Ausgabe 
21.10.1908 Zweites Blatt
 
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Mittwoch 2 t. Oktober 1908

Nr. 248

Zweites Blatt

Erschein! tLgllch mit Ausnahme veS Sonntags.

wand werden, die Wahlreformfrage versanden und ver-I war. Dagegen war man sich,'Vie schon angedeutet, darüber z u i 'Rai« i'iiH/iciAittnpnprintfl hipfp nrfmtn*

einig, daß in der Art der Besold ungsaufbesserung viele gesunde

Gedanken stecken.

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Ausfübrung'

158. Jahrgang

RataktonSdruck and Verlag der Br üblichen UnwersnälS Buch- und Siemdruckeret.

R. Lang«, Gießen.

<äle Mk. 110

esatzM.3.50

ler Mk 3.75

Redaktion, Exvedilron und Dnickeret: Schul- straße 7. Exveduwn und Verlag. e=SS 5L Redaktion: LrOl 12. Tel.-AdrvAnzeigerGießen.

Aieines Feuilleton.

Prof. Forel und die sächsische Polizei. Wie wir gestern bereits meldeten, wurde in Leipzig, der Hauptstadt des deutschen Buchhaiidels, wo man eigentlich eine besonders intelligente Bevölkerung vermuten sollte, ein Vortrag des berühmten schweize­rischen Gelehrten Forel über Nassencnlartiing und Rassenhebung von der Kreishauptmannscha't verboten. Tic Gründe für diese-? sonderbare Verbot, das auf die Freiheit der sächsischen Wissenschaft ein besonderes Licht wirft und jedem nur einigermaßen einsichtigen Menschen befremdlich ist, hat die Königlich sächsische Sxieie- hauptmamischaft naturgemäß nicht angegeben. Heule lommi nun die selisame Nachricht, daß die Königlich sächsische Kreis- hanptmannjchait Professor Forel e r l a u b t habe, a n st c l l e des verbotenen Vortrages über Rasscuenicniungen und Raffeu- hebnng einen über Gehirn und Seele zu hallen. Cb die königl. sächsische Kreishallptmaimschast diesen Vortrag, besonders in seinem ersten Teile, für die Bevölkerung nützlicher erachtet, als den über Entartung, ist nicht bekannt geworden. -h

Alis Dresden wird unS geschrieben: Tie ^Vereinigung sur ideale Kultur", die Veranstalterin der in letzter Zeit vielgc- namiteit Schönheit-Abende, hat bekanntlich geplant, mre nuf der Frankfurter Konferenz der dcillscheii Sittlichkettsvereine heftig aiigegr'ssenen und vom preiißlschen Älinister des Innern auf Grund eines abfälligen Gutachteiis der Akademie der Künste der Konzessionwrungspsllcht untcrivorienen Vorführungen in fall allen größeren eiabien des Reiches abzuhalteu. Nachdem kürzlich in Leipzig em .Schönheil-Abend" stattgesundcu halte, sollte nun auch am vergangenen Samstag im Konzertsaal des hiesigen städtischen Ausstelluligspalastes em solcher Abend mit den betannten Naäl- darltellungkn veranstaltet iverben. Ta die hiesige Polizei ober die Ceffenllichkeit der Vorführungen aus formellen Gründen nicht zu­gelassen Halle, >var sie nur für Alitglieder derVereinigung nir ideale Kuliur und geladene Gäste zugänglich. Tie Polizei imlnn jedoch an, daß die Vedingungen einer ge»chlossenen Gesellschaft Nicht erfüllt seien und forOcrie kurz vor Beginn die Räumung des voll besetzten Hauses. Dabei kam es zu ninuiltuariici)en Szenen. Das den besten Gesellschaftskreisen angehörende Publikum pro- testierte gegen das Vorgehen der Polizei mit ironhchcn Hochru'en auf diese, wöbet einige Personen polizeilich iestgeitellt ivuröcn Darauf fand die Vorstellung vor der Tresdener Künsilcischaii, Vertreicrii der Presse und der Behörden statt. Wie aus Sirenen der /Vereinigung für ideale Kultur" verlautet, loll m nächster Zeit ein öffentlicher Schonheit-Abend im hiesigen Zentraltheater slalt- fiudeu, da angeblich die Tresdeiicr Polizei prmziplcUe Uni- wendungen nicht mehr erhebt.

