß solche Storungen von der Journalistentribüne auch sonst wiederholt erfolgt sind. (Sehr richtig im Zentrum/« Wenn ich in Erinnerung an die Vorgänge der letzten Zeit und angesichts des Ernstes der von dem Redner behandelten Frage meiner Entrüstung über das Gelächter einen unparlamentarischen Ausdruck gegeben habe, bitte ich um Entschul­digung. (Beifall.)

Diese Erklärung des Wg. Gröber wurde den Jour­nalisten amtlich mitgetcilt. Die Versammlung der Jour­nalisten des Reichstages nahm hierauf folgende Schluß- resolution an:Die Journalisten der Reichstagstribüne Nehmen Kenntnis von der unter dem Druck der Fraktionen des Reichstages abgegebenen Entschuldigung des Abg. Grüber. Sie er­kennen damit an, daß sich das Haus bemüht hat, die Verfehlung eines Mitgliedes den Journalisten gegenüber iu sühnen, und neh­men mit Rücksicht aus die Interessen des Lan­des und des Parlaments vom Donnerstag an die Arbeit wieder auf." Die Resolution wurde mit 70 gegen 2 Stimmen bei 2 Stimmenthaltungen angenom­men. Die Journalisten faßten ferner folgenden Beschluß: Die Journalisten des Reichstages sprechen den Journa­listen im In- und Auslande, die ihnen bisher in so brüder­licher Weise beistanden, herzlichen Tank aus und erwarten, daß ihre Unterstützung ihnen auch weiterhin nicht fehlen werde."

Auch gestern noch waren den Journalisten des Reichs­tages zahlreiche Sympathiekundgebungen zugegangen; selbst em oberschlesisches Zentrumsblatt, dieNeustädter Ztg.", hatte sich dem JournalistenftrejL angeschlossen. Der Ehef- redakteur Hugo Bürkner, früher Redakteur derSchlesisch. Vollsztg.", erklärt im Leitartikel, die Wahrung der Stan- desehre stehe chm höher als die Rücksichtnahme auf einen Abgeordneten, möge dieser auch der eigenen Partei an» gehören.

Run ist der eigenartige Konflikt zwischen dem deutschen Reichstage und der Presse also endlich glücklich beigelegt, und man darf nun wohl hoffen und wünschen, daß die deutschen Journalisten nie wieder gezwungen sein werden, zu dem Kampfmittel des Streiks zu greifen. Es ist beschämend für den ganzen deutschen Parlamentarismus, wenn die im Reichsparlamente tätigen Journalisten schutzlos jeder Be­schimpfung ausgesetzt sein sollen. Möge das deutsche Neichs- tagSpräsidium in dieser Beziehung etwas von den guten Sitten anderer Kulturvölker lernen und besser darauf achten, daß die unter gebildeten Menschen üblichen Umgangsformen nicht wieder in solcher Gröber - Weise außer Acht gelassen werden.

Ueber die nächste Neichstagssitzung, die am Donnerstag stattsindet, werden wir unsere Leser wieder ausführlich, wie früher, berichten. Auf der Tagesordnung dieser Sitzung stehen: Fortsetzung der Etatsberatung und Aersichcrilngs- vertrag.

parlantetttarifdyes.

Zm Preußischen Abgeordnelenliause stund gestern die erste Beratung der Setundärbahn- Vorlage auf der Tagesordnung. In der allgemeinen Be» sprechiing führte Mniister Breitcnbach u. a. aus, daß diese Vorlage die umjangreichste jei seit dem Bestehen der Slaalsdahnen. Sie fordere gegen 1607 200 Mill. Alk. mehr. Trotz der Hoden An» forbexungen, welche die bestehenden Bahnen an ben Fiskus stellen, werde für neue Bahnen der hohe Betrag von »37 127 000 Mk. ge­fordert. Ter Minister gab dann einen Rückblick auf die feil Be­gründung der Staatsbahnvcrivaltlmg für diese verausgabten anßer- ordenlllchen Mittel, die sich bis Ultimo 1907 auf 4'/^ Milliarde belau'en. Bei der allgemeinen Aussprache wurde eine'Reihe von Emzelwünschen vvrgeiragen. Morgen Hebanunengefetz, fleineie Vortagen und Fortsetzung der Setun'darbayn-Vortage.

