führte Stadtv. Winn - Gießen eine endgültige Regelung des Dem wolle folgender Gießener
zogen werden möchten."
In der Diskussion hierüber aus, daß cs wünschenswert sei, Submissionswesens zu erlangen. Antrag Rechnung tragen:
„Tie Handwerkskammer möge
An die Verhandlungen, die etwa um 4 Uhr beendigt waren chloß nch em gemeinsanres 'Mittagscssen, an dem etwa 300 Pei> 1 oiten, teilnahmen. Von der Galerie ertönten die lustigen Weisen der Tafelmusik, die von unserer Regimeniskapelle gestellt wurde. Tas Essen wurde trotz der großen Zahl hungriger Gäste flott serviert und machte dem Jnterims-Saalbauwirt Spuck alle Ehre Ten Reigen der Trinksprüche eröffnete Gewerberat Falck mit einem Hoch auf S. K. H. den Großherzog. Weitere Trinksprüclje brachten aus Stadw. Petri (auf die Staatsregierung), Mini- fterialrat Dr. U s i n g e r (auf die Handwerkskammer), Stadtv Rockel-Darmstadt (auf die Stadt Gießen-, Beig. Kommerzienrat H e y l i g c n st a e d t (auf das Handwerk) und Obermeister Sack aus den Führer der hessischen Handwerker, Gewerbeml Falck xjx 2. hessische Hanoweckertag nahm, das war die einstimmige An- ' srcht aller Teilnehmer, einen hochbefriedigenden Verlauf Tazu
... bei der Großh. Staatsregierung
dahin wirken, daß eine aus Mitgliedern der Regierung und des
Aus der Versammlung heraus wurde ebenfalls der Besuch der Ausstellung warm empfohlen und ihre Bedeutung für das hessische Handwerk 'heroorgehoben.
Herr Rockel-Darmstadt sprach sodann über das SuL- missionswesen in Staat und Gemeinde. Tas Ver- gcbungswesen sei außerordentlich wichtig für den Handwerker. Anzuerkennen sei, daß der Staat durch den bekannten Erlaß von 1892 den Verhältnissen und Wünschen des Handwerkerstandes im großen und ganzen Rechnung getragen habe. 1902 sei dann durch einen weiteren Erlaß die Aufstellung von Preisverzeichnissen unter Mitwirkung des Handwerks angeordnet worden, die insbes. bei Reparaturen Geltung haben sollten, so daß die Arbeiten abwechselnd an die verschiedenen Meister vergeben werden konnten. Auch die größeren Städte berücksichtigen zum großen Teil die Interessen der Handwerker. Auch die Handwerkskammer habe durch Aufstellung von Leitsätzen dabei mit- genrrtt und habe auch beim Handwerkskammertag in Leipzig als Referentin im Sinne der hessischen Vergebungsgrundsätze gewirkt. Einzelne Verstöße gegen den Erlaß seien ja bei uns vorgekommen, sie seien aber verschwindend gering. Wo solche Verstöße vorkämen, könnten sic leicht durch Verhandlungen mit den betr. Behörden beseitigt werden. Wo dies nicht der Fall sei, sollte die Handwerkskammer zur Vermittelung und zum Einschreiten veranlaßt werden. Durch Schimpfen und persönliche Angriffe erreiche mlan nichts, der in letzter Zeit in dieser Richtung vorgekommene Vorfall sei sehr bedauerlich. Bei Beschwerden über Ausschreibungen von Militärbehörden, der Bahnverwaltung usw. habe die Kammer öfters mit Erfolg einschreiten dürfen. Zu der Materie sei eine Anzahl Anträge eingegangen, die heute in der großen Versammlung wohl kaum behandelt werden könnten. Ein Antrag des Verbandes baugewerblicher Unternehmer scheine ihm das richtige zu treffen, wenn auch der vorgeschlagene Weg nicht gangbar erscheine. Deshalb beantrage die Kammer die Annahme folgender Resolution:
„Tie Handwerkskammer möge veranlassen, daß über verschiedene, bei Vergebung der staatlichen Bauarbeiten und Lieferungen aus Handwerkerkreisen aufgetretene Wünsche und Anträge eine mündliche Verhandlung und Aussprache vor der Miniftcrialabteilung für Bauwesen demnächst stattfindc, bei der auch Vertreter der einzelnen besonders beteiligten Gewerbe zuge
'die Genossenschaft jetzt in der Sage, alle Maschinen außerordentlich billig zu liefern, man gehe den Handwerkern mit Rat bei der Anschaffung zur Hand und gewähre ihnen bequeme Zahlungsbedingungen. Zum Schluß forderte er zur Unterstützung der Ge- noflenschakt durch Erwerbung von Anteilscheinen aus.
