Nr. 118 Erstes Blatt 158. Jahrgang Mittwoch LV. Mai 1808
Lch°kmT'ch^u°« «© G r
Sonntags. - Beilagen: ^OfiSSTa$, V W ▼ monatlich?»Pf.,viertel-
viermal wöchentlich M >>. y^k A A Jk ▲ jgk ▲ ▲ A A jährlich Mk. 2.20; durch
LlrhenerZamilienblätter; flWA W JW JW Kn iWfV ■■ iw jTöfr Ä®k WM Abhole- u. Zweigstellen
zweimal ivöchentl.ttreir- Uo Uti M Kg# «jk M MZ B2 M 'M M jM M B8 M HK> ga M HS M HA H9 ▼ monatlich 65 Pf.; durch
blattfürdenXrettGießen M I M W gLr WM» U< M W ß< W W W W < W W W W diePostMk.L-viertel-
s^wivnviivi 4iijviuvi»»
für die Redaktion 112, «Mr WW ^6f Verantwortlich
«SS? General-Anzeiger für Oberhefsen DUZ Lunahme von Anzeigen W *7 ’ 4 M u.Land- und,Gerichts.
Li öomltt?ag1,lU0nu^r! KoMfiottsbrud und Verlag der vrühl'schen Unlo.'vuch' und rteindruckerel. R. Lange. Redaltlon, Expedition und Druckerei: Zchulstratze 7. ^u^eigentttl^H.^Bech
Die heutige Nummer umsaht 12 Seiten.
Abreise des Kaifers von Wiesbaden.
Der Kaiser unternahm gestern vormittag einen Ausritt. Um 11 Uhr hielt der Kaiser eine Parade über die Garnisonen Wiesbaden und Homburg v. d. H. vor dem Kurhause ab. Boni Schlosse bis zum Kurhause hatten Kriegervereiue Ausstellung ge- normnen. Der Kaiser, den Feldmarschallstab in der Hand, ritt vom Schlosse zum Paradefeld, begleitet vom Prinzen Friedrich Karl von Hessen und seinen Adjutanten. Die Kaiserin mit der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen folgte im Wagen. Der Parade wohnten u. a. bei: der russische Botschafter Graf von der Osten- Sacken, der russische Generalmajor v. Tatischow, der russische erste Botschaftssekretär van der Vliet, der russische Fregattenkapitän Fürst Dölgorukow, der russische Botschaftssekretär Fürst Wolkonsky, der russische Botschaftssekretär v. Radkowitsch, der kommandierende General v. Eichhorn. Der Kaiser ritt die Fronten der aufgestellten Truppen ab und nahm einen Vorbeimarsch entgegen; er kehrte an der Spitze der Fahnenkompagnie nach dem Schloß zurück und nahm vor dem Portal des Schlosses noch einen Vorbeimarsch der Fahnenkrnnpagnie ab. — Später fand im Königs. Schloß beim Kaiserpaar anläßlich des Geburtstages des Kaisers von Rußland Frühstückstafel statt. Im Verlaufe der Tafel im Königl. Schlosse brachte der Kaiser die Gesundheit des Kaisers von Rußland aus. Die Musik spielte die russische Hymne.
Der Kaiser und die Kaiserin machten nachmittags einen Ausflug in Automobilen über Schlangenbad. — Zur Abend täfel war Geheimrat Jacobi aus Homburg v. d. H. geladen. — Abends wohnten die Majestäten einer Vorstellung im Königl. Theater, die auf Allerhöchsten Befehl angesetzt war, bei. Gegeben wurde der „Raub der Sabinerinnen".
Der Kaiser reiste gestern abend 10.30 Uhr nach Berlin ab. Ein sehr zahlreiches Publikum bereitete dem Kaiser auf dem Wege zum Bahnhof herzliche Ovationen. — Die Kaiserin hat sich heute nach Bonn begeben. — Der Kaiser wird sich von Berlin aus nach Prökelwitz zur Jagd begeben.