Berlin, 24. Marz. Die schon seit Wochen an ge» kündigte Novelle zum Münzgefetz ist nunmehr dem Reichstag vorgelegt morden. Sie verlangt die Z u st i m m u n g z ti r A u s p r a g u n g eines 2 5 P i g. - Stückes (oljne Angabe b er For m) u n d die Er­höhung der Silberguore von 15 auf 20 Alk. pro Kopf der Bevölkern ng.

Die Akorgenblätter melden aus Lübeck: Die Bürger­schaft lehnte die von ben Sozialdemokraten beantragte Ein­führung deS allgemeinen gleichen und direkten Wahlrechtes ab.

Rrr-land.

DasBerk. Tgbk." meldet aus Petersburg: Aus Medweed im $oiü)ernerneut Nowgorod treffen fortgesetzt Meldungen über Zuchtlosigkeiten im dort st eh enden Bataillon ein, das auS disziplinierten Soldaten des Preobraschenskischen Regi­mentes gebildet ist. Desertionen sind an der Tages­ordnung. Tie Verhaftungen von Terroristen, .die längs der finnländifchen Bahn Attentate vorbereiteten, dauern fort. In W i b o r g allein rtnrrben in der letzten Woche 21 Personen aus diesem Grunde festgenoinmen. Eine größere Anzahl weiterer Ver­haftungen wurde aus der finnischen Grenzstation Beloostrow ge­meldet.

Die Reichsduma beschäftigte sich gestern in längeren De­batten mit der zweiten Lesung der Gesetzesvorlage über die Er­hebung der russischen Gesandtschaft in Tokio zur Botschaft.

Die Voss. Ztg. meldet aus Belgrad: KronprinzGeor g richtete an seinen bisherigen Rechtsiehrer Professor Ku manu di, der kürzlich als geistiger Urheber des bekannten kronprinzlichen Schreibens in der Apanageangelegenheit seiner Stelle enthoben wurde, ein Schreiben, in welchem er über diese Enthebung sein Bedauern ausdrüüt und ihm für feine bisherige Tätigkeit dankt. Da die Maßregelung des Professors durch die Regierung im Ein­vernehmen mit dem Könige erfolgte, so trägt der Brief des Kron­prinzen den Charakter deroffenen Auflehnung gegen Regierung und König.

Peking, 24. März. Die blutigen Unruhen, die infolge der Freigabe des japanischen Dampsters Tat- f u Maru ausgebrochen sind, dauern fort Eine ungeheuere Menschenmenge verlangte die Abberufung des Generalgouverneurs von Cautvn. Die japanischen Kaufleute verlassen die L>tadt. Die Lage ist sehr ernst.

Ans stadr und Land.

G i e 0 e n,. März 1908.

Meister- und Gesellenprüfungen.

Di'' Erhebungen über die Durchführung des Hand- lverkergeseßes haben für die einzelnen Kammerbezirke inter­essante Ergebnisse aufzuweifen, insbesondere ist auf dem Ge­biet des Gesellen- und Rietstcrprüfungswcsens in allen deutschen Kammern Hervorragendes geleistet worden. Die Aufsicht über diese Prüfungen führen bekanntlich die Hand­werkskammern. Im Kammerbezirk Darmstadt sind feit In­krafttreten des Handwerkergesetzes, insbesondere der Bestimm­ungen über das Prüfnngswesen nachstehende Wahlen von be­sonderem Interesse. Die Meisterprüfung haben im Bezirk der Kammer Darmstadt bis Schluß des Jahres 1907 be­standen: in der Provinz Starkenburg 250 Prüflinge; in der Provinz Rheinhessen 234 Prüflinge; in der Provinz Ober­hessen 297 Prüflinge. Vor den Gesellenprüf ungS- A us sch ässen bestanden bis Schluß des Jahres 1907 ins­gesamt 10-014 Lehrlinge die Prüfung, davon entfallen auf die Provinz Starkenburg 4394 Prüflinge, auf die Provinz Rheinhessen 3168 Prüflinge und auf die Provinz Ober- h essen 2452 Prüflinge. Interessant ist auch der Nachweis, daß sich die Zahl der Prüflinge in jedem Jahr gegen das des Vorjahres erheblich erhöht hat.

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* * Vom Großh. Hofe. Graf und Gräfln zu Dohna- Schlobitten sind am Dienstag morgen zu mehrtägigem Besuch im neuen Palais zu Darmstadt eingetroffen. Die Gräfln zu Dohna-Schlobitten ist eine Schwester der Großherzogin.

