tzu brechen. Au diesem Behufs ist beabsichtigt, die Landtagsabgeordneten Köhler-Langsdorf, Bähr, Joutz, Wolf und Hauck aus der seitherigen Vereinigung auszunehmen, teils wegen ihrer Zugehörigkeit zur deutschsozialen Partei, teils wegen ihrer radikaleren Anschauungen. Die neu zu bildende Wirtschaftliche Vereinigung soll sich zunächst aus den Abgeordneten Brauer und Dr. Weber, Leun, Erk, Sensfelder, Hreidenbach und Schmalbach zusammensetzen. Mgeordne- ter Koretl will als „Wilder" sich gerieren, während die Stellung des Vertreters des Grünberger Kreises Lutz-Elpenrod noch ungeklärt ist. Die Vereinigung soll vor allem Ab- geordnete aufweisen, die der Regierung Schwierigkeiten nicht bereiten, der Bruch mit der seitherigen Bauernbunds-Politik soll weiter dadurch bekundet 1 verfielt, daß ein Akademiker und Beamter, der Abgeordnete Forstmeister Dr. Weber, zum Vizepräsidenten des 34. Landtags an Stelle von Abg. Köhler-Langsdorf vorgeschlagen roirfi. — Wir geben diese Mitteilungen eines Frankfurter Korrespondenzbureaus mit dem Bemerken wieder, daß nach Vorgängen in fier Wahlbewegung die Haltung der seitherigen wirtschaftlichen Vereinigung ivahrscheinlich ist. Wenn sie tatsächlich zustande kommt, vermehrt sich die Zahl der Fraktionen von 5 auf 6.
• • In Audienz empfangen wurde von Sr. Kgl. Hoh. dem Groß Herzog am vergangenen Samstag Professor Dr. Garten von Gießen und am Mittwoch Obersteiger Keller von Dorheim.
• * Auf das Wohltätigkeitsfest, das zum Besten dec hiesigen Schwestern morgen abend im Hause des Gesell- schaftsvereinS statlfindet, sei noch einmal hingewiesen mit dein Bemerken, daß in Anbetracht der großen Dienste, die die Schwestern seit Jahrzehnten der hiesigen Bevölkerung in uneigennützigster Weise leisten, ein zahlreicher Besuch der Veranstaltung die Abtragung einer Dankesschuld bedeuten würde.
* * Vortrag über Indien. Bezüglich des heute Abend 8 Uhr in der neuen Aula stattfindcnden Vort r a gö über „Wohin steuert Indien* werden wir gebeten, ausdrücklich .darauf aufmerksam zu machen, daß der Eingang nur durch das Hauptportal von der Ludwigstraße aus erfolgt.
* * Sanitätskolonne. Die von der Sauitäts- kolonne geplante Feier, von fier wir gestern berichteten, wird aus Anlaß fies fünfjährigen Bestehens der Stotonne abgehalten. Tie Kosten der Veranstaltung dürfen nicht der Kasse entnommen, sondern müssen durch Beitrage der aktiven Mitglieder aufgebracht werden und wird sie sich schon mit Rücksicht auf den Kostenpunkt in sehr schlichtem Rahmen abspielen. Das Fest soll weiter auch den unterstützenden Mitgliedern Gelegenheit geben, sich über Zweck und seitherige Leistungen der Kolonne zu unterrichten, was aus der in Aussicht genommenen Ansprache geschehen kann. Dadurch wird hoffentlich ein engeres Band zwischen aktiven und unterstützenden Mitgliedern geknüpft.
-t» Oppenrod, 19. Nov. Vor einigen Tagen erhängte sich der Landwirt D. Döring in seiner Scheuer. Döring sollte unsittliche Handlungen mit einem Mädchen von 14 Jahren oorgenonunen haben, was bei der Staatsanwaltschaft zur Anzeige gebracht worden war. Die Staatsanwaltschaft beauftragte die Gendarmerie mit Feststellung des Tatbestandes, worauf Gendarm Keilbach von Neiskirchen hier anwesend war und die Sache verfolgte. A»n Tage darauf, mittags, erhängte sich D., um dem irdischen Gericht zu entgehen. Am folgenden Tage war das Gericht hier anwesend und stellte den Tatbestand fest. D. war überall bis weit in die Wetterau und in den Vogelsberg hinein bekannt. Er war Veteran aus dem Kriege 1870/71 und hatte den Krieg von Anfang bis zu Ende mitgemacht. Auch dem Gemeinderat und dem Schulvorstand gehörte er an.
FC. Bad-Nauheim, 19. Nov. Infolge der Flauheit im Baugeschäft in Frankfurt a. M. sind seit einigen Wochen zahlreiche Arbeiter — cq. 800 — aus den umliegenden Ortschaften Ober- und Nieder-Mörlen, Rödgen, Schwalheim, Steinfurth, Wisselshei>n re. arbeitslos. Um den Leuten Arbeit zu beschaffen, geht man mit dem Gedanken um und ist angeregt worden, die projektierten Bahnhofs- Erweiterungen in Bad-Nauheim jetzt als Notstandsarbeiten auszuführen. Die Arbeiten sind bereits im Juli d. I. vergeben worden. Ein Zuschlag ist bis jetzt noch nicht erfolgt.
