Ausgabe 
22.10.1908 Zweites Blatt
 
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Vom Grobherzoglichen Hofstaat. Der bis­herige Ordonnanzoffizier bei dem Großherzog, Leutnant v. Schroeder, ist zum Oberleutnant befördert und zum Flügeladjutanten beS Großhcrzogs ernannt worden. Der den Dienst als Generaladjutant versehende Major v. Schaurotb vom Tragonerregiment Nr. 24 ist von seinem Kommando als Eskadronschef enthoben worden.

* Ordens-Auszeichnungen. Der König von Preußen hat folgende Ordens-Auszeichnungen verliehen: dem Oberstallmeisrer des Großherzogs von Hessen, Kammer- herrn N i e d e s e l Freiherrn zu Eisenbach den Kroncnvroen 1. Klasse; dem Großh. Ministerialrat Tr. jur. Decker zu Darmstadt den Kronenorden 2. Klasse; dem Großh. Oberst­leutnant Zahn, Kommandeur des Gendarmeriedistritts Mainz, den Kronenorden 3. Klasse; dem Großh. Gendar­merie-Oberwachtmeister Engel zu Mainz das Kreuz des Allgemeinen Ehrenzeichens.

Lehrerpersonalien. Uebcrtragen wurde dem Cchulamtsaspiranten Gg. Roth aus Altheim eine Lehrcrstclle an der Gemeindefchule zu Radmühl. Erledigt ist eine nut einem kathol. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindc- schule zu Finthen.

** Gege n d i e L i ch t st e u e r. Eine Versamm­lung von Bürger m ei st ern hessischer Städte sand am Dienstag auf Einladung des Oberbürgermeisters Dr. Göttelmann in Mainz statu Es handelte sich dabei um Besprechung wichtiger Gemeindeairgelegenheiten, dar­unter über Besteuerungswesen, Handhabung der Lokalpolizei usw., aber ganz besonders handelte es sich um Stellung­nahme gegen die vom Reiche geplante Gas- und Elek- trizitätssteuer. Bürgermeister Dr. Dullo von Offenbach .hatte bei dieser Gelegenheit einen Vortrag gehalten.

** Stadttheater, lieber eine Ausführung vonB a u- melfter So lne ß" durch das Ibsen-Ensemble der J-rau Maria Nehoff das am 24. Oktober auch hier ein einmaliges Gast­spiel geben wird, entnehme it wir der St. Petersburger Leitung: Fritz Wolter (als Baumeister Solneß) schuf eine Gestalt, die den Zuschauer in die tiefsten Gehnmnüse der Menschensecle hincin- blicken ließ: fein Baumeister machte die faszinierende Kraft, die von dieser Gestalt ausgeht, verständlich; da war jedes Wort, jede Geste der Ausdruck seelischen Lebens und Kämpfens; mit einem Mort, eine wunderbar ergreifende Leistung. Maria Rehoff (als Hilde) hielt vvm ersten Auftreten bis zum letzten Wort die Zu­schauer in stets wachsender Spannung. Was Ibsen in diesen Frauencharakter hineingelegt hat, das transzendentale Fernsehen, die glühende Sehnsucht nach sinnlicher Lieue, die sich schließlich zum raubtierartigen Ansichreißen des geliebten Mannes steigert, all die Nuancierungen dieses Frauencharakters an dem Engel und Teufel um die Vorherrschaft streiten, dies alles kann nur eine große Künstlerin zu plastischer Darstellung bringen. Maria Ne Hoss erwies sich als eine solche: ihre Hilde war eine vom Geist (.les Dichters beseelte Gestalt. So gestaltete sich der Jbien-AöeiiD des Rehossschen Ensembles zu einem wahrhaft fünft- lerischen Ereignis, an das jeder Kunstverständige mit ungetrübter Freude zurückdenken wird.

