Samstag Z5. Januar 1908
Zweites
Blatt
Nr. 21
Jahrgang
E^chetnr täali<6 mit Ausnahme des Sonntags.
Geyeral-Mzezger für Gberheffen
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'ichen Unwersiläls - Buch- und Steindruckeret.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Exvebftion und Druckerei: Scbul- straße 7. Erpebitwn und Verlag: e®5L Redaktion:112. Tel.-AbruAnzeigerGießen.
t>te .Sießene» HanftUendlätter" werden dem otermal wöchentlich beigelegt, das „Mitisblan für den Kreis Sichen" zwennal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen 5ett- kra-en" erscheinen monatlich zweimal.
Stiiumungsbüö aus dem preu-j. Abgeordnetenyauie.
Berlin, 24. Jaiitiar.
Mit der schlesischen Hochwasserkalamität und beweglichen Klagen über die Unzuverlässigkeit der beamteten Wetterpropheten begann, mit der üblichen langen Tebatle über Kaltblut- uni) Warmblu 1 zucht ich log die Freitagssitzung des Abgeordneten- haujes. Was dazwischen lag, war das Interessanteste des Tages: Tie Beratung des sogenaiinten Oslionds und des Fonds für die Kolonisation in O st v r e u ß e n und Pommern, und in Verbindung damit die Erörterung der Eutschulduugs- Vorlage, die die Oupreugische Landschasl der iliegieruug unterbreitet hat. Tie beiden Fonds hatten das Vans schoit ain Mittwoch beichäütgt, imd sie waren mit den dazu gestellteu Anträgen nochmals an die Komniission ucnuiejen worden. Tort hat es m der Zwischenzeit cm kleines Aergernts gegeben: Der Kommissar des FmanzinuusierS hat einen konservativen Antrag von Bieberstein, der zu Gunsten des Oslionds den zweiten Fonds um 200 UOü Mk. kürzen ivollte, schlaukiveg als Produkt der „Begehrlichkeit der Ostpreußen" bezeichnet, uuD er hat sich auch über den Eittjchuldungsvotschlag der Ostpreußischen Landschaft abiäUig geäußert. Ter Auiragsleller war in der Kommistion nicht zugegen, daiür nahm er sich deii waghalsigen Kommissar heute im Plenum atiis Korn. Selten ist em Vertreter der 'Regierung von konjer- vauver Seile so schart abgekanzelt, so össentlich zurecht- gcwiesen ivorden, wte der unglückielige Aianoatar des Herrn v. Rheinbaben. Aber nicht er allem ist eS un Regiertingslager, der den Zorn der Rechten aus sich geladen hat! Auch Herr Aeseler, der Justlzuunlster, hat es mit lhuen verichüttet. Er hat deu Eutschulduugsvorjmlag, eine Arbeit, der auch der Gegner des Gedankens Gründlichkeit und Sorgsalt nicht absprecheu faim, ktirzer- haud „atts juristischen Gründen" abgelehut. „Leider", fügte Herr v. Aruun, der Landwlrtschaitsmtnilter, bezclchneiid genug hinzu. Und die,e „juristischen Grunde" oifizteU der Landschaft muzuteileu, hat Herr Beieler vorderhand nicht tur zweckmäßig erachtet. Siur piivatun hat er sich darüber ausgelassen. Daß das die Rechte ärgerii mußte, lag aus der Hand, uitd Herr Bejeler bunte bei seinem Etat eine koiiiervative Quutuiig iniiuilltonunencn Inhalts erhalten. Denn kaum am erneu ihrer Gesegeiuwür'e hat b.e Rechte io große Hojjniiugen gesetzt, wie aus diesen En ls chu ldun gsv or jch l ag. WaS süid Hosjuungen, was sind Entwürsel Die beiden Fonds wurden schlieglich dem Kommissiousbeschlus; gemäß nach dem Etats» ansatz beivilligt, zugleich beschloß das Haus, auch für die Kolonisation ui anderen Provinzen von der Regierung erhöhte Ausiven- düng zu verlangen. Die weiter geiorderte sofortige Hergabe von Staatsmitteln zttr Bejchasiiing von Saatgut sür bie oilpreusz. Dtiszernlegegendeii land jelbfiverftändlich das Placel der rliegteruiig, und nachdem dann der Landwirtschnusetat ttud der Gejtütsetat beivilligt wareii, vertagte sich bie zweite Kammer auf Souuabend.
hessische Zweite Kammer.
