Ausgabe 
20.5.1908 Zweites Blatt
 
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'deutschnationale Parteitag hat in seiner heutigen Sitzung De» schlossen, daß infolge der klerikalen Gewaltakte gegen die Uni­versitäten ein weiterer Zusanunenschluß mit den Christlich- Sozialen zu gemeinsamem Vorgehen in nationalen Angelegen­heiten unmöglich sei. Die christlich-soziale Partei hielt eben­falls eine Konferenz ab und beschloß, von der Negierung zu verlangen, daß sie dem von den Rektoren der Wiener, Grazer und Innsbrucker Universität tief beleidigten Bauernstand aus­giebige Genugtuung erteile, widrigenfalls die Christlich-Sozialen gegen das Unterrichts-Budget stimmen würden.

An der Technischen Hochschule zu Wien kam es gestern mittag zu großen Tumulten, weil mehrere klerikale Studenten erschienen. Auch mehrere klerikale Abgeordnete, die gerade den Platz vor der Technischen Hochschule passierten, wurden von Studenten insultiert.

In Innsbruck verlief der gestrige Vormittag an der Universität ruhig; e§ ereignete sich kein Zwischenfall. Vor­lesungen fanden nicht statt. Der Rektor erließ eine Kund­gebung, worin er die vorgestrigen Vorfälle tadelt und die

zu v und Sch. zu 6 Monaten Gefängnis' verurteilt." Dem Auf­seher H. wurde zll gut gerechnet, daß seine seitherige Führung gut rvar und er sich noch nicht lange im Dienst befindet, mithin nicht vorauszusehen imstande war, welch' schwere Folgen auch nur die kleinste Jnstruktionswidrigkeit zur Folge haben kann, weshalb er mit einer Gelldstrase von 30 Mark durchkam.

Unüberlegt.

Gegen die Ehefrau des Gärtners K. H. Sch. von Groß-Karben war Anklage wegen Urkundenfälschung und Betrugsversuchs erhoben worden. Als im letzten Winter ihr Haus versteigert werden sollte, fertigte sie eine Bescheinigung an, wonach ihr von dem Gläubiger Frist gewährt ivorden sei, und ließ das Schrlststück durch ihren Mann, der die Handschrift seiner Frau liicht erkannt haben will, dem OrlSgerlchtsvorsteher bringen, der dann von der Bekanntmachung absah. In der Verhandlung trat klar zutage, daß es der Angeklagten liicht dariun zu tun ivar, durch ihre Handliing den (Gläubiger zu benachteiligen; es war ihr viel­mehr peiirlich, daß es in die Oeffemlichkeit koinine, daß sie sich in Zahlungsschwierigkeiten befinden und ihr Haus zwangsweise ver­steigert werden sollte. Ta das Verhältnis inzwischen geordiiet und eine Benachteiligung des Gläubigers weder emgetreten, noch beab­sichtigt war, ließ das Gericht die Angeklagte mit der Mmdeslstraje voii einem Tag Gefängnis durchkommen.

Studentenschaft zur Ruhe mahnt. Die Universität sollte gestern nachmittag wieder eröffnet werden. Abends kam es zu neuen Zusammenstößen zwischen der Polizei und freiheitlich gesinnten Studenten. Das Akademikerhaus, in dem die Kleri­kalen sich befanden, wurde mit Steinen beworfen und den Klerikalen verboten, die Straße zu betreten. Die Straßen sind abgesperrt und zahlreiche Verhaftungen wlirden vor- genoinmen.

*

Marokko.

Die Untersuchung über die Beschaffung von Lebelgewehren für die marokkanischen Stämme ergab das Vorkommen von Dteb stählen bei den Staats Manufakturen und mangelnde Wachsamkeit beim Verkauf angeblich mißlungener Waffen, die mit Leichtigkeit brauchbar zu machen sind. Roch andere Umstände werden angeführt, die den

Bäder und Reisen.

