Ausgabe 
21.5.1908 Zweites Blatt
 
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119 Zweites Blatt

158, Jahrgang

Donnerstag 2IV Mai 1908

Lrscheinl lügllch mii Ausnahme deS Sonntags,

Die Gießener KamtltendlLtter- werden dem .Unfretflei* Biennal wöchentlich bcigelegi, das Kreisblau für den Kreis Stehen" zweimal «LchenlUch. DieLanvwtrrschaftltcheu Seit» fragen*4 ec|d)emeii monatlich ziveimal.

Gießener Anzeiger

Eemral-AyZeiger für Oberhejsen

Rotationsdruck na- Verlag der Ar 2-leches Universitäts-Buch- und Steindruckuei.

R, Lange, Gießru.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schub- (trabe 7. Expedition und Verlag: UL

SiebftftUEie^öiS, 2^^ll)ruAnzeigerGießen-

Die Vorgänge in Oesterreich.

Die inneren Zustande in der Donaumonarchie, die (ich in den leisten Mo.unen etwas gebessert zu haben schienen, haben sich in den leisten Tagen wieder ganz bedeutend zugespitzt. Auf der einen Seite ist es das Verhältnis -n Ungarn, das viel zu wünschen übrig lässt. Es handelt sich bei den augenblicklich schwebeiiden Differenzen in der Hauptsache um die Frage der Regelung der O s f i z i c r s g e h ä l t e r , deren ^Notwendig­keit allgemein anerlanut wird, da tatsächlich nirgends die Ofsi- zicre eine so niedrige Bezahlung erhalten, laie in Oesterreichs Ungatn; das gibt inan in Transleithanien selbst zu, aber eigene sinnig will man die Gehaltserhöhung noch ein Jahr hinaus­schieben, anscheinend um sich.die Zustimmung durch weitere natio­nale Konzessionen abkaufen zu lassen, dann aber auch, weil man den Herren in Wien zu Gentüte führen will, daß sie nichts auszu­richten vermögen, wenn man in Budapest nicht will. Da ftch der Reichslriegsrninister von Schönaich und der Minister des Aeustereu von Aehrenthal in der Angelegenheit sehr engagiert haben, jo liegt eine einschneidende M i u i ft e r kr i s is nicht außerhalb des Bereiches der Möglichkeit, wenn nicht in letzter Stunde noch eine Verständigung erzielt wird. Aber nicht genug damit, beginnen auch in Cisleithauicn selbst die Verhältnisse (ich wieder zu verwirren, und nachdem schon mehrfach in den letzten Wochen hie und da der N a t i o n a l i t ä t e n h a st auf­loderte, ist auch im Lager der Deutschen der unselige Parteihader wieder auSgebrochen. In der letzten Zeit bestand zwischen den deutschen Parteien eine Art Burgfrieden, man liest die bisherigen Streitigkeiten außer Spiel, in grundlegenden Fragen stand man einträchtig zusammen, ähnlich Ivie die Blockparteien in Deutsch­land, und die Negierung war dadurch in der Lage, stber eine sichere Mehrheit zu tierfügen.

