fEichenen svz^^:?.tr,c>;cn Forderungen. — Während der Vortrag in solcher Weise das politische Gebiet nur streiste, griff die Debatte direkt auf dieses über. Man unterhielt sich da über .Wahlrecht, über die Schule, über Marokko, über Wehrfragen, über Treitfchkes Auffassung vom Staate usw., sogar Ledebour und Dr. David, v. Liebert und Tr. Peters wurden in die Debatte hereingezogeu. Vermochten auch die einzelnen Tebatteredner nicht, ihre jeweiligen Gegner in allen Punkten zu überzeugen, so boten doch Debatte und Vortrag eine reiche Fülle der Anregung und des geistigen Genusses.
** Kolossenm. Das für die zweite Machälste engagierte Künstlerpersonal hat einen guten Erfolg zu verzeichnen und verdient wirklich einen Besuch. Man bekonuut fast durchweg Neues zu sehen und einige Prograuunnuinmern verdienen als Glanznunnnern bezeichnet zu werden. Eine Wiener Soubrette, Fräulein Lea.Florence, leitet das Programm mit einigen hübschen Sachen ein, wobei ihr besonders ihre reine und klangvolle Stimme zugute kommt. Eine Acndcrung im Programm tritt sodann insofern ein, als statt des auf dem Programm vorgesehenen Virtuosen und Liedersängers Scholzer aus dem Orlatal eine Dame mit zirka zwanzig dressierten Tauben arbeitet. Tie Vorführungen sind interessant und mitunter recht schwierig; besonders bildet die letzte Szene durch das verschiedenfarbige elektrische Licht ein effektvolles und vornehmes Ausstattungsstück. Tie Kostüm- Soubrette Fräulein Ella Ellcrdo singt sodann unter vielem Beifall einige recht gute alte und neue Sachen, worauf der Vagabund auf dem Zweirad Herr Jackson Kanari vom Schumann-Theater in Frankfurt a. M. die Aufmerksamkeit des Publikums vom ersten Augenblick an auf sich lenkt. Er versteht e§, durch seine urwüchsige Komik die Lachmuskelu der Zuschauer bis aufs äußerste anzuspanncn und nötigt gleichzeitig jedem mit seinen halsbrecherischen Kunststücken uud seiner unübertrefflichen Gewandtheit und Fertigkeit auf dem Zweirad volle Bewunderung ab. Wie wir hören, gastiert Herr Jackson nur noch einige Albende im Kolosseum und es empsiehlt sich deshalb für jeden, sich diesen „Vagabunden" an einem dec nächsten Abende anzuschen. Tas Steid'l- Duo — ein Herr und eine Dame — bringt dann in verschiedenen Trachten einige Duette und Lieder recht hübsch und temperamentvoll zum Vortrag. Den Glanzpunkt der Vorstellung bilden aber die Aufführungen von Franz Lemo i ucS BurleSken-Ensemble. Die beiden Einakter „Der Mann mit den drei Frauen" und „Die weiße Dame" erzielen allabendlich einen durchschlagenden Erfolg. Die beiden Stücke sind von dem Direktor Lemoine selbst verfaßt und sind von überwältigender Komik. Wahre Beifallsstürme durchbrausen nach jedem Stück das Haus, besonders der urwüchsige Humor deS Direktors Lemoine sorgt dafür, daß das Publikum nicht aus dem Lachen herauskommt. Wer einmal tüchtig lachen und die Grillen auf einige Stunden verscheuchen will, versäume nicht, sich die Vorstellungen dieses Burlesken-Ensembles anzusehen. — Von morgen ab gastiert „Salome" in ihrem psycho-choreographischen Panto-Drama, das überall großes Aussehen erregt hat.
O Steinberg, 20. Mai. Die Vorbereitungen zu dem an Pfingsten hier stattsindcnden Ges a n g s w e ttstr e i t,, mit dem auch gleichzeitig das 2 0jährige Stiftungsfest des Gesangvereins Jugendfreund vervunden ist, find in vollem Gange. Das Programm ist nun endgültig seftgelegt. Während das Fest am ersten Feiertag durch einen Kommers eingelegter wird, findet am zweiten Feiertag Wettlingen in dem „Gasthaus zur Krone" statt. Der vorgesehene Fcstzug stellt sich am Nachmittag in der Schulstraße auf. Nach .Ankunft auf dem Festplatz wird daS Fest durch Einzelchöre der eingcladenen Vereine wesentlich verschönt. Abends findet gegen 6 Uhr die Verkündung des Resultats des Wettsingens sowie die Verteilung der Preise start. Ter Dienstag (3. Feiertag- ist mehr für bte hiesigen Einwohner und die nächste Umgebung bestimmt. Außer Konzert, Gesangsvorträgen und Vollsbclustigungen ist auch an bi cf cm Tage ein Festzug burch unseren Ort geplanr. Die Musik während des Festes stellt die Kapelle Harnisch hier.
