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Nr. 18
^wertes Blatt
Evchemt tvgNch mit Ausnahme des EonntagS.
Geueral-MZeiger für GderheUn
158. Jahrgang
Redaktion. Expedition und Druckerei: Echul- ftrQBe 7. Expedition und Verlag: es© 5L Redaktion: es® 112. Tel.-Adru AnzeigerGreßen.
Die ^-ietzener Lamtltenblätter" werden dem gSnaetfler* viermal wöchentlich beigelegt, das „Äirtsblotl tut den Kreis Gietzen" zweimal wöchentlich. Die ..Lanvwtttschastlichen 5cU« fregcu“ erscheinen monatlich zweimal.
Mittwoch ZZ. Januar 1908
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UnwersuätS - Buch» und Srelndruckeret.
R. Lange, Gießen.
Siimmustgsbiiö aus dem Reichstage.
Berlin, 21. Januar.
Prophete rechts, Prophete links, das Weltkiub in der Mitten I Eigentlich sind es rechte Wcltkinder, Erzeugnisse des wirtschaftlichen Lebens und der technischen Entwickelung, die Anfang und Ende der heutigen Sitzung machten, Tcle- fünfen» und Scheckgesetz; Weltkinder, denen eine blühende Zukunft zu prophezeien nicht schwer ist. Die politischen Gegensätze verstummen bei beiden Gesetzen. Das Tele- Maphenregal hat sich so sehr bewährt, daß ein Bedenken Mgen feine Ausdehnung auf die drahtlose Telegraphie von knner Seite erhoben wird. Man nimmt es als selbstver- silän blich an, daß die Telegraphenverwaltung nur das beste System in Anwendung bringen und die Errungenschaften der Technik auch den Privatkreisen nutzbar machen wird. Die Unvollkommenheiten, die den jetzigen Systemen noch anhaften wird die in Gegenwart des Präsidenten der französischen Republik schlechte Scherze ermöglichen, wie wenn etwa in der Hinligen Halle des Reichstagssitzungssaales von einer Tribüne em Bauchredner dem Präsidenten antworten würde, müssen Dorlünfig noch in den Kauf genommen werden. Auch von fcnn neuen Scheckgesetz, dessen erste Lesung heute noch »sicht zu Ende geführt wu.de, erwartet natürlich niemand, daß es sofort den Scheckverkehr zum Gemeingut aller Dei-t- scchen machen wird. 9lber die Befolgung der von den Ber- iietetn der Praxis geäußerten Wünsche gibt die Gewähr, daß Later der Herrschaft deL neuen Gesetzes auch das Scheckwesen
im Nu einbürgern wird, und aus den heutigen Er- il&cungen der Jraktlonsredner darf man wohl den Schluß jiirhen, daß dem Scheckgesetz in nicht zu ferner Zeit eine SFlooeUe in Gestalt emcS Postscheckgesetzes folgt.
Inmitten dieser unpolitischen Erörterungen ging die 93er» h andlung einer sehr pol »tischen Angelegenheit. TaS MajestätsbeleibigungSgesetz hat der Reichskanzler zu Beginn der Tagung als einen Bestandteil der für die Linke bestimmten Blockmitgift bezeichnet; aber die Beratung des Gesetzes in der Kommission und heute in zweiter Lesung und besonders die Erklärungen des Staatssekretärs d.es Reichsjuslizamts ließen erkennen, daß auch die Regieruiig selbst als Trägerin der monarchischen Autorität sich zii dieser Dabe beglückivünschen kann. Volle Einigkeit herrschte bei ötn Parteien des Hauses und am Bundesrats^ische darüber, )cü Zioeck und Wirkung des Gesetzes eine sehr bedeutende Einschränkung der Alajcstätsbeleidigungsprozesse und Ver- iirtcilungen sein und der monarchische Gedanke und die Ächtyng vor der Majestät davon einen großen Gewinn ziehen ivird. Die zweite Lesung machte nicht mehr erl>oblichc Schwierigkeiten, nachdem man in der Kommission sich müh- |<im auf eine Fassung geeinigt hatte, dec mit der Regierung sLiiitliche Parteien zustunin.n konnten — freilich mit Aus- ifohme der Sozialdemokratie. Diese verspricht sich bei ihrem angeborenen Mißtrauen gegen die „Klassenjustiz" keine mildere Praxis von einer Aenderung, die nicht radikal mit dem Be- gTliffe dec Majestätsbeleidigung überhaupt und den darauf b czüglichen Strafparagraphen aufräumt. Auf sie machte d mn auch die Mahnung des Dr. Osann, daß niemand auch bei der freiesten Kritik em Recht habe zu beleidigen, keinerlei Eindruck, und bei ihnen verhallte der Appell, den der Staats- feicctär Dr. Ätieberding in der Kommission an den anständigen Vürger gerichtet hatte und den im Plenum Dr. Müller- Mleiningen mit eindringlichen Worten aufnahm: im Fürsten den Träger der Staatsgewalt zu ehren und in ihm der Staats- teee und dem Volke selber Achtung zu zollen. Der Wortführer i dus Freisinns knüpfte daran einen Hinblick auf die englischen
Gicszcner Sradttheater. ,
Zwei Wappen.
