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Nr. 222
Zweites Blatt
Montag 21. September 1908
Erscheint täglich mit Ausnahme deS EonntagS.
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Der Mitberichterstatler, Pastor Clemens Schultz aus
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158. Jahrgang
Die „Stehen er ZnmiNenblStter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das „Kretsbptl für den KreU Stehen" zweimal wö^u^uich. Die „Laudwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.
nehmer in den schönen Räumen des „ffteuen Hauses" am Eingang der Eilenriede begrüßt worden waren, wurden die Verhandlungen heule um
)U4 (Ujuptai 1UI| |V4l, Ull L | IV VV Ulli lUUllVUllllCllV «IU.HU|U lem, daß binnen kurzem dieser echle Eckermann mit fernem ie Iweise wesentlich veränderten «Originaltext m einer zugleich. reich illustrierten Ausgabe erstmalig erscheinen wird.
Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen Unwersitälö • Buch» und Siemdruckcrei.
R. Lange, Gießep.
2 8. Jahresversammlung des Deutschen Vereins für Armenpflege und Wohltätigkeit. (Original-Bericht dvS Gießener Anzeigers.)
+ Hannover, 17. Sept. 1908.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- ftrafee 7. ExpediNon und Verlag: 3L
Redaktion: ^^112. Tel.-AdruAnzeigerGicßen.
Nachdem der Zentralausschuß gestern abend in ein* ehender Beratung die letzte Zeile an das Programm der I^gung gelegt hatte, und die zahlreich erschienenen Teil-
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— Das Original Manuskript von Eckcr- ma n n s Gesprächen mit Goethe hat der Literatur- Moriler Dr. youben kürzlich im Brvcthausschen Ar- jjii D z u Leipzig wieder aufgefunden, außerdem ein zuoßes, aus die itiuü bei Brocthaus erschienene erste Aus- jebe bezügliches Briefmaterial, das zum Inhalt und zur beschichte jened klassischen "Buches wichtige Ergänzungen litsert. Den yreunben Goethes, die auch seinen Eckermann schätzen wissen, biivfic es eine willkommene Uvberraschung
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Wiiüta n^tag, den 22.
LLÄUtz entgegen.
nöeit erfolgt nach £
Wilhelm Will kurn- uud lam-iiiin
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— Für eine lebensvollere Gestaltung des naturgeschichtlichen Unterrichts in den Volksschulen har die Berliner städtische Schuldeputation eine dankenswerte Anregung gegeben, indem sie den Schulen die Anschaffung eines Aquariums ans dem Lehrmittelfonds empfiehlt. Es ist ganz zweifellos, daß die Schüler durch die Beobachtungen, bic sie an einem solchen mit Leben erfüllten Anschauungsobjekt machen können, ganz besonders, wenn sie auch bei der Pflege mithelfen dürfen, erheblich stärker interessiert und daß ihre Naturerkenntnis wie ihr Naturgefühl dadurch wesentlich bereichert werden. (Unsere hessischen Gewerbeschulen sind fast durchgängig im Besitze von Aquarien und auch Terrarien, die sich erfreulicherweise immer größerer Beachtung erfreuen, wie n. a. auch die kürzlich in Rüsselsheim veranstaltete Ausstellung des Rhein- Mainischen Verbandes für Volksbildung gezeigt hat. Es wäre wünschenswert, wenn diese Art der Naturkunde auch von den übrigen Schulen rasch aufgegriffen würde. Die Red.)
