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Nr. 70 Zweites Blatt
158. Jahrgang
Montag ZK. März 1008
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Siebener Zamllienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Itreisblatt für den Kreis Eiehen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeitfragen" erscheinen monatlich zweimal.
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unioersitäts - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: Redaktion: S^A112. Tel.-AdruAnzeigerGießen.
Der Kamp? für die Liandesehre.
Mer gehofft haben mochte, daß der Zentrumsabgeordnete Gröber der beleidigten deutschen Presse die verlangte Genugtuung geben würde, die er ihr als Christ, als Vertreter des Nichterstandes und als Mann von Ehre schuldig war, der sieht sich jetzt bitter getäuscht. Als frommer Zentrumsmann ist der Abg. Gröber natürlich ein Gegner jener Art von Genugtuung, die unter Kavalieren üblich ist, als Abg. genießt er aber auch die Vorteile der Immunität und kann dah.r nicht einmal gezwungen werden, sich vor dem Richter zu verantworten. Wenn dcr Abg. Gröber es unter solchen Umständen mit seinem Christentum vereinigen kann, seine Nebenmenschen aus sicherem .Hinterhalte zu beschimpfen, so mag er das mit seinem Gewissen ausmachen. Sache des Reiclfstags- präsidiums abcv wäre es da gewesen, 'den Journalisten für die ihnen von einem Mitglied des Reichstages zugefügtc Beschimpfung in irgend einer Form Genugtuung zu
geben. Tas ist leider nicht geschehen, und so ist
fetzt ein offener fttieg zwischen Presse und Reichstag ausgevrochen. Keine anständige Zeitung bringt heute einen Bericht über die Verhandlungen im Reichstage, so daß dieser jetzt vollständig unter Ausschluß der Oeffentlichkeir tagt. Tast es den Abg. unter diesen Verhältnissen wenig Freude macht, lange Reden zu halten, ist begreiflich, und die Verhandlungen find daher in den letzten Tagen recht kurz gewesen. Am heutigen Montag sollte der Reichs- kanzler reden, aber c5 fragt sich, ob es dazu kommen wird, da diese für die weiteste Oessentlichkeit bestimmte Rede von keiner Zeitung mitgcteilt werden wird. Selbst die großen Zeitungen des Auslandes haben sich verpflichtet, mit keiner Silbe von der Rede Bülows Notiz zu nehmen. Ta der Reichskanzler nun - befürchtet, daß ec für das, was er zu sagen hat, nur eine ungenügende Ziesonnanz haben würde, ist SamStag morgen sein Adlatus, Untcrstaatssekretär Löbell, beim Reichstagsprosidenlen Grafen Stolberg gewesen, der anscheinend ebenfalls seine ablehncde Haltung ausgegebcn und sich zu größerem Entgegenkommen bereit erklärt hat. Bleibt nun auch Montag die erwartete Genugtuung aus, so luirb der Widerstand der Presse fortdauern. Die einzigen Leidtragenden sind da allerdings die Zeitungsleser, aber sie werden, soweit sie gerecht denken, der Presse hieraus keinen Vorwurf machen. Sie werben einsehen, daß man auch dem Journalisten die Ehre, dieses kostbarste und edelste Gut eines jeden anständigen Menschen nicht in frevelhafter Weise antasten soll. Menn im Journaliftenstande auch einzelne Elemente vorhanden sind, die mit dem Namen Revolversournalist schon genügend gekennzeichnet sind,, so bedauert das sicherlich niemand mehr, als die deutsch. Journalisten selbst, die dock) in ihrer überwiegenden Mehrzahl erfreulicherweise .aus ebenso anständigen, ehrenhaften und gebildeten Männern besteht, wie der Offiziersstand, der Stand der Gelehrten, der Stand der Aerzte, der Jvuriften, der Lehrer usw. Und loenn der