Ausgabe 
16.12.1908 Erstes Blatt
 
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Giefzener Sta-ttheater.

Die Tür ins Freie.

Schwank von Oskar Blumenthal und Gust. Kadelburg.

In Buchenau an der SLremme, einer ehrsamen Klein­stadt irgendwo in Deutschland wohnen selbstverständlich nur moralische Leute,- bis auf denkonfiszierten Schriftsteller", der sich seiner Frau zuliebe in ihrer öden Heimatstadt ver­graben hat. Da kommt ein Regierungsassessor und bei seiner Prüfung des Standesamtes stellt sich die Rechtsun- gültigkeit von 35 Ehen heraus, weil sie durch einen zur Eheschließung nicht befugten Beamten vollzogen wurden. Dre Zuschauer vergnügten sich herzlich an den Verschiebun­gen, die sich aus dieser Entdeckung entwickelten, freuten sich an den schlauen Ehemännern und den listigen Ehefrauen, denen sich plötzlich die Tür ins Freie geöffnet hat, lachten über die verwegenen Versuche der Gatten, die bei einer nachträglichen Beglaubigung ihres Ehebundes, recht viel Vorteile für sich herausschlagen wollen. Aber es ist nicht alles so einfach, wie man denken mag. Die Leute von Buchenau an der Stremme sind moralische Leute, und selbst die Männer, die mit ihrem Eheweibchen zufrieden sind, schlafen im Hotel zur goldenen Ku^el mit oder ohne Ernwilligung ihrer ehemaligen Gollrnnen, denn es ziemt sich doch nicht, mit einer fremden Frau über Nacht unter einem Dach zu schlafen. Der Schriftsteller geht sogar gleich nach Berlin, wenn er sein störrisches Weibchen auch nur schweren Herzens verlassen kann, obwohl sie bei jedem Motwechsel gleich mit der Scheidung herausplatzte. Zur Alluvechselung gehen dann die Frauen ins Hotel und die verlassenen Männer müssen die Wirtschaft führen, bis end­lich durch eine juristisch unmögliche Verfügung des Präsidenten der tolle Wirrwarr zu aller Zufriedenheit und Freude gelöst und die Ehen, die eigentlich keine Ehen waren, wieder gestiftet sind.

Mit großem Geschick sind drei Paare in den Mittelpunkt des lustigen Schwankes gestellt, die Verliebten, die sich nur schweren Herzens und ausmoralischen Gründen" für ein paar Taae trennen, das Männchen, das sehnsüchtig um sein Weibchen wirbt und das Weibchen, das mit süßem Girren den lockeren Gatten wieder einzusangen sucht. Daß den lustiaen Tollheiten der beiden Verfasser diesmal sogar eine leibhaftige Idee zugrunde liegt, macht den an humor­vollen Begebenheiten und witzigen Ein- und Ausfällen reichen Schwank zu einer seltenen Spielart seiner Gattung, wenn er auch manche Erinnerungen an Altes, fast Bcr- tzejsenes wach ruft.Kan lacht, und sogar häufig und herz­lich und freut sich an den drolligen Einfällen der Berliner Dichter, besonders aber an demkonfiszierten Schriftsteller", der den Ehekrieg in Buchenau an der Stremme am ent­schlossensten und schneidigsten ausbeutet und es durchsetzt, daß seine geliebte, verliebte Fanny endlich ciniüLiigt, aus dem langweiligen Nest zu flüchten und in Berlin ein heime­ligeres. und angenehmeres 'Nestchen zu bauen. Man

'beiterzahl von 4982 berechnet. Daran sind beteiligt die Bergwerke mit 4354 821 Mk. und 2246 Arbeitern, die Sa- [inen mit 501238 Mk. und 160 Arbeitern, die Hüttenwerke mit 2 120173 Mk. und 229 Arbeitern, die Verarbeitung des Roheisens mit 8 612 860 Mk. und 2347 Arbeitern. Im Jahre 1906 war der Produktionswert 14662315 Mk. mit 4645 Arbeitern, so daß von 1906 auf 1907 eine Ver­mehrung des Produktionswertes um 827 317 Mk., der mitt­leren täglichen Arbeiterzahl um 337 vorliegt.

