Ausgabe 
16.4.1908 Erstes Blatt
 
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Nr.SI Erstes Blatt

158. Jahrgang

Donnerstag 16. April 1908

General-Anzeiger für Oberhefsen

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-ü» dl« Lagesnu.nmer RoiationröruS und Verlag der Vrühl'fchen llntv.-Vuch- und Steindnrckerei. R. Lange. Redaktion, LxpedMon und Druckerei: Schulstratze 7.

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Det Gießener Anzeiger erschein, täglich, außer SomuagL. - Verlagen: , pietmol wöchentlich &Ußener$amilitiitlätter; r-, «wermal wöchentl.UteiS' Ok blatt fürden Ureis Siehrn jDlenslag und Freitag); & ,wein,al monnll Land- 1 virtjchaftUche ddtfrngcn Rerntpred) - Anschlüsse: |fli die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 vdreNe iür Depeschen:

Anzeiger Gießen.

Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.

Kotttißehe LeHgess^harr.

Das Kafterpaar auf Korfu.

Da das Wetter sich gestern herrlich gestaltete, wagte man endlich die I l l u m i n a t i o n, die am Ankunftstage des Kaisers unterblieben war. Die ganze Via ttiumphalis war mit Tausen- Den von farbigen Lampions geschmückt. Auf dieser Feststraße promenierten Tausende unter den Klängen der Musik-Kapellen. Paketen stiegen auf und die alte Felsenscstung erstrahlte in ma- gjscher Pracht. Das Kaiserpaar unternahm gestern mit der Prin- zhfin Viktoria Luise und den Prinzen Oslar und August Wilhelm iZl Automobil einen Ausflug nach P e l e k a und nahm hort den Tee ein. Die Landbewohner begrüßten die Kaiserfamilie mit freudigen Zurufen. Prinz Oskar ivirb Korfu Montag,mil Der Hohenzollern verlassen und nach Sizilien reisen. Auf ^sonderen Wunsch der Kaiserin ist die ursprünglich für den 28. April festgesetzte Abreise auf Anfang Mai vertagt worben. Ter Kaiser erhielt aus Anlaß des Brandes der Garnisonskirche zahlreiche Beileidsdepeschen. In der gestrigen Sitzung der griechischen Kammer verlas der Präsident ein Schreiben des Deutschen Gesandten, in welchem dieser den Dank des Kaisers übermittelt für die Sympathiekundgebung der Kammer ani 11. April. In dem Schreiben heißt cs, der Kaiser habe mit großer Befriedigung von den liebenswürdigen und beredten Sorten Kenntnis genommen, die der Präsident unter Zustiiw oiung der Kammer an ihn gerichtet habe; er beauftrage seinen L.sandtcn, für diese verbindliche und angenehme Ausmerksam- !tii bei seiner Ankunft in Korfu seinen Dank auszusprechen.

iritter Verbandstag der Vereins akademisch gebildeler Lebrer Teutlchlands.

Zweiter Tag.

Der Festvortrag von Dr. Friedrich Weber (München, Max- Gymnasium) behandelt das Thema:Anteil des höheren Lehrer st andes am Geistesleben der deutschen Wat io n".

In seinem Vorttage überDie höheren deutschen Auslands schulen" wies der Direktor Dr. Gaster, Antwerpen, zunächst auf die gewaltige Zahl der deutschen Auslandsschulen hin: unter insgesamt 1200 befinden sich aber nur etwa 40 höhere L'hranstalten, von welchen acht die Berechtigung zur Aus­stellung des Einsährig-Freiwilligen-Zengnisses haben.

Darauf wurde folgende vom Gefamtvorstände beantragte Lutsch ließ un g einstimmig angenommen:Der dritte Le» fxmbStag der Vereine akademisch gebildeter Lehrer Deutschlands imntt der Reichsregierung für die weitgehende Förderung des Rutschen Auslandsschulwesens und erhofft für die Zukunft im »eionbcrcn eine tatkräftige Unterstützung der höheren deutschen üitSlandSjchulcn, für welche dieselben Berechtigungen wie für Die, einheimischen Schulen gleicher Art zu erstreben sind. Er hofft, daß sämtliche deutsche Bundesstaaten die an den Aus- cmdsschulen verbrachte Dienstzett bei dem Rückttitte in den ) äinatlichcn Schuldienst auf das Dienstalter und die Pension B amrechnen. Er erwartet ans trationalen, wie aus Standes- B itch'ichten, daß sich das Interesse und die Mitarbett der höheren >mtsche,n Lehrerschaft auf dem Gebiete des deutschen Auslairds- ttulwesens noch stärker als bisher erweise." Nach der Früh­stückspause gab Rektor Pros. Schaarschmidt, Chemnitz, den ein- R leitenden Bericht für eine Erörterung des auch für weitere Kreise iLiferes Volkes wichtigen Themas: Freiere Gestaltung des Un- lerrichts in der Erziehung auf der Oberstufe.

