Ausgabe 
21.2.1908 Drittes Blatt
 
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Vie große Landwirtschaflrwoche.

Tagung bet Deutschen Landwirtschastsgesellschast Die Vereinigung Deutscher Schweinezüchter Ter Verein der Stärke-Interessenten Deutschlands Der Verein zur Förderung der Moorknltur im Deutschen Reiche.)

S. u. H. Berlin, 19. Febr.

An die Heerschau des Bundes der Landwirte schließen sich alljährlich die Ausschuß-, Abteilungs- und Hauptversammlungen der verschiedenen großen landwirtschaftlichen Vereine Deutschlands, an deren Spitze die Deutjchc LandWirtschafts-Gesellschast unter dem Vorsitz des Herzogs Albrecht von Württemberg steht. Vertritt der Bund der Landwirte in erster Linie die politisck>en Interessen der deutschen Landwirtschaft, so hat sich die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft ausschließlich auf die wirtschaftliche In­teressenvertretung gelegt. Ihre Mitglicderzahl ist int letzten Jahre auf über 16 000 gestiegen und sie repräsentiert somit die größte landwirtschaftliche Interessen-Vertretung Europas überhaupt. Nachdem bereits in beit Vortagen die Abteilungen für Saatzucht, Klima- und Wetterkunde, Pferde- und .Rinderzucht, Milchwirt­schaft, Fütterungswesen, Geflügelzucht, Flachsbau u. a. m. getagt hatten, begannen mit dem heutigen Tage die Hauptversammlungen einer Reihe allgemein interessierender Körperschaften. So trat heute früh im Architektenhause die Mitglieder-Versammlung der

Vereinigung dcutscherSchweine züchtet in Anwesenheit Ides Staatsministers Exz. v. Podöielski, der leb­haft begrüßt wurde, zusammen.

Der Mitgliederstand beträgt zurzeit 1110. Sehr gut bewährt hat sich in dem fünfvierteljährigen Bestehen die Schwcinemeisler- fchnle. Alle Besitzer, deren Schweinemeister die Schule besucht, haben ihre allgemeine Zufriedenheit ausgesprochen. Es folgte ein Referat des Schlachthof-Direktors Dr. Neumann (Ham­burg) scher

Fragen der Fleischvcrsorgung Deicksthlands unter besonderer Berüasichtigung der Schweinepro- tyuftivn. Er teilte einleitend die Zahl der Schlachtungen im Jahre 1904 mit. Es wurden geschlachtet: gewerbsmäßig, Rind­vieh 3,3 Mill., Kälber 4,3, Schafe 2,3, Schweine 15,1 Millionen E-türf. In Haushaltungen: Rindvieh 89 000, Kälber 82 000, Strafe 628 000, Schweine 5 900000 Stück.

Der Referent kam zu dem Schluß, daß der pro Kopf der Bevölkerung berechnete F lei sch ko itsumzu niedrig angenominen und sich in Wirklichkeit viel höher stelle. Sodann fam er zu den Klagen dere Schlächtermeister, daß das auf den Markt gebrachte Vieh nicht fest genug sei. Es würde heute zitviclFetterzielt und Fett habe heute keinen großen Markt- wert. Das mag zum Teil an der großen Einfuhr amerikanischen Fettes liegen. Amerika führe alljährlich über eine Million Doppel­zentner Schmalz ein. Der Referent erörterte dann eingehend die Fütterungsfrage und die gemachten Versuche. _ zeigte minderwertige russische Gerste, die in großer Menge zu uns kommt, und die sich gor nicht zur Fütterung eignet. Sehr wichtig sei, daß die Tiere auch genügend Bewegung während der Mast haben. Gut und sachgemäß gefütterte Schweine haben natür­lich große Nachfrage und erzielen bessere Preise. Nun solle man aber nicht denken, daß bisher nur minderwertiges Vieh auf den Markt käme. Es käme auch jetzt schon gutes Vieh zum Ver­kauf. Den Beweis hierfür gebe unsere blühende Fleischwarcn- Jndustric. Im Jahre 1904 betrug die Ausfuhr von Schweine­schinken 13 900 Toppelzentiter und von Wurstwaren 6000 Doppel­zentner. Ter Vortrag wurde mit lebhaftem Beifall ausge­nommen, eine Besprechung fand nicht statt.

