Ausgabe 
23.10.1908 Erstes Blatt
 
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Suppenschüsseln von der Tafel gehoben waren, brachte derIdes Lehrers Link in Rudingshain für den Krers Schotten zu-

aus

Vczug-pret): monatlich 75 PI., viertel» jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich '151.; durch die Lost 'DIE. 2. Diertel- jährl. ausschl. Beitellg. ßeilenpretS: lokal lbi>rN auswärts 20 IMeiutiq,

Verantwortlich füt den oolitilchen Teil,

daS den

Schon am 6. September erhielt er eine Antwort, eine gar liebliche Antwort. Und er empfing sie in einer^ schönen Stunde. Er )'qb oben im Thüringer Walde vor dem Jagd Häuschen am Gickelhahn, und blictte bei Sonnenuntergang über die dunklen Wälder hinweg. Kein Lüftchen ging, der Simmel war klar, und unbeweglich wäre die Szene gewesen, wenn nicht aus Kohles meilern ein paar blaue Dämpfe aufgesttegen waren. So grotz war d-'e StUle, daß Goethe gleich nach Sonnenuntergang in festen Schlaf fiel. Aber ehe eine Stunde verrann, ward er durch seinen Diener geweckt, der ihm Wein und Ehen für den nächsten Morgen und auch einen Brief brachte, der mit dem Weine aus Weimar geschickt worden war. Ein Brief der schonen Frau! Nun war Goethe sogleich wieder wach. Noch lange horchte er auf die Stille der Nacht. Bald trat die holde Bries- schreiberin, bald Charlotte v. Stein vor seine Seele. Welches Bild sollte er ergreifen, was hatte das Schicki al mtt ihm vor ? Unruhig gingen allerlei Gedanken durch Kopf und Serz, hier in der heiligen Stille der fchlafenden Natur. Bis ihm dann tue

Auf Veranlassung der Parteileitung hat, wie wir derN. Tagcsztg." entnehmen, die.deutsch-soziale Bartel^di^^kandidatur Ides Lehre

I §

Saal.

Nach der Gratulationskour begaben sich die allerhöchsten und höchsten Herrschaften miederuni in feierlichem Zuge nach dem Nittersaal zur königlichen Zeremonientasel. In der Mitte der Tafel nahm das hohe Brautpaar unter dem Thron» himinel Platz. Rechts neben der Braut sag der Kaiser, neben ihm die Mutter der Braut; links neben dem Prinzen August Wilhelm die Kaiserin nut dem Vater der Braut. Die übrigen Fürstlichkeiten reihten sich zu beiben Selten an. Sobald die

rückgezogen. Der einzige Kandidat im Sck)ottener Wahlbezirk ist nunmehr Forstmeister Dr. Weber (Konradsdorf).

Wahlbezirk Worms-Stadt.

In Worms hat das Zentrum in einer Vertrauens- männcrvcrsammlung beschlosseii, die Unterstützung der Kandidatur Reinhart zu empfehlen.

Lan-tagrwahlbeWegung.

Wahlbezirk Schotten-Laubach.

Verse kamen: ; ,

Heber allen Gipfeln ist Ruh, In allen Mips ein spürest du Kaum einen Hauch, Tie Vöglein schweigen im Walde. - Warte nur, balde Ruhest du auch! .... ,

Er schrieb dies kleine Gedicht mit dem Bleistift auf Brett neben einem Fenster des Jagdhäuschens und schrieb Tag dazu, und fühlte sich nun heiterer und jtiller.

Die heutige Nummer umfahr 10 Seiten.

Die vermahlungrseler im Uaiserhause.

