Ausgabe 
24.8.1908 Zweites Blatt
 
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Nr. 198 Zweites Blatt

158. Jahrgang

Montag 24. August 1908

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieSiebener Zamlliendlätter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das Kretsblatt für den Kreis Sieben" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhetzen

Rotationsdruck und Verlag der Brüh lachen UrnversuälS - Buch- und Ereindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- slraße 7. Expedition und Verlag: 5L

Redaktion: IIS. Tel.-AdruAnzeigerGießen.

politische Tagesscbnu.

Der Besuch des englischen Schahlauzlers.

Nachdem der britische Schatzkanzler Mister Lloyd George »nährend seines zweitägigen Verweilens in der Neichshaupt- ßtadt Gelegenheit gehabt hat, alle für die deutsche AlterS- und Invaliditäts-Versicherung maßgebenden Einrichtungen ein­gehend iu Augenschein zu nehmen und eine Fülle von wert­vollem Material in seine Heimat mitzunehmen, hat er sich »Samstag abend über Haneburg nach England zurückbegeben. Wie der .Lokal-Anzeiger' zuverlässig erfährt, ist es im Ver­lauf seines Verkehrs mit den leitenden deutschen Stellen zu einerlei Besprechungen über eine deutsch-englische Ver- ttändigung in Sachen des Flottenbaues gekommen. Der eng­lische Staatsmann ist mit keinem Vorschlag irgendwelcher 9lrt tecvorgetretcn, noch viel weniger ist von deutscher Seite eine Anregung zu einem Gedankenaustausch über diese Frage aus- xegangen. In Hamburg hatte Lloyd George gestern vor­mittag eine längere Besprechung mit dem Präsidenten der See-BerufSgenosienschast über die Einrichtung und den AuS- tau dieser Organisation; dann untcrnahin er eine Hafen­rundfahrt. Heute vormittag sollte Lloyd George an einem »on der Hamburg-Amerika-Linie ihm zu Ehren gegebenen Frühstück tcilnehmen wird und hierattf nachmittag? nach Bremen obreisen, von wo er nach kurzem Aufenthalt nach England heimkehrt.

Deutsche» Reich.

Deutsch-s üdwefta s r ika n isch e Diamanten. Die Deutsche Kvlvnialäeitung" teilt mit, daß Staatssekretär Dernburg nach seiner Rückkehr dem Kaiser ein goldenes Kästchen voll doutsch- ßüdweslasrikanischer Diamanten überreiäzen wird-

Die Einberufung des preußischen Landtags Der Termin, -u dem die Einbecusimg des preußischen Landtags «folgt, wird, ime dieV- Ztg." erfährt, in der nächsten Sitzung des Staatsininisteriums endgülüg beftimmt werden- Die Anf- tzassung, das Parlament werde diesmal verhältnistnäßig srüh-- ctroa $u.m 20. Oktober, zusammenberufen werden, teilt man an ien zuständigen Stellen- Letztere hegen den dringenden Wunsch, die Äesoldungsvorlagen vor Weihnachten zum Abschluß zu bringen-

Zur Neichstagscrsatzwahl in Ludwigshafen- Die sozialdemokratischePfälzische Poft" dementiert mit aller Bestimmtheit die Aufstellung des Volksschullehrers Hofmann c.ud Kaiserslautern als sozialdemokratischen Landtagskandidten- bisher ist doh feiten der fozialdemokralisd-en Fraktion zur Zdan- cidatur für den Wahlkreis Kaiserslautern überhaupt noch keine Stellung genommen worden-

Der Vertreter der auswärtigen Politik Italiens, Minister T i 11 o n i, hat sich bekanntlich über Lindau nach Salzburg begeben- Wie derLokal-Anz." erfährt, gedenkt der Staatsmann auch den bei Berchtesgaden auf Urlaub weilenden Staatssekretär des deutschen Ausivariigcn Amtes, v- Schön, zu lesuchen und bei dieser Gelegenheit über die laufenden politischen fragen zu konferieren- Am 22. August traf Tittoni bereits m München ein-