— Für die Hebung der literarischen Bildung bei den V o l k s f ch ü l e r n hat die König!. Regierung zu Minden einen eigenartigen Weg beschritten. Sie hat bejiimmt, daß in sämtlichen Schulen jede deutsche Stunde mit der Einprägung eines Wochensinnspruchs aus einem beigegebenen Verzeichnis von Sinnsprüchen aus der vaterländischen Literatur zu beginnen har. Gegen die seit langer Zeit zur Gewohnheit gewordene Gepflogenheit, aus dem Zusammenhang gerissene Bibelverse lernen zu lassen, die bann hauptsächlich als „Beweisstellen" für den dogmatisch angelegten Religionsunterricht Verwendung finden, ist schwer anzutämpfen, obwohl einsichtige Pädagogen schon lange die Auffassung vertreten, daß damit den biblischen Schriften, denen solche „rternworte" entnommen werden, Gewalt angetan wird, und daß der damit erzielte Gennnn für die religiöse Bildung äußerst gering einzuschätzen ist. Wenn nun aber für den Literaturunterricht gar etwas Aehn- Uches geschaffen werden soll, so fordert ein solches Beginnen sowohl im Interesse unserer Voltsschuljugend wie im Interesse unserer Literatur entschiedensten Wioerspruch heraus. Ein einer Dichtung entnommener „Sinnspruch" hat nur für den Wert, dein er ungezwungen bei der Lektüre im Gedächtnis haften bleibt, sonst bekommt er ohne weiteres den Eharakter eines Gemeinplatzes. Wenn unferc Bolts- fchüler so nach und nach einen kleinen Buchmann auswendig
ICUinc» Feuilleton.
— Frankfurter Theater. Aus Frankfurt a. M., Iw. ds., wird uns geschrieben: Wir sind nun im vollen ! yeaterbelrieb, und der Wagen läuft wieder int alten (Meife. Es gibt alle 8—10 Tage eine Premiere, mit weiser Erteilung auf die verschiedenen Abonnementstage, damit imcht die TienStags-Abonuenten vor den Mittwochs-, Don- nocrstags- ober Samstags-Abonnenten etwas voraus haben unb dank dieser Einrichtung ist es natürlich nicht möglich, Dafj sich eine größere literarisch interessierte Gemeinde bildet. Kan wartet eben, bis man „das neue Stück im Abonnement hat". „Premierenpublilum" und „Premierenehrgeiz" sind unbefannte Begriffe in Frankfurt. Bei der gestrigen Pre- untere, dem Bernsteinschen Schauspiel „Simsost", war es >. B. nicht gerade voll, da es zufällig ein sog. schlechter Äjonucinentdtag war, d. h. ein Tag, an dem es nicht „schick" ift, abonniert zu fein. Daher besagt auch bie Premierauf- n«hme eines Stückes in Frankfurt nicht dasselbe wie etwa im Berlin, wo der Areopag immer derselbe ist. „Sirnson" nur zu zwei Drittel ein Darstellungserfolg und nur zu ein Drittel ein Erfolg des Stückes. Das war noch viel -i m viel. Man sollte diese Bernsteinschen Stücke in Deutschicmd ganz ablehnen. Es find gefühllos errechnete Kunststücke, und daß immer Geldaffären tu den Konflikten eine tolle spielen, macht die Stücke noch unerquicklicher. .Dieser Airsenkönig, der beit Verführer seiner Frau nicht totschießt, Mdern durch Börsenspiel finanziell erdrosselt, ohne Rück- n ht, ob er selbst mit zugrunde geht, ist wahrhaftig kein 5cmson! Gespielt wurde, namenlliu) von Frl. Wulfs und den girren Bauer und Lcngbach, sehr gut.
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könnte. Da muß neben anderem eine freiere Jugendarbeit eintreten. Man darf die Jugend in dieser schwierigen Zeit nicht in einen Gegensatz zu ihrer ganzen Umgebung treiben, dem sie enttveber innerlich nicht gewachsen |inb, ober der, weil er unnatürlich ist. die Gefahr des Hochmuts oder der Heuchelei zeitigt. Auch manche unmodernen Züge, altertümlichen 'Namen und AusdruckSweisen der fird)lic'en XJU> beiten bilden ein Hindernis der Arbeit an den Großnadt- jungen. Diese Arbeit wollen die Lehrlingsvereine des Sicb- ners leisten. Tie darin älter gewordenen werden in den Gehilfenvereinen durch Vorträge und Diskussionen in die ernsteren religiösen und sozialen Fragen ciiigeführt. Daraus erwachsen dann Männer, die gerne und Nichtig Mitarbeiten bei den Aufgaben des öffentlichen Lebens, auch bei der Armenpflege. Tie Jugendarbeit ist darum große SSoltv- sache, die von den öffentlichen Körperschaften, zwar niait selbst direkt zu betreiben, wer auf jebc Weise, namentlid) mit Geld, zu unterstützen ist. Unsere deutsche Jugend hat heute viel Liebe nötig und sie ist sehr empsänglick) dafür.
