Ausgabe 
20.5.1908 Erstes Blatt
 
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mittag Punkt 10 Uhr in demselben Lokale die Baum- Wärterversammlung. Als Hauptpunkt steht hier die Frage gur Besprechung:Umveredeln mit oder ohne Zug- äste" und eine Gebrauchsvorführung von neuesten Hand- und Luftdruck-Pflanzen- und Baumspritzen von Platz & Holder für Klein- und Großbetrieb. (Ref. Obstbautechniker Wiesner). Da somit in beiden Versammlungen für jeden Obstzüchter interessante Fragen behandelt werden, so ist ein guter Besuch erwünscht. Es ist jeder Obstzüchter und -Liebhaber, auch Nichtmitglieder des Obstbauvereins, herzlich eingeladen und willkommen.

Unser botanischer Garten hat für die wärmere Jahreszeit wieder große Toilette gemacht. Das große Ueber- winterungShauS ist leer und seine prächtigen Schätze, die Palmen, Blattgewächse u. s. w., sind wie alljährlich um diese Zeit wieder im Freien aufgcstellt. Mit dem sonnigen Wetter- Hat der Garten eine Blütenpracht entfaltet, die täglich erneut und augenblicklich sehr sehenswert ist. In dem vorderen Teile des Gartens nach dem Brandplatze zu erfreut den Be­sucher das prächtige Blau eines mächtigen Vergißmeinnicht- Beetes inmitten des satten Grüns der großen Nasenfläche. An einem der Gewächshäuser blühen die Azaleen in allen Farben. Einen seltenen Anblick bildet augenblicklich die alpine Flora, die in der Nähe des Teiches ihren Platz hat. Hier herrscht eine Farbenpracht, die jeden Naturfreund gewiß erfreuen wird. Auch sonst bietet der Garten gerade jetzt sehr viel Interessantes, so daß wir auf dessen Besuch Hinweisen möchten.

** Werkmeistertag. Nächsten Sonntag, 24. d. M., hält die Gruppe 29 des Deutschen Werkmeister - Verbandes ihren Gruppentag im unteren Saale des Hotel Schütz hier ab. Der Gruppe gehören 29 Bezirksvereine aus Frank­furt, Offenbach, Wiesbaden, Hanau, Höchst, Gießen und der Umgegend dieser Stadt an. Man hofft, daß eine größere Anzahl Werkmeister sich zusammensinden wird, da auch solche, die dem großen Verbände, der bereits 47 000 Mitglieder zählt, noch nicht angehören, als Gäste willkommen sind. Der Delegierte der Gruppe wird in einem Vortrage über die Ziele und Wohlfahrtseinrichtungen, die der Verband für- feine Mitglieder und deren Hinterbliebenen verfolgt, eingehend sprechen. Es dürfte jedem Werkmeister, der die Ziele dieses Verbandes noch nicht kennt, der Besuch dieser Versammlung sehr zu empfehlen sein. Der Beginn ist nachmittags 2 Uhr.

"Die Konferenz der Verbündeten Kaufm. Vereine weibl. Angestellten fand am 16. und 17. Mai in Frankfurt a. M. statt. Aus 29 Vereinen waren 48 Delegierte erschienen mit 77 Stimmen. Auch aus unserm Gießener Kaufm. Verein w. A. waren 2 Damen dort. Die nächste Konferenz findet im Juni nächsten Jahres in Bcaun- schweig statt.

" Der Bezirkstag derBezirkSveine für beide Hessen und Nassau im Deutschen Fleischerverband findet in diesem Jahre am 24. und 25. ds. Monats in dem idyllisch gelegenen Dillenburg statt. Zur Beratung stehen u. a. die Aufhebung des Oktrois und des Schlachthaus­gesetzes, die Gründung von Vieheinkaufs- bezw. Viehverkaufs­genossenschaften, das Verhältnis zu den Gesellen und die Arbeiterschutzgesetze, die Einführung des Handels nach lebend Gewicht und des Schlußscheinzwanges 2C. Es stehen im Ganzen 16 Punkte auf der Tagesordnung.

"Uebertragen wurde dem Lehrer Will). Höhr, in Tauernheim, die zweite Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Usenborn.

* Erledigt find: eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Zwingen­berg und eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrer­stelle an der Gemeindeschule zu Lorsch.

** Beschädigung von Postbriefkasten. In der Nacht von Samstag auf Sonntag sind an verschiedenen Post- briefkasten mutwilligerweise die Glasplatten zertrümmert morden. Da in der letzten Zeit wiederholt nachts Post­briefkasten auf diese und auch auf andere Weise beschädigt worden find, erscheint es vielleicht angezeigt, das Publikum, dessen Interessen durch solche Roheiten ebenfalls leiden, hierauf aufmerksam zu machen, damit es der Postbehörde möglichst bei Ermittelung der Täter behilflich ist. Sofern letztere so bestimmt bezeichnet würden, daß ihre Bestrafung herbeigeführt werden könnte, würde eine Belohnung seitens der Postbehörde wohl nicht ausbleiben. Anzeige würde beim Postamt I oder beim Gcoßh. Polizeiamt zu erfolgen haben.

** Entsprungen. Wegen Diebstahls im Rückfall wurde heute vormittag der Taglöhner Emil Z i m m e r m a n n von hier verhaftet. Als ec vom Gerichtsgebäude nach dem Arresthaus verbracht werden sollte, entsprang ec dem Beamten und es gelang ihm, den Wald zu erreichen.

"Verhaftet wurde ein Schneider von auswärts, der sich des Hausfriedensbruchs, der Körperverletzung und Bedrohung schuldig gemacht hatte.

x Mainzlar, 19. Mai. Unsere Güterabfer- tigungsstelle ist entsprechend ihrer wachsenden Vekchrs- bedeutung an die öffentliche Fernsprech fiel le ange­schlossen worden.

W. Rockenberg, 19. Mai. Einem losen Spiel in der Handhabung des Verkehrs der Aufseher mit den Sträf­lingen des Landeszuchthauses Marienschloß ist man auf die Spur gekommen. So heißt e§, einige Aufseher hätten den Zuchthäuslern Kautabak verabreicht, was streng untersagt ist. Ein Aufseher wurde vorläufig vom Amte suspendiert. Er hatte sich ein Stück Spritzschlauch widerrechtlich angeeignet. Ein Sträfling, der das beobachtet hatte, glaubte, das wider­streite seiner Natur er sitzt auch wegen Diebstahls und hatte nichts Eiligeres zu tun, als den Diebstahl bei der Direktion zu melden. Daraufhin wurde der Beamte vom Dienste suspendiert. Ter Vorfall ist umso trauriger, als der Suspendierte, ein kranker Mann, einige Kinder zu ernähren hat. Man glaubt den sonst pflichtgetreuen Mann retten zu können und bezahlt ihm seinen Gehalt weiter, obwohl er seinen Dienst nicht versieht. Alles Weitere wird die Unter­suchung aufklären.

Friedberg, 18. Mai. Jin Rathaus fand heute eine Besprechung über das Ei s: n d a hn Pr o j e k r F r i e bb e r g- Niede r-Fl o rft a b t-R a n st a d t unter Vorsitz des Bürger­meisters Stahl statt. Unter den etwa 20 Herren befand sich Landtagsabg. Breidenbach-Dorheim, Kammerderirektor Tcrn Assen heim und Bürgermeister Alles-Nieder-Florftadt. Dieses Projekt schwebt bereits 58 Jahre und hat wiederholt die interessierten Gemeinden beschäftigt. Bis jetzt konnte aber nicht an die Ver­

wirklichung gedacht werden, da die Einführung in den Bahnhof F-riebberg von der Bahnbehörde als unausführbar galt. Einst­weilen haben nun die Orte auf bet Linie nach Ranstadt eine Automobilverbindung mit Friedberg erhalten. Jetzt liegt nun der Friedberger Balmhossumbau und die Bahnhofsverlegung 500 Meter weiter südwärts im Plane vor, und so fand heute eine Sitzung des Bahnkomitees statt. Es gilt jetzt, dahin zu wirken, daß bei der Bahnhofsverlegung die Einführung der projektierten Strecke FriedbergRanstadt vorgesehen und gewahrt wird. An Hand der Pläne, die Bürgermeister Stahl erläutert, gibt er die Möglichkeit der Einführung gekannt. Sie soll etwa an der Stelle geschehen, wo die HanauFriedberger Bahn die Wetter über­schreitet, nämlich zwischen Assenheim unb Fauerbach. Landtags­abgeordneter Breidenbach spricht sich dahin ans, daß die Bahn unbedingt über Ossenheim (nicht Assenheim) sühren und in den Bahnhof 'Friedberg gehen müsse, Regierungspersonen hätten sich für das Prvjelt warm ausgesprochen, sobald der Bahnhossumbau erfolge. Kammerdirektor Dern-Assenheim wünscht, daß die Bahn in Assenheim in die Hanauer Bahn einlaufe und nicht über Ossenheim, sondern Wickstadt führe. Bürgermeister Alles und Maul-Ossenheim sprachen für Einführung in Friedberg und die Berührung von Ossenheim, aber nicht von Wickstadt. Breidenbach erklärt, auch Wickstadt könne und solle mitgenommen werden, also Ossenheim und Wickstadt sollen Bahnhöfe erhalten. Bürgermeister Alles hofft, das; auch der Kreis zu den Bahnkosten beitragen werde, da das Automobil auf der Strecke Ranstadt'Friedberg die Straßen mehr ruiniere, als sämtliches übrige Wagenfuhrwerk. Bürgermeister Stahl erklärt, daß 30 Prozent Staatszuschuß sicher seien, er glaubt auch an die Rentabilität der Bahn, da schon das ^lutonwbil einen starken Verkehr habe. Die Bahn müsse in Friedberg einmünden, schon wegen der Anschlüsse nach Frankfurt und Gießen. Ta jetzt die Einführung der Bahn aus­führbar ist, so soll jetzt an die endgültige Aufstellung des Pro­jekts gegangen und sich dieserhalb mit einer leistungsfähigen Baufirma in Verbindung. gesetzt werden, die die Bahn baut und in Betrieb nimmt. Bürgermeister Stahl und Landtagsabg. Brei­denbach-Dorheim werden beauftragt, bei der landespolizeilichen Abnahme der Pläne zur Verlegung des Friedberger Bahnhofs, sowie an maßgebender Regierungsstelle dahin zu wirken, daß die Einführung der Linie F r i edb e r g N a n st a d t und ein Gleis für diese vorgesehen wird.

Aus d cm Kreis Alsfeld, 19. Mai. Von den 84 Gemeinden des Kreises Alsfeld ist nur eine in dec glück­lichen Lage zur Bestreitung ihrer Kommunalbedürfnisse keine Gemeiudeumlagen erheben zu müssen, nämlich Fischbach. Den höchsten Satz erhebt Ohmes mit 216,5% der doppelten Grund­zahlen und der ganzen Einkommensteuerbeträge (5400 Mk.), es folgen Ruhlkirchen mit 212,084% (8400 Mk.), Ilsdorf mit 207,909%, Höringen mit 207,669%, Flensungen mit 205,931%, Vockenrod mit 201,869%, Seibclshausen mit 201,699%, Deckenbach mit 201,471%. Zwischen 200 und 150% erheben 22 Gemeinden, zwischen 150 und 100% 44 und unter 100% 9 Gemeinden nämlich Romrod 98,266%, Reimenrod 96,942%, Wahlen 96,199%, Renzendorf 95,969%, Eulersdorf 92,521%, Windhausen 86,981%, Ruppertenrod 84,253%, Lehnheim 79,890% und Kirtorf 64,355%. Der Steuerausschlag der Kreisstadt Alsfeld ist noch nicht end­gültig bestimmt.

? Ulrichstein, 19. Mai. Ein Unglücksfall, der leicht unabsehbare Folgen hätte nach sich ziehen können, er­eignete sich am Samstag vormittag auf der Ohmstraße zwischen hier und Selgenhof. Der Landwirt K. von Ober-Seibertenrod fuhr um diese Zeit mit einem Einspänner in der Richtung nach Engelrod. An einer Kurve machte plötzlich sein sonst ruhiges und sehr gelassenes Pferd einen gewaltigen Seitensprung. K. sprang ab und riß das Pferd zurück. Aber nur einen Moment, bann machte das Pferd schleunigst Kehrt, wobei K.- zu Falle kam, mit einem Fuß am Zügel hängen blieb und einige Schritte geschleift wurde. Zn seinem Glücke kam er luieber frei, aber das Pferd rannte mit dem Wagen durch Ulrichstein. In der Nähe von Langwasser stürzte es eine Böschung hinunter und blieb wie tot auf dem Rücken liegen. Männer aus Ulrichstein eilten sofort nach und befreiten das Tier aus seiner gefährlichen Sage. Der Wagen war zertrümmert, die einzelnen Teile desselben wurden hier und da auf der Straße in Ulrichstein ausgelesen. Das Scheu- werden des Pferdes wurde durch ein Automobil verursacht, das in rasender Geschwindigkeit, ohne irgendwelches Signal zu geben, um diese Kurve gefahren kam. Wäre es sofort halten geblieben, bann wäre das Unglück noch vermieden worden, aber statt dessen sauste es bis dicht an das Pferd heran. Tann erst wurde das Fahrzeug zum Stillstand gebracht, weil die Fahrer jedenfalls durch das Pferd ihr eigenes teures Löben bedroht glaubten. Der ganze hier geschilderte Vorfall war das Werk eines Augenblicks. Als ihnen der Landwirt K. zurief, sie möchten in Zukunft vernünftig fahren, riefen sie ihm ein Schimpfwort zu und ergriffen schleunigst die Flucht. Vielleicht läßt sich hieraus auf einen gewissen Bildungsgrad schließen. Kennzeichen des Autos: grauer Anstrich, schmutzige Nummerplatte. Auch ans den Ort­schaften kommt die Kunde, daß dieses Teufelsfahrzeug sie in rasender Eile durchfahren habe. Hätte der Unglückssall sich etwas später ereignet, als sich die Schuliugend Ulrichsteins auf dem Heimwege befand, dann würden die Folgen jedenfalls schrecklich geivesen sein. Angesichts solcher Fälle muß man mit Recht die Frage aufroerfen: Wie kann sich die Landbevölkerung am besten vor solchen unsinnig sahreuden Autos schützen? Sind öfsent- liche Straßen etwa dazu da, damit sich tollkühne Fahrer aus ihnen im Rennen üben? Kann einem solchen Unfug auf keine Weise gesteuert werden? Ja, wenn der Sanbmann zu feinen Arbeiten statt der Pferde Esel benutzen könnte, dann könnte ihm vielleicht bald geholfen sein. Kann man sich wundern, daß bei der ackerbautreibenden Bevölkerung die Animosität gegen die Automobile von Tag zu Tag zunimmt?

W. Von dec Bergstraße, 19. Mai. Ein überaus anziehendes Bild bietet die gesegnete Bergstraße während ihrer jetzigen Blütezeit. Die Natur hat ihr Hochzeitskleid angelegt, so schmuck steht sie da. Tie mit Blüten reich be­ladenen Bäume, die wie schneeige Blumensträuße sich er­heben, schmiegen sich an den Abhang der Berge. Ueberall lugt der Blütenschatz hervor, lieber dem ganzen Landschafts­gemälde, das unterbrochen wird von Wingerten, die einen reichen Fruchtansatz aufweisen und daher einen einkömmlichen Herbst versprechen, lagert ein erquickender Duft, der labend auf die Seele des Naturfreundes sich ergießt. Wer die auf­getragenen Reize alle genießen will, der möge seine Reise bald bewerkstelligen, denn vielleicht fegt schon in wenigen Tagen ein Sturmwind allen Frühlingszauber hinweg und die Wohltat für Auge und Herz ist hinweggespült.

w. Wetzlar, 18. Mai. Am 1. Pfingstfeiertag e treffen aus Berlin die beiden Erk'schen Gesang-Ver­eine hier ein, um dem Andenken ihres Meisters, der vom Mai bis September 1772 beim Reichskammergericht hier- selbst beschäftigt war, zu huldigen und zuni Besten des ge­planten Goethe-Denkmals ein Konzert zu geben.

)( Marburg, 19. Mai. Der preußische Justizminister Exz. B e s e l e r besichtigte heute das Land- und Amtsgericht. Im Mühlgraben ertrank gestern abend das drei Jahre alte Söhnchen des Bäckermeisters Schatz.

fc. Fr ankfart a. M., 19. Mai. In der gestern abend im nahen Bergen stattgehabten Gemeindevertreter-Versamm­lung wurde beschlossen, die Vorverhandlungen in Betreff der Eingemeindung Bergens mit Frankfurt mit dem hiesigen Magistrat aufzunehmen. Eine Kommission zu diesem Behufe wurde gewählt.

Tx ÄIneine Mitteilungen ans Hessen und den N a ch b a r |t a a t e n. Die Ausführung 1)cr Fassade des Cafas Metrvpvl in der Plocküraße erfolgte nurch die einheimisch- Firma Ausdermauer u. Laberenz. In Ober-Wöllstadt wurde der seitherige Bürgermeister Gondolf mit 156 Stimmen wiedergewählt. Ein Gegenkandidat ivar nicht aufgestellt worden Mit den Posthilfsltelleu in B o de n ro d und M a i v a ch find Tclegraphena nsta l t en nebst öffentlicher Sprechstelle und Unfallmeldestelle vereinigt worden.

(SericfotejaaL

R.-B. Darmstadt, 20. Mai. (Tel.) Als erster Fall der Unterschlagungen in der Offenbacher Stadtverwaltung kam heute die Affäre des Bureaugehtlfen Adolf M ü ll e r zur Verhandlung, der in den letzten zwei Jahren aus der ihm anüertraiitcn städt. Neben, kaffe 2100 Alk. unterschlagen hatte, die von seinen' Angehörigen wieder ersetzt wurden. Er erhielt sechs Al o n a t c Gelangnis.'

K arls r uhe, 19. Mai. Bei der heutigen Nachmillagä°Ver» Handlung im Prozeß M o l t l o r - H e r z o g erklärte der Vorsitzende des Gerichts, daß der Antrag auf Vorführung des nn Zucht- Hause weilenden früheren Rechtsanwalts Karl H a u abgelehnt ist- Ter Staatsanwalt beantragte gegen den angeflagtcn Chef­redakteur Herzog ein Jahr Gefängnis. Ter 'angeklagte Redakteur Graf hat nut der Klägerin einen Vergleich abgeschlosjen. Morgen folgen die Platdoyeis der Verteidiger und das Urteil'

M ü n ch e n, 19. Mai. Dr. Karl Peters zog feine Beleidigungs- klage gegen den Major Donat zurück, welche übermorgen tu zweiter Instanz verhandelt iverden sollte, nachdem Major Touat auf Grund verschiedener mittlerweile gefällter Urteile feine Vor­würfe gegen Dr. Peters als unbegründet zurückgenommen hatte.

NLNversitäts-Nachrechteri.

Darmstadt. Ter Privatdozent für Physik und physikalische Chemie an der Techni,chrn Hochschule, Dr. Phil. Max Rudo l py, wurde zum Kaiserlichen Negierungsrat und Mitglied des Patentamts .ernannt. Dr. Rudolphi (geb. 1871 zu Stendal i- d. Altmark), erwarb 1895 in Berlin die Doktorwürde und habilitierte sich zu Beginn des Wintersemesters 1900 au ter Darm­städter Technischen Hochschule. Im März 1906 erhielt er den Professortitel. Sein BuchAllgemeine und physikalische Chemie" erschien in mehreren Auslagen.

Heidelberg, 19. Mm. Die Rup erto Carola erreichte heute zitm ersten fötale eine Präsenzstärke von 200 0 imatrikulierte» Studenten.

* EiseNbahNuNsälle. Einer Meldung desPatriote" zufolge ist ein Eis enbahnzu mit 20 0 Pilgern aus der Fahrt von Montaignu nach Turnhout entgleist. Ein Reisender lvurde getötet und sechs verwundet. Die Morgenblätter melden aus Brüssel: Am 19. Mai früh ereignete sich ein folgen­schwerer ^Unfall aus dem hiesigen Südbahnhofe. Der Maschinist des um 7.30 Uhr aus Braine-le-Comte eintreffenden Zuges, der besonders von Schülern und Arbeitern besetzt war, vermochte trotz starken Bremsens den Zug nicht zum Stehen zu bringen. Der Zug fuhr mit ungeheurer Wucht gegen einen Prellbock, der vollständig zertrümmert wurde. Die Passagiere wurden durch­einander geworfen und mehrere von den zuschlagenden Türen eingeklemmt. Andere hatten bereits das Trittbrett betreten und wurden auf den Bahnsteig geschleudert. Im ganzen sind 45 Per­sonen mehr oder minder schwer verletzt loorbeit. DerBerl. Lokalanz." meldet aus Konstantinopel: Der Wagen des Leiters des Baues der Anatolischen Bahnen, des früher im Ko- lonialamt tätigen Geh. LegationSrateS Helfferich stieß mit der Straßenbahn zusammen. Der Wagen wurde völlig zertrümmert. Helfferich und sein Diener wurden auf die Straße geschleudert: ersterer trug nur Hautabschürfungen davon, während der Diener schwer verletzt wurde.

* Ei n räuberischer U e b e r s a l l. DerBerl. Lok.- Anz." meldet aus Schwerin in Mecklenburg: Aus dem Ritter­gute Zathendorf bei Güstrow drangen zwei Einbrecher nachts unbemerkt in das von dem Besitzer v. Buch zurzeit allein be- ivohute Herrenhaus bis ins Schlafzimmer ein; v. Buch erwachte erst, als die Räuber sich daran machten, ihn mit Stricken zu fesseln. Während der eine dem Wehrlosen einen Revolver aus die Brust hielt und ihn bei dem geringsten Laute zu erschießen drohte, durchwühlte der andere sämtliche Behälter. Den Strolchen fielen über 4000 Mk. in Bar, zwei Sparkassenbücher und ein Scheckbuch in die Hände. Die Räuber sind unerkannt entkommen.