Kolosseum. Dos neue Programm des Ko­losseums übertrifft zwar seine beiden letzten Vorgänger nicht,

in einem grünen Schlafrock. Baudelaire ist von der Musik ent­zückt und sagt zu dem Meister:Wundervoll! Aber erlauben Sie mir eine Frage. Ich habe es wohl gemerkt, daß Sie die ver­schiedenen Musikstücke in Schlafröcken von verschiedenen Farben gespielt haben. Ohne Zweifel wollten Sie doch damit die ver­schiedenen Stimmungen und Klangfarben angeben?" Wagner blickt Baudelaire ins Gesicht, um zu sehen, ob er lacht. Aber Baudelaire hat niemals gelacht.Aber waS denken Sie?" ent­gegnete nun der Komponist,ich habe den Schlafrock gewechselt, weil der erste ein Winterrock war und dann weil mir auch im »wecken noch zu heiß wurde. Wenn ich spiele, schwitze ich näm­lich sehr . . Als Wagner im Jahre 1872 im Wiener

Musikverein ein Konzert dirigierte, passierte es dem Hornvirtnosen Richard Levy, daß er falsch blies. Sein Freund, der Schwank- dichter Eduard Mauthner, der in der ersten Reihe saß, brach dabei in lauteS Lachen aus. Im Zwisckwnakt kam Wagner mit Levy zu Mauthner und hielt ihm sein unpassendes Benehmen vor, umarmte den Künstler, um ihm zu zeigen, wie sehr er daS kleine Mißgeschick entschuldige, dessen Opfer er geworden sei. Run kam auch Levy zu Mauthner:Es war wirklich nickst nett von Ihnen, zu lachen, als ich falsch blies. . ." Und als der Andere sich ladjenb entschuldigte, fuhr Levy fort:Nein, lieber Mauthner, es war nicht nett, und es war sogar eine Undankbarkeit von Ihnen, denn ich habe all Ihre Schwänke gesehen und auch nicht cm einziges Mal gelacht." Wagner lachte bei dieser schlag­fertigen Entgegnung Tranen. Das französische Blatt erzählt dann noch den Streit zwischen Laube und Wagner, der aus dem Dichter einen erbitterten Gegner des großen Musikers machte. Wagner hatte sich bei einem Festessen, das Laube bei der Dres­dener Erstaufführung derKarlsschüler" gegeben wurde, so schroif über die poetischen Fähigkeiten seines Freundes geäußert, daß ihm der alte Student gleich nach dem Ende des Festes um vier Uhr früh eine Forderung übersandte. Wagner arbeckete schon und zwar an der Partitur des Lohengrin. Er nahm lächelnd oas Duell an:Ter gute Laube soll mir, bevor er mich tötet, nur iwch soviel Zeit lassen, um den Lohengrin zu vollenden. Mach der ersten Vorstellung können wir dann nach Herzenslust auf­einander losschießen. Dieses kindliche Spiel wird mir das grösste Vergnügen machen." Und als ihn einer der Kartellträger aus den Ernst der Situation aufmerksam mackste, antwortete Wagner sehr amüsiert in nnverfälsckstem Sächsisch:Nein, nein, m aie Kinder, das Duell wäre eine große Dummheit, unu :ü> ult es nicht, sagt das dem großen Dichter Laube von dem tleinen Komponisten, der ich bin."

Au- Stadt und Land.

Gießen, 22. Oktober 1908.

Vom Vogelschutz.