Die sich anschließende Diskussion, an der sich zunächst die Herren Geheimerat v. M a s s o w, Dr. Jaques- Hamburg, Dr. Westhmaiin, Präses des Verbandes der kath. Charitasvereine, Pastor Lüßenhop au5 Hannover beteiligten, geht zunächst auf den Unterschied der neueren und älteren Formen der Jugendfürsorge ein. Auch die älteren evangelischen und katholischen Vereine arbeiteten im Grunde in ähnlichem Sinn und Geist von El. Schultz. Andererseits wird das Bedürfnis einer darüber hinaus- gehenden religiösen Beeinflussung vertreten. P. Stubbe- Kiel und P. Holtz (Vertreter der Guttemplerloge) toeisen auf die Notwendigkeit hin, bie Jugend vom Alkohol frei zu machen, Gräfin von der Gröben-Hannover auf die Rot der weiblichen Jugend. Stadtshndikus Luppe rät, nach Frankfurter Erfahrungen auf die Anknüpfung der Fürsorge an die Fortbildungsschule nicht allgemein zu große Hoffnungen zu setzen. Frau Fr ie d e n re ich-Hannover bittet, der männlichen Jugend vor allem den Respekt vorder Ehre der Frauen einzuprägen. P. Scheffen, Sekretär des Zentralausschusses für innere Mission in Berlin, mahnt, jede Arbeit, die bereits für die Jugend geschieht, trüjtig au unterstützen, auch von feiten der Frauen und der Frauen- Vereine. Justizrat Dr. Ruland-Eolmar will das pral- tische Resultat der Verhandlungen feststelleu, vor allem für die Frage, was für die von den kirchlichen Vereinen nicht erreichten Massen getan werden könne. Jedenfalls widerspreche er der Psychologie jede schulmäßige Methode, daher auch die Anknüpfung au die Fortbildungsschule. Vielmehr freie persönliche Einflechtung durch Mitglieder aller Stände und besonders Pflege der Leibesübungen. Landesrat Ger • Hardt hofft demgegenüber doch viel von der Fortbildungsschule und wünscht darum deren baldige Eiiisührung ui Vreußen. Senator Gr o te-Hannover hält neben den bisherigen kirchlichen Vereinen nur Vereine ohne religiösen Eharakter, aber nicht solche Mischformen, als welche er die von El. Schultz erklärt, für möglich, wogegen dieser energisch Einspruch erhebt. Rach kurzen! Schlußwort der Reserenleil wird von einer Abstimmung über deren Leitsätze abgcfcljcn.
Heber das folgende Thema: „Behänd!ung et* werbsbeschrän ktcr und erwerbsunfähiger Wanderarmen" referierte zuerst Magistratssyudikiis Dr. Luppe aus Frankfurt a. M. Er führt aus, eine wie große Rot die Arbeitslosigkeit überhaupt sei. Bei den Kranleu- lassen Deutschlands seien in diesem Winter 220000 Arbeiter als arbeitslos abgemeldet worden. Was wird aus ihnen? Menn feine Arbeit da ist, helfen keine Arbeitsnachweisstellen, die ytotftanbdarbeiten der Städte Helsen meist nur Den Ortsansässigen, die Armenpflege immer nur für den Augenblick, die Arbeitslosenversicherung erfaßt nicht die im Erwerb durch irgend einen Defekt beschränkten. So bleibt immer nur wieder Mandern und Bettel mit all seinen Gefahren und Schäden. Ein großer Teil dieser Wanderer wird, wenn sie es noch nicht waren, eben durch das Wan-
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheflen
politische Tagesschau.
