Ausgabe 
23.3.1908 Erstes Blatt
 
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lotter 3 Prozent sinkt. ZahsieiHe Versuche in bett N.Lffefiallen mrferer landwirtschaftlichen .Hochschulen beweisen das und be­stätigen die langjährigen Erfahrungen der Landwirte. Tiefe fordern selbst, daß Milchfälscher hart bestraft werden sollen, denn diese, die Fälscher, sind die schlimmsten Konkurrenten der ehrlichen Produzenten.

Tie Verhandlungen über Kartofselsorten ergaben, daß die Sorte magnum bonum, wie schon immer, als gesuchte Speise­kartoffel den Markt bei uns beherrscht. Ihre Erträge sind allerdings in den letzten Jahren sehr wechselnd gewesen und ihr allgemeiner Anbau hat aus diesem Grunde sehr nachge­lassen. Es ist daher dem Landwirt anzuraten, neben der er­wähnten Sorte noch andere Sorten anzubauen, damit sich die Steller im Herbst füllen und für die Schweinemast große Vor­räte an Kartoffeln nicht fehlen. Es wurden besonders die neueren Sorten Cäeilie, Prof. Wohltmann, Prof. Thiel empfoh­len. Aber die Kartoffel ist ein sehr launiges Gewächs. Auf dem einen Boden gedeiht diese Sorte, auf dem anderen mißrät sie, oder hält sich schlecht im Keller. Ta gel)t Probieren über Studieren. Also probiere jeder, und wähle die Sorte, welche sich für seine Bodeuverhältnisse eignet. Woher die Redensart: Tie dümmsten Bauern ernten die dicksten ^Kartoffeln? Der intelli­gente fleißige Landwirt bereitet den Acker ausgezeichnet vor, er hat rechtzeitig gedüngt uitb dm Acker zur Pflanzung bereitet wie Gartenland. ©r erwartet eine große Ermte. Ter Nachbar, bekannt im ganzen Dorfe als nachlässig, träge, dumm, hat seinen Kartoffel­acker im Herbst nicht einmal gestürzt. Im Winter hat er etwas Stalldünger ausgefahren, aber das Streuen, weils hinter dem warmen Ofen gemütlichier war äls draußen, vergessen. Tie lDünger- haufen find bis zum Frühjahr Strvhhaufen geworden. Die Winter­stürme haben dem Düngerhaufen alles genommen, was den Acker hätte befruchten können. Unmittelbar vor dem Kartoffelpflanzen wird das bißchen Tünger gestreut, dor rohe Acker umgebrochen und die geschnittenen Kartoffeln in die Furchen gelegt. Ticke Schollen logen sich auf die Pflanz-Kartoffeln, wer über den Acker geht kann leicht ein Bein brechen. Da tritt ein feuchter Borsommer ein. Die Schollen auf dem Kartoffelacker des Nachlässigen schmelzen allmählich unter den fortwährenden Regengüssen. Der feinkrüme­lig hergestellte Kartoffelacker des Fleißigen aber schlemmt zusam­men, wird dicht, die Kartoffeln mißraten nahezu. Was diesem die Ernte verdarb, sichert dein Nachlässigen die Ernte. Für den scholligen Acker waren die vielen Niederschläge uotioendig für den sorgfältig bestellten Acker waren sie verderblich

Der Herbst kommt und mit ihm die Kartoffelernte. Auf dem Acker des Durchlässigen steht eine dichte Reihe von gefüllten Kartoffelfäcken, auf dem Acker des anderen zeigen sich erhebliche Lücken. Guckt einmal, was der Hannes für eine Ernte macht, all­gemein fällt es auf, daß der Nachlässigste so viel Kartoffeln erntet. Das ganze Dorf spricht bis in den Winter hinein von dieser guten Kartoffelernte, man behalt das lange im Gedächtnis: Die dümmsten oder die nachllissigsten Bauern haben oft die dicksten Kartoffeln! Von den vielen schlechten Ernten des Nachlässigen spricht man nicht, daran ist man gewöhnt. Von den vielen guten Ernten des Fleißigen spricht man aus demselben Grunde nicht.