* D i e Pest in Caracas.Newyork Heralb" berichtet aus Newyork: Der amerikanische Gesandte in Venezuela, der nach Newyork zurückgekehrt ist, erklärt, die durch den Aus­bruch der Pest in Caracas geschaffene Lage fei schlimmer als man vermute. Man spreche von 50 bis 70 Toten in La Guayra. Ebenso werden drei Pestfälle aus Caballo gemeldet.

LUeirie Tageschronik.

Im Alter von 104 Jahren 2 Monaten starb in Mußbach der älteste Einwohner der Pfalz, Jakob Wenz.

Einbruch. In Ä i e n e r n e u st a d t wurde gestern nacht in das Postamt in Feiftritz-Wittdisch eingebrochen und das Ge­bäude vollständig ausgeraubt.

DerHauptmann von Köpenick", der unvergeßliche Schuhmacher Voigt, hat int Gefängnis eine schwere Krank­heit überstanden. Etwa acht Wochen hindurch hat er an einer schweren Lungenentzündung darniedcrgelegen. Er ist jetzt wieder als geheilt aus dem Gesängnislazarett entlassen worden und hat seine Zelle wieder bezogen.

Die Beisetzung Zolas. Für die am 4. Juni erfolgende Beisetzung Zolas int Pantheon sind bereits alle Vorbereitungen getrofsen worden. Die Ausschmückung des Pantheons, sowie das Beisetzungs-Zeremoniell werden die gleichen sein, wie seinerzeit bei Viktor Hugo.

Der Millionär George Sterry wurde im Bureau in Newyork von seinem Sohne erschossen, weil er ein junges Mädchen heiraten wollte. Der Sohn beging dann Selbstmord. Die Tat verursachte in Börseitkreisen große Auf­regung.

S ch i f f s z u s a m m e n st o ß. Der deutsche Passagterdampfcr Rothenfels" und der spanische DampserGoyerrr' kollidierten int dichten Nebel aus der Höhe von Dover. Beide wurden tark beschädigt. Der DampferGoyerri" wurde nach Dover gebracht. Ter DampferRothenfels" liegt vor Dover; Schlepp­dampfer sind bet ihm.

Die Belforter Polizei verhaftete als Urheber des Dieb- tahls von Telegraphendraht zwischen dem Platzkvmmando und einem Fort zwei Franzosen und ein deutsches Ehepaar.

G r o ß s e u c r. In der letzten Nacht brannte die Dantpf- mühle von Gersig in Schocken nieder. Der Schaden beträgt 90 000 Mk., der nur teilweise durch Versicherung gedeckt ist.

Handel und Verkehr, Volksrvir»-cha-t.

Einnahmenbeut scher Eisen bahnen. Ten Per­sonenverkehr brachte im April 59 182 283 Mk. (plus 1 217 641 Mk.), und der Güterverkehr 124 860 935 Mk. (minus 3 427 728 Mk.). Es ergab sich mithin eine Gesamtniindereinnahme aus dem Per- vnen- und Güterverkehr von rund 221 Mill. M k. Die Einitahmeit in der Zeit vom 1. April 1908 biS End: April 1908 betrugen bei den Bahnen mit dem Rechnungsjahr April-März 51809 913 Mk. (plus 3 111 208 Mk.h für den Personenverkehr und für den Güterverkehr 110 926 906 Mk. (plus 3 199 421 Mk.).

Berlin, 19. Mai. Nach den Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrteller betrug die Mheisen-Er- zeugung in Deutschland unb Luxemburg während des April 1908 insgesamt 979 866 t (gegen 1046 998 t im März 1908 und 1077 703 t im April 1.907). Die fBiybuftion verteilte sich auf die einzelnen Sorten wie folgt: Gießereiroheisen 191 192 t (i. V. 184 605 t , Bessemern)heisen 34 7/6 t 140 283 t1, Thoinas- roheisen 614 350 t (704 244 t, Stahl und Spiegeleisen 80421 t (82 763 t), Pubbelroheisen 58 827 t (65 808 t). Die Erzeugung währenb ber Monate Januar bis April 1908 stellte sich auf