Wag n e rs ött erbämmer ung* und d i e Pariser - Köche. Wie wir bereits berichtet haben, gelangte

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Die ..Siebener ZamtliendlStter" werden dem ^Anzeiger' otermal wöchentlich beigelegt, daS Kreisblati für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen 3eit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

am Tienstag Richard WagnersGötterdämmerung" in der Pariser^ Großen Cper zur ersten Aufführung. Bekaniltlich nimmt dieser Teil desRinges" besonders lange Zeil in Anspruch, so daß der Anfang schon für 6 Uhr festgesetzt wurde. Tiejer frühe Be­ginn hat die Pariser Küchenchefs gewaltig in Harnisch versetzt iind m einem von ihnen in der heutigen 9iacl)t abgehaltenen Meeting zu einer Empörung gegen den Wagneriamsmus veranlaßt. In den vornehmen Haushaltungen sei, wie in der Versammlung mitgetetlt ivmbc, eine wahre Revolution ausgcbrochen. Tie Herrschaften können um diese frühe stunde einerieits nicht zu Hause dimeren, andererseits hätten sie kein rechtes Vertrauen zu dem angekündigten Zwischenaktdiuer im Foyer der Oper. Die Cperndireklion ivird wahrscheinlich der tnachtigen Köchckoleric zuliebe das Werk zu- fammenstreichen muffen, damit die Vorstellungen derGötter- däninieruiig" künftig um 7'/, Uhr beginnen können.

E i n Vorstoß z u m Nordpo l. Wte uns New-Pork be- ' ichlet wird, beschäftigt man sich dort lebhaft mit dem kühnen Wagnis des Forschungsreijeliden Tr. Frederick E. Look, von dem amerikanische Forscher aimehmen, daß er seinem Ziel, dem Nord­pol, sehr nahe lommcn iverde. Tie Absicht, diesen Vorstoß zu machen, tündigte er in einem soeben emgelrosfencu Brief an, der vom 17. Äiärz aus dein Eismeer, nördlich von Kap Hobbard, datiert ist. Tr. Cook war vor einem Fahr zu einer Fagdexpedi- tion in einem kleinen Fischschoner aufgebrochem Als die Zell zur fliückkehr herankaiii, erklärte er plötzlich seinen Freunden, daß er allein zuruckblciben und nach dem Nordpol aufbrechen ivolle. Von seinen Begieuern blieb 9lndolf Franke bei ihm, um die reichlichen Nahrungsvorräle, die die Jagd ihnen gebracht hatte, zu betvachen. 'Dht Hilfe von Eskimos wurde em Blockhaus in Auuortok, -v eng- Igche Aleilcn nördlich von Eiah, gebaut. Im Winter herrschte eine urditbare Kälte. Eines Tages ivurbe Tr. Eook beinntie von Eis­bären gelötet, da das Schmieröl an feinem Gewehr sich jo verhärtet hatte, daß er öie Waffe nicht gebrauchen konnte. Schließlich ge­lang es, die Tiere mit Messern, die an lange Stangen gebunden waren, zrt verjagen. Am 26. Februar brach Tr. Eook nut einer kleinen Schar Eskimos nach dem Norden auf. Mehrere Tage brachte er auf einem schwimmenden Eisfelde zu; am 3. März er­reichte er Flaglerday, von wo aus Franke den Ruckweg an trat. Im Peary-Kltib iverden jetzt 'Maßregeln getroffen, dem ver- ivegenen ooricher Htlic zrt billigen, aber vor dem nächsten Früh­ling wird leine Uiiiernel)inung möglich jein.

Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft. An der Ausstellung für Handwerk, Gewerbe, Kunst und Gartenbau, die im nächsten Jahre in Wiesbaden staAsiudet, beteiligt >ich auch die Kurverwaltung in Bad-Nau heim in umfangreicher Weise.

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General-Anzeiger für GbrrheM

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in'. Hermann StelojCcW

och, den 21. Oktober Öi Anfang 7 Uhi.

iocMbom-W taMta e romaniische Tragödie in en und einem Bot viel m Friedrich Schiller 1fl 7 Uhr. Ende gcg. 10 U/. ij der Milttvoch-B-rfk^ ein Cmmbus in her tu SeriPäteitenäum/ilÖW' der Bahn fahrt.

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ümpfen zu lassen.