»bchwank in 4 Elften von Bliimenthal & Kadelburg.
y,Every thing is Business“, sagt der Amerikaner; alles if:i Geschäft. Und zivar, seien wir ehrlich, hüben wie drüben 1 Was denn anderes als ein Geschäft ist z. B. die alte, wieder- h«lt geänderte und unlängst wieder mit einem neuen Fabrikat, genannt .Der letzte Funke", auf dem Bühnenmarkte im alter Eintracht der ursprünglichen Teilhaber erschienene Airma Blumenthal & Kadclburg. Und das muß selbst der Ühiecifaner zugeben: diese Firma ist und bleibt heute noch esmartae Selbst ihre verschossensten Artikel, auf denen zwölf- jmt)ciger oder noch älterer Staub lagert, finden Abnahme und sr-mndliche Aufnahine, int Gegensätze zu den Saison- n<ubeiten unserer Damenkonfektionsgeschäfte. Ihre »Zwei Wappen" waren um die QJlitte des letzten Jahrzehnts des oerigcn Jahrhunderts gleichzeitig mit den monströsen Puff- kmeln unserer Damen „modern^, und siuds heute noch wie am ersten Tage. Ja, heute vielleicht noch mehr, als da sie n<u waren. Denn im vorigen Jahre erschien Upton Sin- Eclairs „Sumpf" nut seinen fürchterlichen Anklagen gegen die Lhilagoer Großschlächtereicn, von denen in diesem Stücke so Itotd die Rede ist; dieser Tage aber erst urteilte em angesehener ucib wissenschaftlich gebildeter europäischer Nahrimgsmittcl- ka-itrolleur nut aller Ruhe und Sachlichkeit recht günstig über Sn Zustände in den Chikagoer Schlächtereilokalen. Wir geben heute also ganz unbedenklich unseren Segen dem von I™ Herren Blumenthal & Kadclburg geschäftseifrig vereitelten Ehebunde des jungen Freiherrn v. Wettmgen mit Forster, der Tochter cmes Chikagoer Groß- !ä)!ächlerS unb Trichinenoukels, dieser „Aliß" heirat, wie sich fie beiden „Schadchen" höchst witzig auSzudrücken belieben. Lee alte feudale Baron ißt zwar auch ganz gern Wurst, aber 1 meint, eS sei doch nicht gerade unbedingt nötig, daß sie ade in der Familie gemacht werbe. Ein Standpunkt, der ja nicht ganz unbegreiflich ist. Unaufhörlich krakehlt ec nut dem Lchwiegervater seines Sohnes, um schließlich nach vielem ^tnunbbec Selber mit der Wurst nach der Speckseite zu werfen.