Mühlenbauer Busch aus Groß-Steinheim empfahl ebenfalls in warmen Worten den genoffeuschaftlichen Zusammenschluß der Handwerker. Man solle sich auf diesem Gebiet an den Landwirten em Beispiel nehmen. .
Auch Ministerialrat Dr. U s i n g e r wies am das gute Beispiel der Landwirte hin, die durch den genossenschaftlichen Zusammenschluß um ein gutes Stück vorwärts gekommen seien. Wie bei der Landwirtschaft der Maschinenbetrieb immer mehr Eingang finde, um der wachsenden Leutenot zu begegnen, so sollte das auch der Handwerkerstand tun, so lange es noch Zeit sei. Die Staatsregierung habe sich gern an der Genosienschast beteiligt, die Hauptsache müßten aber die Handwerker selbst durch ihr Solidaritäts- gefühl und ihren Zusammenschluß tun.
lieber den kleinen Befähigungsnachweis erstattete Obermeister L a u tz - Darmstadt das Referat. Er warf zunächst einen Rückblick am die seitherige Entwicklung der Frage. Der Referent steht aus dem Ctandvuukte, daß bei den heutigen Verhältnissen der allgemeine Befähigungsnachweis nicht mehr eingeführt werden kann. Tie Reichsregierung habe zu den Beschlüssen der Handwerkertagungen Stellung genommen und sei ebenfalls zu dem Resultat gekommen, daß der allgemeine B-°ähigungsnachweis nicht mehr eingeführt werden könne. Dagegen habe sie eine Belage, betreffend den sogenannten flemen Befähigungsnachweis, eingebracht, der im wesentlichen die Bestimmung enthalte, daß nur der geprüfte Meister Lehrlinge halten darf. Der letzte deutsche Haudwerks- kammertag in Straßburg habe dem Entwurf im wesentlichen zugestimmt, von einigen dort zur Sprache gekommenen Wünschen sei es fraglich, ob sie durchgesührt werden können, so z. B. die Forderung der oberiränkischen Haiidwerkskainmer, daß jeder Lehrliiig die Gesellenprüfung machen müsse. Vielleicht fönne man ähnlich wie den Meistertitel auch den Gesellentitel gesetzlich für geprüfte Gesellen schützen.
In der Debatte wandte sich ein Redner gegen das neue Gesetz, das nur eine Last für das Handwerk sein werde, unb bezeichnete die Leistungen für die soziale Versicherungs-Gesetzgebung als sehr drückend für das Handwerk.
Gewerberat Falck trat beiden Anschauungen eiitschieden entgegen. Insbesondere trat er für die Notwendigkeit der sozialen Venichermigs - Gesetzgebung ein, die den Arbeitern ein gesetzliches Fürsorgerecht gebe, anstatt daß sie, wie früher, in Fälle» der Not der Armenpflege anheimfallen müßten.
lieber die hessische Landesausstellung für freie und angewandte Kunst sprach der Vorsitzende, Gewerberat Falck, folgendes:
„kleine Herren! In wenigen Monaten iverden sich auf der Mathildenhöhe bei Tarmstadt die Pforten zur Hessischen Lalides- ausstellung für freie und angewandte Kunst offnen. Wenn auch bei dem ersten Bekanntwerden der beabsichtigten Ausstellung das Projekt sich kemer allzu großen Sympathie zu erfreuen hatte, so darf doch heute festgestellt werden, daß jetzt von allen ©eiten der Eröffnung mit Interesse und Spannung eiilgegengesehen wird. Es ist einmal das Schicksal aller Ausstellungen, wenigstens derjenigen, die sich auf besondere Gebiete unseres gewerblichen Schaffens erstrecken, daß sie nicht voii vornherein eine allseitige Zustimmung besitzen, daß sie von dem Gesichtspunkte aus, von dem man sie betrachtet, eine verschiedene Beurteilung erfahren, aber man sollte doch immer das Gute dieser Veranstaltungen vorausstetlen, den hoben Wert für das Land und seine industrie- und gewerbetreibende Bevölkerung gebührend schätzen und anerkennen.