Im übrigen läßt sich auf die neue Thronrede die oft gebrauchte Floskel anw^nden: sie bringt keine lieber» raschungen, beinahe noch weniger Ueberraschungcn als irgend eine ihrer Vorgängerinnen. Neue Vorlagen werden nicht angekündigt. Was die Thronrede aber von der Besserung der Beamtengehälter erzählt und der Notwen- digkeit, weitere Mittel flüssig zu machen, war trotz deS ängstlich gewahrten Silentiulns rein Geheimnis mehr. Gern vernimmt man die eindringliche Mahnung zur Spar­samkeit und wünscht, daß den Worten auch Taten folgen mögen; daß die guten Vorsätze zum Beispiel nicht dazu be­nutzt werden, den Weg zu prunkvollen Gesandtschastshotels zu pflastern.

lieber die angekündigleu Steuererhöhungen läßt sich im Moment zudem kaum viel sagen. Am letzten Ende wird eben alles von der Gestaltung des Etats abhängen. Tas Extra- ordinarium der Eisenbahnen wird nicht mehr wie bisher dazu gebraucht iverden können, Ueberschüsse zu verpuffen. Anders, ganz anders als bislang wird künftighin der Etat ausz-u- jtellen sein.

Sollte sich dann ergeben, daß neue Auflagen unver­meidbar sino, so wird man sich dem selbstverständlich nicht entziehen können. Immer aber wird darauf zu halten sein, daß es sich nur um Bewilligungen auf Zeit handeln kann; um vorläufige und vorübergehende Erhöhungen der Steuern, die man wieder ermäßigt, sobald der Bedarf ge­ringer geworden ist.

Neu und eigenartig an dieser Thronrede ist einzig ihr Schluß: der Hinweis ans die Händel im nahen Orient. Sonst war es nicht Sitte, die preußischen Herren mit diesen Dingen zu behelligen. Daß jetzt von der durch Jahre und Jahrzehnte bewahrten G-Pftogenheit abgcgangen wird, scheint doch darzutun, daß unsere auswärtige Situation und die Lage auf dem Weltthealer ernster geworden ist, als man gemeinhin zuzugestehen geneigt schien.

Tie erste Sitzung dcS Abgeordnetenhauses.

Da die Neuwahl des Prchioiums aus den näa-sten Montag verschoben wurde, konnte das HauS gestern gleich in die ernste Arbeit für des Landes Wohl hineinstcigcn. In guterForm" um einen Spvrtsausdruck zu gebrauchen begann das Par­lament sein Pensum: die Plätze der Abgeordneten waren voll besetzt und die Aufmerksamkeit nicht gering. FinanMinister Frhr. v. Rheinbaben war der Beherrscher der Stunde. Er brachte die Befoldungsvorlagen ein, die eigentlich schon in der vorigen Tagung Hütten kommen sollen, aber zurückgestellt wurden, um ein gleich­mäßiges Vorgehen mit dem Reiche zu ermöglichen. Auch einiges, wozu er nicht ebenso lebhaft gedrängt worden war, brachte er mit ein: die DcckungSvorlagen. Sv kam er auf eine Sieben- zahl von Gesetzentwürfen. Das wichtigste, was er gab, waren die Ziffern: Ziffern über die Aufbesserung der Beamten von den zunächst (genannten Gendarmen, Schutzleuten und Förstern bis zu den Oberpräfidialräten, Zisfern für die Neugestaltung der Be- zoldung der Lehrer, Lehrerinnen und Geistlichen der beioen großen christlichen Bekenntnisse, Ziffern zur Kennzeichnung der Finanz­lage, besonders der Mindereinnahmen aus den Eisenbahnen, und des Bedarfs pm neu zu erschließenden Einnahmen, Ziffern für die vorgeschlagene Erhöhung der Einkommensteuer und der Ver­mögenssteuern, endlich Ziffern für die Einführung einer Steuer von den Gewinnen der Erwerbsgesellschaften. Die erstgenannten Ziffern werden den Dienstag oder Mittwoch für manchen braven Beamten und seine Familie zum Freudentag machen. Das HauS quittierte mit lautem Bravo die Erwähnung der den Gendarmen, Schutzleuten und Förstpvn zugedachten Gehaltssummett, die be­absichtigte Gleichstülung (im Höchstgehalt) der Gerichtsschreiber mit den Negierungssekretären, der Oberlehrer mit den Richtern und RegierungSvüten, und die allgemeine Gleichstellung aller höheren Lokalbeamten mit voller akademischer Bildung und der gleichen Vorbereitungszeit, also der Kreisfck-ulinspektoren, Bau- inspeltoren, Gewerbernsp^ktoren, der vollbesoldeten KretSärzte, Obersörster utw anderer, enolich die Gleichstellung der Lokal-Verwal­tungsbeamten mit den Provinzialoeamten. Weniger bemerkbar war der Beifall bei Erwähnung der geplanten Sätze der Gesell- schastssteuer, was wohl nicht nur auf die Ermüdung der Abge­ordneten durch den etwa V/2 stündigen Vortrag zucückzufuhren