R. B. Dar m ft a b t, 24. Januar.
Die Sitzung wird voin zweiten Vizepräsidenten Dr. Schiltitt um 93/4 Uhr eröffnet. Die Kammer tritt sofort in bie Tagesordnung ein, Beratung folgender Anträge: a. Antrag der Abgeordneten Dr. Frenay und Genossen, die Gewerbeaufficht betr.,
6. Antrag der Abgg. Ulricg unu Geno,)en, die Gewerbe- infpektion Bcll, c. Antrag der Abgg. Ulrich und Gen., be;t Bauarbeiter schütz betr., d. Boxstellung der Zentral',. i.ttnission der Bauarbeiter Hessens, Schutzuorschristen für Bauarbeiter betr.» e. Vorstellung der Vereinigung der mittleren Baubeamten im Groß Herzog mm Hessen, beir. die Gewerbeaussicht und die Bauarbeiterschutzge,etze, s. Vorstellung der vereinigten Arbettgxber-Veroanoe oer Bauhand- wcrrer Hessens, den Bauarbeiterschutz betr.
Münster Braun macht hierzu längere Ausführungen, in denen er sich im wesentlichen aus bas im Ausschußbericht Gesagte bezieht. Einem etwaigen Vorwurf der Ver- r—.:"?rnmriwiii hi—ui um ii um ।
Gießener Lijeaier-vereln.
Fra Diavolo oder Das Gasthaus von Terracina.
Komische Oper in 3 Akten von Scribe. Musik von Ander.
Mit Dankbarkeit dürfen wir Gießener der drei Gastspiele des Großherzoglichen HostheaterS in Darmstadt gedenken, die mit der gestrigen Ausführung des Fra Diaoolo für dieses Mal ihr Ende erreicht haben. Sie haben unS eine Fülle des Mu,ilalisch-Schönen gebracht: Rossinis Barbier von Sevilla, Beethovens Fidecko und nun zu guterletzt eines der Meisterwerke des genialen Franzosen. Die Reihe ist nicht groß, aber eine jebe dieser Opern stellt ein unvergängliches Meisterwcrt der Musik dar und zugleich ein für das Vaterland des Komponisten und seine Eigenart typische Schöpfung. ES sind Werke, bie weit hinauSrcichen über ihre Zeit und uns auch heute noch, nach zwei Menschenaltern, durch ihr Iugeudsrische und ursprüngliche Kraft bezaubern.
Tie gestrige Aufführung oeS Fra Diavolo unter der feinsinnigen musikalischen Leitung des Herrn Kapellmeisters Kittel fügte sich in feuer Beziehung den voraufgegangenen Aufführungen würdig an. Ja, die Ouvertüre war wiederum ein Meisterwec, der Kleinkunst und dabei doch auch wieder von einer Einheitlichkeit und Größe der Auffassung. Diese minutiöse Exaktheit in den Einzelheiten und die Eleganz des Gesamtspiels des Orchesters sind schwerlich zu übertreffen. Hat man eS beispielsweise allgemein gewußt, daß die Trommel ein so modulations- fähiges Instrument ist und in solcher Weise imstande ist, den leisesten Empfindungsregungeri zu folgen, ivie das gcjlern zu Beginn der Ouvertüre der Fall war. Und dann die Blasinstrumente, die häufig so ungelenkigen und lau- nerihaften Herrschaften, waren |ie nicht von einer beispiellosen Schönheit in Klang und Ausdruck? Daß die Streichinstrumente in diejem Ensemble nichts von ihrer Souve- rdnüät einbüßren, ist natürlich selbstverständlich.
