Ausgabe 
22.4.1908 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

*1*1

Wtibt

! ®üler.

% 1<

rpar-

Freisinnigen des Fürsten Noch inner» Bülow nickst Freisinnigen hätte er den

nasialwesenS von 1882 als Pädagog" (1901), und Denken" (1908). Ludwig-Gymnasiums

Wh

5°* CbltgQ, . u^lllb,

S

A

Aufs Vor yigiirnse vo u)nntiurter iiMr auoges cpnnit den

g:(Ben, den

Bülow erhob sich ein großer Sturm im Lande, halb des Sturmes kanr das Vereinsgesetz. Wenn der Ueb er&eugung gewesen wäre, daß er es bei den mit ernsten Gegnern überhaupt nicht zu tun habe,

Zit angeori M Misch -j:tnnit flun sikstn, den lZro

Ws« Von itroRc bi!

Weilrahe i ;ti und die legenden 5 «Ben, den!

Gesetz, verglichen mit dem jetzigen Zustande. Fragen Sie irgend einmal die Polen selber, wie diese im Herzen über das Ge­setz denken. Tas Vereinsgesetz ist jedenfalls ein praktischer Erfolg, wie ihn der Liberalismus seit Jahren nicht erzielt hat. (Widerspruch und lebhafte Zustimmung). Was die Fraktionsgemeinschaft anlangt, so sind wir allein doch nur ein kleiner Haufen, eine kleine^Partei, die da­rauf 'wartet, bis sich vielleicht ein Teil der Sozialdemokratie absplittert. Ich glaube, darauf können wir lange warten. Wie lange wird es schließlich der freisinnigen Volkspartei belieben, in der Jraktionsgemeinschaft zu bleiben, wenn die Verhälttiisse so bleiben, wie sic gegenwärtig sind? (Stürmische Oho-Rufe.) Sie meinen immer, die Andern müßten sich alles gefallen lassen. Das ist durchaus nicht der Fall. Jedenfalls kommen wir aus dem von mir skizzierten Wege nicht vorwärts. (Beifall und lebh. Widerspruch.)

Tr. Theodor Barth (Mit stürmischem Beifall und Hände­klatschen empfangen): Meine Ausführungen werden einige bittere Wahrheiten enthalten. Es ist eine undankbare Aufgabe, Männern gegenüber, mit denen man ein ganzes Menschenalter int poli­tischen Leben zusammen gekämpft hat, von der politischen Ge­rechtigkeit Gebrauch zu machen. Tie Aussührungen des Vor­redners zeigen, wo^n die Reise gehen soll. (Sehr richtig.. Wir dürfen uns nicht darauf beschränken, unsere Kritik nur am Vereinsgesetz zu üben. Wenn es sich nur darum handelte, würde ich die Sache milder beurteilen. Aber die Stellung­nahme der Partei ist eine Konsequenz der Block­politik, das ist das Unverzeihliche an der Hal­tung der Fraktion. Vor einem Jahre bereits sagte ich, die Blockpolitik bedeute die Gefahr einer Demoralisierung des Gesamtliberalismus. Tas Zusammenarbeiten mit den verschie­denen Parteien unter der obersten Direktion dos Fürsten Bulow muß zu einer Demoralisierung führen, wie wir sie erlebt ha­ben. Die Führer der Liberalen bekamen in Norderney nut schöne Redensarten zu hören. Bald daraus aber versetzte Bülow

von ,110t pronw .J;>n cioatsn gjiin reiches

1,16er .,21 curisque I stiem lab pietas

ft , ", teilte Ticsi

hen ringe ,5 bei hies I Iraner, 1 ^Mädchen Nperin. ütbtlinge;

E^lUiedjam

^ber, 1 jun Met, i A Leiter, 2 Tjk Mingc: Wer.

Wcit ^Nede.2;

M, 1 ?QD( fclSdjt

Grkginal-SvabtmelSungen.

London, 22. April. Sir Henry Campbell Bannerman ist heute morgen gestorben.

Wien, 22. April. Der Laryngologe Universitäts­professor Hofrat Schröttcr ist heute nacht plötzlich gestorben.