Die diesjährige Nordlandsreise wird der Kaiser am 7. Juli d. Js. vor: Kiel aus antreten. Die Rückkehr erfolgt voraussichtlich in der letzten Juliwochc. Der Kaiser hat sür die Nordlandsreise bereits eine Reihe von Einladungen ergehen lassen. In amtlichen Berliner Kreisen wird es nicht für ausgeschlossen gehalten, daß der Kaiser während der Reise mit König Haakon und nach der Reise mit dem Zaren zusammentrifft.
Deutsches Reich.
Der Kronprinz und die Kronprinzessin wohnten gestern aus Schloß Waldburg der Trauung der früheren Hofdame der Kronprinzessin, Gräfin Walpurgis zur Bohna-Schl-obttien mit dem Leutnant im Regiment Garde du Corps, von Mutius, bei. Nach der Trauung traten die Kronprinzlichen Herrschaften die Rückreise nach Potsdam an.
Der Reichskanzler Fürst Bülow trifft heute in Berlin ein.
Der Finanzausschuß der bayerischen Reichsratskammer 'bat den Beschluß der Abgeordnetenkammer, die Absolventen de s R e a 1 g y ni n a s i u m s zur juristischen Staatsprüfung zuzulassen, abgelehnt.
Die marokkanische Gesandtschaft hat Berlin wieder verlassen und ist in Hamburg eingetrofsen, um an Bord des Dampfers Oldenburg die Rückreise nach "der Heimat anzutretcn.
Die Meinungsverschiedenheiten im rheinisch- w e ft f ä l i s ch e rr B a u g e w e r b e wurden durch Schiedsspruch des Schiedsgerichts endgültig beseitigt. Die Lohnverhältnisse bleiben unverändert. Die Arbeitszeit hat eins-, geringe Aenderung zu Gunsten der Arbeiter erfahren.
Kellnerstreik. Die sämtlichen Kellner im Hauptrestau- rant der Ausstellung „München 1908", 120 an der Zahl, sind gestern in den Streik eingetreten.
Die Ko m b i n a t io n „N a t io n a l z e i t un g"- „P o st" ist, so unglaublich die vor einiger Zeit bereits aufgetauchte Nachricht zunächst erschien, nunmehr tatsächlich beschlossen. Nur eine formale Zustimmung ist noch notwendig. Dem Chefredakteur der „Poft" soll für den politischen Teil der „Nationalzeitung" ein Unterredakteurposten zugesellt werden, alle übrigen Ressorts werden für beide Blätter «gemeinsam redigiert. Damit ist das Schicksal der „Nationalzeitung", die am 1. April auf em 60 jähriges Dasem zurückblicken konnte, besiegelt.
■■»in ihm.....■■■
ALeisres LerrMeLon.
— Wie wir von zuverlässiger SteNe vernehmen, sind unsere langjährigen Triobeteillgten, die Herren Redner und Heg ar Nachfolger der Herren Heermann - Becker bezw. Hugo Becker — Alwin 'Schroeder' am Hoch' schen Konservatorium m Frankfurt geworden.
— Ein neues Werkvon Herbe rtEulenberg. Man schreibt uns aus Berlin: Seit mehreren Jahren wird uns nun Herbert Eulenberg als eine Hoffnung unserer dramatischen Literatur angepriesen; er ist zum „vielversprechenden" Dichter par exceltence geworden. Gern haben wir diesem Vertrösten auf die Zukunft geglaubt und uns bei schönen Ansätzen, dieüvir in reicher Fülle fanden, in den verführerischen Träumen einer in der Ferne geahnten Größe gewiegt. Aber jetzt sind wir schon mehrere Male so gröblich enttäuscht worden, daß wir allmählich die Lust verlieren, dem Dichter seine Jugend, dem Könner sein Wollen zu gute zu halten, und daß wir vielleicht ungerecht und allzu streng gegen ihn sind, weil wir den Schmerz einer betrogenen Sehnsucht fühlen. Ein solch traurig-ärgerliches Empfinden war es, das die Erstaufführung von EulenbergS neuestem Stück, dem Schauspiel „Ulrich, Fürst von Waldeck" im Deutschen Theater am Samstag hervorrief. Welch reiches Erleben, welch große Begabung war hier an einem ungenügend geformten Stoffe schmählich vertan! Eulenburg hat das Drama eines Königs und eines Benfeindes schreiben wollen, die Probleme des ^ohake- chen „Timon" und der Jbsenschen „Kronpräten- ' etwa miteinander verknüpft. Eine schwierige Psychologische Aufgabe! Den der Schmerz eines Herrschers, der in seinem Heiligsten enttäuscht und in seinem Innersten verletzt ist, wird sich nur bei einer ganz eigentümlichen seelischen Anlage in der Weltabkehr des Misanthropen
Ausland.
