Erstes Blatt
158. Jahrgang
Donnerstag A3. Januar 1908
General-Anzeiger für Oberhessen
«h 6u taqe«nummet Rotafiottsbmd und Verlag der vrühl'schen Un!v.-Vuch- und ZteindruSerei. B. Lange. Bedattion, Expedition und Druckerei:
Km? OOVmtllQUd 1U Ul)t«
Bezn gSyretsr monatlich 7-r Pi., viertelnd» jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- il Zweigstellen W ▼ monatlich 65 Pf.; durch W die Post Ack. 2.— viertel-
W jährt. ausjchl. Beslellg.
Zeilenprers: lokal! 5 Pf^ auswärts 20 Pfennig. Perantwort lich für den po(tnid)en Teil: E. Anderion; f. Feuilleton und ,'Pernnfchtes" P. Willko; nur »Stadt u. Land" und „(SeitchtS- 7 fnal“: & Heß, iür den »afuifirage c. ylXjlciqenteil; Beck.
Nr. 19
Der Stetzener Anzeiger edchetm täglich, außer EonntagS. - Beilagen: viermal wöchentlich OletzenerZamilicndlätter; iweuual ivöchentl.Ureis« lattlür den Ureis Lietzen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl Land- »»UchatUiche LetNragen Rwilptetb ■ Anschlüsse: toi btt iNeöaflion 113, Verlag u. Expedition 61 für Tepelchenr Amveiger (dictzeu.
leeepea« von Anzeigen
M—!—lü-J— !1.1 ■ ■JL_™SLL«
Die heutige Nummer umsaht 12 Seiten.
Stimmungsbild aus dem Reichstage.
Berlin, 22. Januar.
Von großen Tagen, die in den Berliner Parlamenten sich ereignen, scheint neuerdings die heilige Heruiandad unzertrennlich zu sein. So wars am 12. Januar, als in, preußischen Abgeordnetenhause der Wahlrechtsantrag der Freisinnigen zur Sprache kommen sollte, so warS auch am R'itt- woch, als im Deutschen Reichstage die Wahlrechts- Interpellation der Sozialdemokraten zur Debatte stand. Rings um das Reichshaus mar em Kordon von Schutzleuten gezogen, die jedem m3 hohe Haus Einlaß Begehrenden höflich, aber bestimmt den Zutritt verweigerten, so lange er sich nicht als Abgeordneter oder berechtigter Tribunen- besucher auswies. Im Hause herrschte schon lange vor Beginn der Sitzung ein lebhaftes Treiben. Die Tribünen waren nut Ausnahme der Hofloge, in der neben dem Generat- adjulanten v. Hahnke nur wenige Personen erschienen waren, und der Diplomatenloge, überfüllt; auf der Journalisien- tribüiie herrschte ein bedränge, wie man es selbst m bm turbulenten Stunden des Finish beim Zolltansrennen nicht erlebt hat. Unter lautlosem Schweigen eröffnete Graf Stolberg um l1/* Uhr die Sitzung mit einigen gleichgültigen geschäftlichen Mitteilungen. Dann kam der Clou des Tages, die sozialdemokr. Wahlrechts-Interpellation, aufs Tapet. Ter Präsident richtete die stereotype Frage an den Kanzler, ob die Regierung die Interpellation beantivoiten wolle. Entgegen dem parlan,entarlscr)en Usus vermied Fürst Bülow eine direkte Antwort; er erhob sich einfach, um eine Regierungserklärung zu verlesen, in der er jede Erörterung der preußischen Wahlrechtsfrage im Reichstage als em Eingreifen in die Autonomie der Einzelstamen rundweg ablehnte. 