Ausgabe 
23.4.1908 Zweites Blatt
 
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an-

ueuezaustemrichtung niitMusik von Weingartner.

u: Weimar wird uns geschrieben:

wir auf Zu­rein

Gegen 101/4, Uhr wurde ein Antrag auf Vertagung genommen.

nachweis im Musikalienhandel". Es ist eine Aufstellung aller Verläufe und Uebergänge geschlossener Verlage, Verlagstelle und einzelner Werke mit Angabe der jetzigen Besitzer, ein wertvolles Nachschlageheft für jeden Musikalienhändler, aber auch für Musik­vereine, Musik-Dirigenten, sowie für Freunde der Musikliteratur. Das Büchelchen zählt nur 48 Seiten, ist aber sicherlich das Re­sultat einer überaus schwierigen und langwierigen Arbeit des nimmermüden Verfassers. Geht er doch in seinen gewissenhaften Feststellungen bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts zurück.

- -iai extremen Forderungen der Sozialdemokratie entgcgen- d n. Das ist die, theoretische Seite. Praktisch treten uns !<ihc von Schwierigkellen entgegen. Aber es kann nicht k fein, zwischen verdientem und unverdientem Wertzuwachs ^'ttrscheiden, nachdem eine Anzahl Gemeinden die Steuer Mrt haben. Die Wertsteigerung ist immer auf menschliche fr mrückzuführen, aber sie kommt demjenigen zu gute, der ^irellsleistung nicht getan hat. Ain der Wertsteigerung 8 Besamthell beteiligt und sie mstiß deshalb auch Antell * haben. In Berlin würde nicht Grund und Boden in Platze gestiegen svin, hätten wir nicht ein blühend^!

Unser verehrter Mitbürger Ern st Chal- li er sen. hat ein neues Erzeugnis seines außerordentlichen

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unwersitäts - Buch- und Stemdruckerei. 9t Lange, Gießen.

möglich. Etwas zu erlangen auf polllischern Gebiet über die Kräfte hinaus, die man aufweist, ist e.ne Unbilligkeit. Wer hätte denn vor zwei Jahren gedacht, daß wir sobald ein Rcichsvereinsgefetz^ erl-alten würden. (Sehr richtig.- Daher müsse sie an dem Maß von Klüften messen, das heute vorhanden ist. Seit der Zeit des Blocks hat der Liberalismus auf dem Gebiete der Sozialpolitik an Klarheit gewonnen. Man darf auch nicht sagen, daß wir innerhalb des Blocks sozusagen ver­raten und verkauft sind. Beugen wir uns dem ^storpsg eiste, dann werden wir gute Früchte ernten. (Lang an haltender Bei­fall.)

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: e^gS)5L Redaktion:^^H2. Tel.-AdruAnzeigerGießen.

Walpurgisnacht; der Tondichter schuf hier eine gewaltige sin-

tonische Szene mll Chören. Dr. A. C.

Ein Arbeiter als Dramatiker. Am Elberfelder Stadltheater hat ein von einem Arbeiter geschriebenes fünfaktiges historisches Drama seine Uraufführung erlebt und einen über­raschenden, starken Erfolg davongetragen. Der Autor wurde schon vom zweiten Akte ab nach jedem Senken des Vorhangs lebhaft gerufen. Das Bühnenwerk heißtNach Jena" und sein Ver­fasser Ernst Söhngen. Der Dichter hat bereits eine Reihe dramatischer Arbeiten veröffentlicht. Er lebt in Elberfeld als Bandwirker, nachdem er in seinem Geburtsort in der Dortmunder Gegend seine Jugend als Z i e g e n h i r t verbrachte und in dieser Zeit auch den fragwürdigen Segen derdeimarbeit" zur Neige kostete. Was dieser literarische Selfmademan, der seine offizielle Blldung nur von der Volksschulbank bezog, in seinem in den Spuren geschichtlicher Ueberlieferung die Tragödie des Majors Schill zeichnenden DramaNach Jena" geleistet hat, ist erstaunlich. Echtes Theaterblut pulst darin, und die in der Form bewundernswert knapp gefaßten Szenen der Autor teilt die meisten Akte in zwei Bilder sind von einer unmittelbar packenden Wirkung aufs Publikum.