X. Offenbach a. M., 19. Nov. In der vorigen Sitzung der Stadtverordnctensitzung wurde ein An- srag angenommen, die hessische Regierung solle im Bundesrat
ihren Einfluß dahin geltend machen, daß Vorgänge, wie die Veröffentlichung de§ Kaiserinterviews in einer englischen Zei- hing, in Zukunft verhindert werden. Heute teilte Bürgermeister Dr. Dullo mit, daß er den Beschluß beanstandet babe, da er über die Kompetenz der Stadtverordneten - Versammlung hinauSgehe und keine Gemeindeangelegenheit betreffe. Infolgedessen ersuche er die Stadtverordneten - Versammlung, den Beschluß aufzuheben. Stadtv. Boehm, der den Antrag eingebracht hatte, entgeguete, daß der Antrag aus wirtschaftlichen Gründen hervorgegangcn sei. Doch sei er jetzt gegenstandslos geworden, da ja eine Bundesrats- sitzung bereits stattgefunden und die Lage sich jetzt geändert habe. Um auch einen Kompetenzkonflikt zu vermeiden, schlage er vor, den gefaßten Beschluß aufzuheben. —. Für die Hinterbliebenen der auf Zeche Radbod Verunglückten wurden 2000 Mark bewilligt.
[] Marburg, 19. Nov. Die Stadtverordneten bewilligten 300 Mk. für die Verunglückten der Zeche Radbod. — Die Erweiterung der städlischen Gasanstalt erfordert nach dem heute mitgeteilten Projekt einen Kostenaufwand von über 300 000 Mk.
k. Kassel, 19. Noo. Gestern abend wurde hier ein dreifacher Selbstmord entdeckt. Als man das Privatkontor des Klavierhändlers Wilhelm Meister öffnete, fand man diesen, seinen Freund Remach und eine Kellnerin tot vor. Nach vorgefundenen Weinreslen handelt eS sich anscheinend um Vergiftung.
Dar Grubenunglück bei Hamm.
Ter Bergmann Karl M eher, fier dem Berichterstatter des V. L. die Verwaltung der Zeche „Radbod" schwer belastende Mitteilungen gemacht hatte, ist von der Staatsanwaltschaft vernommen worden. Meyer hat seine Erklärungen nicht aufrecht erhalten, sondern erklärt, daß er das, was er dem Berichterstatter gesagt .habe, nur vom Hörensagcn wisse. Der Bergmann Gard, der erst seit Anfang November auf der Zeche tätig ist und der dem Berichterstatter ebenfalls schwer belastende Angaben gemacht hatte, versuchte, der Vernehmung durch Abreise zu entgehen. Er wurde aber festgehalten und eidlich vernommen. Heb er seine Aussagen verlautet noch nichts. Auf eine Anfrage bei dem Bergwerksdirektor Holländer in Hamm, ob die Mitteilung der „Bergarb. Zig.", die Beamten von „Radbod" hätten ihm erklärt, sie könnten die Verantwortung für die Berieselung nicht mehr übernehmen, den Tatsachen entspreche, erklärte Holländer, es sei unwahr, daß er irgendwelche Mitteilungen solcher Art von Beamten oder Arbeitern erhalten habe. Tie Angaben der Zeitung seien völlig aus der Luft gegriffen.
Die Aachen-Münchener F-euer-Versicherungs-Gesellschaft spendete 30 000 Mark. Darmstadt bewilligte 1000 Mark.
Die Bergarbeiter von M v n e c a u j lco Mines haben dem Vergarbeiterverband in Hamm telegraphisch ihr Beileid wegen fies Unglücks ausgesprochen.
Die Deutsche Bank in Berlin hat 5000 Mark gezeichnet. Ter Vorstand des Vaterländischen Frauenoerems (Hauptverein) zeichnete 1000 Mark. Die englische Gasanstalt in Berlin hat 5000 Mark gestiftet.
M ünchen i pendele 5000 Mark, ebensoviel Magdeburg.
Die Sammluirg des Gießener Anzeigers:
Bisher quittiert Alk. 902.—. I. u. L. 3.—, Max Friedberger 30.—, St. T. Bl. W. R. 10.—, Dr. Wagner 5.—, Proi. Dr. B. 10.—, Hermann Stern 3.—, Gg. Appel 5.—, R. W. 2.—, Baruch Strauß 25.—, Apotheker Schmieder 20.—, Dr. W. 9)1. 5. — , Ungenannt 20.—, W. Louis Schäler 3.—. Zusammen Mk. 1043.—.
In AnbetrachtdesschrecklichenUnheils, bitten wir unsere Leser, ihre Spenden möglichst umgehend an uns gelangen zu lassen, damit wir das Geld möglichst rasch an die Hinterbliebenen abführenkönnen.