Verhältnisse, wo man seit Generationen keinen VinjeslätS- beleidigu-gsprozeß mehr kenne. Tas sei in dem Vertrauen begrünb-t, das man dem freien Volke dort schenke, U"d seine Freiheit sei begründet in seiner politischen Reife. Einen Schritt auf dem Wege dieser Erziehung auch für das deutsche Volk erblickt Dr. Müller-Meiningen in dem vorliegenden Gesetzentwürfe, unb daher summt die freisinnige Fraktions- gememschaft ebenso wie die anderen bürgerlichen Parteien der Kommissionssassung zu, die das Erreichbare barstellt. Der Königsberger „Schanbsäulcnp rozeß" nahm einen breiten Raum in der Aussprache ein. In der juristischen Kritik des Königsberger Urteils gingen die Meinungen auseinander; um so vernichtender für die Sozialdemokratie war die einmütige Beurteilung des Königsberger Schandartikels.
in aff'n unseren Aufgaben unb Arbeiten von beiro Gesichtspunkte leiten, dem Gesamtw 0 bl unsere SHandiverks zu bienen.
Tas Vorstand sw'?-- liw Obermeister L a u tz-Darmstadt sprach rm Anschluß daran übet die Ge selten prüfungsaus- sch v s s e. Gr sprach der hessischen Regierung Dank da|ur aus, daß sie abweichend Man den gesetzt! '^en Vestimmungen, auch den OtiSzewerbevcreinen die Mitarbeit an der nnchtigen Frage der (y-eiedent-xilfungen ermögliche. Die Anforderungen bei ben Ge- sctlenvr^iungen müßte r im ganzen Land niögud>ft gleichmäßig gestellt werden. Er besprach) sodann b;e von ter Kammer heraus- gegebene Anweisung für die Vorsitzenden ber PrÄsungSausschÜffc. De,om>erS wurde daraus hingewiesm, daß den Prü-slingen mbgtupst! ciniadjc Sachen als PrüsungsstuSe gegeben werden sollten und daß die Stucke so gewählt iverden sollten, daß man die Arbeit genau er Lennen tonne. Ter tfyeottiihljcn Prüfung mässe derselbe Wert beigeniessen werden wie der tedjauicben. Taneben sollle der Buchführung, auch wenn sie nicht Überall obligawrisch Prusungs- gegenständ sei, der entsprechende Werl beigemessen werden. L^e Bertrilmrg der Gesellenbciese sollte gemeinsam vorgenom?- nten werden.
Zweiter hessischer handwertertag.
ii.
Si?ndikuS C n g c l b a ch fulyr in seinem Bericht wie folgt fort: llkoch kurz will ich einige Worte ben Beschlüssen der Tagung von 1903 zu fügen. Tie Aiuräge und Anregungen, die damals zur Beratung kamen, haben samt und sonders ihre Erledigung gefunden. Ter Vorstand hat sich in se.nen einzelnen Sitzungen damit besaßt, zum teil sind insolge dessen bestehende Vorsä)iristen ent* spremend geändert worden, zum teil haoen Anträge nach Benehmen m,t den Antragstellern später il/ix Erledigung gefunden, wieder ein anLerer Teil hat durch Beschlüsse unserer Plenarversammlung von 1003 seine Genehmigung erhalten. Anderer- seits fiept aber auch ber Fall vor, daß Anregungen unb Anträge nicht Wei.er behandelt werden konnten, da e-.'.t.preu-enb^s Vlaterial von feiten ber Antragsteller hierzu nicht eingegangen war. Zu dieser letzten Angelegcnh-eit darf ich betonen, baß wir jederzcll alle berechtigten Forderungen des Handroec-ks mit dtack>druct unterstützen. W.r müssen aber unter allen Umstanden darauf bestehen, baß uns auch ans geiverolichen Kreisen sachliches Material, welches d.e Forderungen begründen soll, zugesührt wird, und dies, nreiite Herren, fällt in vielen Fällen nur allzu schwer. Man sollte meinen, daß bei dem ständigen Anwachsen der gewerblichen Kvrporativnen in Hessen, von denen wir bis jetzt 230 in unserem Bezirk zu verzeichnen haben, es doch immer leichter werden müßte, derartiges sJjiaterial zu bekommen unb icl) darf von dieser Stelle aus einenAppellanalleGe Werbevereine, Innungen und Fachvereinigungen richten, uns vor- kommendenfalls in allen unseren Bestrebungen nachhaltigst zu uMerstützen.