Die Inszenierung durch Herrn Oberregisseur Bald eck war int ungemeinen gut, nur hätte auch hier wiederum, 'beuso wie s. Zt. in der Aufführung des Barbiers, die goldige Heiterkeit noch etwas besser zum Ausdruck gebracht werden dürfen. An hübschen Momenten derber Storni l hat es ja freilia) nicht gefehlt. Wie die beiden Halunken, Beppo und Giacomo, Zerliue kopierten, das war beispiels- toci|C ganz außerordentlich wirksam und von höchster Komik, aber sonst war der Humor dieser beiden ruppigen Gesellen doch meist von ziemlich geringer Wirkung. Ihnen
zögerung möchte Redner von vornherein entgegentreten. Die Mgierung habe erst einmal die Anschauungen der Ständekammer kennen lernen wollen, namcniliu) wie sie sich die Durchführung der Kontrollvorschriften denkt. Der Ausschuß neigt der Ansicht zu, die Baukontrolle sei der Gewerheaussicht unterzuoronen und sür diese Ansicht sprechen aua) verschiedene Momente. Dennoch müße die Regierung ablehnen, die Kontrolleure durch bie Arbeiter wählen zu lassen. (Sehr richtig.) Rach ferner Ansicht dürfte vielmehr in den mittleren Baubcamlen das Perfonal für die Aussichisbcamt'n zu finden sein. Daß auch die Arbeitgeber für einen Bauarbeiterschntz eintreten, sei erfreulich. Die Bauunfälle zeigen nach den Statistiken in den letzten Jahren eine steigende Tendenz, durch die der 3tuf nach besserem Schutz gerechtfertigt ist. Was den Wunsch betri||i, daß bie Berbänoe der Arbeitnehmer unb -Geber vor dem Erlasse befragt werden mögen, so werden die zu erlassenden Vorschriften beweisen, daß auch den Wünschen der Arbeitnehmer Rechnung getragen wurde.
Abg. Naab be,pricht oeö längeren den Antrag seiner Partei unb bie Materie im allgemeinen. Die nachweisbar unzureichende Kontrolle und bie fortgesetzt sich mehrenden Uii|dlte haben den 9iuf nach staatlicher Regelung des Bauarbeiter schütz cs ausgclvjt. Eu sei unbedingt notwendig, daß die Kontrolle auch von Arbeitern ausgesührt toiro. Sieoner führt da,ür verschiedene Fälle als Beweis an. Von der bieichsregierung sei für die Wünsche seiner Partei nichts zu erwarten, da müsse die Landesregierung eingreifen. Von oen Unternehmern werde ste^s versucht, die bejieyenuen Vorschriften illusorisch zu machen; darum sei Staatsaufsicht unumgänglich nouoenoig. tivc-mcr mochte im Namen seiner Partei unv alter Bauarbeiter die Regierung brüigeno bitten, ihre gegebenen Versprechen recht bato einzulösen, damit sei dann schon viel erreicht.
Abg. Adelung erstattet sodann kurz Bericht über einige neu eingelausene Vorstellungen zu vorliegender Sache. Er wenvet sich nameniiich gegen eme Eingabe der Arbeitgeberverbände vetr. Iurüaftecknng der ganzen Materie und beantragt namens des Ausschusses, diese Vorstellungen für erieoigt zu erklären.
Abg. Dr. Osann i,i erfreut über den von der anderen Seite angeschlagenen versöhnlichen uno ruhigen Ton, der es erleichtert, die schwierige Angelegenheit hier in Ruhe zu erörtern. Den Wunsch, den Arbeitern, die sich meist in erhöhter Lebensgefahr besinoen, besseren und ausreichenden Schutz angeveiheu zu lassen, 1) eben wohl acke Parteien des Hauses, jeooch sei b.e Sache in der Praxis viel schwieriger, wie in der Theorie. Dagegen müsse seine Partei sich aussprechen, daß oie Aussichtobeamten alle drei Jahre neu gewählt werden sollen, also nach dem Verfahren der Geiv^rbegerichte. Die von der Regierung als ulipurteiischc Behörde öefitmmten Arbeiter, die dadurch Beamtenquali- fitation erhalten, dürfen nicht von der Wttitür der Atbeiicr abhangen, sondern inüs,en unabhängig sein. Gegen die Wahl von Arbeitern haoe seine Partei setöst nichts einzu- wenoen. Daß meine Partei bereit i,t, an oer Losung dieser Fragen mitzuarbeiten, ist selbstverstälidlich.