%n 16. Oktober fano in Darmstadt die erste Borstands- si tz u n g des Ende Juni d. I. gegründeten Bogel schutzver- eins für das Gro ß he r zo g t u m Hessen statt. Aus den Mitteilungen über den Stand des Vereins sei folgendes erwähnt: Durch Vermittelung der Kreisämter ist es gelungen, an zahlreichen Orten des Laiches Vertrauensmänner zu gewinnen, Die beseelt von Interesse für die gute Sache die Bestrebungen des Vereins fördern helfen. Verschiedene von ihnen haben schon so ersolgreich gewirkt, daß der Verein in kurzer Zeit seines Bestehens,zu einem Bestand von nahezu 1000 Mitgliedern angewachsen ist. Auch viele Gemeinden und Vereine sind ihm beigetreten. Es wurde beschlossen, in Kürze ein belehrendes Flugblatt über Aus­hängen von Niesthöhlen und über Mintersütt-rung herauszugeöen. Allgemein wurde es als erwünscht bezeichnet, möglichst viele Per­sonen im Vogelschutz ausbilden zu lassen, die denn durch Vorträge und Belehrungen sut raschen Ausbreitung der Kenntnisse bei­tragen könnten. Sehr zu erstreben wäre die Einführung von praktischen Unterweisungen im Vogelschutz auf allen Obst? und Weinbau- sowie landw. Winterschulen. Mcan hofft hierin die Unterstützung der Behörden zu gewinnen, die ein natürliches Interesse an der Erhaltung und Vermehrung der Vogelwelt haben. Im Anschluß hieran wurde bemerkt, daß die Forstoerwallung, wie in den früheren Jahren, auch im kommenden Monat einige Beamte auf der Pogelschuhstation Seebach im Kreise Langensalza ausbilden läßt. Ter Unterricht, der ellva 6 Tage in Anspruch nimmt, erfolgt dort kostenlos. Allgemeines Interesse verdien, auch die Mitteilung, daß an manchen Orten unter Leitung der Lehrer die Schuliinoer förmliche Vvgeischutzvereine gegründet haben, unter deren Schutz sämtliche Vogelnester im Orte und seinem Umkreise stehen.

die ganz prächtig zusammengestellt waren, hat aber dennoch mehrere ganz prächtige Nummern aufzuweisen, die sich des lebhaften Beifalls zu erfreuen hatten. Da sind die Saleros mit ihren guten Krastproduktionen an hängenden Seilen, die niedliche Else Orinani als niedliche Tanz-Soubrette, der sehr geschickte Mimiker und Charalterickiker Fred Seybaud, die Geschwister Weller in ihren schmucken Husarenuniformen, die drei Sybori nut ihren wunderbaren Balance-Neuheiten, der äußerst geschickte Mstr. Locken vom Krystall-Palack in London als vorzüglicher Diabolopieler, der u. a. so ein kleines Teufe l- chcn auf einem Faden über den ganzen Saal bergan laufen läßt. Sehr hübsch sind auch die komischen Menschen des Berkleidungskünstlers Segcrlis, der besonders als schmiedender Kanzler und als Wilhelm I. lebhaften Beifall findet. Rita De Rio singt einige hübsche Lieder und Paul Richardt reißt mit seinen patriotischen Couplets die Ziischaiier 51t lautem Beifall hm. Sehr hübsch zeigen fick; Die Orselas als Trapez­künstler in größter Bollendung. Den Schluß bilden die ge­lungenen Darbietiingen des jJiftv. Jean als Kunstturner am Schlappscil.

Der Zeughausbau, das architektonisch schönste ältere Bauwerk in unserer Stadt, das 1585 vom Landgrafen Ludwig IV. erbaut wurde, soll, wie man hört, nicht mehr lange als Kaserne dienen. Seit einigen Wochen ilt man Damit beschäftigt, den Dachstuhl und bie Bedachung des Ge­bäudes zu erneuern. Man erfährt auch, daß ein Plan, nach 'em das im größten Teil des Erdgeschoßes liegende Oifizier- üafino vergrößert werden soll, dem Kriegsministerium ziir Genehmigung vorgelegt sei, da, wenn das 'Militär aus dem Zeughauso in eine neue Kaserne am Trieb verlegt würde, doch oaS Kasino in ihm verbleiben soll.