Vom Bettler zum Reichskanzler im alten Aegypten. Aus London wird uns berichtet: Der soeben er­schienene Band derArchäologieal Survey in Egypt" gibt inter­essante Aufschlüsse über den Fund, der G. Davies jüngst in El Amarna gelungen ist. Es handelt sich um die Entdeckung der Grabstätte eines hohen ägyptischen Beamten aus dem 13. Jahr­hundert vor Christi, der den "Namen, Maj führte und am Pharaonen- hof eine hervorragende Rolle gespielt haben muß. Die aufge- Nurdenen Inschriften spiegeln den Lebenslauf dieses vielseitigen Mannes, der nicht etwa ein oder zwei, sondern gleich ein halbes Dutzend der bedeutungsvollsten Aemter Aegyptens zu versehen hatte Er war Kanzler, zudem Gefährte (Kammerherr), Schreiber des Königs (Kabinettssekretär-, Oberaufseher der Soldaten des Herrn der zwei Länder, Oberaufseher des Hauses von Sehetepateit und des Hauses von Ua-en-ra in On (Oberhofmarschall), Oberauff seh« der heiligen Rinder im Ra-Tempel zu On, Oberauffeber aUerWerke d^ Königs Minister der öffentlichen Arbeiten), Ern- Ä6" Mmtin (tagsmmifta), £rägeI bcä 5äd)n8 Rechten des Königs (Zeremomenmeister). Aus den ärmlichsten

Bund der Bodenresormer.

©.1L £). (Stuttgart, 21. April.

Nach zahlreichen Begrüßungsansprachen, mit denen die etlichen Beratungen heute eröffnet wurden, erstattete Herr naschke zunächst einen Bericht über die deutsche lLenrefor m arbeit bis zum 1. April 1908 in tn er .daran erinnerte, daß jetzt 20 Jahre verflossen und, : <m ui Frankfurt a. M. derDeutsche Bund für Boden- nli reform" aulgerichtet wurde und daß am 2. April genau i Zahre verflossen waren, daß der reorganisierte Bund pillcr Bodenreformer" mit neuem Programm einen neuen h begangen. Eine unmittelbare Wirkung hat der Bund mD zahlreiche offizielle Eingaben auszuüben versucht, die n doppelten Zweck hatten, ellimal, alle Kräfte der Be- yiiilg, die sonst im Einzelkampf stehen, eine Zeitlang auf x faage zu vereinigen und so einen unmittelbaren Schritt KiMctd ui der Gesetzgebung ober Verwaltung zu erreichen.

Lebhaft begrüßt ergriff sodann Geh. Reg.-Rat Prof. Adolph i-gn er-Berlin das Wort zu seinem Vortrage:

Die staatliche Zuwachs steuer.

