Samstag 4. Januar 1908
Erstes Blatt
158. Jahrgang
Nr. 3
Der Gießener Anzeiger Ä Ä Bezugspreis:
erscheint täglich, ander C3 >> %/ monatlid)75^L,DierteL-
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Annahme von Anzeigen V ’ 6 M u. Land" und.Gerichts-
™ X*^"iö'u£ Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Lteindruckerei. B. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei- Lchuistraße 1. L°z-ia«n.eü7 H. B-L
Kie Heutige Dummer umfaßt 12 Seiten.
Deutsches Reich.
Berlin, 3. Jan. Der „Staatsanzeiger" veröffentlicht die Ernennung des Oberlandesgerichtspräsidenten Gryczewski-Posen zum Wirklichen Geheimen Rat mit dem Prädikat Exzellenz.
— Wie die „Dtsch. Tagesztg." erfährt, hat das Reichsschahamt nicht nur Erwägungen über die Einführung eines 25- Pfennig stückes angestellt, sondern es liegen bereits Probeprägungen verschiedener Art an zuständiger Stelle vor.
Leipzig, 3. Jan. Eine stark besuchte Versammlung der Großdestillateure Sachsens protestierte energisch gegen die Einführung des Branntweinmonopols, das eine schwere Schädigung aller an der Herstellung und den Vertrieb von Spirituosen beteiligten Betriebe zur Folge haben würde.
S t u t t g a.r t, 3. Jan. Das endgültige Ergebnis der Gemeinderatsergänzungswahlen hat ergeben, daß nicht ein Zentrumsmann, sondern noch ein weiterer Sozialdemokrat, somit insgesamt 4 Sozialdemokraten, 3 Mitglieder der Deutschen Partei, 1 Konservativer und ein Mitglied der Volkspartei gewählt worden sind-
Der „Berl. Lokalanz." meldet aus Hamburg: In Hamburg wurde laut Verfügung der Behörde die Aufstellung von sämtlichen Spielautomaten verboten, weil die Wirte nicht befugt seien, neben dem Schankbetriebe auch noch ein anderes Gewerbe zu betreiben.
München, 4. Jan. Der M a g i st r a t hat beschlossen, im Einvernehmen mit der Handels- und Gewerbetammer von Oberbayern und dem Münchener Handelsverein ab 1. Oktober 1908 in München eine Handelsfach sch ule zu errichten und hierzu für 1908 einen Zuschuß von 10 000 Mark, für die kommenden Jahre einen solchen von 20 000 Mark zu leisten.
Schwant Orrentrrise sind ui Herren Schlegel, von t__ T: '**'
Arrs Stadt und Land.
Giegen, 4. Jan. 1908.
** Die Kälte hat heute in den Morgen»runden ihren bisherigen Höhepunkt erreicht, um V28 Uhr verzeichnete die amniche Werterbeobachtungsstelle —17.6 Grad Eelsius, während gestern die niedrigste Temperatur 16 Grad betrug. Die L^seck ist schon, einige Tage zugesroren und auch die Lahn zeigt sa-on seit 2 Tagen eine Eisdecke, die nunmehr fast einen Fuß Dicke erreicht hat. Bei dieser Kälte und bei den viei.aa) vorkommenden Schneeverwehungen ist es zu verwundern, daß der Bahnverkehr sich im allgemeinen recht puntuich ab spielt. Auch die Bieveriaibahn, die am NeujaiMtage bei dem Einschnitt bei Gleiberg infolge des dorr zusammengewehten Schnees stecken 6aeb, hat gestern bereits ihren Betrieb wieder ausgenommen, nachdem die Maid)ine, die längere Zett im Freien stehen muß.e, wieder ausgecaut war. Die Beieitigung des hohen Schnees kostete der Bahnoerwaltung etwa 800 Mk.