J- Angcrsbach, 20. Mai. Der Ausschuß der Landwirt- schastskammer plant, die O r t s t i e r s ch a n für'den"Bezirk Lauterbach-Angersbach im Monat Juni ober Juli hier abzuhalten. Die biesjährigen Stallschauen sollen im Bezirk Herbstein statt- sinben. An Prämien stehen für beide Schauen ca. WOu Mk. zur .Verfügung. Von ben hiesigen Viehzüchtern, die sich die Zuchl- 'bestrebungen sehr angelegen sein lassen, wird die Wahl unseres Ortes mit Freuden begrüßt. \
X Herbstein, 20. Mai. Gestern nachmittag gegen 2 Uhr stürzte an dem 9t c u b a u des Bäckermeisters Lorenz Schneider hier die ca. 6 Meter hoch ausgeführne Brandmauer ein, weshalb sich das auf ihr ruhende .Gebälk verschob. Zum Glück ereignete sich dabei fein Unglücksfall.
R. B. Darmstadt, 20. Mai. Heute mittag fand unter zahlreicher Beteiligung auf dem Friedhof die Beisetzung deS im 41. Lebensjahr verstorbenen praktischen Arztes Dr. Nell statt, dessen Tod infolge einer Infektion erfolgt ist. Letztere hatte sich der beliebte Arzt, der Frau und drei kleine Kinder hinterläßt, in Ausübung seines Berufes vor einiger Zeit zugezogcn und durch sie waren verschiedene innere Krankheiten veranlaßt worden. Nach der tiefempfundenen Grabrede des Geistlichen legte Sanitätsrat Tr. Habicht als Vorsitzender des hiesigen ärztlichen Vereins, mit warmen Worten die Verdienste des Dahingeschiedcnen schildernd, einen Kranz nieder. Das gleiche geschah durch den Grafen N. Baudisin im Auftrag der Verbindung KarlSrnhensia in Heidelberg, welcher der Verblichene angehört hat, und vom S. C. der hiesigen Studentenschaft. Der Verstorbene war ein Sohn des verstorbenen Professors der hiesigen Hochschule Geh. Rat Dr. Nell, seine Gattin entstammt einer Osthofener Familie Gießen. — Der wegen Verdachts des Wuchers in Untersuchungshaft genommene Holzhändler Jonas Mainzer aus Pfungstadt wurde gegen eine Sicherheitsleistung von 50 000 Mk. vorläufig auf freien Fuß gesetzt. Wie man hört, hat sich die Angelegenheit durch verschiedene, nachträglich eingelaufene Anzeigen vergrößert.
fc. Darmstadt, 20. Mai. Frau Link in Dieburg, die Gattin des hier in Untersuchungshaft befindlichen Notar Link, hat beantragt, ihren Gatten auf seinen Geisteszustand untersuchen zu lassen. Die Staatsanwaltschaft wird dem Anträge Folge geben. — Im Hinblick auf die Verfehlungen des Notar Link und um weiteren Unzuträglichkeiten dieser Art vorzubeugen, ist man in juristischen Kreisen der Ansicht, der Regierung zu empfehlen, das Amts Notariat im Großherzogtum Hessen cinzuführen, wie es im Königreich Württemberg und im Großherzogtum Baden besteht. Der Rechtssicherheit wird dadurch gedient, die Kosten stellen sich geringer und die Staatskasse wird aus
dieser Institution unbedingt Nutzen ziehen, da ein großer Teil der Einnahmen dem Fiskus zufällt, und. der Notar, wie jeder andere Beamte, einen fixen Gehalt-erhält. Tie Abfindung der Notare dürfte höchstens in der Provinz Rheinhessen pekuniären Schwierigkeiten begegnen. Aber auch hier werden sich leicht Mittel und Wege finden lassen, um sie zu überwinden.