- Kriegerverein. In der MonatS-Versammlung des Kriegeroereins Gießen hielt Kamerad Schäfer einen Vortrag über den Bergbau einer Steinkohlenzcche. Redner führte durch zahlreiches statistisches Material an, was die Wissenschaft und Technik vereint mit dem Gelde zu er­reichen vermag. Mit diesem angeführten Material wollte er darauf Hinweisen, daß dem Bergmann mehr oder weniger bis heute nicht geholfen werden konnte, weder durch Maschinen noch sonstige große Hilfsmittel. Die Weltproduktion 1903 betrug 17 280 Millionen Zentner Kohlen mit einem Werte von 88 000 Millionen Mark. -Diese Leistung muß allo der Bergmann mit seiner rührigen Hand vollenden. 9ln Hand von Zeichnungen erklärte der Redner auch die Wetterlampe, die ihm zur Verfügung stand. Kamerad Schäfer schloß seinen Vortrag mit lautem Beifall der Kameraden und dem Dank vom Vorstand des Kriegervereins.

Kriegerkameradschaft »Hassia". DaS Prä­sidium des Landesverbandes der militärischen Vereine deS Großherzogtums Hessen hat angeordnet, daß in die Satzungen aller dem Verbände unterstellten Vereine folgende Bestimm­ungen aufzunehmen sind: ,Aus dem Militärverein ist aus- zuschließen: 1) wer durch Urteil aus dem HeereSverband ausgeschlosien wird; 2) wer mit Zuchthaus ober Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte bestraft wird; 3) wer einer auf den Umsturz der bestehenden staatlichen Ordnung gerichteten Partei (z. B. der Sozialdemokratie) beitritt oder ihre Bestrebiingen unterstützt; 4) wer einen ehrenrührigen oder anstößigen Lebens­wandel führt. Der Ausschluß kann erfolgen, wenn ein Tiit- glich 1) dir Satzung nicht erfüllt trotz Erniahnung; 2) sich dem Verstand beharrlich widersetzt; 3) sich in Versammlungen ober öffentlichem Auftreten ungebührlich benimmt. Den Ausgeschlossenen steht da§ Recht zu, binnen einer Woche Be­schwerbe bei der Generalversammlung einzulegen. Der Rechts­weg ist ausgeschlossen.

** ©tabttbcater. Das Gastsviel des Wissen­schaftlichen Theaters der Urania, Berlin, daS, wie schon mitgcteilt, Sonntag, den 20. Dezember ftattfinbet, wird zwei Lorstelllingen bringen, die in der Reichslxruptstadt über 600 Aufführungen erlebt haben. Es sind die Lebens- und Natur- schitbernngen in Wort und Bild mit großen Dioramen und Warrbelpanoramen, betitelt:Frühlingstage an der Riviera" und das Naturschauspiel:Im Lande der Mukernaoussonue". lieber die etsteren schreibt bieVoss. Ztg.":Tas wissenschaftliche Theater der Urania hat eine neue Vorführung in seinen Spielplan aus­genommen. Es werbenFrühlingstage an der Riviera" zur An- idjauung gebracht. Unter den einzelnen Darbietungen stehen im M)rdergründe die Naturschonheiten der Riviera, das tiefblaue Meer, bie reiche und vielgestaltige Vegetation und die charak­teristischen Höhenzüge. Daun aber lernen wir kennen, wie sich das Leben der Menschen unter dem sonnigen Himmel der Riviera ge­staltet. Man muß der Urania und ihren Mitar­beitern Dank wissen. Sie gehört zu dem Besten, was bie Urania ihren Besuchern auf bemeinschlä- gigen Gebiete gewährt hat, trotz der Fülle und des Wertes dessen, was über die Bretter gegan­gen ist. Die sehr zahlreiche Hörerschaft banfte mit reichem Bei­fall für die treffliche Darbietung." Aus den Blumengärten M Südens, aus demLand, wo die Zitronen blüh'n", führt ein zweites, nicht minder prächtiges Naturschauspiel, bas den Titel Im Lande der Mitternachtssonne" führt, hinauf in die Regionen des Nordens, nahe an jenes geheimnisvolle Land unserer Erdkugel, ®u dem der eiserne Finger der Kngnctnabcl weist und in dessen Eiswüsten das Leben erstarrt. 'Norwegens

