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19/11/1908 Zweites Blatt
 
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Nr. 273 Zweites Blatt

158. Jahrgang

Donnerstag 19. November 1908

Erich ein! litgllch mit Ausnahme VeS Sonntag«.

Die ..Wietzener ZamittenblStter" werden dem ,Qln$eiflcr* viermal wöchentlich betgelegf, das Kreisblatt für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Sclt- ßrageu" erscheinen monatlich zweimal.

Giehener Anzeiger

Eeneral-Anzeiger für Oderheffen

Rotationsdruck und vertag der Brüblich« UnwersuatS - Blich- und StembrudewL 9L Lange. Sieben.

Redaktion. Expedition und Druckerei: Schul- strabe 7. Expedition und Berlag. 5L Redaktion:«-ÄK 112. LeU-Adr^ AnzeigerDreben»

Die Audienz des Reichrianzlers beim Kaiser.

Aon grobem Interesse ist es, zu eriahren, ivie das Ausland die Anssprache zwischen dem Kaiser und dein Fürsten Bülow le­rn teilt. Von den uns heule vorliegenden Preßstmunen des Aus­landes vom 18. Nov ist zunächst das »Wiener 5 r e m b e n blatt* au nennen. Tort heibt es:Ten heutigen Tag wird das deiitsche Volk dem Kaiser nicht vergessen, denn heule Haden auch diejenigen den Kaiser kennen gelernt, die ihn verkannt Haden. In dem kaiserlichen Willen und seiner feierlichen öst'enllichen Be- Lundnng ivird das deutsche Volk die stärkste Bürgschaft seiner Nnhe finden. Ueberall in Tenlschland und unter Teulschlands Freunden Hal inan mit Beruhigung vernommen, daß der Reichskanzler, der bisher die Verantwortung für die Reichspolitik getragen, sie im vollen Bcsitze des kaiserlichen Vertrauens iveiter tragen wird. Tab ober dem Kaiser sowie dem deutschen Volke auch der Kanzler sein Vertrauen gewahrt hat, wird allen zur Befriedigung gereichen, die in dem bewährtesten Ratgeber und Mitarbeiter des Kaisers Wil­helm eilte starke Bürgschaft für die sriedliche Entwicklung bet Dinge erblicken. Insbesondere wird diese Befriedigung in Oester­reich-Ungarn geteilt werden, wo man dem Fürsten Bülow das vollste Vertrauen zollt."

Tie .91 e u e Freie Presse* nennt den gestrigen Tag mit der Anssprache im Dienen Palais einen glückverheißenden Tag für alle, für die Krone, für daS Volk und für den Kanzler. TaS Blatt wünscnt, daß das Ergebnis der gestrigen Aussprache zwischen Kaiser und Kanzler sich dauernd in der äußeren und inneren ReichSpolttik bewähre zu gleichem Vorteil für Kaiser und Reich.

TaS ,91 e u e Wiener T a g b l a l t* schreibt : .Am Ende bei Krise kann Deutschland in sein polnisches Hauptbuch auss neue ein bedeutungsvolles Haben eintragen.

DaS WienerVaterland" schreibt: Man darf arme feinen, daß der Kaiser und der Kanzler sich vollkommen berfhinbigt baten und daß der Kaiser Erklärungen gab, durch die die Befürchtungen für die Zukunst im Dcuckck-cn Reiche zerstreut werten. Wenn man auch BüloivS innere Politik aus mand>t'n Gebieten verurteilt, besonders sein Verhalten gegen das Zentrum, und sein Vvr- gehen wider die Polen mißbilligt, so muß man doch erfreut fein, daß in so (djci?irriger Zeit wie der jetzigen die Leitung der Auswärtigen Angelegenheiten des Deutsck/cu Reiches der ruhigen, sicherest Hand ano er traut bleibt, in der sie sich seit Jahren bcfani>.

Auch in der italienischen Presse finden wir günstige Be­urteilungen der Lage.Popolo Romano" begrüßt das Ver­bleiben des SteidjdHändlers Fürsten Bülow auf seinem Posten als eine Garantie deS Friedens.El Messaggero" sagt, daß durch die gestrige Unterredung des Kaisers mit dem Reickiskanzlcr ein ernster Konflikt zwiscl-en Volk und Kaiser vermieden worden sei, daß aber das Volk unter keiner Bedingung weitere Eingriffe des Kaisers dulde.