Journalistenstand auch jiocl) keine staatliche Approbation kennt, so muß er darum doch geistig nicht weniger arbeiten, als jedcns andere geistige Beruf. Auch er hat seine Fachausbildung, auch er must fort und fort, und mehr noch als jeder andere Beruf an seiner weiteren Ausbildung arbeiten, um auf der Höhe seiner Zeit und seiner Ausgaben zu bleiben. Ist es unter solchen Unv- stÄiden Ueberhebung, .venu auch der Journalist für sich dieselbe Achtung beansprucht, die man doch sonst keinem anständigen Menschen versagt. Am deutschen Publikum liegt der größte Teil der Schuld, daß im Jvunialisütrstande auch manche zweifelhafte Elemente vorhanden sind. Man istre doch endlich einmal auf, alle (Journalisten in den gleichen Topf derjenigen zu werfen, für die ? Gröber sein bekanntes schönes Schimpfwort gefunden bat. Solange der Journalistenstand im allgemeinen gesellschaftlich geringgesclsttzt wird, muß mancher zartbeseitetcr Mann sich scheuen, sich diesem Berufe zu widmen. Es ist nicht jeder eine Kämpsnatur; nicht jedem ist es gegeben, in seinem Berufe tagtäglich gegen Vorurteile und Unverstand zu kämpfen. Mancher andere wird auch dieses ewigen Kumpfes müde und sucht schließlich Unterkammen in einem anderen weniger geächteten Berufe. Damit werden aber so vielen minderwertigen uub zweifelhaften Elementen die Wege zum Jour- nalistenberufe nur geebnet, zum Schaden des ganzen Standes und zum Schaden der Zeitungsleser. Ter Kampf, der jetzt zwischen der Preise und dem Reichstage gekämpft wird, er kann, wenn das große Publikum sich die eigenartige Stellung des Journalistenstand cs in unserem heutigen Leben erst einmal klar macht, und den Journalisten unterstützt, das wünschenswerte Ergebnis haben, daß der ganze, für das heutige Kulturleben so eminent wichtige Stand auch ün Tcutschen Reiche gesellschaftlich die Stellung findet, die ihm gebührt und die er unter anderen gebildeten Nationen als edvas selbstverständliches schon längst hat. Ter bekannte Satz hat auch heute noch seine unbestrittene Geltung: ein jedes Land hat die Presse, die es verdient.
Ueber den gegenwärtigen Stand der Tinge auf dem Journa- sasten Kriegsschauplätze meldet man uns unter dem 21. d. Mts. folgendes: i
Die Vertreter der Reichstags presse traten heute bei Beginn der Plenarsitzung wieder im Lesesaal der Journalistentribüne zusammen. Mit großer Befriedigung wurde die vollkommene Solidarität der gesamten Presse festgestellt. Die gestern zur Kenntnis der Versanimlnng gelangten Kundgebungen der Redaktionen und der Vertreter der in- und ausländischen Presse wurden durch eine Reihe weiterer Telegramme und Erklärungen heute ergänzt. Die Zustimmungserklärung des Vorstandes des Münchener Journalisten- mrd Schriftsteller-Vereins ist bereits gestern durch das Wolsfsche LScgraphenbürcau verbreitet worden. Der Verein der Wuppe e la ler Presse telegraphiert: „Hocherfreut über einmütiges Zusammenhalten wünscht besten Erfolg.^ Der Journalisten- und Schriftßellerverein Camburg-Altona spricht telegraphisch „unseren schwerbeleidi ien Kollegen zu ihrem Verhalten tn dem Falle Gröber die w< -aste Sympathie aus." Auch der Württemberg! sche Journc. isten- und Schriftstellerverein sendet eine Sympathieerklärung.
Aus Wien ist folgende Depesche eingegangen: „Das Syndikat österreichischer Zeitungskorrespondenten, in welchem Blätter sämtlicher österreichischer Nationallitäten ver. igt sind, beglück- toünfdjf die reichsdeutschen Kollegen zu ihrer wackren Haltung und drückt ihnen die wärmsten Sympathien aus."