Die Feierlichkeiten zur Vermählung des Prinzen August Wilhelm mit der Prinzessin Alexandra Viktoria zu Holstein-Glücksburg im Königlichen Schlosse begann gestern nachmittag um 4 Uhr. Zur Beobachtung der großen Anfahrt dec Fürstlichkeiten und der Geladenen hatte sich trat; dcL kalten und trüben Wetters eine grobe Menschenmenge vor dem Schlöffe eingefunden. Um 4'/z Uhr fand im Kur­fürstenzimmer die st a n d e ß a m t l i ch e C h e s ch l i e ß il n g durch den als Mmister des Königlichen Hauses fungierenden Ober- hosmarschall Grasen zu Eulenburg in Gegenwart der Mil- glieder der engeren Familie deS Brautpaares statt. Alsdann ordnete sich der große, feierliche Zug zur Kapelle. Ober- küchenmeisler Freiherr v. Pückler und Schloßhauptmann Graf hohenthal-Toelkau führten daS Brautpaar. Der Prinz trug die Uniform des 1. Garde-Regiments, die Prinzessin ein weißes Kleid mit Silberstickereien und alten, holsteinischen Spitzen. Sodann folgte unter Vortritt der Hof-, Ober-Hof- uuo obersten Hoschargen der Kaiser mit der Herzogin Fried­rich Ferdinand zu Holstein-Glücksdurg. Der Kaiser Eug die Uniform deS 1. Garde-Regiments zu Fuß. Herzog Friedrich Ferdinand zu Holstein-Glücksburg führte sodann die Kaiserin, die ein Kleid in Lila mit Sllberstickereien angelegt halte.

Ten Majestäten schlossen sich die anwesenden Fürstlich­keiten an, die Kronprinzessin, der Großherzog von Oldenburg und die Prinzessin Eitel Friedrich. Oberhofprediger Tryander mit dec Hof- und Domgeistlichkeit erwartete den Zug am Eingang zur Kapelle und geleitete das Brautpaar zum Myrten- geschmückten Altar, wo Prinz August Wilhelm sich zur Rechten der Prinzesstubcaut aufstellte. Der Kaiser mit der Blutter der Braut trat rechts neben den Altar, die Kaiserin mit dem Vater der Braut links; die geladenen Gäste schlossen sich im Halbkreise an. Unter den geladenen Gästen befanden sich der Reichskanzler, eine große Anzahl Minister, Staats­sekretäre, Botschafter und Gesandte. Rach ^dem Geniemde- gesang vollzog Oberhofrediger Dryandcr die Trauung. Seiner Ansp-ache legte er das Bibelwort zu Grunde: Seid fleißig, zu halten an der Einigkeit im Geiste durch das Band des Friedens usw. In dem Augenblicke, in dem da§ Brautpaar die Ringe wechselte, bornierte vom Lustgarten die aufgestellte Lelbbatterie des ersten Garde - Feldartillerie - Regiments 36 Kanonenschüsse herüber. Das Kaiserpaar beglückwünschte das Brautpaar mit Kuß und Händedruck. Unter den schmetternden Fanfaren -der alten WeiseWilhelmus von Rassauen* verließ sodann der Zug in feierlicher Ordnung die Kapelle. Cs folgte große Gratulationskour im Weißen

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tnijeutUeton und . Beninschles': Ernst Anderson, füt .Sladt

Kaiser die Gesundheit des hohen Brautpaares mit folgen- dem Trinkspruch auS:

,Lch spreche Euch in unserm Namen und dem Namen meines Hauses den herzlichsten Glückwunsch aus. Meine liebe Alice, Du kommst vom meerumschlossenen Lande zu uns, nicht als Unbekannte, denn Du hast viele Wochen Deiner Jagend bei uns verlebt in verschiedenem Alter. In der frühesten Zeit hat sich zwischen Euch das Band ge- knüpft, daS zu dem heutigen glücklichen Tage geführt hat. Ich nehme Dich mit offenen Armen auf bei uns und mögest Tu bei unS der schönen Heimat wenigstens etwa? vergessen. Ihr werdet nun Euren Hausstand begründen und das Leben zusammen besinnen. Leben heißt ar­beiten,arbeitenheißiSch ass en,Schaffenbe­deutet Wirken für Andere, für das Vaterland, f ü r d a s V o l k, Wirken in unserem Hause. Nach den frohen Stunden der ersten Tage und Monate wird an Euch der Ernst des Lebens herantreten mit seinen Pflichten, den Pflichten, wie sie in unserem Hause geübt werden. Wir sehen auf Euch beide als aus unsere Helfershelfer in unserem Wirken. Du, mein Sohn, host unserem Hause Ehre ge­macht mit Deinem Examen, welches Dir zu Deiner Zwillauf- bahn den Weg gcvfinct hat, und Du wirst Deiner ^-rau hilsreich zur Seite stehm in den Werken der barmherzigen Liebe. Möge für Euch auch das Bild maßgebend sein, welches für uns Menschen von oben gezeichnet ist: der Strom, der sich vielfach teilt. Der eine Arm, der belastet wird, der die Schiffe trägt, dem Meere zu, ein Vorbild dafür, daß einem im Leben von oben Lasten auferlegt werden, die gemeinsam getragen werden sollen, und das die Kraft zum Tragen aus dem festen Vertrauen auf dort oben erweckt. Und der andere Arm, der Arbeit verrichtet; auf dieses Bild