** Eine Seltenheit. Bei dem außergewöhnlich milden Wetter dieses Herbstes hat die Natur in den ober­hessischen Tälern in Wald, Feld und Garten eine Ueppig- i'cit entfaltet, wie sie sich die ältesten Leute nicht erinnern können. Blühende Obstbäume, blühende, ja reife Wclld- und Gartenerobeeren waren alltäglich. In Leusel bei Alsfeld stand sogar ein Weinstock das zweitemal in Blüte. Den Rekord hat nun das Städtchen Königsberg im Kreise Wetzlar aufzuweisen. Dort hat auf der ca. 400 Mtr. hohen Burgruine ein M a n d e l b a u m seinen Platz, der in günstigen Jahren schon geblüht hat, in diesem Jahre aber Früchte trug, die so überreif waren, daß sie aus den Schalen sielen.

** Eine ehemalige Aktien-Bäckcrei in Gießen. Man scyreibt uns aus unserem Leserkreise: Ab und zu, wenn die Brotpreise steigen, regt sich im Kreise der Brotkonsumenten der Gedanke, eine Genossenschafts- Bäckerei zu schaffen, die den Bäckern Konkurrenz machen soll. Heute weht mir der Wind ein Papier auf den Schreib- nsch, das lokalgeschichtlich gewiß von Interesse ist. Das Dokument hat folgenden Wortlaut: Inhaber dieses hat aus die Aktie 1. Klasse der Backgesellschaft dahier Nr. 192 a den Betrag von ö Gulden zur Geselsichaftskassc richtig einge­legt, besitzt daher statutenmäßig 1/4 dieser Aktie, verzinslich zu 5 Proz. vom 1. September d. Js. an, und ist berechtigt, gegen vier solcher JntcrimSscheine seinen Akticnschcin über 20 Gulden selbst, nebst Kuponbogen zu beziehen und an allen Rechten eines Gesellschaftsinitgiiedes teilzunehmen. Gießen, 5. September 1847. Der Ausschuß der Gesellschaft. Es folgen dann die Unterschriften: Dr. Kraft, Buß, Krauß- tovs, F. Heyer, Engelbach, Witzig, Straub als Ausschutz­mitglieder, während Fr. Zimmer als Rechner den Schein quittiert hat. Links auf dem Papier, das in Steindruck hergestellt ist, befindet sich quer, wie auf einem Wechsel- schema, eine geschmackvolle Vignette, in derselben die Worte: Die Aktien-Gefellschafts-Bäckerei Gießen, ebenso Interims- Schein, Eine Vierteils-Aktie 1. Klasse der Gesellschaft für Selbstbacken in Gießen. Was es mit dieser Aktien-Bäckerei in Gießen auf sich hatte, ob sie ins Leben getreten und vielleicht in dem tollen Jahre 1848 wieder zu Grunde ging, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Vielleicht ist einer der Leser desGieß. Anz." in der Lage, Auskunft Über die gewiß interessanten Fragen geben zu können. Schon im Interesse der Lokalgefchichte wäre eine Mitteilung über die Gründe, die zu dieser Aktiengründung Veranlassung gaben, wichtig.

** fiautn gesundet, gestorben. Am Dienstag wurde aus der hiesigen Klinik ein junger Mann entlassen, der längere Zeit dort krank gelegen hatte und geheilt worden war. Er wollte mit der Bahn feine Heimat misslichen. In Der Nähe der Station Neunkirchen im Westerwald wurde Der kaum Genesene von einem Schlaganfall betroffen iind war sofort tot. Ein in demselben Abteil mitfahrcnDei Reisender wurde durch das plötzliche Hinfallen des Todtcn ohnmächtig und konnte erst nach längerer Zeit wieder ins Bewußtsein ziirückgerufcn werden. Der Wagen wurde aus Der nächsten Station ausrangiert.