5r führte aus: Mit einer eigentümlichen Bewegung betrete i l>as Rednerpult, denn eine Reihe bedeutender Nationalöko- r r sind aus diesem Lande hervorgegangen: Friedrich List, l'.ia-» Schmoll er u. a. Ihr Land erinnert an die beiden PBten Dynastien: Die Hohenstaufen und die Hohenzollern, pr deren Arbell das Deutsche Reich entstanden. Die beiden bastien mögen für uns das Vorblld sein. Und aus neuerer |2 ist zu erwähnen, daß das, was die Stadt Ulm und andere ffijche Städte auf dem Gebiete der Volkswohlfahrt getan, Bdjer Stadt und manchen Stadtverordneten zum Muster viiH kann. Es handelt sich gegenwärtig nicht mehr um (Trage, ist eine Steuer auf unverdienten Wertzuwachs un- c ligt und prakttsch durchführbar. Die Gründe walten ob, -!in!> vorhanden in den heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen, u r geivaltigen Konzentrationsbewegungen vorn Lande nach t - tobt. Man kann nun fragen, ist es richtig, eine Wertzu- ki: Reuer von Grund und Boden zu erheben, da sich Kon- ftargewinne doch überall vorftnden? Darauf ist zu ant- F«: Nicht so regelmäßig und so massig, wie beim Grund v 3oben. Und weiter: Wie kann einem Einzelnen ein Wert p:yjen, den er nicht mit eigener Arbeit erreicht hat? Der hlulant, der herausgesunden, welches Grundstück im Werte Mi wird, leistet zwar auch Arbeit, aber die Arbeit ist klein 1 der Gewinn unverhältnismäßig hoch. Und auf wessen M - Auf Kosten d-er jetzigen und späteren Generation, pde die nationalen Parteien haben über die Grundlasten faiit die sie aus der Feudalzeit übernommen. Und doch Gering sind diese Lasten gegen das, was durch die Belastung tiionb und Boden heranwächst. Aber das wird verschwiegen, t es eine Folge des Privateigentumrechts ist und weil diese rzueamg mit der in der Verfassung gegebenen Sicherung k Privateigentums nicht vereinbar sei. Wie fleht es damit? s ist wahr: Maßregeln wie die Wertzuwachssteuer stehen 5iDiHer Hinsicht in schärfstem Gegensatz zu dem Privateigen- r Und ich gestehe weller: Wenn man unter dem Ausdruck «Ivmus etwas Vernünftiges verstehen will, so dürfen » ns nicht weller scheuen, mit der Wertzuwachssteuer etwas F. Zusammenfallendes zu bezeichnen. Der Vorwurf des ismus ist ein Schlagwort, den man gegen alles Mögliche fitbcn kann. Auch die Unfallversicherungs- und die Ar- k Lchutz-Versicherungs-Gesetze sind als sozialdemokratisch ver- »orben. In einem vernünftigen Sinne sind wir in einem Mhimus, insbesondere Kommunalsozialismus drinnen. = i'prud)!) Wir wollen in einem gewissen Maße sozialistisch

von Professor Brückner in Koburg gemalt -sind, trugen das ihrige zu einer tief dringenden, erhabenen Wirkung bei. Weiser selbst als Mephisto zeigte und das will viel sagen sogar den Schalk, der uns am wenigsten zur Last ist.

Weingartners Musik verdient volle freudige Zustimmung. Sie ist überall passend und anpassend, sich ängstlich hütend vor opernhaftem Sichvordrängen, selbst in der Hexenküche hält sie sich zurück, wo sie in realistischer Derbheit aus den Meerkatzenton eingestimmt ist. Ueberall geschmackvoll und hinter der Dichtung zurücktretend gibt sie Bühnenmusik ä capella, wo es sein muß Lieder in gutem Volkston und im ersten Teil nur einmal wird sie zu eigenem Erzählen und musikalischem Eigenleben; in der Walpurgisnacht und hier fast der einzigen Stelle, wo man zu einem musikalischen Urteil der Orchestersprache ge­langen kann ist sie allerdings ganz hervorragend schön.

Im zweiten Teil prangen in reicher Dekoration Kaiser- Palast und Arkadion, Alpenland und Meeresstrand. Hier wird aus der Fülle des Stosses alles, was irgend wichtig erscheint, in Vollständigkell vorgeführt. Bei dieser Haren ausgedehnten Wiedergabe mußte das Verständnis für den Goetheschen Sinn des so oft als dunkel verschrieenen zweiten Teils aufgehen. Die Musik, die auch im zweiten Teil im wesentlichen dienende Mitllerin bleibt, hatte allerdings doch verschiedentlich Gelegenhell, sich breiter auszulassen, so bei dem Maskenzug am Kaiserhof, in der Schluß­apotheose des Ganzen und der Nereiden-Schlußszene der klassischen