Die Beleidigung der Prüsungskommifsiondes Prinzen August Wildelm- Im Widerspruch zur Be­hauptung der Straßburger Korrespondenz ist am Samstag den leiden Slraßburger Parteizeitungen die Eröffnung der Vorunter­suchung in der Strafsache wegen Beleidigung der Prüfungskom- »aission des Prinzen August Wilhelm und die Vorladung zur Xjernehniung zugestellt worden-

In Kassel fand gestern vormittag in Anwesenheit des §äiserpaares im hiesigen Residenzpalais die Nagelung und Äeihe einer Reihe neuer Fahnen statt, welche für Die Regimenter der für das Kaisermanüver in Betracht kommenden Armeekorps bestimmt find-

Umfangreiche vo lnisch e Gehe i m bündeleien werden in nächster Zeit die oberschlesischen Gerichte beschäftigen- Wie diezeattöwitzer Ztg-" meldet, find Anklagen gegen den

Arbeiterverein in Biskupitz, gegen 58 Mitglieder des polnisch- katholischen Vereins in Zabrze erhoben worden- Cs handelt sich um Teilnahme an Verbindungen, deren Dasein, Verfassung oder Zweck vor der Staatsregierung geheim gehalten wurde- Den An­geklagten wird besonders zur Last gelegt, an Bestrebungen teil­genommen zu haben, die eine Wiedererrichtung des Mlnischcn Reiches bezwecken-

Die Aircheneinweihung in Grohen-Linden.

eh. Großen-Linden, 22. Aug.

Heute war ein hoher Festtag für das Städtchen Großen- Linden, galt es doch, das alte Gotteshaus, das wegen der Wiederherstellungsarbeiten feit vielen Monaten unbenutz­bar war und von vielen schmerzlich entbehrt wurde, wie­der seiner Bestimmung zu übergeben. So feierten berui alle Glieder der Gemeinde das Fest als ihr Fest mit. Kein Haus war ungeschmückt und viele Gebäude trugen neben dem Fahnen- und Blumenschmuck noch ein besonderes Fest­kleid, da zahlreiche Häuser neu verdutzt waren. Trotzdem es Wochentag war, ruhte die Arbeit und frohe Menschen begaben sich in den Morgenstunden zur Kirche, die in­mitten des Städtchens etwas erhöbt liegt, eine echte Hessen­kirche, die in früheren Jahrhunderten nicht nur dem Gottesdienst diente, sondern in Kriegszeiten auch als Zu­fluchtsort und Verteidigungsplatz benutzt wurde.

Der Zug, der nach 10 Uhr von Gießen kommt, brachte zahlreiche auswärtige Festgäste. Zum großen Leidwesen der Einwohnerschaft blieb zwar der Großherzog aus, wie zwei Tage vorher bekannt geworden war, aber es kamen der Minister des Innern, Braun, Oberkonsistorialpräjident Nebel, Geheimerat Frhr. von Biegeleben und Super­intendent D. Petersen von Darmstadt, Geheimerat Pro­vinzialdirektor Dr. Breidert und Baurat Diehm von Gießen, Krersrat Boeckmaim und Kreisschulinspektor Scheerer von Büdingen, zahlreiche Geistliche des Dekanats und der be­nachbarten preußischen Orte. Staatsminister Ewald, die Geheimräte Walther und Hofmann und Reichstagsabgeord­neter Köhler hatten sick) schriftlich entschuldigt.

Um 11 Uhr bewegte sich ein stattlicher Festzug zur Kirche. Voran ging die Schuljugend, dann kamen unter Voranttitt eines Teils der Gießener Regimentsmusik die Ehren-Gäste, der Orts- und Kirchenvorstand, dem die alte Gemeindefahne vorangetragen wurde, der Kriegerverem, der Turnverein und die beiden Gesangvereine.