**LiejüngstenAuswanderernachDeutsch- Südwe st a s r i t a werden, wenn dem Leser diese Zeilen zu Glicht kommen, schon auf hoher See schwimmen. Es sind zum Teil sozusagen hessische Landestinder, die bestimmt sind, Kultur in das noch unausgeschlossene wilde Land zu tragen. — Das Reichskolonialamt in Berlin hat nämlich meist aus Bestellung von Farmern hin sorgfältig ausgewählte VogelsbergerRinderaus dem hessischen Hinierland und im Großherzogtum Hessen gezüchtete S a a- ner Ziegen vom Ziegenzuchtverein Heppenheim an der Bergstraße bereit stellen lassen. Die Tiere mußten am 31. Dezember an den betreffenden Stationen verladen, um am 2. Januar in Hamburg einzutreffen und am 3. Jan. auf dem Dampfer verstaut zu werden. Am 4. Januar ging der Dampser in See. — Die endgültige Preisfestsetzung für die Tiere und die Abnahme derselben war vom Reichs-Äolonialamt dem Oetonomierat Sch lenke übertragen. — Das Wetter war dem Landtransport höchst un- gün'stig. Die in meist zu warmen Ställen stehenden Rinder mußten am 31. Dezember durch tiefen Schnee einen Fußmarsch von 1—3 Stunden machen, kamen dann in die gut vorgerichteten Eisenbahnwagen. Aber das Aus- und Einladen in Hamburg bei der Kälte! Wer ist nicht durch die so plötzlich eintretende Kälte überrascht? Gewiß auch die Wettertundigen! Wie oft hört man die Regens- art- „es gibt keine Winter, keine Schlittenfahrten mehr wie in früheren Zeiten." Wir leben zu rasch, wir vergessen die schneereichen kalten Winter zu rasch und manches andere. , , £(rn r.
** Nationalliberale Versarnmlung. Auf Wunsch des nahonallibcialcn Vereins zu Gießen spricht Reichs- uno Landtagsabgeordnctec Dr. Osann Sonntag, den b. Januar nachmittags 3*/, Uhr m Steins Garten über: Tie Politil im Reiche und in Hessen. Ta die Versammlung öffeu - lich ist, hat jedermann freien Zutritt; insbesondere sind alle Freunde des Liberalismus und der Blockpolitik m etnbtmiö Land zum Besuche der Versauiiulung emgeladen. (Liehe
' ** Aus dem Bureau des Stadttheaters. In dem morgen abeno zur Aufführung geiangenoen lustig n - • - p ■ ; {f e sino ui Haupirollen beschäftigt Die
der Becke, Goll, Roden, sowie die Damen
Cardung, Bons, Acorett und Maijarth. — Dienstag findet die Premiere von Sudermanns „Rose n" statt.
** Das gegenwärtige Kolosseumsprogramm ist wiederum recht reichhaltig und verdient vollauf einen Besuch. Wir kommen nou) eingehenoer darauf zurück.
** A l i c e - V U) u ie. an। u<.cL|ciuien Wuujih soll wieder ein H a n d e l s t u r s u s .rrichcet weroen. Die Lumen, die sich daran beteiligen wollen, werden gebeten, sich rusch zu entschließen, da der Kursus nur stattsiuden kann, tvenii eine genügenoe Schülerinnenzahl sich mettet. J.n Bügeln sowie Kochen beginnt ein neuer Kursus, in den anderen Klassen weroen neue Schülerinnen ai;u) angenommen. (Im übrigen verweisen wir auf die Annoncen im Anzeiger.)
* Der Evang. Arbeiterverein ocranualtet am Zonntag abend im oberen Saale der Herberge einen Vor- iragsabend, ja dem Pfarrer Schwabe hier über das heilige Land sprechen wird. Die Ausführungen des Referenten werden dnich Vorführung von Lichtbildern besonderes Interesse Hervorrufen.
** In die ArmeliDeputation wurde nicht, wie verseheuirrch mitgeleilt wuroe, Pro.estor D. Stamm, son- oern Kau,mann Dtathan Slainm gewählt.
•* Keine Rt»litärfa hr ka 1 ten. Eine neue 93er- ordnung bellimmt, daß den AllckilärkapeUcn vom 1. Januar ab bei Reisen zu Erwerbszivecken leine Ntilllärsahrkacten rnchr vewnligt werden. Damit erleiden sie ui ihren Einnahmequellen bedeutende Aussälle. Schon m den achtziger Jahren oesland erne ähnliche Besilmmung; sie wurde aus Beirelben des GastivlrtverbandcS wieder ausgehobcn.
ach Afrika. Als Mitglied der NeichSkonnnission zum Studium der wasstrivirischastlichen Berhällnisje wird sich am 20. Januar Oberbaurat Schm ick vom hessischen Finanz, mimjleuum nach Südwest- und Onafrila begeben und voraussichtlich erst un Rial von dort zurücklehren.