Abg. Dr. Frenay geht sehr eingehend auf die Materie em. Was bie Wahl von Arbeitern als Stontroll» beamten betrifft, so sei dabei vorauszusetzen, daß sie ein gewisses Maß von technischen Kenntnis,en sich erworben haben. Man könne wohl zu der Regierung das Vertrauen haben, daß sie die richtigen Manner auswahlt. Im übrigen I bezieht sich Redner auf seinen Ausschußbericht und bittet, fehlte der richtige Gauiierhumor. Auch bie Komik in der Figur Lord Kootburn ver,agte recht oft. Hübsch waren eigentlich nur die Boxübungen Mylords. Durch ein mehr der Zeit (1830) angepaßtes Kostüm hätte man hier ebenfalls manche Wirkung steigern tonnen. In wie weit die entzückenden Roben der Laoy Pamella der Mode von 1830 entsprachen, wage ich nicht zu entscheiden. Aus alle Fälle sah Frl. A Müller in dieser Rolle reizend aus.
Die gesanglichen Leistungen standen auch dieses Mal wieder auf unbestreitbarer Hohe. Herr ©bemann erfreute vor allem als Fra Diavolo durch seine glänzenden, weichen und so ausdrucksvollen Stimmittel. Sehr schön war die Darcarole im zweiten Akte, aber noch um vieles prächtiger gelang die Arie und daS Rondo des dritten Aktes. Und dabei war die Darstellung sehr gut.
Lord Kootburn, der von Sjerrn Riechmann gegeben wurde, tritt rein gesanglich in dieser Oper weniger hervor, jedoch das Duett des ersten Aktes gelang recht gut Dasselbe gilt auch von Frl. Müller als Pamella.
Den Lorenzo sang Herr Wolf teilweise etwaS forciert, aber sonst edel und rein in der Tonfärbung.
Nach der wundervollen Leistung, die Frl. Roediger alS Marzelline im Fidelio geboten hatte, konnte man mit Spannung ihrer gestrigen Zerline entgegensehen, und die Erwartungen wurden keineswegs getäuscht. Diese Stimme ist von einer Weichheit, einem Wohlklang, einer Kraft und eurer Ausdrucksfähigkeit, die einem immer neue Bewunderung aufnötigl, je länger man sie hört. Wie rührend klang ihre Romanze im ersten Akte, und wie innig und heiter die Kavatine int zweiten, die vielleicht das Schönste genannt werden kann, was dieser Abend bot. Mit ihrer Romanze zu Beginn des zweiten Aktes erntete sie stürmischen Beifall bei offener Szene.
Von den übrigen Sängern seien an dieser Stelle noch besonders erwähnt Herr Schwarze als Matteo, §err Drap al als Giacomo und Herr Dr. Kuhn als Beppo.
Nach Schluß des letzten Aktes wurde dem Frl. Roediger ein prachtvoller Lorbeerkranz überreicht. Der Applaus und die Bravorufe des Publikums wollten gar nicht enden.
Kunstverein.
Gießen, 25. Januar.
Mit dem vorigen Sonntag, der befondeis zcftsireiche Besucher in das Turmhaus am Brand gelockt hatte, i|t unsere Kunstausstellung, die tu deu Festwochen erllärlicherweise immer etwas
in der herrschenoen ^^r,ähnlichen Stimmung", den Ausschußanträgen zuzustimmen.
Abg. N 0 a ck wendet sich gegen den Vorwurf des Abg Raab, baß die Arbeitgeber mit ihrer Eingabe nur eine Verschleppung beabsicht.grm. Was die Bauanssicht auf dem Lande betrifft, so könnte diese sehr wohl den S.raßenbau- auffehern Übertranen werden. Im übrigen steht Redner auf bem Boden des Ausschußantrages.
