Ausgabe 
24.7.1908 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

W»«»nDli|itäti) »,13 V iinbet

1(1)

JW« at.1 Lb'e % -achtes bieje in Äw en. ®cW, Äderen i-1?01 «teil > leihnttnt ,|K H> en. MsMe \CÄJ °her ob £ s'.ch Erlichen S? .'le ,Mn h?11!* 8|g?e stl

nb M CI taqli* Wl

54roeinemattt ^""'del ging «chi ccttet, ban dix jette > wodurch das ®e* in pro Paar ftetiel 211 alt 55-65 M, Meine 110-130 SDK* für 57-58 Mk, der Etage am 4, und nnarh.

achlmark!. Durch, iauischer) 17,40 311t cste 11,001'iL, h^r eue, 10,50 M.

jungen

tw -

w> rnr

üebeu an, ivie viel von ansiväris «ach

=a

Wetter

L____

1 I Sonnenschr

2 \ Klarer Himr:

2 i Sonnenschein

= + 18,96 C. = 4-12,6° C.

undGerichts":

eriente

>r Bank für Handel

1 1.15 Uhr. ihmeyer. ihuckert .

, 117.30 . 106.75 . 194.75

. 122.30

. . 229.40

136.00

. . 170.40 . 136.70

' _193.SC

. . 89.60

Koniinandit Bank . - eu .. . und Ohio- hu

Bergwerk ieu Bergwerk . W-

Bergwerk. . -

ü: ' m Eiseu-Indostrie »- .audelsgei . er Bank . Bank . iiat Bank

ahn . ' Eisenbahn taaUbahn - ^.Eisenbahn

2230 14750 120.00

196#

23J0

92.00

146.9)

^nlangskurse. Bergwerk- n E-'b. - oyd ' e

Nr. 172

Der Siegener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich StetzenerFamtlienblätter; Koeimal wöchentl.Kreir-

an für den lireis Eietzen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land- wirtschaftliche Setkfragen Fernsprech Anschlüsse: für di« IHebattion 112, Verlag a. (iypebihon 51 Vdreüe dir Tepes chenr

Anzetger Gießen.

tnnuqm« von Anzeigen für die Tagesnummer bti oormUlägS 10 Uhr.

Erstes Blatt

158. Jahrgang

Freitag 24. Juli 1808

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhefsen

Rotationsdruck und Verlag der Srüh^ichen Untv.-Vuch- und Ztelndrnckerei. K. Lange. RedaMon. Lxpedttion und Druckerei: Schulftrahe 7.

vezugSpretsr monatlich 75Pf., viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- il Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch die Post Mk.2.mertel- jährl. au6t<tL Bestellg. ZeilenpreiS: lotet 15 Ps^ auswärts 20 Pfennig

Verantwortlich für den politischen Teil: L. Anderson; f. (yeuiöe- ron und ,tBcrmiict)tc5< P. Wlttko. für .Stadt u. Land" und.Gerichts- saal": 6. Heß; für den Anreigenteil: H. Beck.

Die heutige Nummer umsaht 10 Seiten.

Line exotische Gesandtschaft in Berlin.

Am 22. Juli ist in Berlin eine Sondcrgesandtschaft der Neger-Republik Liberia eingetrossen, die, aus den Vereinigten Staaten kommend, sich voraussichtlich einige Tage in der deutschen Reichshauptstadt aushaltcn wird, um mit den deutschen Handels- und Finanzkreisen in Fühlung zu treten und auch im Auswärtigen Amt vom Staatssekretär v. Schön empfangen zu werden. Sie besteht aus dein früheren Präsidenten der Republik Gibson, dem jetzigen Vizepräsidenten Dossen und dem Rechtsanwalt Dunbar, die mit ihrem Besuche in Berlin den Zweck verbinden, sich an Ort und Stelle lxrrüber zu informieren, wie die Handelsbe­ziehungen Liberias mit dem Deutschen Reiche für beide Teile gewinnbringender gestaltet werden könnten, und welche Vorteile eventl. das Auswärtige Amt bei einem Handelsabkommen der Republik Liberia einräumen würde, wenn die Republik dem deut­schen Handel nicht nur die bisherigen Häfen, sondern die ganze Mtifte und vor allem das im ganzen reiche, bis jetzt aber wenig entwickelte Hinterland freigäbe.