** Pfarrer Korell in Friedberg. Pfarrer Korell, der bekannte Führer der freisinnigen Parlei, spricht morgen zonntag nachnwiwg V20 Uhr in Friedberg über „Die Ausgabe des Liberalismus". Auch von hier ivird, wie uns aus srei- Iinnigen Krehen mitgeteilt wird, eine Anzahl Mitglieder den Vortrag be,ua,cn.
= Heuchelheim, 3. Jan. Für Heuchelheim steht im Laufe des nächsten Sommcis ivleder ein größeres Sänger- l e|t in Aussicht. Der Gesangverein „(Ser man 1a4 blickt ans ein Zbjal r ges Bestehe..- zürüsk «au sott gleichzeitig die Weihe einer neuen Fahne damit verbunden iverden. Als ältester Gesangverein im hiesigen Orte gilt der Verem „Teu> Ionia'1, welcher im Rtonat Juli 1905 unter überaus großer Beteiligung sein VOjahriges Stiftung-fest feiern konnte.
xStausenoerg,3. Jan. In Dem zuletzt verflossenen Jahre wurden in Die hie,ige Psennigsparkasje von einer größeren Anza.,l Schiiittiweru uttu emigen erwachsa- nen jungen Leuten uie Summe v 0 n 2üoo 'ml l euigcieyt. 15-5 i|i p.es em sicherer Beweis, wie em Derartiges JnstiiUi uen ^Lpar,imi Der JugeuD weckt uno demnach oon hohem, segenbringenoem Em.laß ,ür Die tommeiwe Geueralwu ip. Lie Spareinlagen merueu wöchentlich von Lehrer Schlapp erhoben uno ui Der Sparkasse Gießen zinstragend augelegi.
-st Oppenrod, 3. Jan. Am Silvesterabend wurdi hier, wie alljährlich, das neue Fahr angeschosjen. Tas Schiegen besorgte aber immer die Fugend, trogdem es polizeilich ver- boten ist. Diejesiual kam es aber anders. Em Arbeiter namens Lchucharb, der in der Wlrljchast von I Döring logiert, lud in der Wirtschaft eine Pistole mit nahezu einem viertel Pfund Pulver und wollte damit aus dem Fenster schießen. Der Schuß ging aber nicht los und Schuchard zog die Pistole zurück, um ein anderes Zündhütchen aufzufrtzen. Fn diesem Augenblick entlud sich Die Waffe und Der Schuß zertrümmerte den einen Fensterflügel. Es war em Glück, dag 1 ein Mensch an dem Fenster sag, sonst hätte das grögte Unglück geschehen können.
>m. Friedberg, 3. Jan. Eine neue Millionen- Erbschaft macht viel von sich reoen. Jedoch ist die Erbschaft diesmal in Wirklichkeit vorhanden. Es liegen ihr svlgende attenmäßige Tatsachen zu GrunDe, die das Landgericht Limburg im Original besitzt, während sämtliche ttrbbeteiiigte Abschriften Davon erhielten. — Im Anfang des Jahres 1810 wanderte ein junger Mensch Namens Muth aus Dürenberg in Nassau, Landgerichtsbezirk Limburg nach Holland, wo er sich nach Indien bei der holländischen Armee nach Atschin aiiwerben ließ, und es da bis zum Osfizier brachte. Nach längerer Zeit ließ er auch seinen Bruoer nach dort kommen, der es bald durch Intelligenz zu etwas brachte. Als der Aeltere der beiden Brüder einmal eine Europareise unternahm, lernte er eine holländische adlige Dame tennen, die er später heiratete. Diese Dame besag zur damaligen Zeit schon unermeßliche Reichtümer. Die Ehe bestand nur sieben Jahre und als der Mann starb, verheiratete sich die Witwe ein Jahr später mit dem jüngeren Bruder des Verstorbenen. Die zweite Ehe dauerte nur vier Jahre, indem die Dame starb, wobei sich herausstellte, daß sie ihr aus 2V2 Millionen Gulden bestehendes ^Vermögen ihrem zweiten Mann als llniversalerbe vermacht hatte. Als der Universalerbe I. K. Muth im Jahre 1835 verstarb, hat er sein gesamtes Vermögen an seine Verwandten nach Dürenberg in Nassau vermacht, jedoch ohne Namensnennung, wodurch ungeheure Schwierigkeiten entstanden. Sämtliche Erbberechtigte haben sich unter Beihilfe Der Kirchenbücher Stammbäume machen lassen. Sck)on Ende der fünfziger Jahre war eine I Deputation von Erbbeteiligten in Holland, jedoch ohne
Erfolg, Da sie sich nicht genügend legitimieren konnten. Infolge des Mißerfolges dieser Leute, und der hierdurch entstandenen großen Kosten wurden keine weitere Schritte getan. Erst im Jahre 1896 wurde von einigen Erbbetei-, ligLen die Sache wieder betrieben, und jetzt ist sie so weit geoiehen, daß auf Veranlassung des Auswärtigen Amtes oas deutsche Konsulat in Holland sich die Akten verschaffte und sämtliche Angaben bezüglich der Erbschaft bestätigt fand. Die Zinsen der Erbschaft, die alljährlich zu Armenzwecken an holländische Arme verteilt werden, betrugen im vergangenen Jahre 840 000 Gulden. Von Erbbeteiligten kommen fünf Stämme in Betracht und zwar wohnen sie in Dürenberg und (Samberg in Nassau, sowie inFried - berg und Bad-Nauheim. Sämtliche Erben sind geringe arme Leute.