* Oberstndienrut Pro,ej,ur Dr. Rühlmann hat sich in Dresden erschösse n. Dr. Rühlmann hatte mit dem zweiten Vizepräsidenten der Kammer, Dr. Opitz, wegen eines von Rühlmann gcfitnfiencn und an sich genoin- menen Briefes an Opitz eine scharfe Auseinandersetzung, deren Folge eine Forderung auf Pi st ölen war. Der Zweikampf wurde jedoch verhindert. Der Selbstmord scheint eine Folge der Aufregungen gewesen zu sein.
Kleine Tagcschronir.
Am Bußtag b 1 a o i e im Berliner Elektrizitätswerk ein K e s s e l r c> h r, wodurch drei Heizer so schwer ver- letzt wurden, daß sie starben, während zwei andere sich noch in Lebensgefahr befinden. Ein brütet kam mit leichteren Verletzungen davon.
Im Bvssendorfer Pfarrhause sind 160 000 ML in Wertpapieren gestohlen wvrdcm.
In Metz wurde ein N esl vo n M a d ch e n h a n d l e r n ausgehoben, die einen schwunghaften Handel mit jungen Mädchen nach südamerikanischen Freudenhäusern betrieben. Offenbar handelt es sich uni eine weitverzweigt^ Geiellschast.
In Ingolstadt wurde d r vor wenigen Wochen aus dem Zuchthause entlassene Schlosser Nuner verhaftet, der vor drei Tagen in M ü n ch e n in der Trödlerin Zultant einen Raub- mordverfuch beging.
Gegen den wegen Sittlichkeitsverbrechen verhafteteui Pfarrer Reumann in Z abrze ist nun auch ein Straf, verfahren wegen größerer Unterschlagung von Kirchengeldern eingeleitet worden.
Eine heftige S ch a r lachepidemie wütet in Neudorf bei Benthen (Schlesien).
In Aeicatena (Sizilien) wurden 30, in Riposto 500 Bauernhäuser durch das Unwetter zerstört. Als em Hilfs- z-ug den Tunnel von Rlangona pausierte, stürzte das Gewölbe ein. Der Zug wurde verschüttet. Alle Passagiere wurden gerettet.
Dem Blatte „Jkdam" in Konstantinopel zufolge ist ch den Bezirken Erzindjan, Musch, Samn, Wan, SiwaZ, Malaria, Erzerum und Aiarasch eine Hungersnot ausgebrochen.
Märkte.
fc. Frankfurt a. M., 20. Nov. Heu- und Strohmarkt. Anaefahren waren 5 Wagen Heu und 3 Wagen Stroh. Bezahlt wurde für Heu Mk. 3.30-3.40, für Stroh Mk. 2.50 - 2.00. Maschinenstroh fehlt. Tendenz fest.
Gießener Wetterdienst.
Voraussichtliche Witterung für Hessen am SamStag den 21. November: Neuerdings Trübungen, Erwärmung und Nieder- jchläge.
Schneebericht des SLiklubS Wandervogel.
Ter TamtuS hat 10 Enn. Schnee..
Griginai-Drahtinelöuirgen.
Berlin, 20. Nov. Dem Bundesrat ist, nric das B. T. erfährt, ein Gesetzentwurf zugegangen, welcher eine Abänderung des Reichsgesetzes vom 30. Miai 1870wegen Beseitigung der Doppelbesteuerung bezweckt. Nach diesem Gesetz können Einkommen aus Besoldungs-, Pensionsund Wartegeldern, die Beamte oder Militär-'Personen aus dec Kasse eines anderen Bundesstaates beziehen, von dem Bundesstaat des Wohnsitzes nicht zur Steuer herangezogen werden. Dem Reichstage dürfte der Gesetzentwurf demnächst zugehen.
Fiume, 20. Nov. Tie ungarisch-kroatische Bmnenschiffahrts- Gesellschaft erhielt von ihrer Agentur in Skutari die telegraphische Mclduiig, daß dort der B o y k o 11 gegen Waren aus O c ft e r r e t ch - U n g n r n ebemaNs ausgebrochen sei. „
Triest, 20. Nov. TerKawaß des hiesigen türkischen Konsulats ivurdc auf der Straße von kroatischen Haken- orbeitern übers allen und ziemlich schwer verletzt. Der Koiisul hat sich wegen Bestrafung der Täter verwandt. Diese sind bereits verhaftet.
Konstantinopel, 20. Nov. Gerüchtweise verlautet, die arabische Provinz Mejad habe ihre Unabhängigkeit erklärt. In den Städten Bagdad und Bassora seien Unruhen ausgebrochen.
Konstantinopel, 20. Nov. Das jungtürkische Komitee fordert in Smyrna, Jaffa und anderen Orlen die Bevölkerung zur Boykottierung der österreichischen Post aus.
London, 20. Nov. Dem Evenmg Standard wird aus Singapvre telegraphiert: Ter Tod der Kaiserin-Witwe gab dort den direkten Anlaß zu R u h e ft ö r u n g c n._ In Burma haben! 3 0 0 00 Chinesen gegen t> t c Thronfolge Puyis protestiert, da er ein Mandschure sei. Die Agitation dehnte sich auf Singapore aus.
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