zerklüftete Felsen, seine breiten Fjorde, ttt beiten ine grünen Wasser freundlich im Sonnenlichte glänzen, tauchen auf, das Leben und Treiben in beit nördlichsten Städten bet SEelt baß Ringen der Hochseefisckier und Walfisch länger in Sturm nnb fetter um gute Bente erleben wir mit und wandern hinauf bis zum Nordkap, wo der flammende Strahl der Mitternachtssonne ein seltsames Licht über das Meer gießt, das mr friltadenen <Wn des Polareises brandet. Die eigenartigen, Vorstellung^! dürsten nicht allein für Erwachsene, sondern auch für uniere Schulen von Jnterefse und Wert sein, denn sie erwecken nicht nur bai femn für die Schönheiten der Natur, sondern tragen auch dem Wufensdrang und Bildungsbedürfnis Rechnung. , . . .

* Von Genf zum Matterhorn betitelt sich die m dieser Woche im Kaiser-Panorama ausgestellte Schweizer- crie. Der Besucher wird durch die vorzüglich gelungene und ehr naturgetreu wirkenden Aufnahmen in die schöne fran­zösische Schweiz versetzt. Wir bewundern zuerst die Sehens- Würdigkeiten der Stadt Genf. Besondere Erwähnung ver- dienen hier die Aufnahmen vom Blumensest, sowie vom Denkmal deS Herzogs von Braunschweig. Unsere Reise geht dann über Lausanne nach Montreux und durch daS Zermett- tat nach dem Matterhorn. Die dieswöchentliche Serie kann als das Schönste, was bis jetzt im Panorama ausgestellt war, bezeichnet werden und der Besuch beS Panoramas ist daher höchst lohnend.

* * Besitzwechsel. Das kleine CarlSsche Haus in der Johannesstraße neben der Mitteldeutschen Kredit­bank ging an Rentner Peter Krauß-Hier für 32 000 Mk. über.

* * Die Weihnachtskasse, Stammtisch Restaurant Felsing, Marktstraße, nahm gestern abend mit 48 Einleger die Verteilung von 3291.50 Mk. vor. Die höchste Einlage bestand aus 190 Mk., die geringste Summe, bie aus bezahlt lvurde, betrug 20 Mk.

** Weihnachtsferien. Dre städtische Fort­bildungsschule hat heute ihren Zöglingen bis zum 7. Januar Ferien gegeben. Die Weihnachtsferien an den Volksschulen und an den höheren Lehranstalten beginnen Mittwoch, den 23. b. Mts., und sind auf 14 Tage bemessen.

" Der herrliche Rau hre if, welcher am Anfänge dieses Monats jeden Zweig bedeckte und mit funkelnden Eis- kristallen überzog, hat beim Auftauen im Forste Schaden angerichtet. Viele Vaumriesen sind unter der zentnerschweren Last zusammengeknickt oder haben ihre Aeste dem an» stürmenden Winde preisgegeben. Der Südrand hoher Kiefernwaldungcn hat am meisten gelitten. In stark ge­loteten Beständen ist fast ein Viertel aller Stämme ihrer Kronen beraubt worden. Hier und da räumen die Holzhauer schon den sogenannlen Reifbruch auf.

---Großen-Linden, 15. Dez. Am Samstag hielt der Schützenverein ein Ehrenpreisschießen ab, dessen Reinerlös von 30,10 Mark den verunglückten Bergleuten von Radbod überwiesen wurde. Ter Verein, der erst vor Monatsfrist gegründet wurde, zählt schon über 70 Mitglieder, darunter 48 m den letzten Jahren vom Militär Entlassene; man ersieht hieraus, daß besonders unter den jüngeren Re­servisten em reges Interesse für den Schützenverein belicht; letzterer ist noch in stetem Wachsen begriffen, da die Ein- zeichnung in bie Mitgliederliste noch bis zum 1. Januar ohne Eintrittsgeld erfolgen kann.

o Hattenrod, 15. Dez. Heute wurde hier Frau Ka­tharina Weiß, die älteste Frau unseres Dorfes zu Grabe getragen. Sie erreichte ein Alter von 94 Jahren. Vor 2 Jahren wurde ihr von S. K. H. dem Großherzog die Me­daille für treue Dienste verliehen. Sie war nämlich beim Fürsten von Lich lange Jahre Waldarbeiterin. Unsere Wasserleitung nimmt nunmehr bald greifbare Gestalt an. Vorige Woche wurde sie vermessen und die Pläne sollen schnellstens fertiggestellt werden, damit im Januar die Arbeit vergeben werden kann.