Der Kaiser uud daS Haus Lippe.
Seitdem der gräflichen Linie Lippe die Thronfolge im Fürstentum Detmold zugesprochen worden war, dachte man wohl allgemein, daß nun auch alle Spannung zwischen ' dem Hause Hohenzollern und den Biesterfeldern beseitigt f ti. Dem scheint jedoch nicht so zu fein. In Lippe-Detmoid erregt jetzt ein neuer, das Verhältnis des Kaisers zum . Fürsten Hause beleuchtender Fall großes Aufsehen. Hierzu treibt die Lippesche Landeszeitung: Prinz Bernhard, der Stuber des regierenden Fürsten, der vor wenigen Monaten Mm Eskadronches des Husaren-Regiments Landgraf Frie- drich n. von Hefsen-Homburg (2. kurhessisches) Nr. 14 in Dassel ernannt wurde, hat fein Abschiedsgesuch eingereicht, rote man sagt, aus dienstlichen und persönlichen Gründen. Diese Gründe knüpfen sich in erster Linie an die jüngsten i lavallerie-Hebungen in der Senne, an denen sich auch 'Hrinz Bernhard mit seiner Schwadron beteiligte. Während dieser Hebungen fühlte sich der Prinz in einer solchen Weise । v.arückgesetzt und gekränkt, daß er sofort fein Abschiedsgesuch i rnnreichte. Selbst das dringende Ersuchen treuester Freunde t*t5 Prinzen hat ihn in feinem Entschluß nicht zu erschüttern i»ermocht. Bisher ist eine Entscheidung des Kaisers noch nicht erfolgt. Prinz Bernhard weilt seitdem auf, seinem Schloß in Oberkassel.
Sehnsucht nach einem neuen Dreibunde.
In einer Versammlung der in den freien Gewerkschaften mnd in der sozialdemokratischen Partei organisierten Arbeiterklassen Berlins überreichte gestern eine aus 21 eng- Ä lßschen Arbeiterführern bestehende Deputation den Berliner (*‘enoffen eine Friedensadrefse. Sie trägt die Heberschrift: ,-Die Arbeiter Britanniens an die Arbeiter Deutschlands", und bezeichnet als unheilvolle Hrsache die Kriege und die kapitalistische Presse und weist darauf hin, wieviel Jahre Frankreich und England ihre Mittel durch Wetteifer im .-ttlitarismus und Rüstungen vergeudeten, bis durch den z vischen ben beiden Ländern geschlossenen Schiedsvertrag t'ir Friede gesichert worden sei. Was kann, so heißt es im der Adresse, die Arbeiter Deutschlands und Großbritan- miens hindern, zu tun, was Frankreich und Großbritannien g.ttan haben? Für den Abg. Singer, der noch in Nürnberg z arückgehalten war, beantwortete Abg. Fischer die Adresse. S Ser Gedanke des Völkerfriedens, wie er auch von den sran- - osischen Arbeitern in gleichem Maße geteilt wurde, so führte er aus, sei bie beste Garantie für bic Aufrechterhaltung des Friedens, deshalb müßten sich die deutschen, ciiglischen und französischen Arbeiter vereinen, um zu ermöglichen, daß anstelle des alten Dreibundes ein neuer Dreibund, nämlich Deutschland, Frankreich und England träte. Redner verlas bann eine Resolution, die auch Ä a ns dem Nürnberger Parteitag angenommen wurde, und H b ie jeden Krieg wegen der ungeheuren materiellen wie kulturellen Schädigungen für die Gesamtheit des Volkes X v trurteilt. Tie Entschließung wurde von der Versammlung a »genommen.
eröffnet. Nach den üblichen Begrüßungen durch die Behörden wurde in die Behandlung des ersten Themas: „Finanz ft ati st ikderArmenverwaltungen" ein- getreten.