Die eng ischc Presse druckt große Befriedigung ans Über die Wendung, die die Sache genommen hat. DerStandard" schreite über die Unterredung des jdaisers mit dem Fürsten von Büliow: In Allem, was er getan hat, wurde der teutfdje Kaiser von den reinsten patriotischen Impulsen geleitet; er ist der selbst- st>feste und unermüdlichste unter den deutschen Patrioten. Sein ganzes reines arbeitsreiches Leben war darauf gerichtet, Deutsch­lands Große auf einen noch hbl-eren Gipfel zn bringen, alle seine Träume und Gedanken galten dem Vaterlande, der Wahrung seiner Ehre und Würde, der Forderung seiner nationalen Interessen, der Sorge für die Zukunft, und trotz allem: ist es ihm gelungen, Deutsete lanb größer ju machen, als er es vvrgefunten. Er bewahrte die Nation vor den häßlichen Folgen eines kommerziellen Erfolges, nämlich davor, geldstolz und vulgär zu werden. Nie war es größer als es heute ist. Wir vertrauen darauf, daß die engere Verbin­dung der Repräsentanten der 9tation mit dem Minister das Er­gebnis haben wird, eine sehr fühlbare Verringerung ter Friktionen herbeizusühren, welche die deutfck--englisck)en Beziehungen in un­angenehmer Weise beeinflußten.Daily Telegraph" er­klärt, die persönliche Bewunderung der Engländer für den Kaiser werde gewiß durch seine gestrige Haltung gegenüber dem Reichs­kanzler erhöht, dessen Vorgehen in einer Zeit besonderer Schwierig­keiten über jedes Lob erhaben sei. Er habe bewiesen, daß er einer jener treuen Ratgeber sei, die die pesten Stützen und Pfeiler der Krone bilden.

Weit weniger günstig als die obigen Preßstimmen ist das NrteileinesfranzösischenDiplomaten.Ich glaube nicht," so führte er aus,daß die Erklärung, wie sie bisher vor­liegt, die Erregung in Deutschland beenden w.rd. Sie ist nicht be- ftimnit genug und hält sich im Grunde nur in Grenzen der be­stehenden Verfassung, die sich ja im vorliegenden Falle als un­zureichend erwiesen bat Es fehlt das kräftige, erlösende Wort, das ein festes Vertrauen für die Zukunft giot. Unter diesen Um­ständen kann ich nach meiner, natürlich unverbindlichen persön­lichen Meinung die Erklärung nicht als eine völlig befriedigende Losung ter für.Deutschland so wichtigen Frage, sondern nur als ein zlompromiß auf Zeit betrachten. Nach wie vor bleibt das Wichtigste dem Empfinden des Kaisers überlassen. Aus dem Gesagten ergibt sich eigentlich schon die Antwort auf Ihre zweite Frage, ob in Frankreich das Verbleiben des Reichskanzlers auf feinem Posten mit Freute begrüßt wird. Fürst Bülow ist uns als ein hervorragend geschickter Dipwmat teCannt, von dessen versöhnlichen Intentionen wir manche Probe erhalten haben, und der, wie er eben erst bewiesen hat, einen starken Einfluß auf den Kaiser ausüben taun. Solange er am Ruder ist, wsisen wir, mit wem wir es zu tun haben, und können hoffen, ehöaige Differenzen freundschaftlich zu erledigen. Ein unbetannler 9iad)folger mit geringerem Esinflnß müßte uns natürlich zunächst weniger er­wünscht sein."

Der T ivlontat schloß seine Ausfithrungen mit ter Versicherung, daß man in Frankreich dem einheitlichen Riitgen des deutschen Volkes um eine zeitgemäße Verfassung mit Achtung und Sym­pathie folge.

Petit P a r i s i c n sagt, es handelte sich darum, festzu­stellen, daß sich die perfönlicae Gewalt dem nalwnalen Willen un­terwirft. Der fori]er hat sich auch dem Willen seiner Nation unterworfen und erkennt au, daß das deutsche Parlament eine Autorität besitzt. Die game Welt Fann sich hierüber sehr freuen.

Die sogenannte Liebesgabe an die Sranntwänbrenner.