Der Großherzog und die Großherzogin von Hessen sind gestern abend von St. Petersburg nach Darmstadt abgereist.
Die R o m r e i s e des Zaren. Zu der Meldung der „Vita", daß der Zar im Oktober nach Rom kommen werde, wird im Quirinal versichert, daß von einer Reise des Zaren absolut nichts bekannt sei.
Die süddeutschen Bürgermeister und Stadträte besuchten gestern in London das Postamt in Old Bailey, ferner das Haupttelephonamt, die Börse, die ihr lebhaftes Interesse erregte, die Royal Exchange und die Bank von England. Auf dem Zentralmarkt wurden sie von den Lastträgern im Chorus bewillkommnet. Die süddeutschen Bürgermeister nahmen am Nachmittag an einem Gartenfest beim Abgeordneten Lever teil, dessen Kunstsammlung von Werken Reynolds, Constables und Nomneys ihre Bewunderung hcrvorrief. Von da begaben sie sich zur ungarischen Ausstellung, wo sie das Diner einnahmen.
Die d e m o k r a t i s ch e S t a a t e n k o n v e n t i o n v o n A l a- bania und Kalifornien hat sich für die Präsidentschasts- kandidattir Bryan erklärt.
Die Ausstellung in Tokio und Amerika. Der Kongreß nahm einftiipmig eine Gesetzesvorlage betr. die Bewilligung von 1.5 Mill.'Dollars für die Beteiligung Amerikas an der im Jahre 19 12 in Tokio stattfindenden Ausstellung an.
Bei dem Kampfe im B o h e i d a g t a l e an der indischen Grenze war der Feind 3000 Mann stark. Seine Verluste betrugen 60 Tote. Unter den Gefallenen befand sich der Sirdar Nassr Ullah Chan, ein Bruder des Emirs von Afghanistan.
Antideutsche Kundgebungen. In Prag erneuerten sich gestern abend die antideutschen Kundgebungen bei der deutschen Turnhalle. Mehrere Fensterscheiben wurden eingeworfen. Die Demonstranten wurden von der Polizei zerstreut und 15 Verhaftungen vorgenommen.
parlamcitiarifcbcs ans Hessen.
Der Finanzausschuß der Zweiten Kammer tagte gestern weiter. Es wurden zunächst eine Reihe der von den Abgg. Molthan, Hirsches, Dr. Gutfleisch und Brauer zur Verlesung gebrachten Berichte genehmigt. Auf die Vorstellung des Verbandes der mitteleren Verwaltungsbeamten im Großherzogtum Hessen, betr. die Vergütung der Bureaugehilfen bei den Provinzialdirektionen und Kreisämtern soll die Regierung ersucht werden, bei genereller Regelung der Gehaltsfragen auch diese Vorstellung zu berücksichtigen. Zu der Vorstellung der Kommunalforstwarte, die mit den staatlichen Forstwarten gleichgestellt sein wollen, erklärt die Regierung, daß- dies für die Gemeinden eine Mehrausgabe von 97 000 Mk., für die Regierung von 7000 Mk. und für die Privatwaldbesitzer eine solche von 13000 Mk. bedeuten würde. Wenn beide Kammeidie Vorstellung befürworten, will die Regierung trotzdem der Frage näher treten und auch die Frage der Medizinalkasse regeln. Der Ausschuß ersucht die Regierung, zunächst eine Ausstellung über die Verteilung der Kosten auf die einzelnen Gemeinden vorzulegen. — Es kommt dann zur Verhandlung die Vorstellung Schmidt und Genossen, betr. die Herabsetzung des Kirchenstempels bei Austritten aus der Kirche von 6 Mk. auf 1.50 Mk. Die Regierung erklärt, daß dieser Stempel eine Entschädigung für die von dem Staat geleisteten Funktionen darftelle und eher zu niedrig wie zu hoch angesetzt sei. Man habe Teilte Veranlassung, den Stempel herabzusetzen und damit den Austritt aus der Kirche zu unterstützen. Die Abgg. Gutfleisch und Ulrich treten für die Genehmigung der Vorstellung ein, während die.Abgg. Molthan, Brauer und Osann dieselbe ablehnten. Zu der Vorstellung der Oberlehrer betr. Regulierung ihrer Vordienstzeit soll die Negierung ersucht werden, durch die Revision der Besoldungsordnung eine wohlwollende und fachfördernde Regelung der Frage in die Wege zu leiten. — Damit find sämtliche zur Beratung vorliegenden Gegenstände durch den Ausschuß erledigt.