Vor dem Kirchenportal sang die Gemeinde unter Posau­nenbegleitungTut mir auf die schöne Pforte", woraus der Leiter der Wiederherstellungsarbeiten, Regierungsbau­meister Kuhlmann, den Schlüssel dem Minister Braun überreichte. Exz. Braun übernahm ihn mit dem Aus­druck des Dankes an Baumeister und Handwerker für die sachkundige und pflichttreue Ausführung der Wiederher- stellungsarbeiten. Mit dem Wunsche, daß die Kirche für alle Zeiten ein Haus des Friedens in der Unrast der Tage, ein Denkmal des frommen Sinnes der Bewohner der Ge­meinde, eine feste Burg des evangelischen Glaubens und eine gesegnete Pflegestätte der reinen Gotteslehre bleiben möge, gab er den Schlüssel an den Vorsitzenden des Kirchen­vorstandes, Pfarrer Schulte, weiter. Dieser öffnete dann die Pforte mit den WortenDer Herr segne unseren Ein­gang", worauf sich die Kirche rasch mit einer andächtigen Gemeinde füllte.

Der

erste Gottesdienst

begann bann mit der von dem Kirchenchor meisterhaft gesungenen MotettePreis und Ehre ihm", woraus der Superintendent der Provinz Ober­hessen, D. Petersen, die Weihehandlung vornaym. Er legte seiner gedankenreichen Ansprache die Worte des

127. Psalms unter:Wo der Herr nicht das Haus bauet, da arbeiten umsonst, die daran bauen". Er gedachte dairtbpr der Opfer, die die Gemeinde gebracht Hai. um ihr altes Gotteshaus verjüngt, verschönt und erweitert wieder zu bekommen und legte die Bedeutung der Kirche für das Ge­meindeleben in beredten Worten dar.

Machtvoll ertönten dann die Klänge 1)cr neuen, von Förster und Nikolaus in Lich erbauten Orgel, und ball» mischte sich in ihre Klänge der erste GeincindegesangAch, wie heilig ist der Ort:" Der sich anschließenden Predigt des ersten Ortsgeistlichen Pfarrer Schulte war Zeit und Ort >cr Feier trefflich angepaßt. Ausgehend von der Geschichte des alten Gotteshauses legte er an der Hand des Schnft- wortesGott sprach, der Ort, darauf du stehst, ist ein heilig Land" bar, wie an dem Ort, auf dem die Kirche steht, stets ein heiliges Land gewesen sei. Schon ehe em Kirchlein hier stand, war aller Wahr s cheinlichkeit nach die Stätte unseren heidnischen Vorfahren ein heiliges Land, auf dem sie auf ihre Art Gott verehrten. Tann tarnen die ersten Mönche, die in Deutschland das Evangelium predigten, auch Bonifatius soll hier gepredigt haben. Im Mittelalter diente die Kirche der Verehrung der Heiligen, und mit der Reformation verschwanden Heiligenbilder und Reliquien, denn sie hatten ihr heiliges Land ebenfalls ba. Schmuck­los und kahl waren die Kirchen der ersten evangelischen Zeit, ihre Religion suchte ihr l-eiliges Land auf rein gei­stigem Gebiet. Bon der großen Zahl von Geistlichen, die seit dieser Zeit hier amtierten, erwähnte der Redner den Magister Stockhausen, der die Reformation hier einführte, sowie die Pfarrer Weigel, Nebel und Arnoldi, der im 18. Jahrhundert die ersten Gottesdienste für Taubstumme abhielt. . . .

Wenn sie, die alle die Ewigkeit Je,u im Geist und m der Wahrheit verkündeten, heute wiedcrkämen und fänben die neuhergestellte Kirche mit den alten Bildern und Sta­tuen und dem sonstigen Schmuck, so würden sie wohl einen Rückfall in den Katholizismus erblicken. Aber auch die Kunst ist von Gott, er hat in die Mcuschenseele den Sinn für die Schönheit gelegt und es macht ihnen jetzt Freude, ihre Gotteshäuser zu schmücken. Auch in unserer Zeit ist die Kirche ein heiliges Land, möge sie, so recht ein Bild deutscher Beharrlichkeit und Festigkeit, ewig stehen zum Ruhme und Preise Gottes!