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Au§ dem Militär-Wochenblatt. Meier, Oberlt. im Jnf.-Negt. Prinz Karl (4. Großh. Hess.) Nr. 118, unter Beförderung zum überzähl. Haixptln. in das 1. Ober­rhein. Jnf.-Negt. Nr. 97 versetzt. v. Iouanne, Oberlt. der Res. des Leibgarde-Jnf.-Regts. (1. Großh. Hess.) Nr. 115, kommandiert zur Dienstleistung beim 2. Bad. Drag.-Regt. Nr. 21, als Oberlt. im letztgenannten Regiment angestellt. Freise, Major und Abteil.-Kommandeur im 2. Großh. Hess. Feldart.-Regt. Nr. 61, zum Oberstlt. befördert. Lt. Donner im 2. Großh. Hess. Feldartillerre-Regt. Nr. 61 zum Oberlt. befördert. Lt. Bichmann im Jnf.-Leib-Regunent Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117 der Abschied mit der gesetzlichen Pension bewilligt. Oberstabsarzt Dr. Schneider beim Militär-Reitinstitut als Regimentsarzt zum Garde-Drag.-Rcgt. (1. Großh. Hess.) Nr. 23 versetzt. Oberstabs- und Regimentsarzt Dr. Wilberg des Gardc- Drag.-Regts. (1. Großh. Hess.) Nr. 23, der Abschied mit der gesetzt. Pension und der Erlaubnis zum Tragen seiner bis­herigen Uniform bewilligt.

* * Ruhestandsversetzung. S. K. H. der G roß- herzog haben den Hofgartenaufseher Gg. Lott zu Fried­berg aus sein Nachsuchen unter Bezeugung der Zufrieden­heit für langjährige treue Dienste in den Ruhestand versetzt und ihm aus diesem Anlaß die Silberne Medaille des Ludewigs-Ordens verliehen.

* * Stiftung für den Gleibergverein. Ein unbekannter Wohltäter hat auch in diesem Jahre dem Gleibergverein, wie schon früher, eine Gabe von 300 M. gespendet und damit die Bestrebungen des Vereins wirk­sam gefördert. Da die Sicherung der Ruine alljährlich größere Aufwendungen erfordert, kommt eine solche außer­ordentliche Beihilfe dem Verein natürlicherweise außer­ordentlich zustatten.

* * Sängerkranz Gießen. Eine Fülle auser­lesenster musikalischer Genüsse hat der Gießener Sänger­kranz seinen Zuhörern am gestrigen Sonntage im Steins Garten bereitet. Schon das.feinsinnig zusammengestellte Programm zeigte, wie ernst der Sängerkranz seine künst­lerische Aufgabe auffaßt, und wie er in seinen Konzerten immer nur vom Schönen das Schönste und Wertvollste geben will. Diesem hohen, edlen Streben entsprach auch geftem wieder das Ausführen. Beethovens Trio in Es-dur wurde von den Herren Kasten (Klavier), Schüttler (Violine) und Herrmann (Cello) in glanzvoller Werfe wiedergegeben. Die Musie Beethovens in diesem Trio verrät schon mancherlei überraschende Neuerungen gegen über seinen berühmten Vorgängern und allein schon' als Dokument des Werdens dieses großen deutschen Meisters wird es uns stets wertvoll bleiben; aber dieses Trio ent­hält auch an sich schon so viel des Musikalisch-Schönen, daß man es irrt Konzertsaale immer gern hören wird, zumal, wenn es so brillant ausgeführt, wie es gestern der Fall war. Auch die zweite Nummer des Programms brachte eine Komposition von Beethoven, nämlich die Hymne an die Nacht", die vom Männerchore unter Leitung des Herrn Albert K a st e n mit großer Exaktheit vorgetragen wurde. Vielen Beifall fanden auch die übrigen Lieder des Männerchors, darunter Hugo JünastsTik e tik e tok-; und ZöllnersWanderschaft." Von den dreistimmigen Frauenchören gefiel namentlich ein reizendes Lied von Max Mener-OlberslebenRose und Nachtigall", mit Klavierbegleitung und Violinsolo. Außerordentlich schön kam ferner eine Komposition für gemischten Ehor mit Klavierbegleitung von dem kürzlich' verstorbenen Pache ur Geltung; es war das Lied:Horch, wie schön die Geigen klingeir." Unter den Solodarbietungen des Abends