Forschungen auf dem Mont-Blanc. Wie Paris berichtet wird, hat sich soeben eine Gesellschaft gebildet mit einem Bureau, dessen Leiter unter den Mitgliedern der Pariser Akademie der Wissenschast ausgewählt werden sollen, um die wissmsclstistliclfen Arbeiten systematisch fortzusetzen, die der ver­storbene Janssen und Vallot auf dem Mont-Blanc begonnen haben. Tie beiden Observatorien von Janssen und Vallot werden künftig unter der einheitlichen Leitung Vallots stehen, der sein öbfep vatorimn der neuen Gesellschaft überläßt.

Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft. Eine B a u > A u s st e l l u n g ist für das Jahr 1U10 in Frank­furt a. M. geplant und zwar gelegentlich der Manderversamm- tung des Verbandes deutscher Architekttn- und Jngemeur-Vereme. Im ehemaligen Bundes-Palais in dec Großen Eschenheimer Straße in Frankfurt wurde gestern das Völker-Museum in feierlich Weise eröffnet EineFreie ärztlich« Gesellschaft für das Studium der Tuberkulofe mit besonderer I Berücksichtigung der Hctolbehaiidlung" wurde am 18. d. Mts. in »Köln gegründet

greifen wir zurück als einem Bilde dafür, daß wir stetig wirken sollen in Werken der Liebe zu den Brüdern und wirken in stetiger Arbeit für das Wohl des großen Ganzen und zur Ehre unseres Hauses In diesem Sinne erheben wir die Gläser unb trinken jetzt auf das Wohl Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen August Wilhelm und der Prinzessin August Wilhelm von Preußen."

Das Fest schloß nach althergebrachter Sitte mit einem Z-ackeltanz im Weißen Saak. v ec Lberstmar.chall Fürst zu Fürstenberg lud das Brautpaar zum Beginn des Tanzes ein. Nacb einem Ruudgang bnren den Saal, wobei zwölf Pagen mit Fackeln folgten, machte die Braut mit dem Kaiser, der Bräutigam mit der Kaiserin einen Rundgang, hieraus die Braut mit den inwe,enden Prinzen und der Bräutigam mit den Pr.nze,sinnen. Sobald eriolgte bie Ver­teilung des Strümp,vauöes. Prinz und Pri.'iz.s.m August Wilhelm reifen daraus nach Schloß Huberlnsstock ab. Der Kaiser geleitete das Paar zur Bahn.

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^soveit.

Stadt und Land.

G legen, 23. Oktober 1908.

LandtagSwahl. Der heutigen Stadtauflage liegt ein Wahlaufruf des freisinnigen Vereins bei, der die Wahl dcS seitherigen Abgeordneten Dr. Gutfleisch empfiehlt und demgemäß eine Wahlinännerliste vorschlägt.

Vom Gcoßherzoglichen Hofe. Prinzessin Heinrich von Preußen wird mit ihrem Sohne, dem Prinzen Sigismund, auf einige Tage zu Besuch der Großh. Hccc- 'chasten auf Jagdschloß Wolfs gart en erwartet.

* Die Schul fiel len an den rein evangelischen Schulen in Ober-Eschbach, Egelsbach und Lampertheim wurden tn- tholischcn Lehrern übertragen. Dies charakterisiert den Lehrer- mangel, wenigstens den an evangelischen Schulen.

** Die Schwurgerichtssitzungen der Provinz Oberhcssen für das 4. Quartal 1908 beginnen Tlontag, 7. Dezember, vormittags 9'/» Uhr, unter dem Vorsitze des Landgerichtsrats Dr. Friedrich.

Eine Besieh tigungZ reise hessischer Landwirte nach dem Ansiedlnngsgebiet in der Provinz Posen findet noch im Lanfe dieses MonalS statt.

- Stadttheater. Zum Jbse n ga st sp i cl am morgigen Samstag sei ausdrücklich bemerkt, daß die Herren Studierenden an der Abendkasse Preisermäßigung erhallen.