9bir zu der Frage der Sozialdemokraten, was die Kon- signlerung des Militärs in den Kasernen am 12. Jan. bedeuten solle, halte er em paar Worte. Das Militär sei konsigniert worden im Rahmen der Befugnis der militärischen Kommandogewalt, und zu dem Zwecke, nötigenfalls zur Aufrechterhaltung der gesetzlichen Ruhe und Ordnung in Bereitschaft zu stehen. Und stürmischer Beifull bei den bürgerlichen Parteien, ebenso stürmischer Protest bei den Sozialdemokraten begleitete diese schneidige und in ihrer soldatischen Knappheit doppelt wirkungsvolle Erklärung. Und dann legte der Kanzler das Blatt- mit dem Regierungspronunciamenlo nieder, um als verantwortlicher Staatsmann persönlich eine nicht minder packende Mahnung an die deutsche Arbeiterschaft zu richten. Er sprach von dem unerschütterlichen Entschluß der Regierung, keine Straßendemonslration zu dulden, er sprach davon, daß keine Partei in Deutschland es nötig habe, auf bie Straße zu gehen, um ihre Anschauungen zur Geltung zu bringen, er sprach von irregeleiteten Massen und er schloß mit der Warnung an die Adresse der Sozialdemokraten, daß ein weiteres Beschreiten der abschüssigen Bahn, die sie mit den Straßendemonstralionen eingeschlagen habe, für bie Anstifter und Verführer, für die Agitatoren und Hetzer verhängnisvoll werden müßte. Große Bewegung im Hause: Zwar sah niemand in dieser ernsten und eindringlichen Apostrophierung der Sozialdemokraten durch den Kanzler bie Ankündigung eines neuen Sozialistengesetzes, aber im allgemeinen war bas Empfinden, daß bie Regierung, statt bie irregeleiteten Spektakelmacher vom Schutzmannssäbel traktieren zu lassen, in Zukunft bie epiritu» rectores solcher
„Fra Diavolo"
Ein Leser unseres Blattes schreibt unS:
Die Theaterscuson 1907/08, bie uns Tank der unermüdlichen Tätigkeit zahlreicher Kunstfreunde und opferfreudiger Bürger und unter herzerquickend kräftiger Mitwirkung einiger Finanzkünstler den prächtigen, einer Stabt wie Gießen wahrlich würbigen Theaterneubau bescherte, beschenkte uns neben gediegenen, künstlerisch vollwertigen Aufführungen von Schauspiele unb Dramen mit einem reizenben Opernkleeblatt, dessen letzter graziöser, Teil am 24. b. Mts. den Abschluß der Opernsaison bringen wird.
,Fra Diavolo-, daS herrliche Nippfigürchen in der musikalischen Luslspielliteratur, hat trotz seines hoben Alters noch keine Einbuße an seinem zierlichen Bau erlitten, ungeachtet der dröhnenden Schrittes einhergehenden, blech- gepanzerten modernen Richtung.
Es steht, vor Archivstaub wohlverwahrt, im GlaSschrankc für niedliche Kunstsachen und wird nur selten gezeigt, es sei denn, um an den auf Engagement singenden Tenor den Prüfstein zu legen, ob er seine Stimme auch zu meistern versteht und Stilgefühl für den musikalischen Konversationston und für die einfache Form der Romanze und des Strophenliedes besitzt. Die Oper ist fast 80 Jahre alt, weist aber dank der frischen, reizenden Musik, der blühenden und geistvollen Erfindung nicht die geringsten Runzeln auf.
Die Einfachheit der Harmonisierung ist bei dem Komponisten der epochemachenden großen Oper »Die Stumme von Portici- mit ihrer hinreißenden dramatischen Wucht überraschend, aber natürlich und zum Ganzen passend, und der einzige Knalleffekt der Oper ist wohl im ursprünglichen Sinne des Wortes der den Näilbergentleman am Schlüsse ber Handlung hinstreckende, wohlgezielte Büchsenschuß des italienischen Soldaten.