Ebenso sind von den Redaktionen einzelner auswärtiger Plätter, u. a. der „Rhein- und Ruhrzeitung", dem „Gießener An- Betper", der „Müblhauser Zeitung" (Thüringen) telegraphisch oder brieflich Sympathie- und Solidaritätskundgebungen eingegangen. Auch die Redaktion der „K r e u z z e i t u n g", die infolge unzulänglicher Information sich gestern dem Vorgehen der Reichstags- Vertreter noch nicht angeschlossen hatte, lies; die Erklärung abgeben, baßjic fortan, so lange die Angelegenheit nicht in einer den Ansprüchen der Journalisten entsprechenden Weise erledigt sei, von den Reichstagsverhandlungen keinen Vermerk mehr nehmen werde auch nicht einmal von den Regierungserklärungen, sondern sich lediglich auf die Mitteilung der Beschlüsse beschränken werde.
Auch das Louis Hirschsche Telegraphcnbureau und das De- Peschenbureau Herold werden über die Reichstagsverhandlungen sichte erst dann aussenden, wenn die Journalijtentribüne ihre Tätigkeit wieder mifgenommen hat.
Arn Montag wird der Etat des Auswärtigen Amts im Reichstage zur Verhandlung stehen. Die Londoner Blätter „Daily Mail", „Daily Expreß", Daily Telegraph" und „Standard" geben telegraphisch bekannt, daß sie, falls die Angelegenheit nicht erledigt wrrd, über diese Verhandlungen des Reichstages keine Zeile der- öffentlichen und daß sich ihnen auch die übrigen englischen Zeitungen anschließen mürben. Die gleiche Versicherung wurde auch von eme^ Reihe Berliner Vertretern anderer ausländischer Blattes •gegeben.
Der Verein der deutschen Zeitungsverlegcr, der zurzeit in Berlin gerade eine Tagung hat, erklärt sich gleichfalls mit den Journalisten vollkommen solidarisch.
Es wird der Versammlung die Mitteilung gemacht, baß der Präsident des Reichstages Graf Stolberg, der den Vertretern der Presse volle Genugtuung zu geben wünscht, den Wunsch nach einer neuen Besprechung ausgedrückt hat. Es wird eine Abordnung aus drei Herren gewählt, die, ohne daß ihr ein Auftrag im einzelnen! erteilt wird, mit dem Präsidenten verhandeln soll, sobald er in der Lage ist, das Präsidium an den im ersten Teil der Sitzung als Kommissionsberichtcrstatter fungierenden Vizepräsidenten Paasche abzugeben.
Im Laufe des Tages traf eine große Anzahl weiterer Telegramme ein, in denen den NeichstagSjoiirnalisten für ihre tatkräftige und taktvolle Wahrung der StandeSehre Dank und Ge- jnungtuung ausgesprochen wird: u. a. Vom Vorstand des Karls, jr u h e r Schriftsteller- und Journalistenvereius, dem schlesischen Journalistenverein, dem Verein der N i e d e r s ä ch i i s ch e n fresse, den vereinigten Königsberger Zeitungen dem Vernein Dresdener Journalisten, dem Frankfurter Journal klisten- und Schriftstellerverein, dem Landesvercin hessischer ^citungSrebaf teure, dem Wiesbadener Tageblatt, der T h o rJ 'n e r -Ostdeutschen Zeitung, der Osnabrücker Zeitung, der ^Bergisch-Märkischen Zeitung in Elberfeld. Ferner von benl Journalisten des Hessischen Landtags, sowie von den Kammer, journalisten des Bayerischen Landtages mit Ausnahme deS Zentrums; ferner vom Syndikat bet Ungarischen Parlamentsberichterstatter.