Ohne Zweifel wird die liberifche Sondergesandtsckwft in Berlin eine freundliche Aufnahme finden. Mag and) Liberia in seinen Ausfuhrprodukten wie Palmöl, Palmnüsse, Kaffee, Kautschuk und Elfenbein einigermaßen mit unseren Schutzgebieten konkurrieren, so wird dieser Nachteil doch dadurch ausgewogen, daß in Liberia und seinem Hinterlande unsere Industrie durch Einfuhr von Laumwoll-, Kurz- und Eisenwaren, sowie von Maschinen, an­scheinend ein recht lohnendes Absatzgebiet findet, vorausgesetzt, daß eS gelingt, die französische und englische Konkurrenz aus dem Felde zu schlagen. Deutsche Handelshäuser sind neben eng­lischen, französischen, holländischen und amerikanischen schon seit längeren Jabren in Liberia ansässig, auch laufen deutsche Dampfer regelmäßig Monrovia, Grand Bassa, Sinou und Kap Palmas an. Und wenn die Handelsbeziehungen zwischen dem deutschen Reich und Liberia nock) nicht besonders rege sind, so liegt das daran, daß Liberia bisher dem fremden- Handel mit Ausnahme der obigen Stiften flöhte verschlossen war, nnd daß es, um den heimischen Handel zu schützen und ihm allein das Hinterland als Absatz­gebiet vorztibehalten, nicht nur Einfuhrzölle, sondern auch Aus­fuhrzölle aus seine Produkte erhob. Hier bietet sich also deutscher Unternehmungslust und deutschem Gewerbefleiß noch Neuland, und hossentlid) führen die jetzigen Verhandlungen in Berlin dazu, mit Liberia zu einem für beide Teile gedeihlichem Abkommen zu gelangen

Unter diesem Gesichtspunkte dürste es nicht unmterenant fein, einmal einen Blick aus die Negerrepublik Liberia, ihre (Geschichte und ihre staatlichen Einrichtungen zu werfen. Das Gebiet, das iie an der Westküste Afrikas, der Psefferküste, einnimmt, umfaßt \'3 400 Quadratkilometer und zählt 1.5 Million Einwohner, alles Neger von denen etwa 18000 zivilisiert sind und christlichen Äestnntnissen angehörcn. Das Land steigt von der flachen ein­förmigen Stifte über einen von Mangroven bedeckten Sumpfgürtel von 8 bis 20 Kilometer Breite allmählich bis zum Konggebirge an und ist mit Ausnahme seines höchsten Teiles fruchtbar, wenn sich" auch bisher sein Anbau auf die notwendigsten Nahrungsmittel Manio! und Kartoffeln), sowie auf die Handelspflanzen (Kaffee, Palmen, stautschnk, Ingwer, Zuckerrohr- beschränkte. Auch wird in Liberia Gold gesunden. Da die Temperatur nur selten über 31 Grad Celsius steigt und das Fieber nicht tödlich verläuft, ist and) für den Europäer ein längerer Aufenthalt in Liberia, jumal in den mittleren Landstrichen, möglich. Erft durch euro­päische Arbeit wird es gelingen, das fruchtbare Land in durch- greifende Benutzung zu nehmen, die reichen Naturschätze zu heben Holzreichtum) und auch der Industrie dort Eingang zu ver- idyaifen. Die zahlreichen Flüsse (St. Paul, Little Bassa, (sinou, Cavalln usw.) würden für sie die zum Betriebe nötige Krast geben und nach Beseitigung der Stromschnellen und Freilegung dec jetzt verstopften Mündungen auch den Transport der Pro- )utte und Waren zum Meere ermöglichen.

Vielleicht nock; werkwürdiger, als die Entwickelungsiahrgkeit -Liberias in der Zukunft ist '"eine staatliche Vergangenheit. Zeigt .fie doch neben Haiti das einzige Beispiel daß auch der Neger unter gewissen Umständen staatsgrundend und -bildend wirken kann. Äenn Liberia verdankt seine Entstehung als Repu­blik dem 1816 in Washington begründeten Kolonisastonsverem, der zur Ansiedlung freier farbiger der Vereinigten Staaten im Mre 1821 einen östlich vom Kap Hesurado gelegenen Küsten­strich von den dorngen Negerhäiipttingen käuflich erwarb und dort 30 freie Negerfamilien ansiedelte. Durch weiteren Zuzug aus den Vereinigten Staaten uni» weitere Landeserweismngen vergrößerte sich diese Kolonie so ansehnlich, daß sie sich 1847 iiu einer selbständigen Republik Liberia erklären konnte und auch von den Mächten als solche anerkannt wurde. 1848 erfuhr sie durch das Gallinasgebiet, 1852 durch den Eassadistrikt, 18o7 durch Hinzutritt der ihr ähnlick-en Negerrepublik Marvland (ge­gründet 1834) und 1880 durch das Königreich Hedma einen weiteren Zuwachs. n. _ .

Man muß gestel-en, daß es die Neger von Liberia verstanden -laben, sich nnd) staatlich einzurichten. Wenigstens kann es als cm gutes Zeichen gelten, daß die Verfassung vom 26. ^ulr 184, bisher keiner Veränderung unterlag Nach ihr steht an der Spitze des Staatswesens ein Präsident (feit 1904 A. Barclay, der auf 2 Jahre gewählt wird, mit seinem Kabinett, dem die Exe­kutive aiwertraut ist. In die legislative Gewalt teilen nch em Senat mit 8 ^Mitgliedern, die auf 4 Jahre, und ein Reprnientanten- haus mit 13 Mitgliedern, die auf 2 Jahre gewählt werden. Die Einnahmen betragen 330 000, die Ausgaben 290 000 -Dollars, die Staatsschuld beziffert fick) auf 226 997 Pfund sterling und ivurde in der Hauptschuld seit 1871 in England kontrahiert. Zinsen sind für sie allerdings bisher nicht bezahlt worden, so daß die Befürchtung nahe liegt, England werde, falls die letzigen Ver- lyandlungen Liberias in Berlin ein Resultat ergeben, das ihm imangenehm ist, keinen Anstand nehmen, seine d)and aus Liberia zu legen, um sich für das angelaufene Zinsenkonl» bezahlt zu machen. Jrgendmclck>en Widerftand vermöchte Liberia trotz 1 einer allgemeinen Wehrpflicht und seiner Miliz von o Regimentern in solchem Falle natürlich nickst zu leisten. Bielleickst aber will es dieser britischen Intervention zuvorkommen und sich gegen sie in den Bereinigten Staaten und im Deutschen Reick) -öunbe^ genoffen sick-ern, vielleicht ist die liberische Londergeiandtick)ast bas Zeichen einer neuen Zeit für Liberia, indem sie eine *len-= derung des bisherigen sremdenfeindlickicn Regimes der Republit anbahnt und durch Oeffnung der Handelsschranken England den Vorwand nimmt,im Zeichen der Humanität" bemannet ein­zuschreiten. Tenn bisher hat die Republik hieraus ne gesetzten Hoffnungen doch insofern enttäuscht, als der Rassengeist der Reger die Europäer nidn nur vom (iberischen Bürgerrecht, sondern auch vom Jnneiih.iiidel ausschloß, und die NegerttÄghett e| nur zum kleinsten Teste verstand, die reichen Kulrurschätze Liberias dem Welthaichel zuzuführen.

Apolitische Tagesscharr.

Ter Konflikt der Niederlande mit Venezuela.

In der gestrigen Senatssitzung im Haag erklärte der Minister des Aeußeren auf eine an ihn gerichtete Frage, daß die Schwierigkeiten, die in den Beziehungen der Niederlaiide zu Venezuela heroorgetreten seien, durch ein persönliches Mißverständnis zwischen dem Präsidenten Castro lind dem niederländischen Gesandten in Curacao, auf den die Negierung volles Vertrauen setze, verursacht worden sei. Bisher sei keine Bestätigung der Nachricht von der Ausweisung des Gesandten eingegangen. Tie Regierung habe angefragt und werde vermutlich morgen Antwort er­halten. Trotzdem große materielle Interessen auf dem Spiele ständen, erwarte er, daß die Kammer die Ehre der Nation vor allen anderen Interessen betonen werde. Der Minister erklärte weiter, zwei niederländische Schiffskapitäne hätten Be­schwerde darüber geführt, daß sie auf offenem Meere zwischen Aruba und Curacao durch scharfe Schüsse gezwungen worden seien, der Küste zuzuwenden und eine Durchsuchung ihrer Schiffe zu dulden. Die Postsendungen seien aber nicht ge­öffnet worden.

Die revolutionäre Bewegung in der türkischen Armee

Aus Monastir wird gemeldet: Tie hiesige Garnison ist ganz jungtürkisch gesinnt. Sie bestndet sich im Besitz von 8 Bat­terien. Tas Kommando besteht aus vier Generalstabsoffizieren und zahlreichen Zivilbeamten. Doch sind wahrscheinlich diese nur die Organe einer obersten Geheimleitung, die ihren Sitz in Saloniki hat. Tas Attentat auf Osman Pascha wurde in einem Zimmer der Kaserne ausgestihrt. Aus Saloniki eingetroffene Reisende berichten, Hilmi Pascha sei infolge der Aufregungen erkrankt. Der Korpskommandant von Saloniki, wo die Offiziere Erregung zeigen, wage nicht aus dem Hause zu gehen. In Ilesküb soll die Meuterei bereits offen zum Aus­bruch gekommen sein. Laut Blättermeldungen soll ange­sichts der Vorgänge in der Türkei das russische Schwarze iOt eer-Ge sch wader Befehl erhalten haben, neuerdings sich in die türkischen Hafen zu begeben. In den Dardanellen würden sich einige Schiffe der englischen Mittelmeerflotte den ruiiiidieit Schiffen anschließen, um den englischen Untertanen - in den türkischen Häsen wirksamen Schutz angedeihen zu lassen. Ein Jrade des Sultans befiehlt, um die revolutionäre Be­wegung in der Armee zu beruhigen. Pensionserhöhung und regelmäßige Gehaltszahlung. In Smyrna sind aus Jenibazar, Tirak und Easfaba neue für Mazedonien be- timmtc Bataillone eingetroffen. Die meisten Soldaten laufen buchstäblich barfuß. Infolgedessen ordnete Tewsik Pascha össent- lickye Geldsammlungen zum Ankauf von Soldatenschuhen an.

Deutsches Reich.

Von der Nordlandsfahrt des Kaisers. Ein Telegramm vom 23. Juli aus Molde meldet: Gegen Mittag klärte sich das Wetter auf, so daß der Kaiser einen Spaziergang auf die Höhe bei Molde mit Tee im Freien unternehmen konnte. Ter Aufstieg war recht schwer, lohnte sich aber durch eine Aussicht auf sämtliche, meist mit Schnee bedeckten Berge. An Bord alles wohl.

DerStaats anzeig er" meldet: Der König ver­lieh dem Geschlecht derer von Beltheim aus Anlaß der Feier ihres 600jäyrigen Besitzes des Ritterguts Harbke das Präsentationsrecht für das Herrenhaus. Nach dem Reichsanzeiger" wurde dem Direktor im Reichspostamt Pressel anläßlich seines Uebertritts in den Ruhestand der Charakter als wirklicher Geheimer Rat mit dem Prä­dikat Exzellenz verliehen.

Aus der badischen Kammer. Die Budgetkom­mission der Zweiten Kammer hat 20000 Mk. für die Er- haltungdesOttoheinrichsbausinHeidelberg bewilligt, jedoch dem Plan der Regierung, das Schlop wiederherzustellen, widersprochen. Es solle und müsse aber alles geschehen, was die Erhaltung der Fassade des Bauwerks ermögliche. Die Regierung lehnte die Beantwortung der s o z i a l o e m o k r a t i s ch e n I n t e r p e l l a t i o n über die Elektrizitätssteuer ab, weil die Erörterungen über die Reichssinanzresorm noch schweben.

Das Münchener Gemeindekollegium hat gestern nach längerer Beratung einen Antrag angenommen, wonach künftighin städtische Lieferungen nur an jene Firmen vergeben rverden sollen, welche die Koalitionsfreiheit ihrer Angestellten, Arbeiter und Bediensteten in vollem Umfange wahren.

Der Ausschuß der bayerischen Kammer der Reichsräte hat die von der Abgeordnetenkammer be­schlossene wichtige Aufbesserung der Klasse 17 des Beamtengehaltsregulativ (Erhöhung der Quote von 3600 auf 3900 Mk.) abgelehnt, womit die Regie­rungsvorlage als angenommen gelten darf.

Prämien für L a st a u t o m o b i I c. Auch die baye­rische Armee-Verwaltung plant für die Herstellung kriegs­brauchbarer Lastautomobile Prämien zu gewähren und zwar 4000 Mk. als einmalige Prämie und 1OOO Mk. als mehr­malige Prämie.

Im Verkehr zwischen Deutschland und Ruß­land (mit Ausnahme von Finnland, bezüglich dessen eS bei den bestehenden Vorschriften verbleibt) können Pakete vom 1. August ab mit Nachnahme bis 800 Mk. (in Ruß­land 400 Rubel) belastet werden. Die Nachnahmepakete im Verkehr mit Rußland müssen frankiert werden, und zwar haben die Absender neben dem Porto für eine gleichartige Sendung ohne Nachnahme eine Nachnahmegebühr zu entrichten, die in Deutschland auf 5 Pfg. für' je 2 Mk. und jeden Teil von 2 Mk., mindestens 20 Pfg., festgesetzt ist. Der Betrag der Nachnahme ist vom Absender m der h rung des Aufgabegebiets, bei Paketen nach Rußland also in deutscher Reichswährung, anzugeben; die Marksummen sind außer in Zahlen auch m Buchstaben (mit

lateinischer Schrift) zu vermerken. Im Falle der Einlösung der Nachnahme wird dem Absender der von ihm angegebene Betrag ohne Abzug durch Postanweisung übersandt. Auf den Nachnahme-Postanweisungen B n ch li n g 8 n u m m e r n oder Kassenzeichen de§ Absenders ersichtlich zu machen, ist im Verkehr mit Rußland nicht angängig.

SlMsianO*.

Neue Krawalle in Welschtirol. In Trient kam es zu großen Krawallen zwischen LciUfrffcii Abiturienten und Italienern. 20 Deutsche wurden, als sie eine Abschiedskneipe abhielten, von 150 Welschen, die sich vor dem Gasthause an gesammelt hatten, beschimpft. Mehrer Italiener drangen in dos Lokal ein und beschimpften die Deutschen. Ein Polizeiaufgebot drängte die Italiener, die auf etwa 300 Mann angewachfen waren und die Garibaldi-Hymne fangen, zurück und nahmen mehrere Verhaftungen vor. Ter Lärm dauerte bis Mitternacht. In den oberen Klassen des Gymnasiums unterblieb die Zeugnis-Verteilung bis zur Beendigung der Untersuchung, die bereits eingeleitet wor­den ist.

Eine neue Expedition in 8 Benadir gebiet. Wie verlautet, plant die italienische Regierung eine^ Expedition gegen die Bimal im italienischen Benadirgebiet zur Sicherung des Ver­kehrs auf dem Flusse Uebi Seebeli, der von der Küste 30 bis 50 Kilometer entfernt und völlig in den Händen dieser wilden Völkerschaft ist. Tie Bimal metzelten im Jahre 1903 die Ex pedition Ceschhi nieder und sind dafür noch nicht bestraft.

Der deutsch-schweizerische Mehl streit. Nach einer Berliner Meldung derDicucn Züricher Zeitung ergaben sich auf der Berliner Konferenz zwischen deutschen und Schweizer Müllern solche Meinuiigsoerschiedenheiten, daß eine Verstän- digung alS unmöglich erscheine. _ '

König E d ua r d i n M a r i e n b a 0. Ter Standard erfährt, daß der König Don England während seines Aufenthalts in Marien- bad verschiedene Besuche von polilisck) hervorragenden Persönlich­keiten empfangen werde. Zunächst wird der österreichische Thron­folger Erzherzog Franz Ferdinand nach Marienbad kommen, um den JsMer Besuch) des Wnigs im Namen des Kaisers Fra n z Josef zu erwidern. Tann steht eine Audienz des französischen Ministerpräsidenten Elsnieneeau in Aussicht, der zur felbcn Zett wie der Stönig sich einer Karlsbader Kur- unterteilt. Auch der russische Ministerpräsident Stolypin werde Stömg Eudard seine Auswartung machen.

Keiiie Ei >im i schun g in die pe r sis che n W i r r en. Auf die dritte Frage LynchS im englischen Unter Hause, welche Schritte die englische Regierung in Gemeinschaft mit der russischen getan l-abe, um eine schleunige Beilegung der Differenzen zioischcn dem Schah und der konstiaitionellen Partei in Persien herbeizu- führen, antwortete Sir Edward Grey: Tie englische und die russische Regierung sind, bezüglich der Notwendigkeit, sich jeder gewaltsamen Einmischung in die inneren Angelegenheiten Perstens strikt zii enthalten, e i n e r Meinung.____

Die Einweihung

der Neubauten an der Technischen Hochschule.

R.-B. Dar m (labt, 23. Juli.

Tie feierliche Einweihung der 9leubaulen an der Technischen Hochschule sand Henle uorntiuag in Gegenwart des Großherzogs, des Staalsulinisters, des Aiunlters des Innern, der Ministerial-, Kreis- und Rommunalvertreier, sowie eines zahlreichen geladenen Pnblikiuns statt. Auch der preußische und der russische Gesandte, joivie die 'Mitglieder des Senats der LandeSuniversität Gießen und natürlich auch sämtliche Professoren, Lehrer und viele Studierende ivohuten dem feierlichen Akte bei; die verschiedenen Korporationen und Verbindungen waren durch Ehargierie m Wichs mit ihren Bannern vertreten. Ter Großherzog wurde bei seinem Eintritt m den großen Festsaal mit Fanfarenklangen begrüßt. Tie Feier be­gann mit einem von Arnold Mendelssohn kompomerteii Festgesang, den der verstärkte Akademische Ehor unler fDlufitbegleiUuig uorirug. Tie erste Ansprache hielt der Rektor der Technischen Hochschule, Pros. Dr. Walde, der dem Großherzog für sein Erscheinen herz­lich dankte uni) ihn und die Minister, sowie die übrigen Ehrengäste namens des Rekiorats willkommen hieß. Das große Geschenk, das heute der Techmscheii Hochschule überwiesen werde, sei ein neuer Beweis dasür wie hoch in Hessen Wissenschaft und Technik geschätzt werde. Ter Redner entwan dann ein Bild von der Entwickelung der Technischen Hochschule, die mm Dank der großen Opierwilligkeit der Regieriing, der Ständekammern und der Stadt Darmstadt ein so herrliches', großartiges Heim besitze. Professor W i ck o p sprach ebenfalls allen Gönnern, Förderern und 'Mitarbeitern sowie dem Vorsitzenden der Baukommission, Geheimen Bau-- rat Professor A. Koch, wärmsten Tank ans und gab dann eine längere Schilderung über den gewaltigen Gebäudekomplex, der jetzt nach Fertigstellung der Erweilervngsbauten über zwölf- tausend Quadratmeter Fläche bedeckt und 14 j e lö­st ä n d i g e Gebäude umfaßt. Minister des Innern Dr. Braun nahm dann das Wort und bemerkte, es sei auch für die Großh. Regierung ein erhebender Gedanke, das stolze Bauwerk fcrtiggeflellt zu sehen. Trotz der großen Opfer für die Landesuniversität habe die Regierung sich auch bereitwillig zu den kostspieligen Erweilerungs- bauten entschlossen, weit sie barm einen wichtigen Faktor zur Förderung der höchsten Rulhiraufgaben erblickt. Ter Minister warf dann einen Blick auf die gewaltige Entwicklung der technischen Wissenjchasten und deren Bedeniung für das Großherzogtum Hessen. Er schloß mit dem Wunsche, daß auch m die neuen Räume der- jelbe Geist der Eintracht und der Arbeilssreudigkett einziehen möge, die bisher in den alten Räumen geherrscht haben und daß auch in ihnen die technischen Wissenschaflen entc Pflegstätle finden möchten zum Wohle von Volk und Vaterland (leb. Beifall). Zum Schluß teilte der Minister mit, daß der Großherzog in dankbarer Aner­kennung ihrer Verdienye den Professoren W i ck o p und Putzer die Krone zum Ritterkreuz I. Klasse deS Verdienstordens Philipps des Großmütigen und dem Geh. Baurat Pros. Alexander K o ch das Ehrentreuz desselben Ordens, sowie dem Rektor Professor Walde den Charakter als Geheimer Baurat verliehen habe. Ten Reigen der Begrüßungen und Beglückwünjchungeil eröffnete Oberbürgermeister 1U o r n e ro e g, der namens der Residenz Darm­stadt der Hochschule zur Vollendung der Bauten herzlich gratulierte. Der Rektor der Landesunioersität Gießen Prof. Dr. Leist sprach tn humorvoller Weise der jüngeren Schwester namens der Landesuniversität herzliche Glückwünsche aus, wofür Rektor Walde der älteren, schon 3U0 jährigen Schwester Tank sagte. Für die sämtlichen Technischen Hochschulen des Teutschen Reiches sprach der Rektor der Technischen Hochschule zti Aachen, Geh. Re­gierungsrat Prof. Tr. Borchers, für dte Universität Heidelberg Prorektor Geh. Hofrat Prof. Tr. Jattineck, für die Akademie für Sozial- und Handelswissenfchaften zu Frankfurt, sowie die Handelshochschule zu Ptannheim, dem Physikalischen Verein und die Senckenderg'sche Naturforschende Gesellschaft der Rektor der