L e in b e v g , 22. April. Blättermeldungen zufolge soll die Ge- sängnisverwaltung einem Fluchtplan des Mörders bes­trafen Potocki aus die Spur gekommen sein. Infolgedessen ordnete der Unlersuchungsrichter die strengste Ueberwachung bei Aiörders an.

Paris, 22. April. Das Mitglied der Akademie Pro­fessor der Literatur (S. Gebhardt ist gestorben.

Paris, 22. April. Zu der angeblichen Grenz­verletzung durch schweizerische Gendarmen bei St. Julien wird gemeldet, daß die schwelzer Gendarmen von der Grenze entfernt aber noch auf schweizerischen Boden einen schon öfters bestraften Franzosen verhaftet hatten und dabei von ihm über die Grenze gezerrt wurden. Man glaubt, daß trotz der angeknndigten Interpellation in der französischen Kammer die Angelegenheit ohne Schwierigkeit geregelt wird.

Paris, 22. April. Der Spezialkommissar des Bahn­hofes in Belfort verhaftete gestern an der deutsch-franzö­sischen Grenze einen Spion, den er bereits längere Zeit beobachtete und im Zuge verfolgte. Die Verhaftung geschah in dem Augenblick, als der Spion sich anschickte, die deutsche Grenze zu überschreiten. Bei dem Verhafteten fand man ein Paket mit Plänen von Belfort und Umgebung.

Gymnaüaljubiläums im vorigen Herbst in unserem Blatte zum Abdruck gekommen und bildet die Sondcrbeilage des neuesten Gymnasial-Programms.

L Geh. Kirchenrat D. Stock y. Am Ostersonntag starb hier nach langen Leiden der Geh. Kirchenrat D. Stock, der im 83. Lebensjahre uand. Seinem Wunsche entsprechend ivird die Leiche von 1>. Stock heute in seine Gemeinde Stock­hause n (Vogelsberg) überführt und dort am morgigen Tage inmitten seiner Lieben beigesetzt werden. Was in fast 50jähr. Amtsführung als Pfarrer und Dekan, Kirchenrat Stock dort an Dekanat Lauterbach geleistet hat und wie hoch er bei feinen Gemeinden und Amtsbrüdern, besonders auch bei der PatronatSfamilie den Freiherrn von Riedesel geschätzt und angesehen war, das wird nach seiner Bestattung jedenfalls eine andere Feder aus dem Kreise seiner dortigen Freunde schildern. Heute soll hier nur kurz zum Ausdruck gelangen, ivas seine Gießener Freunde 6 Jahre lebte er hier als Emeritus an ihm gehabt und leider nun verloren haben; es gehört mit zur Tragik des Lebens, daß solche Männer von Güte, Charakter und Wissen uns durch den Tod so rasch entrückt werden. Was unseren Freund Thomas Stock vor Vielen auszclchnete, war bis in seine 80er Jahre hinein und zwar in un­verändert sich gleichbleibender Frische fein lebendiges Interesse für viele Fragen der Wissenschaft, nicht etwa nur der theologischen, sondern z. B. auch der Literaturgeschichte, Geschichte, Poesie, Kunst, Musik, Astronomie u. s. s. Noch in den letzten Tagen seines Lebens ließ er sich, als er zu Bette liegen mußte, wichtigere Artikel über all diese Gebiete vorlesen und be­gleitete sie mit seinem sachkundigen Urteil, das uns so oft erfreut und belehrt hat. Auf seinem Arbeitstisch lagen fort und fort die wichtigeren Bücher und Zeitschriften bezüglich der genannten Wissensgebiete. Aus den Dichtern Shakespeare, Goethe, Schiller, Platen rc. zitierte Stock mit wunderbarem Gedächtnis ganze Stücke auswendig; sein Auge blieb scharf bis zum tleinsten Druck, eine Brille kannte er nicht. Uns den Freunden war er stetig der herzlich wohlwollende, für Alles aufgeschlossene, warmherzige treue Freund. Wit- Haben ihn herzlich lieb gehabt und fühlten uns so wohl in seiner Gemeinschaft. Er ruhe in Frieden!