gefiel vor allem dasKol Nidrei* für Cello von Max Bruch, das Herr Herrmann meisterhaft spielte. Herr Hahn bewährte sich in seinem Solospiel am Klavier wieder einmal als ausgezeichneter Interpret Chopins.

**Okuli, da kommen siel" Bei herrlichem Wetter und 10 Grad Wärme hat der Frühling seinen Einzug gehalten. Nun werden auch die lieblichen Kinder Floras ihr buntes Kleid bald anprobieren und die lange entbehrten Zugvögel chre Rückreise antreten. Einzelne von ihnen werden schon seit acht Tagen in den Wäldern der Um­gegend mit Sehnsucht erwartet. Es sind dies _ die Schnepfen. Sie haben den rauhen Winter in Afrika verbracht und eilen nun wieder zur nordischen Heimat. In der Abenddämmerungstreichen" sie über die noch kahlen Baumwipfel, um im jungen Laubholzeeinzufallen" und mit ihrem langen Schnabel nach Würmern und anderen Weichtieren zu graben. Dort findet gar manche ihren Tod durch die Flinte des Jägers und wandert über die Zunge des Feinschmeckers. Bis jetzt waren die Resultate auf dem Anstande sehr gering; ganz selten fiel ein Schuß und die wackeren Jäger brachten bei der naßkalten Witte­rung meistens statt Schnepfen Schnupfen mit nach Hause. Wir wünschen ihnen deshalbnach Okuli" eine desto reichere Jagdbeute.

Aus dem Burea u des Stadttheaters. Es sei nochmals auf das am Freitag, 27. d. M., stattfindeiide Benefiz unseres allbeliebten Charakterkomikers und Re­gisseurs Herrn Bruno Reimer-Schlegel hingewiesen, der Treptow's GesangsposseFlotte Weiber" für seinen Ehrenabend gewählt hat. Der Benefizic.u, der nun im dritten Jahre unserer Bühne angehöit, hat sicher jedem Theaterbesucher schon angenehme und heitere Stunden be­reitet, und so dürfte auch die Schaar derer, die ihm am nächsten Freitag ihren Dank abslatten wollen, sehr groß werden. Zahlreiche Ansuchen liefen bei der Direktion um eine Wiederholung von IbsensWildente" bei kleinen Preisen em. Diesen Wünschen zu entsprechen, ist das Werk für nächsten Mittwoch noch einmal angesetzt worden. Die Rolle der Hedwig wird von Frl. Maifarth gegeben werden.

** Fach-Ausstellung für das Gastwivte-Ge- werbe und verwandte Berufszweige. In den Ausstellungsräumen herrscht bereits ein emsiges Leben und Treiben. Die beiden Anbauten sind vollendet und zeigen, in Verbindung mit dem großen Saale der Turn­halle, daß der allgemeine Eindruck der Ausstellung impo­sant fein wird. Zahlreiche Frachtwagen rollen das Aus­stellungsgut von der Bahn an und die Spediteure ver­teilen es aus die jedem Aussteller zugewicsenen Plätze. Tie Arbeitsleistung der Spediteure ist sehr groß, was daraus hervorgeht, daß z. B. dieMaggi-Gesellschaft" allein 2 Waggon Güter hierher gesandt hat, das gleiche kann von einer Musckinstrumenten-Fabrik gesagt werden, deren Ausstellungsobjekte einen Wert von 30000 Mk. re­präsentieren. Das größte Interesse wird natürlich der vereinigten GruppeKochkunst und Konditorei" zu Teil werden, deren Beschickung nicht nur für hiesige Verhält­nisse überraschend reichhaltig genannt werden kann, be­teiligen sich doch, bis auf wenige Ausnahmen, alle hiesigen und eine Anzahl auswärtiger großer Geschäfte an ihr. Hoffentlich hält das gute Wetter an, sodaß wir in der AusstellungswocheGießen im Zeichen des Verkehrs" sehen können.

** EisenbahWahrt zum Deutschen Turnfest. Bei der großen Anzahl der zum Deutschen Turnfest nach Frankfurt reisenden Turner läßt sich eine geregelte Beförder­ung nur durch Einrichtung von Sonderzügen erreichen. Der Verkehrsausschuß des Turnfestes ist daher mit den Vertretern der Turnkreise in Unterhandlung getreten, uni die nötigen Unterlagen hierfür zu erhalten. Sobald das Material voll­ständig ist, wird sich der Verkehrsausschuß mit den ver­schiedenen Eisenbahnverwaltuugen in Verbindung setzen, und zwar zunächst mit der Eisenbahndirektion Frankfurt, da die Bildung der Sonderzugfahrpläne wegen der besonderen Bahn­hofsverhältnisse in Frankfurt nach rückwärts, d. h. von der Ankunftstation aus vorgenommen werden muß. Die Sonder­züge werden zur Entlastung des Hauptbahnhofs zum Teil nach den Außenbahn Höfen (Ostbahnfof, Sachsenhausen, Bockenheim) geleitet, auf denen besondere Empfangsräume hergerichtet werden, in denen Festkarten, Abzeichen und der­gleichen zu erhalten sind. Der Verkehrsausschuß wird jedoch zu erreichen suchen, daß der größere Teil der Turnerzüge im Hauptbahnhof einfahren wird. Bei der Verteilung der Züge auf die einzelnen Bahnhöfe wird auf die Lage der Quartiere Rücksicht genommen werden. Auf dem Festplatz wird eine Eisenbahn-Auskimftsstelle mit Fahrkartenausgabe und ein Post- und Telegraphenamt eingerichtet.

* * Der land w. Verein für dieProvinzO b er­liessen wird am Donnerstag, 2. April, nachmittags 3 Uhr, eine Aus s chußsitz ung im HotelPrinz Karl" in Gießen abhalten. Auf der Tagesordnung stehen: 1. Vor­lage der 3Rechnung 1. Teil für 1906,07. 2. Rückzahlung der Ueberschüsse von der landwirtschaftlichen Landes- und Jubiläumsausstellung zu Mainz 1906. 3. Rückerstattung der Kosten an den Oberhessischen Obstbauverein, die diesem durch die Mainzer Ausstellung erwachsen waren. 4. Die Neuorganisation des landwirtschaftlichen Provinzialvereins und der ihm angeschlossenen Bezirksvereine. 5. Geschäft­liches. An die Ausschußsitzung soll sich imPrinzen Karl" eine Abschiedsfeier anschlietzen für OekonomieratLeithiger, den bisherigen Sekretär des Provinzialausschusses. Be­kanntlich übernimmt Oekonomierat Leithiger vom 1. April ab den Posten des Generalsekretärs an der Landwirtschafts­kammer mit dem Wohnsitz in Darmstadt. Mitglieder des landwirtschaftlichen Provinzialvereins, welche dem Ausschuß nicht angehören, an der Abschiedsfeier aber teilnehmen wollen, werden gebeten, ihre Teilnahme dem Hotel Prinz Karl in Gießen bis zum 31. März spätestens bekannt zu geben. Das Essen findet gegen 5 Uhr am 2. April statt.

* * Ter Tierschutzverein für das Großherzogtum Hessen hält seine Jahresversammlung am 8. April in Alzey ab.

* * Unfall. Gestern abend lief einem die Kaiser-Allee berunte: ahremeu Motorfahrer em kleiner Hund in das Rad. Der Radfahrer stürzte und erlitt ziemlich erhebliche Verletzungen. Das Hündchen blieb seltsamerweise unversehrt.

* * Hofrat Rothschild verhaftet! Aus Zürich, 23. März, empfingen wir folgende Tralsimeldnng: Ter von Gießen aus steckbrieflich verfolgte Vankerottenr Hofrat Ludwig Rothschild aus Büdingen wurde gestern hier verhaftet. Er hielt sich hier unter dem Namen eines Rechtsanwalts Kulenkamp ans Hamburg auf und logierte im Hotel National. Von ärztlicher Seite wurde sofort der Transport des hochgradig lungenkranken Mannes nach dem Kantons-Spital augeordnet. Die bei Rothschild vorgefundenen Geldmittel reichten gerade noch zur Begleichung der Hotelrechnung aus. (Auch bei der hiesigen Staatsanwaltschaft ging heute vormittag die Nachricht von der Verhaftung Rothschilds ein. Red.)

An Rothschilds Verhaftung hat sich naistentlich der Bureauvorsteher der Rechtsanwälte Katz und Kaufmann, Herr Beck, verdient gemacht. Herr Beek hörte durch Zufall von einem Butzbacher Herrn, daß er R. in Zürich gesehen habe und erstattete sofort der hiesigen Staatsanwaltschaft Meldung, deren alsbald eingeleitete Recherchen denn auch zur Ermittelung und Verhaftung von N. führten.

* * Besitzwechsel. Rentner Christian Kuhn kaufte das Anwesen doh Frau C. Caspar Ww., Kaiser-Allee 18, zum Preise von 20000 Mk.

* * Von d e n I ü n g l i n g s o e r e i n e n i n H e s s e n. Der Verband der hessischen Jünglmgsvercine wurde neuerdings in einenHessischen I ü n g t i n g s b u n d" umgewandelt, d. h. er ist jetzt in den Nalionalbmid der deutschen Jünglingsvereine ausgenommen, der selbst wiederum ein Glied des über alle Erd­teile sich erstreckenden Weltbundes ist. Es wird allerwarts jetzt anerkannt, daß die konfirmierte beranwachsende Jugend erziehe­rischer Einwirkung, verständiger Pflege ihrer Bedürimsse für Geist und Gemüt bedarf, und daß gerade auch m der Form der Jüng­lingsvereine der Weg zur Erfüllung jener Ausgabe gewiesen ist. Der Zusammenschluß der bestehenden Vereine soll zur Förderung dieser Arbeit dienen. Das erhosft der Hessische Jünglingsbund auch voii seinem I a h r e s s e st, das in N i c r st e i n am 17. Mai slatt» finden soll. Ter Festgotlesdienst wird um 10 Uhr beginnen; die Hauptversammlung findet nachmittags nach der Verlretersitznng statt. Tie dem Bund aiigeschlossenen Posaunenchöre werden Mit­wirken. Ter Ermunterung und Vertiefung in die Aufgaben der Vereinsarbeit sollte auch ein Instruktiv nsknrsus dienen, der am 25. Februar in Tarmsladt abgehalten wurde. Die Ein­leitung hatte Geheimerat I). Walz übernommen, der klar und ein­dringlich von denGrenzlinien und Richtlinien" im Jünglings- verem sprach. Der Präses, Pfarrer Alliller-Offenbach, behaiidelte sodann die Frage, rote die Geselligkeit im Verein zu pflegen ist. An die interessanten Ausführungen schloß sich eine Auseinander-» setziing, der im wesentlichen zugestimmt wurde. Am Nachmittag referierte Bundessekretär Tornernann-Mamz über die Soldaten­mission der Jünglingsvereine. Die Ausführungen des Referenten zeigteii, daß auch vom Hessischen Bunde tn dieser Sache Schritts getan werden müssen.

X Großen-Linden, 22. März. Ein schwerer Unglücks fall trug sich im Walde beim Holzfällen zu. Der Maurer Robert Unger wurde von einem fallenden Baume getroffen. Er erlitt schwere Verletzungen am Kopfe und mehrere Arm- und Beinbrüche, so daß er bewußtlos liegen blieb. Er wurde sofort in die Gießener Klinik ver­bracht. Unger ist Vater votr 5 unversorgten Kindern.