△ Ra 1 nr 0 d (bei Schotten), 3. Jan. Tie Firma I. N'ckel-Gießen hat hier einen größeren Bcrgkoniplex an- gekauft, um un Frühjahre ein Basaltwerk daselbst zu errichten, Damit ivird unserem Torfe, dem bisher griverbkiche Betriebe fehlten, ein bedeutendes industrielles Unternehmen zuteil, das für Die Einwohner Aussicht auf ständigen Verdienst bietet.
g. Crainfeld, 3. Jan. Erne feierliche Ueberraschung bereitete uns in Der Neirjahcsnacht der hiesige Musikverein dadurch, daß er nach Dein üblichen Neuiahrseinläuten nach Dem Gwckenschlag 12 Den schönen Choral „Wachet auf, ruft uns Die Stimme" in dein Hof seines Direkwrs Hch. Schmalbach VL erschallen ließ.
Frankfurt a. M., 3. Jan. Tie Kälte, die in der Nacht 20 Grad unter Null betrug, hat drei Menschenleben zum Opfer gefordert.
O ii r ü f o o r f, 3. Jan. Tie Krankenkasse des Bezttks Sitoibori hält nächsten Sonntag 5. ds., nachmittags 3 Uh-r, im Saale d^s Gastm^rres Moos ihre General Versammlung ab. Auf der Tagesordnung steht u. a.: Die Aufnahme Der land- unD serstwirtschairl<.chen Aroeirer und die Wahl eines Vertrauens- manncs iür Kinzenbach. — D.e Gerichtstage werden hier abgehalten «am- 6. Januar, 3. Februar, 2. Marz, 6. Aprll, 4. Mai, 1. Juni, 6. Juli, 21. Septemoer, 12. Oktober, 2. November und 7. Dezember.
(- Marburg, 3. Jan. lieber 30 Lehrer aus der hiesigen Gegend faßten gestern in einer hier aoge.-altenen Zusammen- tiuiit den Beschluß, Die in nächster Woche in Kassel zusammen- irctcnDe Gesain.chnode der evang. irdjaigemein)Raiten $u bitten, dahin zu nurttn. daß die r!2prer. die Kirch ; D ; e n ft • v,r> Cij.it müßen, u-jur Line besondere Vergütung erhalten. — Nächsten Diontag treten hier Die Gestrstchin oct Intimivdrn Diözese Marourg zusammen, um die Tagesordnung der Synode zu bcrat.'n.
K.oj.tz joaro.n.
Berlin, den 3. Januar.