Ans Stadt nnd Land.
Gießen, 20. Mai 1908.
Die XIV. Ruder-Regatta
auf der Lahn in Gießen findet, wie schon früher mitgeteilt wurde, Sonntag, 26. Juli statt. Es sind folgende Rennen ausgeschrieben: 1. Jean Kirch Gedächtnis-Rennen. Vierer. Ehrenpreis. Offen für die dem Lahn-Negatta-Verband angehörigen Vereine. Einsatz Mk. 25,—. 2. Einer. „Lahn-Pokal", gestiftet vom Deutschen Ruder-Verband. „Herausforderungspreis". Der Preis muß dreimal in ununterbrochener Reihenfolge gewonnen werden, bevor
imihi iiti7wii»aivun II»ir*win« n inaa—bbmm—n äußern. Er wird im Irrsinn rasen wie Lear auf der Heide oder int Blute waten, vom Cäsarenwahn ergriffen. Eulenbergs Menschenfeind ist darum auch kein konsequenter Verächter der Welt geworden, sondern ein Misanthrop mit Rückfällen ins Königliche, ein wunderlich wirres, keinem Menschen ähnliches Leidenschaftswesen. Und um diesen unklaren Charakter herum steht eine in Zickzacksprüngen verlaufende Handlung, die aller zwingenden Notwendigkeit entbehrt. Der Fürst von Waldeck erscheint zunächst als ein Sonderling auf dem Thron, der nur in seiner Gemahlin ein ihn verstehendes Wesen um sich weiß und die strenge Zeremonie des Hofes verabscheut. Seine Mutter, von einem inbrünstigen Haß gegen den ältesten Sohn erfüllt, vergiftet ihm sein Weib, sein Liebstes auf Erden, um ihren zweiten Sohn, den Schwächling, auf den Thron zu bringen. In Verzweiflung über den Tod feiner Gemahlin verläßt Ulrich sein Kind, seinen Thron und sein Land und lebt wie ein wildes Tier im Waldesdickicht. Aber sein schon erstorbenes Herz wird aufgerüttelt zu neuem Leben durch die Künde, daß Elende sein Land regieren und sein Sohn in schlechter Pflege verkommt. Er bricht aus seinem Versteck hervor wie ein krankes Tier, erobert seiner Väter Schloß zurück und nimmt furchtbare Rache an Vdutter und Bruder. Dann wendet er sich wieder in den dunklen Unterschlupf seiner Wälder. . . Diese Handlung, die keine in sich geschlossene Kette ist, sich nicht „wie eine Schlange in ihren Schwanz beißt", bringt vom dritten Akt keinen Fortschritt mehr und ist am Ende des fünften wieder da angelangt, wo sie am Ende des zweiten war. Eine Fülle verwirrender Einzelheiten, plötzlicher, nicht durchgeführter Einfälle, lyrischer Einlagen und unnötig grausiger Wildheiten verstärken den peinlichen Eindruck des Ganzen. Man fühlt sich dieser großen Begabung gegenüber umsomehr um den Genuß betrogen, als das völlig Undisziplinierte seines Talentes um so. xoher und krasser