h. Mainz, 20. Mai. Hier wurde ein früherer Bankbeamter namens Felger aus Frankfurt a. M., der in der 1. Kompagnie deS 87. Infanterie-Regiments als Gefreiter dient, verhaftet. Er hatte Erpresserbriefe an Herrschaften in Mainz, Wiesbaden und Frankfurt gerichtet, worin er um hohe Geldsummen ersuchte und die Adressaten mit Erschießen bedrohte, falls sie der Polizei Mitteilungen machen würden. Die Militärbehörde, die die Verhaftung vorgenommen hat, hat den Verhafteten der Staatsanwaltschaft überliefert.
te. Nüdesheim a. Nh., 20. Mai. DaS Kaiserliche Oberhofmarschallamt hat der hiesigen Bürgermeisterei mitgeteilt, daß der Kaiser wegen anderweitiger Festsetzungen verhindert sei zu der Festlichkeit am 28. September d. Js., die zur Erinnerung an den 25. Jahrestag der Enthüllung des 2! a t i o u a l d e n k m a l s auf dem Niederwald begangen werden soll, teilzunehmen und die Teilnahme von 'Diitglicbcin der kaiserlichen Familie auch nicht in Aussicht gestellt werden könne.
GertichtsscraL.
Dort in u n b , 20. Mai. Tas Schwurgericht verurteilte ben Anstreichergesellen Wilhelm Schulte, der am 27. Dezember 1906 au dem Gastwirt Strathmauu bei Werl einen Raub- mürb verübt hat, zu lebenslänglichem Zuchthaus.
Berlin, 20. Mai. Die wegen einfacher Kuppelei an- geklagte verwitwete Kanzleirätin S m i p i e l s k a , beten Wohnung als „Salon ber Rätin der Lebewelt" sehr bekannt gewesen ist, würbe zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt, die burch bie Untersuchungshaft bereits verbüßt sind.
Karlsruhe, 21. Mai. Das Urteil im Prozeß Molitor wurde gestern in später Abenbstunbe gefällt. Der Vor- sitzende bes Gerichtshofs verkündete nach zweiftünbiger Beratung folgenben Spruch: Das Strafverfahren gegen ben Redakteur Graf wirb eingestellt. Die baburch entstandenen Kosten fallen der Nebenklägerin zur Last. Der Angeklagte Herzog wirb, wegen Beleibiguug in mehreren Fällen mit einem Jahr Gesang- n i s bestraf t. Ter Nebenklägerin wirb bie Befugnis ziige- fprochen, bas Urteil in allen Karlsruher Zeitungen unb einer Anzahl auberer Blätter zu veröffentlichen. — Zur Begründung des Urteils beschränkte sich ber Vorsitzende auf wenige Worte. Für den Inhalt ber inkriminierten Artikel ist ber Angeklagte haftbar. Der Tatbestaub bes § 186 ist gegeben. Fräulein Olga Molitor wirb burch die Artikel bes Muttermordes, ber fahrlässigen Tötung, eines unkindlichen Verhaltens, eines Stellbich- eins mit einem verheirateten Manne und bes Meineibes bezichtigt. Diese Behauptungen haben sich nicht nur als nicht erweislich wahr erwiesen, sondern gerade das Gegenteil ist durch die Beweisaufnahme erbracht. § 193 konnte nicht herangezogen werden. Die Beleidigungen sind so schwer, daß eine Gefängnisstrafe am Platze war. Bei der Strafbemesfung kam u. a. in Betracht da,ß bie Beleibigung einer jungen Dame zugefugt worben ist, ferner bie Schwere ber Beleibigung unb bie Ausübung ber Beleibigung unb Veröffentlichung in weit verbreiteten Zeitungen. Ltrafmilbernd kam in Betracht, baß es sich um einen unbescholtenen Mann hanbelt, ber einen guten Leumunb hat. Für jeben Artikel wurden acht Monate als angemessene Strafe gerechnet, die in eine Gesamtstrafe von einem Jahre zusammengezogen wurde. Der Angeklagte nahm das Urteil mit Fassung entgegen.
