Ausgabe 
22.6.1908 Erstes Blatt
 
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'Gemeinden die Be^uanis erhalten haben, einen Teil der W^rtsteigerung an lief tzn ziehen, den der Grund und Boden infolge der natürlichen Entwicklung der Gemeinden erfährt. Zugleich sind durch die Einführung der Wertzuwachssteuer und der kommunalen Besitzwechselabgabe die Rechte der Gemeinden auf dem Gebiet der kommunalen Besteuerung wesentlich erweitert worden.

Nicht minder begrüße Ich das Zustandekommen der No­velle zum Wohnungsfürsorgegesetz, nach der neben verstärkten Garantien für die Tätigkeit der Gemeinden die Möglichkeit der unmittelbaren Hingabe von Darlehen aus der Landeskreditkasse an gemeinnützige Bauvereine tritt und diesen hierdurch eine raschere und intensivere Arbeit gewähr­leistet ist.

' Auf dem Gebiete der Landwirtschaftspflege passen die das bisherige Gesetz abändernden Bestimmungen eines Feldbereinigungsgesetzes in der Hauptsache die Vorschriften des alten Gesetzes dem nunmehrigen Recht des Grundeigentums in formeller und sachlicher Hinsicht an. Ebenso soll das Abänderungsgesetz zum Bach­gesetz den Wünschen der Wassernutzer auf Schutz ihrer Interessen gegenüber Dritten dienen.

Ein Rückblick auf die Zeit der ablaufenden Landtags­periode läßt zwei Ereignisse nicht übersehen, die in be­sonderer Weise bekundet haben, wie Ich Mich bei jeder kulturfördernden Tätigkeit der opferwilligen Hilfe Meiner getreuen Stände versichert halten kann. Die Feier des dreihundertjährigen Bestehens der Landes­universität zu Anfang August vorigen Jahres war ein glanzvolles Zeugnis dafür, wie hoch mit Mir und seinen Vertretern das ganze Land den Segen bewertet, der von der altehrwürdigen Bildungsstätte für unser Volk ausge­gangen ist.

Der Ausdruck lebhafter Befriedigung, mit der Ich beim Schlüsse des vorigen Landtages Ihre Bewilligung eines erheblichen Teils der Mittel für die Landesausstel­lung für freie und angewandte Kunst erwähnen konnte, ist durch das schöne Gelingen des Unternehmens gerechtfertigt worden. Es bietet ein hocherfreuliches Bild von dem gewerblichen und künstlerischen Schaffen des Landes und verheißt reiche Früchte für dessen geistige und wirt­schaftliche Entwicklung.

Ich entlasse Sie, Meine Herren Stände, mit der Ver­sicherung Meines fortdauernden Landessürstlichen Wohl­wollens. Möchten die Ergebnisse Ihrer Beratungen zum Wohl Meines geliebten Landes gereichen!

Staatsminister Dr. Ewald gab hierauf den Landtags­abschied bekannt und erklärte auf Allerhöchsten Befehl Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs den Landtag für ge­schlossen. S. E. Graf von Schlitz, gen. von Görtz, braute sodann ein begeistert aufgenommenes Hoch auf Seine König­liche Hoheit den Großherzog aus. Seine Königliche Hoheit der Großherzog verließen danach in Begleitung Allerhöchst- ihres Dienstes in derselben Ordnung wie beim Eintreten den Thronsaal.

An der Hof Lasel nahmen 88 Herren teil, darunter die Mitglieder der Eilten und der Zweiten Ständekammer, mit Ausnahme der Sozialdemokraten. Die Tafel war im Kaisersaal mit Blumenschmuck, Silbergerät usw. hergerichtet. Zur Rechten des Großherzogs saß Gras v. Görtz-Schlitz, Erbprinz zu Löwenstein, Fürst v. Nstnburg-Wächtersbach, Fürst zu Solms-Lich u. a., zur Linken neben dem Groß­herzog: Frhr. Heyl zu Herrnsheim, Fürst zu Erbach-Schön- berg-Mernigerode, Fürst zu Jsenburg-Birsrein u. a. Dem Landesherrn gegenüber: Staatsminister Ewald, Präsident Haas, Finanzminister Dr. Gnauth, Minister Braun, Präsi­dent Dr. Schmitt u. a. Die Tafelmusik stellte die Kapelle des Art.-Regts. 61. Das Menu lautete: 'Kraftbrühe nach Demidoff-Turbot nach Rouinviller Art Damwildrücken Feldhühnerpasteten Champagnerpunsch Masthuhn­braten Salat Junge Erbsen Erdbeergefrorenes Käsestangen. Dazu wurde eine reiche Auswahl von Rot- und Weißweinen, darunter "Nackenheimer Rotenburg-Do- mäne, sowie Röderer verabreicht. Während der Tafel brachte der Großherzog einen Toast auf die beiden Ständekammern aus. Der Präsident der Ersten Kammer, Graf Görtz- Schlitz, brachte ein dreimaliges Hoch auf den Großherzog und Präsident Geh. Rat Haas ein solches auf die Groß­herzogin und den Erbprinzen aus.