Für bie Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung am Donnerstag den 26. März, nach­mittags 4 Uhr, ist folgende Tagesordnung vorgesehen: 1. Schutzstreifen bei der Irrenanstalt. > 2. Unterhaltung der Anlagen vor dem Unioersitätsgebäude. 3. Jahresbericht der Omnibusgesellschast. 4. Verpachtung eines Grundstückes an den Ziegenzucht-Verein. 5. Vorläufige Kreditbewilligung für 1908.

* * Fasch - Ausst eilung für das Gastwirte- Gewerbe und verwandte Berufszweige. Nicht geringes Inte­resse werden auf der Ausstellung die praktischen Vorführungen der Koch-Abteilung der Alice-Schnle zu Gießen, sowie der. Kreis­haushaltungsschulen Gießen und Friedberg erregen. Es tvird Jedermann Gelegenheit geboten werden, das von den jungen, am Kochkurfus beteiligten Mädchen Hergeslellte, als da sind Suppen, Fleisch-und Eierspeisen, Kuchen, eingelegte Früchte und Gemüse, Nudeln 20. zu probieren und sich zti überzeugen, daß auch - mit wenigen Mitteln eine gute schmackhafte Kost hergestellt werden kann. Es ist ein rächt zu unterschätzender Vorteil, den diese jungen Kochjchülerinnen dadurch geniesen, daß ihnen Gelegenheit geboten wird, schon in der Jugend das zu lernen, was unseren modernen Hansfranen leider jo oft fehlt: 'Mit Wenigem hausztihalten, gut und doch billig zu wirtschaften. Daß diesen Kochschnlen Mich vom pädagogischen Standpunkte aus em großer Wett innewohnt, brauchen wir wohl nicht erst zu erwähnen. Nachstehend geben wir die Namen der Herren, die auf der Ausstellung als Preis­richter fungieren werden. Rentner Karl Bnerose, Frankfurt a. M., Hofkücheitnteister Robert Edison, Darmstadt. Ingenieur Theodor Eigel, Gießen, Klatis Haust, Vorsitzender des Rhenr-Main-Gastwirte- Verbandes, Tarnistadt, Kommerzienrat Heyligenstaedt, Gießen, Hotelbesitzer Walther Hechler, Laubach, Reittner Jaques Henkel, AxanEfurt a. M., Fürstll Küchenmeister Hummel, Lich, Hotelbesitzer Theodor Jacobs, Erfurt, Adolf Jung, Obermeister der Fleischer- innung, Frankfurt a. M., Kgl. Hoskonditor Adolf Jung, Kassel, Kondiior Albert Junker, Frankfurt a. M., Hotelbesitzer Emil Klumpp, S-ranthirt a. 9)1., Hotelbesitzer Josef Kreß, Fulda, Hotelbesitzer Wtlh. Kröger, Vorsitzender des Mitteldeutschen Gastwirte-Berbandes, Kassel, Kan'mann Eduard Slrunun, Gießen, Rentner Kurt von Ait'mchow, Gießen, Hotelbesitzer Gustav Mund, Bingen, K. PH. -Müller, Stadtverordiieier, Darmstadt, Hottonditor 1.2. Ott, Darm­stadt, Hoftraiteur Karl Poser, Greiz, Direktor Karl Rememer, Darmstadts Hotelbesitzer Adolf Reilter, Darmstadt, Küchenmeister Gebrüder Scharhag, Wiesbaden, Professor Dr. Soininer, Gießen, Oberstaatsanwalt Karl Theobald, Gteßeii, Hotelbesitzer Kurt Weiß­müller, Mainz, Redakteur Paul Wittko, Gießen.

Pferdcrnarkt. Der bevorstehende Fcähjahrsmarkt verspricht wieder sehr gut zu werden. Für die Prälniierung liegen zahlreiche Meldungen vor. Auch die Vorführung dou Pferden aus Privatbesitz scheint gute Beteiligung zu finden und recht interessant zu werden. Für die Pferde markt- Lotterie ist es diirch Vermehrung der Lose möglich geworden, vielfach geäußerten Wünschen zu em.prechen und für die ein­zelnen Geivmne erheblich höhere Summen arifzuwenden. Der erste Gewinn besteht aus einem eleganten Viktociawagen (von Friedrich Groß-Gießen) und Pferd mit silberplattierlem Geschirr (von Christian Spieß-Gießen). Der zweite Gewinn besteht ans einem eleganten Jagdwagen mit Pferd und ver­nickeltem Brustblatlgeschirr (von August Klidinger). Der dritte Gewinn besteht aus einem Lauterbacher Wagen (von Heinrich Mühlich) mit Pferd und komplettem Kummetgeschirr (von der Firma Müller & Diebel). Es folgen sodann 6 Pferde und 4 Fohlen. Pferde und Fohlen werden auf dem Markt ge­kauft. Mit dem Ankauf der nicht lebenden Gelvinne wird bei den hiesigen Geschäftsleuten in diesen Tagen begonnen. Sie werden gut tun, sich jetzt schon zu überlegen, was sie der 9lnkaufskonimission zum Verkauf Vorschlägen können. Die Arbeiten der Ankaufskommission werden hierdurch wesentlich gefördert.