Eanbtngsanfang in Preußen.

Die Eröffnung im Weißen Saale.

Zum ersten Mate nach den ^Neuwahlen >var der Land­laa um die Person des Monarchen geschärt. Der im Schmucke seines Hellen Marmors schimmcrnoe Weiße Saal des königlichen Schlosses in Berlin war wie gewöhnlich der Schauplatz des staatsrechtlichen Vorgangs. Viermal nach dem Brauche erfolgte der feierliche Zug des Kaisers und der Prinzen durch den Saal: erst wurde der Weg zur Kapelle zurückgelegt, dann, nach dem Gottesdienste, ging der Rück­marsch" durch den gleichen Raum, der sich nun schon mit sol­chen Mitgliedern des Landtags stark gefüllt hatte, die an dem Gottesdienste nicht teilnahmen. Dann, fuiebcrum nach einer Pause, der neue Einzug zur Verlesung der Thron­rede, endlich der feierliche Abschied.

Die Landtagsmitalieder waren recht zahlreich er­schienen. Die Vorsitzenden des Abgeordnetenhauses und des Herrenhauses zeigten sich in militärischer Umsorm, der eine als Dragoner, der andere als Husar. Ein großer Teil von Mitgliederri beider Häuser hatte es ihnen nachgetan. Neben den glänzenden Uniformen behauptete aber doch der schlichte Frack des bürgerlickzen Volksvertreters den Hauptraum. Nur die Polen und Sozialdemokraten bemerkten wir nicht. Wie üblich wurden militärische Ehrcncrwcisungen durch die Schloßwache erwiesen, die hinter den Abgeordneten und Herren in langer Reihe ausgestellt war. Die einzigen lauten Worte, die man hörte, waren die Kvmmandorufe. Einen eigentlich parlamentarischen Pomp wie in England gibt es ja bei uns nicht.

Zum dritten Male wird präserttiert und wieder betritt der fürstliche Zug den Saal. Herr von Manteuffel bringt ein dreimaliges Hoch aus. Langsam nähert sich der Kaiser 'dem Thron, langsam steigt er die Stufen hinauf. Rechts vorn von ihm nimmt der Kronprinz Aufstellung, links vorn der Reichskanzler in 5^usarenunisorm, hinter ihm die Mi­nister. Der Kaiser bedeckt sein Haupt mit dem Helm, Fürst Bülow nähert sich dem Thron, verbeugt sich tief und über­reicht die Thronrede, verneigt sich wieder und nimmt feinen alten Platz ein. Der Kaiser liest die Rede vor, nicht sehr laut, aber artikuliert und verständlich. Schweigend, aber aufmerksam hören die Landtatzsmitglieder zu. Bei Erwäh­nung der Wahlresorm rührt stch niemand. Nur einmal er­schallt lautes Bravo: als gegen Ende der Rede ausge- S'prochen wird, daß Deulschlanv in treuer Gemeinschaft mit einen Verbündeten für eine friedliche und gerechte Lösung >er Schwierigkeiten im nahen Orient eintrcten werde. Dann noch ivenige freundliche Schlußworte und Fürst Bülow nimmt in gleicher Weise die Thronrede wieder in Empfang, um seinerseits im Namen des Kaisers den Landtag für eröffnet zu erklären. Ter Kaiser jetzt den Helm wieder ab, verbeugt sich gegen die Landlatzsmitgliedcr und verläßt mit den Prinzen den Saal. Jetzt i|t es Herrn von Kcöchers Aufgabe, das Hoch auszubriugeu. Langjam verstreuen sich dann die Landtags- und Regierungsmitglieder.