Utphe, 14. Dez. Am Freitag fand im Schulhaus die

kann seine Freude an dem Schwank haben, der ein Lustspiel werden sollte und eine gute Satire hätte werden können, wenn Blumenthal und Kadelburg mehr beabsichtigten, als ihre Zuhörerschaft ein paar Stun­den vergnüglich zu unterhalten.

Die Darstellung wurde von Max Kronert flott ge­leitet und holte auch ziemlich alles heraus, was an Humor und Komik in den neuenSchlager" hineingclegt ist.

Den philisterscheuen Schriftsteller gab Erich Wein- gärtner mit übermütiger Laune und flüssiger Darstellung, sein schmollendes Weibchen Claire Albrecht mit der ihr eigenen Gewandtheit und Wärme. Der moralische Stadt­rat wurde von Willibald Völckcr recht ansprechend, seine Mathilde von Grete Höcker nicht ganz ohne Uebertrei- hung gegeben. Dem Stadtbaumerfter verlieh Max Kro­nert eine Fülle köstlicher Züge und sein kluges, molliges Frauchen umkleidete Lore Scholz mit der ganzen lie­benswürdigen Schalkheit ihrer frischen Gemütsart. Recht mäßig war dagegen Clemens Roden als Regierungs­assessor, und auch Paul Kohlmann gab bei weitem nicht das, was man erwarten durfte. Recht anmutend war Dorle M a i f a r t h als Malva, Edaaar Pauly als Apotheker, Rolf Ziegler als Rektor und Jo Hoven als Lllr.

Karl Neurath.

*

Vom Kaiserpreissingen in Amerika. Tas Bundesmusikkomitee des dkordamerikanischen Sängerbundes wählte die KompositionWarnung vor dem Rhein" von Mathieu Nau­mann, Musikdirektor in Düsseldorf, als Preisdwr für den Wett­bewerb um den vom Kaiser gestifteten Preis für bas große deutsche National-Sangerjest am 19. bis 24. Juni in Newhork 1909.

Tr. Wilhelm Kienzl in Graz erhielt bei seiner Rück­kehr aus Lyon, wo mit durchschlagendem Erfolg seine OperTer E o a n g e l i m a n n" die erste Ausführung in Frankreich gefunden hat, von dem Kaiser Franz Josef bas Ritterkreuz des Fcanz- Iosef-Ordens.

Ein großes Preisausschreiben zur Erlangung von Entwürfen für den Neubau eines Polizeigebäudcs in M ü n d) e it ist der Deutschen Bauzeitung zufolge mit Frist zum 15. Mai 1909 für deutsche Architekten erlassen worden. Es ge­langen 1. Preis von 12 000 Mk., ein 2. Preis von 9000 Mk., zwei 3. Preise von je 6000 Mk. und zwei 4. Preise von je 3000 Mk. zur Verteilung. Nicht preisgekrönte Entwürfe können bis zu je 3000 Mk. erworben werden. Unter ben Preisrichtern befindet sich u. v. a. Ob.-Brt. Prof. K. Hofmann in Darmstadt.

Kleine Chronik aus Munn u n d W11 > cnichaft. Die Polizei in P r a g beschlagnahmte das Titelbild desSimpli - c i f f i m u s", das den deutschen Michel in der Abwehr gegen den tschechischen Pöbcllöwen zeigt. Die im Sommer in Duis­burg veranstaltete Gartenbau- und Kunstausstellung schließt mit einem Fehlbetrag von 20000 M. ab. An Stelle oeS mit dem ablaufenden Jahre eingehenden20. Jahrhun­derts" beabsichtigt dessen bisheriger Chefredakteur, der wegen seinerwissenschaftlichenWerkeexkommunizierte frühere Benesiciat Dr. Th. E n g e r t eine neue Zeitschrift heraus- ugeben, die ben TitelD a s neue Jahrhunber t", Organ der deutschen Moder nisten führen soll..

Schlußprüfung der Kochschule und gleichzeitige! Prüfung einer zweiten Haushaltungslehrerrn für den Kreis Gießen statt. Zu ber Feier waren erschienen Graf Dich, von Sokmö-Laubach nebst Gemahlin, Frau Provinzialdirekt. Geh.« Rat Breidert, Herr und Frau Reg.-Rat Dr. Welcker, Gießen, Oekonomierat Hofmann, Hof-L)üll, Bürgermeister Schnei­der, Utphe, sowie die Eltern ber TeLnehmerinnen am Kursus. Die Prüfung siel zur vollen Zufriedenheit aller Beteiligten aus. Ter Kursus wurde abgehalten von der H aushaltunaslehrerin Frl. Mutschler, Frl. Wetzel und Dr. Vetter, Berstadt. 9Lach der Prüfung fand tm Saale des Gastwirts Neunobel eine Feier statt, die durch einen Prolog ein geleitet wurde. In bem durch Christbäuinchen und Tannenzweige weihnachtlich geschmückten Saale waren die gefertigten Handarbeiten ausgestellt. Zum Schlüsse wurde jeder Teilnehmerin ein BuchDer Wegweiser zum häus- ichen Glück" vom Kreise zum Geschenk gemacht. Im Kreise Gießen werden fortan zwei Haushaltungswanderschulen be- 'tehen. Frl. Mutschler geht von hier nach Treis a. b. L., Frl. Wetzel nach Langb.

O Butzbach, 15. Dez. An daS Elektrizitätswerk Butz, bach sollen nach dem Plane des Landtagsabg. Joutz-Butzbach ünf Orte der Nachbarschaft angeschlossen werden, nämlich Nieder-Weisel, Ostheim, Pohl-Göns, Kirch-GönS und Griedel. Die Gemeinderäte der Orte haben sich schon zum Teil bereit erklärt sich an Butzbach anzuschlicßen. Vor der enbgiltigen Entscheidung soll noch ein Kostenvoranschlag ausgestellt werden.

y Vom Vogelsberg, 15. Dez. Tie Bodenver- besserungen in den Vogelsberger Kreisen Lauterbach und Schotten haben seit bem Jahre 1898 große Ausdehnung angenommen. An H u t w e i d e n sind bis jetzt 1864 Morgen mit einem Kostenaufwand von 169 211 Mk. verbessert wor­den. Davon entfallen auf den Kreis Lauterbach in 21 Ge« markungen 984 Morgen, auf den Kreis Schotten in 19 Ge- markungen 880 Morgen. Des weiteren tourbeiK in beiden Kreisen 612 Morgen Gemeinde-Viehweiden eilige- richtet. 1907 standen bie Arbeiten still, ba feine Staats­mittel zur Verfügung standen. Dagegen sind für 1908 wieder solche Mittel und zwar 10 060 Mk. eingestellt. Es wird oeshalb gegenwärtig in den Gemarkungen Harlmanns- hain, Herchenhain, Gedern, Ober-Seemen, Sichenhausen, Volkartshain, Feldkrücken, Engelrod, Grebenhain, Eichel- Hain, Crainfeld und BerinutShaiik mit den Meliorationsar­beiten fortgefahren. Ferner sind seit 1895 mit Unterstützung des Staates 1484 Morgen Oedländereien auf- geforstet toorbeit Tie so angelegten Waldungen re­präsentieren in 6070 Jahren einen 59ert von 2y4 Millionen Mark qn Holz. Im ganzen sind bis jetzt rund 4000Mor- gen Oedungen usw. in Kulturland verwandelt worden.

Worms, 14. Dez. Zu einem Kohlenbrand, der schon seit einigen Tagen am Rheinhafen währt, mußte bie Feuerwehr wiederholt ausrücken. Auch am Sonntag wurde wacker gearbeitet, um wenigstens vorläufig die Gefahr für die Umgebung zu beseitigen. Der bis jetzt entstandene Schaden ist bedeutend. Die in unmittelbarer Nähe vorübergehend ge­lagerten Bestandteile der städtischen Fraueubadeanslalt sind wegen der drohenden Jeuersgesahr inzwischen weggeräumt worden. Zeitweise steht das große Kohlenlager in Hellen Flammen.

X Dutenhofen, 14. Dez. Nach sechswöchiger Dauer ist heute mittag der erste Haushaltungsunterrtcht dieses Winterhalbjahres, der in dec Gastwirtschaft Jäger abgehalten wurde, zu Ende geführt worden. 23 junge Niädchen, auch selbst 3 Hausfrauen, waren während seiner Tauer durch die Lehrerin Fräulein Müller in all den Dingen theoretisch und praktisch unterwiesen worden, die zu kennen und zu verstehen einer tüchtigen Hausfrau nützlich sind. Der Kursus fand seinen Abschluß durch eine öffentliche Prüfung, zu der auch der Landrat erschienen war. Die Ergebnisse des Unterrichts waren in übersichtlicher Weise auf mehreren Tischen aus­gebreitet. Sie fanden eine sehr anerkennende Beurteilung, ebenso wie der Zilstand der Arbeitsheste musterhaft zu nennen war. Auch daS PrüfungSmahl in Gestalt einer ein­fachen Kostprobe fand manchen Lobspruch.

h. Frankfurt a. M., 15. Dez. Am 1. Dezember ivar bie Anmelbesrist der Vereine zur Beteiligung des im Sommer nächsten JahreS stattfindenden KaiserpreiS- Wettsiugens abgelaufen. Das genaue Ergebnis ist noch nicht bekannt, doch darf man eine starke Beteiligung er­warten, namentlich aus bem Rheinland. Die Vorbereitungen zu bem Fest werden von den Tlrbeitsausfchüsfen bereits eifrig betrieben. Die städtische Ausstellungshalle am Hohenzollecn- platz dient als Festraum.

W Frankfurt a. M., 15. Dez. Die heutige Stadtver­ordnetenversammlung wählte einen Ausschuß von sechs DlUglieberit, bet in Gemeinschaft mit dem Magistrat die Frage der Arbcitsloicnoersicherung prüfen soll. Tie vom Aiagislrai bean­tragte Anstellung von drei neuen Magistrats-Baurcüen für den Hafen, den Hochbau und die Baupolizei, wurde uach mehrstuudiger Erörieruug mit ziemlicher Mehrheit genehmigt.

** Sl l e i n c sDi i 11 essen und den

Nachbarstaaten. Johannes Luft in Bannerod wurde zum Beigeordneten dieser Gemeinde wiedergewählt und bestätigt. In G ö tz e n wurde bei der Vürgermeisterwahl der seitherige Bei­geordnete Gastwirt H. Reuning mit großer Mehrheit gewählt. Rach den vom Großh. Polizeiamt gemachten Feststellungen bezifferte sich die Einwohnerzahl Darmstadts am 1. Dezember 1908 auf 89 891 Personen. Bürgermeister PH. Christ in Wörrstadt blickt am 19. Dezember auf eine fünfundzwanzig' jährige Amtstätig keit zurück. Tie Gemeinde rüstet sich -u einer Ehrung des beliebten Mannes. In G a m ba ch begeht am nächsten Samstag Bürgermeister R e u h l sein 25jähriges Amtsjubiläum. In Sachsenhausen wurde ein Schulmädchen von einem Atannc in einen Hausflur gelockt, wo ihr der Unbelännie den Zopf abschni11. Der Täter ist entkommen.

Newyork, 15. Dez. Das Bunde sgericht hat in dem von der Negierung gegen die American Tobacco - Com - p a n y und andere Gesellschaften angestrengten Prozeß ein Urteil gesollt, demzufolge die Beklagten für schuldig erklärt werden, den Taball;andel monopolisiert und einen ungesetzlichen Ring gebilbet zu haben. Das Urteil verbietet ben in Frage kommenden Gesellschaften jede auswärtige ober zwischenstaatliche Tätigkeit so­lange, bis bie Konkurrenz Mischen ihnen wieber hergestellt ist. Tie Regierung würbe mit ihrer Forbcruug, ReseiverS für die Gie- sellschaften zu ernennen, abgewiesen. Ter Streitsall wirb noch ben obersten Gerichtshof ber Vereinigten Staaten beschäftigen.

Stieme Taseechronn.

Gsh. Regierungsrat v. Krüg er in Düsselborf flirtete 100 000 Mark. Tw Zinsen sollen zu Ferien ausslügen armer Rinber ueriuenbct werden.

Infolge andauernden R e g e u m a u g e 1 s entstand im Wasser-' werk zu Halberstadt eine so starke Wasser not, daß bie städtischen, Behörben zur Einschränkung des Wasjer^