Was nun, meine Herren, die Handwerkskammer anbelangt, so wißen Sie, daß wir uns schon von '-Beginn an die Förderung des Ausstellungsgedankens haben angelegen sein lassen. Durch Zirkular an die Korporationen, durch Mitteilungen in Tagesblättern haben wir das Interesse des Gewerbestandes an der Ausstellung zii wecken und zu fördern gesucht. Durch unser Bureau sind in vielen Fällen Anfragen mündlich und schriftlich in Ausstellungsaiigelegenheiteii erledigt worden, und auch für die Folge sind wir gesonnen, insbesondere den Besuch der Ausstellung au§ allen Gewerbekreisen des Landes zu fördern. Wir gedenken gemeinsame Besuche gewerblicher Korporationen in die Wege zu leiten, sachgemäße Führmigen durch die Ausstellung zu unternehmen, auf verkehrstechnischem Gebiete den Besuchern Erleichterungen zu schaffen, Rat, Auskunft und vermittelnde Tätigkeit bei Aufträgen auszuüben, u. ähnl. mehr. Und wenn die Ausstellung dann beendet, dann hoffen wir nicht nur eine Befriedigung der Aussteller über das Ergebnis, sondern daß auch der Gewerbestand weitere Anregungen zu kün-stlerischer Betätigung empfangen habe, daß das Geschaute praktisch verwertet werde und daß das hessische Kunstgewerbe seinem Ruhmeskranze ein neues Blatt binzuzufügen in der Lage fein möge."
Syndikus Engelbach hob ebenfalls den Wert und die Bedeutung der Ausstellung für das hessische Kuiistgewerbe und das Handwerk hervor und gab eine Beschreibung der geplanten Aus- fleüung. Insbesondere hob er auch das rege Interesse hervor, das in Oberhessen für die Ausstellung herrscht, das jedenfalls recht gut auf der Ausstellung abschneiden werde. Tas oberhessische Haus werde namentlich bürgerliche Einrichtungen aufnehmen. Von eminent praktischer Bedeutung wird das aus sechs Häusern bestehende Arbeiterdörfchen sein. Insbesondere erwähnte der Redner das Gebäude, das die Firma Eloos in Nidda in Verbindung mit Pros. Walbe errichtet hat und das so recht unsere oberhessische Kirnst und unseren oberhessischen Eharakter zum Ausdruck bringe. Bis ins Einzelne hinein finde man unsere Heunatkunst gewahrt und überall werde einheimisches Baumaterial oeriuenbet.
Handwerkerstandes bestehende Kommission ernannt werde, bei welcher die hessischen Handwerker ihre Wünsche betr. Abänderung des Snbmissionswesens Vorbringen könnten."
Vor allem müßten jeder Ausschreibung genaue Detailpläne beigefügt werden, darrit bei der Ausführung keine Differenzen entständen. Er empfahl schließlich die Annahme der Resolution des Kammervorstandes, die im wesentlichen dasselbe wolle, wie ihr Antrag.
Spenglermeister Appel- Gießen hielt die hessischen Sub-- missionsbedingungen für sehr gut, sie würden aber vielfach nicht angewendet. Vielfach müßten die betr. Bedingungen präziser gesoßt werden. Ter Redner erörterte dann eine Reihe von Einzelsragen und fordert vor allem, daß die vergebenden Beamten auf die soziale und wirtschaftliche Lage der Handwerker Rücksicht nehmen. Der Zuschlag dürfte unter keinen Umständen an den billigsten Handwerker erfolgen, statt dessen empfiehlt er eine Art Mittelpreis-Verfahren. In Gießen werde oft über sehr verspätete Auszahlung der Rechnungen geklagt und oft zu große Beträge zurückbehalten. Auch er stelle schließlich den Antrag, daß eine Kommission, bestehend aus Beamten des Ministeriums und praktischen Handwerkern gewählt werde. Ter Redner erntete für feine, das ganze Gebiet des Submissionswesens berührten Ausführungen stürmischen Beifall.