lisrnus unmöglich. Das werden Sie einfthen, wenn Sie den Vorwärts" in die eine, dieVossische Zeitung" in die an­dere Hand nehmen. Der deutsche Liberalismus ist 30 Jahre lang von der aktiven Politik ausgeschaltet gewesen, als eine dauernde Protestpartei zweiten Grades. Und wenn er jetzt nicht gleich den Willen zur Macht besitzt, nicht alles aus den 50 Mann herausholt, was man he raus ho len könnte, so soll man nicht sagen, der Block hat den Liberalismus demoralisiert. Man muß die.Schuld in der Geschichte suchen. Es muß der Liberalis­mus erst wieder an politische Aktivität sich gewöhnen. Dr. Barth sagt:Ihr werdet beim Block noch schlechter, wie chr ohnehin sck-on seid." (Heiterkeit.) Aber eine Politik ohne Kom­promisse ans freier Hand ist für den Liberalismus dftekt un­

schön, die zweite Gartenszene wurde auch bei zu hellem Tag- licht gespielt, obwohl hier einzig fortgeschrittene Dämmerung am Platze ist, wenn sie nicht Gretchens Liebesworte unkeusch machen soll, Dom, Brunnen und Gretchens Haus sind noch zu nah bei­einander, obwohl diese Zusammenlegung als bühnentechnischer Notbehelf aus praktischen Gründen erlaubt sein muß kurzum, mancherlei fehlte noch an einer ganz vollendeten Wiedergabe der Dichtung, indes das Ganze bewies sich als ein gewal­tiger Fortschritt. Die schwierige Szene des Osterspazier­ganges (drei Verwandlungen), namentlich die dritte davon, die Abendszene, dann der Geisterchor, der durch einen Schleier der Erdennähe entrückt ward und so der Phantasie des Zuschauers freien Lauf ließ. Die gleiche Verwischung durch Schleier kam der ewig nndarstellbar bleibenden Walpurgisnacht zu statten. Ein Meisterltück in jeder Hinsicht war die Hexenküche; sogar die Meerkatzen wirkten natürlich in ihren Bewegungen wie in ihrem gequetschten Katergesang, unter Mithilfe der Musik. Gleich mei­sterhaft und überaus stimmungsvoll war Gretchens Zimmer und namentlich die Kerkerszene. Herrliche neue Dekorationen, die

R.-A. Dr. Go the in. Es ist iwtwendig, mit der gegen­wärtigen Blockpolitik ein Ende zu machen und zwar möglichst bald. Ich blicke jetzt schwarz in die Zukunft, denn die Mehr­heit der Fraktionsgemeinschaft hängt anscheinend an der Block­politik. Besser wäre es, die Sache schon jetzt zur Liquidation zu bringen und nicht erst bei dec Finanzresorm. An Barth richte ich die dringende Bitte:Bleibe bei uns, gehe nicht fort!" (Stürm. Beifall.- Es ist eine schwere Zeit für den Liberalis­mus, die schlimmste seit 15 Jahren. Deshalb müssen umsontehr einig sein. Es liegt die Gefahr vor, daß wir den Weg kommen, nationalliberal zu werben. (Stürm, ftininmng.) Deshalb ist es vor allem notwendig, die liberale Idee hock-tzuhalten.

Zweiter Tag.

Der Vorsitzende, Adg. Schrader, eröffnete pünktlich 81/« Uhr mit geschäftlichen Mitteilungen die Verhandlungen.

Arbeitersekrelär I a k 0 b s-Essen a. d. R. bedauerte den Ton, den Pachnicke angeschlagen hat.

Abg. Dr. Mo in ins en: Ich gebe zu, daß Fehler beim 93er- einSgesetz und bei der Behandlung der Vorlage oorgefounnen sind. Aber geben sie uns 50 Abgeordnete anstatt 15, und diese Fehler werden in Zukunft verniieden werden.