? Aus der Wettcrau, 21. CIL Ter Menge schöner sommerlich warmer Tage, die uns der Herbst brachte, ist in jähem Umschivimg eine recht kalte Temperatur gefolgt. Ein scharfer Nordostwind fegt über die Felder und reißt das schon nicht mehr festsitzendc Laub von den Bäumen, die nun einen traurigen Anblick gewähren. In den Gärten blühen noch die Rosen und andere Blumenarten und heute früh zeigten sich an den Fenstern schon Eitzblumen. Für den Landwirt, der durch die gute Witterung der letzten Zeit seine Feldarbeiten ziemlich beendigen konnte, gilt e§ jetzt noch, die Felder neu zu bestellen, wozu ein guter Regen recht iwt- ivendig wäre, und die letzten Gaben der Statur, wie Dick- ivurz, Zuckerrüben rc., noch vor eintretender Kälte unter Dach zu schaffen.

w. Ober-Ingelheim, 22. Okt. (Tel.) Gestern abend sollte bei dem Taglöh n er Ober, der im Verdacht Des Wilderns fleht, eine Haussuchung vorgenornnien werden. Als ein Gendarm mit dem Schlaffer Maul, der die ver- ichloffene Tür sprengen sollte, dem Haufe sich näherte, schoß Ober einen Schraljchuß ab, der Plant in den Kopf traf, so daß er sofort tat war. Ober flüchtete und wurde heule morgen m einem Gebüsch neben dem Hause erschossen auf­gefunden.

[J Marburg, 21. Okt. Wie aus einem am schwarzen Brett der. Universität angelündigtcn Vortragsabend zu ersehen ist, wird sich die im vorigen Wintcrieinesicr bi5 zum Beginn dieses Semksters suspendierte Marburger Freie Studenten­schaft wieder auftun.

h. Frankfurt a. M., 21. Okt. Heute mittag brach in dem Mode warcn-Ge schüft 51. Aufrecht, Zeil 21, Feuer aus, das sich rajch nach dem Baugraben zu aus» I breitete, wo die angrenzenden Häuser siark gefährdet waren.

Die Flammen schlugen durch einen engen Lnftschacht bis hoch über die Dächer hinaus. Der Feuerwehr gelang es, nachdem sie zuerst die bedrohten Einwohner in Sicherheit gebracht hatte, nach schwerer Arbeit des Feuers Herr zu werden. DaS Lager im Entrcsol ist vollständig ausgebrannt; die Waren im unteren Laden haben stark, durch Waffer gelitten. Ueber die Eiststehungsurfache des Brandes ist noch nichts bekannt.

" Kleine Milke 1 -naci. ' -s -?eiseii und den Nachbarstaaten. In Staden wird bemnadilt eine Wa,ier- leitung angjegt. Ti- Eh-fr an Wahl in 91 i c b c r g c m u n b c n fiel beim Wäsu-eauswascü-n in die Fulda und ertrank. zie dec Gern Linde Lohra gehörige Jagd, die seither eine jährliche Pacht von 400 Mart eintrug, wurde verdachtet. Zahlreiche Lieb­haber waren erschienen. Tie drei höchsten Gebote lauteten auf 1200, 1210 und 1270 Mmck. Der Zmchlag wird in 14 Tagen erteilt. Ein Automob il von Frank,art a. M. fuhr in der Nähe der Stadt Fritzlar gegen einen Baurn. Der Chauffeur wurde auS dem Auw gesufleubert und erlitt erhebliche Verlctzungen. Ter Wagen ging in Stücke. Zwei Fürsorge-Zöglinge von 12 und 14 Jahren, die aus» der Anstatt Ascha,senburg durch­gegangen waren, wurden in Frankfurt festgenommen.

LattöwirtKcbaft.