Der Verein zur Förderung der Moorkultur im deutschen Reiche

beging sein 25 jähriges Jubiläum und leitete deshalb seine gestrige 26. Mitgliederoersammlung mit einer Festsitzung ein.

Nachdem die verschiedenen Vertreter der Regierung und Korporationen ihre Glückwünsche dargebracht, hielt der Geh. Ober­regierungsrat Tr. Fleischer den Festvortrag: 25 Jahre Ver- einstätigkeit auf dem Gebiete des Mworwesens. Ter Redner gab eine Schilderung der bisherigen Erfahrungen in der 25- jährigen Tätigkeit. Früher habe man an die Moordammkultur große Hoffnungen gesetzt, heute stehe man auf dem Standpunkt, daß die Hauptaufgabe sei, die Moore für Wiesen zu kul­tivieren. Zwar werte auch heute noch Ackerland kultiviert, die vornehmste Aufgabe bleibe aver die Gewinnung von Wiesen und Weideland. Tie weiteren Vorträge betrafen: Ackerkultur und Moorboden, die neueren Erfolge der Hochmoore, Wiesen- und Weidenkultur uitd ihr Einfluß auf die Hochmoorbesiedelung,

süddeutsche und norddeutsche Moorkultur', Fvrstkultur und Jagd auf dem Moor, Gärtnerei auf dem Moor. In der heutigen Sitzung sprach zunächst Dr. Bersch (Wien) über: Eignung desTorfeszuFeuerungsz wecken. Der zweite Vortrag von Tr. Wolff (Magdeburg-Buckau) betraf den augenblicklichen Stand der industriellen Verwertung des Torfes als Brennmaterial. Ter Vortragende führte aus: Wir haben in Deutschland ca. 29 000 Quadratkilometer Moor, eine Fläche von 170 Kilometer Länge und Breite. Tas sind 5 Prozent un­seres gesamten Ackerlandes, oder ungefähr soviel, als wir in Deutschland Karto ffelacker haben. Dieses Kar­toffelland bringt jährlich ca. 900 Millionen Zentner Ertrag, den Zentner nur zu 1 Mk. gerechnet, ergibt dies einen Betrag von nahezu einer Milliarde Mark. Wenn nun auch nicht alles Kar­toffelland werde, was aus der Kültur der Moore gewonnen werde, so könne doch die Berechnung als eine Unterlage für deit Wert der Moore dienen. Der Redner ging dann auf die Verwertung des Moores über und erörterte die Herstellung von Torfbriketts, die Torftrocknung, die Torfverkohlung und Torfvergasung. Um 3 Uhr waren die Vcrhandlungsgegenstände erschöpft und Frhr. v. Wangenheim schloß die Tagung mit dem Wunsche, daß die nächsten 25 Jahre dem Vereine vollen Erfolg und die Er­füllung des bisher Erstrebten bringen mögen.

25jährige Jubelfeier des Vereins der Stärke- Interessenten Deutschlands.