Abg. Orb meint, ourch Die städtischen Kontrolleure würde der beabsichtigte Zweck nur zum Teil erreicht. Besser würde es erst werden, toenn Arbeitern dieses Amt übertragen werde. Man könne sich damit zufrieden geben, wenn eine Anzahl Arbeiter der Regierung in Voijihlag gebracht und von dieser die Auswahl bann getroffen wird.
Abg. Raab wendet sich gegen den Abg. Dr. Osann bezüglich der Wahl der Konirolleure. Man scheine nur zu befürchten, daß ein Sozialremoirat gewählt tocroen könnte unb wittert dabei gleich Parieipoliiik, ohne zu bedenken, baß auch andere Parteien Parteipolitik treiben. Die „versöhnliche Stimmung", die Abg. Osann hatte, wurde durch oie entgcgcntomme.ibe Halcung der Regierung hervorge- rufen.
Nach weiteren Bemerkungen der Abgg. Dr. Frenay und Orb wird die Beratung geschlossen, oie Ausschuß- a n träge werden gegen 5 Stimmen angen omni e n. Es tritt dann eine Pause ein.
Nach der Pause toiro der Antrag des Abg. Köhler beraten, betr. §-ie Einrichtung landwirtschaftlicher Lehrkurse für Soldaten.
Der Anirag geyt dayin, oie zwecke Kammer wolle beschließen, bie Giogyerzogliche Regierung zu ersuchen, im Bundesrat die Anregung zu geben, dich sakuitativ den Aiannfchaften und LUuero (fixieren ein- bis zweimal wocheniiich landwcktschaftlicher Uiwerricht erteilt werbe: 1. im allgemeinen in geeigneten Garnisonen im ganzen Reiche, L. im besonoern zu Gießen, im Anschluß an bie Lehrmethode Professur Gisevins uno Leidich--angsborf.
Die Regierung äußert sich im Schreiben vom 1. Juli 1907:
„Bereits unterm 21. Mai 1902 haben wir uns dahi«, geäußert, daß die Großherzogliche Regierung ein Eingehen auf den in Drucksache Nr. 808 enthaltenen Antrag des Abgeoroneckn Kohler wegen Einrichtung laiwwirifci)asckicher Lehrkurse für Soldaten mit Rücks.cht auf die diesem Anträge beigegebene Begründung ablehnen müsse. In der gleichen Weife haben wir uns unterm 31. Januar 1903 zu oer dieselbe Angelegenheit betreffenden Anfrage des genannten Abgeoroneteii ausgesprockxan. In Lern nunmehrigen Anträge lvieoerholt der Aogeordnete Kohler nicht nur bie bezeichnete Begründung, fuueern er gtot auch als Bestandteil seines Aiurags ferne in der Schung der zweiten Kammer vom 19. März 19u3 von dem Herrn PrästOenten bean- stande..i.n Aeußerungen wieder. Jusolgedessen muß es die Groß herzogliche Rcg.erung gleichwie früher ablehnen, sich zu oem gestellten Anträge zu äußern."
Wie damals hat auch jetzt wieder die Regierung einen durchaus ablei;cnven Standpunkt eingenommen, da ihr in jener Begründung' eine einwertige Sienung zugunsten des Hänblerrums unu der Jnoiifiru, Unfähigkeit a^rwrpviitisch zu denken, sowie Diangel an Herz unb Sinn für die Land- wirtschaft zum Vorwurf gemacht wurde.