Rebschulen. Der Ausschuß des landwirtschastlichen Vereins für Rhrinheflen hat, n. d. Darmft. Ztg., beichlosteu, zum Anbau und zur Heranzucht ertragsreichcr Wurzelreben in den einzelnen Weinbaubczirleu der Provinz Rheipheffen Reb- schulen zu errichten, bie Bekämpfung bei RebscyLolinge nach Maßgabe eines auszultelleuden Plaues zu unterftüBen und bei der Heimchen Landwirtschaitstammer die Anstellung eines Fach­mannes für Weinbau zu beantragen.

gkricbtefaaC.

Wiesbaden, 21. Okt. Das Aut omobilnnglück, das am 28. Jmri bei Ruppertshain sich ereignete, besclstff- tigte die Strafkammer. Angeklagt war der Bierfahrer Georg Valentin E f ch e n b a ch wegen fahrlässiger Tötung und Körper­verletzung. Bei dem Uglück wurden drei Personen getötet und mehrere schwer verletzt, die zwar wieder geheilt, aber zum Teil dauernden Schaden durch den Unfall erlitten haben. Ter An­geklagte wurde zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.

Zweibrücken, 21. Okt. Das Schwurgericht ver­urteilte den Maler Alfred Trost aus 5kaiserslautern, der anfangs Juni auf dem dortigen Hauptbahnhof seine Ge­liebte erschoß, zu 4 Jahren und 6 Monaten Gefängnis.

Srcichsgerichtsbrief.

Nachdruck verbotcu. I. S. Leipzig, Okt. 1908.

Fuhrwerke und Bahnübergänge.

Ein kürzlich vom Reichsgericht ergangenes Urteil spricht sich über bie Sorgsaltspflicht des Kutschers beim Kreuzen von Eisen- bahuübergäugen durch Fuhrwerke aus in Verbindung mit der Erhöhung der Betricbsgefahr der Eisenbahn beim Fehlen von Sicherhecksschrankeu. ,

21m 31. Januar 1905 abends nach 9 Uhr wurde auf der von Chemnitz nach Rochlitz führenden Landstraße ein mit einer Plane überipanntcr Frachtwageu des Fabrikanten D. beim Kreuzen der Nebeueisenbahn Ehemnitz-Wechselburg von einem von Chem­nitz herankommenden Zuge erfaßt. Dabei wurde der Kutscher P. getötet, der Wagen zertrümmert, eins der Pferde getötet und daS andere verletzt. Tie klagende Papiermacher-Berussgenossen- schast, bei der P. versichert war, fordert nach § 140 deS Gewerbe- Uufallversicherungsgesetzes vom bellagten StaatSfiskus Ersatz für Sterbegeld und Renten, zu welchen Zahlungen sie den Hinter­bliebenen des P. gegenüber verpflichtet war, sowie die Fest­stellung, daß bir Betlagte verpflichtet sei, ihr die Beträge zu erstatten, die sie fernerhin der Witwe und einem minderjährigen Kinde des P. infolge des Unfalles zu erstatten habe. Außerdem beaistpruchte der Inhaber D. noch Ersatz des Schodens für bu Beschädigung feines Eigentums in Höhe von 1935 Mk.

Tas Landgericht Chemnitz wies beide Kläger ab, indem eb annahm, daß der Unglücksfall durch schiildhaftes Verhalten des Rutschers P. herbeigcführt worden fest Hiergegen hatten die Kläger Berufung eingelegt und erkannte daraufhin daS Ober- Icmbcsgericht Dresden dahin, daß die Ansprüche dec Kläger dem Grunde nach für gerechtfertigt anzufehen seien, der Anspruch für die Beschädigung des Planwagens und der Pferde jedoch nur zur .Hälfte deS Betrages.