Ter Veretn der Stärkeinteressenten in Deutschland feierte heute durch eine Festversammlung im grogm Hörsaale des In­stituts für Gärungsgcwerbe die Feier seines 25 jährigen Ju- bckäums. Exz. v. Graß sprach namens des Vereins der Spiritusfabrikanten. Er erinnerte daran, daß das Verhältnis zwischen dem Verein der Spiritusfabrikanten und dem Verein der Stärkeinteressenten eigentlich ein geschwisterliches sei. Prof. Zuntz, Rektor der landwirtschaftlichen Hochschule, stellte der wei­teren Entwicklung der Stärkeindusttie eine äußerst g ü n st i g e Prognose, denn die Aenderung der Anschauungen der Physio­logen über die für die Ernährung notwendigen Eiweißkörper habe Umwälzungen in der Bedeutung der Kartoffel als Nahrungsmittel zur Folge gehabt. Namens des deutschen Landwirtschastsrates brachte v. Gade die Glückwünsche für das weitere Gedeihen des Vereins für Stärwinteressenten zum Aus­druck. In kernigenWorten wies Redner darauf hin, wie not­wendig das Zusammenarbeiten von Landwirtschaft und Industrie sei. Hierauf hielt Prof. Dr. E. Parow seinen Festvortrag. Er gab einen Rückblick auf die Wegstrecke, die der Verein in den 25 Jahren seines Bestehens zurückgelegt habe. Vor 25 Jah­ren unter dem Vorsitz eines Landwirts wie Schulzendorf unb eines wissenschaftlichen Forschers wie Delbrück begründet, habe der Verein in dem Vierteljahrhundert seines Bestehens eine' glänzende Karriere gemacht. Während früher über dick Stärke- subrttätion allgemein Unklarheit herrschte, und Geheimnistuerei lgetricben wurde, habe der Verein durch seine jährlichen Haupt­versammlungen dafür gesorgt, daß die Erfahrungen unter den einzelnen Betrieben zum Austausch gelangen. Besondere Verdienste um die wissenschaftliche Ausforschung der Stärke-Industrie habe sich der leider all zu früh verstorbene Prof. Oskar Saare er­worben. Tie beiden Namen Delbrück und Saare werden immer nvit der Geschichte der Stärkeindustrie verknüpft sein. Der Vor­tragende wies ferner auf die Worte des deutschen Kaisers hin: Seht mal, was doch alles in der Kartoffel steckt" und erinnert an die großartige Entwicklung der Industrie der Kartoffeltrock­nung, an der die Stärke in tevessenten besonderen Anteil genommen hätten. Ferner wies der Vorttagende auf die Bedeutung des Stärkesirups hin, dessen allgemeine Verbreitung in der Er- nähruttgsmittcl-Jndustrie gesichert werden müßte. Durch genaue Untersuchung wurde festgestellt, daß sowohl in den englischen Marmeladen als auch in den feinen holländischen Likören Stärkesirup enthalten sei, daß Stärkesirup zu deren Fabrikation verwendet würde unb daß diese feinen Genuß­mittel gerade dem Stärkesirup ihren Wohlgeschmack verdanken. Tie Qualität der Stärkefabrikate hat sich im Laufe der letzten 25 Jahre kolossal gehoben. Tic deutschen Fabrikanten nehmen heute auf dem Weltmärkte die erste Stelle ein. Ter Kämpf um die Anerkennmtg des Stärkesirups in der Ernährungsmittel- Jndustric sei noch nicht beendet aber es liegen bereits An­zeichen vor, daß der Kämpf glücklich zu Gunsten des Stärkesirup zu Ende geführt werde, -r- Als letzter Redner sprach Tr. W. Bohrend über die wirtschaftliche Entwicklung der ^Stärke-In­dustrie in den 25 Jahren, Nachmittags fand im Hotel Adlon ein Festessen statt.

Das beleidigteK a i s e r - C a f ö". In Sachen der Kaiserkeller-A.-G." gegen den Schriftsteller Robert Saudek aH Verfasser des RomansDämon Berlin" und beit Verleger dieses Werkes, Hermann E h b o ck, fand gestern Termin vor dem Land­gericht III statt. Es handelt sich darum, daß in dem genannten Roman dasKaiser-Caiö" namentlich genannt und mit wenigen Worten dasselbe in einer Weise geschildert wurde, durch die sich die Besitzerin beleidigt und materiell geschädigt fühlte. Tie Zivik- kammer stellte sich auf den Standpunkt, daß em Wahrheitsbeweis in dem Umfange der in dem Roman ausgestellten Behauptung nicht zu erbringen sei und die Beweisaufnahme daher zu feinem Ergeb­nis führen würde. Ter Beklagte Saudek erklärte, daß er als Schriftsteller kein künstlerisches Interesse daran habe, in seinem Buche ausdrücklich auf Nennung desKaiser-Cafes" zu bestehen, Es wurde daher ein binnen 14 Tagen widerruflicher Vergleich geschlossen, auf Grund dessen das WortKaiser-Cafe" durch die Worteein Cast" ersetzt werden soll. Auf weitere Ansprüche ver­zichtete die Klägerin; der Beklagte übernahm die Kosten des Ver­fahrens.