Die preußische Thronrede.

Von der Thronreoe, mit der der Kaiser am Dienstag die neue Legislaturperiode des preußischen Landtages er­öffnete, ist in den letzten Tagen versichert worden: sie würde sich durch feierlichen Schwung auszeichnen. Das wird man zum mindesten von dem Passus nicht behaupten dürfen, der von der preußischen Wahlresorm handelt. Der Ab­schnitt klingt- über atles Erwarten matt und wir möchten kaum annehlnen, daß diese müden, wie zur Erfüllung einer nun nicht einmal zu umgehenden Anstandsp,licht hingewor­fenen Sätze die Beunruhigung verscheuchen-werden, die in der Beziehung in linkslibcralen Kreisen zu herrschen scheint. Es wird Sache der ganzen Linien des preußischen Abgeordnetenhauses sein, dafür zu sorgen, daß auch dem dilatorischen Versprechen der Thronrede Erfüllung werde; daß dieumfafsenden Vorarbeiten" (wie oft hat man uns schon mit ihnen unterhalten!) nicht zum bequemen Vor-

Aus 5taOt und Land.

Gießen, 21. Oktober 1908.

LU. Die für das Rektorat der Landcs-Uni- versität bestimmten Postsendungen werden teils mit namentlicher Bezeichnung des Rektors ausgegeben, teils ohne solche. Das hat die Folge, daß die Sendungen teils in der Wohnung des Rektors, teils in der Kanzlei abgellcfert werden. Es ist dringend wünschenswert, daß alle derartigen Sendungen adressiert werden: 91 n die Landes-Universität oder 9ln vas Rektorat der Universität oder An den Rektor der Universität, ohne Äiamensangabc. Rur so kann auch für den Fall, daß der Rektor verhindert ist, daS 9lmt zu führen und durch den Prorektor vertreten wird, eine pünktliche Erledigung der Geschäfte Eingaben u. s. w. gewährleistet werden.

" Land,vlrtschaftskaminer. In der 31. Vor­standssitzung wurde unter anderem über die Umlagen ent­schieden, sowie die Satzung und Hausordnung der Hans- haltunqsjchulen Langen und Lindheiin angenommen. Die Abhaltung emeß im nächsten Jahre in Gießen statifindenden Vortragskurses wurde bejchtossen, die definitive Festsetzung der Voriräge soll nach Acußerung de8 AusjchufieS für Ober- Hessen erfolgen. Em Mitglied der Kommission für Festsetzung der Entschädigung für an Milzbrand, Rauschbrand und Schweinerotlauf gefallenen Tiere wurde von der Landwirt- schastskammer gewählt. Eine Revision der Gebührensätze deS Aibeltsnachweises wurde in Aussicht genommen. Ter Ent­wurf dec Voischnsten für den Pflanzenschutzdienst wurde unter kleinen Abänderungen angenommen. Die nächstjährige Wanderausstellung der Deutschen Landwirljchaftsgesellschoft in Leipzig soll nur mit Ziegen beschickt werden. Tie übrigen Gegenstände wurden auf die deninächst staltfindende Bor- standssitziing vertagt.

** Eine Sitzung deS Provinzial-AuSschnsscs findet am 24. Oktober dS. Js., vorm. 9 Uhr, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Reklamation gegen die Bürgermeisterwahl zu Saasen. 2. Enteignung von Gelände zur Erweiterung des Bahnhofs Vilbel; hier Urteilsoerkündigung. 3. Gesuch der FirmaGießener Brauhaus" zu Gießen um Erlaubnis zur Aufstellung eines Dampfkessels; hier Urteilsverkündigung. 4. Re­kurs der Heinrich HaaS III. Eheleute zu Bruchen­brücken gegen einen Polizcibefehl Großh. Kreisamts Fried­berg wegen Schließung ihres Brunnens. 5. Gesuch des Karl Hebbel II. zu Ortcnberg nm Erlaubnis zum Betrieb einer Gastwirtschaft.