Baurat Wagner bemerkte, er wolle auf die Einzelheiten der Ausführungen des Herrn Appel nicht eingehen und bedauere lebhaft, daß die Ausführungen hier gemacht worden seien. (Lebh. Ohorufe.)
Zimmermeister H a u r y wendet sich namentlich gegen das Vergeben von Arbeiten an Generalunternehmer und bedauerte die Nichtbeachtung der Eingaben des deutschen Zimmermeisterverbandes darüber durch die Regierung, insbes. bei Beschwerden über Militär- und Eisenbahnbebörden. Er schlage im Namen des hessischen Zimmermeisterbundes vor, daß sich die Gesamtheit der deutschen Handwerkskammern mit der Sache befassen möchte.
Tapeziermeister Reischel-Tarmstadt bringt Wünsche vor wegen der Festsetzung der Ausschreibungs- und Anssührungszeiten und klagt über die Bevorzugung der Großbetriebe.
Bäckermeister Fr eh-Gießen erörtert die Mißstände, die bei Lieferungen int Nahrungsmittelgewerbe an staatliche Anstalten herrschten. Die Regierung habe auf diesem Gebiet seit dem erften Handwerkertag noch nichts getan, denn noch immer kämen Prozent Abgebote bei Lieferungen vor. In dieser Hinsicht mufie unbedingt eine Besserung eintreten. Es bestehe eine Notlage unter deut Handwerk und diese Notlage habe das Handwerk zufammengeführt. Früher habe es geheißen „Der Mann ist gut, er liefert an den Staat", während es jetzt heiße „Mit dem muß es jaul stehen, er liefert schon an den Staat". Aus den hebenstoüröigen Worten des Regierungsvertreters schöpfe er die Hoffnung, daß ihnen Hilfe zuteil werde, aber Hilfe durch Taten, nicht durch Worte.
Gewerberat Falck erkennt an, daß bei solchen Abgeboten etwas nicht in Ordnung fei und meint, es sollten die Preise von den Korporationen in Gemeinschaft mit dm betr. Behörden sestgefetzt und die Arbeiten im Turnus vergeben werden.
Weißbindermeister Grasnick wendet sich gegen die Verge- Sebung an den Wenigstnehmenden.
n weiterer Besprechung findet der Antrag des Kammervor- K°J!reä Annahme, womit die weiteren, zu dem Gegenstand gestellten Anträge erledigt sind.
. übrigen noch vorliegenden Anträge werden dem Kammervorstand zur Behandlung überwiesen. Sie betreffen: 1. Auf- tuffiQen und undurchführbaren Paragraphen und einheitliche fhegelung der verbleibenden Bestimmungen über den Uebertragung von Krankheiten bei der Haar- und Bartpflege Friseurinnung Tarmstadt), 2. Abhaltung des nächsten Hanowcrkertagev in Bingen (O. G. V. Bingen), 3. Revision des - r'Kvmmunalsteuergesetzes und Gestattung des Hypothekar- ichuldenabzugs bei der neuen Steuerordnung (Verband baugewerblicher Unternehmer in Gießen und Umgegend), 4. Patente lohen nur an Handwerker erteilt werden, die selbständig ein Gewerbe treiben (Zimmermeister Gunkel zu Ober-Ramstadt) 5 Besteuerung des Rasierhvbels (Barbier-, Friseur- u. Perückenmacher- jöitnung Gießen), 6. Einschränkung des obligatorischen Fortbil- oungsichuluntcrrichts zu Gunsten der praktischen Ausbildung in )tr Werkstatte und der vblig. Fachschule(Schueider-JunungDarm- tadt) und 7. Verbot der Schuhverkaufsgeschäfte, Schuhwerk in Reparaturen anzunehmcn und neue Stiesel nach Maß anzufertigen falls der Inhaber fein gelernter Schuhmacher ist (Schuhmacher- meister-Vereinigung von Tarmstadt).
annehmen; denn bei diesen kommt unseres Wissens jene Unsitte nicht vor. In England wird eine Deutsche nicht als „Fräulein" X, sondern als „fUlifs 3c" angeredet. Wenn die Engländer eine deutsche Erzieherin als fraulein bezeichnen, so ist das etwas anderes; es ist der Ausdruck für einen bestimmten Begriff.
