— Notari atSwe sen. S. K. H. der Großherzog haben den Notar mit dem Amtssitz in Mainz Geh. Justizrat Dr Karl Braden auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, in den Ruhestand versetzt und ihm daS Ehrenkreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigne verliehen.
* * Studentische Unterrichtskurse s ü r A r b e i t e r. Der Unterricht beginnt auf Wunsch einer großen Zahl von Teilnehmern in Zukunft erst um 8ya Uhr, dafür soll die Pause, die bisher zwischen die Unterrichtsstunden eingeschoben wurde, fortan in Wegfall kommen. Mr die Teilnehmer, die durch Dienst oder anderes verhindert luarcn, den Unterricht zu besuchen, ist es jetzt möglich geworden, am Donnerstag abend noch einen Wieder- holungskurs im Rechnen einzurichten. Dieser .Mrs soll derart gestaltet werden, daß auch Teilnehmer, die mehrfach fehler! mußten, hiev den ganzen Stofs, der unterdessen in den Haupt klassen durchgenommen worden ist, nachzuholen imstande sind. Der Unterricht im Deutscl-en ist schon bisher so angeordnet, daß Versäumnisse an einzelnen Tagen durch Hausarbeiten und durch den Besuch der Parallelknvsc (Montags und Dienstags) einigermaßen ausgeglichen werden können. Neue Anmeldungen können für diesen Sommer jetzt nickst mehr entgegcngenommen werden; doch wird, wer cs wünscht, schon jetzt für den Winter vorgcmerkt. — Bon besonderen ^Veranstaltungen steht zunächst die Führung durch die Antiken-Sämmlungen der Universität (nächsten Sonntag 11 Uhr) bevor, zu der Prof. Sauer gütigst eingeladen hat, sodann ein Besuch der Universitäts-Bibliothek, bei dem Oberbibliothckar Dr. Ebel der freundliche Führer lein wird, endlich werden Lehrer und Scküler sich Mitte Juli zu einem gemeinsamen Ausflug in zwangloser Weise zusammenfinden.
* * Aus dem Bureau des Stadttheaters. Operettengastspiel Fledermaus. Um alle Hauptpartien in Johann Strauß' klassischer Operette mit ersten Kräften zu besetzen, hat Direktor Steingoetter auch für den „Prinzen Orlofsky" einen Gast engagiert. Frl. Alma Mendorf, die Vertreterin des Prinzen im Frankfurter Opcrnhausc wird danach auch hier wie bei der Nauheimer Aufführung in vbiger Partie gastieren.
* * DaS Fest der Buchdrucker fand gestern durch eine gemütliche Nachfeier im Philosophenwald seinen würdigen Abschluß. Nach längerem zwanglosen Zusammensein begaben sich dann die Teilnehmer geschlossen nach ihrem Stammlokal, der Stadt Kassel, ihr Festinventar auf einem mit den Buchdruckerfarben geschmückten Wägelchen mit sich führend, das von zwei munteren Eselchen gezogen wurde.
** Kolosseum. Damen-Ringkümpfe. Resultat des 7. Tages. Frl. P h i l i ppi-Aachen besiegte Frl- Taban-Belgien 7 Min. 30 Sek. durch Hünenschwinig. Frl- Schönburg-Wien unterlag durch Schultevdrehprüf noch 8 Min. (15 Sek. der Ungarin Frl. Muranky. Sehr interessant gestaltete sich der letzte Kämpf zwischen Frl. Haag-StuUgart und Frl. Hanlon-Berlin, die bis zur Entscheidung kämpften. Siegerin blieb Frl. Hanlon -Berlin in einer Gesamtzeit von 49 Minuten durch Untergriff von der Wie die Direktion mitteilt, hat sie eine Standprämie von 1 Mk. pro Minute ausgesetzt für Damen, welche sich an diesem Sport beteiligen wollen.
"Der Kampf der Milchweiber. Auf unseren Rindviehmärkten finden sich stets eine größere Anzahl Frauen, ein, die den Handelsleuten damit einen Gefallen erweisen daß sie, sobald die Milchkühe an den Mann gebracht sind' die Tiere ausmelken. ES ist dies für die Frauen eine lohnende Beschäftigung, da ihnen für ihre Mühe die betreffende Milch überlassen wird, die sie dann zu Geld machen. Beim letzten Markt waren nun aus Konkurrenzneid mehrere der Milchweiber aneinander geraten, für beide Anfangenden hatten sich Verbündete gefunden, die tapfer in das Gefecht eingriffen, daS mitten im Marktgewühl heftig tobte und bei dent kühn die Milchzuber und Hocker als Waffen geschwungen wurden. Anfänglich sahen die Handelsleute dem Kampf bc« lustigt zu, als die Kämpferinnen aber zum Kleingefecht übergehen wollten und sich mit den Händen packten, da traten wohl ein Dutzend der Männer als Schiedsrichter zwischen den Kämpferinnen. Sie hatten aber ihre liebe Not, die Parteien auseinander zu bringen, die sich nach einem lebhaften
Grasen v. Bismarck-Bohlen und dein Kammerherrn v. Stülpnagel; und nicht zu vergessen, dem zierlichen weißen S e i d e n s p i tz Piccolo, der im weiteren Verlaus der Reise noch mancher Galahose gefährlich werden sollte. Die elegante, schlanke Erscheinung der Hohen Frau (blaues Seidenkleid mit blauer Federboa, weißer Glockenhut mit großer schlvarzer Feder) entsesselte, besonders bei der Damenwelt, sofort einen wahren Beifallssturm. Hundert Kehlen und Kehlcben schrieen Hurra, als sie an dem Spalier der Kapitäne vorbei Die Fallrepstreppe erstieg. An Bord empfing sie Kapitän Högemann init den Offizieren, und nachdem die übrigen Gaste im Gesellschaftszimmer vorgestellt waren, bestieg die Prinzessin mit Gefolge die hintere Kommandobrücke, um von hier aus die Ausfahrt aus dem Hafen anzusehen.
Langsam gingen wir durch die Schleuse; die Sonne lugte jetzt verstohlen durch die Wolken, und wirklich, heute sah Bremerhaven beinahe so aus, als lächle es im Sonntagskleide: Die zahllosen Wimpel der in Flaggenparade prangenden Schiffe, die bunte Menge, die die Ouais füllte, die allgemeine Feststimmung und vielleicht auch noch ein wenig die Wirkung des „bescheidenen Lunch" ließen einem die Weserstadt weniger prosaisch erscheinen, als sie sich sonst hem Alltagsauge zu präsentieren pflegt.
Bei weiter bedecktem Wetter und ruhiger See ging c5 zunächst au den Forts vorbei, auf denen die 3. Matrosen-Artillerie-Abteilung Aufstellung genommen hatte. Die Gäste setzten sich bei Kaffee und Zigarren im Rauchzimmer fest. Stach einer Stunde erschien I. K. H. wieder im weißen Uachtkostüm, mit weißer Mutze und großen! unter dem Kinn geknoteten Schleier. Unter Führung des Generaldirektors Wigand begann dann ein Rundaang durch die Kajütsräume. In der Messe begrüßte die Prinzessin die versammelten Offiziere und überreichte ihnen eine silberne Bowle.
Gegen 6 Uhr passierten wir Helgoland und um 7,8 sand sich eine festliche Versammlung in dem mit einem Wald von Blumen geschmückten Speisesaal zusammen. Der hohe Raum erstrahlte in einem Meer von Licht, die stilvolle Architektur kam ausgezeichnet zur Geltung, kein Schloß am Lande hätte eine würdigere Stätte bieten können. I. K. H. nahm gegenüber von Generaldirektor Wigand, zwischen Konsul Achelis und Bürgermeister Marcus Platz. Generaldirektor Wigand begrüßte den hohen Gast mit einer kurzen Ansprache und gedachte dabei der Bedeutung des Tages; genau vor 50 Jahren, am 19. Juli 1858, war der erste Lloyddampfer nach Nordamerika in See gegangen.
Der nächste Morgen war der Besichtigung der Wirtschaftsräume und der Maschine gewidmet. Trotz der mitunter schwierigen und nicht immer ganz reinlichen Passagen ließ es sich die Prinzessin nicht nehmen, auch bis in die Tiefen des Heizraumes hinabzusteigen.
Den Beschluß bildete am SarnStag morgen wieder ein „einfacher Lunch", und um 3 Uhr langte der Dampfer wieder, von einer festlichen Menge stürmisch begrüßt, auf der Weser an. Tie Prinzessin reifte unmittelbar nach der Landung nach Bremen weiter, und die an Bord Bleibenden behalten einige Stunden Zeit, um sich für die Strapazen des Abends auszurnhen: Man erwartet die Väter des Reiches, deren maritime Informationen um eine genaue Bekanntschaft mit der Küche des Lloyd erweitert werden fallen. Dr. A. Z.
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— Kleine K u n stchroni k. Im Frankfurter Kunstverein findet z. Zt. eine V. van Gogh-Ausstellung bis zum 28. Juni statt.
Feuergefechte mit gerade nicht sehr schmeichelhaften Worten nur mit Mühe beruhigen ließen. Die bereits von den Kämpferinnen vor Beginn der Schlacht angesammelte Milch war nun allerdings als KriegSkostenentschadigung auf dem Platz geblieben. In der KampfeShitze hatte man die Eimer umgestoßen.
*♦ Die Meisterprüfung Skomm iss io n für Oberhessen besteht in den nächsten 3 Jahren ans folgenden Herren:
Vor sitz ende«: Ludwig Traber Baumeister und Großh. Hauptlehvev.
Stellv. .Vorsitzender: Ludw. Huhn, Architekt und Stadtverordneter.
StändigeBeisitzer: Louis Petri II., We ißbinderme ister, Heinr. Keßler, Mauvnlneifter.
Weitere Beisitzer: Aus dem Bäckergewerbe: Peter Pfeiffer, August Deibel, Aus dem Bandagisten- und Messer- sckMiedegewerbe: Adam Reinig, Otto Heger. Aus dem Bildhauergewerbe: Jakob Atzbach, Karl Eugen Boll KU Friedberg. Aus dem Buchbindergewerbe: Adolf Bourgeois, Paul Richter. Ans dem Buchdvnckergewerbe: Albin Mein, Peter Muth, Bad Nauheim. .Aus den: Dachdeckergewerbe: Emil Noll, Heinrich Nuckstuhl. Aus dem Trehergewerbe: Kärl Schwan, Fr. Rap- polt, Nidda. Aus dem Feilenhauergewerbe: Andreas Müller, Heinrich Lehr zu Lollar. Aus dem Friseurgewerbe: Heinrich Tichy, Fr. Silenter. Aus dem Glasergewerbe: B. Bierau, Georg Luh. Aus dem Goldarbeitergewerbe: Kvrl Brück, Karl Noll. Aus dem Graveurgewerbe: Joh. Köhler, Karl Schwan. Ans dem Gürtler- und Bnrstenmachergewerbe: Johannes Leichtweis, Emil Weißbäcker. Aus dem Jnstallationsgewerbe: Rudolf Rö- diger, Georg Appel. Aus dem Konditorengewerbe: Ed. Lind, Heinrich Hettler. Aus dem Kürschnergcwerbe: August Kretzschmar, Georg Schultheis. Aus dem K'üfcrgewerbc: Georg Euler, Julius Wellhöscr. Aus dem Knpferschmiedegewerbe': Eduard Trautmann, Aßmus sen. zu Nidda. Aus dent Lackierevgewerbe: Georg Bellos, Karl Leib jun. Aus dem Lithographiegewerbe: Martin Loos, Ludwig Bramm. Uns dem Maurergewerbe: Marlin Adermann, Heinrich Winn. Ans dem Mechaniker- und Optikergewerbe: Wilh. Spörhase, Wilhelm Schmidt. Aps dem Metzgergewerbe: Jakob Braun, Fritz Schlörb. Aus dein Pflästerergeiverbe: Johannes Nickel, Johannes Hofmann. Aus dem Posamentiergewerbe: Louis Kattrein. Aus dem Sattlergewerbe: Karl Bender, Friedrich Groß. Aus dem Schlossergewerbe: Fr. Krogmann, Karl Krailing. Ltus dem Schmiedegewcrbe: Johs. Heß, Johs. Becker III. Aus dem Schneidergewerbe: Wilh. Heß, Jakob Schreiner. Aus dem Schorn- steinfegergewcrbe: Eduard Rupp, Schwenk, Lich. Aus dem Schreinergewerbe: Emil Beil sen., Rcuning sen., Nidda. Aus dem Schuhmachergewerbe: Karl Berg sen., Philipp Seipp. Aus dem Seilergewerbe: Valentin Brauer. Aus dem Spenglergewerbe : F. A. Faber, Rudolf Rödiger. Aus dem Steinmetzgewerbe: Jakob Atzbach, Martin Schwall. Aus dem Tapcziergewerbe: Johannes Klüikerfuß, August Oßmann. Ans dem Uhrmachergewerbe: Otto Schmidt, Heinrich Marr'. Aus dem Wagnergewerbe: Louis Faber, Heinrich Spies. Aus dem Weißbinder-, Maler- und Bau- Lackierergewerbe: Kvrl Neuling, Christoph Schmidt II. Aus dem Zimmerergcwerbc: Georg Schutzdecker, Aug. Helfenbein. (Wo nicht anders vermerkt ist, sind die betr. Herren aus Gießen.)
+ Dan bringen, 22. Juni. Hier wurde dieser Tage der Arbeiter Ludwig Roth verhaftet, der unter dem dringenden Verdacht steht, drei Einbruchsdiebstähle begangen zu haben. R. ist wegen Eigentumsvergehen vielfach vorbestraft, zuletzt mit 2 Jahren Gefängnis, die er im August vor. Js. verbüßt hatte.
W. Rockenberg, 21. Juni. Vergangene Woche kehrte der Pater Wolf, ein Sohn des früheren hiesigen, jetzt verstorbenen Bürgermeisters, nach hier zurück, um seine Geschwister, die hier zumteil, noch leben, zu besuchen. Er lvar sieben volle Jahre in der Mission in Togo tätig. Welche Anhänglichkeit an die Missions- arbcit der Herr besitzt, beweist zur Genüge der Umstand, daß er erst auf ausdrückliches Geheiß seiner Obern in Erholungsurlaub gegangen ist. Nächstes Frühjahr lvird er wieder nach Afrika in sein Mirkungsgebiet zurückkehren. — Beim Spielen fiel ein kleiner Knabe so unglücklich von einem Heuhaufen, daß er schwere Verletzungen — wohl auch innere — davontrug, und schwer daniederliegt. Die Hirnschale wurde durch den wuchtigen Aufschlag ge- svrengl. An feiner vollen Wiederherstellung trägt man ernste Bedenken.
s. Bad-Nauheim, 22. Juni. Gestern erfreute uns der E v. K i r d) c » g c f a n g o e r e i n aus Gießen unter Mitwirkung der Knabenchorfchule durch ein schönes K i r ch e n k o n z e r't. Unsere herrliche neue Dankeskirche, die gestern ihren Kirchweihtag beging, war von andächtigen Zuhörern, meist Kurgästen, ganz gefüllt. Es war aber aud) ein hoher Genuß, der uns geboten wurde. Zuerst die schöne E^oralkantate von Max Reger: „Meinen Jesnm laß ich nicht," mit Begleitung von Solovioline, Solobratsche und Orgel, die durch ihre reizvolle Szenenführung und die Kraft ihrer Harinonien stellenweisc an Back) erinnert. Besonders der letzte Satz, als die frisck)en Knabenstimmen einsetzten, war geradezu überwältigend. Ganz entzückend aber ist die Begleitung der Streichinstrumente, die mit so süßen wohllautenden Tönen über dem Harmonieren des Chors schwebt. Es war aber aud) eine Lust, wie rein und mächtig die Töne den Instrumenten ent- ftromten. Der alte I. Haydn mit seinen „Sieben Worten des Erlösers am Kreuz," die bann zu Gehör tarnen, mutet einem als Kirchenmusiker ja etwas fremdartig an, und so recht marin wird man hierin nicht. Aber feine melodiöse Musik ist es doch, besonders iöenn sie so schön vorgetragcn wird, wie wir es gestern hören durften. Besonders eigenartig war die Begleitung durch Flügel und Orgel, etwas, was wir sonst noch nie gehört hatten. Die Art, wie beide Instrumente, trotzdem sie auf zwei Empor- bühuen wirkten, untereinander, und wiederum mit dem Chor zu- sammenwirtten, war eine ganz erstaunliche Leistung, die in erster dinie dem Leiter des Chors, Herrn Professor Trautmann, der zugleich den Chor dirigierte und ihn auf dem Flügel begleitete, zu hoher Ehre gereicht, nicht minder aber auch dem ver- tändnisvoll seinen Absichten folgenden Organisten, Herrn O. G ö r I a ch. Auch die Chöre selbst kamen mit gutem Einsatz, rein und vollantend zur Geltung und legten Zeugnis von der trefflichen Sdiulung und dem hingebenden Eifer der Mitglieder ab. Der Evangelische Kirchengesangverein durste das Bewußtsein mit- nehmen, daß er sich vielen herzlichen Dank erworben hat.
m. Friedberg, 22. Juni. Bureaugehilfe Otto Kersting von hier, 15 Jahre alt, groß und kräftig, wird eit dein 12. Juni nachmittags vermißt. Er war bekleidet mit braunkarrierter Hose und Weste, gleichfarbigem Lüfterrock und trägt weißen Htrohhut mit schwarzem Bande, schwarz- lederne Schnürschuhe, weißen Stehkragen und lange hellgraue Kravatte. Da ein Grund, Selbstmord zu verüben, für den Jungen nicht vorlag, ist der Gedanke naheliegend, daß ein Verbrechen an ihm verübt wurde. Es wird gebeten, etwaige Anhaltspunkte über den Verbleib des Vermißten der Polizeiverwaltung hier mitzuteilen.
+ AlSfe ld, 20. Juni. Am 15. Juli wird hier ein Zuchtviehmarkt für Simmentaler Rindvieh, Deutsche Edelschweine und Saaner Ziegen abgehalten. Aufgetrieben werden nur Herdbuchtiere. Marktordnung und Markt- verzcichniö versendet auf Wunsch vom 5. Juli ab der Land- wirtschaftskammer-Ausschuß zu Alsfeld.
+ Ober-S org bei Alsfeld, 22. Juni. Nachdem in vielen Orten der Umgegend die FeldbereinigungS-Arbeiten, zum Teil schon seit einer Reihe von Jahren, auSgeführt sind, hat sich auch unsere Gemeinde dazu entschlossen. Freitag den 26. l. Rtts. soll in der Schnell'schen Gastwirtschaft eine Grundeigentümer-Versammlung tagen, um über die Aufbringung der Kosten zu beraten und etwaige Wünsche oder Anträge vorzubringen.
— Nidda, 19. Juni. Die Nachricht, daß sowohl Hof. rat Rothschild als Notar Link, nachdem sie mit ihren be- trügerischen Manipulationen so zahlreiche Leute geschädigt, teilweise für da§ ganze Leben geschädigt haben, auf ihren Geisteszustand untersucht werden, hat dem Publikum zu denken gegeben, als man glauben möchte. Tdtsache ist die Schädigung der Mitmenschen. Eine bekannte Regel lautet aber: Besser verhüten als strafen. Somit liegt die Frage nahe, ob man nicht gesetzlich festsetzen soll, daß Leute, die einen solchen Vertrauensposten einnehmen, auf dem ihnen Hab und Gut der Mitmenschen in hohem Maße anvertraut wird, vor Einsetzen in die Stelle auf ihren Geisteszustand hin beobachtet werden, damit dann wenigstens der Schaden verhütet wird. Ueberhaupt dürfte e§, wenn dann dem Einfluß des Geisteszustandes auf die Handlungen ein so großes Gewicht beigelegt werden soll, am besten sein, jeden Menschen in einem gewissen Alter einer Beobachtung zu unterziehen, wie man jeden zwingt, sich impfen zu lassen —, dann wäre doch gleiches Los für Alle vorhanden.
s. Wetzlar, 22. Juni. Auf Grund der Verfügung der Regierung zu Coblenz beginnen heute für sämtliche La.ndschulen des KreiseS Wetzlar die 14tägigen Sommerferien. Sie kommen unseren Landlenten höd)st gelegen, denn überall ist die Heuernte fleißig im Gang, bei der sich die Kinder so recht nützlich machen können. Dazu häufen sich jetzt überall die Feldarbeiten; es gilt, das Gemüse auszupflanzen und die Kartoffeln zu behäufeln, wobei die Kinder gleichfalls gar manche Handreichung tun können. Die Witterung ist für die Feldarbeiten überaus günstig und überall auf Feld und Wiese regen sich tausend fleißige Hände.
A Braunfels, 22. Juni. In das Solrnser Stiftsgebäude zu St. Georgen ist von außeü ein Typhus fall eingeschleppt worden, der zu einigen anderen Erkrankungen Llnlaß gab. Die Kranken wurden sofort nach Gießen gebracht, während die Gesunden so lange in einer Doecker- schen Baracke wohnen sollen, bis das Solrnser Stiftsgebäude desinfiziert und hergestellt ist.
h. H o m b u r g v. d. H., 22. Juni. Ein Meyerscher Probe- automobilwagen verunglückte heute mittag auf der Fahrt von der Saalburg nad) Dornholzhausen. . Von den drei Insassen erhielt einer einen Oberschenkelbruch und der zweite eine Armverletzung, während der dritte mit Hautabschürfungen davonkam.
sd. Darmstadt, 19. Juni. Wegen eines Raubanfalles halle sich dieser Tage der Muskciier Wilhelm Gebhardt ans Ein- yardtshausen voin Jnf.-Regt. Nr. 116 zu verantworten. Er war auf Ostern von seiner Garnison Gießen nach Offenbach, wo seine Eltern wohnen beurlaubt worden. Tort fiel er in der Nacht zwischen 12 und 1 Uhr gemeinsam mit seinem Bruder über den Schirmhändler Müller in der Sandgasse her. Sie schlugen auf Müller ein, wobei der Bruder versuchte ihrem Opfer das Portemonnaie aus der Hosentasche zu reißen, es gelang aber nicht. Sie gingen durch, als Nt. laut um Hilfe schrie. G. wird nun wegen gemeinschaftlichen Körperverletzung verurteilt, und da er außerdem einige Tage später seinen Urlaub um 2 Tage überschritt und dabei seinen Vater bedrohte, erhält er eine Gesamtstrafe von 6 Monaten Gefängnis.. — Der Dragoner H. Bohl ans Schlitz von dem Drag.-Rgt. Nr. 22 hatte im Mannschaftszimmer eine Uhr gesunden. Man entdeckte sie nach vielen Wochen bei ihm. Er erhielt wegen Kameradendiebstahls 3 Wochen strengen Arrest.