** Vom Großh. Hof. Der Prinz und die Prin­zessin Heinrich von Preußen treten heute mit dem Erbgroßherzog Georg und dem Prinzen Sigismund die Rückreise von Schloß Heiligenberg nach Kiel an. Prinz Waldemar von Preußen bleibt zunächst auf Schloß Heiligenberg und be­gibt sich am 28. ds. Mts. nach Straßburg.

** Lehrer Personalien. Uebertragen wurde dem Lehrer Karl R au f ch zu Sickendorf eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Burkhardsfelden, dem Schulamtsaspiranten Konrad Arnold ausi Pohl-Göns eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Friedberg, Stadtteil Fauerbach, dem Lehrer Rich. H a h n zu Gnnzenau die Lehrerstelle an der Gemeinde­schule zu Lindenstruth, dem Schulamtsaspiranten Leop. Kauf­mann aus Bisses eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Sprendlingen (Kreis Offenbach).

** Gerichtpepsonalien. Ernannt wurden der Ak- tuanatsasfistent bei dem Amtsgericht Offenbach Karl Michael Gabelmann zum Aktuariatsassistenten bei dem Amtsgericht Groß-Gerau, der Aktuariatsassistent bei dem Amtsgericht Darm­stadt I Joh. Pet. Jäger zum Aktuariatsassistenten bei dem Amtsgericht Nidda, der Gerichtsschreibergehilfe Gg. Streuber in, Grünberg zum Aktuariatsassistenten bei dem Amtsgericht Offenbach, der Gerichtsschreibergehilfe Ludw. Kratz in Hungen zum Aktuariatsassistenten bei dem ^lmtsgericht Offenbach und der Gerichtsschreibergehilfe Adam' Hofferberth in Darm­stadt zuml Aktuariatsassistenten bei dem Amtsgericht Darm­stadt I.

** Hunde-Ausstellung. Die Ehrenpreise für die am Sonntag hier ftattfiudende Hunde-Ausstellung sind im Schau­fenster^ des Herrn Stückrath ausgestellt.

** Sachbeschädigung. Am 2. Feiertage wurde an der st ä d t. Badeanstalt von roher Hand die Türe aufgebrochen, das darin befindliche Werkzeug zum Teil zerstört und zum Teil in die Lahn geworfen. Täter sollen 2 junge Burfchen gewesen sein, deren Ermittelung der Polizei wohl gelingen dürfte.

"Diebstahl. Aus einer Hosreite in der Schanzenstraße wurde m den letzten Tagen em A r e n n a b o r ° F a h r r a d mit der Polizeinummer 7264 von unbekannten Tätern gestohlen.

** Darmstädter Ausstellungslotterie. Das Gr. Ministerium des Innern hat der Geschäftsleitung der Hess. Landesausstellung für freie und angewandte Kunst Darmstadt 1908 die Erlaubnis erteilt, mit der Ausstellung eine Verlosung zu verbinden, bei der 120000 Lose a 1 Mt. ausgegeben werden dürfen. Zum Vertrieb in Dessen sind zunächst 60 000 Lose zugelassen, die mit dem hessischen Zulassungsstempel versehen sein müssen.

= F riedb e r g , 21. April. Die günstige Entwickelung der Gewerbe-Akademie hat die Stadt Friedberg nach Rücksprache mit dem Großh. Ministerium zu Darmstadt veranlaßt, die Anstalt in eigene Verwaltung zu über­nehmen, wodurch dann auch der längst projektierte Bau eines neuen Studiengebäudes seine Lösung gefunden hat. Diese Nach­richt dürfte nicht allem die jetzigen Studierenden der Anstalt, sondern auch die große Zahl der bisherigen Absolventen er­freuen.

W. Worms, 21. April. In dem chemischen Labo­ratorium der landwirtschaftl. Winterschule ereignete sich heute nachmittag 4 Uhr eine Expl osion, die so furchtbar war, daß dem ersten Lehrer Dr. K. Schneider der Kopf gespalten wurde, so daß der Tod sofort eintrat. Die -rrchuldienerin Reck erlitt eine leichte Verletzung an der Hand, während ihre Tochter einen Beinbruch davontrug.