Mit besonderer Genugtuung kann ich darauf hinweifen, daß innerhalb unseres Bezirks zwischen den verschiedenen Korporationen die besten, einsichtigen Beziehungen bestehen, im Gegensatz zu einzelnen anderen Bu.ch.sstaaten, in denen das Derlwllnis zwischen Gewer'xverein und Innung zu wünschen übrig läßt. Wir l'mben bei uns im Hessenlande volles Verständnis für die Aufgaben und die Bcvechtigung der beiden Arten gero erb lieber Kor- poratioircn unb solange wir Ruhe und Frieden un unseren Vereinigungen haben, dürfen wir mit voller Zuversicht der Entwicklung unscrcs gewerblichen Lebens entgegensehen. Wie ein gutes unb einträchtiges Einvernehmen zwischen den Vereinigungen zum Wohl der einzelnen Mitglieder bestehen muß, jo muß auch ein solc^s zwischen fflytcr Interessenvertretung unb den staat- lichen und sonstmen Behörden vorhanden fein, soll das Warben der Kammer Erfolg haben. Meine Herren, ich bin in der Lage, Ihnen berichten zu können, daß die Handwerls'kammer, wenn iie <ruü) bei alen Stellen Ihre Wünsche und Fvrderungen^mit Naä>- cruef vertritt, anderer se.ts niemals den Bobon ber Sa äst ich leit verlasser. hat uno daß von allen Behörden, seien es Staais- obtT GemecndLbehördcn, uns jeweils das größte Entgegenkoinmen gezeigt wirb, unb daß damit den Inderessen des Handwerkev- stanves am meisten gedient ist.
Meine Herren, Sie wissen auch, daß die Hessische Kämmer im Ausschuß des Deutschen Handlverks- und Gewerberammertages ist unv im Hinblick aus diese Lrganisation können Sie die Versicherung haoen, daß wir in die Lage versetzt sind, neben ben Jn- tereisen ber Gesamtheit des Handwerks unserem Mimischen Ge- weroe nxb nachhaltiger und wirksamer zu dienen, als wie es vielleicht sonst ber Fall wäre. Wie wir stets die Jntercsscn des Einzelnen wahrzunehmen bestrebt sind, so lassen wir uns doch
T'-n nächsten Punkt bildete der Meistertitel imHand-^ werk. Referent war Gcwcrberat F a l ck. l
Er führte aus, es fei bekannt, daß die Führung des Meister-' titcls, feiern nicht ber betreffende Meister vor dem Jnkrasttreten bcs belressenden Gesees schon selbständig gewesen fei, von der Ablegung der Meisterprüfung abhängig sei. Es werde nun immer w-ieber der Wunsch laut, daß bee zur Führung des Meistertitels berechtigten Personen festgestellt würden unb daß sie in den Adreßbüchern besonders bezciä/net würden. Die Kammer habe stets gesucht, diesen Wünschen Rechnung zu tragen. Die Regierung stehe aus dem Standpunkt, daß sie dabei nicht Helsen könne, da die Verhältnisse eine generelle Feststellung, wer zur Führung 1 des Tlle.s berechtigt sei, nickst zuließen. Stywierig sei bi? Frage hinsichtlich der Heimarbeiter in ber Konnktionsbranche usw., auch hier könnten die Entsckstidungen nur von Fall zu Fall go v irossen werden. Dagegen werde die Kammer in allen Fällen energisch einschreiten, in beiten ber Meistertitel zu llnreckst gciücrt werde.
An der Besprechung nahm u. a. Stadto. Petri von hier teil, ber die Ansicht ciuswrach, daß die lledergangszett jetzt so lange dauere, um bie Frage enischeiben zu können. Auch bei den Zwischen- meiüern sei die Bezeichnung anwendbar, wenn sie die Ateister- präsung gemacht hätten.
