Ißt die abgelegenen Orte zwischen Alsfeld und Ulrichstein und bewilligte die Kosten für die VermeffungSarbeiten. Die Bahn soll bei Renzendorf die Linie Gießen - Fulda südwärts verlassen, über Vadenroi), Storndorf, Meiches und Helpershain nach Ulrichstein führen und später über Feldkrücten bis Schotten verlängert werden.
b. Biedenkopf, 1. April. Nachdem die Königliche D o m ä n e n v e r w a l t u it g im hiesigen Schlosse einen entsprechenden Raum zur Versügung gestellt, dürste das vom Geschichlsoerein geplante Heimatmuseum gesichert fein. Die Kommission dafür besteht aus Pfarrer Balzer-Eckelshausen, Vorsitzender, Bürgermeister G.'ünewald, Stellvertreter, Rechnungsrat Effcrz und Schori^steinscgermeister Pfeil.
hg. Kirchhain, 1. April. Heute traf auS dem Abgeordnetenhause die Nachricht hier ein, daß die Wohratalbahn von Gemünden nach Kirchhain in dritter Lesung bewilligt wurde. Tie Baukosten der Strecke, die als staatliche Nebenbahn gebaut wird, betragen 3 729 000 Mark.
Der „Prinzenklub".
Paris, den 2. Avril.
Nirgend mehr als in dem Laub, das sich früher als die Wiege des Individualismus betrachtete, blühen Kollektivismus und Syndikate. Alles tut sich jetzt in Frankreich zu Syndikaten und Arbeitsbünden zusammen — die Arbeiter und Brotherren, Schultel/rev und Familienväter, Industrielle und Spekulanten, Reiche und Arnte, Heile und Krüppel, ehrliche Leute und Hallunken und Spitzbuben. Einbrecher und Mörder haben sogar schon lange ihre Apatschenbüude, die nach strengstem Ehrcniddcx leben und unerbittliche Aufsicht über das Wohlverhalten ihrer Mitglieder führen. Nun haben es die int „Prinzentlub" vereinten Ehrenmänner so gar.bis. Ku eigener Arbeitsbörse gebrachst und den Gedanken des Einküchenhauses auf besondere Art verwirklicht und vertieft. Ihre Disziplin erstreckt sich bis in die kleinsten Einzelheiten des gewöhnlichen Lebens und der Arbeit. Und da so alle Anstrengungen konzentrische zusammcnströmen, leisten oder vielmehr leisteten sie mit geringen Mitteln Hervorragendes. Sie bewohnten im Viertel der Billette ein äußerlich unscheinbares „Hotel rneublö", aus dem fia alle übrigen Gäste herausgegrault und dessen sämtliche Zimmer sie nachgerade gemietet hatten. Tas Ivar ihr Klubhaus. Sie hatten cs mit schönen Möbeln reich ausgeftattet und gingen selbst pikfein und tadellos angezogen. Ihre Frauen prunkten mit wertvollen Schmucksachen und rauschten in Samt und Seide. Sie traten ungeheuer nobel auf und ließen in den Wirtschaften der Billette die Goldfüchse nur so springen, knauserten überhaupt mit nichts. Sie besaßen ein Staatsautomobil, mit dem sie, wie cs großen Herren ziemt, häufig Ausflüge in die Pariser nähere und weitere Umgebung unternahmen, von denen sie reich beladen wieder heim- kehrten. Sie waren trotzdem nicht stolz, sondern hatten ihre Kunden in allen Streifen, bei den Dienstboten wie bei den Herrschaften, imd nahmen alles mit, wobei sich was verdienen ließ. Sie hatten an ihrer Spitze einen Chef, der wieder mal eine Frau war. Henriette Phlypo, so hieß dieser weibliche Napoleon, kommandierte ihre Bande mit genialem Scharfsinn. Schön, zu allem willig und frech, hatte sie es verstanden, alle Kavaliere der Baitdc unter ihren Pantoffel zn zwingen. Und da diese.mit seltener Harmonie zusammenarbeiteten, 'hatten sic im Laufe weniger Monate vermittels frechster Einbrüche in einem halben Dutzend Pariser Arrondissements und den Vororten der