Stadttheater. Für das am SamStag, 24. Okt. stattfindcnde Gastspiel des Jbscn-TheaterS der Frau Maria Rehoff istBaumeister Solneß" in Aussicht genonnnen. Dieses Weck des nordischen Meisters ist bisher nur an sehr ivenigen Bühnen zur Aufführung gelangt, da für die Dar­stellung der Titclpartie und der Hilde Wangel besondere In­dividualitäten verlangt werden. Nach vorliegenden Bo- sprechungen bringt das Rehoffsche Ibsen-Ensemble das Werk ui forinvollendetcr Weise zur Darstellung und das Gastspiel dürfte sicher das lcbhaste Interesse der hiesigen literarischen Kreise erwecken. Erwähnt sei noch, daß die Vorstellung bei gewöhnlichen Preisen statlfindet.

"Tie verschwundene Ziege. 9luS einem Ge­höfte tun Leihgestcrncr Weg ist heute morgen zwischen 6 und 7 Uhr eine weiße Ziege ohne Hörner spurlos verschwiinden. Da cm verdächtiger Unbekannter in der kritischen Zeit in der 9iähe gesehen wurde, wird angenommen, die Zieg^: ist gestohlen und wird hiermit vor Ankauf gewarnt.

Eine verwickelte Hasengeschichte. Der Ar­beiter S. aus einem Nachbarorte verloste dieser Tage einen Hasen und verfertigte 30 Lose zum Preise von Je 20 Psg., also zusammen Mk. 6.. Ein jeder seiner Nsttarbeiter kaufte ihm denn auch ein Los ab. Nach beendeter Verlosung fiel öer Hase an den Arbeiter O. Dieser erklärte, er wolle den Hosen nicht haben und verkaiifte ihn an seinen Dsttarbeitcr G. zum Preise von Mk. 1 30. Als G. später an seine 9lrbcitS- iicUe kommt und will den Hasen niitnehinen, hat der O. ihn ivieder an S. zuin Preise von Wik. 1.50 verkauft. S. hat also einen Verdienst von Vik. 4.50 und den Hasen wieder.

= Heuchelheim, 20. Okt. Am Sonntag, 18. d. M. tagte hier die Herb st Vertreterversammlung dcS Be­zirks Gießen im vcstisch-Raüaustche.i (Main-Rhringau-) Ver­bände Gabelsbcrgerjcher Stenographen unter außeroräenUich starker Beteiligung. sämtlicher 13 BezirlSvereincn. Ein Wettschrciben in Wlciluugen. von CO240 Silben ging voraus, an dem, e.nschließlich einer Reihe von Schälern der drei höheren Lchcanstalteii bubens, 106 Tomen und Zerren teilnahmen, eine Beteiligung, wie sie bisher die Veranstaltungen des Bezirks, einer oerhülinismäßig sehr kleinen Crganifaiion innerhalb des großen Teulschcii Sieiwgraphenbundes Gabelsberger, noch nie gesehen hatte. Nach dem Wettschrcibew fano im GasthausZum! Treppchen" cm gemeinsames Mittagsmahl statt. Tie Venretervcrsammlnng bcßann unter dem Vorstpe des Pros. Kr a m e r-Friedberg um 2 Uhr und schwß mit einem Vortrage des Vor sitzens en der Ver- ciniguug Gabelsoergericher Stenographen an der Liidovieicnta, stud. phtl. cl. Ernst Maye r überDas Verhältnis der Schüler- oereilte zu den Hauptvereinen", der von den 9lnwesenden mit großem Beifall ausgenommen wurde. Am Nachmittag folgten die anwesenden Vertreter und die Augel-örigen des Gießener und des Heua-clHeimer Vereins einer Einladung des letzteren zu einem gemutliuxii Zusammensein ans dem Windhof, der die Gäste kaum alle zu fafjen imstande war. Hier waroe auch das Ergeonis des Wettfckweibens bekannt gegeben. Es konnten von den 106 Teil­nehmern mit Preisen vedacht weroen und zwar erhielten in öer Avleitung von 24t) Silben: 1. unö Ehrenpreis: Rommeis- oiantfurt a. M. außer Konkurrenz. 2 20 Silben: 1. und Ehrenpreis: Döpscr-eoießeii, Verein 61. 160 Silocn: 1. und I Ehrenpreis: Noloss-Gießen, Real-Gynin., 1. Preste: Meyer- Eüeßen, Ak.-Veretn, Sa-uiibt-Wetzlar, Lenz-Gießen, Seeti.-Gejell- idxnt. 3. Preis: Woi,s-Güßen, Slen.-Gesellschast. 14 0 Sil- Den: 1. und Ehrenpreis: Berger-Gielen, Gymnasium. 1. Preis: