Ausgabe 
24.10.1908 Zweites Blatt
 
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Samstag 24. Oktober 1908

Zweites Blatt

Nr. 251

Urlchernt täglich Ausnahme 6e6 Sonntag-.

ver-

158. Jahrgang

Kapelle des Infanterieregiments gestellt.

Der Steuermann Joh. Breiten»

3. Juli 1908 einen Menschen vom

Frl. Lore Scholz haben Die Musik wird von der Kaiser Wilhelm Nr. 116 Lebensretter.

NokattonSdruck und Verlag der vrüblych« UnwerluälS - Buch* und Stembrudetd« R. Lang«. Bietzen.

Redaktion. Errcditton und Dnickeret: Ecbuk» ftraye 7. Exvedmon und Verlag; M*

Redaktion: ^^118. Tel.-Adr.: AnzeigerGleßen,

* Stadttheater. Die morgige SonntagSnach- mittagSvorstellung, die erste in dieser Spielzeit, die zu Volkspreisen stattfindet, dürfte besonderes Interesse er­regen, da LessingS MeisterwerkN a t h a n d e r W e i s e" ge­geben wird. Darstellung und Ausstattung verbürgen eine würdige Aufführung. Am Sonntag abend gelangt die erste Posse zur Aufführung, nämlich Ed. JacobsonsMann im Mond e". Die beliebte Posse ist in allen Hauptrollen

Die .»Gtefienet Kamtltendlätter" werden dem ,9lnjetger* otertnol wöchentlich beigelegt, das Kretsblatl für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. D,e ..LanvwtNschastlichen Zett- fragen erfchenien monatlich zweimal.

mit ersten Kräften besetzt und besonders der neue Charakter - komiker Herr Max Kronert und die beliebte Soubrette Gelegenheit, sich auszuzeichnen.

bach aus Mainz hat am

Tode deZ Ertrinkens gerettet. Als Anerkennung hierfür ist ihm von S. K. H. bcm Großhcrzog eine Geldprämie

türkische Antwort auf die österreichische Note bezüglich Bosnien u:u) Herzegowina angegangen. Auch in dieser Anttvvrllwte beharrt die Türkei darauf, bau bie AngelegenheU buvu) die Signatarmachlc des Berliner Betrages geregelt wird. Man befürchtet nunmehr neue Schwierigkeiten, da die Lage scheinbar verwickelter ist, als diese zuvor gewesen ist.

Zusammenstöße an der Grenze.

Aus Saloniki wird berichtet: Dreifach verstärkte bulgarische Grenzwackie habe in den letzten Tagen auf die türkische Grenz­wache Salven abgefeuert und versucht, die Türken zu verdrängen. Die Türken erwiderten das Feuer, worauf die Vulgaren einen Grcnzkvnflikt pwDozierten. Die Bulgaren in Mazedonien beob* sickitigen, die Tandeukümpfc wieder aufzunehmcn. Die Eisenbahn wird militärisch bewacht.

Eine englische Lüge.

Der Berliner Korrc,p)noent veSo^anharb" meldete seinem Blatte kürzlich, Erzherzog Franz Ferdinand habe sich in Privatgespvächen dahin geäußert, dost die Haltung Deut \ a>= lands gegenüber der Annexion Bosniens und der Herzegvlvina den richtigen Wert des Bündnisses zeigen würde und daß Oester- reich-Üngarii daraus ersehen könne, ob das Bündnis mit dem Deutschen Reiche seinen Interessen entspreche oder ob cs vorteil­hafter sei, andcve Kombinationen eilizugehen, und daß er für eine Fortsetzung des Bündnisses fein werde, falls Ocsterrcicl-- Ungarn von Deutschland loyale UnkTitiifcung erh.lte. Das Wiener Korrefponden--Lureau ist von autoritativer Seite zu der Er­klärung ermächtigt, daß bie Meldung von Anfang bis zu Ende erfunden ist. _____

England und Egypten.