Die VIII. Mi11elmeersahrt von Nord-Süd findet vom 17. August bls 5. September statt. Sie. hat dasselbe Programm wie die VII. vom 15. Juli bis 4. August. Die Reise beginnt in Marseille und führt mit eigenem Salondampser über Barcelona, Palma (Mallorca) nach Algier, Tunis nut Carlhago, Oase Gabes, Trwolis und Malta. Das antike Syracus und Taormina fesseln uns in demselben Maße wie Capris blaue Grotte, Pompeji, Neapel uiid Rom, wo wir drei Tage verweilen. Che wir nach Marseille zurückkehren, halten wir «ns noch in dem Pa­radiese Europas, Momecarlo, nur, von wo Ausflüge nach Nizza und La Turbie unternommen werden können. Ter Preis für die interessante 20tägige Reise beträgt nur 350 Mark. Darin sind sämtliche gemeinsame Ausgaben fi>r Schiff, Verpflegung mit Wein, Eisenbahn II. Klasse, Besichtigungen, Führungen, Wagenfahrten rc. enthalte», sodaß der einzelne nur für streng persönliche Ausgaben zu sorgen hat. Prospekte iverden gegen Neloiirinarte versandt durch l-wrd-Süd, Berlin W. 8, Kronenstr. 15.

Zwischenhandel erleichtern. Die Mißstimmung über die erneuerten französisch-span isch en Zwischenfälle in Casablanca macht sich in starken Preßangriffen gegen die svanische Regierung Luft, der man auch eine ungeschickte innere Politik vorwirft, weil die angekündigten Maßnahmen gegen politisch Verdächtige ein Diktatursystem in Spanien vorzubereiten scheinen.

Gießener Strafkammer.

)( G i en, 19. Mai. Die Flucht aus dem Zuchthanse.

Am 2. März in der Frühe entwich en aus dem Landes- z i. ch t h a u s e M a r i e n s ch l o ß die Sträflinge St., Sch. und H. Tie zwei Zuerstgenannten waren mittels einer Leiter auf das Dach gelangt und ließen sich, nachdem sie die Leiter auf der an­deren Seite hinuntergeworsen hatten, an einer Waschleine in den Vos hinab, um dann unter Benutzung der Leiter über die llm- fassuugsmauer ins Freie zu gelangen, während der letztere seinen Weg aus der Waschküche, wo er beschäfligl war, durch das Kamin nahm, um von dort aus ins Freie zu kommen. Sie durften sich sedoch nicht lange der Freiheit erfreuen, denn sie wurden noch am nämlichen Tage ergriffen und in ihr altes Heim zurückgebracht. Tie Untersuchung ergab, daß der A u ff e h e r H. instruktionswidrig eine Türe nicht verschlossen hielt, wodurch ermöglicht wurde, daß die unter seiner Aussicht befindlichen (befangenen, die er während ihrer Beschäftigung auf dem Hose nicht genügend bewacht hat, eine Leiter aus einem Kohlenraum bekamen, vermittelst derselben ihre Flucht ermöglicht wurde. Die Gefangenen St. und Sch. halteii sich Auiseherkleidungsstücke zu verschaffen gemußt, die sie bei der Flucht Mitnahmen, iveshalb gegen sie Änklage wegen Diebstahls erging, während der Aufseher H. sich wegen fahrlässiger Gefangenen- beireiung zu verantworten hatte, da nur durch sein Verhalten den Sträflingen die Flucht ermöglicht ivurde. Von den Sträflingen, die sich beide wegen Diebstahls int Rücksalle befinden, wurde St.

Vermischtes.

* Dank des K aije rs an eine Soldaten- tnu tte r. LS)ie 10 Söhne der verwitweten Altsitzer Gollnik in Millwo, Bezirk Bromberg, die sämtlich Soldaten waren, hatten sich auf einem Gruppenbilde photographieren lassen und ein Bild davon dem Kaiser zu seinem letzten Geburts­tage übersandt. Hierauf ist jetzt, ivie dieMagdeb. Ztg." mitteilt, der Frau Gollnik folgendes Handschreiben aus dem kaiserlichen Zivilkabinett zugegangen:Seine Majestät der Kaiser und König haben m der Photographie Ihrer 10 Söhne in der Uniform ihrer Regimenter mit lebhaftem Interesse und herzlicher Freude über Ihren Familiensegen Kenntnis zu nehmen geruht und lassen für die Aufmerksamkeit bestens danken. Zugleich haben Seine Majestät Ihnen als Zeichen allerhöchstihrer freudigen Teilnahme beifolgend eine in der königlichen Porzellaumanufaktur hergestellte Tasse mit aller­höchstihrer Photographie zu verleihen die Gnade gehabt. Auf allerhöchsten Befehl setze ich Sie hiervon unter dem Aus­druck der besten Segensivünsche Sr. Majestät für einen ruhigen, glücklichen Lebensabend in Kenntnis. Der kaiser­liche Kabinettsrat. Die Porzellantasse, die neben dem Porträt auch die Initialen des Kaisers trägt, ist umschlossen von einem Lorbeerkranz, der zehn Knospen als Sinnbild der zehn Söhne trägt.

Kleine Tageschronik.

Unterschlagung v o n K r a n f c n f a f f e n g c [ b e r n. In den letzten Tagen wurden in der Svandaner Geivehrfabrik Un- tcrfailagnngen von Kranlenkafsengeldern in ziemlich bedeutendem Umfange entdeckt. Tie bereits längere Zeit zurückreichenden

Sonstige Extrabedieni'ng, wie Wasche, Ansläuserdienste, wird separat aber alles äußerst billig bezahlt. Billig, das ist überhaupt die Losung. Alles vollkommen aufs beste eingerichtet und doch billig, das kann eben nur die zentralorganisierte Haus­haltung leisten.

Tie Wirtichaftsräume sind mit allen E . nngenschasten der modernen Technik eingerichtet und mit Vorräten qualitativ wie quantitativ bestens versehen.

für

4

ein billigerer Tarif

vor-

4

5

5

5 extra

Ueber die Preise mögen folgende Taten Aufschluß geben, Denen vorauszuschicken ist, daß das Leben in Kopenhagen teurer ist als in Deutschland. (Dagegen beträgt eine dänische Krone etwa 1,10 Ml.)

5 Für Wohnung, Heizung, Licht, Bad, Kost und Bedienung, ;u der Jensterputzen, Staubentserming, Schuhputzen nebenbei gemerkt, wird sogar das elektrisch besorgt ist jährlich zu bezahlen: sür zwei Personen in einer aus drei Zimmern und Neben- räumen bestehenden Wohnung . .

für zwei Personen in einer Wohnung von Nebenräumen .

3 Personen mit Wohnung von 4 Zimmern

. . 1918 Kr. 4 Zimmern und 22002400 Mt. 2870 3000 3400 3550

2675 3240 3175

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Tür Kinder und Dienstboten ist gesehen.

Direktor Ficks Zenlralhaushaltung hat in Kopenhagen so lauten Anklang gefunden, daß es nötig ist, weitere Bauten auf- zusühren. Er plant nun auch ein noch vollkommeneres Haus zu schaffen, das für kleine Kinder einen gemeinsamen lichten, luftigen Saal und für die Schulkinder des Hauses ebenfalls einen gemeinschaftlichen Raum bieten wird. Für Familienmütter, die selbst einen Erwerbsverus ausüben, wird eigentlich erst diese Type vollkommen entsprechend sein.

Nach dem Muster des Kopenhagener Hauses wurden in den fkandlnavischen Ländern schon viele derartige Gebäude errichrct Kopenhagen selbst erhielt seitdem eine Zeniraihaushaltung für "Arbeiterfamilien, auch eine Baugesellschaft Umanitana in Mai- fanb baut nach diesem System, das selbstverständlich unzählige Variationen haben Tarnt, je nach dem Bedürfnis. So gut man Wohnungen mit mehreren Zimmern versiehe könnten für allcin- st-hende Personen auch ein - oder zweizimmerige Wohnungen zur Verfügung stehen. Bei der Mamtigialtigkeit der Zemral- Haushaltungstypen können solche, M vollkommenste Abgeschlossen­heit lieben, m Hauser ziehen, die keinerlei gemeinschaftliche Räume haben, andere werden Häuser vorziehen, m denen auch gemein­schaftliche Speise-, Bibliotheks-, und andere Räume Gelegenheit iu geselligem Anschluß bieten. *)

tiefes Stjfteni ermöglicht nicht nur eine billigere und ratio­nellere Lebensführung, sondern es befreit die Welt auch von bet Dienstbotennot. Für beide Teile eine Erlösung. In