— Oskar Blumenthal zeigte einst, als er noch Direktor des Berliner Lessingkhectters war, dem Verfasser eines ihm em- gereichten Stückes die Nichtaunahme des Werkes in folgenden witzigen Versen an:
Wem schicktest Du nicht Deine Srücke ein, Doch aufgeführt hat sie nicht Einer. Geschickter mag mancher Autor sein, Z u r ü ck g e s ch i ck l e r ist Keiner!
Nicht genug, das; der bedauernswerte Dichter sein Stück zurück - gejchlckt erhielt, wurde er noch von Direktor Blumenthal ver- spottet. Der Dichter hätte das Epigramm, wie folgt, beanlworteu sollen:
Du giebft uns bittere Pillen ein, Wir Dichter zagen und zittern. O Oskar, lasse es künftig fein, Die Pillen zu überbitterii I
— Des ital. Dichlers Gabriele d'Annunzio neuestes Werk, ein blutrünstiges, im ältesten Venedig spielendes Ausslattimgsseiiscttious- drama, „La Nave“ (Das Schiff), das z. Z. allabendlich die Römer entzückt, soll demnächst mif Reijeir gehen Wie aus Rom berichtet wird, haben die Direktoren von bedeuieuden ilalienischen unb aus- ländischen Theatern Unterhandlungen angeknüpii, um „La Nave“ durch dieselben Schauspieler und m derselbe» Ausstattung wie bei der kürzlichen Uraufführung in Szene gehen zu lasse». Vor allem hat sich m Venedig em Komtts gebildet, das Aiisführunge» der Tragödie im Feince-Theater veraiistatteir will. Von Mitte April an soll eilte große Tournee beginnen, biß „ La Nave “ in Italien und un Ausland mit dem große» Apparat der erste» Aufführung zur Darstellung bringen wird.
. . fkine Kunstchronik. Wie aus Mainz gemeldet J“*® die neue Oper „Tr a g a 1 d a b a s" von Eugen d 211 b e r t bei der Erstaufführung am Mainzer Stadttheater bei vorzüglicher Darfftellung starke» Erfolg. - In Hamburg fand am 41. Ja». Siegfried Wagners "S t e c n e n g'e b o t" bet der Erstaufführung tm Stabltheater einen lauten äußeren Erfolg. Die Aufführung war vorzüglich. Der Text ist infolge einer verworrenen, dunklen Mystik gezwunge» unb undramalifch. Tie Musik zeigt zwar Geschicklichkeit, aber wenig Originalität und verliert sich in Eklektizismus.
trüget nicht am wenigsten die Vorbereitungen bei, die her hiesige Ortsgewerbeverein! und die anderen Handlverkervereinigungeul Gießens liebevoll und umsichtig getroffen hatten. Ihnen bor allem gebührt deshalb Dank und Anerkennung dafür, wenn, wie es allseitig der Fall zu sein scheint, die fremden Handwerker mit guten Eindrücken von hier geschieden sind.
Vermachtes.
* Brände. In Berga bei Greiz sind eine große neue Schule und 5 andere Häuser »iedergebrannt. — In München- Gladbach ist die Spinnerei Sckrneider und Jrrnan niedergebrannt. Das ganze Lager mit sämtlichen Rohstoffen wurde ei» Raub der Flamme». Unter de» verbrannten Aegeiistänben befinde» sich 100 Ballen Baiunwolle. — In Versailles richtete ei» Fetter i» dem Lokal des Architekten desSchlosses Schade» an. — In Petersburg brach im Palais des Großfürsten Wladimir '2l l e x a tt d r o w i t s eh und int Ministeritt in der V o l k s a u f» klärung fast gleichzeitig Feuer aus, das nach mehrstündiger Löscharbett unterdrückt wurde. — In Konstantinopel iß das Valais des Sekretärs des Sultans, Izzet Pascha, niebergebrannt. Der Brand entstand während eine Kinematogravhen-Vorstelliing gegeben wurde. Der Materialschaden ist sehr bebeutenb. — In S ib n en zerstörte ein Großfeuer das Warenlager, der Firma David Cohen & Co. vollständig. Viele umliegenben Gebäude wurden teilweise zerstört. Der Schaden beläuft sich auf einige 'Millionen Mark.