Geiverberat Fa Ick memt, e5 müsse der Stolz jeden Handwerkers sein, dlirch die Führung des Aielstertitels seine Zu- gebörigfcit 311 dem bcir. Handwerlersland zu bezeugen. Eine inechaiuiche 'Jiegclimg durch Feststellung ber Behörden »volle er nicht. (Bestatl).
lieber die hessische Handwerker-Zentral-Genossen- jchait rcierierte ber ziveile Vorsitzende der Handiverkskammer Siadlo. 9i 0 ck e l - Tarmjladt. Eine der ersten Auigabeii dec Kammer sei die Förderung des genossenjchasllichen Äebailiens gewesen. Tank ber Unterstützung der Regierung sei es gelungen, einen tüchtigen Fachmann ans dem Gebiete des Äenosienjchatls- wejens, Trretior Dr. Paech zii gewinnen. Aus dem Gebiet des Kredruveseus serenI)ie im Lande bestehenden Kredllgenossenschaiien, die zumeist ber Schulze-Tetitzscheu Rlchtung angehörieu, ausreichend, was zu tun blieb, war die weitere Ausbreitung besä', Genosscnst. 0 .Sgedankens unter ben Handwerkern, sowie die Er-i leichterimg uer Euisührung des Maschinenbetriebs im Handwerk.i Ter reelle Zwischenhandel solle nicht ausgeichalret werden, aber die Auswüchse sollten betämpit werden, die sich aus dem Gebiete namciilltch durch das Agentenwejeu vielfach breit machten. Mit der Zentrat-Genosseuichait wollte man dem Handwerk den Vorteil des GroukapilalS nach Alögtichkeu zuwenden. Ter Redner legte’ dann die Lrgaiilsatiou imi) Aufgabe der Genosselischait eingehend dar und bezeichneie als eine ihrer wid)tiguen Auigaben, den einzelne» Haudwerkeru bei Anschasjungeu von Maschlueu hellend zur Seite zu stehen. Tas Bedurmis des Bestehens einer solchen Genossensthan gehe aus ihrer starken und steigenden Iuanspruch- naljme hervor. In den 3'/, Jahren ihres Bestehens wuröeit 142 Kraitinajchineu nut 700 Pierdekräiien und 4ö8 Werkzeilg- inaschlneii abge,etzl. Ter Umjatz flieg von 41831 Alk. im ersten Fahr aus 150öil Mk. im vielten Jahr ihres Bestehens. Eine AiiSstellung von Aiaschmen befuibet sich im Neubau des LaudeS- gewervemujeums.
Direktor Tr. Paech wies aui den burchauS gemeinnützigen! Eharakter der Hanowerker-Zentrat-Genosienichast hln. Man habe sich zunächst auf den Vertrieb von Atajchlneu beschränkt, es sei aber beabsichtigt, später auch die Rohstosje flemeinjam zu beziehen und zu verkau'en. Stach Uebcnvtnöung großer Schwierigkeiten sei
TaS Glück der Jungen ist dadurch gesichert, beim die Verfasser haben bafür gesorgt, baß bie Kmber in ber Wahl ihrer Schwiegerväter — Schwiegcrniütler giebts in bem Stücke ausnahmsweise nicht — verzeihen Sie bas harte Wort: Schwein Haden.
ES bleibt ein unverächtlich Tun, das Publikum, wenn eS ins Theater spazieren geht, wie ber Polichincll zu unterhalten. Unb an kleinen satirischen Schlagern, Sticheleien unb Effekten fehlts ben beibcn, ben besseren Geschmack nicht gar zu schmerzlich verletzenbcn Auioren auch hier nicht. Ganz Blumenthal ist z. B. bie Antwort beS Deutsch-Amerikaners Forster auf bie Behauptung bcs Freiherrn, baß er ber Rach- (online bcs großen Wettmgen fei, ber 1113 vor ober nach Christi Geburt (ber Witz ist auch ba) auf bem Schlachtfelbe zum Ritter geschlagen worben: „Sie sinb ein Nachkomme, ich werbe Nachkommen HadenI"
Jedenfalls fand ber größere Teil des Publikums bie Witzeleien biefer flüchtigen Satire auf Alt-Teutjchlanb unb Jung-Amerika fabelhaft scherzhaft, war bei ben bonbonsüßen Kußszcnen ergriffen unb mit ber Ni oral bcs Stückes, bem ücrblliffenb wählen Satze, baß ehrliche Arbeit ebensoviel wert sei wie alter Abel, burchans euwerslanden. Kurz, es war ein schöner Abcnb, voll Belvegung, frohen Gelächters unb tofenben Beifalls. — Ter alte Ruf ber smarten Firma Hal sich also aufs neue bewährt. An biesem Erfolge partizipiert aber baS Ensemble unserer Bühne wesentlich. Ein flotter Ton, bcgagiertes Spiel herrschten vor, von gesellschaftlichen Saloppecicn abgesehen; bas Zusammciispiel war im ganzen flott, Hütte allerbings im vierten Akte noch lebenbiger fein können.