Ander ist der Virtuose der musikalischen LiebenZwücdig-
turbulenten Kundgebungen des man of the Street zur Verantwortung zu ziehen entschlossen ist. Das ist sicherlich der beste Weg, diesem »gefährlichen Unfug", wie Fürst Bülow bie Straßenkundgebungen nannte, zu steuern. Und der 9<eid)5- kanzler traf nut dieser Anschauung, die von den Sozialdemokraten mit wildern Hohngelächter unb Pfuirufen, von der R' chlen unb auch von ben anberen bürgerlichen Parten n mit stürmischem Beifall quittiert wurde, ins Schwarze. Tas bewies die Debatte über die Interpellation, bie sich erhob, während Bülow und firne Leute ostentativ den Saal verließen. Ter Sozialdemokrat Fischer wußte zwar manches treffende Wort über bie Inkonsequenz der Politik des Reichskanzlers unb des preußischen Ministerpräsidenten zu sagen, wenn er auch allzusehr auf der Chimäre herumritl, als tangiere bie preußische WahlrechtSpolittk Bülows bie Unabhängigkeit der Einzelilaalen. 9)lan hätte ihm erioibern können, wenn man Gegner des ReichswahlrechlS für Preußen war, daß sich nicht EmeS für Alle schickt unb daß bie Bedingungen in Preußen anders liegen als etwa in Süd- beutichland. Die Herren von der äußersten Linken sollen noch geboren werden, bie gegen bie Wahl- rechtspolilik des preußischen Miuisterpräsidenlen ernsthaft sich zur Wehr setzen können. Das verbietet diesen Herren ihre ganze Parteltakiik. WaS gegen BülowS zweideutige Haltung in ber preußischen Wahl- rechisfrage an ernsthaften Gründen emzuwenben war, hat am Mittwoch nicht ber zweimal mit Recht zur Ordnung gerufene sozialdemokratische Redner, bas haben bie Sprecher des von ihm mit albernen Wenbungen verunglimpften Frei- finnS gesagt. Es war ein Fehler, daß bie Konservativen oen Abgeordneten Kreth vorschicklen, beffen Rebe sich auch für ben Gegner amüsant anuörte, aber den Genossen nur zu billigen Triumphen (Gelegenheit gab unb auch ben Wiber- spruch ber bürgerlichen Linken wecken mußte. In bei weiteren Debatte war neben ber realpolitischrn iHebe bi» Abg 'Bafi ermann von besonderem Interesse bie Darlegungen Traegers von ber freisinnigen Volkspartei unb Schrader von der freisinnigen Vereinigung. 'JJht ihrem unuuuunnbenen Bekenntnis zu dem ReichSwahlrecht für Preußen und mit ihrer schonungslosen Kritik der Wahlre.chtserklä'ung deS preuß. Ministerpräsidenten verbanden sie Line ebenso entschiedene Verurteilung der sozialdemokratischen Wahlrechtsinterpellation. In dieselbe Kerbe hieb der süddeutsche Volksparteiler von Payer, der auf die Erschwerung ber blockpolitischen Situation burch bie Landtagserklärung der preußischen Regierung nut allem Nachdruck und mit einem Ernst hinwies, den Fürst Bülow, will er das Reichs- und Staatsschiff auch nur noch einige Zeit steuern, nicht unterschätzen sollte. Wir leben in einer kritischen Zeit. Für Pöbeldemonstrationen hat das freigesinnte Bürgertum kein Verständnis. Aber eS wird unter pflichtmäßiger Berücksichtigung allgemein nationaler Interessen doch aus der Haltung ber preußischen Regierung zur Wahlrechtsfrage bie Konsequenzen ziehen, zu bemn seine politische Ueberzeugung es verpflichtet. Tas sollte sich Fürst Bülow trotz seines parlamentanichen Erfolges m der heutigen Reichstagssitzunq ad notam nehmen.
politiidK Lagestzcdau.
Straßendemonstrationen in Braunjiyweig.
Gr o ß e St ra ß en b e m o nstra t i o n e n veranstaltete am Mittwoch die Arbeiterschaft Braunschweigs. Als bekannt wurde, baß in ber vom Herzog-Regenten verlesenen Thronrebe das Wahlrecht nicht bedacht ivurbe, beschloß man in ben großen Fabriken nach Schluß der Arbeitszeit vor das feit. Er hatte das Glück, von dem Genie eines außerordentlich fruchtbaren, theatergewanbteii Lustspiel - Operndichters bedient zu werden, von Senbe, der damals wohl der bedeutendste und erfolgreichste Dichter der sentimentalen, kleinbürgerlichen Sittcnslücke und der politisch-satirischen Komödie war. Eugöne Sende gehört nicht zur Kategorie derjenigen Lustspieldichter, von der em großer deutscher Dichter sagte: »Der französische Lustspieldichter kommt mir zmveilen vor ivie ein Affe, der auf den Ruinen einer zerstörten Stadt sitzt, Grimassen schneidet und em grinsendes Gelache anhebt."
Ohne Scribe ist die damalige Glanzzeit des musikalischen Lustspiels unb ber großen Oper mit Cherubim, Boieldieu, Auber, Adam, Halevy unb Mcyerbeer gar nicht benfbor.