Ein praktischer Landwirt schreibt uns:

Rach dem Branulweinsteiiergesetz vom 24. Juni 1887 unter» siegt ter Branntwein, ter in landwirtsckiaftlichen Brennereien hergcstellt toirb, einer Verbrauchsabgabe, a) einer unteren von 50 Mk. pro .v>ettoliier *) reinen Alkohol, b) einer höheren von 70 Mk. pro Hektoliter r. A.

9<ad) § 2 usm. erwähnten Gesetzes ist festgestellt worden, wie viel Branntwein jede lanLivirisck-üftliche Brennerei alljährlich zum niederen Latze von 50 Mk. pro Hektoliter r. A. Herstellen darf, das ter Brennerei zustehende Kontingent genannt. Stellt eine Brennerei mehr Branntwein fcer, als das ihr zugeteilte 2ton-

*) Em Hektoliter reiner Alkohol sind 100 Liter und 100 o/o gleich 10 000 Liter Prvz. i". A. Tie früher gehantelte Ohm sind 80 Liter r. A., also 8000 Liter Pwz. fetostt/erstanplüch darf der Branntweinbrenner so viel Branntwein atS er will zu 70 Mk. versteuern, aber er bekommt immer nur so lange Kontingentscheine Lieocsgabe ä 20 Mk. pro Hektoliter, r. A. sein itontingent reicht.

tingent, so ist dieser Branntwein mit der höheren, d. h. 70 Mk. | Verbrauchsabgabe pro Hektoliter r. A. zu versteuern.

Reckst bald nacy Einfuhnlng des Gesetzes vom 24. Juni 1887 ging man daran, den Branntwein aus den Brennereien nur unversteuert und mit 70 Mk. Verbrauchsabgabe belastet zu verkaufen, und so geschieht es heute noch Der Hergang ist folgender: Der Brcnnerewcsitzer beantragt Abfertigung zu in Satze von 70 Mk. pro Hektoliter r. A. Abschreibung am Kontingent gegen Ausstellung eines Kontingentsck>eins. Die Steuerbehörde fertigt nun z. B. aus ter Brennerei in W. b. G. 20 Hektoliter r. A. ab. Die Steuer ist vom Empfänger des Branntweins zu bezahlen. Der Brennereibesitzer 91. in A. b. G. erhält von ter Steuerbehörde einen Kpntingentschein Mtsgcstellt über 20 Hekto­liter r. A. kn feiner Brennerei herze stellten Branntwein an feinem Kontingent aogeschrieben über 20x20 Mk. = vierhundert Mark. Dieser Kontingcntschein kann von Jedermann zur Zah­lung von Branntweinsteuer usw. benutzt werten, und zwar zum vollen Wert von 400 Mk. Der Branntweinbrenner erhält also für den verkauften Branntwein den Kaufpreis (etwa 48 Mk. pro Hektoliter r. A. und den pro Hektoliter r. Ä. 20 Mk. be- tragenben, zusammen 400 Mk.) Kontingentsckiein. Vor Einfül)- rung ves Gesetzes vom 24. Juni 1887 erhielt der Branntwein­brenner etwa 40 Mk. für den Hektoliter r. A. Branntwein, heute erhält er etwa 8 Mk. mehr und noch die vom Staate in Gestalt eines Kontingentsckxincs von 20 Mk. pw Hektoliter r. A. ge­zahlte sogenannte Liebesgabe.

Rach dem Gesetzentwurf, der dem Reichstag« demnächst vor­gelegt werden wird, betrug, wie ausdrücklich in den Ausfüh­rungen zu temfetben gesagt ist, die sogenannte Liebesgabe jabc- lid) etwa 40 Millionen Mark. Berechnen wir einmal, was die kleinere Brennerei zu A. b. G. in den 20 Jahren seit Bestehen des Gesetzes in Liebesgabe erhalten hat. Die Brennerei A. b. G. hat cund 200 Hektoliter t. A. Kontingent und dasselbe alljährlich heissstellt 200x20 gleich 4000 Mk. mal 20 gleich LOOOOMk. an blvntingentfdxincn Liebesgaben nmuxflrud emgesäckelt. Be­den ken wir ater, daß es in D^utsckZland Brennereien von tiicl te'Heren Kontingenten gibt, so können wir uns ungefähr ein Bild davon machen, wo dte 40 mal 20 Millionen gleich 800 Millionen Diack Liebesgaben hingekommen sind.