Der Seniorenkonvent der Vereinigung der parlamentarischen Berichterstatter des ö st e r r e i ch i s ch c n Abgeordnetenhauses begrüßt mit lebhaftester Sympathie die Haltung seiner journalistischen Kollegen im deutschen Reichstage und fühlt mit ihnen die? schwere Beleidigung, die dem gesamten Stande von denjenigen zugefügt wurde, in deren Interesse wir tätig sind. Eingedenk des Kampfes, den wir schon in ähnlicher Lage mit Erfolg durcygeiührt $abcn, erwarten wir, daß sie in Einigkeit ausharren werden, big ihnen die gebührende Genugtuung zuteil geworden ist. Diese Be. zugnahmc betrifft Vorgänge aus den achtziger Jahren unter dem Ministerium des Grasen Taassss. Damals hatten die Bericht, erftafter der Oesterreichischen Kammer acht Tage lang ihre Tätig- leit eingestellt, weil ihnen der Zutritt zu den Wandelgängen gesperrt war. ES wurde ihnen volle Genugtuung gewährt. Graf Taaffe erklärte damals bekanntlich, ein Parlament könne ohne Oesfentlichkeit nicht bestehen.
Auch die Association der Marseiller Tagespreise drückt ihre „sympathies et solidaritä confraternelle“ aus.
Die großen Pariser Blätter schließen sich der Erklärung der englischen Blätter, daß sie über die Verhandlungen beim Etat des auswärtigen Amts nichts berichten würden, vollkommen an; ebenso die offiziöse Agrnce Havas, und ebenso Fournier. DaK. selbe gilt von der Petersburger Telegraphenagentur.
Nachdem Präsident Graf Stolberg das Präsidium an den Vizepräsidenten abgegeben hatte, traten die von der Versammlung der Presseverlreter beauftragten Herren mit ihm in Verhandlung. Diese sand statt in Gegenwart des Abg. Frhru. v. Hertling sowie des Abg. v. Normann. Das Ergebnis war ein negatives. Der Herr Präsident glaubte nach Rücksprachen, die er inzwischen gehabt hatte, den Vorschlag, den er den Pressevertretern am Vormittag hatte übermitteln lassen Und den sie als vollkommen befriedigend angesehen hatten, nicht mehr busrechterhalten zu können, und die Abordnung war lediglich in der Sage, bei Versammlung folgenden von Herrn Frhr. v. Hertling formulierten Vorschlag zu unterbreiten: Die Journalisten sollten zunächst Herrn Gröber gegenüber ihr Bedauern über die auf der Tribüne vorgekommenen Störungen ausdrücken; danach — und zwar in dieser chronologi- scheu Reihenfolge — würde Herr Gröber erklären, er ziehe unter dem Ausdruck des Bedauerns feine beleidigende Aeußerung zurück.
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In der Nachmittag-Versammlung der Pressevertreter wurde dieser Vorschlag zur Abstimmung gestellt. Die Versammlung, an der 86 Herren sämtlicher Partcirichtungen einschließlich des Zentrums teilnahmen, lehnte diesen Vorschlag mit 84 gegen 2 Stimmen ab und beauftragte ein Mitglied der Abordnung, diesen Beschluß dem Präsidenten mitzuteilcn. Dies geschah gleichfalls in Gegenwart der Abgg. Frhr. v. Hertling und v. Normann.
Ein weiteres Ergebnis wurde hierdurch nicht erzielt.
Nachdem das der Versammlung mitgeteilt war, beschloß diese nach längerer Aussprache, am Montag 11 Va Uhr wieder zusammen- zntreten und bis dahin die Dreier-Kommission permanent zu erklären. Sie wurde zu neuen Verhandlungen in der Zwischenzeit ermächtigt in dcr Richtung, daß Herr Gröber zunächst seine Worte öffentlich mit dem Ausdruck beö Bedauerns zurücknimmt; danach würden die Journalisten sich gern bereit erklären, zu versichern, daß niemand seine und seiner Freunde religiöse Gefühle habe verletzen wollen.
Weitere Solidaritäts- und Sympath'ekund. gebnngen sind eingegangen u. a. von den „M ü n ch e n e r Neuesten Nachrichten", dem Mannheimer Journalisten- und Schriftstellerverein, den „Braunschweiger Neuesten N a ch r i ch t e n", der Wiener „Z e i t", der „Dortmunder Zeitun g".