- oentralhaushaltung ist die häusliche Arbeit teilweise ganz Maichlnen übertragen, anderseits so spezialisiert, daß sie ebenso Facharbeit mu bestimmter Zeitdauer wird, wie jede andere Ipezialilierte Arbeit. Wenn die Hausarbeit zur industrialisierten, qualifizierten Leistung emporgehoben ivird, gewinnt der Hau-^- halt all jene intelligenten Arbeitskräfte, die sich heute - mit Recht weigern, einen täglich 1618 stündigen Dienst zu leisten

. ,2 J^utcr werden öeraruge praktische Heime wie Pilze ans der Srde ivafaien; Wohnungen mit noch mehr Zimmern, mu größeren, extra für Geselligkeit bestimmte Räume, Häuser für Vegetarier ufw. 1 1 ~

Zum Schluß heißt cj.In allen Kulturländern ist eine Bewegung im Zuge, der Haushauungsreform die 23ege zu bahnen, denn immer intensiver ist das Bedürfnis nach technisch vollkom­meneren Heimen, die unfere individuellen Frieden sichern, ohne auf unsere Kinder antisozial zu wirken.

Europa hat noch nicht vieleNeue Häuser" aufzuweisen. Außer in Kopenhagen gibt cs in Stockholm zwei, in anderen schwedischen und norwegischen Städten einige, in Berlin baut eine Gesellschaft eine größere Anzahl solcher Häuser. * In Budapest durften in kürzester Zeit ebenfalls mehrere Gebäude dieses Systems erbaut werden.

Natürlich wird sich diese gründlichste aller Haushaltungs­reformen ebenso schrittweise geltend machen wie alle übrigen, die auch nicht über Nacht die Welt erobert haben. Sicher aber hat noch feine Reform mehr ökonomischen, sozialen und subjektiven Vorteil versprochen und geboten als die hier befürwortete.

Während die vorstehenden Zeilen mich beschäftigen, kommt mir die Nr. 127 der Frankfurter Zeitung in die Hand, in deren Feuilleton der Baier dieses glücklichen Gedankens selbst das Wort ergreift. Tie Angaben des Direktor Fick decken sich 5um großen Tei lernst den oben wiedergegebenen Aussührungen des Fräulein R. Schwimmer (von welcher Verfasserin übrigens iwch emc Bro­schüre erschienen istZeiitralhaushalt", Verlag Felix Dietrich, Leipzig, Brüderstr. 49;. Des weiteren ist darin die Rede von der Beschaffung, der, zu dem Bau nötigen Kapitalien und es wird eine gemeinsame Organisation, die Gründung einer internationalen GenoffcnscyaftSbanl für dasHans der Zukunft" bcfürroorict.

Das erste Zentralhaus, heißt es, baute Herr Fick selbst für den Kostenpreis von ca. 360 000 Mk., doch habe die Stadi dieses Haus übernommen und führe cs jetzt in eigener Regie. Das­selbe sei elegant, sirr wohlhabendere Familien eingerichtet,- doch dürsten die Pläne und Prospekte des Berliner Einküchen- hau,es jedenfalls mehr unseren Zwecken entsprechen, wie die dänischen.

Ich rann mir die Schwierigkeiten, auch die finanziellen, nicht gar so bedeutend vorstellen. In den größeren Städten unserer engeren Heimat finden «ich gewiß praktische, einflußreiche Menschen genug, die imstande sind, einer derartigen Reform die Wege zu ebenen. Gießen z. B., das schon vieles angestrebt und erreicht hat, könnte stolz darauf fein, in Hessen das ersteZenlralgebäude" errichtet zu haben. Cs müßte sich ein Komitee bilden für diese Gründung. Cine Art Aktiengesellschast unter Beteiligung der betreffenden 25 Familien inach Direktor Fick- hätte das Gute, daß jeder Vorteil des Unternehmens dem £>aufe selbst und da­durch den Ciiiwohnern desselben allein zugute kommen würde. Oder^ sollten sich am Gude einige kapitalkräftige Philantropen ein Vergnügen daraus machen, die Gelder zu den üblichen Zinsen zu bewilligen? Dann gilt es intelligente Bauunternehmer zu finden und schließlich (oder besser zu allererst- die glücklicheit Mieter selbft. Bei dem letzten Punkt dürfte man auf die ge­ringsten Schwierigkeiten stoßen; ich bin sogar überzeugt, daß für jede einmal frei werdende Wohnung längst neue Liebhaber vorgemerkt sind.