* Ehrenhafte und tugendreiche Raubmör- der. Im Jahre 1903 wurden in Straubing (Bahernf der Sattlermeister von Viechtach, Karl Bradl, und sein Sohn, Max Bradl, wegen Raubmordes hingerichtet. Sie hatten einen Reisenden in ihrer Wohnung erschlagen und beraubt und setzten sich, nachdem sie die Leiche unter das Sofa geschoben, im selben Zimmer ohne Spur von Erregung zum Mittagessen nieder, das sie sich vortrefflich schmecken ließen. Die Raubmörder wurden auf dem St. Michaelisfriedhofe begraben. Der Zufall führte mich, so schreibt jetzt der Leser eines Mühlhausener Blattes, neulich an ihre Gräber und ich las mit einigem Erstaunen auf den beiden Kreuzen wortwörtlich folgende Inschriften:
„Grabstätte des ehrenhaften Herrn Karl Bradl, Satt-« lermeisters von Viechtach, geboren 15. März 1843, gestorben am 5. Mai 1903; Grabstätte des tugendreichen Jünglings Mar Bradl, Sattlermeisterssohn von Viechtach, geboren 12. Oktober 1880, gestorben 5. Mai 1903."
Aus einem Streit zwischen der „Münchener Post" und dem „Bayr. Kurier" geht die Tatsache hervor, daß die Bethen Raubmörder wirklich diese rühmende Inschrift erhielten. Die „Münch. Post" behauptet auch, daß die Mörder mit allen kirchlichen Ehren begraben sind und das wird wohl gleichfalls stimmen, denn sonst wären sie doch nicht in der Reihe beerdigt.
Kleine Tageschronik.
-- Bei Mannheim sind im Neckar zwei Kinder tm Alter von 8-10 Jahren beim Schlittschuhlaufen eingebrodjen und ertrunken.
— Bei Plauen stützte sich ein Arbeitslosigkeit befürchtender 40jähriger Sticker, Vater von 5 Kinder», die 70 Meter hohe Elster- talbrüde hinab.
— In Halle a. S. erschoß sich in der Aufregung vor dem Examen der Rechtskandidat Lux aus Danzig.
— In Malbeuten (Westpr.) wollte der Eigentümer Hensel- Wilmsborf zur Generalprobe der Kaiser Geburtstagsfeier über die Eisdecke des Samrodtsees bei Maldeuteu fahren. Als das Schlitten- fuhrwerk, auf dem sich 8 Personen, darunter fünf Kinder, befanden, in der Nähe der Eisenbahnbrücke war, brach die Eisdecke ein. Das ganze Fuhrwerk stürzte in das Wasser. Drei Kinder wurden als Leiche n geborgen, ein viertes wurde noch mit schwachen Lebenszeichen aus dem Wasser gezogen, ist aber inzwischen gestorben. Die übrigen Personen wurden gerettet.
— Die Hamburger Bürgerschaft nahm den Antrag des Senats an, der Stiftung „Kaiserin Auguste Viktoria- Hau zur Bekämpfung der S ä' u g l i n g s st e r b 1 i ch k e i t int Deutschen Reiche zu den Baukosten der von ihr zu errichtende» Miistercuistctlt, eine» einmalige» Beitrag von 10000 Mark, unb für die noch zu bcgrüubenbe Robert Koch-Stift trug zur Bekämpfung der Tuberkulose einen Beitrag von 30 000 Mk. zu bewilligen
In Zeltkirchen in Niederbayern wurden der Postbeamte Brännborser und seine Eltern durch Kohlenoxydgase eines schadhaften Ofens erstickt aufgefunden. Auch die nebenan wohnenden Hausbesitzersleute wurden schwer betäubt.