- Die Spielzeit 1907/08 der Siegener Stadttheaters.

Die erste Spielzeit im neuen Sladtthcater ist vorüber u-!>d es ist daher am Platze, einen Rückblick zu werfen auf ^8, was sie geboten hat. EZ sei versucht, aus der Er- I Meinungen Flucht den Pol des Ergebnisses zur Erkenntnis « in bringen, den diese Spielzeit gezeitigt hat.

Rur ein kleines Häuflein Mißvergnügter war es, das Errichtung des neuen prunkvoll stattlichen Theatergebäudes «cht mit Freuden begrüßte, das sich nicht mit dem von der -ladtvertretung gutgeheißenen bühnenkünstlerischen Aufstiege k'"verstanden erkärte, das in dem Prachtbau eine lieber» Satzung erblickte sowohl der Theaterkunst überhaupt, wie der Dfraterkrast unseres Publikums im besonderen. Diese Miß- wrgnügten träumten von einem Saalbau, später von einem ^reinigten Konzert- und Schauspielhaus. Doch ein solcher

Lau wäre wohl zu weit über die pekuniäre Kraft unserer || Burger gegangen. Und wenn wir auch gewiß noch erheblich ; . Mriedener, noch wesentlich stolzer sein könnten, hätten wir, "iben der neuen Aula, einen großen Saalbau (um wie viel 3 mftiger z. B. hätte sich m einem solchen die Gastgewerbl. Mssteüung ausgenommen), so haben doch die unter unseren Giustkenthusiasten, die den realen Verhältnissen das rechte Ver- il-indnis entgegenbringen, sich allmählich mit dem Bestehenden, d'M Erreichten abgefunden, ja einzelne unter ihnen gehören ^ate zu den treuesten und opferfreudigsten unserer Theater- " l^unde. Daß eine Stadt von der Größe unseres Gießen sich iöier so glanzvollen Stätte der Bühnenkunst erfreut, das ver- J*nft sie der ganz ungewöhnlichen Munifizenz nicht allein des 1apitalfräftigeren Teiles ihrer Bürgerschaft, sondern weitester ^rgerkreise. Die hochherzige Beihilfe selbst der gering Be- ^ttelten ist vornehmlich rühmenswert. Dankder Kräfte Rh vereintem Streben" ist jetzt das Gießener Stadttheater M und dran, einen ehrenvollen Ruf sich 311 erwerben weit die rot-weißen Grenzpfähle hinaus, und steht heute schon M) seine Leistungen vielen Städten voran, die an Ein- ^hnerzahl bedeutend größer sind. Mancher durch die Be- '^ntschast mit vielen deutschen Theatern und durch sonstige reche Theatererfahrungen zu strenger Kritik geneigte aus- rv ntige Besucher hctt' sich erfreut darüber geäußert, was bwennQmCbHi^ rceId)c geschmackvolle Ausstattung hier ge-

Direktor Steingoetter hatte bei der Ergänzung und Ver­ehrung seines Personals das Augenmerk vernünftigerweise W auf bie Masse, sondern auf die Beschaffenheit gelegt, Wem er sich nicht zu sehr in der Hoffnung wiegte, der

An den Vortrag schloß sich eine längere Aussprache über das Für und Wider der Bewegungsfreiheit auf der Oberstufe. Zuletzt wurde folgende Entschließung des Dr. Schröder- Hamburg einflimmig angenommen. Der dritte Verbandstag nimmt mit Dank Kenntnis von den Ausführungen des Bericht­erstatters und beschließt, die vorgeschlagenen Thesen zunächst dem Gesamtvorstande zur Vorberatung zu überweisen mit dem Auftrage, dem vierten Verbandstage gegebenenfalls weitere Vor­schläge über diese wichtige Frage vorzulegen.

Den Schlußvortrag hielt Oberlehrer Dr. Ullrich, Berlin, über die Lehrerbibliotheken der höherenSchnlen,ihre Bedeutung für Schule und Wissenschaft und ihre zweckmäßigste künftige Gestaltung.

Der Abend vereinte die Teilnehmer am Verbandstage zu einem Festmahle in den Stäumen desWilhelmsgartens".

Dentsctzes Nerctz.