Nun aber haben dieVorgängeandenUniversitäten von Graz und Innsbruck einen tiefen Rist in diese deutsche Gemeinschaft gebracht und eine Situation hcrbeigesührt, deren Ende sich noch nicht absehen läßt. Tie Differenzen zwischen frei» hcitlich gesinnten und klerikalen Studenten be­stehen nicht erst seit heute und geilem, sondern schon seit Jahrert sind schwere Zusammenstöste zwischen beiden Richtungen keine Seltenheit. Allerdings haben sie noch nie derartige Dimensionen angenommen wie jetzt, wo verschiedener Zündstoff, speziell die Wahrmundaffäre, anaehäuft waren, die herrschende Erregung bis zur Siedehitze getrieben hat. Damit sollen nun keines!vegs die schweren Exzesse, die in beiden Universitätsstädten stattgesundeu haben, entschuldigt werden, man müßte so viel Anstand und Dis­ziplin wahren, es nicht zunt Aettstersten koutmen zu lassen: aller­dings liegt die Schuld auf beiden Seiten, denn es mußte bei­spielsweise als eine Provokation angesehen werden, wenn in Graz die klerikalen Studenten in Begleitung eines mit Knütteln be­waffneten Hausens Bauern anrückten. Wie nicht anders zu er­warten war, konnten diese Vorgänge nicht ohne Rückwirkung auf die Verhältnisse der Parteien und deren parlamentarischen Gruppen bleiben und so ist es denn am Dienstag im Abgeordnettznhause zu wüsten Tumulten gekommen, wobei es lärmende Zusammenstöße zwischen Deutschradiläten und Christlichsozialen gegeben hat. Da­mit rvar selbstverständlich das überhaupt 'nur lockere Band zwischen diesen Parteien zerschnitten, und damit dürfte auch das bis­herige Zusammenhalten der deutschen Parteien in die Brüche gehen. Selbstverständlich dürfte diese Wendung auch auf den Gang der Parlamentsgeschäste nicht ohne Einfluß bleiben und daS Kavinett mag daher der weiteren Entwickelung der Dinge mit Besorgnis entgegenfefjen. Eine Besserung der Situation ist fürs erste kaum zu erwarten, in Innsbruck herrscht ungeheure Erregung, die Landbevölkerung wird mobil gemacht und aufgefordert, nach der Stadt zit kommen, um den Gegnern der Klerikalen Bescheid zu tun. Scharfe Zusammenstöße sind daher ^zu erwarten, und zweifel­los geht man in t>er Donaumonarchie trüben Tagen entgegen.

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Wie man unS unter dem 20. ds. Mts. aus Innsbruck melbct, ist die vorvergangene Nacht ruhig verlaufen. Tie Vorlesungen an der Universität wurden vormittags in vollem Umfange wieder aufgenommen, ohne daß es 511 einem Zwischenfall kam. Die Zahl der vorgestern Verletzten tuar bisher nicht (estzustellen. Ter Nektar erließ eine Kundgebung, worin eine sofortige Relegation der Slndenten angcdroht wird, die den Boden der akademischen Ord­nung stören.

Wien farn c5 an der Universität gestern mittag zwischen deutschnationalen und klerikalen Studenten abermals 511 einer Prügelei. Wie verlautet, tuerben die Behörden, wenn die Deuischnalionalen die unnötigen Demonstrationen nicht einstellen, gegen diese nunmehr energisch einschreiten.

Die ch r i st l i ch - s 0 z i a l e Partei hielt gefteru vormittag in Wien eine Sitzung ab, in welcher konstatiert wurde, daß die Vlättermeldung, wonach die Partei Verhandlungen mit An­gehörigen nicht deutscher Parteien gepflogen hätten, sowie daß die Partei auf den Sturz des Unterrichtsministeriums hinarbeite, um einen der ihrigen zum Unterrichlsminisler zu machen, vollständig unbegründet seien. Gleichzeitig wurde der Beschluß gefaßt, daß bet voller Wahrung der Freiheit Der Forschung und der Wlssen- schast und insbesondere der Lehr- und Lernfreiheit und der Gleich­berechtigung aller Slndenten und Professoren daraus zu drängen sei, daß der jüdische Einfluß auf allen Gebieten des BildungL- wesens beseitigt iverde. ________________________

KsSMschc Tagesschau.

Betriebseinnahmen der preußisch-hessischen Eiseiibahngerneinschaft.

DerNvrdd. Allg. Ztg." zusolge betrugen die Betriebsetn- Nahmen der Prcußisch-Heisstcheu Staatseisenbahnen im April im Personenverkehr rund 3.1 Mill. Mk. gleich 7.14 Proz. mehr, und im Güterverkehr 2.5 Mill. Mk. gleich 2.46 Proz. , weniger, insgesamt einschließlich der sonstigen Einnahmen 0.7 Mill. gleich 0.48 Proz. mehr als den gleichen Monat des Vor;ahrcs. Die Steigerung der Einnahmen aus dem Personenverkehr ist größten- teils eine Folge der Lage des Ostersestes, das in diesem Jahre ganz, im Vorjahre aber nur mit dem zweiten Feiertage in den April fiel. Das Ergebnis des Güterverkehrs war günstiger als cs den Anschein hat, da der diesjährige April einen Arbeitstag weniger zählte als der vorjährige, ütuf den ArocitStag gerechnet, sind die.Einnahmen aus dem Güterverkehr jogar gestiegen.