et in das Eigentum dcs siegenden Vereins übergeht. Nach Rückgabe des Preises erhält der Sieger einen Ehrenbecher. (Sieger von 1904: G. Zimmer vom Hamburger Ruder-Verein. Sieger von 1906: O. Mailler von der Frankfurter RudergeseUschast „Germania".) Einsatz Mk. 10,—. 3. Vierer. Wanderpreis, gestiftet von Sr. Ktzl. Hoheit dem Prinzen Eitel Friedrich von Preußen. Der siegende Verein erhält bei Rückgabe d.s Preises einen Ehrew schild. (Sieger Don \1907 : Frankfurter Rudergesellschaft „Sachsenhausen".) Einsatz Mk. 40,—. 4. Achter. Ehrenpreis. Offen für die dem Lahn-Regatta-Verband angehörigen Vereine. C n- satz Mk. 40,—. । 5. Doppel-Zweier ohne Steuermann. Ehrenpreis. Einsatz Mk. 20,—. 6. Gast-Vierer. Ehrenpreis. Offen für Ruderer, welche nicht dem Lahn-Regatta-Verband angehören. Einsatz Mk. 30,—. 7. Junior-Vierer. Ehrenpreis. Einsatz Mk. 30,—. 8. Junior-Einer. Ehrenpreis. Einsatz Mk. 10,—. 9. Akademischer Vierer. Ehrenpreis. Offen für immatrikulierle oder vor dem Staatsexamen stehende Studierende deutscher Hochschulen. (Bei der Meldung ist anzugeben, an welcher Hochschule die Ruderer und Steuerleute immairifuliert sind, bezw. das akademische Bürgerrecht haben, und zu welcher Fakuliät sie gehören.) Einsatz Mk. 30,—. 10. Großer Vierer. Wanderpreis, gestiftet von der Stadt Gießen. Der siegende Verein erhält bei Rückgabe des Preises einen Ehrenschild. (Sieger von 1904: Frankfurter Rudergesellschaft „Sachsenhausen". Sieger von 1906: Mannheimer Ruder-Verein „Amicitia".) Einsatz Mk. 40,—. 11. Junior-Vierer. Ehrenpreis. Offen für die dem Lahn-Regatta-Veroand angehörigen Vereine. Einsatz Mk. 25,—. 12. Junior-Achter. Ehrenpreis. Einsatz Mk. 40,—. 13. ErmunterunaS-Vierer. Ehrenpreis. Offen für Ruderer, welche bis zum 26. Juli noch kein offenes Rennen int Vierer (Auslegerrennboot) gewonnen haben. Einsatz Mk. 30,—. 14. Großer Achter. Wanderpreis, gestiftet von Sr. Königl. Hoheit Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein. Ter siegende Verein erhält bei Rückgabe des Preises einen Ehrenschild. (Sieger von 1904 :. Frarttfurter Rudergesellschaft „Sachsenhausen". Sieger von 1906: Mannheimer Ruder-Verein „Amicitia".) Einsatz Mk. 50,—. Der Meldeschluß ist am 9. Juli.
*
** Tageskalender. Freidenker-Vereinigung: Vortrag von Dr. Kinkel über »freiheitliche Kulturideale" abends 9 Uhr im „Einhorn".
