fdienen Fachmannes mit den im Bekriebsüminc *Ser hessischen Mndwerker-ZentrakgenoffenftLäft arfpeft^cn Motoren und Wert- tzeuamaschinen vertrant machen lohnen. Wiedernnt wird in Offenbach in ben „Techn. Lehranstalten" ein Lehrkurs in der Installation von Schwachstrom-Aiitagert vorgesehen. Weiterhin wird bei entsprecl'mder Beteiligung ein Kurs für Monteure ufro. von Licht- itno Kraftanlagen abg^I-ten. Ein Meisterkurs für Wagner in Crainfeld (Oberhessen) ist, besonderer: Wünschen entfizredjenb, in der Zeit vom 23. November bis 12. Tezemocr tf. Js. in Aus-
- in-n Holsschnitzturse art einzelnen halben Wochen- tegen finden in diesem Winter sowohl in Reinhcim als auch in Beerfelden statt. Kurse in gewerblicher Buchführung tonnen sowohl in Darmstadt, als auch an anderen Orten bei entsprechender Beteiligung veranstaltet werden. Bon der Gvoßh. Zentralstelle für bte Gewerbe werden Anmeldungen zu diesen Meisterkursen schon jetzt entg-egcngeiumuncn, ond, wird etwa gewünschte Auskunft schriftlich und ntündlich bereitwilligst erteilt
** Zeitig die Rechnungen aus stellen und pünktlich sie bezahlen! Mit dem Schluffe d. I. sind für den Handwerker eine Reihe von Verpflichtungen fällig, zu denen er baren Geldes dringend bedarf. Die Tatsache, daß der Handwerker oft über seine Verhältnisse und ungewöhnlich lang Kredit gewähren muß, bedeutet für ihn eine schwere Schädigung. Im Interesse des Handwerkerstandes kann deshalb nicht oft genug darauf hmgewiesen werden, daß der Handwerker mtr dann konkurrenzfähig und wirtschaftlich selbständig bleiben kann, toenn er Löhne und Einkäufe pünktlich zu bezahlen imstande ist. Deswegen muß immer wieder daran erinnert werden: „Bezahlt den Handwerkern die fälligen Rechnungen!" Es darf hierbei aber nicht verkannt werden, daß auch von den Handwerkern selbst auf pünktlicheren Eingang ihrer Außenstände dadurch hingewirkt werden kann, daß sie die Buchführung nicht als Nebensache ansehen und ihre Rechnungen nicht erst dann ausschreiben, wenn die Kasse leer ist oder nach so langer Zeit, daß die Kunden die Lieferung beinahe schon vergessen haben. Darum ergeht ebenso dringend das Mahnwort: „Handwerker, seid nicht nachlässig im Aus stellen der Rechnungen!" Jeder für seinen Teil, Publikum und Handwerker mögen beitragen, einen Uebelstand zu beseitigen, der schwer empfunden wird und doch verhältnismäßig leicht bei gutem Willen abgeftetlt werden kann. Man wird nicht fehl gehen in der Annahme, daß fein Kunde etwas darin finden wird, wenn mit Ablieferung der Arbeit, für Reparaturen vielleicht monatlich, Rechnung ausgestellt wird, sofern dieses allgemein zur Einführung gelangt; liegt es doch im Interesse beider Teile, schon um Streitigkeiten zu vermeiden.
"Warnung für Hundebesitzer. Bei dem in diesem Jahre so geringen Ergebnis der Niederjagd ist es den Jagdpächtern umsomehr angelegen, das Raubzeug mit ollen nur möglichen Mitteln zu vermindern, um den geringen Bestand an Hasen, Hühnern usm. nicht ganz ausrotten zu lassen. Infolgedessen wird in den meisten Revieren, besonders nm diese Jahreszeit mit Fallen, Schwanenhals und Tellereisen, öfters auch mit Giftbrocken gearbeitet und liegt es daher int Interesse aller Hundebclltzer, die Hunde im Wald anzuleinen, um ihre Lieblinge bei Wald- spoziergüngen vor Schaden zu bewahren. Besonders die Teckel und Foxterriers, die nun einmal das Jagen nicht lassen tonnen, sind dabei in steter Gefahr, in ein für Füchse gestelltes Eisen zu geraten, oder gar einen Giftbrocken auf- zunehmen. Es kann daher nicht genug gewarnt werden, die Hunde im Walde, besonders aber in Schonungen und dichtem Unterholz frei laufen, bezw. jagen zu lassen, ganz abgesehen davon, daß sich der Besitzer des Hundes dadurch straffällig macht. Wenn also der „Waldmann" oder der „Fox" und wie sie alle heißen, den Spaziergang tnitmachen soll, dann im Walde an die „Seine"; es wird dadurch den Hundebesitzern sowohl wie auch dem Jagdpüchter mancher Verdruß erspart werden.