Reform des braunschweigischen Laudtagswahlrechts.

Die brauufchweigifche Landesversammlung behandelte in ihrer gestrigen Sitzung die Anträge zur Vorbereitung von Vorschlägen betr. die Abänderung des Landtagswahlrechtes der eingesetzten lkommissiou, die dahin gehen, die bisher indirekte Wahl durch die direkte Wahl zu ersetzen wwie die Zahl der Urwähler der ersten Klasse auf Mindestens 10 Proz., d e der zweiten Klasse auf 20 Proz. und die der drit.en aus X) Proz. sestzusetzen. Die Urwähler der ersten Klass^ haben drei, die der zweiten zwei und die der dritten.Klasse emestimme. Die Vorschläge der Kommission wurden mit u7 von 45 abge- rebenen Stimmen angenommcn.

Neuregelung des Radfahcverkehrs.

DieBerl. Korresp." schreibt: Für die einheitliche Neurege- lung des Nodfahrverkehrs stellte das Reichsamt des Innern Enund- iüge auf, die laut Beschluß des Bundesrats im gefamten tzehiet des Deutschen Reiches vom L August 1908

ab gleichmäßig Anwendung finden sollen. Tie bisher gelten-1 den Polizeiverordnungen sind allenthalben genau dem Wortlaut dieser Grundzüge anzupassen: dabei ist zu beachten, daß die Bemessung der Gebühren für die Ausstellung von Nadsahrkarten den einzelnen Bundesregierungen überlassen bleibt, jedoch soll die Ausstellung von Karten mit zeitlich beschränkter Gül­tigkeit nicht mehr zulässig sein. Die landesrechtlichen Bestimmungen, durch die zu steuerlichen Zwecken die Mitführung Don Quittungen über Fahrradsteuern oder die Führung von Nummernschildern angeordnet ivtrb, bleiben in Geltung.

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Der Verband der würUcutbergischeii Weinhandler hat sich zu dem Entwurf des Weingesetzes dahin geäußert, daß das Gesetz eine schwere Schädigung des württembergischen Wein- Handels bedeuten würde. Der Verein fordert insbesondere, daß die Verzuckerung für das ganze Reich unter geeigneter Kontrolle freigegeben werde und nicht nur, wie vorgesehen, innerhalb des Weingebietes zulässig sei. Das Weingesetz von 1901 sei bei Einführung einheitlicher Kontrolle und obligatorischer Buchfüh­rung vollkommen ausreichend.

Tie süddeutscher: Bürgermeister in Loudon.

Einer Einladung des Königs folgend, besuchten gestern vor­mittag die süddeutschen Bürgermeister Schloß Windsor, wo sie von Lord Esher empfangen und von Sir Charles Frederick namens des Königs willkommen geheißen wurden. Die Gesellschaft fuhr im Wagen vom Bahnhof zunächst zum Mausoleum in Frogmore, wseolbst der Oberbürgermeister von München am Sarg der Königin Viktoria einen prächtigen Kranz mit deutscher Inschrift nieder­legte. Nach der Besichtigung des königlichen Gutes wurden die Gäste von Hofbeamten in die Orangerie geleitet, in der der Lunch eingenommen wurde. Nachdem noch die Staatsgemächer in Augenschein genommen worden waren, kehrten die Besucher nachmittags mittels Sonderzuges nach London zurück. Die süd­deutschen Bürgermeister nahmen gestern abend an einem Ban^tle in Keysers Hotel teil. Nach Trinksprüchen auf König Eduard und Kaiser Wilhelm wurde dieWacht am Rhein" ge­sungen. Der Vorstände, Polare de Kehser, betonte in seiner Rede, daß die Deuti'ckzen und die Engländer Brüder seien und Seite an Seite ständen, nicht nur im Interesse des Handels, sondern auch des Weltfriedens. Die Oberbürgermeister vonMüu- d>en, Mannheim und Heidelberg dankten für beit herzlichen Emv- fang. Zur Verlesung gelangte ein Telegramm des Königs Eduard, der seine Freude darüber ausdrüäte, daß die deutschen Gäste jich über ihren .Empfang in Windsor so anerkennend ausgesprochen hatten.

Zusammenkunft zwischen König Eduard und Zar Nikolaus.