Nach dem enväbuten Gesetzenlivurs belreffeitd die Besteuerung des Arannllveins, soll, wie cs ausdrücklich darin heißt, bic so­genannte Liebesgabe abgesckiafft werten, aber um jedenfalls den Herren Lieoesgabenuehmern die SackZ: weniger einpscnstich zu madjen sollen an dieselben in weiteren zehn Jahren jähr­lich pw Hektoliter Kontingent 10 Mk. Entschädigung gezahlt werten. Wird dies eingeführt, so kostet dies nochntal 10 mal 20 gleich 200 Millionen Mark (20 Millionen Mark sind in dem wiederholt erwähnten Gesetzentwurf jährlich ausdrückltch dazu vorgesehen). Zusammen würde das teutid/e Volk 1000 Millionen gleich einer Milliarde Mark als Liebesgabe in die Säckel ter Branntweinbrenner haben zahlen müssen, um endlich diese 9!ot- leitenden los zu werten.

Auffalletld ist, dap oas Gesetz nicht schon mehr besprochen und aber auch in den lartdwirlschaftlick)en Kreisen mehr zur Kenntnis gebracht wird.

Aulciliegesetze des Reichs.

Rach einer Dcnl.cheift uocc bic feit lo<5 erlassenen Anleihe­gesetze des Reichs beziffern sich zur Zeil die Anleihekredite im Ganzen auf 4182 472 241 Mk. Hierzu sind bis Oktober durch Begebung ter verschietenen Schuldverschreibungen 4 035 137 770 M k. realisiert worden, so daß noch verfügbar sind 147 336 470 Mk. Das gesamte Schuldkapital betrug demnach am 1 Oktober 1908: an 1 Proz. Schuldverschreibungen 250 Mill. Mark, an 3V« prozentigen SQuildverschreibungen 1860 Mill. Mk., an 3 prozentigen Schuldverschreibungen 1783'/- Mill. Mark, an 31/2 p.vzentigen!Schatzoitweifungen 20 Mill. Mark, an 4 prozentigen Schatzanweifungen 310 Mill. Mark: ferner an interimistischen, unverzinslichen Schatzanweisungen 75 Mill. Mark, d.i. zusammen 4 328 500 000 Mark. Die tatsächliche Verzinsung stellt sich im Durchschnitt <ruf 3,5-1 Prozent. ____________________________

Aus Statt und Land.

Gießen, 19. November 1908.

Gießener Gewerbeschule.

Das Winter,eincper der Grotzh. Gewerbeschule zum ersten Male im neuen Gewerbefchulgebäude hat einen starken Besuch aufzuweisen. Diese erfreuliche Erscheinung ist einerseits wohl auf die neuen vorteilhaft eingerichteten Schulräume, wie nicht minder anderseits auf die neuzeit­liche Lehrmethode zurückzuführen. Bei einem Besuche der Anstalt muß man die Ueberzeugung gewinnen, daß mit außerordentlicher Lust gearbeitet wird, weil eben die Schüler zur schnellen Erkennung ihrer Aufgabe erzogen werden. Tie in der kurzen Zeit seit Beginn des Winterhalbjahrs bereits geleistete Arbeit, von der der Schreiber dieses Einsicht nehmen konnte, zeugt von einer rührigen Tätigkeit der Lehrer und Schüler. Hier muß der Sckmler unter Anleitung des Lehrers nach Skizzen des letzteren arbeiten, so daß seine persönliche Schaj.enslraft geweckt und zu seinem Vorteil lebendig gemacht ivird. Diese Art der Lehrmethode erscheint selbst dem Fernstehenden als das Ideal der technischen und handwerksmäßigen Erziehung des Nachwuchses. Auch der Unterricht in Algebra, Geometrie, Mechanik, Physik, Statik und Festigkeitslehre, sowie Materialkunde, Veranschlagen, Buchführung, so i.Ae und gewerbliche Gesetzgebung :c. w ro wie wir aus den Arbeitsheften ersehen lonnleit und wie von der Schulleitung versichert wurde in einer den prak­tischen Erfordernissen entsprechenden Weise gelehrt. Alles Ueberslüssige und Ballastariige in diesen Unierrichlsgegen- ständen ist beseitigt, damit ter Schüler das, was er so sehr nötig bedarf, gründlich und sicher begreift. In der Maler- Abteilung werden schöne Arbeiten gefertigt und dabei die praktischen Verwendungen stets im Auge behalten. Den staatlichen Meisterprüfungen wird im Unterricht besondere Beachtung geschenkt, deshalb wollen wir hier nicht ver­fehlen, junge Handwerker auf die günstige Gelegenheit ihrer Weiterbildung und Vorbereitung -ur Meisterprüfung aus- merksam zu machen. Ein Besuch dieser Anstalt, der wie der Leiter, Baumeister Traber, versicherte stets mit Freude begrüßt wird, ist allen Eltern, die für die Zukunft ihrer Söhne in Sorge sind, nur bestens zn empfehlen, denn hier wird nicht für die Schule, sondern für das Leben gelehrt und gelernt.

**Ordensangekegenheit. S. K. H. der Groß- herzog haben dem prall. Arzt Dr. med. Hugo Schmidt zu Bad-Nauheim die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm vom Großherzog von Mealenvurg-Schwerin verliehenen Ritterkreuzes des Greifen-Ordens erteilt

* Die vier Mainufer-Staaten Preußen,Bayern, Hessen und Baden haben Delegierte bestimmt, die am 4. Dez.

im Frankfurter Hauptbahnhof über die Matn-Korrektion und über die Beseitigung der Verunreinigung deö Mainflusies durch Fabrikabwäsfer und Fäkallen aller Art beraten sollen.

Den Grad eines Doktor-JngenieurS er­hielten im Studienjahr 190708 von der Techn. Hochschule zu Darmstadt u. a. un Bauingemeursach Karl Ba 11ert auS Alsfeld, Georg Gülte aus Friedberg und Karl Heller aus Lich;,im Kullunngenieursach Adolf Stoll aus Gettenau; im 'l)laid)inenbanfod) Adolf Gnauth aus Oieuen, Cito Schüfe r aus Biedenkopf und Herrn. Veith aus Alsfeld; im elektrotechnischen Fach Wilhelm Lehmann aus Oberbiel und im chemischen Fach Hugo Laub er aus Gießen.

- Deutsche Atatrtkel. Zu unserer Rlitteilung in Nr. 270, daß in Marburg aus Anlaß der ersten Frauen- immatriku'.ation die lateinische Matrikel durch die deutsche ersetzt worden ist, werden wir aufmerksam gemacht, daß die Gießener Universität die deutsche 9)latrifel bereits feil fünf Jahren besitzt. Auch die Rlehrzohl der Toktordiplome wird bei und in deutscher Sprache ausgefertigt; nur die juristische Fakultät hat die lateinische Sprache beivehalten.

Htst0rischer Verein für Hessen. Am Montag, 30. Noo., findet im Hause der Bereinigten Gesellschaft zu Darmstadt die Hauptversammlung des Vereins statt. Auf der Tagesordnung stehen: Vortrag des Präsidenten. Bericht de5 Vorsitzenden der Abteilung für hessische Kirchengeschichte. Bericht des 1. VereinssekrelärS. Neuwahl deS VereinS- ausschusies für die Jahre 19091911. Beschlußiasiung über Statutenänderung (An. 7 der VereuiSslatulen:Personen* 'lall /Männer"; Artikel 10: ,1. Oktober* statt ,1. Juli*), üortrag des Dr. phil. Heusler: Die Höchster Porzellan- munufaftur.

* Die Musikalisch-liturgische Reforma- lions feier in ter Stablkirche nahm gestern abend einen jchönen, erhebenden Verlauf. Ein besonderes G.präge er­hielt die Feier durch die Darvietungen des Vorzug.in; geschul­ten Evangelischen Kirchenchors, der unter Leitung des Herrn Prof. Traut mann zunächst den 42. Psalm ,ür gemischten Chor und Sopransolo mit B.gleitung von Orgel und Flügel von Meudets,ohn saug. Das wundervolle sopransolo ,ano eine verständnisvolle und auch rein gesang­lich ausgezeichnete Wiedergabe. Von ganz eigenartig schöner Wirkung toar das Zusammenfpiel von Orgel und Klavier. Herr Prof. Trautmann hat sich mit der Einstudierung dieses schwierigen Werkes die Dankbarkeit aller Musikireunde ge­sichert. Diese Ausführung war in allen ihren Teilen so fein abgestimmt und 10 ganz ter Bedeutung der Feier an- gepaßt, daß sie wohl auf keinen ihren tiefen bleibenden Eindruck wird verfehlt haben. Auch die übrigen Darbie­tungen des Evangelischen Kirchenchors standen auf seltener eünstlerftcher Höhe. Besonders schön uno eindrucksvoll war das Baritonsoio; es war nicht nur äußerlich formvollendet, sondern wurde auch dem tiefen religiösen Inhalte des Textes nach jeder Richtung hin gerecht. DiesesHerr, wir trauen auf Dich" klang so innig, so herzlich, so zuversichtlich, so aus voller, ganzer Tiese des Gemüts heraus. Und wie schmiegte sich auch hier wieder der Ehor der Solostimme an. Die Feier war alles in altem genommen nicht nur eine rechte Erbauung' für das religio,e Gemüt, sondern auch ein seltener, hoher Kunstgenuß.

Operettenvorstellungen im Stadttheater. Als erste Vorstellung wird das Darmstädter Hof theater in Kürze den ^Troubadour*, große Oper von Verbi, zur Aufführung bringen.

Der Evang. Bund veranstaltet am 6. Dezember in Steins Garten seinen ersten Familien ab end. Der Gemischte Chor des Evang. Arbeitervereins wird den Abend durch Gesangsvorträge 2c. verschönern hcsien; außerdem stehen eine Reihe musikaliicher Darbietungen m Aussicht.

Die Bürgergesellschaft beging am letzten Sonn­tag im Vereinslokal ,ßuin Postkeller* ihr Stiftungsfest. Obwohl der Raum für die zahlreich erschienenen Teilnehmer etwas beengt war, nahm das Fest einen äußerst schönen Ver­kauf. Der 9lbend war dem Andenken Mendelssohns gewid­met, der im Februar n. Js. seinen 100. Geburtstag feiern wurde. Dementsprechend waren auch die van dem Damen-, gemischten und Männcrchor vorgetragenen Lieder meist Werk« dieses Llleisters. Der Dirigent des Vereins, Lliisiklehrer Gernhardt, hielt einen Vortrag über Leben und Wirken Mendelssohns, der reichen Beifall fand. Nach Schluß des offiziellen Teiles kam auch die Gemütlichkeit zu ihren» Rechte.

"Die Sanitätskolonne, deren Wirken bei Fest­lichkeiten, Unglücksfällen sich als unentbehrlich gezeigt hat, hält am 28. I. Mts. im Saale des Hotel Einhorn einen Familienabend ab, zu dem verschiedene Slorpocationen Einladungen erhalten haben. Die Sanitätskolonne zählt gegenivärUg 40 altioe Mitglieder.

** AusdieMeistcrkurse für Handwerksmeister, die von der Zentralstelle für die ©enzerbc in Darmstadt im Laufe dieses Winters in Aussicht genommen sind, seien Handwerksmeister unb ältere Gesellen, die sich in einzemen Ziveigen ihrer praksisckien! Arbeitsläligkert vervollkommnen wollen, aufmerftam gemacht. Hierbei fei jedoch bemerkt, daß auch in anderen Gewerbe^locigen durch Veranstaltung von Meisterkursen die Ausbildung gefördert werten kann, sobald ein Bedürfnis hierfür a.s vorliegend nachge- wiescn ist. Tie nachstehenp verzeichneten Kurse werden, sofern anders nicht bemerkt .st, in ter Regel in Darmstadt in den Monaten Januar und Februar abgeholten. In den Kursen für Schuhmacher wird vorzugsweise das Schnitimustcrzeichnen und das Herrin,tcn von Leisten für abnormale Füße gelehrt, in solchen für Schneider, teu Grundmodellzcrch.ien unu Zusch-neiden, in dem für Sa ttler in Groß-Felda die Herstellung ter verschieden­artigen tiummeic, in oen Kursen für Laa irrer und Weißvinoer, foroie für Schreiner und Glaser das Ausfärben bczw. auch das Turcksärben von Fournieren, in anoeren Kur,en für Weißbinder unb Lackierer wieder das Entwerfen rvn Firinenscksildeni ooer das Holz- und Marinvrmaren; ten Buchointern und Pvrtefcuillersl in Oftenoach ist eine Möglich reit zur Ausbildung im Hand- und Zreßvergolten in einem besonderen Unterricpr un ^iqcg.Ub an bie Lehrwcrischtte für Portefeuillers in Ofscnbach geboten, während Die dem üX>lzbearbeüungsgewrroe angehörenteu HandwerlsmeistLr sich in besonders eingerichteten Lehrkursen unter Leitung eures cv-