WiebautderLand wirtpraktisch und billig? Handbuch für Ausführung und Unterhaltung landwirtschaftlicher Bauwerke aller Att von Rudolf Preuß, Maurer- und Zimmer- mcister. Landwirtschaftliche Baustelle, gerichtlich vereidigter Sach­verständiger für Bau- und Ziegeleiwesen, Breslau, 4 Bände. Ueber 1000 Abbildungen. Verlag derDeutschen Tageszeitung", Druckerei und Verlag Akticnges., Berlin SW., 1907. Da die Ver­zinsung des Gebäudekapitals im landwirtsch. Betriebe aus dem Reinertrag bestritten werden muß, wird der letztere durch jeden unnötigen Neubau oder durch zu teures Bauwerk stark beeinträch­tigt. Billiges und praktisches Bauen und eine zweckinäßige Unter­haltung aller baulichen Anlagen, die einen wesentlichen Teil des gesamten Gutswertcs ausmachen, sind daher für den Landwirt gleichbedeutend mit einer Erhöhung des Reinertrages. Ein Rat­geber in allen das landw. Bauwesen betreffenden Fragen ist aus diesem Grunde für jeden Landwirt unentbehrlich. Einen solchen bietet Preuß in der zweiten Auflage des Buches: Wie baut der Landwirt praktisch und billig? aus jahrzehntelmiger praktischer Erfahrung heraus. Ter Verfasser kennt aus seiner Tätigkeit als Baumeister und Sachverständiger in landwirtsch.-bantechnischen Angelegenheiten die Anforderungen der Praxis bei allen in Frage kommenden Bauwerken bis ins kleinste und weiß stets das Zweck­mäßige mit beut Einfachen, das dabei doch nicht zur kahlen Schmuck­losigkeit wird, zu verbinden. Wer gezwungen ist, einen Neubau zu errichten, sei es ein Wohn- oder Arbeiterhaus, ein Stall ober eine Scheuer, eine Brennerei oder Ziegelei, der findet über jedes einzelne dieser Gebäude eine große Anzahl praktisch fe» währter Musterentwürfe und Voranschläge nach modernen Grund­sätzen. Die detaillierten Voranschläge können unter Einsetzung örtlicher Preise ohne weitläufige Umrechnungen Won dem Landwirt als Anhalt für die entstehenden Baukosten benutzt werden. Auch der Bau von Tüngerstätten, Eishäusern, Eismieten, Brücken unb Schuppen findet unter Anwendung erklärender Bauzeichnungen eingehende Berücksichtigung bei möglichst geringem Kostenauf-- tränte. Besonderen Wert hat der Verfasser auf die Instand­haltung und den Umbau der landw. Gebäude gelegt. Wie wichtig ist es, die bewährten Maßnahmen für die Instandhaltung der Fundamente und Fußböden, der Decken und Tachkonstruktionen, ter Brunnen und Wasserleitungen, der Düngerstätten und Jauche- gruben, sowie der Wege und Brücken kennen zu lernen, um durch ihre Anwendung "teuren Reparaturen oder dem vorzeitigen Verfall jener baulichen Anlagen mit geringen Kosten Vorbeugen zu können. Ter reiche Inhalt des Buches, der in der 2. Auflage, mit 1000 Abbildungen geschmückt, nach den neuesten Erfahrungen von tem Verfasser umgearbeitet wurde, gliedert sich in 4 Teile, deren jeder als ein in sich abgeschlossenes Ganzes angeseheit werten kann und für sich abgegeben wird. Erster Band: 1. Teil: Ter Bau üüer Stallungen. 2. Teil: Der Bau von Düngerstätten. Zweiter Band: 1. Teil: Der Scheunenq und Speicherbau. 2. Teil: Ziegelei als landwirtschaftliches Neben- getoerbe. 3. Teil: Der Bau von Eishäusern und Eismietenr Dritter Band: 1. Teil: Ter Bau von Beamten- und Herr­schastshäusern. 2. Teil: Der Bau von Arbeiter Häusern. Vierter Band: 1. Teil: Unterhaltung landwirtschaftlicher Gebäude. 2. Teil: Ter Wege- und Brückenbau. 3. Teil: Brennerei-, Brauerei-, Molkerei-Anlagen, Geräte- und Wagenschuppen.

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