M. Neusta dt a. d. H., 21. April. Das Automobil de8 Generaldirektors Oloff von der Frankfurter (Summ i» waren--Fabrik Karl Slückicht überfuhr am Ostermontag kurz vor Neustadt den 8 jährigen Knaben des Bäckermeisters Ludwig Wolf aus Lamprecht. Der Knabe war sofort tot. Der Chanfftur Karl AmoS aus Frankfurt stellte sich der Polizei, doch soll ihn keine Schuld treffen, weil der Knabe unvorsichtigerweise vor den Kraftwagen lief.

? Rodheim a. d. B., 21. April. Hier wurden am 2. Oster- tage 44 Kinder konfirmiert. Rodheim zählte 21, Bieber 12 und Vetzberg 11 Konfirmanden. Im Filialort Fellingshausen findet am Sonntag die Konfirmation (10 Kinder) statt. Früher wurde hier erst am 2. Pfingsttage fonfirmiert. Nunmehr ist auch der Schluß des Schuljahres endgültig auf den 31. Mürz festgelegt. Tie aus der Schule Entlassenen fömten somit frühzeitig in ein Dienst­oder Lehrverhältnis emtreten. Dein eifrigen Bemühen unseres Ortspfarrers Vömel ist es gelungen, für die geplante Klein- t i n d e r s ch u l e ein dauerndes Heim zu erwerben. Ihm haben mir es auch zu verbauten, daß feit etwa 2 Jahren m unserer Kirchengemeinde eine Krankenschwester wirkt. Hoffentlich liegt nun die Zeit nicht mehr fern, wo eine zweite Schwester in den Dienst der Allerllemsten tritt. Eine solche Kinderbewahranstalt ist für Rod- heini mit feinem großen Fabriken em Bedürfnis. Das znnr Preise .von 10 330 Alk. erivorbene Gebäude liegt auj freier Höhe am Aus­

INeren V? Rurs ;A1907

i?n73,23

"St 32

MiGir

s

I Hclii r. flii fccr f I j Hl L r'A'jK di EäWft V-vi M 1 < WW k oerr ^'huitigk Ü ^cnennuti Berlin [Ljt bardin i Lj'1 *

.Strtiiei

b;

den Freisinnigen jenen Affront vorn 10. Januar, den er sich gegenüber dem Junkertum niemals erlaubt hätte. (Lebh. Zu­stimmung.) Obgleich Bülow ein höflicher Mann ist, haben ihm die Junker nicht einmal erlaubt, gegen die höflich zu sein. (Sehr gut) Nach der Erklärung

Ein neuer hardenprozetz.

M ünche n, 21. April. Vor dem Amtsgericht München begann heute der Prozeß Maximilian Harden gegen ben Redakteur derdienen freien Volkszeitung", Städc l e-Attinchen, wegen Beleidigung durch einen Artikel, worin er das Go ruckst erwähnt, daß Harden vom Fürsten Eulenburg eine Million erhalten habe, damit er schweige. Harden ist mit seinem Rechts- beiftanb, Justizrat Bernstein, persönlich erschienen. Tie Beweis­erhebung, wahrend der die Oefsentlichkeit ausgeschlossen war, bre,9tc sick) zunächst um das Material, das Harden über den Fürsten Eulenburg ans dem Anfang Der 80 er Jahre habe, wo Eulenburg Legationsrat bei der preußischen Gesandtschaft in Aäünchen war, und viel in seiner Villa am Starnberger See weilte. o^9e Milchhändler Rieder- München behauptet, ün Jahre 1881 als Schifscrknecht in Starnberg den damaligen Grafen Eulenburg mehrfach auf dem Starnberger See gefahren zu haben, einmal etwas unsittliches vorgekommen sei. Später habe er Eulen­burg wiederholt in feiner Münchener Wohnung ausgesucht mu> in kleineren Posten Geld erhalten, im ganzen etwa loOO j.vv Etwas unsittliches ist dabei zwischen ihm und Eulenburg iuöjj nrehr vorgekommen, wohl aber einmal zwischen ihm und einem .fremden Manne, mit dem Eulenburg ihn bekannt gemacht yatre. Fischermeister Ernst aus Starnberg, der den Fürsten Eulenburg oft auf dem Starnberger See gefahren hat, zweimal aus Kosie> Eulenburgs zum Fischen in Siebenberg war und zeitweilig Emen^ bürg als Kammerdiener auf Reisen begleitete, erklärte, Eulenburg habe niemals eine unrechte Amiähenmg versucht. Andere Zeuge» lagen aus, m Starnberg seien mehrfach Gerüchte über besonoer Beziehungen zwischen Ernst und Eulenburg in Umlauf gewesen- konnten jebod) nicht angeben, ob euvas wahres daran