Nach Gesängen dcS Kirchenchors und Gemeindegesang folgte Gebet und Vaterunser des Pfarrers Hainedach - Großen-Linden und nach weiterem Gesang der Segen des ©uperintenbenten D. Petersen.

Hiermit war bie eigentliche Einweihungsfeier beenbigt, aber nur langsam unb zögernd entfernten sich die Andäch tigen; das schmucke Kirchlein hatte es ihnen angetan unb nur schwer konnten sie fick) von ihm trennen.

Im Anschluß an bie kirchliche Feier überreichte fobaun Oberkonsistorialpräsident Nebel den beiden unermüdlichen Förderern der Kirchenerneuerung, Bürgermeister Leun und Pfarrer Schulte im Auftrag S. K. H. des G r o ß he r - z o g s dessen Bildnis mit eigenhändiger Unterschrift.

Die Zeit bis zum Nachmittags-Gottesdienst füllte ein Festessen

in der geräumigen Turnhalle aus, die seither zur Abhal­tung des Gottesdienstes gedient hatte. Gegen 100 Damen unb Herren nahmen an bem Mahle teil, das burch Vor­träge ber Kapelle gewürzt war. Minister Braun gebuchte während bes Essens mit Worten bes Dankes für das mit großer Mühe geschaffene Werk allen Mitarbeitern unb sprach ben Wunsch aus, baß es für alle Zeiten eine Stätte bes Segens, ber Liebe unb des Friedens bleiben möge. Schon einmal, im zweiten Jahrzehnt des vorigen Jahr­hunderts, habe man sich mit der Wiederherstellung der Kirche

Der deutsche Aussatz aus der Universität.

Unter diesem Titel veröffentlicht der Münchircr Literarlnstoriker Zrvf. Dr. frriebrid) von ber Leyen in einer Monatsschrift eine Studie, die auch die Beachtung weiterer Kreise verdient' denn es Handelt sich hier um eine Bilbuügsfrage von allgemeinem Interesse- Das sogenannte öffentliche Deutsch, wie es uns auf Plakaten, un Inseraten und Parlament, in großen Versammlungen und in ben Bekanntmachungen der Behörden entgegentrete, ,ei durchweg rod) immerhöchst schaudervoll", und auch das Gelehrtendeutsch uerbiene manchmal keine bessere ^tote- Gewiß habe in den letzten fahren das Wirken des Allgemeinen deutschen Lprachvercms und Ler Einfluß verschiedener Bücher, z- B. Wustinanns Svrack)-- bummheiten und Schröders Papierner Stil einige pwuchte ge­tragen : aber die Erfolge seien bod) nur voriibergehend und Nicht nachhaltig genug, auch gelangten diese Werke gewoonlich liidrt in diejenigen Kreise, für die sie gerade berechnet seien-

Es müsse also ein anderer Weg emgcschlagen werden, um Las öffentliche Gewissen aufzurütteln; und da sdfcine an erster »stelle die bcutfdt Universität berufen, die Veredelung unserer Sprackse und die Ausbildung des guten Geschmacks in die Hand im nehmen, beimsie kennt das Publikum, auf das sie Rnrtt, :nb kann darum ihre Arbeit systematisd), einrichten- hingen wiederholen such im Laufe der Semester, und sie haben bod) auf sehr weite Kreise des Volkes Einfluß, da ihnen ja ine sulünstigen Lehrer in den höl)eren Schulen in die Hand^geven tnix Diese können dann die geivonnenen Einsicksten wieder auf ihre Schüler übertragen- Nock) sichtbarer würbe aber der Segcm, ber von ber Hoc! schule sich verbreiten kann, wenn auch den künftigen Journalisten die Verpslichtung auferlegt wäre, ihre Sprache und chren Stil aus der Universität in strenge Zucht nehmen -u lassen -