Vom Vorstand des Vereins „Berliner Presse" ist folgende Zuschrift eingegangen: Der Vorstand des Vereins „Berliner Presse" drückt einmütig feine Sympathien mit dem Vorgehen der Kollegen von der Journalistentribüne des deutschen Reichstages au8. Er bedauert lebhaft, daß die Pressevertreter vor beleidigenden Aeußerungen aus dem Reichstage keinen wirksameren Schutz durch das Präsidium gesunden haben. Der Vorstand erwartet, daß die Journalistentribüne und die deutsche Presse die Berichterstattung über die Reichstagsverhandlungen solange aussetzen werden, bis den beleidigten Journalisten eine ausreichende Genugtuung gegeben ist. Er begrüßt mit Dankbarkeit das solidarische Verhalten der Redaktionen und der Verleger der Presse» des In- und Auslandes in Wahrung dcr ^tandesehre.
Am kommenden Dienstag findet eine außerordentliche Sitzung des Vereins „Berliner Presse" in dieser Angelegenheit statt.
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Di; neuer? oberhesstschen Bahnlinien.
(Schluß.)
Ueber die Linienführung im allgemeinen ist zu be- unerten, daß zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit die Hauptstrecke Alsfeld—Niederaula mit einen stärksten Neigung von 1:80 und einem kleinsten Halbmesser der Krümmungen von 500 Meter projektiert ist. Ferner ist im Interesse der erhöben Betriebs- sicherheit eine möglichste Vermeidung von Wegübergängen in Schie- nenhölw angestvebt und es sind hierfür Uncer- und Ueberführungcn der Wege vorgesehen. Auf der Zweiglinie nach Schlitz beträgt die stärkste Neigung 1:100 und der Weinste Halbmesser ist mit 300 Meter angenommen. Verfolgt man den Lauf der Bahn von Alsfeld bis zur Hessischen Grenze nach Mederaula hin, so ist es zunächst dcr Bahnhof Alsfeld, der eine vollständige Umgestaltung .reibet. Ticscr ausgedehnte Umbau ist jedoch nicht allein durch Die Einmündung der neuen Bahn bedingt, sondern zum große.. Teile schon zur Befriedigung der Bedürfnisse des
vorhandenen gesteigerten Verkehrs notwendig. Cs sollen daher auch die Kosten der Gesamterweiterung des Bahnhofs nur mit etwa Vs auf den Voranschlag der "Nebenbahn übernommen werden- während die übrigen Kosten (%) demnächst im Budget angefordert werden sollen. Vom Bahnhof Alsfeld wendet sich die Bahn auf eine kur e Strecke nach Süden und verfolgt alsdann mehr die östliche, zuletzt die nordöstliche Richtung und kommt nach Tnrch- zieh'.mg der letzten hessischen Gemarkung Wallersdorf in einer Entfernung ton 20,7 Kilometer von Alsfe-b zur Hcssisck^Prcu- ßischeu Laudcsgreuze. Bedeutende Schwierigkeiten bietet der Bau u.r Linie infolge des gcoirgigen Terrains und der vielen Wasserläufe auf lfessischem! Gebiete und zwar erheblich mehr als arv bet preußischen Teilstrecke von ber Landesgrenze bis Niederaula. Auf der -0,7 Kilometer langen Teilstrecke Alsfeld—Landes grenze sind an Kunstbauten erforderlich: 10 Wegeunter- und acht Wegeüberführungen, je 1 Viadukt über 2 Täler von 140 und 260 Meter Länge und ein solcher über eine Bergschlucht von 130 Meter Länge, 1 Tunnel von 300 Meter Länge zur Ueber» fchreitung der Wasserscheide und mehrere Wasserdurchlässe. Diese vielen und bedeutenden Bauwerke verteuern die .Linie selbstverständlich erheblich. Tie hessischen Ortschaften Eifa, Schwarz und (Grebenau bc&ntr.ten je einen Bahnhof für Personeu- unb Güterverkehr.