In der 9chchmittagssitzuiig werden zunächst Zeugen über die Glau Würdigkeit des Zeugen Riedel vernommen Ein Zeuge sagt guNsu» aus,,ein anderer hält Riedel für streitsüchtig und zum benuii^len geneigt. Sodann richtet der Vorsitzende, OberlandesgerlMsrm

Paragraph 7 überhaupt nicht in daS Gesetz hineingebracht. (Sehr richtig.) Der Paragraph 7 bedeutet eine Verletzung der liberalen Grundsätze, wie man sie schlimmer sich nicht denken kann. Trotzdem haben die Liberalen den Paragraph 7 ge­schluckt. Es handelt sich bei dem Paragraphen um die Frage der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung. Gewiß können Situ­ationen im politischen Leben eintreten, wo man sich auf frühere Erklärungen nicht mehr festlegen kann. Aber hier liegt eine Aenderung der Situation ja gar nicht vor. Es handelt sich um einen der wichtigsten Punkte des Liberalismus. Ich er­innere an den Fall Schellen berg, an die verschiedenartige Behandlung unserer jüdischen Mitbürger, die nicht Reserveoffiziere werden dürfen. Gegenüber solchen Rechtsverletzungen hat die bür­gerliche Demokratie versagt. Nun sagt man, die Zu­stimmung sei nollvendig gewesen, um die Frattionsgemeinschaft aufrecht zu erhalten und wegen der Blockpolitik. Einigkeit ist gewiß gut, aber es kommt auch, darauf an, wofür man einig ist. Wir wollen einig fein um demokratische Politik zu treiben! (Lang- anhaltender Beifall.) Wie steht unsere Partei zur freisinnigen Vvlkspartei? Ich erinnere an die Rolle, die die freisinnige Volkspartei bei dem Zolltarif gespielt hat. Sie hat damals unserer Auffassung nach ihre Schuldigkeit nicht getan, deshalb haben sich ja die Nationalsozialen uns und nicht der freisinnigen Volkspartei angeschlossen. Damals fiel von Fischbeck das Wort:Lieber zu Groscher als zu Barth." Tas ist ein politisches Glaubensbekennt­nis geworden. Tie Politik der freisinnigen Volkspartei läuft immer mehr darauf hinaus, Anschluß be i der Rechten zu suchen. Ich sollte meinen, für unser Land gibt es nur eine Aus­gabe: die Vertretung der demokratischen Grundsätze innerhalb der Fraktionsgemeinschaft. (Lebhafte Zustimmung.) Geschieht das nicht, so ist es besser, die Gemeinschaft geht eher heute als morgen zu Grunde. Einig keck macht stark, wenn man miteinander kämpft und für Dinge eintritt, die es wert sind. Wenn aber Einigkeit nur dazu dient, energische Elemente am Rock schoß zurück­zuhalten, so ist das ein Moment der Schwäche. Die Tenwtraten ui der Fraktionsgemcinschaft müssen sich unter die Kvpsch und die Fischbeck beugen und diese Gemeinschaft wiederum muß sich noch dem Block unterorbnen. Deshalb ist eine Abschwenkung nach rechts notwendig geroorben. Tie Wahlbeweg'ung wird sicher einen kläglichen Verlauf nehmen. Es geht nicht gegen das Zentrum, es geht gegen die demokratischen Tendenzen sowohl im Zentrum, wie in der Sozialdemokratie, wie in der Demokratie. Tie Fraktionsküfer haben den demokratischen Wein auslaufen lassen und jetzt sagt man uns, wenn nur das Faß, die äußere Organisation gerettet wird. Ter große Unterschied innerhalb der Fraktionsgememschaft zwischen mir und meinen Freunden läuft eben darauf hinaus, daß es uns auf den Inhalt des politischen Kampfes ankommt. Wir wollen den Inhalt aufrecht erhalten, mag auch die Form in Stücken gehen! (Stürmischer langanhaltender Beifall und Händeklatschen, lebhaftes Zischen.)