* Die Gemäl de-Ausstellung im Turmhaus am Brand ist nunmehr nach den üblichen Sommerferien seit einigen Tagen wieder geöffnet und die Kunstfreunde Gießens sind wieder die regelmäßigen Besucher ihrer Kunstausstellung. Es ist recht erfreulich, daß die ständige Ausstellung immer mehr die Beachtung unserer Einwohnerschaft findet und der aufmerksame Beobachter bemerll, daß sich ein Stamm stän­diger Besucher gebildet hat, der in dem Beschauen der wechselweise ausgestellten Gemälde Genuß, Anreguilg und Erholiing findet. Richt nur dos Bildungsbedürfnis allem drängt dazu, sondern auch die Ablenkung, die Geist und Ge- uiüt durch das Beschauen der Kunst,verke erfahren. So können wir denn and) oon der gegenwärtigen Ausstellung mit Genugtiiung konstatieren, daß sie eine große Anzahl recht gute Arbeiten und auch verschiedene Genres von be* tonnten Künstlern aufznweisen hat. Von einer Kritik» der einzelnen Gemälde wollen wir heute absehen und nächste Woche daraiif zurückkommen, diese Zeilen nur sollen em An- sporn zum Besuch der Ausstellungen für die sein, die seither der Aiisslcllung fern standen.

"Ein lustiger Abend bei Pep i Weiß. Im Kolosseum wird morgen abend die bekannte Brettlkünstlerin Pepi Weiß mit ihrem Ensemble ein einmaliges Gastspiel oer» nnitalten. lieber die Künstlerin liegt uns eine ganze Anzahl äußerst günstiger Bcurteilungen vor, von denen die folgende des Bromberger Tageblattes aus allerjüngstec Zeit stammt:

Pep> Weiß ist eine Künstlerin von einer Eigenart, die sich in : feinem bcl'timmien Rayiuen unterbrmgen läßt. Ihr Vortrag ist > einzig, unnachahmllth. Stets sitzt ihr der «Lchalk un Jtaaen, und

. lieber allen Gipfeln ist Hui).....

Wie die moderne Goetheforschung so oft schon in die zartesten Schwebungen huteingeleuchtet hat, die des Dichtersürstcti Seele zum Schaffen unb Bilden veranlaßten, so liefert Wilhelm Bobc in dem neuen Hefte decStunden mit Goethe" einen Beitrag, der uns Ausiästuß über die Entstehung von Goethes Wandrers Nachtlicd" gibt.

Eine schöne Frau war e5, die be5 breiunbbreißigjäbrissen Dichters Herz in den Spätsommertagen des Jahres liöO niii zarter Hand gestreift hatte, eine Frau, die, eine Spanne Zett freilich nur, sein Sinnen, sein Gefühl mächtig beherrsäste. Frau von Sranconi, eine Italienerin, die in Beziehmigen jum Erbprinzen von Braunschweig ftanb, eine liebenswürdige, fan« gebdbete Frau, war dem Dichter aus dem Bilde woylbekamtt, bas ihm im Jahre l< sein Landsmann Ziuimermamt in Straßburg int Schattenriß gezeigt hatte. .Merkwürdigerweise erblickte Gocthc bei bicient Anlasje auch zum erstenmal das Bild der Frau v. Stein unb hat sich auch in einem an Lavater gerichteten Briese in. ber bamals eben aufgetominenenKunst" des Ablesens der Charatterc aus den Linien von Schattenrissen dadurch versucht, daß .er über die beiden Frauentöpse Proben seiner Deutekunst ablegte.

Das Leben der Frau v. Branconi war um diese Zctt cm sehr begünstigtes, sie war reich, und versorgt, überall gern ge­sehen unb nahm auch eine angesehene Stellung ein. denn etwas Sckfmählichcs hastete bem Staube einer fürstlichen Matreue nach den Ansck)aum'.gen ihrer Zeit nicht an. Als sich der Erbprtnz im Jahre 1777 von Frau v. Branconi trennte, reifte s,e ruhelos in deutschen Landen umher unb nahm nachher eine Zetttang in Lausanne Aufenthalt, wo Goethe sie besuchte. Schon damals machte sie auf den Dichter, wie er selbst in einem. Briese an Lavater schreibt, einen äußerst günstigen Eindruck.