Wenn sich auch der Ausschuß entschieden gegen die durch nichts gerechtfertigte Behaup.nng te5 Antrag.iellerS aussprechen muß, so ist er doch der An ficht, daß der ^runo^ IneimätterUcy dehaiwett luirö, in die zweue HaUie ihrer ^imcr- jaifon euuteueieii. Was sie diesmal biciet, hl, rvenn auch nicht einen Ranges, |o doch erirculut) und nut Tank zu begrüßen. Eine Ausstellung ohne Lenjalioueu, von erufler Grundstiinniuiig, scheint Iie befonoevec Erkläiungen und trithcher Hil'en weniger zu be- dürien, als manche ihrer Vorgängerinnen. Und doch rechoerligi sich em beionOcier Hinweis schon durch die Eigenart emeS der Ausfleller, des AtuuchenerS ihalb auch Römers) H. <5. Wagne r. Tenn hier werden wir dem Alltäglichen emhoben unb von einem leck und sicher zmasfenden Künstler bald in eine großartige sJlatur entrückt, bald zur Be>vundeiuug ausgesuchter Farbenpracht ins Hille Kämmerlein geloüi. Tas sieht zunächst etivas nach rein äußerlicher Wache und Esselthaicherei aus, die sich heutzutage in wlchcii von strenger Foini gnädig verschonten Forbensymphonieii mit Vorliebe ergeht; aber der Eriolg entscheidet, unb f ü r den Künstler. ES ist geradezu erfiaimlich, wie biete groß gesehenen, nur eben etwas wild gemalten Eampagnalandjchasten den Beichauer 'esthalten und zu immer lieierem Betrachten zivlngeu, wie die Blliinenstücke unb cuilleben, bie zunächst nur launenhaile und kunflliche Zusammeiislellimgeii irappierender Farbenlone scheinen, immer ivohliliender aus bei Tiefe ihrer echt malerischen Empsinbuiig wirken, Slimiiiung erzeugen, dem aunnertiam Verwelleuben und Lchauenben sich mr Hcrz schmeicheln. Tast bas Jelchneilsche babei 'ast ganz zurucklritt, toll dem Künstler nicht zum Vorivurs gereichen, obivohl die immerhin kleine Reihe von Bildern nicht zu entscheiden erlaubt, rote wett sein zeichnerisches Können dem malel ischen gleich- lomml. Tie bebcutenk |ien Bilder sind wohl die „Alononacht bei Rom", „Aus der Bia Eassia", „Stürmischer Abend auf der Bia ppia", „Sonnenuntergang an der Via jlanunia" und von den Blllmenslücken die „iapamjche Vase", die „Herbslphantasie", besonders aber das feierlich gestmiMle„Slilleben"mit de>l 9iUen. Tie 2Porträts reichen nicht aus, den Künfller als Bildmsmaler zu beurteilen. Es ist von diescii farbcimoljen Schöpfilngen Wagners kein großer Schritt zu H. K 0 b e r ft e i n s prächtigen „Kaninchen in kohl", die in erster Linie ebenfalls durch ihre icur abgeiiimmien Farben wirken. Tagegen stellt sich m jdiacien Gegensag zu die,en 9lcueien der Karlsruher A. H 0 e r st e r (f > mit seinen soliden, aber etwas irocken unb stmimungslos gemalten ^anbichaiten. W. Hama ch er- Berlm, hier wohlbetannt, bringt eine Reihe guter Maiineaguarelle; cm paar ähnliche, bie das Verlangen nach mehr erwecken, A Lachen in a i) e r - Berlin. Tie Landichakten von E. L e n g u 1 ci)- Tresden, sind gut beobachtet, aber etwas zu welch unb man los m der Älusiührimg. Als ein ciud aus einer anbecen Well sieht in dieser Ausstellung bas Genrebilb Aiax K a 11 e n m 0 j e r ' s, bad aus hiesigem Privatbesitz luunnit und als verkäuslich bezeichiiet ist. Las ist lieiüd) tcuie Leibl'jche Tamauerm, aber hübsch i|t sie unb liebevoll gemalt, unb wer einige Erfahrung in dem weilen Gebiet des obcrbai)ri|cl)en Genrebildes hat, wirb bekennen müssen, daß dieses auch m Farben und Licht sehr reizvolle und delikate Bild des zmilich jung üei|torbencii Künstlers em erlesenes Stück jener Kunstgattung ist. Heutzutage sieht man an dergleichen leucht vorbei, m 2U, vielleicht schon m io Fahren roub eß wieder „entdeckt" fern. Kaufkräittge Kunstireunde, ine nicht ausschließlich Modernes suchen und nicht nur auf Meister ersten Ranges schwor en, finden hier Gelegenheit zu einem kauf, ber nicht wicht gereuen wurde.
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