Dir Vcrhairdlung wurde heute vormittag um 11 tlljr fange* setzt. Der Ltugettagte Harden i ft e r ) a) tenen. Zunächst 0 .uet ^oerstacuämuoutt Dr. Isenbiel, ar-sorüctrich zu Protokoll zu nehmen, daß gestern keine Vauptverhanolung ftaiigeiunDcn haoe uiu) daß aus feinen gestrigen Ausführungen, in Denen er vom Vor.itzendm muervrochen wurde, Leute Rech^iolü^uug gegen Den ueuunD d^s llnecks aus Der Strusprozeßownuiig hergneiiet werden konnte. Justizrat Bernstem haoe geifern erklärt, er habe oaSselve Recht, an oer Aussage oes Futsten Eulenburg zu streueut, wie D.r CbcrftaaiSaiuyali an dem Zeugnis Der Frau von Heyden. Taber sei jeooch ein kleiner lltrterschred. Er. Der Obersumcs-- aiuualt habe iramttch gute Grunde, an Der Zengenauswgc der Frau von Heydrn ZivLiiet zu Haven, wahrend Jicjtizrat, Bern>teur nicht Den geringsten Grund haue, an dem wied-rrhott beschrroreuen Zeugnis dcs vollkommen eauvanosfreien Fürsten Euicnvurg zu zweifeln. Bei öruu von Heyden spruchen Atuttergefuhle mit, uxiijrenD Fürst Eulenburg sogar besa/woren haoe, daß er Einerlei schmutzenden begangen habe. Daraus wiederholt der Ovcr- staals^nwalt seine geftrigen Aus,ührungen betr. Den Fürsten Eulenburg.
Justizrat Bernstein erklärt, er sei Eulenburg nicht Feind, er habe Liegen ihn nicht die geringste Aninwsitat. Eulenburg ici ab.r ein,ach Zeuge. Gerichtshof, iVtnatsanwalt mrd Bcrtechiger leien volltommen irei in ihrer Beweis.oürdigung. Sie hauen das Recht, aua) Dem beschworenen Zeugnis den Glauben zu ver- sageii. Auch Fürst Eulenourg muß )\ci) a.s Zeuge gefallen lan’cn, oaß seine Auslage bezweiseit iviruc. Bernstein erLurtc, wenn er .ich überzeugt haoe, oaß er sich in der Beurteilung einer Zeugenaussage geirrt l)aoe, dann werde er das offen ausfpreä^n, niemals aber Abockte leisten, weck er damit Der gesetzttch ge.oayrleiste.eni Prärogative und der Verteidigung etwas tergeuen und,ich gegen oie Arnvaltsp,licht und Smuoeschurde vergehen wurde. Es sei erwiesen, daß Bismarck uno Eulenourg in sexueller Beziehung so dachten, wie as die 2Str.eu)igunj behanpiele. Der grögte Teil o.r Verhandlung habe nicht zur Belastung oes Angekwgren geb.cnt, Wildern vielmehr zur Entlastung des iredenllagörs. Die,e Entlastung zu verhindern, l,xioe die Verteidigung gar kein Interesse. Bernstein piaoiorte schl.eß.ich dafür, dag dem Angeklagten der Schutz des 8 193 zuzubick.gen sei.
Har 0 en führt zulmch,! aus, daß nach Dem Appell des Ober- staa.s^iuoalls von ihm aus alles gefchohen werde, was zur vollen uuu'turung der Wahrheit dienen lann uno daß er im voi.en Bcr- irauen daoei Die \)il|C der Anilageoehörde in '.'üifprua) nehme. — Harden entschuldigt dann sein ge,rr.grs Ausbleioen und fuhrt fort, er habe im Hause B.smaras Enldrüae empfangen uver den eutenburgischen Kre.s, die auf äußerst sachliäfen uno ijuufig wieder- Ijoltcn Aeuß-.ri.idgen beruhen. Bismarck hatte eine ungniistige wieinung üb.r Eulenburg, er hielt ihn an einer Stern für gefährlich und »vies darauf hin, daß em Teil dieser Gesahrckchkeit auf sexual-phshä-ologifa-en Moirnnlen beruhe.
Ein Mann wie Bismarck hat doch, ehe er ein so hartes Urteil füllte, geprüft, was uornegt. Einige Jahre fpaier nahm Bismarcks Arzt und defsen Gatrin mein Jnterefse jur die da- malige Gattin des Nebenklägers in Anspruch. Ter Eindruck, Den diese Dame machte, war absolut zuoertnifig, wenn sie auch manches sagte, was mich in einzelnen Punrten mißtrauisch machte. Ich prüfte dann eingehend die Ehefa-eronngsatien und bildete mir mein Urteil. Redner geht darin auf die einzelnen. Artikel der „Zukunsr" ein, um zu zeigen, daß Dte in denselben gesuchten Belcroigungen nicht ausgefprochen feien, und wendet fich u. a. dagegen, daß nur er es gewesen sei, der von einer „itainarilla" gesprochen habe. Er habe un Gegenteil nie etwas von einer z,Kamarilla" in die Welt gebracht. Dutzende von Zeitungen hatten lange Zeit vorher schon etwas von der „Euleu-