Wie Reuter erfährt, wird die Zusammenkunft zwischen dem König von England und dem Kaiser von Rußland in Reval ftattsinden, wo her König von Englaub am 9. Juni auf der VachtVictoria and Albert" einzutreffen gedenkt..In offi­ziellen Steifen wird darauf hingewiesen, daß es der erste Be­such ist, den König Eduard seit seiner Thronbesteigung dem russ. Kaiser abfuitien kann, mit dem er durch Bande der Freundschaft und nabet Verwandtschaft enge verbunden ist. Wie Neuler aus diplomatischer Quelle noch erfährt, ist die Zusammenkunft der beiden Herrscher schon seit einiger Zeft ins Auge gefaßt worden, wurde aber infolge des russisch-japanischen Krieges und der inneren Wirren in Rußland Gufgeidjoben. Obwohl der Besuch leinen politischen Hintergrund besitzt, betrachtet man ihn als einen weiteren Beweis Der engeren Beziehungen, die zwischen den beiden Ländern durch daS englisch-rufsische Abkommen geschaffen worhen find. Ob der Besuch Honig EduaroS beim Zaren in Zarswje Lew oder Peterhof erfolgt, ist cinftivcllcn r.od) nicht bestimmt. Es wird hier überhaupt große Verschwiegenheit bezüglich deS Besuches be­obachtet. Selbst die Diylomatenkreise wissen noch nichts genaues darüber. Jedenfalls wird dem Besuch große politische Bedeutung beigemessen. Die Rückreise des Königs von England wird am 12. Juni erfolgen.

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DaS Programm der Reise des Präsidenten FallidreZ ist wie folgt festgesetzt: Abends von Paris am 25. Mai, Ankunft in Boulogne um 10.30 Uhr, ab nach Dover 11.30 Uhr, an in Dover 1 Uhr. Präsident Fallieres wird in Dover vom Prinzen von Conuaugth begrüßt werden und dann mittels Spezialznges nach London abfahren, wo König Eduard am Bahnhofe ihn be­grüßen wird. Daun erfolgt die Abreise nach dem St. James- Palast, wo der Präsident während seines Aufenthaltes Wohnung nehmen wird. Montag abend Hoftafel. Dienstag wird der Prä- sideuet die französische Botschaft besuchen und Mitglieder der sran- zösischen Kolonie empfangen. Im Laufe des Tages besichtigt der Präsident die srauzösisch-englische Ausstellung. Abends Diner beim Prinzen von Wales, anschließend daran ein Hofball. Mitt­woch Diner in der Guildhall, abends Galavorstellung in der Oper. Donnerstag Besichtigung des sranzösischen Spitals und Absahrt nach dem Schlosse Windsor. Abends findet ein Diner statt, welches Präsident Fallieres zu Ehren des Königs und des Prinzen von Wales geben wird. Tie Rückreise nach Paris erfolgt Freitag morgen.

Das Schicksal des Sultans Abdul Asis scheint nun besiegelt zu sein. Nach einer Meldung derTimes" aus Tanger brach Abdul Asis vor einigen Tagen von Rabat auf, um nach Fez zn marschieren. Nun ist seine ganze Armee von feindlichen Stämmen umzingelt. Diese Armee bildete den letzten Hoffnungsanker Abdul Asis. Seine ganze Artillerie, sein ganzer Vorrat an Waffen und Munition, aber auch sein ganzer Geldfchatz befindet sich bei dieser vom Feinde abgeschnittencn Armee. Ter Korrespondent derTimes" telegraphiert, die Trup­pen von Abdul Asis würden wahrscheinlich desertieren oder sich kampflos ergeben. Angesichts der wiederholten Zwckchensalle in Casablanca fordern die Blätter die Regierung ungestüm auf. die spanischen Truppen ^urückzuziehen und jedes Zummmengchcn mit Frankreich in Marokko aufzugcben.

AsesLasrd.

Frauenstimmrecht in England. Premierminister As­quith machte einer von ihn: empfangenen Abordnung von Lüt- hängcrtnnen des Frauenstimmrechtes die Mitteilung. datz die Re­gierung noch vor Parlamentsschluß umsassende Maßregeln Tur eine Wahlreform treffen werde: er selbst rede dem Fraucnftlinin- recht nicht das Wort. Die Regierung werbe jedoch einer Ge­setzesänderung zugunsten des Frauenitimmrechts ker­nen Widerstand entgegensetzen.

Ter englische Gesandte in Tanger, Sir Lowther, wird nicht, wie irrtümlicher Weise berichtet, nach Ltfsabon, sondern nach Konstantinopel versetzt werden.

Verhaftete Soldaten. In Krementschuk (Rußland) wurden 18 Soldaten, während sie an einer geheimen Versamm­lung teilnahmen, verhaftet. _ . . .

Ein Wageuunsallder Königin W 11 p c l nt 1 n a. Aus Apclb0!.r.i wirb gemeldet: Beim Herannahei: eines Auwinobils würben D.c Pferde des vom Prinzgemahl gelenkten Phaewns, ~iu oem i;d) auch die Königin Wilhelmina vefand, unruhig, öie bäumten sich auf und drängten vorwärts, wobei ein Rad des Phaetons mit dem Autpmtzb.il kollidierte. Iie $öniflin und ihr

Gemahl kamen mit dem Schrecken davon und konnten die Fahrt fort» fetzen.

Der Papst richtete an die französischen Kardinäle ein Schreiben, in dem er Die von der französischen Regie­rung angeregte Gründung geistlicher Hilfsvereine, die vom Staat 50 Millionen Zuschuß bezielzen sollen, entschieden ablehut. Ter Vatikan erblickt in diesem Verein nur eine anbeic Form der von ihm perhorreszierten Kultus-Gemeinschasten. Tas schroffe Vor­gehen der Kurie zeigt, baß der Konflikt mit Frankreich noch immer akut ist und baß Rom in keiner Weife zum Entgegenkommen ge­willt ist.

Lehr er au stau sch. Nach dem Vorbilb: des Prosessoreu- Austausches zwischen der Harvarb-Universität und der Universität Berlin soll jetzt auch ein Äustausch von Lehrkräften d e r n n t e r e n S ch u l e n i n B 0 st 0 n u n b B e r l i n stattfinden. Aus 'Anregung des deutschen Kaisers wirb ein Bostoner Lehrer im September d. I. nach Berlin gesandc werden. Er soll dort ein Jahr bleiben, um den bentscheu Unlerrichtsbctrreb kennen zu lernen. Später soll dann umgekehrt ein Berliner Lehrer nach Boston kommen. Die Mittel werden aus der Carnegio-Stiftung bereitgestellt.

Eine merkwürdige Auorbuung. Alle Notare in Warschau wurden plötzlich von beit GerichtSvorständeii ausgesordert, genaue Angaben über die in .beit letzten fünf Jahren in deutsche Hände ü b c r g e g a n g e u e n Güter und Grundstücke zu mad}eii. Angeblich soll der Befehl hierzu aus Petersburg geiommcit fein.

21U5 Stadt rrrrd Land.

Gießen, 21. Mai 1908.

" Landesuniversität. S K. H. der Großherzog haben den Hilfsbibliothekar Dr. Gg. Koch in Gießen zuni Bibliothekar der LaudeSuniversität Gießen ernannt uiib den Präparator am zoologischen und vergleichend anatomischen Institut der Landesuniversität Karl S t a d e l m a n n in Gießen auf Nachsuchen aus dem Staatsdienst entlassen.

Ans dem Ntilitär»W0chenb la t. Zum Komp.- Chef ernannt unter Beförderung zum Hanptm.: Cbcrlt. Quade im 2. Masur. Jnf.-Negt. No. 147, unter Versetzung in daS Inf. - Leib - Regt. Großherzogin (3. Großh. Hess.) No. 117. Zum Oberstlt. befördert: Ntajor von der Sch ulen bürg, beauftragt mit der Führung de§ Garde- Drag.-Rcgts. (1. Großh. Hess.) No. 23. Zu LberltS. be­fördert: die Lts. Frhr. v. Dörnberg im Garde-Drag.- Negt. (1. Großh. Hess.) No. 23, Günther im Leib-Trag.« Negt. (2. Großh. Hess.) No. 24. Unter Enthebung von seiner jetzigen Dienststellung zur Dienstleistung beim Bc- kleidungsamte bc5 XVIII. Armeekorps kommandiert: v. Nett berg, Komp. - Chef im Jnf.-Lcib-Negt. Groß­herzogin (3. Großh. Hess.) No. 117. Befördert zu LtS. die Fähnriche: Lübbecke im Inf. - Negt. Prinz Karl (4. Großh. Hess.) No. 118, Brendel (Ernst) im Jnf.- Negt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) No. 116, Frhr. ü. Waldenfels inf Leib-Drag.-Ngt. (2. Großh. Hess.) No. 24; zum Fähnrich: Unteroffizier Wolf im Inf. - Negt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) No. 116. Auf sein Ge­such zu den Nes.-Offiziercn deS Negts. üb er geführt: Lt. Zaepcrnick im 2. Großh. Hess. Feldart.-Regt. No. 61. Jin 1. Vierteljahr 1908 bekannt gewordene Todesfälle von pensionierten und verabschiedeten Offizieren: v. Renz, Oberst a. D., zuletzt Kommandeur deS 2. Großh. Hess. Fcld- art.-Negt§. No. 61, Schulze, Major z. D., zuletzt Bc- zirkSoffizier beim Landwehr - Bez. I Darmstadt, Ebel, Hauptm. a. D., zuletzt im damal. 2. Großh. Hess. Inf.-Negt. (Großhcrzog) Wo. 116.

* * Bestätigter Beigeordneter. S. K. H. der Groß Herzog haben die durch die Stadtverordnetenver­sammlung zu Offenbach erfolgte Wahl des Kreisgeometers und Stadtverordneten Jak. Port h zu. Offenbach zum un­besoldeten Beigeordneten der Stadt Offenbach bestätigt;

* * R uhestandsvcrsetz 11 n g. S. K. H. der G r 0 ß - Herzog haben am 14. Mai d. I. den Oberlehrer an dem Herbstgymnafium zu Mainz Professor Dr. Jak. N 0 v er auf sein Nachfuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste in den Ruhestand versetzt und ihm die Krone zum Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

* * Pfarrp ers 0 nalic u. Ernannt wurden: Psarrver- walter Frank zu Hirschhorn zum Pfarrafsistentcn in Pfung­stadt; Pfarrassistent Hoffmann zu Neu-Isenburg zum Pforrvikar in Wimpfen; Pfarrassistent Wörißhoffer zu Dietzenbach zum Pfarrvikar daselbst; Pfarrassistent Veller 511 Bretzenheim zum Pfarrassistcnten in Schönberg; Pfare- assistent Grein zu Mainz zum Pfarrafsistentcn Der Land- pfarrei Mainz (mit Dem Wohnsitz in Bretzenheim); Pfarr- assistcnt Steiner zu Pfungstadt zum Pfarrassistenten in Mainz (Johannisgemeinde). Gest orben ist der coangel. Pfarrer 1, P. Geh. Kirchenrat D. Thomas Stock von Stock- Hansen zu Gießen am 14. April. Zur Wiederbesetzung wird ausgeschrieben: die zweite cyangel. Pfarrstctle zu Groß-Gerau.

** Freidenker-Vereinigung.Freiheitliche Külturideale" war das Thema eines Vortrags, den Herr Prof. Kinkel gestern abend in einer Versammlung der Freidenker-Vereinigung imEinhorn" hielt. Redner giug aus von dem Humanitätsgedanken, wie er von ^Herder, Kant, Schiller und Goethe ausgesprochen worden ist. Man dürfe darum nicht sagen: Macht geht vor Recht, denn Recht soll die.Grundlage des Staates sein. Recht geht vor Macht. Man habe heutzutage eine öffentliche und eine private Moral, also eine doppelte, ja sogar eine dreifache, vierfache, siebenfache Moral, eine Moral der Standesherren, eine Moral der einfachen Bürger, der.Arbeiter usw. Klassen- und Rassenhaß, wie er sich bei uns in der .Absonderung der einzelnen Stände zeige, sei direkt unsittlich. .Alle mecha< nische Arbeit deklassiere Den Menschen, aber der Staat habe die Pflicht, einem jeden Menschen .Anteil an allen Gütern der Kultur zu geben. Es gebe viele Möglichkeiten, um solchen Gegensätzen und Standesvorurteilcn entgegenzu» wirken. Was wir verlangen müßten, das sei die Fortschritts-. Möglichkeit durch gleiches Wahlrecht und Erfüllung der ver-.