Tie weitere Tebatte zog sich bis in die späten Nachtstunden hin und wurde schließlich auf morgen früh vertagt.

*

Vorn Wahlverein der Liberalen (freisinnigen Vereinigung) er­hält das Berliner Tageblatt die nachstehende Mitteilung: Nach dem Verlauf der heute in Frankfurt a. M. abgehaltenen Sitzung des Vorstandes des Wahlvereins der Liberalen und nach den ver­traulichen Vorbesprechungen der einzelnen Telegiertengruppen er­scheint eine Spaltung innerhalb der Partei unver­meidlich. Professor Lujo Brentano-München und der Berliner Stadtverordnete Tr. Paul Nathan haben schon vor Beginn der Verhandlungen des Telegiertentages ihren Austritt aus der Partei erklärt. Tr. Barth, Herr von Gerlach und ihr näherer Anhang werden diesem Vorgehen voraussichtlich morgen folgen, nachdem durch Annahme einer Resolution, welche der Reichstags­fraktion das Vertrauen der Mehrheit des Telegiertentages votiert, kein Zweifel mehr darüber gelassen sein wird, daß auch die parla­mentarische Fraktion der freisinnigen Vereinigung entschlossen ist, die Blockpolitik sortzujetzen. An die Gründung einer neuen demo­kratischen Partei, von der einige Blätter zu berichten wußten, Üt in keinem Stadium der bisherigen Verhandlungen und ver­traulichen Vorbespreckmugen gedacht worden.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 22. April 1908.

Von der Universität. Dem a. o. Professor Dr. August Messer wurde, wie wirerfahren, vom Sommer­semester ab Lehrauftrag für experimentelle Psychologie und experimentelle Pädagogik erteilt. Dr. Bresser (geb. 1867 zu Mainz), bestand 1890 das Oberlehrerexamen und war anfangs als Gymnasiallehrer in Bensheim tätig, bis er hierher versetzt wurde. 1893 promovierte er hier und hadilierte sich 1899 für Philosophie und Pädagogik auf Grund der Schriften:Tie Behandlung des Freiheitsproblems bei John Locke'' und vQuintUian als Didaktiker und sein Einfluß auf die didaktisch- pädag. Theorie des Humanismus". 1904 erhielt Messer den Titel eines a. o. Professors. Er betätigte sich literarisch auf dem Gebiet der Philosophie und Pädagogik. In Buchform oeröffentlichte erDie Reform des Schulwesens im Kurfürslen- tum Mainz unter Emmerich Joseph" (1887), .Die Wirksamkeit Apperception in den persönlichen Beziehungen des Schul- lebenS"(1899),Denken, Sprechen und Sprachunterricht"(1900), ,Die Reformbewegung auf dem Gebiet des preußischen Gym-

bi§ 1901* (1901),Hermann Schiller Kants Ethik" (1904),Empfindung Seine Geschichte unseres Lanograf- ist zum Teile während des

gang nach Otzberg. Demnächst findet zum Besten der neuen 1» statt eine Verlosung statt.

Nordeck, 22. April. Heute wurde hier unter zahlreicher Beteiligung der T e l e g i e r t e n t a g des K r e i s s e u e r w eh r - Verbandes 'Hl o r b n r g abgebaiien. Damit verbunden wat' eine gemeinsame Hebung der Feuerwehren von illordeck und Wumen Dem Verbände gehören jetzt 86 Feuerwehren des Kreises an. Ai. nächstjähriger Versammlungsort wurde Lohra bestimmt.