* Von den fünf in Berlin geplanten Häusern sollen drei Prachtbauten, im Oktober 1908 fertig loerden. Die Zentral­stelle versendet vorher Fragebogen an die künftigen Mieter, um allen Wünschen nacy Möglichleit gerecht ;.n werden. Tie Häuser bekomm en Crl'er, Balkon oder Loggia für jede Wohnungf was im Interesse Oer Ordnung und Ruhe, einem Garten entschieden vorzuziehen ist. Außer Waschküche, Plätt- und Rvllstube sind dort sogar yJifattentanuner und Dunkelkammern für Amateur-! Photographen vorgesehen.

Veruntreuungen wurden Von den schuldigen Beamten, zwei Be- triebsschreibern, durch falsche Buchungen verdeckt. Die Unter- schlagungen wurden dadurch entdeckt, oaß einer Der ungetreuen Beamten von einer Urlaubsreife nach dem Elsaß nicht zurück, kehrte.

jamiluivUacbrtcbkit.

Geborene: Herrn Karl Neustädler unb Frau in Straßburg ein Sohn.

Gestorbene: Herr Heinrich Glock in Scholten. Herr Nathan Hammel in Ober-Rosbach. Herr Adam Lotz m Düdels­heim. Herr Peter Schlott in Niederwetz. Herr Levi Levi I. m Ehringshausen.

Miiller'sche Badeanstalt.

Wasserwärme nütlagS 12 Uhr gemessen 16°R

Verantw. sür Feuilleton u. Vermischtes: I. V.: E. Anderson.

TeSet'omschö

des* Giessener Anzeigers, mitge und Indusir Franklurter ßin

Reichsanleihe . . 91.80 3% " do. . . 82.70 3^°/0 Konsols .... 91.85 3-6 do 82.70 b>6°/o Hessen 90.75 3%°/0 Oderhessen . . . 91.50 4-6 Uestcrr. Goldrente. . 98 85 4l/B?6 Oesterr. Silberrente 99.05 4-v Ungar. Goldrente . . 93.70 4-6 Italien. Reute . . .. 3-6 Portugiesen Serie I 62.60 3-6 Portugiesen III 63 90 4^"Jo russ. Staatsaul. 1905 95.10 4>6"/o japan. Staatsanleihe 89.00 4-6 Uouv.Türkeu von 19Uu 96.00 Türkeulose 150.60 4-6 Griech. Monopol-Aul. . 50.60 4-6 äussere Argentinier . 86.70 3°/0 Mexikaner . . . 66.60 4>sl7o thiueseu .... 96.70

Aktien:

Bochum Guss 217,50 Buderus E. W 112.00

Tendenz: ruhig.

Iterliwer SEörse, !

Canada E. B 155.80 Darmstädter Bank . . . Deutsche Bank .... 232.60 Dortmuuder-Union.C. . . 61.60 Dresdner Bank .... 139,50

Tenden.; schwach.

Kuirsbepfichte

teilt von der Bank lür Handel le, Giessen.

*e, 20. Mai, 1.15 Uhr.

I Elektriz. Lahmeyer . . , 120.10 Elektriz. Schuckert . . . 109.95 Eschweiler Bergwerk . . 205.30 Gelsenkirchen Bergwerk . 193.00 Hamburg -Amehk. PakelL 109,30 Harpener Bergwerk. . . 197.76 Laurabütte 212.50 5ordd. Lloyd .... 94.50 Uberschles. Eisen-Industrie 100.50 Berliner Handelsges. . . 162.70 Darmstädter Bank . . . 124.60 Deutsche Bank .... 232.90 Deutsch-Asiat. Bank . . 135.50 Diskonto-Konimaudit. . , 175.40 Dresdner Bank .... 139.50 Kreditaktieu 198.3t Baltimore- und Ohio-

Eisen! ahn 90.30 Gotthard bahn Lombard. Eisenbahn . . 22 90 Oesterr. Staatsbahn . . . 148.30 Pnnce-Heuri-Eiseubahu . 120.50

0. Mai. Aulangskurse.

Harpener Bergwerk. . . 197.50 Laurabütte 212 20 Lombarden E. B. ... 22.90 Nordd. Lloyd 94.20 lückenlose 150,80

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Zuni Schluß erübrigt mir noch einigen Einwendungen zu begegnen, mit denen man nicht zögern wird, über diese, ich gebe zu, umstürzlerische Reform ^-erzusallen. Bevor ich aus diese Einwände antworte, gebe ich zu bedenken, wie sich wohl unsere Vor­eltern z. B. zu dem heute allgemeinen Gebrauch gestellt haben 'würden, die erlrankten Lieben nicht mehr selbst,zu pflegen, sondern sie Pflegerinnen von Beruf auzuverlrauen? Sie würden damals, ohne Zweifel unter entsaftetem Kopsichütteln ob solcher Lieb­losigkeit, cs vorgezogcn haben, den Angehörigen selbst alle nötigen Dienste zu erweisen, die armen Patienten allein weiter zu pflegen mit viel gutem Willen, wenig Erfahrung und ungeübten Händen. Nicht lange mehr wird es dauern, dann lassen sich alle ernstlich Erkrankten sofort in das Krankenhaus dringen: eine Wohltat sowohl für sie selbst, als für die gesamte Familie. Noch eine Generation weiter vielleicht und jeder neue kleine Weltbürger, wird die Augen außerhalb seines Heims aufschlagen; er be­ginnt sein Leben in einer zentralisierten Anstalt, also hochmodern. L>o wird auch diese Reform ihren Weg machen, ungeachtet des Kvpfschüttelns^der allzu streng Konservativen.

Aus die Frage:Ja, was hat denn die Frau der Zukunsi. überhaupt noch zu tun?" lautet die AntwortAlles das, was man nicht dura- Tienstdoten besorgen läßt und welck-e Frau stellte |id) das Armutszeugnis aus, nur durch Köchen und Rein­machen zum Wohl ihrer Familie beitragen zu können?

Eine andere Entgegnung, fo unbegreiflich es auch nach Vor- stehendem i|t:Tiefe Einrichtungen dürften sich trotz allem mehr für kleinere Leute eignen, denn wer möchte sich mit etlichen 20 Familien einpferchen lassen? Es geht doch jetzt allenthalben das Bestreben nach dem Einfamilienhaus?"

Gewiß, aber gerade diese neue Art von Hausstand bringt viele Vorteile des Einsamilienhauses. Kein Streit mehr um Waschküche und Trockenplatz, um das Reinigen oder Beleuchten des Treppenhauses. So wie das Wasserholen an den öffentlick-en Brunnen längst zum Vorteil der Haushaltung aufgehört hat, fallen jetzt die Keller- und Markigänge, beliebte Gelegenl-citen, 5um_ Gedanienaustaufch der Dienstboten, weg, ja die Dienstboten meistens selbst. Wenn sich Familien noch solche halten, ältere, oder verwöhnte Leute, die keinerlei Handreichungen entbehren wollen, oder Familien mit kleineren Kindern, können sie sich, da die beschwerlichen Arbeiten anderweitig besorgt werden, ihre Leute aus gebildeten Ständen wählen wie bisher.

VonEinpferchen" kann auch nicht die Rede fein, wenn man, wie seither gewöhnt, eine Anzahl Zimmer zur Versiigung hat, hinter avgescylossenent Vorplatz sein eignes Heim. Im Gegenteil, man wird raffiniert bauen, mit Isolierschichten nach oben und neben, so daß kein Kinderlärm, keinerlei Musikstudien fortan unser beschauliches Dasein mehr stört.

Was endlich daskleinere Leute" anoclangt, so handelt cs sich hier nicht um die reichsten ui ihren stattlichen Villen, denen es auf ein paar Dienstboten mehr ober weniger nicht ankommt.

Aber dem Mittelstand wird diese Umwälzung zugute kommen, ihm mindestens ebenso wie den Arbeiterfamilien. Von dem Beamten- und Lsfiziersstand, den Professoren und Lehrern wird obige bessere und billigere Lebensführung freudig begrüßt werden.

Und mit denkleinen Leuten", die sich in ihren hübschen Zimmern, zu denen sie ein Lift emporcrägt, unbekümmert an den wohlbesetztcn Tisch setzen, die durch Heizungsplage oder Dienstbotcnmifere unbehelligt bleiben, denen ein sters geheiztes Bad zur Verfügung fiept, und das eiekirsiche Licht, die oft über den halben Tag sich ausoreitende Dunkelheit beseitigt, mit diesen kleinen Leuten" tausche- ich sofort. .A. S.