sd. Darmstadt, 21. Juni. Der Dragoner Joh. Bornträger der 3. Eskadron Drg.-Rgt. 23 aus Steinfurth (Oberh.) hat mit einem Schlüssel, den er im Zimmer sand, ein Spind geöffnet und daraus die Uhr mit Gehäuse eines Kameraden entwendet. Er wird vom Kriegsgericht zu vier Wochen strengem Arrest verurteilt. — Wegen Fälschung einer öffentlichen Urkunde wurde ber^ Musketier Paul Possel - mann aus Mainz von der 3. Kompagnie Infanterie-Regiment 116 zu neun Tagen Gefängnis verurteilt. Er war nad) Mainz beurlaubt, wollte aber länger bleiben, und fälschte dementsprechend seinen Urlaubspaß; er wurde am andern Tag durch einen Schutzmann festgenommen und zurückgcbracht. — Eine sozialdemokratische Versammlung in Frankfurt a. M. hat der Musketier Jak. Wagner von der 5. Komp. Jnf.-Regt. 118 gelegentlich eines Urlaubs in Uniform besucht. Er wurde daselbst von einem Schutzmann festgenommen und erhält heute wegen Ungehorsams, aus dem ein wesentlicher Nachteil entstehen konnte, sowie Belügens eines Vorgesetzten 22 Tage ftrengen Arrest. — Wegen Mißhandlung Untergebener hat sich der Vizefeldwebel I. G. von der 9. Komp. Jnf.-Regt. 117 zu verantworten. Er hat einen Gefreiten in unberechtigter Weise gestoßen, so daß dieser hinfiel und fid> verletzte. Der Angeklagte erhält acht Tage gelinden Arrest.
II M arbnrg, 19. Juni. Recht unvorsichtig benahm sich der Gemeinderechner und Landwirt Thomas in Wommelshausen bei Gladenbach. Als der Alann plötzlich revidiert wurde, fälschte er, ohne daß er sich dadurch einen Vermögensvorteil verschaffte, um es stimmend zu machen, einige Quittungen. Die Marburger Straskammer erkannte auf 1 Monat Gefängnis.
Nniverfttäts-NachrZchten.
— In Kiel ist Professor Frantz von der juristischen Fakultät im Alter von 57 Jahren plötzlich gestorben.
— Wie wir hören, hat Professor Dr. Ferdinand Noack, von der Universität Kiel den Ruf nach Tübingen angenommen. Er tritt dort an Stelle von Prof. Dr. L. v. Schwabe.
Vermachtes.
** Automobilunfälle. Bei der Rückkehr von der Prinz Heinrich-Fahrt kam in der Nahe von Magdeburg Leutnant Wagner aus Spandau, der als Unparteiischer fungiert hatte, durch einen Unfall ums Leben. — In Pilsburg in Niederbayern wurde der B a u m e i st e r E r n st aus Landshut bei einem durch Reifendefekt entstandenen Aulomobiluufall durch das Umschlagen des Fahrzeuges getötet, und drei weitere Personen wurden schwer verletzt. — Im Forstenrieder Park bei München wurden durch einen Automobilunfall drei Personen schwer und zwei Personen leicht verletzt.
* Eine fürchterliche Fe u e r s b r u n st. Am 21. ). M. brach auf der Ostseite des nahe von Innsbruck gelegenen Dorfes Z i r l Feuer aus, das sich infolge Ostwindes in wenigen Augenblicken über den ganzen Ort verbreitete. Bis zum Abend waren 164 Häuser und Wirtschaftsgebäude niedergelegt. 1400 Bewohner des Dorfes sind oboachlos. Von Innsbruck wurde Militär zur H.Istleistung gesandt. Der große Fuhrwerksverkehr mit Bayern über den Zirler Berg ist infolge der Zerstörung der Schloßbachbrücke unterbrochen. Der Brand wurde durch spielende Kinder verursacht. Wie amtlich sestgestellt ist, beträgt der Schaden 1200 000 Kronen, denen eine Versicherungssumme von 600000 Kronen gegenübersteht. An die Hilfskomitees, die ich in Innsbruck bildeten, liefen außer großen Spenden an Kleidern und Lebensmitteln 20 000 Kronen in Bar ein. Erzherzog Eugen spendete 2000 Kronen. Niedergebrannt ind sämtliche Wirtshäuser, das Postamt, das Gemeindeamt, der Pfarrhof und die Gendarmeriekaserne. Nur die Kirche blieb verschont. Sechs Personen sind ums Leben geioniinen. Aach der größte Teil der Viehbejtände ist jnitoerbrannt — In Ansbach zurstörte ein Mroß-