Vas ttaiserpaar in Hamburg.

Der Kaiser war am Freitag gegen Abend im Automobil über Lüneburg in Hamburg eingetroffen und war dort von den Bürger­meistern Dr. Burchard und O'Swald bewillkommnet worden. Am Samstag vormittag begab er sich zum Hagenbeckschen Tierpark (der übrigens zurzeit eine Reihe von überaus inte­ressanten Vorstellungen mit nicht weniger als 8 3 Eisbären, etwa 25 Löwen und anderem wilden Getier an der Mainzer Landstraße in Frankfurt veranstaltet. D. R.) Er besichtigte u. a. die Völkerschaustellung Ceylon, in der er Dressurvorführungen beiwohnte, und eine Sammlung sehr wertvollen Materials als Anfang eines noch zu schaffenden ethnologischen Museums.

Der Kaiser verlieh Hagenbeck den roten Vlerorden 4. Klasse mit der Krone.

Von dort begab er sich nach Altona zu einem Frühstück beim kommandierenden General Freih. v. Vietinghoff. An dem Früh­stück nahmen auch der Bürgermeister Dr. Burchard und Ober­bürgermeister Dr. Tettenborn-Altona (früher in Homburg. D. R.) teil. Am Abend speiste der Kaiser beim preußischen Gesandten Grasen von Götzen mit den Bürgermeistern Dr. Burchardt und O'Swald und Generaldirektor Ballin.

Um 10 Uhr begab er sich mit den Teilnehmern am Diner nach dem Uhlenhorster Fährhause, um die Huldigung der Ruder- svorlvereine auf der Alster entgegenzunehmen. Diese gestaltete sich bei einem wundervollen Sommerabend zu einem glanzvollen Festakt von großen eigenartigen und malerischen Reizen. Der Garten war über und über mit Lampions behängt. Die Ufer der Außenalster waren einheitlich mit Flambeaux und bunt­farbigen Lampions beleuchtet und die Baumpartien mit bengal. Buntfeuer. Gegenüber dem Fährhause sprudelte ans dem Flusse heraus eine große bengalische Beleuchtungsfontäne. Es begann nun ein Lampionkorso des Allgemeinen Alsterklubs und des Nord­deutschen Regattavercins. Die vielen Hunderte, mit farbigen Lam­pions behängten Boote defilierten und füllten dann allmählich den ganzen weiten Raum vor dem Fährhaus. Hiernach wurde ein Feuerwerk abgebrannt.

Am Sonntag morgen traf auch die Kaiserin in Hamburg ein. UM 10 Uhr hielt der Kaiser an Bord derHohenzollern" Gottes­dienst ab, dem Bürgermeister Dr. Burchard, Bürgermeister O'Swald und Generaldirektor Ballin beiwohnten.

Am Sonntag nachmittag 21/2 Uhr begann auf der Rennbahn bei Hom das Sommerrennen des Hamburger Rennklubs. Im Kaiserpavillon fanden sich u. a. die Bürgermeister Dr. Burchard und O'Swald sowie Generaldirektor Ballin mit ihren Damen ein. Mit Hurrarufen begrüßt, erschienen gegen drei Uhr der Kronprinz, die Kronprinzessin, Prinz Eitel Friedrich mit Gemahlin, Prinz Adalbert und Herzog Ernst Günther von Schleswig-Holstein. Um 3.15 Uhr trafen im offenen ä la Dau- mont gefahrenen Vierspänner die Majestäten cm. Der Kaiser trug den Ueberrock der Königsulanen, die Kaiserin eine blaß- grüne Robe.