—n. Rödgen, 17. Nov. Vorgestern hielt hier Missionar Gsell von der Baseler Missionsgesellschaft einen lehrreichen Vortrag über die M i s s i o n s t ä t i g l c i t unter denNeger - Völkern an der Gold käste. Er schilderte Land und Leute, die Lebensweise der Bewohner, die körperliche und geistige Not der Heidenwelt, die Leiden und Freuden der dort wirkenden Missionare. Nerschiedeue von Negerhänden hergestellte Gegenstände erregten das besondere Interesse der Zuhörer und boten Ausgangspunkte für die aus der Fälle der persönlichen Erfahrung geschöpften Betrachtungen.
ltz Lang-Göns, 18. Nov. Von altersher stand hier bie Kä sepr o du k tio n in großer Blüte. Mindestens ein Drittel der Einwohnerschaft widmete sich diesem Erwerbszweig. Ein Teil der Händler kauft die „Käsematten" auf den umliegenden Dörfern ein. In unserer Zeit ist dnrck) die Milchlteserung die „Käsematte" sehr knapp geworden und infolgedessen mancher Käsereibesitzer gezwungen, seinen Betrieb bedeutend einzuschränken.
(n.) Hungen, 18. Nov In den letzten Jahren hielt es schwer, Holzhauer zu bekommen, da anderweit Beschäftigung genug geboten war. Seit aber die Elisenburg wieder still liegt, auf Grube Friedrich der Betrieb langsamer geht, die Feldbereinigungen gemacht sind, har man jetzt mehr als genug Arbeiter zum Holzfällen. Jeder sucht sich eine Malerarbeit zu sichern, denn die Zeiten sind nicht glänzend.
8 Aus dem Krei se Al s f eld, 18. Nov. Die Kr cis - lehrerbibliothek hat eine Neugestaltung durch Kreisschulinspektor Eck erfahren, dergestalt, daß statt der Zweig- ltellen, wie seither, letzt die Ausgabe der Bücher von einer Zentralstelle in Alsfeld aus erfolgt. Zum Bibliothekar wurde Hauptlehrer Rudolf ernannt, dem zwei junge Kollegen in der Verwaltung der Bibliothek zur Seite stehen. Durch den vom Kreisausschuß der Bibliothek zugewandten Betrag von 200 Mark wird die Bibliothek weiteren Ausbau erfahren, um auf der Höhe der Zeit zu bleiben. — Gegenwärtig stellt die Kreis- schulbehörde in den größeren Gemeinden des Kreises Erhebungen an, ob man der Gründung einer Hau« Haltungsschule — wohl einer Wanderhaushaltungsschule wie im Kreise Gießen — das nötige Interesse entgegenbringe. Der Zweck und Nutzen einer solchen Schule steht so außer allem Zweifel, daß er keines Beweises bedarf. Unserer weiblichen Jugend fehlt jede weitere Ausbildung nach der Schulentlassung. Erstaunlich ist die Unkenntnis von der Führung eines Haushaltes, von der Erziehung der Kinder und von der Wichtigkeit der Familie überhaupt, mit der jo viele Mädchen vom Lande in die Ehe treten. Hier bedeutet die Haushaltungsschnle einen Fall zur Hebung der Volkswohlfahrt von großer Wichtigkeit
X Ruppertenrod, 18. Nov. Ulster den hiesigen Schälern herrscht zurzeit in starkem Grade die Mumps; in der Oberklafje von 70 Schülern sind bereits 24 ertrankt.