Wie aber läßt sich die Veredelung unserer Sprache praktych cnbahnen? Diese Kernfrage beantwortet v- b- Leyen mit der ünfachen Forderung: man richte an den Universitäten llebungcn ür deutschen Stil ein- In diesen Hebungen 1 ollen aher nicht ediglich Bücher, Zeitungen und Journale auf ihr sdstcchtes Zeutsch -intersucht und fritifd) beleuchtet werben; auch ergiut^enbc prcd)ung:n aus Schröder, Wustmanii, Schra.ber unb anderen Werken genügen keineswegs- Die Hauptsadfe mutz eben bic^jitw Arbeit bleiben, d- h. der Student soll selber ^uyatzc ichrcweN' Lenn nur auf diesem Wege lernt er bie eigenen Fehler ecratnat -nb zugleich den inneren Zusammenhang dieser^hler mti bem Wert und Unwert seiner Arbeit beurteilen- Prof, v- ö. xeijcn !ann mit Recht von Erfahrungen sprechen, denn er f

2rci Jahren an der Münchener Universität diese- praktif.^n Laf- -irtzübungeii durchgeführt. Mit Recht erwartet der Verfasser von Liesen akademischen Hebungen eine Belebung unb ^'ungung des W« Lchulaufsatzes, der leider seit Lahrze^ten iN^Urch ".nb technisch immer mehr verknöchert und verarmt sei- Der paum- jrunb liege eben barm, datz ben Lehrern selbst an der ettordcr- -chen Uchung und Kunst f§»le, Aufsätze zu entwerfen und zu

schreiben, Themen selbständig aufäusassen und zu behandeln- Das aber müßte auf der Universität gelehrt und gelernt werden-

Das Ergebnis seiner dreijährigen Besuche faßt der Münch Literarhistoriker dahin zusammen:Ich bin mit den Erfolgen rccht zufrieden gewesen: gewiß wurde eine Anzahl unzureichender, auch kindlick)er und flüchtiger Arbeiten eingereidjt, aber auch eine Reihe selbständiger, gut gefdjriebencr und sorgfältig durch­dachter- Tas Publikum setzte sick) recht interessant zusammen; es waren Studenten aller Semester und Philologen aller Rich­tungen da, daneben Rechtspraklikonten, studierende Juristen, Musik- schriststeller und Musiksmdierendc, Schauspieler und Volksschul­lehrer; oft war der Andrang zu stark; die 50 wurde mehr als einmal überschritten- Gearbeitet haben fast alle sehr eifrig und mit vieler Freude; es gab auch sehr lebhafte Debatten- Ich schließe daraus, daß diese Aufsätze im akademischen Unterricht lebensfähig sind und auch aus anderen Universitäten nützlich werden können-" *

Eine Dame des 2O.Jahrh., die Goethe leibhaftig gesehen hat. In einerWeimar, Plau­derei" im StuttgarterNeuen Tagölatt" von toofie Reis lesen wir: Was ich im Goethehause erlebte, war etwas ungemein Merkwürdiges, ein schier unglaubliches Wunder. Ich habe ihn selbst, Wolfgang Goethe, leibhaftig erblickt, auf feinem eigenen Grund und Boden. Es liegt nahe, an Wahnvorstellungen zu denken, aber davon kann keine Rede fein. Doch ich will nun erzählen! In staunender Bewunderung der tausenderlei Spuren von Goethes aus- giebiaer Schaffensbrast verbrachte ich viele Stunden im Goethehause am Goetheplatz. An dieses persönlichste aller deutschen Museen schließt sich Goethes Garten an, der mit all' seinen freundlichen Ruheplätzen erhalten geblieben ist. Durch das letzte Gemach, das sogenannte Fürstenzimmer, wo der Herzog Karl August oftmals mit seinem Minister Zusammenkünfte gehabt hat, war ich geschritten, und stand nun auf dem Vorbau, von wo aus die fteinernen Stufen zum Garten hinunter führen. Die Poesie des duftigsten Sommertages lag ausgebrettet über dem lauschigen Fleck­chen Erde. Kaum störten sanfte Vogelstimmen die Ruhe der geweihten Stätte. M?in über den Garten hinschwei- fender Blick kehrt zum Nahen zurück und was sehe ich? Das Blut steht mir in den Adern sttll; ich greife mir an die Stirn fasse mich selbst am Arm, um mich zu überzeugen, daß ich wache. Vor mir am Gartenzaun, auf Iber Bank an einem runden Tisch da sitzt er selbst leibhaftig Goethe! In seinem ergrauten Haar, auf seinem gelblichen Frack spielt das sommerliche Sonnenlicht. Sin­