+ Lich, 22. März. Für unsere landwirtschaftliche Winterschule war das abgelaufene Schuljahr von beson­derer Bedeutung. Konnte sie doch am 6. November mit der Eröffnung des Wintersemesters ihr neues Heim be­ziehen, das ihr die Stadt Lich in opferwilliger Weise bereitet hat. 34 Schüler hatten sich eingefundcn, von denen 14 die obere und 20 die untere Klasse besuchen. Von den Schülern köttnen 6 täglich nach Hause gehen, 14 fahren täglich mit der Bahn, 2 find von Lich und 12 auswärtige wohnen in Lich. Aus dem Kreis Gießen sind 30, aus Schotten und Wetzlar je ein und aus Dieburg 2 Schüler. Im laufendeir Semester fanden bis jetzt 6 Exkursionen und ' Besichtigungen stakt. An der Anstalt unterrichten einschließlich ihres Vorstehers Oekono­mierat Weitzel 10 Lehrkräfte.

O Beuern, 22. März. Die vor acht Tagen vorge­nommene Bürgermeisterwahl hatte zu keinem Ergebnis ge­führt, da 5 Kandidaten aufgestellt waren und keiner die Mehrheit erhielt. Gestern war Stichwahl zwischen Landwirt Walter und Arbeiter Ranft. Landwirt Walter wurde mit 146 Stimmen gewählt, während Ranft nur 61 Stimmen erhielt. Plötzlich am Hirnschlag gestorben ist Der Kriegs­teilnehmer Johannes Feußer; er hat die Feldzüge 1870/71 und 1866 mitgemacht. Zahlreiche Veteranen aus der Um­gegend und der hiesige Kriegerverein gaben ihm das letzte Geleite.

+ Grünberg, 22. März. Die Pläne der Bahn­strecke GrünbergLich haben für die Teilstrecke Grünberg Queckborn eine Aenderung erfahren. Die Pläne liegen gegenwärtig hier zur Einsicht offen. Dienstag findet im Rathaus die landespolizeiliche Prüfung der Pläne durch Vertreter des Kreisamts Gießen statt. Die Arbeiten sollen dann alsbald in Angriff genommen werden. Das Be­zirks tri ege rfe st für den Hassiabezirk Grünberg findet am 5. und 6. Juli in Lehn heim statt; der dortige Verein feiert zugleich sein Fahnenweihfest. In einem Steinbruch bei Odenhausen erlitt der Arbeiter Peter Müller aus Geilshausen dadurch schwere Verletzungen, baß sich große Erd- und Steinmaffen lösten und chn nahezu verschütteten.

/X Bersrod, 23. März. In unserem Dorfe fand gestern eine Veranstaltung bei Gastwirt Becker statt, die un Sinne der Bestrebungen der Volksbildung gehalten war. Die Veranstaltung vereinigte einen großen Teil der Gemeinde, die Schulklasse, den Kriegerverein und den Ge­sangverein, so daß der Saal dicht gefüllt war. Durch den Männerchor:Wo ein 2lltar steht" wurde die Feier eröffnet, worauf Lehrer Wolf eine Begrüßungsansprache hielt. Im 'Mittelpunkt der Feier stand ein Vortrag überUnsere Ko­lonie Südwestafrika und die Kämpfe unserer wackeren Sol­daten". Der Redner ging unter allgemeiner Spannung auf den Beginn und die Bedeutung der deutschen Kolonialpolitik ein, hob die Entwickelungsfähigkclt Südwestafrikas und dessen Bodenschätze hervor und widmete den tapferen Soldaten warme Worte der Anerkennung. Er ivies darauf hm, daß Deutschland die Pflicht habe, seine Kolonien zu schützen und zu verteidigen, wenn es seine Weltmachtslellung bewahren wolle. Sehr schön nahmen sich die hübjch vorgetragenen patriotischen Gedichte der Schulkinder aus, z. B.Em Volk, ein Herz, ein Vaterland",Die Trompete von Vionville", Tie Rosse von Gravelotte",Tie Hessen am Waldrand von la Eiisse",Sedan" u. a. Lebhaften Beifall fanden die vorn Gesangverein vorgetragenen Chöre und Volkslieder