Das Rennen ging um eine silberne Peitsche, in dem Graf L. HenckelsChamerops" unter Leutnant d. R. Dr. Riese

siegte, und dann um den großen Hansapreis, das v. Wein­bergs-Frankfurt Horizont 2 gewann. Es folgte das Kaiserin- August a-Jagdrennen, 6et dem 10 Pferde liefen. Erster wurde Herrn P. Meckenburgs FuchshengstHaltefest" unter Leut­nant v. Baumbach. Um 5 Uhr verließen die Majestäten den Rennplatz. Der Kaiser geleitete die Kaiserin zum Dammtorbahn- Hof, von dem sie nach Posen abreiste. Der Kaiser begab sich an Bord derHohenzollern" und traf um 9 Uhr abends bei der Schleuse von Brunsbüttelkoog ein.

Provinzial-Ausschuß der Provinz Oberhesseu.

L. Gießen, 20. Juni.

Gegen die am 10. August 1907 vorgenommene Gemeinde­ratswahl zu Wölfersheim hat Christian Allwvhn rekla­miert mit der Begründung, daß Wahlbeeinflunungen durch Spen­den von Freibier vor und während der Wahl stattgefunden hätten. Der Kreisausschuß des Kreises Friedberg erklärte jedoch, die Re­klamation für unbegründet und demgemäß die Wahl für gültig. Es wurde zwar festgestellt, daß vor der Wahl Freibier getrunken worden war, her Kreisausschuß hielt jedoch nicht für erwiesen, daß diese Spenden im Zusammenhang mit der Wahl erfolgt seien, und war weiter der Ansicht, daß, selbst wenn eine oder die andere Person durch das Spenden von Freibier hinsichtlich der Ab­gabe ihrer Stimme beeinflußt toorben sein sollte, eine solche Beeinfüy'sung für das Endergebnis der'Wahl ohne Bedeutung ge­wesen sein würkw infolge des großen Stimmenunterschiedes zwischen dem mit den wenigsten Stimmen Gewählten und dem Nichtge- rvählten, der die meisten stimmen auf sich vereinigt hatte. Gegen das Urteil des Kreisausschusses legte der Vertreter des Reklamanten Rekurs an den Provinzial-Ausschuß ein. Nachdem in der heu­tigen Sitzung durch die Aussagen der erschienenen Zeugen fest- gestellt wurde, daß das gespendete Freibier mit Bezug auf die Wahl gegeben rooroen war, wurde der Reklamation statt- gegeben und die Wähl aufgehoben unter Belastung der Ge­meinde mit den Nisten.

Das aus dem unteren Teil von Unter-Schmitten kom­mende Wasser fließt von jeher in einem Graben ab, der durch das Grundstück des Louis Eckhardt II. geht. Um diesen Graben im gesundheitlichen Interesse einer gründlichen Reinigung zu un­terziehen, mußte das fragliche Grundstück betreten werden, wozu jedoch der Eigentümer die Erlaubnis verweigerte. Das Groß­herzogliche Kreisamt Büdingen erließ deshalb einen Polizeibefehl gegen Eckhardt mit der Auslage, den von der Gemeinde mit der Reinigung des Grabens beauftragten Personen das Betreten seines Grundstücks bei Meidung einer Geldstrafe von 20 Mk. zu ge­statten. Den gegen diesen Polizeibefehl eingelegten Rekurs nahm Eckhardt heute zurück, so daß die Sache damit erledigt ist.

Wie bei einer Reihe anderer Bahnhvfsanlagen, so ist auch zur Erweiterung des Bahnhofs Hirzenhain die Ent­eignung gewisser Grundstücke von der Königl. Eiseiu- bahndirektion Frankfurt a. M. beantragt worden, da über den Preis der zu gewährenden Entschädigung mit den Eigentümern eine Einigung nicht zu erzielen war. Gefordert wurden 1.80 bis 3 Mk. pro Quadratmeter, während die Lokälkommission 1.40 bis 2 Mk. für ausreichend hielt. Der Provinzial-Ausschuß ließ zunächst durch eine Kommission Augenschein an Ort und Stelle nehmen, um sodann heute über die Festsetzung der Entschädigung zu verhandeln. Nach iwchmaliger Anhörung der Parteivertreter schloß sich der Provinzial-Ausschuß in allen Stücken dem Gutachten der Lokalkommission an und entschied dementsprechend.

Aus StaSt und Land.

Gießen, 22. Juni 1908.

Sommeranfang. Gestern, am 21. Juni, erreichte der Frühling kalendermäßig sein Ende und der Sommer nahm seinen Anfang. An diesem Tage tritt die Sonne, abends 9 Uhr, in das Sternbild des Krebses ein und hat damit für unsere Erdhälfte ihren höchsten Stand erlangt. Man nennt dieses Ereignis solstitium aestivum, Sommer- Sonnenstillstand, im Gegensatz zu dem ein halbes Jahr später eintretenden solstitium brumale, Winter-Sonnenstillstand. Den 21. Juni bezeichnet man daher als den längsten, den 21. Dezember als den kürzesten Tag. Denn von nun an sinkt der höchste Punkt der Sonnenlaufbahn für uns immer tiefer herab, verweilt die Sonne überhaupt täglich immer weniger für uns sichtbar am Himmel, so daß die Tages­anfänge fortlaufend später, die Nachtanfänge ebenso früher eintreten, die Tagesdauer also beständig kurzer wird; am 21. Dezember tritt in dieser Abnahme ein Stillstand ein, die Sonne beginnt wieder höher zu steigen: die Tage nehmen wieder zu.

**DieBismarck feier der Gießener Studenten­schaft, die am Samstag, dem Tag der Sommersonnenwende, stattfand, nahm einen schönen Verlauf. Um 9 Uhr etwa begann der Fackelzug an Oswaldsgarten, der ein imposantes Bild bot. Sämtliche Korporationen, wohl zusammen 500 Fackel­träger, nahmen daran teil und 4 Musikkorps begleiteten ihn. Der Zug bewegte sich durch die West-Anlage, den Selters­weg, Kreuzplatz, Mäusbnrg, Markt, Marktstraße und Neu­stadt, in denen das Publikum zahlreich Aufstellung genommen halte, zur Lahnbrücke und weiterhin zum Bismarckturm auf der Hardt. Auf dem Turm flammte bei Ankunft des Zuges ein mächtiges Flammenmeer auf und mächtig ertönte das Bismarcklied in die Nacht hinaus. Unter den SUängen des alten Gaudeamus igitur" wurden dann auf der Rennbahn die Fackeln zusammengeworfen und bann ging es in der von Herrn Bichler zur Verfügung gestellten und ausgeschmückten Brauhalle zum Kommers. Als Gäste hatten sich u. a. eingefunben S. Magn. der Rektor Professor Dr. Leist mit zahlreichen Professoren, Oberst v. Müller und als Vertreter des Provinzialdirektors Regierungsassessor Froehlich. Um IO1/2 Uhr eröffnete der 1. Chargierte der Landsmannschaft Darmftadtia" den Kommers mit einer Begrüßungsrede. Ein donnernder Salamander auf die Gäste schloß sich daran. Tie Rede auf Kaiser und Großherzog hielt ein Vertreter der Burschenschaft Germania, worauf Professor Dr. Rach- fahl das Wort zur Festrede ergriff. Mit begeisternden Morten legte er seinen jungen Kommilitonen ans Herz, sich durch nichts den Glauben an die großen Männer rauben zu lassen, die als treibendes Moment die Ideen, die im ganzen Volk verbreitet sind, verwirklichten. Er feierte dann Bismarck als einen dieser großen Männer, der das Sehnen des deutschen Volkes ver­wirklichte und das Deutsche Reich schuf. Nach dieser mit Begeisterung aufgenommenen Rede folgte die auf die Universität, die von einem Hasso-Rhenanen gehalten wurde. Der Rektor erwiderte mit warmen Worten. Um 1/22 Uhr war der oftizielle Teil Ku Ende, aber noch längere Zeit blieb man zur Fidelitas zusammen.

** Das Fest der Buchdrucker. Ueberall in Deutsch­land, wo die schwarze Kunst verbreitet ist und wo wäre das in unserem Zeitalter nicht der Fall feiern in diesen Tagen ihre Junger zu Ehren ihres Altmeisters das Johannis­fest. Der hiesige Ortsverein des deutschen Buchdrucker­verbandes aber war in diesem Jahre in der Sage, mit dieser Feier noch eine andere zu verbinden, nämlich sein 40jähriges Stiftungsfest. So lange, also über ein Menschenalter, ist es her, daß dieTypographia" von 13 Buchdruckern gegründet wurde, und heute zählt sie genau sechsmal so viel, der beste Beweis, daß die Gründung eine gute war und zugleich ein

erfreuliches Zeichen der wachsenden Bedeutung Gießens als Druckstadt. Diese Bedeutung konnte man auch aus den ge­druckten Festgaben ersehen, die in den verschiedenen hiesigen Ossizinen hergestellt worden waren. Das Fest wurde ein­geleitet durch einen Herrenkommers am Samstag Abend im Gewerkschaftshaus, zu dem die Mitglieder, Vertreter der Prinzipale, der auswärtigen Verbandsvereme und der hiesigen Gewerkschaften zahlreich erschienen waren. Der Saal war mit Blumen und Fahnenarrangements in den Buchdrucker- farben Purpur, Gold, Blau, Silber und Schwarz reich ge­schmückt und bald herrschte eine ungezwungene, durch keinen Mißton getrübte Fröhlichkeit. Wie es bei derartigen Gelegen­heiten bei uns löbliche Sitte ist, gab man der Festesfreude in zahlreichen Festansprachen Ausdruck, von denen wir vor allem die herzliche Begrüßungsansprache des Ortsoereins­vorsitzenden Herrn Holland erwähnen wollen. Nach ihm kam ein von Herrn Braun vorgetragener Prolog zu Gehör, in dem der Verfasser, Herr Schreiber, in packenden Worten ein poetisches Bild von Geschichte und Streben des Vereins gab. Weiter sprachen die Herren Höpfner der kurz der vergangenen Zeiten gedachte und ein Hoch auj den Ver­band der Buchdrucker ausbrachte, Herr Braun im Namen der Festkommission und unter Ueberreichung eines Bildes, sowie für die auswärtigen Ortsvereine die Herren Weber- Marburg, Bergmann-Frankfurt, Röhrs heim-Wetzlar (unter Ueberreichung einer Ehrentafel) und Lip ski-Bad- Nauheim. Herr Prokurist Will überbrachte den Glück­wunsch der Brühl'schen Druckerei. Herr Keßler sprach auf die Solidarität der hiesigen Arbeiterschaft und Herr Andreas warf einen humoristischen Rückblick auf die verstossenen vierzig Vereinsjahre und Herr Belz sprach als einziger noch lebender Gründer des Vereins von den ver­gangenen schönen Zeiten. Dazwischen gab es gemeinsamen Gesang, bei dem außer allgemeinen Liedern ein von Herrn Höpfner verfaßtes gefangen wurde, das Leben und Taten der Alten des Vereins treffend und humorvoll schilderte. Daß bie hiesigen Buchdrucker aber außer einigen Dichtern auch über gute Sänger und Komiker verfügen, bewiesen die Herren Diesholz durch seine hübschen Baritonsolos und Herr Noll durch einige gut vorgetragene humoristische Gesänge. So verlief der "Abend in angenehmem Wechsel nur allzu rasch und spät, sehr spät war e§, als die Teilnehmer nach Hause gingen, um zu dem Sonntagsfrühschoppen neue Kräfte zu sammeln. Der Sonntagnachmittag vereinigte die Gießener Buchdrucker mit ihren inzwischen zahlreich ein­getroffenen Kollegen aus Bad-Nauheim, Friedberg, Butzbach, Wetzlar, Marburg, Dillenburg, Fulda, Frankfurt usw., und ihren Familienangehörigen im Philosophenwald, dessen Saal­bau der Bedeutung des Tages entsprechend geschmückt war, und die Teilnehmerschar kaum zu fassen vermochte. Nach einem von Herrn Weller gewidmeter Typographia-Marsch begrüßte der Vorsitzende des OrtSvereins Gießen die Erschienenen, besonders die auswärtigen Gäste, an deren Spitze der Vorsitzende des Gauverbandes, Karl D 0 m i n e - Frankfurt. Frl. Höpfner trug bann ben vom Mitgliebe E. Höpfner verfaßten Will­kommensgruß in vollenbeter Form vor, worauf Gauvorsteher C. Domino das Wort zur Festrede ergriff. Redner ver­breitete sich im Hinblick auf das 42jährige Bestehen des Buch­druckerverbandes sehr eingehend über die hauptsächlichsten Momente aus der Geschichte des letzteren, sowie über bie ber Typographia Gießen, berührte bie Wanblungen, bie baS Buchgewerbe in dieser Zeit durchgeniacht, hob das Unter» stützungskassemvesen des Verbandes (seit seinem Bestehen ge­währte derselbe seinen hilfsbedürftigen Mitgliedern rund 30 Millionen Mark Unterstützung) hervor, ferner die zwischen Prinzipalen und Gehilfen bestehende Tarifgemeinschaft und feierte am Schluß feiner mit allseitigem Beifall aufgenommenen Rede die Jubilare des Ortsvereins Gießen. Sein Hoch galt dem Jubelverein, den Jubilaren und dem deutschen Buch­druckerverbände. Nach dem Gesang ber Festhymne folgte ein Kinberreigen, besten kleine und kleinsten Mitwirkenben mit Bretzeln beschenkt würben. Herr Braun feierte hierauf die« jenigen Mitglieber ber Typographia, bie auf eine mehr als 25jährige Mitgliedschaft im Verbände zurückblicken rannen, bie Jüngeren ermahnenb, stets bas, was bie Alten errungeu^ hoch zu halten. Den Jubilaren wurden als Slnerfennung für ihre treue Mitgliedschaft Diplome überreicht. Es er­hielten Diplome folgende Mitglieder: Herrn. Elle (36jähr. Mitgliedschaft), Alwin Andreas (34jähr. Mitgliedschaft), Otto Ettel und Th. Loos (je 33jähr. Mitgliedschaft), Adolf Hensel, 9(ug. Holland, Ernst Höpfner, Mich. Keßler und Heinr. Krieger (je 30jähr. Mitgliedschaft. Als ältestes Mitglied dankte Herr Elle für die seinen Mitjudilaren und ihm gewordene Auszeich­nung. Der übrige Teil des Programms : Preisquadräteln (ein speziell von Buchdruckern geübtes Spiel), Tombola, komische Vorträge, Solo- und Chorgesang, wickelte sich glatt ab, worauf mit einem Tänzchen die Feier schloß.

Circus Schumann. Zur Eröffnungsvorstellung am Samstag abend hatte sich der Circus Schumann beinahe bis auf den letzten Platz gefüllt, und dabei faßt das große Zelt eine ganz gewaltige Menschenmenge. Es ist ganz er­staunlich, wie hübsch, geschmackvoll und vor allem praktisch dieses Zelt und die sich unmittelbar daran anschließenden Restaurationsräume und Marställe eingerichtet sind. Von ben behaglichen und bequemen Sitzen aus und bei diesen vortrefflichen Darbietungen hat man kaum den Eindruck, in einem vorübergehenden Zeltzirkus zu sitzen. Das Programm ist so reichhaltig und unterhaltend und wickelt sich so exakt ab, daß man feine wirkliche Freude an allem hat. Es ist an dieser Stelle nicht möglich, auf alle Einzelheiten des schönen Programms einzugehen. Ganz allerliebst wirkten die komischen Entrees der beiden Zwerg-Auguste Sicard und Pips; große Heiterkeit rief ferner Clown William mit feinem musikalischen PferdeMänne" hervor. Auch bie übrigen Clowns machten recht wirkungsvolle Späße. Einen wundervollen Anblick gewährte das Fahnenpferb Liebling, bas von Herrn Direktor Schumann vorgeführt wurde, ebenso der unsagbar stolze Trakehner Wallach Alfonso, der von Herrn Direktor Schumann geritten wurde. Sehr hübsch waren auch die Leistungen von Domino, dem Bettpferbe, bas mit Rock, Beinkleib unb Pantoffeln bie Manege betritt, sich ein Logis sucht, sein Bett herbeiholt, bas Nachtlicht an» steckt, sich auskleibet unb bann richtig zu Bett geht. Eine der erstaunlichsten Leistungen ber Dressur, bie man sich denken kann.