Ein wichtiger Zeitpunkt ist für unsere Sechs* jährigen gekommen. Morgen und übermorgen" haben die Anmeldungen zur Volksschule zu erfolgen und zwar am Donnerstag für die Knaben und am Dienstag für die Mäd­chen. (S. amtl. Bekanntmachung.)

Ans dem Bureau des Stadttheater§. Noch­mals sei auf die heutige letzte Vorstellung von Ibsens Wildente" zu kleinen Preisen hingewiesen und auf das am Freitag stattflndende Benefiz des Herrn Reimer- Schlegel, das die beliebte PosseFlotte Weiber" von Treptow bringt.

"Der Finanzausschuß der Ersten Kammer beschäftigte sich gestern vormittag mit der Beratung des Staatshaushaltsetats. Da sich Dissense mit den Be­schlüssen der Zweiten Kammer nicht ergaben, so gelangten die einzelnen Etatspositionen glatt zur Annahme. Später de- schästigte sich der Finanzausschuß noch mit dem Gesetz­entwurf, betr. die H in te rb l i eb enenf ürso rg e für die Beamten der Preußisch-Hessischen Elsenbahngemein- schaft. Der Ausschuß stimmte auch hier den Beschlüßen der Zweiten Kammer zu. Die Erste Kammer wird anfangs nächster Woche zur Etatsberatung zusammentreten.

Grünberg, 24. März. Nachdem schon seit Wochen über das Bahnprojekt LichGrünberg bezüglich feiner Einmündung in den Bahnhof zu Grünberg gestritten und Debattiert worden war, ist endlich heute die Entscheidung ge­fallen. Die Stadt erwarb heute von Bauunternehmer Hch. Schmidt II. und Kinder deren Anwesen an der Londorfer Straße für 25 800 Mk. Durch den Hof dieses Hauses soll die Bahn über die Londorfer Straße und von da über das Baugelände der Baurats DieffenbachS Erden auf das Bahn­hofsgebäude der Oberhessischen Eisenbahn zugeführt werden. Zu diesem Zwecke erwarb heute die Stadt mich von Dieffen­bachS Erben ein Bauterrain für 1.80 Mk. das Nieter mit zu­sammen ca. 9000 Mk. Die projektierte Bahn wird jetzt neben dem Poftgebäude an der Bahnhofstraße nahe dem jetzigen Stationsgebäude enden. Heute flndet auch die landespolizei­liche Prüfung des Geländeerwerbs statt.

O Oppenrod, 24. Niärz. In unserer Gemeinde plant man gegenwärtig die Errichtung einer Wasserleitung. Die Feldbereinigung ist schon längere Zeit in Aus­führung begriffen und soll bis 1909 fertiggestellt sein. Die Erbauung einer neuen Lehrerwohnung steht für die nächsten Jahre bevor.

Alsfeld, 24. März. Eine Abschiedsfeier findet nächsten Samstag zu Ehren des Oekonomierats Leit Higer statt, der am 1. April seine Tätigkeit als Sekretär der Land- ivirtschaftskanimer zu Darmstadt beginnt. AuS der Schwalnr geländet ivurde die Leiche der Frau Bohner aus dem nahen Holzbnrg. Bei dem letzten Hochwasser war die alte Frau in die hochgehende Schwalm gestürzt.

oz. Offenbach, 25. März. (Tel.) Bei den gestrigen Wahlen zur Offenbacher Stadtverordneten-Versammlung in Bürgel, das am 1. April eingemeindet wird, wurden 897 Stimmen abgegeben. Davon entfielen auf die bür­gerliche Kandidatenliste 458 und auf die sozial­demokratische 310 ungestrichene Zettel.

h. Frankfurt a. M., 24. März. Wie der Preß- Ausschuß für das 11. deutsche Turnfest mitteilt, hat der Kronprinz das Protektorat übernommen.