Als alter Baron, eine nie fehlende Blumenthalsigur, war B akof, der diesmal mit besonderem Behagen Büller kopierte, sehr wirksam, ein echter Simplizissimus-Aeh-äh-Freiherr, etwas karrü’iert und forciert, rote es einmal der deutsche Schwank erfordert. Recht gut war auch der schon nicht mehr vier-, sondern 'fünsschrötige Chikagoer Trichinenonkel Reimer- Schlegels, ohne burlesk zu werden. Er hätte übrigens dem Herrn Baron vor den feudalen „Bauch flößen^ können
nut der Rlesen-Schwemezüchtcrel deS Herrn 0. Podvi-lski, einer preuß. Exzellenz und bekanntlich allerhöchsten Skatbruders, auch eines „smarten^ Geschäftsmannes, dessen trefflichen GcschäftSsilm noch heute die deutsche Geschäftswelt an der Spitze der Reichspostverwaltung schmerzlich vermißt; und er hätte ihm ferner unter die feudale Adelsnase halten können, daß ein preuß. Junker, der kgl. preuß. Kammerherr v. Oldenburg, „das brave deutsche Schwein^ nicht nur parlamentsfahig gemacht, sondern sogar zum Vaterlandsretter erhoben hat; daß also der preuß. Adel dem deutschen Schwein eigentlich höchst gewogen ist uni) daß dieser Schwank demnach gar keine Daseinsberechtigung hat. Damit hätte er sich freilich selber umgebracht, während er doch nur Schweine umzubcingen gewohnt ist.
Die Kußszenen wurden von Rosa Minderst ein und' Roden mit all der keuschen Seeleninnigkeit gegeben, die für Blumenihalsche Poesie am Platze ist. Liebenswürdig waren auch Käte Cardung und Goll als zweites Liebespaar.
Die Regio, die Goll führte, verdient Anerkennung für die geschmackvolle und sorgfältige Jiiszenlermig. P. W.
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— Mit Recht wird in der letzten Ninnmer der Zeitschrill des. „9lllg. deruschen Sprachvereins" gerügt, wenn m deutschen! ll e b e r s e tz u n g e il englischer S ch r t i l w e r f e die Bezeichnungen Mr. und Sirs, unübersetzt stehen bleiben. Und doch bedeiilen iie nichts anderes als .Herr" unb „Frau" bei uns. Ter etwaige Einwand, daß die Perjouen damit als (Sngläuber gekeunzeichilet würden, ist ganz hinfällig, da ja auch dre Reden — uni) diese sind sicher noch keimzeichueiider — in deulscher Uebersetzung nuigetcilt werden. Nein, mir die unbegrenzte Hochachtung, die der deutsche 'Michel vor einem Mr. Sm ich und einer Mrs. Wilson empfindet, hat zur Beibehaltung der englischen Bezeichnimgei» gewhrt; „Herr Smith" oder „Frau Witsoii" würde ja der Betvuuderung bet '2lu§» landet Nicht genügend Ziechuung tragen. Dasselbe kann man auch bei den entsprechenden französischen, italienischen usw. Bezeich-^ nungen wahr nehmen, und nicht nur in Uebcrsenuugen, sondern s auch m sousligeui schrriilrchenr und mündlichem Gebrauche. Ma-1 dame, Signonna, Senuor u. a. gieren massentfall deuische Erzähl-1 ungeu. Eine Engländerin wird bei uns zumeist als Miss Loundso | üorgeiielll unb angereoet. Wir sollten auct) in dieser Bezieiniug mehr Rückgrat haben utrd mehr auf u n s e r T e u t s ch - tum ballen. Das könnten wir von Enaländetn unb Franzosen,