Im Frühjahr 1780 reifte Frau v. Branconi, nur mit einer weiblichen Begleiterin, nach Deutfchland zu ihrem Gute, das sw schon im März 1776 vom Prinzen Heinrich von Preußen käuf­lich erworben hatte. Sie wollte nach bem Bau eines <.v)iovlG,y;nc- sehen, bas sie dort für sich errichten ließ, um eine feite Wohn­stätte zu haben, unb richtete, um Goethe und des,en Mutter zu sehen, ihren Weg über Weimar unb Frankfurt. Am Lu. Auguft kam sic in Weimar an. Nach Tische war sie bei Goethe tni Gartenhause. Er führte sie nachmittags spazieren unb abends saßen sie im Gartenhause. Am anderen Vormittag fuhr der Dichter mit der schönen Frau nach Tiefurt. Und nachoem man sich gegen Abend im Belvedere erfreut hatte, reifte sie am nächsten Tage, an Goethes Geburtstage, weiter. Am 29. August schrieb Goethe m fein Tagebuch die vier Worte:Nachklang der scyvnen Gegenwart", und diese vier Worte besagen mehr als die drei ^ die er yvei Tage vorher an Charlotte v» Stein geschrieben

hatte, um ihrer Eifersucht vorzubeugen:Dw fchonc Frau wird mir heute den ganzen Tag wegnchmcil . . . . tote Ht immer chön, sehr schön, aber e5 ist immer, als wenn Sie, mein Liebstes, en.sernt sein müßten, wenn mich em anderes Wefen rühren fokk. Wir find sehr artig." .

Antonia v. Branconi zahlte um jene Zeit vierunbzwanzig Jahre, Goetlst vollendete eben sein 31. Lebeitsjahr. Beide waren lebig Goethes Herz war zwar nicht frei, aber sem Verhältnis zur Oberstallmeisterin v. Stein war doch nur als Freund!chast gemeint und durfte nichts anderes fein. "Sonnte nicht eine Liebe unb Ehe diese beiden vom Himmel |o reich begabten Menschen vereinigen? Goethe griff nicht zu, denn er mar kem Mann des rafchen Entschlusses, zumal wenn cs em Band auf Lebew.'zcit betraf. Aber er war wohl nahe daran, von Liebe unb Zu- fammenbleiben zu reden. .. _ w. , , 1Z,A

Als Frau v. Branconi m Frankfurt bie Frau Am besuchte, um ihr von ihrem Sohne zu erzählen, gab man ihr bort einen Brief von Goethe, unb gar viel Zuneigung unb Verlangen konnte sie zwischen den Zeilen lesen. Der Brief war vom Dichter an fernem Geburtstag geschrieben, sogleich naa? ihrer Abfahrt:

In meiner Eltern Haus komme ich Ihnen nut einem Gruß entgegen: auf benen Schwellen, wo ich in meinem Leben mit so tausenbsach veränderten Empfindungen hin und wieder gegangen bin. Seien Sie recht willkoinmen und nehmen Sie ben schönsten Tank für die paar Tage, die Sie uns gegönnt haben!

Erst jetzt spür' ich, daß Sie da waren, rote man erst den Wein spürt, wenn er eine Weile hinunter ist. In Ihrer Gegenwart wünscht man sich rcid?er an Augen, Ohren und Geist um nur sehen und glaubwürdig und begreiflich finden zu können, daß es dem Himmel nach so viel DerungLudtcn Versuchen auch einmal gefallen unb geglückt hat, etwas ^hres- alcicheu zu niacfcn. Ich müßte in diesen anscheinenden Hyperbeln, die doch nur pur-platte Prosa sind, fort und sortfahreri, um Ihnen zu sagen, was Sic zurückgelassen haben. Und wett stch doch auch Das, wie man zu sagen pflegt, nicht schickt, io muß im herüber abbrecheu und das Beste für mich behalten. . . .

Meine Mutter schreibt mir gewiß gleich: lagen Sw ihr etwas für mich! Sie wißen ja so Sckfönes, unb das ^ayone So schön zu sagen, daß es einem immer wie in der Sonne wohl wird, wenn man sich's gleich nicht träumen läßt, daß sie um unsertwillen fdjeint. . or ,

Das Versprochene ist bestellt und zum ^ m der Arbeit, di Vossignoria t t t t issima . ,

il servo f f t T issimo

Weimar, 28. August 1780. Goethe.

Ich überlasse Ihrer grüneren Kenntnis der italienischen Sprache, statt der Kreuze die schicklichsten Eptthets einzu,ctzen. ts,e> paßt eine ganze Litanri hineinl"

Stadttheater

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Nr. 250 Erstes Blatt 158. Jahrgang Freitag 23. Oktober 1808'

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