M ü u ch c n , 20. Mai. Ter katholische Pfarrer Mich. Brann in Hohelinde wurde wegen 20 S i tt l i ch k e i t s v erbrechen, verübt nn noch nicht 14jährigen Knaben und Mädchen, zu 6 (Monaten unb 15 Tagen Gefängnis verurteilt.
Metz, 20. Mai. Leutnant K umdruck vom 9. Dragoner- Regiment würbe vom Kriegsgericht ber 34. Division wegen Wech- s e l f ä l f ch u n g ?,u vier Monaten Gefängnis unb Ausstoßung aus bem Heere verurteilt.
Paris, 20. Mai. DaS Zivilgericht sprach gegen den Direktor Jules Elaretie unb gegen ben Verwalter bes Eomsdie Franyaise bas Urteil, bte Aufführungen bes Dramas „Le Foyer'-' von Mirbcau und Natanson, das sich Elaretie zu spielen geweigert hatte, wieder aufzunehmen. Für jeden Tag der Verzögerung ist eine Geldstrafe von 100 Franks zu zahlen.___________________________________________
RtznrsL rnrd
— Hervv ragen de k ü u st l e r i s ch e Leistung. An der Adresse, welche dein Kaiser gelegentlich der Einweihung der Hohkö nigSburg überreicht wurde, hat die Firma Gebr. Klingspor in Offenbach hervorragenden Anteil. Ein Ansschußmitglied, welches an der Ueberreichung der Adresse beteiligt war, gibt der hohen Genugtuung über die treffliche Arbeit der genannten Firma gegenüber in folgenden Worten Ausdruck: „Die Urkunde ist ein Meisterwerk und der monumentale Charakter, den sie trägt, stimmt in glücklichster Weise zu dem Gesamtbilde der ganz einzigen Veranstaltung. Se. Majestät der Kaiser Hat große Freude an dem Werke gehabt und hat dieser Freude lebhaften Ausdruck gegeben. ES wird Ihnen eine Freude und eine Genugtuung sein, für die Blühe, die Sie hier aufgewendet haben, und für manche andere große Mühe, die Sie freudig der guten Sache geschenkt haben."
— Der Kunstmaler Professor Fritz von Uhde in M ü n ch e n begeht am 22. Mai seinen 6 0. Geburtstag. Er ist zu Wolkenburg in Sachsen geboren, begann seine Studien an der Akademie zu Tresden, wurde bann Offizier im sächsichcn Garbereiter-Regiment unb machte ben Strieg von 1870/71 mit. 1877 nahm er als Rittmeister ben Abschieb unb widmete sich wieder der Malerei, zunächst in München, ging 1879 nach Paris, wo er Schüler von Mnnkacsy war. 1880 kehne er nach München zurück. Sein Hauptgebiet sind Darstellungen religiösen Inhalts, die er in bie unmittelbare Gegenwart verlegt. Von seinen Bil- bern seien genannt: „Lasset bie Kinblein zu mir kommen" (1884), „Komm, Herr Jesus, fei unser Gast" (1885), „Die Jünger in Emmaus" (.1885i, „Tischgebet" (1887), „Heilige Nacht" (1889), „Bergpredigt" (1886), „Der schwere Gang" (1890), „Himmelfahrt" (189/), „Abendmahl' (1898), „Weib, warum weinest du?" (1900), „Christus, ber Herr bes Lichts" (1905).
Meine Tageschronik.
Spionage. Aus Lille wirb berichtet, daß die Militärbehörden den dort verhafteten Eduard Reck, ber nach seinen Angaben für Teutschlanb Spionage getrieben hat, für eine wich- bige Persönlichkeit halten. Reck, ber sich in Frankreich Francois Ricker genannt hat, ist als Sohn eines deutschen Zollbeamten geboren und wurde bereits seit zwei Jahren beobachtet. .Seine Eltern sollen angeblich von ber Spionage gewußt haben. Reck hat vor kurzem ein kleines Landhaus erworben, für das er 6000 Franks bezahlt hat.
S ch i f f s u n t e r g a n g. Der „Berl. Lokal-Anz." meldet aus Falmouth: Der von Newhork nach Akontevibeo gehenbe brit. Dampfer „Japanic" kollibierte am 20. Mai morgens mit bem von Niontreal nach Lonbon gehenden britischen Dampfer „Lato na". Letzterer ging unter. Die gesamte Mann-
und vier Passagiere wurden von dem beschädigten „Japan^ gerettet und nach Falmouth gebracht.