Dr. Bre it sche id-Bcrlin. Ich bewundere, mit welchem Mut Herr Dr. Pachnicke hier das Tischtuch zerschnitten hat und das nach den Ereignissen vorn 10. Januar. (Znftsckenruf: Sehr gut.) Es ist wahr, daß in der Partei tiefe Gegensätze vorhanden sind, bereits seit 1903. Wir haben gewiß das Ver­halten der Fraktionsmehrheit rücksichtslos kritisiert. Aber ich erinnere daran, wie anderseits dieFreisinn. Ztg.", die jetzt anscheinend ein sakrosanktes Palabium geworden ist, noch vor kurzem den Abgeordneten Struve mit Kvt beworfen hat. (Stür- miiche Zustimmung.) Herr v. Payer hat in seiner Rede, über die ick mich direkt schäme, erklärt, wir werden weiter den eingeschlagenen Weg verfolgen, und ba kann ich nur sagen, daß dieser Blockweg ein Weg des Verderbens ist. (Stür­mische Zusttmmung.) Ich glaube, es ist nur noch eine Frage von wenigen Monaten, daß die Freisinnige Vereinigung in der Volkspartei aufgebt. Führende Mitglieder der Fraktion sind ich darüber einig, daß cs notwendig ist, daß die Partei zur Volkspartei übergeht, sck-on um die Einigkeit des Liberalis­mus nach außenhin zu dokumentieren. Dazu gehört aber vor allen Dingen auch ein politischer Mille zu einer Demonstrations- Politik, den wir bisher vermissen. Die ganze Bewegung ist nur ein Vorstoß zur endlichen Vereinigung mit den National- liberalen. (Lebhafte Zusttmmung.) Herr Abg. Heckscher stimmt mir zu, und er ist ja ein großer Freund des Gedankens der Einigung des Gesamtliberalismus. Trotzdem waren Sie einmal, Herr Hecksck-er, der Meinung, daß im Nationalliberalismus kein Funke von Liberalismus vorhanden sei. (Stürm. Zustimmung.) Ter Nationalliberalismus ist eine Partei, die zwar mit schwerem

3. Ordentlicher Vertretertag des wahlvereinr der Liberalen.

S. u. H. Frankfurt, 21. April.

ö (Fortsetzung.)

Dr. Koppel-Berlin. Tie Stellung des Dr. Barth ist Verrrrung. Die Blockpolitik kann noch gute Früchte zeitigen, bie dem Liberalismus sehr genehm sein werden.

Abg. Pachnicke. Dr. Barth hat sich in schroffem Gegen- >atz zur Mehrheit der freisinnigen Vereinigung gestellt. Da­rüber führt leine Brücke mehr. Spielen wir wirklich denn im Block eine so unglückliche Rolle? (Zurufe: ja.) Ich ver­stehe mit Ihren Zurufen, daß zwischen uns und Ihnen es keine loeitcre Gemeinschaft mehr gibt. In 20 Jahren, wenn wir eine Harte Partei sein werden, werden wir mit dem bekannten § 7 aufräumen. Wir bleiben jetzt nrie weiterhin die Re* sen- tanten der alten liberalen Ideen. (Lebhafter Beifall.)

Dr. Ho hl mann. Tie Auffassung des Herrn Pachnicke und des Dr. Kohn ist veraltet. Ich glaube, wir sind über diese Anschauungen hinweg. Der Moment ist nicht geeignet, die Kräfte zu zersplittern. Statt den Barth und Gerlach zu zu sagen,es ist kein Platz bei uns", sollte man sie zu ge­meinsamer Arbeit, aufsordern. (Beifall bei der Mehrheit.)

R.-A. Münsterberg schließt sich den Ausführungen des Dr. Hohlmann an.