östlichen Bannmeile für ungefähr eine Million Schinucksachen, Wertpapiere, Waren aller Art, Möbel, Küchengerätschaften, selbst Geflügel, Kaninchen und was weist ich sonst noch gestohlen. Mit ihrem Auto- rnobil waren sie in kürzester Frist vom Vorvrt wieder nach Paris gesaust und hatten sich hier aller Verfolgung' entzogen. Mit den gestohlenen Sachen versorgten sie ein halb Dutzend Hehler und Trödler. Und tvoschem mußte die Polizei, als sie die Bande der seinen Herren aus dem Prinzenklub aushob, vier große Möbelwagen kommen lassen, um alles fvrtschpffen zu können, was sie in dem Klubhaus sand. i
Zn den Häusern, in denen Dienstboten waren, machten sich die feinen Herren, die fürstlich auf traten, an die Adüdchen, denen sie bald mit ihren seinen Manieren die Köpfchen verdrehten. Oder ihre Frauen verkleideten sich als sammelnde Nonnen oder
suchten als Lehrerinnen Prwatstumdcn zu bekommen. ^Ber jeder Gelegenheit wurden dann Schlostabdrücke^genommen. Und die Männer besorgten das Uebrigc. Ihr Opfer lockten sie gewöhnlich durch eilige Depeschen, die angeblich von der Schneiderin oder dem Arzte kamen, fort und raubten dann in aller Sicherheit die Wohnung aus. Letzthin gelang ihnen noch ein Meisterstreich, indem sie einem jung verheirateten Ehepaar 35 000 Franken in Wertpapieren und zahlreiche Schmucksachcn raubten. Alles' mußte dran glauben, Hotels, Villen, Schlösser und selbst Kirchen. Und seit sechs Monaten liefen bei der Polizei Klagen über Klagen ein. Jetzt sind die eleganten „prinzlichen" AutomobUisten, die mit ihrem vornehmen Auftreten und ihrem! wundervollen Auto nirgend Verdacht erregten, dingfest gemacht. •
Kleine Tageschronik.
Norddeutsche Zeitungen melden den Tod des Schäfers A st in Radbruch. Ast war eine „Kapazität", aber nicht als Schäfer — fein Schäfchen hatte er bereits vor Jahren ins Trockene gebracht —, sondern bekanntlich auf dem der Kurpfuscherei.
Ein Beamter der italienischen Staatsbahnen in der Grenzstation E h i a s s o, ©iometto, ist flüchtig geworden. Es handelt sich um eineWertfendung der Staatsbaynen an die Direktion der Gotthard« Bahn in Höhe von 456 000 Lire, darunter 156 000 Lire Bargeld. In Cherbourg wurde Giometto verhaftet. Man sand 225 000 Francs bet ihm vor. Er wollte sich gerade auf einem überseeischen Dampfer cinschiffcn.
Dem trüberen Gesandten Russlands am korean. Hofe, Pawlow, droht ein Riefenprozeß. Er hat sich Uu t er f ch l a g u ng cn zu Schulden kommen lassen, die mehrere Millionen betragen solien. Durch die Affäre sind auch viele andere Perfonen tompromittuT
Zwischen der französischen und der porlugiesischen Regierung ist ein Abkommen zustande gekommen zur Bekämpfung und Ab- schafflmg der Ai en s ch e it f r e f f e r et unter den Eingeborenen in den Kolonien Guinea beider Länder. In Zukunft wird ftani- b a l i 5 m u S mit dem Tode bestraft iverbcit.
FÄLnMen-Aachrichreir.
Verlobte: Fräulein Katharine Dietz in Schwabenrod mit Herrn Kart Feldpufch in Leusel. — Fräulein Netto Paffrath in Marburg a. d. L. mit Herrn Max Melcher in Frankfurt a. M.
® e ft o r b e u e: Frau Maria Katharina Hartmami Witwe, geb. Falkenhamer, in Alsfeld. — Frau Elifabetha Seim, geb. Jung, ut Heidelbach. — Herr Johannes Wagner in Gambach. — Frau Justine Weidei,Hammer in Wetzlar. — Fran Dorothea Urff, geb. Cchweiker, in Marburg. — Fräulein Katharina Seibert in Rauschenberg. — Herr Sanitätsrat Dr. med. Adolf Harbordt in Frauk- futt a. M.