*
•* Der Vorstand der Landwirschaftskammer hielt gestern seine 26. Sitzung unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten Bähr ab. Zunächst wurde eine Landwirtschaft- liche Studienreise von ca. 35 Landwirten, die am 7. Juli unter Führung von Dr. Hammann nach Holland statt- sinden soll, gut geheißen. Die Abänderungsvorschläge zu den Satzungen für Versicherung von Weide-, Ausstellungs- und Faseltieren sollen im nächsten Jahr beraten werden. Tie Einführung einheitlicher Herdbuchformulare wurde genehmigt, ebenso der Antrag Korell betr. den Entwurf zur Beschickung von Jungviehweiden. Weiter soll die Regierung die Vorschläge Eibach, betr. Weinbergschutz und Weinlese berücksichtigen. Tie Versicherung der Stuttgarter Ausstellmigsliere soll auf Kosten der Landwirtschaftskammer erfolgen. Die Maßnahmen für die Förderung der Viehversicherung werden nach Beschluß des Deutschen Landwirtschaftsrates unterstützt. Eine Beschwerde betr. die Verunreinigung der Bäche und Flüsse durch Fabrikabwässer wird der preuß. Regierung zwecks Abhülfe vorgetragen werden. Ein Antrag Bähr, den Landeskulturrat Claas in der nächsten Plenarversammlung als beratendes Mitglied der Landwirtschaftskammer in Feldbereini- gungssachcn vorzuschlagen, wird einstimmig angenommen. Ebenso ein Antrag Fritsch betr. Beseitigung der Kaninchenplage.
** Ober hessischer Obst b a uvereiü. Am Sonntag 31. Mai, nachmittags 3 Uhr, findet hier im Saale des Lenz scheu Felsenkeller unter dem Vorsitz des Präsidenten des Vereins, Grafen Oriola, die Ha uptv erf a m m- lung statt. Als Tagesordnung iuirb neben den üblichen Punkten der Rechnungsablage :c. eine Ergänzungswahl zum Vorstand und Ernennung von VcreinSbaumwärtern erfolgen. Daran anschließend wird Obstbaulnchniker Koch-Alsfeld über das für jeden Obstzüchter und Obstliebhaber wichtige Thema „Ernte und Versand des Obstes" einen Vortrag mit Demonstration halten. Der Hauptversammlung voraus geht vor- hervortritt. Eulenburg fehlt jede dramatische Selbstzucht; er verwendet Märchenmotive, wo große klare Einfachheit von nöten wäre, hilft sich mit Balladeneffekten und epischen Details über entscheidende Punkte der dramatischen Spannung hinweg und gibt uns ein höchst unerquickliches Konglomerat verschiedenartiger Dichtungsgattungen. Als ein solch völliges Verkennen der eigentümlichen Wirkung des Stosses muß auch seine Verlegung in das spielerische Rokoko erscheinen. Em Timon mit dem Puderzopf müßte etwas von der Galanterie des Moliörischen Misanthropen haben, darf nicht wie ein nordischer Recke in Blut und Wildheit einher- schreiten. Nur der erste Akt wuchs selbstverständlich aus dem Milieu heraus; er bot den einzigen reinen Eindruck des Abends. Die Aufführung erhob sich nicht über den guter Durchschnitt; auch der Erfolg war nur mäßig. Dr. P. L.
— Zola in Japan verboten. Ein ungewöhnlicher Vorfall hat sich in Japan ereignet: Die Stellung des Premierininislers ist erschüttert worden und er hat seinen Abschied nehmen müssen, weil er für ein Werk Zolas emgetretcn. Der japanische Premiei- minister Marquis Sayuji hatte die Mußestunden, die ihm sein verantwortungsvolles Amt läßt, einer verständnisvollen Lektüre der französischen Literatur gewidmet und eine besondere Vorliebe für Zola gefaßt. Als nun eine japanische Uebersetzung von „Paris" erscheinen sollte, schrieb der Minister eine Vorrede dazu, die in ein hohes Lob für den großen Romancier ausklang. Kaum aber war das Buch erschienen, so wurde auf persönlichen Befehl des Mikado von dem Minister des Innern die sofortige Unterdrückung des Werkes angeordnet, da in der Veröffentlichung dieses Werkes „eine Gefährdung für die Ordnung und das Gemeinwohl zu erblicken sei." Der Premierminister, der auf so brüske Weise von seinem Souverän getadelt war, konnte nichts anderes tun, als seine Entlassung verlangen. die ihm auch gewährt wurde. So Hai Zolas Werk, dessen hohe Bedeutung fern Vaterland soeben erst durch die Uebersuhrung seiner Leiche ins Pantheon anerkannt hat, ini fernen Osten eine Ministerkrife hervorgerufen.