Der diplomatische Agent (£rgUiub£> Generalkonsul Gorst, stellte in einer Unterredung mit dem Vertreter der Zeitung Mokattant" in Wrede, daß England in Kürze das Protek­torat über Aegypten erklären werde oder zurzeit dir Frage der Annexion erwäge. Solange die britische / Okkupation dauere, erklärte Sir Eldon Gorst, habe die Entscheidung darüber, welclies Maß von Selbsrrcgierung zuzuerkennen sei, in den Händen der englischen Regierung gelegen. Er stehe aus dem Standpunkte, daß die Egypter durch die Ver­besserung und Entwickelung der bestehenden Einrichtungen aradwei.'e zur Selbstregierung fortschreiten müssen. Die umpll.che Regierung habe bereits eine Maßnahme vorbe­reitet, durch die ihnen (den Aegyptern) bie Möglichkeit ge­geben werde, an den inneren Angelegenheiten einen viel größeren Anteil zu nehmen. Wenn der Versuch von Erfolg begleitet sei, könne die Frage der Verbesserung der Organi­sation und die Erweiterung der Machtbefugnisse der be­stehenden Wahlkörperschaften mit Nutzen in Erwägung ge­zogen werden.____________

Aus SLudt und L-rnd.

Gießen, 24. Oktober 1908.

** Tageskalender. Stadttheater. Samstag, den 24. Okt., abends 8 Uhr: Einmaliges Gastspiel des Ibsen-En­semblesBaumeister Sol netz".

Sonntag, 2u. jiv-'ft., ntiujUiuiüuö 3Vr Uhr:ilcathan der Weise"; abends Vn Uhr:Den Mann im Monde .

Kolosseum: Tüglick- Vorstellung. Samstag abend Gast­spiel des Pcpi Weiß-Ensembles.

K i n e m a t o g r a p y e n - h c a t e r. Pwgraminroechfel.

Kaiser-Panorama. Programmwechsel: Das Erdbeben von San Francisko. , ,

Vortrags kurs des kaufm. und des L^rtsgewerbeverems: 1. Vortrag im kaufm. Vcrcinsl)aus, Smnstag abend 81/2 Uhr Gut und Böse am häuslichen Herb und die Macht des Bei­spiels" von Frau Stein-Karlsruhe.

Eichener Anzeiger

Eeireral-Anzeiger fiir Gdechejjen

mann im grünen Wald, vorbei an den Mähschäfchen auf der Weide, an den Wauwauhunden und den Muhkuhcn. Das i]t eine Luft, so dahin zu fliegen. Aber solch ein forscher Ritt macht müde. Eine Wagensahrt wäre zur Abwechslung auch nicht übel. Ein Wink mit dem Zauberstab, und die Verwandlung ist geschehen. Behaglich scknniegt sich Ottole in die Knscn der Equipage. Das ist der gleiche Stuhl, nur daß der Junge jetzt nicht mehr rittlings daraus sitzt und ben Riemen in anderer Weise um die Lehne geschlungen hat. Neulich hängt sich der Kleine den Riemen Über den Arm und marschiert erhobenen Hauptes mit gravitätischen Schritten durchs Zimmer.Was schaffst denn jetzt, Ottole?" frag' ich begierig. geh' spaziere mit meiner Frau", sagt der Schlingel ernsthaft und schwenkt stolz um die Tischecke.

Vom Palaste Theodorichs in Ravenna. Bei­den Ausgrabungen int Pal aste des Ostgotenkönigs Theodorich des Großen wurden prachtvolle, sehr gut erhaltene Mosaik-Fußbödeu bloßgelegt. Bis jetzt sind geräumige Fluren, große Zimmer und Säle und ein umfangreicher Durchgang mit sieben Ocfst nungen auf jeder Seite ausgegraben worden, ferner eine Ab stutz- anlage. Unter ihr entdeckte man einen anderen Mosaikboden, woraus man schließen kann, daß der Boden wahrscheinlich wegen einbringenben Wassers erhöht werden mußte. Auch um bie von Tiberius errichten: porta aurea werden Ausgrabungen vorgenom- men, die den Plan jenes Tores und andere wichtige Reste zutage gefördert haben.

Kleine Chronik auS Kunst und Wissenschaft. Der Kaiser hat aus Anlaß der in Berlin tagenden Inter­nationalen Konferenz zur Reviiivn der Berner Uebereinkunst eine Erinnerungsmünze gestiftet. Auf Grund erhobener Be­schwerde hob das sächsische Ministerium des Jnnerni das Verbot des Vortrages, Den Professor Forel über Rasscnentartung und Rassenhebung halten wollte, auf. 2)^ Vortrag wird binnen kurzem stattfinden.

bei Paris, wo sie als Gast weilt, mit der ständigen Wohnung in der hessischen Hauptstadt zu vertauschen. In Darmstadt will man den Hauptwert nicht auf die Ausbildung von Schülerinnen, sondern auf die .Heranbildung von Lehrerinnen legen, die im­stande sind, die von der Duncan vertretenen Prinzipien über die rhythmische Körperkultur durch Unterricht weiter zu verbreiten. Ferner geht man mit dem Plane um, den Kreis der Schülerinnen zu erweitern. Fortan sollen fünfzig Sclmlerinnen ausgenommen werden Die kleinen Ädädchen müssen duvckMuS geiunb fein und das fünfte Lebensjahr überschritten haben. Zn Stuttgart, Mann- beim, Darmstccht und Frankfurt finden in der nächsten Zeit bereits bie näheren Termine werden dura? Ausschreibung be­kannt gegeben Prüfungen statt, um festzustellen, ob bie Be­werberinnen auch allen Anforderungen, die die Schule später an si- stellt, genügen. Dagegen sollen in Darmstadt die öffentlichen Vorstellungen der Sck-ule eingeschränkt weroen. In Zukunft will Isadora Duncan nur in längeren Zwisa-.nräumen bie Munft ihrer löglingc einer größeren Oeffenllichkeit zugänglich^niachcu, um oas Publikum davon zu überzeugen, wie in ihrer Schule gelehrt wird.

Die Phantasie des Kindes. Zu diesem Thema erzählt in dem ersten Hest der nach zweijähriger Pause wieder crid)tcHcnen MonatsschriftKind und Künst" (Verlag A. Stenzel, Breslau» eine Mutter folgende Beobachtungen:Schaukelpferd und Sportwagen, Elefant uni) auforehbare Eifenbahn, alles iU vorhanden, für alles hat die übertriebene Fürsorge von Groß- cltern und Paten, Tanten und Gönnerinnen gesorgt. Aber was bedeutet das gegen den alten Lederriemen, den unser Dreijähriger neulich auf dem Speicher fand, als er der Küchentrine beim Wäsck>cauil)ängcn half! Die Funktionen des Lederriemens )inb einfach unerfckwpflich. Kaum ist bad Frühstück vollendet, ,0 be­steigt Ottole seinFimmeme" (Schimmle', mit anderen Worten einen Stuhl, auf den er sich rittlings setzt, den Sefcerricmeii um bie Lehne geschlungen. Und nun geht es fort, ükxr Stock und Stein, zur Großmama nach Stuttgart oder »um Onkel Lrorst-

politische £cmcs$cbau«

Zur Finauzresorm.

Die derL.-A." erfahrt, wird die euischeidende Sitzung des Bundesrats, in der über die gesamte ReichSsinanzrcform entschieden werden soll, erst am nächsten Dienstag ftatt* finden. Voraussichtlich wird daS Plenum im großen und ganzen die Vorlagen nach den forgfättigen Vorschlägen seiner Ausschüsse verabschieden. Der Mehrcrirag der Branntwein­steuer soll etwa hundert Millionen Mack betragen. In Sachen der Fahrkartensteuer werden int RetchSschatz- amt Berechnungen anaestelli, die von der Annahme auS- gel-en, daß diese vorjährige Steuer gänzlich abge- lchafft werden kann.

Gin politisches Duell.

Eine vom PariserTcmps" gebrachte Nachricht, daß der österreicmsche Geschäftsträger in Petersburg Prinz Fürstenberg, den Staatssekretär im Auswärtigen Amte Herrn Tscharikow zum Duell gcford:rt habe, wird der Frankfurter Ztg. aus diplomatischen Kreisen befbätigt. Der Grunö des nun persönlich zugespitzten ZwiwTenfalleS ist' die Behauptung eines russischen Blattes, daß Fürstenbera die Umvahrhcit gesagt l)abe, als er erklärte, JswolStt habe die Absicht Oesterreich-Ungarns auf Bosnien und die Herze­gowina gebilligt.

Kleines jeuiUeton.