Und eine der schönsten Blüten ber Opernliteratur seiner Zeit ist »Fra Diavolo", die romantische Räuberkomödie.
— Klein eEhronik auSKunst undWissenschäft. Von einem angeblichen Theater-Jntendantmwechsel m Frankiurt a. M. wußten dieser Tage einige Blätter zu berichten. Der Slullgarter Hoilheateriittendant Baron von Putlitz sollie dazu ausersehen sein, an die Spike der Bereinigten Franksurter Theater zu treten. Das Sttittg. 91. Tagdl. kann demgegenüber versichern, baß Herr von Putlitz, wenn ein solcher Rus an ihn ergeben wurde, diesen ablehnen biir'te, beim er hat das gleiche einem ähnlichen Ansinnen gegenüber vor Jahve-irist getan. — Ter berühmte Chirurg Pros. Tr. Czerny lenkt in einem 'Aussatz ber „Umschau" (Wocheuschrüt für bie Fortschritte in Wisjeuschast und Technik, Frankfurt a. SX) die allg. Auimertsamkeit daraus, daß tm Deutschen Reiche alljährlich 4U000 Menschen an krebsartigen Erkrankungen sterben. 9lad) den erfolgreichen Anfängen zur Be- kämpstmg der Tuberkulose sei es jetzt an ber Zett, zunächst dem weiteren Umsichgrei'en jener Bolksgeißel nut allen Altttelu ent- gegenjuarbeiten. Alsdann gibt Czerny, die erste Autorität auf diesem Gebiete, eine Darstellung der Entstehung unb zweckmäßigen Bekämpstmg ber krebsartigen Erkrankungen. — Tie Direktion des StadtlheaterS zu Bamberg ist dem bisherigen stellvertretenden Direktor Hans Amalsi, einem geborenen Mainzer, vom Sept. 1908 ab übertragen worben.
Schloß des Herzog-Regenten zu ziehen. Ties tvar um so leichter möglich, als sich allein von der 9)lül)lenbauanfialt von Amme, Gtesccke unb Genossen ein Zug von 2000 Arbeitern in Bewegung setzte. Dieser Zug hat zur Folge gehabt, daß eine Unmenge anderer Arbeiter sich ihm anschloß unb gemeinschaftlich vor das Schloß des Regenten zog, Lieder lang unb Hochs auf das allgemeine, direkte und geheime Wahlrecht ausbrachte. Rach diesen Kundgebungeii zog die Arbeiterschaft vor das Landtagsgebäude, wo gerade eine Kommission tagte. Von hier aus setzte sich der Zug nach allen Gegenden der Stadt in Bewegung, überall singend, pfeifend unb Hoch'S auf das allgemeine, direkte und geheime Wahlrecht ausbrmgend. Der Stein- und der Bohliveg zeigte gegen x/27 Uhr abends vielleicht ein noch nie dagewesenes Bild, denn die Hauptverkehrsadern waren polizeilich ab- gesperrt und es war and.) nicht eine Person auf den großen, breiten Straßen zu erblicken.
Deutsches Keid>.
Leipzig, 23. Jan. Die Stadtverordneten genehmigten eine Vorlage betreffend Errichtung einer Leichenoer- brenuttngs-Anlage nut drei Oesen auf dem hiesigen Süd-Friedhofe.
Das Berl. Tgbl. meldet ans Göttingen: Das Orts- slatut der Stadt Göllingen zur Einführung, der Wertzuwachssteuer ist von ber Regierung genehmigt worden.
München, 22 Jan. Die D elegiertenvers ainin- lung des bayrischen Lanbesverbanbes des beutschen Flotten Vereins wird Anfangs Februar in München iiatifinbcn.
■ -■■■■ - ------!---- ■ ■■ - J
Bitiland.
London, 23. Jan. Das Kabinett besprach in einer befonberen Sitzung bas Bauprogramm für die englische Kriegsmarine unb dislutierle besonders die Frage, ob es notwendig sei, gegenüber der neuen deutschen Flotlen- vorlage eine besondere Beschleunigung des englischen Batt- programms durchzuführen. Tie Rlinitter entschlossen sich, für dieses Jahr haupl.ächlich Kreuzer und Torpedobootszerstörer zu bauen, dagegen ein neues Programm für ben Bau von Schlachtschiffen bis zum nächsten Jahr zu verschieben. Eng- lanb5 Vorsprung an Dreadnoughts sei so befriedigend, daß diese Verschiebung ohne Gefahr erfolgen könne.