HarrSeL rnrd Verkehr, Volkswirtschaft.
Deutsche Reichs bank und Diskontpolitik. Obwohl der Reichsbank in den letzten Tagen große Beträge entnommen worden finb, so sind die Ansprüche an das Institut weitaus nicht so erheblich rote in der gleichen Voriahrszeit. Im Gegenteil, errvarlet man schon in den ersten Tagen b. Mts. rotebev recht erhebliche Rückflüsse unb bürite cs sehr wahrscheinlich sein, baß noch in ber ersten Aprllhälste ber Diskont um ein volles Prozent auf 4*/,% herabgesetzt wirb.
Markte.
ke. Frankfurt a. M., 2. April. (Telegr. Orig.-Bericht bes „Gieß. Anz.".) Amtliche Isolierungen ber heutigen Vieh m arft- p r e 11 e. Zum Verkaufe stanbcn: 14 Ochsen, 0 aus Oesterreich 4 Bullen, 0 aus Oesterreich, 68 Kühe, Fersen, Stiere unb Ruwer, 952 Kälber, 139 Schafe und Hämmel, 1237 Schweine, 10 Ziegen, 93 Ziegenlämmer, 67 Schalläwmer. Bezahlt würbe für bas Pfutib Schlachtgewicht: Ochsen: 1 Qualität 77—80 Mk., 2. Qualität 70—72 Mk., 3. Qualität 60—62 Mk.; Bullen: 1. Qual. 63—65, 2, dual. 57—59; Kühe 1. Qualität 66—68 Alk., 2. Qual. 60—62 Mk., 3. Qual. 44—46 Pik., 4. Qual. 00—00 Ml., 5. Qual. 00-00 Bit. Kälber l.Qual. 92—94 Psg., Lebenbgewicht 54—56 Psg., 2. Qualität 76—86 Psg., Lebenbgewicht 45—50 Psg., Schlachtgciv. 60—65Psg.; Schafe: l.Qual. Schlachlgew. 80 bis 82 Psg., 2. Qual. 72—74 Psg. Schweine: 1. Qual. 59—CO Pf., Lebenbgewicht 46,5—00 Pf., 2. Qual. 58—00 Ps., Lebenbgewicht 45,5-00 Psg., 3. Qual. 50—00 Psg., Lebenbgeivicht 00—00 Psg. Geschäft bei Hornvieh gut, Ucberftanb unbebeuteub, bei Kleinvieh gut, kein Ucberftanb.
Limburg a. d. Lahn, 1. 2lpvi(. Fruchtmarkt. Durch- schitittspreis pro Dialter. Roter Weizen (nassauischer) 17,50 Mk.,
weißer Weizen 00,00 Dck., Korn 14,40 Gerste 11,00 Ml., Haler, 8.00 Mk., Erbsen 0,00 Mk., Kartoffeln 6,00 Mk.
McheM. Aebersicht der Todesfälle t d. Stadt Sieben.
11. Woche. Vom 8. bis 14. März 1908.
(Einwohnerzahl: angenommen zu 30 400 (infl. 1600 Mann Militär ) Sterblichkeitsziffer: 18,81%,,
nach Abzug von 4 Ortssremben: 11,97’/oo.
Kinder
ES starben an: Znsam>nen:
Erwachsene:
im
V0IN
Diphtherie
2(1)
1. Lebensjahr:
2»—15. Jahr
2(1)
Scharlach
1
—
—
1
Influenza
1
1
—
—
Lungentrrberknlofe
1
1
—
—
Ohreneiterung
KD
1(1)
—
—
Herzlähmung
1
1
—
—
Stimmritzenkrampf
1
—
1
•—
Krämpfen
1
-—
—
1
Neubildung
2(2)
2(2)
—
—
Summa: 11 (4) 6 (3) 1 4 (1)
An m.: Tie in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Tobessälle in der betreffenden Krankheit aul von auSroärtl nach Gießen gebrachte Kranke fommen.
Gießener Wetterdienst.