Isadora Duncan, bie bald nach ihren ersten Er­folgen in Berlin heimisch wurde und in der Kolonie Grünewald ihre Tanzschule Lcgränbeic, hat, wie das Bert. -i,aabl. emsagungs- voll meldet, vo etwa 14 Tagen sing- u. klanglos der NcichShauP.stadl den Rücken gekehrt. Die Künstlerin gedenkt, rote wir fchon mit- teUtcn, nach Darmstadt üvcmusieoeln und hier,die Tanz­schule und ll'ie Ausbildung von ^Schülerinnen in gröberem Um­fange zu betreiben. Warum Frau Duncan Berlin verlaßen hat, ist nicht einwandfrei festzustellcn. Jedenfalls aver hat jie fich durch polizeiliche Maßnahmen, bie sie zur Anmeldung der Auf­führungen ihrer Tanzschule nötigten, und die auch eine Art von Kontrolle zur Folge hallen, in ihrer Bewegungsfreiheit beschrankt gesuhlt. Von der Trabener Straße IG in der Kolonie Grünewald, wo sich bie Duncan-Schule,Verein zur Unteistutzung uni) Er­haltung ber Tanzschule von Isadora Duncan, e. V., Di rett 1011 Elisabeth Duncan", befand, ist oic Lehrerin mit einem -teile per Schülerinnen zunächst nach Paris übergesiedelt. In einem Sch.one in der Nähe der scanzösisckMi Hauptstadt hat sie auf (Sinlabung der Schloßherrin Wohnung genommen, um) hier können einige wenige Eingeweihte ihre und ihrer Zöglinge Kunst bewundern. Im Sommer hat sie Jules Huret in einem.Jnterviem, von dem auch wir Kenntnis nahmen, mitgeteilt, daß jte gedenke, char.s 5uni ständigen Wohnort zu wählen. Der Franzoie, oer ms größte Loo für die Duncan und ihre Bestrebungen taub, begrutzie diesen Entschluß mit Freuden. Indessen, dem Plane der lleoer- siedelung nach Paris stellten sich allerhand Schwierigkeiten m pen Weg, und so beschloß Frau Duncan, fortan in der ^BNltter- stabt Darmstadt zu domizilleren. Männer wie Geheimerat -t h o 0 c und Professor Thoma interessieren sich sehr für die neue Bur­gerin Darmstadts und wollen ihr behilflich sein, in ber neuen Heimat Die Wege &u ebnen. Ueoer alle oic Schule bctpeffenbcrt Fragen sowie üoer den Erroero eines Gruuostückes für Die ^a>ule schvebcn zur Zeit noch Verhandlungen. Isadora Duncan ge- pcnkl erst in der ersten Hälfte des nächsten Jahres den Aufenthalt

Grosch in Offenbach a. M., dem Stabsarzt der Reserve, praktischen Arzt Dr. med. Karl Weyprecht in Alzey, dem Oberbürgermeister a. Herm. Schäfer in Darm­stadt, dem Stenerboten Franz Seil in Mainz, dent Be­amten der städtischen Straßenbahn Karl Wittig in Mainz.

Lehrerpersonalien. Ucbcrtragcn wurde dem SchuIamtSaspiranlen ßubro. Gathmann aus Fintel (Preußen) eine Lehrerstelle an ber Gemeindeschule zu Gmsheim.

** D i e F 0 r t b i l d u n g s s ch u l e n der Landorte haben in dieser Woche wieder den' Unterricht ausgenommen. Die Reform des Fortbildungsschuluntcrrichtö ist jetzt in alten Schulen durchgeführl, und damit ist auch der Unterricht über Landwirt^ch-aslölehre, Boden-. P,lanzrni-- und -rierkunde zur Einführung gelangt. Tie diesbezüglichen Kurse am landwirtschaftlichen J.isritut dec Landesuniversitäc, in denen die Lehrer für die landw. Naturkunde vorbereitet wurden, l)aben sich sehr gut bewährt. Das Hauptvcrdicnst an der Reform gebahrt oem Landwirischaftöprose^sor Tr. Gisevius.