R.-A. Neumann-Ho fer (mit Beifall empfangen) sagt: Kompromisse müssen gemacht werden. Aber sie haben auch eine Grenze: dort, wo es sich um die ewigen Grundsätze des Liberalis­mus handelt. Die F-rattionsgemeinschaft will er aufrecht erhal­ten, da sie keinen J-raktionszwang bedeutet.

R.-A. Heckscher. Auch er stelle das liberale Prinzip voran. Tcshalb habe er es als eine umso größere Bitterkeit empfunden, daß solche Angriffe gegen uns gerichtet wurden, und gerade aus liberalen Meisen. Dr. Barth ist, das dürfen wir nicht verkennen, von Anfang an ein scharfer Gegner der Blockpolitik gewesen. Wenn er jetzt mit Vorschlägen zugunsten de? Blockpolitik kommt, müssen wir von vornherein mißtrauisch sein. In der Frage der Behandlung Der Sozialdemokratie trennen sich unsere Wege. Ein Block mit der Sozialdemokratie würde eine direkte Unmöglichkeit fein. Es ist das Wort von dem agrarischen Reichskanzler zlliert worden. Der Leichenstein, an dem das agrarische Wort steht, wird verwittern und der Ruhm wird dem Fürsten Bütoiv bleioen, daß es ihm gelungen ist, in einer Zeit der politischen Gleichgültigkeit aus der Herrschaft des Zentrums das Volk aufzurufen. (Laute Ohorufe. Bravo und.Zischen.)

l ® ,e i 1 e p / der Oberregisseur unseres Hoftheaters und vSM Dramatiker (er ist ein Sohn Oberhessens, gebürtiger ! J c r. D. Red.), hat eine neu# Fausteinrichtung geschaffen, J,c der Musik von Weingartner an den beiden Osterfeier- >^_,öoftheater zur ersten Aufführung gelangte. W. hat gestellt, den reinen, unverfälschten Faust, wie ihn ÄU^^lchterauge gesehen und seine Ditanenkraft gestaltet hat, bühne zu erobern, ohne jedeVerbesserung" des Textes, auch ohne allzu viele Streichungen abgesehen von , UN '^ruch-kritischen Ballast der beiden Walpurgisnächte, mög- . 53öbruitg des raschen Wechsels der Schauplätze, wie ML ^to)tiuig verlangt, und namentlich unter Beibehaltung *cn' für die innere Erfassung des Gedichtes nur ; wtwendig ist. Andere Bearbeiter, bedeutende Künstler , iter, haben das Gleiche erstrebt und Bedeutendes erreicht. A haftete fast allen diesen Bearbeitungen an: sic mußten

f OBi' 0011 Gewaltmaßregeln an wenden, um das Riesenwerk z iw« Theaterabenden zu geben. Für den Regisseur, der eine

2 anchtung schaffen will, gilt es also nicht. Neues zu Sfflr1' >andern das Werk ebenso lang zu geben, wie es ist: an H bS/r« ci Abenden. Aber da erlahmt zu sehr das Interesse * Sjüü" -u'ums; vielmehr sollte im Verlauf von zweimal 24 5 fcSSr k Geschick Fausts vom Himmel durch die Welt zur ' renjngcfebrt) durchmessen sein. So galt es zweierlei fQh.aL:fl Grstens die Einteilung zu finden, welche die Genuß- \ unb Spannkraft des Publikums nicht zu sehr abschwächt, > yMiy oas die Kürzungen vorzunehmen, welche nur im Streichen abtain Entfernung von Rankenwerk bestehen, iowti' Achiige ganze Partien des Riesenwerkes opfern. So ^arl Weiser in seiner Bühnenansgabe des Faust das, nm,».1, sollte, und wir dürfen sagen: er hat es glücklich und bat > am Hoftheater vollendet ausgebildete Technil