— Das zweite Januarheft der „Neuen Revue", Halb- mvnatsschrift für ba§ öffentliche Leben, IjcrauSgegeben von Dr. Josef Adolf Bondy und Tr. Fritz Wolff (Berlin und Wien, Verlag der Neuen Revue) enthalt u. a. folgende Beiträge: Harden utta sein Prozeß. — Ter Direktor des österreichischen Kriegsarchivs, Feldmarschallcutnant von Woinowich, würdigt anläßlich des 50. Todestag den Feldherrn Radetzky. — Rudolf von Gottschall erzählt als einer der letzten Ueberlebenden persönliche Erinnerungen an die Führer des jungen Teutschland, an Carl Gutzkow, Heinrich Lastbe als Burgtheaterdirektor in Wien usw. — Ein Gedicht von Christian Morgenstern: Im Bozener Batzenhäusel. — Honprs de Balzac: Ttc Gattin des Connötable. — Die Fortsetzung des Romans „Jettchen Gebert" von Georg Hermann: „Henriette Jacoby". — Walter Behrend: Heinrich Mann, ein Künstlev- pwblem. Jgnotns: Die Karellc in Oesterreich. — Pluto: Finanzrundschau (Die neue Wiener Anleihe. — Die Spar- kassen-Krise in Temesvar. — Tie Kaufleute gegen die Großbanken usw.) — Eberhard Schulden: „ Wissenschaftlich und populär". — Max Messer: Eine biebifdje Dichterin. — Revue der Revuen.
1 eiefoniscüie Kursberichte
des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie. Giessen.
Frankfurter Börse, 22. Januar, 1.15 Uhr.
3>2% Reichsanleihe . . 93.0ö I Elektnz. Lahmeyer . . . 123.00 356 do. . . 82.10 Elektriz. Schnckert . . . 107 20
3>$ /0 Konsols .... 93.65 356 do 81.90
3 *6°/0 Hessen 91.1.0 3>6°/o Oberhessen . . . 92.00 4 '.'6 Oesterr Goldrente. 98 25
41/, % Oesterr. Silberrente 98.70 4 % Ungar. Goldrente . . 93 75 4% Italien. Rente . . . 103.90 3^6 Portugiesen Serie I 62.10 3 56 Portugiesen „ HI 63.80 4^°/0 russ. Staatsaul. 1905 94 80 4>äb/0 Japan Staatsanleihe 87.90 4 % Conv. Türken von 1UU3 95.70 Türkenlose 144 80 156 Griech. Monopol-Aul. . 49.50 4 56 äussere Argentinier . 85.75 ou/o Mexikaner .... 64.20 4>i*7o Chinesen 94.90
Aktien:
Bochum Guss 198.70 Buderus E. W 112.70
Tendenz: ruhig.
Berliner Börse, 22
Cauada E. B 155.70 Darmstädter Bank . . . Deutsche Bank .... 231 70 Dortmuuder-Union C. . . 60.50 Dresdner Bank . . . 137,70
Tendenz: schwächer.
Eschweiler Bergwerk . . 207 90 Gelsenkirchen Bergwerk . 187.20 Hamburg-Amerik. PaketL 117.10 Harpeuer Bergwerk. . . 203.80 Laurahötte 218.00 Nordd Lloyd .... 105.50 Obe) sch les. Eisen-Iudustrie 100.00 Berliner Handelsges. . . 157.30 Darmstädter Bank . . . 126.40 Deutsche Bank .... 232 00 Deutsch-Asiat Dauk . . 139,00 Diskonto-Konunaudit. . . 172/20 Dresdner Bank . . . 1^8 00
Kreditaktieu 200.50 Baltimore- und Ohio-
Eisenlahn 87.50
Gotthard bahn —.— Loiuuard. Eisenbahn . . 27 70 Oesterr. Staalsöahu . . . 144.60 1 Tince-Henri-Eisenbahn . 118.50
Januar. Aufangskurse.
llarpener Bergwerk. . . 203.50 Laurahiitte 218.— i.ombarden E. B. ... 27.60 Nordd. Lloyd 104.90 L’ürkenlose 144.90