Genickstarre. In Oberhausen sind zwei Italiener an der Genickstarre verstorben.
FamiLLeir-NttHrrchten.
Verlobte: Herr Richard Plitt in Herbstein mit Fräulein Elisabeth Schramm in Haiger.
Geborene: Herrn Otto Hassel und Frau in Wetzlar ein Sohn. — Herrn Dr. Theodor Koch unb Frau in Nikolassee-Berlin eure Tochter.
Gestorbene: Fräulein Ida Ostermeyer in Bad Nauheim. — Herr Ferdinand Morell in Friedberg. — Frau Elisabete (Lreb, geb. Hahn, in Schlitz. — Frau Rosa Neustädter, geb. Höchster, ü> Straßburg.
Kirchliche Nachrichten.
Israelitische Ueligionrgemeinde.
Gottesdienst in dec Synagoge (Süd-Anlage).
S a m § l a g den 23. M a i 1908;
Vorabend 7.45 Uhr.
9)1 o r g c n 5 8.30 Uhr.
Nachmittag 2 4.00 Uhr. Schrifterklärung.
Sabbatausgang 9.10 Uhr.
Israelitische Religionsgesellschast.
Gottesdienst.
S a b b a t i c i c r am 23. M a i 1908:
Freitag abend 7.55 Uhr.
Samstag vormittag 8.00 Uhr.
Nachmittags 4.00 Uhr.
Sabbat-Ausgang 9.10 Uhr.
Wochcngottesdiensl: morgen? 6.00 Uhr, abend? 9.10 Uhr.
handel.
— Ehrengericht der Be r l i il c r Bör s c. Dies Ehrengericht verhandele unter dem Vorsitz des englischen General- lonsuls Dr. v. Schwabach gegen ben Finanzschriftsteller Buch- walb u. Gen., gegen welche der Börsenvorstand ein Verfahr.,! auf Entziehung Der Börsenkarw eingeleüet hatte, weil fie in ben Berliner Börsenberichten Mitteilungen machten, welche ix: Interessen ber Berliner Ldrse verletzten unb bie mit ihren Ansprüchen auf kaufmännisches Vertrauen unvereinbar seien. Tas Gericht erkannte auf einen Verweis. Es nahm an, baß bi: Angeklagten sich ber Tragwellc ihrer Handlungen nicht bewußt gewesen seien.
— 9t ü d g ä n g e der Einwanderung nachAuierika. Wie auf der einen Seite fchon seit einiger Zeit die Rückwanderung aus den Vereinigten Staaten nach Europa stark angenommen hat, so ist auf der anderen Seite die Einwanderung dorthin in ständiger Abnahme begriffen. Im April betrug bie Zahl der Einwanderer nur 41 000 gegen 145 000 im April 1907 unb in der Zeit vom 1. Januar bis En.de April 124 000 gegen 404 000 in der gleichen Vorjahrszeit. Nach dem im Rcichsanz. veröffentlichten Ausweis wurden im Monat April 1908 befördert : deutsche Auswanderer über Bremen 758 (i. V. 2108-, über Hamburg 691 (891), zusammen 1449 gegen 3071 i. V. Ans deutschen Häfen wurden int April neben den 1449 deutschen Auswanderern noch 5088 Angehörige fremder Staaten befördert: davon gingen über Bremen 2299, über Hamburg 2789.
— Eine neue japanische Anleihe in Sicht. Japan unterhandelt nach vorliegenden Meldungen in London unb Newhork wegen Aufnahme einer Anleihe in .Höhe von 30 Mill. Lstill. Demgegenüber ist darauf hinzmoeisen, daß nach einem jüngst veröffentlichten Exposö ber japanifchen Regierung an Ueberschüssen auS bem Jahre 1906/07 unb 1907/08 342,61 Mill. BenS vertagen, wovon nur 229,4 Mill. Pens bisher verwenbel worben find, sodaß noch 113,21 Mill. Pens verfügbar wären.