Petersburg, 22. Jan. »Skowo" bringt heute die Aufsehen erregende Nachricht, daß General Kpropatkin mit feinem ganzen Stabe nach ben im Slvßel-Prozeß fest- gestellten Tatsachen gleichfalls dem AI i 1 l tä r ge rich t übergeben werben wird. Er habe im Slößel-Prozeß wissentlich falsche Aussagen gemacht, die in direktem Widerspruch mit feinen Berichten an ben Zaren stehen.
— Durch das Urteil des Kassationsdeparlements wurde der Senatsgehilfe des Ministers des Innern, Gurfo, vom D i e n |’l e entfernt.
— Der »Berl. Lokalanz." meldet aus Newyork: Die plötzliche, ganz ungewöhnlich starke Rückwanderung von Japanern von der Pazifischen Küste wird dahin gedeutet, daß Japan seine 9icferoen einziehe, da bie Japaner jede Angabe von Gründen für ihre Abreise verweigeren, aber erklären, sie folgten Befehlen.
.! 1 .........—" 1 —L ■!!■...■J-- ■ J
heWche Zweite Kammer.
R. B. Darmstadt, 22. Jan.
Nach Eröffnung der Sitzung um 9Vs Uhr durch VizepräsidenL Köhler setzt das Haus die Debatte über das
Kieisvermestuugswcien
fort. Abtz. 92 o a cf kennzeichnet feine Stellung zur Sache dahin, daß er im allgemeinen auf dem Standpunkt des Ausschußantrages stehe; er wünscht jedoch, daß festgestellt wird, welchem Ministerium zukünftig das Institut unterstellt sein soll. Er halte das Finanzministerium als das geeignetste dafür, schon lucgen der engen Beziehungen zwischen Steuerkommissariaten und den Kreisgeometern. Redner bringt auch einen diesbezüglichen Antrag ein.
Abg. Korell führt aus, daß die Klagen über die zu teuere Arbeit der Bermessungsämter noch nicht verstummt seien. Er empfehle, eine Verbilligung herbeizuführen und beantrage, dem Ausschußantrag hinznzufügcn: „und die Gebühren für die von den Kreisgeometern gefertigten Vermessurigs-- und Fort- führungsarbeiten soweit möglich herabzusetzen".
Abg. Haas erklärt, er halte in erster Linie einen schnelleren Dienstbetrieb für notwendig. Erst als die Regierung die Frage der eigenen Vermessungsämter aufwarf, sei dieselbe auch von anderer Seite in Fluß gebracht worden. Aber mit der Organisation der Vermesiungscmiter hätten auch sclwn die Klagen begonnen, weil bei der früheren Organisation die Gebühren geringer waren. Die jetzige Beschlußfassung des Finanzausschusses stehe im Widerspruch mit einem früher gefaßten Beschlüsse. Redner empfiehlt, auf die frühere Kreisorganisation; wieder zurückzugreisen und die alte gute Verbindung wieder herzustellen.
Ministerialrat Dr. Becker weist daraus hin, daß der Vorredner nicht sestgestellt habe, ob sich früher die Institute auch in den einzelnen Kreisen selbst erhalten konnten, oder welche Zulagen die Kreise resp. Gemeinden dazu beisteuern mußten. Er erinnere sich, daß der Kreis Offenbach einmal nicht weniger als 20 000 Mk. Zuschuß leisten mußte. Wenn die Kreise jetzt wieder derartige hohe Zuschüsse leisten wollten, so würden die Klagen über die Verteuerung der Vermessungsarbeiten bald verstummen. Die Vorschläge des Vorredners l-alte er nicht zur Herbeiführung einer Verbilligung geeignet. Es sei anjucrfciuicn, daß nicht noch weitere neue Vorschläge gemacht wurden, die bisherigen Vorschläge hätten auch schon früher einmal die Kammer beschäftigt, ohne zu einem Ziele zu führen. Die vorgebrachten Bedenken sollten doch nicht davon abhalten, für den Ausschußantrag im allgemeinen einzutreten. Der Redner geht bann noch auf Einzelheiten der Sache näher ein, besonder^ auf daL