** Landtagswahl und Steuer. Ministerieller Verfügung zufolge bleibt das Kussclokal der Grv^h. BcztrkS- kasse 1 am 2 6. und 27. d. Mts. von 8 Uhr vvrm. bis 1 Uhr nachm. mit Mä,icht auf die am 28. Oktober stattsin- bende Wahl der Wahlmänner für die Landtagsabgeordne.en dem Publikum geöffnet. Die Zahltage am 2 9. und 3 0. d.' M tS. fallen dagegen im J.lleres,e der Erhaltung einer geregelten Äeschäsissuhrung aus.

** Ordensangelegenheiten. S. K. H. der Groß Herzog haben dem hessischen Gesandten a. D. Wirkt. Geheimerat Dr. v. N e i d h a r d t in Berlin die Er­laubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm vom König von Preußen verliehenen Großkreuzes des Noten Adler-Ordens erteilt. Der König von Preußen hat auS Anlaß des Geburtstages der Kaiserin und Königin die Rote Kreuzmedaille dritter Klasse verliehen: der verwit­weten Frau Generaldirektor AgneS Karoiine Lang, geb. Lippold, in Mainz, dem Gel>eimen Rat, bisherigen Provin- ziaidirektor Maximilian Freiherrn von Gagern in Mainz, dem Stabsarzt der Reserve, praktischen Arzt Dr. med. Karl

Die Krisis im Grient.

Tie Schritte, die von dem englischen Gesandten bei ber , Pforte unternommen worden sind, haben eine vollständige Aen- j berung der Lage Kerbeigeführt. Der englisck)e Gesandte hat die Pforte überzeugt, daß

eine Konferenz

unbedingt notwendig sei und daß ihre Beschlüsse nur maßgebend, für die Lösung ber Orientbahu'ragen sein könne. Auf Grund dieser Emmhnungen Hal bie Pforte das Programm der Kon­ferenz aufgcstellt und dieses bereits nach Londan abgesandt. Ties beoeulct eine Verzichtleistung ber Türkei auf bas gegenseitige Uebereinkommm mit Bulgarien und Oesterreich-Ungarn. Der deutfckie Bot)d)<iflcf Frhc. Marschall von Bieberstein hat inzwischen in einer Unterredung mit dem Herausgeber des BlattesTanin" erklärt, daß der d e u t s ch e Kaiser im Prinzip einer Konferenz nicht abgeneigt sei, aber wünsche, daß bad Pro­gramm ber Konferenz im Interesse der Türkei besckfränkt werbe, um zu verhüten, daß zu viel fragen in den BeratungSkceiS der Konferenz eingesogen würden.

Ein Berliner Telegramm berKölnischen Zeitung" erwähnt auf Gnmb der vorliegenden Meldunaen die Stellungnahme Eng- lanbs, Frantreick-s und Ocstcrrcich-Ungarns zu ber Hrage, ob Konferenz ober birekte Verhandlungen wegen der KrisiS im Orient" und stellt alsdann fest, baß in dieser Frage bei ben Mächten ver schiebene Abtönungen vorhanden sind, ihr 'Zusammenpassen zu einem gemeinsamen Programm nicht gerade locke, aber auch nicht unmöglich ericheine. Dann fährt das Tcle- grauun fort: Hier möchte man glauben, daß bic Fragestellung:

Konferenz oder unm ttelbart Verhandlungen

überhaupt nicht röchtig ist uno Dem praktischen Bx>ürfni8 nicht entsprickst. Nicht daoaus kommt es an, ob die Konferenz statt- finbet, ober ob zwischen ber Türkei und den anderen Staaten direlt verl-andelt wird, sondern darauf, daß mau aus den orieiv= tolischen Wirren halbwegs befriedigt herauskommt und den Aus­bruch eines Brrrndes verhindert, ber nur zu leicht weitergreisen kann. Um bieseS Ziel zu crrcichrn, müßte jedes Mittel recht fein, und es liegt Grund xu der Annahme vor, baß bteje Auf­fassung auch von der deutschen Regierung geteilt wird, die keines­wegs, wie mehrfach behauptet wird, kvnserenzfeindlich ist, viel­mehr für jeden prakliscl/en Weg, der schnell und praktisch zum ,3.de sühn, zu Haven sein wird. Bei der Frage, ob Konserenz ober nicht, ßomntt aber die Türkei in erster Lime in Frage. Da diese nach der bulgarisck)en Unabhängigleitserllärung und nach dec Angliederung Bosniens und der Herzegowina zwar den Zu* fammentrüt einer JTonferenj beantragt hat, aber nacl-her in un­mittelbare Verhandlungen mit Oesterreich-Ungarn unu Bulgarien eingetreten ist, gewinnt es den Anschein, als ob ihre erste Ansicht eine gewisse Aenderung erfahren habe, waS bet den schlechten Erfahrungen, die, bie Türkei bisher auf ben Konferenzen gemacht hat, nicht unverständlich sein dürfte. Ebenso wie sie bas Recht hatte, eine Konferenz zu beantragen, muß sie auch, wie man hier meint, bad Reckü hoben, bireEt zu verhandeln, wenn sie glaubt, auf diesem Wege besser zu fahren. Das Telegramm verivcist sodann auf die Erklärungen Sir Edward Greys im Unterbaute, denen zufolge die Regierung vertraut, dag der Türtei Entschädigungen zugesichert werden, uuo daß die Billigung ber Türkei bie notwendige Voraussetzung für bie Annahme eines jeben Konferenz-Programms sei, und bemerkt dazu: 9)lan kann mit diesen Ausführungen des englischen Ministers durchaus einver­standen sein. Es ist bann aber nur eine logische Schlußfolgerung, baß man bei solcher Ueberzeugung bie Türkei auch nicht in ihrer biplomalischen Bewegunzslleihei tbeschrünken sollte.

Wie aus Konstantinopel berichtet wird, ist die

liehen worden.

r. Dau bringen, 24. Okt. Gestern gegen 10 Uhr ereignete sich hier ein schwerer Unglücks fall. Der Sohn des Hilfsweichenstellers Wilhelm Schaser, der Maurergeselle ist, stürzte ron einem Gerüst ungefähr 6 bis 8 Meter in die Tiefe und blieb mit zerbrochenem Arm und einer schweren Verletzung am Hinterlops liegen. Er wurde von seinen Mitarbeitern in die Wohnung seiner Eltern gebracht, in der er schwer krank barnieberiiegt.

x Butzbach, 23. Okt. J.r dem hiesigen hastlokal ist am Anfang dieser Wocl)e ein Untersuchungsgesan- qener entsprungen, der bis jetzt noch nicht ivieder ergriffen wurde. Ec hatte sich ein Werkzeug zu verschaffen gewußt und damit die Tur erbrochen.

w Bab* 91 au beim, 23. Okt. Heute abend 6 Uhr ist hier ber Ballon .Ziegler-, dec um 9 Uhr morgens in Göttingen aufgesliegen war, glücklich gelandet.

= Alsfeld, 22. Okt. Tie 11. Jnstruktions- stunde des Verbandes ber Krankenkassen und ber Gemeinden als Träger ber Krankenversicherung int Grob­herzogtum Hessen findet am Sonntag den 1. 92übember 1908, nachm. 2 Uhr, im GasthofeZum deutschen 5-aus" hier statt. Es werden besprochen: 1. Welche Beitragsmarken müssen für die J.ivalibenverficherung bei den verschiedenen Kasieiiocganisatwnen für die einzelnen Versicherten zur Ver­wendung gelangen? 2. Die freiwillige Mitaliedschaft nach dem Krankenveriichcrungsgesetze. 3. Tie Meldepflicht der Arbeitgeber nach dem Krankenversicherungsgesetze und die sich infolge Versäumung der Meldeo-slichten ergebenden Strafen und etwaige Ersatzansprüche. 4. Ter Kreis der ver- ficherungspslichtigen Personen nach dem Krankenversiche- rungdgefetz.

? Schadenbach, 23. Cft. Obgleich unsere neucrbaute Kirche nächsten Sonntag emgeiveiht wird, sehlt ihr noch die Orgel, die nicht mehr ferttggcstellt werben fonnle. Die neue Orgel ist der rühmlich bekannten Orgelbansirina Berchard m Gcunbach übertragen worben. Sie erhält sechs klingende 9iegister und wird nach bcm bewährten Kegcllabensyslem erbaut.

ß Mücke, 23. Okt. Heute nachiniitag überflog ein großer Luftballon die hiesige Gegenb. Ter Ballon, den man gegen 5 Uhr sichtigte, kam der Luftrichtung entsprechend von Nordoften und flog nach Westen. Beim Passieren über Mücke