GerichtssaaL.

Köln, 24. März. Der frühere katholische Division S- Pfarrer Joseph Hildebrand und die frühere Rentnerin Garthoff wurden zu 2 Monaten dezw. 6 Wochen Gefängnis ver­urteilt, weit sie eine Anzahl kleinere Leute um größere Geldbeträge geprellt haben.

Kleine Tageschronik.

In Hannover erschoß der Rentier, simhere Hoffchneider- meister, Meyer seinen im Bett liegenden Sohn, einen Semi­naristen und jagte sich dann.selost eine Kugel in den Kops- Meyer scheint die Tat in einem Anfall geistiger Umnachtung begangen zu haben, andere Beweggründe fehlen.

Infolge eines Schwemm, auddunhbruches wurden int Schachte Glückauf" der Norddeutsch:n Braunloblenwerke bei Voelpke (Prov. Sachsen) zwei Bctriebsauffehen, zwei Häuer, drei Förderleute und ein Praktikant verschüttet und sämtlich getötet. Tas Wasser in der Grube steigt. Die Leichen konnten noch nicht geborgen werden.

In Duisburg wurde ein Holländer feftgenonunen, der in Haaren einen reichen Bauer er Word et hatte. Bei der Festnahme des Raubmörders entspann sich ein Kampf, wobei ein Schutzmann erhebliche Verletzungen davontrug.

Der Melllacher Tunnel war dieser Tage wiederherge- ftellt worden, worauf eine Probefahrt ftattfonb. Unmittelbar nach der Durchfahrt trat infolge Gesteinsdruck neue Einsturz­gefahr ein. Tie Eröffnung des Tunnels ist daher vom 1. 'Ilpril auf den 1. Mai vcrsckwben worden.

Die Konsuln und Vertreter der fremden Alächte in B r ü s s e l folgten einer Einladung des Bürgermeisters zu einer Besprechung Über die im Jahre 1910 dort stattfindenden Weltausstellung. Ter Bürgermeister legte der Versammlung ein ausführliches Projekt vor. Ter Kvnchl^x, über den sich die Ausstellung erstrecken wird, beträgt 100 Hektar. Frankreich bat bereits feine Teilnahme an­gekündigt. Deutschland und Italien werden, wie erroartet wird, in den nächsten Tagen das gleiche tun.

Gemäß einem Vergleich zahlen die Erben der in Genf ver­storbenen Baronin Rothschild dem Kanton Genf 2 14 M i IL Francs Erbschaftssteuer.

Märkte.

Li m b urg a. d. La h ir, 24. März. Fruchtmarkt. Durch- schuittspreiä pro Acalter. Roter Weizen (nasfaulfcher) 17,50 Mk., weißer Weizen 00,00 Alk., Korn 14,40 Mk., Gerste 11,00 Alk., Hafer 8.00 Mk., Erbsen 0,00 Mk., Kartoffeln 6,00 i'lE.

Gießener Wetterdienst.

Boransfichtliche Witterung für Honen am Donnerstag den 26. Aiärz: Wechselnde Bewölkung. Trocken. Kühl. Stärkerer Nachtfrost. Oestttche Winde.

Mrigittal-Drahtmel-unge».

Tübingen, iso. iuturj. _vr UtUjuJLuenc 1 ner

vermachte der naturwiffenschastlickten Fakultät unterer Universität eine Stiftung von 50000 Mark. Tie 20 000 Mark werte Bibliothek und die Instrumente erhalt das physikalisch-chemische Institut.

Rom, 25. März. Tie offiziöse Träbuna widmet dem Kaiser- besnch einen geradezu begeisterten Leitartikel, worin sie Deutschland und Kaiser Wilhelms beständige Freundschaft für Italien und bie segensreichen Folgen der Tripel-Allianz hervorhebt.

Brüssel, 25. März. Der König, der von seiner jüngsten Krankheit bereits vollständig genesen war, hat sich eine neue Erkältung zugezogen und kann vor Ablauf von 14 Tagen das Zimmer nicht verlassen.

Wa s h 1 ng 10 n, 25. Marz. Die Einladung der ame- r i E a n i f a; e n Flotte nach Ehrna ist angenommen worben. Gleichzeitig hat das Kabinet beschlossen, keine weitere Einladung anzunehmen.