myuLin Verwandlungen bei offener Szene und eine nicht WJ ' anpassungsfähige Bühnenmusik, zu deren Schöpfung mtfte, 3t?tner bcm General-Intendanten Exz. v. Vignau felbst beiul-L bnttc' halfen ihm zum Erfolg. Durch das Jntereffe diü4m^^zogs wurden die Mittel für die große Neuanschaffung vuM^^^'anssührung bewilligt, und so ward aus dieser Fest­er : Sauft ein Erlebnis, würdig der alten Traditionen

z^Kn Stätte dieses Theaters. ,

unhu"Jtc5t latzt Weiser das Vorspiel auf dem Theater fort ?nit dem stimmungsvoll eingerichteten Prolog im Untren erblickt man die Hälfte der Erdkugel, in tiefer ÖOBtl ; J i '^webend, auf der bann Mephisto erscheint. Von Vertzju'Herrn hört man nur die Stimme. Die schlimmsten l)dUt ü n9en smd hier beseitigt; indes die Menge der Engel vunb die wenigen hätten dann weniger shmmetrrsch

m werden sollen. Wie hier ist man noch sonst manchmal I

deutsches Reiche Der Redner geht auf die Reichsfinanzlage I wäre ein Zusammengehen zivifchen Sozialdemokratie und Libera- em und befürwortet eine Reichswertzuwachssteuer,' ' J ' ~ ~ '

von der etwa ein Drittel dem Reich, ein Drittel dem Staat und ein Drittel der Kommune zukommen soll. Wir sind in eine Finanzlage hineingeraten, die eigentlich ein Schimpf unb Spott ist, und da gUt es über die, Menge Hhinier. Bedenken hinrwegl- zugehen. Man möge deshalb doch einmal erwägen, ob nicht eine allgemeine Wertzuwachssteuer, wie sie von vielen Lastd- und Stadtverwaltungen bereits eingeführt, für Reick)s-, staatliche und kommunale Zwecke in die Wege zu leiten fei. Die Frage der Wertzuwachssteuer ist kaum noch strittig; wo sie die Gesetz­gebung noch nicht gestattet, so ist sie rückständig, ob bie Aus- behnung auf Staat und Reich spruchsreif ist, das ist dislütabill. Gut Ding will Wolle halben, aber das darf uns nicht abhalten, fleißig unb tätig zu sein.Welch eine Wendung durch Gottes öügung", sprach einst der große König. Mögen wir ein ähnliches Wort finden, wenn wir in 100 Jahren einen Rückblick halten. (Lebhafter BeifaU und Händeklatschen.) Es folgte eine rege Diskussion.

R.-A. Dr. Naumann. Nach den Wahlen von 1903 sind wir zur freisinnigen Vereinigung gegangen, denn wir sagten uns, man muß -nm großen Körper gehen, wenn man etwas er­reichen will. Tut man bas aber, so muß man sich auch den Gesetzen des politischen Körpers untcrorbnen. Selbst wenn uns dessen Schritte mitunter langsam oder auch sttauchelnd vor­kommen. Was uns den Anschluß damals leicht machte, das war gerade die Person des Dr. Barth. (Sehr richtig!) An den Grundsätzen, an den Ideen, die uns damals zum Abschluß brachten, werde ich festhalten, solange ich im politischen Leben I stehe. (Stürm. Beifall.) Auch ivenn der Block nicht bestände,

auf halbem Wege stehen geblieben, so sind beim Spaziergange I

vor dem Dorfe und bei Valentins Ermordung immer noch zu ,....

viel Menschen auf der Bühne, der Bettler singt immer noch zu I Bibliographenfleißes erscheinen lassen unter dem TitelVerlags-

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Zweites Blatt 138. Jahrgang Donnerstag 23. April 1908

krschEnt täglich mit Ausnahme des Sonntags. tot &

Die ..Sletzener Samtlienblätter" werden dem M | | /'l| Sj I

..Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das W H JL y m VI

,Kret$blatl für den Kreis Stehen" zweimal w | ® v V V » ) j V GH W

«öchentlich. DieLandwirtschastlichen seit-

w. monant^ iroeimaL General-Anzelger für Oderhessen