Auch m der Nachbargememde Groß-Eichen tritt diese Epidemie unter den Schülern heftig auf.
r.Rainrod, 18. Nov. Der Betrieb airf dem I. N ickel- schen Basaltwerk wird demnächst eröffnet werden, wodurch einer Anzahl Arbeiter dauernde Winterbeschäftigung geboten ist. — Die hiesige Gemeinde hat im letzten Sommer wiederum eine neue Brücke über die Nidda gebaut, eine andere über den Mühlbach ist umgebaut und verbreitert worden. Zu letzterer leistete der Kreis einen Beitrag. — Ueber die im Sommer der Benutzung übergebene Wasserleitung herrscht einstimmiges Lob. Es ist zwar zu befürchten, daß der nächste Kommunalsteuerzettel etwas höher ausfällt, die Steuerkraft im allgemeinen hat sich aber wesentlich gehoben. Mit den seit den letzten Jahren geschaffenen fortschrittlichen Kulturwerken ist die Bevölkerung einmütig einverstanden, da auch bei uns die Einsicht besteht, daß Stillstand Rückschritt bedeutet. — Ein Wahrzeichen des Dorfes, das Gern ei n de w ir ts h a us, befindet sich in der letzten Pachtperiode, danach soll es zum Abbruch verkauft iverden. Zum Bedauern manches alten auswärtigen Rain- röders, der seine Winterabende in jungen Jahren beim Solo oder Lotto im Gememdewictshaus verbrachte. Vielleicht kann es noch eine Generation aushalten?
X. Aus dem Vogelsberg, 18. Nov. Die Forstbehörde nimmt sich jetzt des Vogelschutzes an und es steht zu hoffen, daß ihre Bestrebung von Erfolg begleitet wird, iveil diese den Hebel an der richtigen Stelle anjetjt, nämlich der Schaffung von Nisthöhlen in den Waldungen. In den Gemeindewaldilngen von Ruppertenrod, Ober-Ohmen n. a. kommen gegenwärtig Nistkästen für Stare, Meisen usw. zum Aufhängen. Diese Nistkästen sind sehr praktisch und lchön aus Birkenholz angefertigt. Die Nisthöhlen dieser Kästen entsprechen genau den von Höhlenbereitern des Waldes hergestellten Röhren. Von diesen Bcrlepschen Nisthöhlen sind tn unserem Hessen bereits 9300 staatlicherseits beschafft worden. Davon waren 70 bis 80 Prozent im ersten Jahre bezogen.
(d.) Aus dem Vogelsberg, 18. Nov. Der überaus niedrige Wasserstand der Bäche in diesem Herbst und die Aussicht auf den Winter veranlaßt viele Müller resp. Triebwerks- befitzer, zur Anschaffung von Motoren, da sie andernfalls den Betrieb stilleren müßten. Eine wesentliche Verteuerung der Betriebskouen ist bamit verbunden. Vielfach wird gewünscht, daß das Lißberger Elektrizitätswerk bald in Angriff genommen werden möge. Wer sich einen Motor angejchasst hat, ist später um so schwerer zum Anschluß an das Werk zu bewegen.
□ Wenings. 18. Nov. Die 60jährige Frau Elisabeth Schwab von Bmdsachsen besuchte gestern ihre in Usenborn verheiratete Tochter. Als sie gegen Abend den Heimweg antrat, wurde sie vor einem Hohlweg von einem schwarzbärtigen Manne niedergeschlagen und alsbald kniete der Unhold auf der Frau und bedrohte sie mit dem Meffer. Die kräftige Frau erwehrte sich des Angreifers und entfloh. Die Gendarmerie fahndet nach verschiedenen verdächtigen Subjekten.
w. Mainz, 18. Nov. Die Stadtveroronetenversamm- lnng bewilligte heute für die Hinterbliebenen der Opfer der Zeche „R a d b o d" 1000 Mk. mit der Bestimmung, daß, falls es nötig werden sollte, später noch weitere Zuwendungen gemacht werden. — In oer gleichen Sitzung wurden sür die N o t st a n d s a r b e i t e n 25 000 Mk. bewilligt.
0. Rodheim a. d. Bieber, 18. Noo. Unsere Quell - wasserversorgnng hat sich bisher auf das beste bewährt. Infolge der Trockcnperiode versiegten ringsum die Brunnen, ja in Krofdorf, Vetzberg und Gleiberg machte sich sogar ein empfindlicher Wassermangel geltend. Selbst der Biebcrbach zeigte einen solch liefen Wasserstau!), daß seine 11 Mühlen nur sehr schwach ihren Betrieb aufrecht erhalten konnten. Unsere Wasserleitung dagegen hat in keiner Weise versagt, sie spendete stets dieselbe gleiche Wasferfülle. Ihre Quellen, in der Gemarkung Königsberg gelegen, versorgen Bieber und Rodhcim mit vorzüglichem Trinkwasser. Niemand möchte mehr dieses kostbare Kleinod entbehren.
** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Ter B ä r q e r m e i sl e r Wagner von Obertiefenbach wurde wegen U n t e r f ch I a g u n g amtlicher Gelder verhaftet. Wagner ist Kreistags- und Krersausschußnntglied des Oberlahnlieises. — Landrat Büchling in Limburg hat die Anstellung von Schulärzten im Streife beantragt. — Das Konzert, über das in Nr. 27 unter Friedberg berichtet tourbc, hat in Bad-Nauheim flattgefunben.
Dar Grubenunglück bei Hamm.
Neuerdings wird von verschiedenen Seiten die Meinung vertreten, daß das erschütternde Unheils aus der Zeche Radbod mit ben Er d beb en im Vogtland? zusammen hinge. Demgegenüber steht die Ansicht, daß einzig und allein die grobe Nachlässigkeit im Betriebe als Ursache -zu betrachten sei. Die genauen Einzelheiten werden jedenfalls erst durch die zu erwartende Gerichtsverhandlung klargcstelll werden.
Im preußischen Abgeordneten Hause wird die Jnter- terpellation über das Grubenunglück schon Ende dieser Woche verhandelt werd en, ^während sie im Reichstage jedenfalls erst lUKij- Lesung der Finanzgesetze erfolgen wird. Eingehende Erörterungen und Beratungen haben in den letzten Tagen sowohl im Preußischen Handelsministerium und im Reichs- amt des Innern als auch zwischen den beiden Behörden stattgefunden.
Von dein Massengrab der Verunglückten wurden durch Gendarmerieloachtmeisterdie rvtenSchleifen von den Kränzen der -Sozialdemokraten entfernt, weil sie folgende Inschrift trugen: Für Gier unb Kapital gefallen in der Schlacht auf Radbod 1908. Wie der Lowe verzehrt das Wild in der Wüste, so fressen die Reichen die Arbeiter. Den Opfern bet Katastrophe auf Radbod 1908.
Aus Lens strndte das Bureau der Nationalen Berga rbeiter- vereinigungvon Frankreich an den Reichstagsabgeordnelen Sachse folgendes Telegramm: ./Tiefbewegt von der schrecklichen Kata- sirvphe von Hamm sprechen wir im Namen der Nationalen Berg- arbeitervciemigung von Frankreich den Familien der Opfer unser herzliches Beileid aus."
Der Bürgermeister von Billy-Mo ntigny zu Frankreich richtete an ben Bürgermeister von Ham in namens des Gemeinderats und der Einwohnerschaft von Titly-Montignu ein Beile i d s sch reiben, in frent des großherzigen Verhaltens' der iveftsalpchen Rettiiugsinannschast bei Gelegenheit des Grub-ii- ungludy__ von Eourrieres gedacht wild. Dem Schreiben ivarcn fimrsig pranks beigeschlossen.
c ich nimmt überhaupt sehr großen Anteil an dem Unheil. Su za u ne esprös, die treffliche sranzosiscke Schau- lüielerut, hat dein B. folgendes Telegramm gesandt: „Wenn irgenbciue Beranstaltioig zugunsten der Opfer des Unglücks in bnn westwlnchen. Bergwerk geplant werden sollte, so bin ich mit Vergnügen bereit, noch Berlin zu kommen und hierbei mi tzuw ir ke u."
, DiD deut s ch e li Kolonien im Ausla nd veransraltcn ebwlo w, die guten deutschen Zeitungen A-mislungeu für
die AnM^rigen. Auch einige der größeren deutschen Städte wie Frankfurt, Düsseldorf u. a. bewilligten zum Teil namhafte Summen, um der drückenden Not zu steuern. Tie Stadt Mainz stiftete in ihrer gestrigen Stadtvcrordnetensitzung 1000 Mk.
Die Sammlung des Gießener Anzeigers:
Bisher quittiert Mk. 776.50, Ungenannt 1.—, Ungenannt 1.—, Pro,. Tr. K. 20.-, E. K. 2.—, B. E. 2.50, L. H. 5.—, Henny Weigand 3.—, T. Sn. 5 —, Tr. K. 10.—, Bankier Jakob Grünewald 30—, T. B. 1.—, I. M. 20.—, G. K. 20.—, G. Becker 5.— Zusammen Mk. 902.—.
Bulgarien.
Mit dem jüngsten Königreiche unseres Kontinents beschäftigte sich der zweite Vortragsabend der Gesellschaft für Erd- und Völlcrkunde, die hierzu einen tüchtigen Kenner von Land und Leuten in dem Pfarrer Sic. Tr. Schwarzlose-Frankfurt a. M. gewonnen hatte. Das Erstaunen, das die eiter gif (fs und ziel- bewußte Beschlagnahme der ostrurnelischen Eisenbahn durch die bulgarische Regierung vor einigen Wochen in der ganzen Welt hervvrrief, ist nad) Ansicht des Vortragenden eine Folge der Unterschätzung, mit der man unter dem Einfluß der österreichischen Presse die Balkanstaaten und ihre Bewohner zu beurteilen sich angewöhnt hat. Er führte aus, wie wenig dies ungünstige Bild, das man sich hierzulande von ben dortigen Verhältnissen macht, gerade auf die Bulgaren, die „Preußen des Balkans", zutrifft, ^chon über die Größe des Landes dürsten irrige Vorstellungen bestehen. Bulgarien ist so groß wie die beiden Königreiche Bayern und Württemberg zusammen, wovon Vs auf Ostrumelien oder, wie es bei den Bulgaren genannt wird, Südbulgarien entfällt. Taß die maßgebenden Kreise Europas über die Stimmung der Balkanvölker von jeher schlecht informiert waren, zeigte sich schon darin, baß der Berliner Kongreß Südbulgarien, das von dem gefeierten „Rhein der Bulgaren", der Maritza, durchströmt wird, und über eine Million Eiiiwohner bulgarischer Abstammung besitzt, dem Stammlandc vorenthicli. Daß die bulgarische Volksstim- ntuttg darauf hindrängen würde, bei erster Gelegenheit diesen unhaltbaren Zustand zu beseitigen, lag auf der Hand. Große Verdienste um den kulturellen Aufschwung Bulgariens hat sich der erste Fürst, Prinz Alexander von Hessen, erworben, an den das Volk noch heute mit geradezu rührender Anhänglichkeit denkt. Er hat den Grund gelegt, auf dem fein 'äcachfolger weiterbauenl unb zu glänzenden Resultaten gelangen konnte. Fürst Ferdinand, jetzt Zar aller Bulgaren, hat itamentlich durch Schaffung guter Verkehrsmittel und durch Hebung des Schulwesens, nicht zum wenigsten auch durch sein diplomatisches Geschick, bereits Großes geleistet. Seine Haupistadt Sofia (mit dem Ton auf der ersten Silbe) gleicht im Aeußeren mit ihrer elektrischen Bahn, den staatlichen unb kirchlichen Pruulvauten, ben Denkmälern unb prächtigen Villenstraßen einer völlig modernen europäischen Stadt. Bulgarien ist ein Soldatenstaat ersten Ranges. Bedürfnislos, abgehärtet, von guter Disziplin, gut ausgebildet und geführt, stellt fein Heer eine Macht dar, die Beachtung fordert unb verdient. Die militari)dj-en Lasten trägt das Volk gerne. • Wer nicht mit der Waffe bient, zahlt 10 Jahre lang eine Wehr steuer, dic sich zwisck)-en 10 und 200 Franken bewegt. Tie günstige Lage des Landes am Schwarzen Meere wird durch Bewilligung großer Summen zum Ausbau der modernen Kriegs- und Handelshäfen zu Varna und Burgas dem allgemeinen Wohl dienstbar gemacht. Infolgedessen ist der nationale Aufschwung des Landes in den Jahren seiner Selbständigkeit ein ganz ungeahnter gewesen. Wo vor 30 Jahren noch absolute Unkultur herrschte, da sprechen tausende von Anzeichen von geistiger und ökonomischer Erstarkung eine beredte Sprache. Dabei ist das Land in der glücklichen Lage, feinen Großgrundbesitz, keine Industrie, feinen Kapitalismus, wohl aber ein allgemeines Wahlrecht zu besitzen. Tas Volk, geistig regsam, sparsam, fleißig, von ljober Vaterlandsliebe beseelt und seiner hohen fruüurnunion auf dem Balkan sich bewußt, ist zu allen Opfern, die des Vaterlandes W)hl erfordert, bereit. Das bereits Erreichte läßt von dem jungen Kulturvolk das Beste für seine weitere EntwiÄelung erhoffen, und sicher wird Bul^ garten dazu berufen fein, bei her weiteren Gestaltung der Bev- hältnisse im Balkan einscheidend mitzuwirken.
Vermischtes.
* Der schwarze Mann kommt. Die leidige Unsitte des Erschreckens der Kinder war.gestern in Landshut in Bayern vou höchst bedauenswerien Folgen begleitet. Daß zweijährige Knäbchen eines Bahnbediensteten nämlich wurde von einem Schulmädchen dadurch erschreckt, daß c5 ihm sagte: „Der schwarze Mann kommt und nimmt dich mit." Infolgedessen erschrak das Kind vor dem des Weges fomnicnbcn Schornsteinfeger so, daß es in Krämpfe verfiel und nach Verlauf einiger Stunden starb.
* Dilemma. Junger Manu (der vor dem Heiraten steht): „Der Müller sagt: „Ich als echter Freimd rate dir ab vom Heiraten!" Der Meier sagt: „Ich als echter Freund rate dir, heirate!" Nun möchte ich nur wissen, welcher von den beiden der falsche Kexl ist."
* Nobel. Baüernbursche: „Und dos war a nobles Wirtshaus, wo du gestern in der Residenz die Rauferei hattest'?" — „Ja, sehr fein muß es dort g wesen sein; erst heut hat mir der Bader a großmächtiges Stück Goldleiste aus ’m Schädel 'zogen!"
Kleine Tageschronik.
An dem H a m m e rhä u s e n e r Tunnel zwischen Schalka- mühle und Brügge (Westfalen) ft ü r 51 r das Gewölbe auf eine Länge von sieben Metern c i n. Personen wurden; nicht verletzt.
Auf dem Bahnhof von Waldfee ist ein Pc.rsonenzug auf einen Güterzug gestoßen. Drei Passagiere wurden erheblilb mehrere andere leichter verletzt. Tie Ursache des Unglücks wird auf falsche W e i <f» c it ft c f (n n g zurückgeführt.
Auf dem Bahnhof N icde r ka u f fung (Katzbach) sind zwei Persmienzüge infolge falschen Einfahrtssignals oufeinanber* gefahren, ^schwer verletzt wurde ein Lokomotivführer, leicht vier Reisende und ein Zugführer.
In Reichenbaw erfolgte in der Gasanstalt eine E J‘ Molton, durch die zwei Gasarbeiter getötet, drei schwer und fünf leicht verletzt wurden. Weiteres Unglück wurde dullü das Eingreifen des Siasdir^ktors Selling verhütet, indem er den .Haupthahn abdrehte. Selling sowie der GaSdirettvr erlitten schwere Verletzungen.
Ter G r 0 ß ka u sm a n n P allo S in Budapest wurde wegen großer Betrügereien verhaftet. Die Passiven sollen eine Million Kronen betragen.
Handel.
• • Gewerkschaft Gießener Brann ft einberg' werke vor in. lernte. Der vom Grubenvorsland für das dritte Vierteljahr 1908 crftatlete Bericht führt folgende Eingänge an: Mangaueisenstein 165 211,65 Mk., Agglomerat 76588,— Mk., Braunstein 1991,87 Mk., Nebenprodukte 34 520,40 Mk., Mangau- schlämme 2305,— Slf., Nachtragsrechimugen unb Abschlagszahlungen 110 445,40 Ml., im Ganzen also Einnah m c 39 1 032,32 M a r k. Dem sieben nn A nsgaben gegenüber für Lohne und Gehälter 158 542,87 Pik., hierzu anteilige Abraum und Agglo- meticStoften 8735,80 Mk., macht zusammen 167 278,b7 Mk., hierzu ftir Verbrauchsgegsustände, Reparaturen und Ergänzungen 48 330,61 Mark, dazu noch für Abgabe», Lasten, Bureau 22 579,44 ML, so daß im Ganzen verausgabt sind 238 188,72 Mk., vou denen für Mehrförderung abzusetzeu ftub 107 714,— Mk., so daß von der Emuahiue uetio 130 474,72 Mk. m Abzug kommen, mithin ein Bruttogewinn von 260 557,60 Pik. verbleib:. Von diesem biewinn toerbeii vorweg verwendet für Zinsen ber ersten Anleihe 27 310,— Mai-k, ber zweiten Anleihe 8623,12 Ml., für Amortisation bet ersten Anleihe 42 000,— Ml., ber zweiten Anleihe 16 600,—Mk., iujamnieu 94 733,12 Mk., so baß ciu Reingewinn von 165 824,48 Mk. Lu verzeichnen ist. Rach Beschluß des Grubenvorstanbes lamme»