Nordsee und Ostsee. Wie diePost" hört, sind die Verhandlungen über die Aufrechterhaltung des Status q u 0 in der Nordsee und Ostsee nunmehr abgeschlossen. Der Inhalt beider Abkommen steht fest. Es handelt sich jetzt nur noch darum, an die Fassung des Vertrages die redaktionelle Feile zu legen, sowie die Förmlichkeiten wegen der Zeichnungs- Vollmachten zu erledigen. Es ist darnach anzunehmen, daß der Vertrag bereits in den nächsten Tagen unterzeichnet und dann der Oefsentlichkeit übergeben werden wird.

Auszeichnung. Der Kaiser hat durch Erlaß vom 23. März an 14 im Betriebe der Hamburg-Bremer Afrikalinie beschäftigte bezw. beschäftigt gewesene Personen die Südwest- afrika-Denkmünze in Stahl verliehen.

Todesfall. Der konservative Reichstagsabg. Zindler ist gestern in Posen an den Folgen einer Zuckerkrankheit ge­storben. Zindler vertrat den Wahlkreis Colmar-Czarnikau-Fi- lehne seit 1903 im Reichstage.

Die Regierung von Reuß j. L. hat nach längerem Widerstande die Zulassung der Feuerbestattung im Fürsten­tum genehmigt.

AttsSand.

Monarchenbesuche in Oesterreich. Wie dieZeit" meldet, werden in diesem Sommer die Könige von England, Spa­nien, Dänemark, Schweden uni). Norwegen sowie Präsident Fal- liöves den Kaiser Franz Josef in Ischl besuchen.

Die Erregung unter den Ruthenen im Lande ist noch im Wachsen. In Przymisl mußte die Sicherheitsbehörde für die Durchfahrt des Zuges mit der Leick>e Potickes Vorsickfts- maßregeln tref jen. In Hadyniowze veranstalteten ruthenische Radi­kale für den Attentäter Siezynski, der als Held gefeiert wurde, Geldsammlungen. Vez^.ri Eokal stellten die Bauern aus Freude über die Ermordung des Statthalters die Feldarbeit ein. Wie ein Lemberger Blatt meldet, hat der Neickisrats-Avgeordnete Budzynowsky unmitleloar nach Dem Attentat auf den Statt­halter an den deutschen Reichskanzler Fürsten Bülow eine Depesche mit den Worten gerichtet: Vivat fequens! Den Blättern zu­folge sind die drei verhafteten Schwestern des Studenten Siczynski, der den Grafen Potocki ermordete, und fein Freund Zamora, frei gelassen worden.

Fürst Bülow beim Papste. Gestern vormittag begab sich der Reick-sianzler Fürst Bülow von dem Hotel Slegina, dem interimistischen Sitz der preußischen Gesandtschaft, in Be­gleitung des Gesandten 0. Mühlberg nach dem Vatikan, wo er in e 1 n ft ü n b i g c r Audienz vom Papste empfangen wurde. Der Audienz folgte ein Besuch des Fürsten bei dem ®arbinal» .-r*trrri VTMTTT '-- -'' II III iIMl IIIIWIIffltagMBM XgffllMMmBWIW'

Theaterbau werde an sich schon eine sinanziell beträchtliche Zugkraft ausüben. Diese Hoffnung hat sich allerdings auch erfüllt und zwar in um so höherem Maße, als das Publi­kum sich für die neuen Kräfte zu erwärmen vermochte. Aller­dings erschwerten die an sich günstigen akustischen Verhält­nisse des neuen Hauses namentlich im Anfang die harmonische Abtönung. Regie wie Darsteller mußten erst für das neue Haus gültige besondere akustische Erfahrungen sammeln. Dazu trat nicht wenig störend die unentwickelte ober vec- bildete Sprachtechnlk manches sonst recht brauchbaren neuen Mitgliedes. Der Theaterrahmen war im allgemeinen wohl gelungen, gediegen und das Auge erfreuend, zuweilen so prunkvoll, daß die Gefahr besteht, das von vornherein ver­wöhnte Publikum werde immer anspruchsvoller werden, lieber die Maßen kühn war es, sich gleich m der ersten Spielzeit an Aufgaben heranzuwagen, die 311 den schwierigsten gehören, die sich einem Theaterleiter zu bieten vermögen. Es sei nur erinnert an Shakespeares .Wintermärchen" und .Lear", Ibsens .diordische Heerfahrt", Schillers .Fieseo", Kleists Kätchen". Werke von so ungewöhnlichen szenischen Erforder­nissen konnten unmöglich gleich beim ersten Wurf voll ge­lingen. Zweifellos wäre es weit angemessener gewesen, hätte man fürs erste von solchen Aufgaben sich noch fern gehalten und sich mit leichter in Szene zu setzenden Werken von gleichen literarischem Wert vorerst begnügt. So kam es denn, daß .Die lustigen Weiber", .Wilhelm Tell" und .Maria Stuart", die sich wett leichter in Szene setzen lassen als die genannten Werke, szenisch die weitaus gelungensten klassi­schen Abende dieses Winters boten. Der wesentlich ver- wickeltere Bühnenbetrieb mußte eben notgedrungen manchen Versager aufweisen. Doch die sieben Spieli»,onate waren trotzdem reich an Vorstellungen, die das Prädikat vorzüglich verdienten. Es sei nur erinnert an die .Die Nabensteinerin", den .Dieb", Lindaus .Anderen" und Ibsens .Wildente". Demgernäß blieb die Theatcrlust des Publikums anöauemb groß. Dir. Steingoetter hat, trotz bet erheblichen, höchst wertvollen Neuanschaffungen unb eines verhältnismäßig gerabeju glänzenben Gagenetats, gewiß auch finanziell nicht ungünstig ben ersten Winter im neuen Hause abgeschlossen. Die Zett bec bangen Morgenröte bes neuen Hauses ist vorüber unb die Wolkenlojigkeit seiner zukünftigen Tage beinahe gesichert.

Die Umwandlung des neuen Personals für den verflossenen Winter war durchgreifend. Sie mag Dir. Steingoetter au5 künstlerischen Gründen nötig erschienen sein. Immerhin wurde der Weggang der Damen Bayrhammer, Donecker und

Staatssekretär Merry del Val- Während i>:r etwa dreiviertel Stunden dauernden Unterhalttmg des Reichskanzlers mit beni Kardinal wurden die Fürsttn Bülow, nach ihr der Gesandte von Flotow und Professor v. Zienvers von dem Papste empfangen.

Lord Tweedmouth erklärte gestern in einer in der königlichen Marineschule zu Dartmouth gehaltenen Rede: Seine Trennung vom Flottendienst dura> Versetzung auf einen l^hercn Posten fei ein schwerer Schlag für ihn geivefen. Er wüiifck-e jedoch, ganz ausdrücklich, zu erklären, baß der Grund der Veränderung nid# eine schlechte Verwaltung seinerseits, son­dern ein rein politischer gewesen sei. Asquith sei von der Ueberzeuaung durchdrungen, daß die Chefs der großen Verival- tungen Mitglieder des Unterhauses sein müßten, um dort den Volksvertretern öiechenschaft oblegen zu können.

D ie Lage in dem Bezirk Urmia ruft Besorgnis hervor. In den letzten Tagen wurden über 2 0 M a n n getötet Der Handelsverkehr ist gehemmt. Gestern wurden vier Dörfer überfallen, wobei adjt Mann gelötet und elf .verwundet wurden; gegen 1500 Schafe und viele Habe wurde geraubt. Die Doribewohner flüchteten in die Stadt. Einflußreiche Persönlich­keiten verlangen vom Gouverneur die Ergreifung energiidjer Maß­regeln. Letzterer wandte sich nach Teheran mit der Bitte, ent­weder Truppen zu entienben, oder ihn seines Amtes zu entheben.

Tenkmalsenthüllung in Moskau., Jmt Kr.ml zu Moskau sand gestern an der Stelle, wo Großfürst Sergius Ale- xaudrvwttsch seinen Tod sand, in Gegenwart der Großfürstin Wttive Elisabech Feodvrvwna, des Groß ürsten Waldaimir Alexan- drowttsd), des Groß Herzogs und der Großherzogin von Hessen, sowie ander.r hodMilcllter Persönttchietten die seitliche E n t h ü 1 l u n g d e s D e u 1 m a l e s f ür den Verstorbenen statt.

Antijapanisches aus Korea. Aus Soeul wird ge­meldet, daß im Südwestgebiet R c v 0 l u i i 0 n c t e tätig sind. Zwei Minister reidjten ihre Demission ein. Die antijapanische Be­wegung ist im Wad#en begriffen; das Militär würbe verstärkt

Parlamentarisches aus Rußland. Die Duma pvüstc gestern das Budget b:r Kanzlei des Verl ehr ^Ministeriums, wobei die Budgetkommission 11 000 Rubel zu streichen beantragte, da das Ministerium diese ungesetzlich, nämlich zehn Tage vor der Einberufung der Duma, zur allerhöchsten Betätigung vorgelegt t;abe. Graf Bobrinski (Gemäßigte Nech.e), wies daraus hin, daß es Die Pllicht der Duma sei, die Grundgesetze zu stützen und baburd) dem Monarchen, ber die Besolgung der Gruuvgesetze be­fehle, ihre Evgebenhett zu beweisen: er beantrage daher, den obigen 11000 Rubeln noch einen Rubel hin zu zu fügen,, um da­durch die Budgetrechte ber Duma zu betonen. 2ic äußerste Rechte ließ erklären, sie werde den Saal verlassen müssen, da ein der­artiger Beschluß die selbstherrlichen Rechte des Monarchen verletze. Düs ries auf den Bänken des Zentrums großen Lärm hervor; Zurufeö i:iaus" würden laut Die rußer ste Re chte ver­ließ wahrend der Abstimmung den Sitzungssaal., Die Duma nahm ein)rimmig den Antrag Bobrinsky an und bestätigte ferner den Etat der Verwaltung der Waffeeivcge unb Chausseen, von dem laut Vorlage der Budgetkommisiion 1300 000 Rubel ge­strichen wurden.

Aus Srusr und LanS.

Gießen, 16. April 1908.

"Aus dem Militär-Wochenblatt. Schellen­berg, Lt. im Jnst.-Leibregk. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117, in bas Gren.-Negt. König Friebrich ber Große (3. Ostpreuß.) Nr. 4 versetzt.

Schellenberg mit Recht von ben meisten ernsthaften Theaterfreunben anfangs schwer beklagt. Doch bie Neu­rekrutierung bes Bühnenpersonals war bem Direktor auch biesmal so sehr geglückt, baß matt bie von uns Gegangenen balb keineswegs in bem Maße vermißte, als man es be­fürchtet hatte. Das neue Personal flanb an Wert hinter bem auSgeschiebenen keineswegs zurück; im Gegenteil, bie an Stelle von Kost unb Kober engagierten Herren Weingärtner unb Roben übertrafen ihre Vorgänger um ein sehr Be- beutenbes. Es erwies sich somit, baß sich ein bem schönen Hause angemessener künstlerischer Betrieb mit ben oorhanbenen Kräften erzielen ließ. Unb ba Dir. Steingoetter nicht bem Waldpächter gleicht, ber bie schönsten Elchen aus seinem Be­staube abholzt, ba bie bebeutenbsten ber neu gewonnenen Künstler mit Ausnahme nur bes Frl. Sylva unb ber Frau 23 0 ne, die wir freilich beide ungern scheiden sahen, uns auch für die nächste Spielzeit erhalten bleiben, so darf man, so soweit die Leistungsfähigkeit des Personals in Frage kommt, ber Zukunft mit einiger Beruhigung entgegen sehen, ziimal von ben für nächsten Winter neu Engagierten bas gaslierenbe Frl. Albrecht ben besten Einbruck machte, während wir allerdings von der aus Mainz zu uns kommenden Taine er­heblich weniger uns versprechen können. Doch auch mancher der schwächeren Kräfte der vergangenen Spielzeit, manchem Mauerblümchen gewann das Publikum Reize ab, und war durchweg ziifrieden. Es auch für die nächste Spielzeit zu regem Besuche anzulocken gibt es zwei Mittel: reger Spiel­plan und sorgsame Ausfeilimg der Vorstellungen. Künst­lerisch ist e§, den Kunstfreund durch das zweite Mittel zu befriedigen; aber der Abonnent, der Bürge für das finanzielle Wohl des Theaters, verlangt sein Recht der Abwechselilng. Eme klug ausgleichende Verwenüung beider Mittel ist das einzig mögliche unb im Interesse bes günstigen Bestanbes richtige. An Reichtum und Abwechselung hat es, bas muß man bei objektiver Beurteilung ber hiesigen Verhältnisse rott ber neueren bramatischen Probuktion anerkenne»,, unter bet Direktion Steingoetter nie gefehlt, unb mit Genugtuung sei bie Versorgung beS Spielplancs mit bemerkenswerten Neu­heiten hervorgehoben. Freilich würben wir gern einmal auch etwas von Hugo 0. HofmannSthal, Paul Ernst unb Eulen- berg, von Strinbberg, Shaw und Maeterlinck sehen. Immer­hin, unter Berücksichtigung der vorhandenen Theaterkräfte bot auch der letzte Spielplan die denkbar mannigfaltigste Ab­wechselung. Möge die neue Spielzeit im nächsten Herbste alle berechtigten neuen Wünsche erfüllen! P. W-