Märkte.
fc. Franks u r t a. M., 21. Mai. (Telegr. Lrig.-Bericht de? „©iejs. 2(113.".) Amtliche Neuerungen der heutigen Viehmarkl- preise. Zum Verkaufe standen: 16 Ochsen, UO aus Oesterreich 0 Bullen, CO 01t? Oesterreich, 47 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 900 Kälber, 60 Schake und Häminel, 1142 Schweine, 12 Ziegen, 5 Ziegenlämmer, 3 Schastamnicr. Bezahlt wurden für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen: 1 Oucilität 77—80 Mk., 2. Qualität 68—70 ' Mk., 3. Qiialltät 58—60 Mk.; Bullen: 1. Qual. 64-67, 2. Dual. 58—60; Kühe 1. Qualität 70-72 Mk., 2. Qual. 60-62 Mk., 3. Qual. 38-40 Mk., 4. Qual. 00-00 M., 5. Qual. 00—00 All. Bezahlt wurden für das Pfund Schlachtgewicht : Kälber ]. Qualität 98 bis 100 Psg., Lebendgewicht 58—52 Psg., 2. Qualität L4—88 Psg., Lebendgewicht 48-52 Psg., Schlctchtgew. 70—72 Pfg.; Schafe: 1. Qual. Schlachtgetv. 82 bis 00 Pfg., 2. Qual. 74—78 Pfg. Schweine: 1. Qnal. 63—00 Pf., Lebendgewicht 49,5—00 Pf., 2. Qual. 61—62 Ps., Lebendgewicht 48,5—49 Pfg., 8. Qual. 52—56 Pfg., Lebendgewicht 00—UO Psg. Geschäft bei Hornvieh gut, Ucberstanb unbedeutend; bei Kleinvieh lebhafi, fein Ueberstcmd.
L1 mb u-r g a. d. Lah n , 20. Mai. Frucht markt. Durchschnittspreis pro Malter. Roter Weizen (nassamscher) 18,00 Mk., iveißer Weizen 00,00 Mk., Korn 15,00 Mk., Gerste 11,40 Mk., Haier 8.00—0.00 Mk. nach Qnal., Erbsen 0,00 All., Kartoffeln 6,00 Alk.
Gießener Wetterdienst.
Voraussichtliche Wittcrnng für Hessen am Freitag, den 22. Mai: Veränderliche Bewölkung, vielfach Äcivitter. Warm. Südliche Winde.
Wien, 21. Mai. Das spanische Königspaar trifft zum Besuch des hiesigen Hofes am 26. September ds. in Wien ein. Dcr offizielle Besuch wird sich nur auf wenige Stunden erstrecken, doch durfte daS Kvnigspaar noch einige Zeit incognito in Oesterreich verweilen.
Budapest, 21. Mai. Die Mül; lenverbände beabsichtigen mit Rücksicht ans die anhaltende Geschäftsstille den Betrieb der Mühlen für einige Zeit cinzustellen.
Paris, 21. Alai. Aus Tunis wird gemeldet, daß auf dein Torpedoboot 216 gestern ein Dampsrohr platzte, wobei Drei Heizer verbrüht wurden.
Parma, 21. Mai. Ein Eisenbahn zu g, Der 450 Jr- beiter aus Ppa besörderle, wurde in Castel ^uelvo von ft reitenden Arbeitern an geh alten. Kavallerie schritt ic- boch ein und verschsuchte die Streikenden. Kenner ber hiesigen Verhältnisse behaupten, daß der Streik der Landarbeiter halb beendet sein wird.
Madrid, 21. Mai. Im Senat antwortete der Minister des Aeußern auf eine Anfrage, daß der fran- z ö s i s ch - s p a n i s ch c Z w r s ch e n f a l l i n C a s a b l a n c a nicht bedeutend genug gewesen sei, um einen internationalen Konflikt herbeizuführen. Der Minister fügte hinzu, cs liege weder eine Taktlosigkeit noch eine Verminderung der Autorität Spaniens vor. Im übrigen sei die Regierung, fest entschlossen, die nötige Aufklärung und strenge .Bestrafung der Schuldigen zu verlangen. .
London, 21. Mai. Das Blatt „Globe" kommentiert den bevorstehenden Besuch des Königs Eduard beim Zaren und glaubt darin den Abschluß einer Verständigung zwischen England!-, Frankreich und Rußland sehen zu dürfen, welche die beste Garantie für den Frieden in Europa sein würde. Das Blatt meint, Deutschland würde zwar diese Verständigung nicht mit günstigen Augen betrachten, aber der Weltfriede sei schließlich wichtiger als die Zu-- friedenheit.Deutschlands.