Gegen dieses Urteil hatte der Beklagte Revision beim Reichs­gericht eingelegt. Der IV. Zivilsenat des höchsten Gerichtshofes erkannte jedoch auf Zurückweisung der Revision. In den Entsck)elduiigsgründen wird ausgeführt, daß allerdings ein Verschulden des P. anmnehmen sei, da er anstatt^ den Wagen! bei der Haltetasel anzuyalten, den Sitz in der Schoßkelle zu ver­lassen und sich durch Vorgehen zu überzeugen, ob daS Gleis frei fei, in dem alten Sitz verharrt habe, von welchem Platze aus ein genügendes Urteil über das Herannahen des Zuges durch das Auge nicht zu gewinnen gewesen |'eL Dieses Ver­schulden sei aber nicht als ein besonders grobes anmsehen. Ihm stehe nicht nur die allgemeine Gefahr gegenüber. Die mit jedem Eisenbahnbetriebe verbunden sei, sondern eine erhebliche Erhöhung dieser Gefahr dadurch, daß der Bahnübergang schwer überffipllich und trotzdem keine Maßnahmen zur öiujecung des Straßenverkehrs getroffen waren. Wenn trotzdem ein teilweises Verschulden des P. in Anrechnung zu bringen fei, so könne daS hier nicht in Betracht kommen, weil dadurch die seitens der Berufsgeiwssenschaft zu zahlenden Beträge ^Sterbegeld und die Rente) nicht berührt würden, denn diese Zahlungen seien kein vollständiger Ausgleich für den cingetretenen Schaden.

Usnversitäts-Ncrchrrchten.

Zeitungswesen als Lehrfach. Ein besonderer Lehrstuhl für ZcilnngSiveifen besteht eigentlich an keiner deutschen Universität. Tas Zettungswesen wird jetzt von Nationalökouomen, Historikern, Juristen, zum Gegenstand Von Hochschulvorlefungeir gemacht. Eine Sondervorlesung überPreßreckst" wird in bie)ernt Wintersemester der Privatdozent Dr. jur. Goldschmidt an der Merline r Universität halten. Vorlesungen über das Urheber­recht finden an einer ganzen Reihe von Universitäten statt. In Heidelberg trägt, wie, seit einigen Jahren regelmäßig Prof. Adolf K 0 ch, der erste akademifche Lehrer dieses Lehr- gebietS in Deutschland überGeschichte, Wesen und Bedeutung der öffentlichen Meinung, der Pceffe und des Journalismus in' Denffchland" Vor. Er hält auch praktische Ucbungen zur Ein­führung in die Journalistik ab. An der Universität Bern finden mir eine Vorlesung des Privatdozenten Dr. jur. M. Bühler überNedattion und Nachrichtendienst der Zeitungen" (mit prak­tischen UebungeiO. Hier hat auch der Sekretär des internationalen Bureaus für geistiges Eigentum, Dozent Prof. Ernst Röthlis- berget* ein Kolleg:Aktuelle Rechtsfragen aus dem Gebiete der periobifefcn Preise" angefünbigt. An der Technischen Hoch­schule zu D a r m )t a b t lieft der Frankfurter Rebakteur und Fachzeiffchrijtcn-Verleger I. Friedrich Meißner überTechnik des Buchdrucks und Zeitungswesens", sowie überGeschichte, Wesen und Bedeutung und Organisation der Fachpresse." In- rick, wo man jetzt ebenso wie in anderen jtaatswissenschaftlicheN Fächern auch mit Journalistik als Hauptfach den Doktorgrad er­werben kann, trägt der Privatdozent Dr. Oskar W e 11 ft e i 1» überDie Entwicklung der Tagespresse von den Anfängen bis zur französilchen Revolution" vor. Ueber Journalistik liest ferner der Dozent an dec Berliner Handelshochschule Verlagsbuch­händler H. Buhmann.

Zepprliu I.

Mit her <yüüung des 2uuZ. I." ist gestern vormittag begonnen nmrüen. zeit Nachrichten zufolge, die neuerdings beim Königlichen Hofe cingelaufcn find, ist jetzt mit ziemlicher Be- Itimmtfoeit zu erwarten, daß der Kronprinz am Montag hier