Boranösichtlichc Witterung für Hessen am Freitag beit 3. April: Wechselte Beivölkung. Geringe Nieberschläge. Tempe- ratuv wenig verändert. Nachls etwas wärmer. Qesttiche Winde.
Original-Drahtmet-ungeu«
A m sterda ui, 1. April. Nach einem Telegramm des „Handelsblattes" aus Batavia griffen 80 Atchiuesen eine holländische Abteilung bei Rantcm Gedong unb Atchin an. Sechs eingeborene Solbaten würben getötet, ein Hauptmann unb zwölf Eingeborene verwunbet. Der Felnb hatte zwei Tote.
Paris, 2. April. Die Untersuchung wegen eines Skandals in der Fleischlieferung für die Armee wird mit Energie betrieben. Gewisse Korpsführer sollen in Mitleidenschaft gezogen fein. So hat z. B. ein General eine unglaubliche Fahrlässigkeit an den Tag gelegt. Der Unterstaatssekretär für den Krieg hatte den General auf die Militärlieferungen aufmerksam gemacht, von diesem aber die Antwort erhalten, daß die Lieferungen an das Korps unter den besten Umständen erfolgten. 8 Tage später wurden dann haarsträubende Zustände aufgedeüt.
Paris, 2. April. Wie aus Port an Prince berichtet wird, hat sich die Lage dort neuerdings verschlimmert. Zwischen Schwarzen und Mulatten finden fortgesetzt heftige Kämpfe statt. General Gabriel, Sekretär des Präsidenten, nntl den General Coicu verhaften lassen, der wegen seiner Grausamkeit verhaßt ist und in der Nacht vom 13. zum 14. März mehrere Tisch genossen ermorden ließ, nach» dem er ihnen vorgestellt hatte, mit ihnen für den General Firmin zu komplottieren. Eine Landung amerikanischer Truppen ist sicher für den Fall, daß das Leben der weißen Bevölkerung bedrohst wird.
Budapest, 2. April. Die Stadt Sateraljla Ujuely steht in Flammen. Bisher sind drei ganze Straßenzüge eingeäjchert. Wegen des herrschenden Sturmes sind die Söfd)arbeiten sehr erschwert, so daß man für die ganze Stadt fürchtet.
K o n st a n t i n o p e l, 2. April. Zwei KavallcrieeSkabron- sind aus Äbrianopel über Tedcagalsch zur Begrüßung des deutschen Kaisers nach der Küste von Epirus enlsandt worben.
Syrakus, 1. April. Um 5 Uhr nachmittags gingen bie Kaiserin unb bie Prinzessin V-,i k t o r i a Luise an Land; sie besuchten die Katakomben und ba§ griechische Theater.
Philadelphia, 2. April. Gestern sanden neue Unruhen der Arbeitslosen statt. Es kam zu einem Zusammenstoß zwischen Weißen und Negern, wobei 40 Personen verletzt wurden.
San Francisco, 2. April. Der Dampfer Panama bet richtet, daß in der Nähe von San Felice in Guatemala ein Vulkan in Tätigkeit toar. Die Einwohner flüchten aus ber Stabt, da sie ppcrzcugt sind, daß diese von der Lava zerstört lüirb.
K81/07 Bi»/,
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1/1043=70 qm Hofrau in mit Scheuer in der Sanbgasse, unb von
1/981=105 qm Einfahrt in der Neustadt,
der dem H. Müller IV. zuftedende ideelle Anteil zwecks Erbaus- cinanberfetzung öffentlich weift= bietend versteigert.
Gießen, ben 18. März 1808.
Gr. Ons^ericht Gießen.
K33/Ü8 ~
Donnerstag, den 23. Avril 1908, nachmittags 3 Uhr, wirb auf hiesigem Ortsgericht die vor dem ytameir ber Peter Pttnke Witwe u. Kinder stehende Parzelle ber Gemarkung Glesien:
1/374—974 qm Hofreite in ber Walltorsttasie.
für denber Ww. Minke znftehend. 43/64 Anteil öffentlich meütbtctenö versteigert werben.
Gießen, den 18. März 1908.
Gr. Ortsgericht Gießen.
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