nend und gütig zugleich schaut er vor sich hin, seine rechte Hand hat eine Muschel ersaßt, üoer deren Ge­häuse er nachzudenken scheint. Wie lange ich dastand, und den Dichter anstarrte, weiß ich nicht mehr. Plötzlich kam mir ber Gedanke, ob da nicht eine Wachsfigur im Garten sitzen könnte, derlei Geschmacklosigkeiten kommen ja häufig vor. Doch nein, der alte stattliche Herr be­wegt sich! Seine Glieder sind von Leben erfüllt, nun scheint er sogar zu sprechen! Aus der Verzaube­rung allmählich erwachend, trete ick) einen Schritt vor unb erblicke des Rätsels Lösung: Schräg gegen die Haus­mauer gewendet, steht -eine Malerstaffelei mit einem bald vollendeten Gemälde. Auf der Leinwand ist Goethe dar- aestellt, wie er, im Garten fitzend, seinem Enkel das Ge­häuse einer Muschel erklärt. Und ber Mann vor mir mit ber täuschend ähnlichen Goethegestalt war das Modell für ben Maler, ein )o vortrefflich geeignetes Modell, das; einen jeden für Augenblicke bie Illusion erfassen mußte: Das' ist Goethe! Der Schöpfer dieser Illusion, ein Professor der Kunstakademie von Weimar, kam schließlich auch zum Vorschein und sein offenbar sehr belustigtes Gesicht er­innerte mich an das Sprichwort: Wer den Schaden hat, darf für den Spott nicht sorgen. War das aber ein Schaden? Selige Augenblicke sind's gewesen.

Die Danmarkexpedition des in Grönlands Eise elend verhungerten Prof. Mylius Eriksen ist am 23. ds. Mts. in Kopenhagen eingetroffen. Als das Schiff vor Anker gegangen war, ging ber Ministerpräsident an Bord, bewillkommnete die Mitglieder, der Ej,pediti»n unb Überbrachte ihnen ben Gruß des Königs, "^lachdem der Führer des Schiffes gedankt hatte, begaben sich die Mit­glieder der Ezpedition an Land, wo sie von einer vieltausend­köpfigen Menge mit Hochrufen begrüßt und mit Blumen überschüttet wurden. Am Nachmittag fand in ber Uni­versität eine Begrüßungsfeier statt, ber ber König, die Königin, bie Mitglieder ber Königlichen Familie, die Minister unb hohen Würdenträger, sowie bie Angehörigen ber Ezpebitionsmitglieder beiwohnten. 2-er Rektor ber Universität hielt eine Rebe, in ber er einen geschichtlichen Rückblick auf bie Grönlandsorfchuna warf unb in einem Gedichte den drei Männern, bte bet ihrer mutigen Arbeit den Tob gefunden hätten, unb den übrigen Ezpeditions- miigliebern für alles, was sie zur Ehre Dänemarks getan Hütten, dankte. Probst Fenger bankte im Namen ber dä­nischen Marine unb des dänischen Volkes sowohl denen-.