Tie Abzweigung nach Schlitz beginnt in einer Entfernung von etwa 3 Kilometer südlich ber Station Niederaula an' der Trennungsstation (Haltepunkt) Solms und erreicht von bitt in 1,5 Kilometer Entfernung die hessische Landesgrenze. Die Bahn folgt fodann im wefentlichen in südlicher Richtung dem Tal dcr Fulda, meist in der Nähe der Straße nach Schlitz her- laufend. Tie Kreuzung der Bahn mit letzterer Straße erfolgt zweimal in Schicneuhöhe und dreimal mittelst Straßenunterführungen. Außer diesen 3 Straßenbrücken und einem 290 Meter langen Tunnel kommen weitere weseiltliche Bauwerke aus dieser Strecke nickst vor. Tie Ei'ckä^rung dec Linie in den Bahnhof Schlitz gestaltet Ich ohne cr-^öliche Aenderutzgeu der bestehenden Anlagen. Zwischen TrerulungSstation und Station Schlitz sind auf hessischem Gebiete au den Ortschaften O b er;vcg f u r t f) und O-uect je ein Bahnhof für Persoiwu- und Gütecverkehr und ein Haltepunkt für Personen-- und Gepäckverkehr an den Ortschaften Hntzbors-SandlofS vorgesehen.
Ter Voraus.i,tag für die 2.0, l Kiwmeter lange hessische Teilstrecke von Als selb bis zur Lanbcsgrenze nach Niedceaula hin beläuft sich ausschließlich Grundetwerb auf 5 ÖjOOOU Dck. Tes- glcid;.n für bie 11,0 Kilometer lange Zweiglinie nach Schlitz auf hessischem Gebiet, ausschließlich GruuRrwerö auf 2 110000 Mk., zusammen somit auf 8 090 000 Mk.
Nachträglich hat sich die No., er-big feit herausgestellt, den Kvste-ranschlag beider Linien um 118000 Mk. zu erhöhen, so baß sich bie Gesamtesten beiucr Linien auf 8118 000 Mr. belaufen. Eine IV2 prozentige Verzinsung dieser Summe soll der Teilungs- zifser Hessens zugcrechnet luerbcn.
Ter Gruubcrwerb ersterer Linie einschließlich des auf die neue Nebenbahn entfallenden Ameils am Gaunderwerb für die Enveiterung des Bahnhofs Alsfeld ist veranschlagt mit 409000 Mk. und derjenige für die Zweiglinie nach Schlitz mit 190000 Mk., ber Gruuderwerb auf hessischem Gebiet zusammen sonach auf 599 000 Mk. ober ruiib 600 000 Mk.
Tie dost b<r Bahn herührten Gemeiriden haben beschlossen, das zum Bahnbau ercorderliche Gelände kostenlos und lastenfrei zur Verfügung zu stellen. Ter Beitragsleiftung des Tomaniabi fiskus ist bereits Erwähnung getan worden.
II. Die neuen Wetiecauer Vahnen.
Tie Ncbeirbahn Griedel — Bad - Nauhei uv und die Nebenbahn Butzbach—Landesgrenze (Ebersgöns), die von ber Verwaltung der Hessisch-Preußischen Eisenbahngenveluschast der PrivatuntcmehmNng überlassen worden sind, schließen sich an die 1904 eröffnete, bis Grünberg weiter ;n führende N ebene ahn Butzbach—Lich der Butzbach—Licycr Eifenbahlr-Attiengefelsschafc an und werden von dieser Gefellschlft betrieben lucrbcn. Beide Bahnen eryatten normale Spur, so daß ein birefter Uebergang von Perst uerr- und GüteLvagen von ber Staatsbahn auf die Nebenbahn möglich ist, sie werden mit Tmnpf betrieben, und dem Neberibahn- Gcsetz unterstehen. T-ie Unternehmerin hofft, baß bei bem größeren Eifenoahunetze, ba5_ eine bessere Ausnutzung der Betriebsmittel gestattet, auch die Ertragsverhältnijse ber Stammlinie Butzbach— Lich, die zurzeit viel zu loünschen übrig lassen, sich günstiger gestalten wcroen und daß das in Zukunft etwa 56 Kilometer umfassende Eisenbahnmrternehmen eine angemessene Rente ab werfen wirb.
Im einzelnen wird zu den beiden Bahnprojekten folgendes bemerkt: 1. Turch die Erbauung ber Nebenbahn Griedel—« Bad-Nauheim sollen die Bewohner des oberen Wertertales, bie bei. der Erbauung der Nebenbahn Butzbach—Lich keine Berücksichtigung gefunden haben, an das Eisenöahrmetz angcschstsseir werden. Tie ui Betracht tommenben Ortschaften haben einen regen Verkehr nach den ihnen zu-rächst liegenden Städten wie Butzbach, Bad-Nauhcim und Fricdoerg und außerdem auch weiter darüber hinaus sowohl nach Norden als auch nach Süden. Tie tTrojcftUttc Nebenbahn wird bie Orte Griedel, Rockenberg, Oppershofen und Steinfurth berühren. Sämtlich: bo rüljrten Orte erhalten einen Bahnhof. Tie Finanzierung des Bahnunternehuwus, defscn Baukosun auf rund 870000 2)?T. veranschlagt sind, ist in der Weise gedacht, daß der Staat 30 voiw Hundere mit 261000 Mk. beantragen, hätte und der übrige Betrag von 609 000 Mk. zur Hälfte in Obligationen und zur Hälfte in Aktien aufzubringen toäce. Tie zu 3 ; ■ Prozent verzinslichen Obligationen mit 305 000 ML werben von ben beteiligten Ge- mcinben, die Aktien zu zwei Tr.ctet mit 203 000 Mk. von der Firma Lenz u. Co., G. m. b. H., in Berlin und zu einem Drittel mit 101000 Mk. von den Gemeinden und fonftigcit Interessenten über» nornnien. Tie Gerneinben haben bie ihnen hiernach obliegenden Verpflichtungen rechtsverbindlich übernommen und sich auch zur Stellung des erforderlichen Geländes bereit erklärt. Die Bahn erhält eine Länge von etiua 11,28 Kilometer nnb im allgemeinen günstige Steigungsverhältnisse.
2. Tie drebenöatyu von u tzb ach n a ch.Cbers gö ns bilder einen Teil der geplanten biretten Schienenverbinbung zwischen Butzbach unb Wetzlar. Zunächst soll bas etwa 7 Kilometer lange Stück ber Bahn von Butzbach bis Ebersgöns (Obergleen) zur Aussührung kommen, ba die Linie von dort bis Ttzetztar zurzeit weder hinsickstlich ihrer Trasse feststeht noch hinsichtlich ihrer Finanzierung als gc|iü>crt gelten kann. Aber auch bas kürzere Stück ber Bahn würde für die beteiligte Bevölkerung, bie dadurch einen Bahnanschluß erhält, von grobem Werte sein, auch namentlich dazu dienen, die bei Ebersgöns und Obergfecn gelegenen uncfangreichen Stttlflager aufzuschließen und ein bet Ebersgöns gelegenes Eifen- steiu-Bcrgweri, das in früheren Jahren betrieben wurde, aber urstlge des Mangels einer Buhnvcröinbung den Betrieb einffellen «mutz, wieder betriebsfähig zu machen. Tie Balyi wirb mit 5,3 ftttometer auf heffisckxs Gebiet zu liegen kommen.
Tire Kosten bes Banuntcrnchmens sind für den hessischen rund V2 Mrllwn, für^bcn preußischen Teil auf rund z'0000 Mk. verunsuckaZt. Ter Staatszuschuß würde mit 30 vvm ^oO OOO Mk. betragen. Tie Gemeinden Ba u Vach und PvhtzGönv haben zusammen beit Bewag von 175Oüu i..r. in zu ixrjingl'üzm Ovligalivnen aufeubringen ickmiiommen, mabrenb ber MstbeNag in Aktien ton preußischen Gemeinden! fen und von ber Firma Lenz u. Eo., G. ni. b H,
in ,Bwcan aibernontinicn wirb. Tas in Hessen erforderliche (Mäuite