Frankfurt a. M., 21. April. Major von Klenck Adjutant beim Generalkommando des 18. Armeekorps, unter- nahm heute früh einen Spazierritt nach dem Forst- h a u s. In der Nähe der Trambahnhaltestelle am Sandhoi scheute d a s P f e r d und warf den Reiter ab. Major vor Klenck blieb bewußtlos liegen. Im städtischen Krankeuhauä wohin man -dem Schwerverletzten gebracht hatte, wurde ein Sck-ädelbruch festgestellt. Der Verunglückte st ai b nach kurzer Zeit. Er war 1863 in Hamwver geboren und lam am 22. April 1905 als Divisions-Adjutant zum 81. Infanterie- Regiment nach Frankfurt. Seit zwei Jahren war er beim Generalkommando des 18. Armeekorps.

Vermischtes.

* Genickstarre und Pest. In Essen tritt wieder die Genickstarre auf. In den lebten Tagen waren drei Todeswllc zu verzeichnen. Die Bundesregierung zu Washington Hai aus La Guahra Privatnachlrichten erhalten, nach denen in bau; Venezuela die P e st herrscht. Die Hospitäler sind voll von sterbenden Patienten, die mit Wunden bedeckt sind. Man weiß nickst, ob es sich um einen Ausbruch von Veulenpest handest Tie venezoelanische Regierung hält jede Nachricht über die Epi­demie zurück.

* Ter Mord am Grasen Potocki. Aus Krakau wird gemeldet: In einer Gruppe mit der Eisenbahn über die deutsche Grenze heimkehrerrder Sachsengänger haben pomischc Feld, arbeitet in der Aufregung über die Ermordung des Statthaster-Z Grafen Potocki einen mitfah/renden ukrainischen Arbeiter en - setzlich mißhandelt und zuletzt zum W a g e n f e n fr e r b i n a u g, geworfen. Er wurde schwer verletzt und bewußtlos auf einer Reserve-Lokomotive nach Krakau gebracht. In Lemberg Hai fick) in der Aufregung über den grausen Mord am Grafen Potocki ein hoher pensionierter Staatsbeamter im Alter von 72 Jahren das Sehen genommen.

HanSeL und Verkehr, Volkswirtschaft^

Berlin, 21. April. Der Wert der deutschen Einfuhr im ersten Vierteljahr 1908 betrug 2162.2 gegen 2120.9 Mill Mark im Vorjahr, der Wert der Ausfuhr im gleichen Zeit­raum 1658.5' gegen 1638.6 Millionen. Der Edelmetallver kehr erreichte in her Einfuhr 41.2 gegen 32.2 Mill. Mk in der Ausfuhr 18,4 gegen 16,8 Mill. M Die Wertzunahme beträgt demnach in der Einfuhr 41,3, in der Ausfuhr 20 Mill.

-7-Verkehrseinnahmendeutfcher Eisenbahnen. T-re Verkehrseinnahmen betrugen int März 1908 für alle Bahnen im Personenverkehr 49 310145 Mk. (minus 3 992 434 Mk.>, im Güterverkehr 131534 020 Mk. (minus 1931765 Mk.). Für die Bahnen mit dem Rechnungsjahr AprilMärz in der Zeit vom 1. April bis Ende März 1908: im Personenverkehr 589 609 48.) Mk. (plus 15 704 287 Mk. , im Güterverkehr 1445 456361 M (plus 66 323 550 Mk.). Für die Bahnen mit dem Rechnungsjahr JanuarDezember in der Zeit vom 1. Januar 1908 bis Ende Mraz 1908: im Personenverkehr 16 486 536 Mk. (minus 792987 Mk.), im Güterverkehr 41339 627 Mk. (plus 1500 541 M.,. Bei ben Mindereinna hm en des Aiona ts aus dem Personenverkehr ist u. a. zu berücksichtigen, daß dem gleichen Monat des Vorjahre-) die Einnahmen aus dem Osteroerkehr zugute kamen. Der Aus­fall, den der Güterverkehr im Vergleich zum Vorjahr aufroeift, ist Zwar nicht erheblich, immerhin kömmt darin die verminderte Lebhaftigkeit im Geschäftsverkehr zum Ausdruck.

Voranöfichtliche Witterung für.vcffen am Donnerstag den 23. April: Vielfach trüb. Zeitweise geringe Niederschlage. Fort­dauernd kühl. Westliche bis nördliche' Winde.