Ter Berichterstatter, Dr. SolbeSgleit, Direktor des statistifchen Amtes der Stadt Berlin, legte die großen sdpDie- rigfeiten äußerlicher und innerer Art dar, die einer solchen Statistik entgeaenstehen, und daher ihre Ferligstellung bisher verhindert haben. Tie Voraussetzung dafür fei ein sehr sorgfältiger Haushaltungsplan der Armenverwaltungen. Aber auch die beste Statistik fei mit großer Vorsicht zu benutzen. Jedoch fehle ohne eine solche Statistik die sichere Grundlage zur Beuneilung der Leistungen der Armenpflege und der dabei zutage tretenden Gesichtspunkte.
Heber das zweite Thema: „Für f orge für die schulentlassene Ingend", waren die Berichte der Berichterstatter nach gutem Brauch deS Nweins bereits vorher im Druck zugegangen, so daß Die Berichterstatter nur kurz zu rekapitulieren hatten. Der erste Berichterstatter, Dr. Glum aus Dortmund, wies Darauf hin, einen wie geringen Teil unserer schulentlassenen männlichen Jugend die im übrigen so seaensreich wirkenden kirchlichen Jugend- oereinigungen umfassen, wie auch die neueren Versuche, im Sinne Der Jugendklubs von Pastor Clemens Schultz und des Clasenschen Volksheims in Hamburg, wohl keine Aus- ficht haben, bie noch verbleibenbe Lücke völlig auszusüllen. Wirklich aussichtsvoll fei es, bei der Organisation ber Ju- genb an bie Fortbildungsschule anzuknüpfen. Die Gemeinden selbst müßten das im eigenen Interesse in bie Hand nehmen (Vereine der entlassenen Fortbildungsschüler). Schon in der Schule seien die Schüler zu zweckentsprechender Verwendung ihrer schulfreien Zeit (Turnen, Spiel, Handfertigkeit) anzuleiten. Die Innungen müßten bie Fürsorge für ihre Lehrlinge zu ihren Hauptaufgaben rechnen, bie großen gewerblichen Hntemehmungen sollten sich in größerem Mage als bisher bieser Aufgabe zuwenben. Die Krieger- vereine würben sich ein Verbienst erwerben, wenn sie ihre jüngere Mannschaft zu Sport unb Spiel an leiten. Für bie Lehrlinge, bic nicht im Eltern Hause ober beim Meister wohnen, sind in größeren Stäbten Lehrlingsheime empfehlenswert, doch wäre zu hoffen, daß unsere Jugend durch Die übrigen Bestrebungen zu größerer und charaktervoller Selbständigkeit angeleitet werden könnte, Die solche Heime überflüssig machte.
:arußt worden waren, wurden die 9 Uhr in dem herrlichen Festfale des ehrwürdigen alten Rathauses durch den Vorsitzenden des Vereins, Herrn Stadtrat Ludwig-Mols aus Leipzig
lernen, werden sie ihre literarische Bildung wahrlich nicht vertiefen.
— Eine „Hochschule für Schönhei t". Am 1- Oktober wird im Berliner Eispalast wohl eine der seltsamsten „Hochschulen" errichtet, die die Welt aufzuweisen hat. Die Gründung geht von der ^bekannten Vereinigung „Die Schönheit" aus, die auch die Aufführungen ber nackten Tänzerin Olga Des mono, bie nächstens auch in Frankfurt auftritt, vor einem großen Publikum veranstaltet. Diese Vereinigung, die hauptsächlich die Pflege der Nacktheit und Körperkultur unter ihren weiblichen und männlichen Whig Hebern zum Prinzip erhoben hat, will in bieser Hochschule einen „Mittelpunkt für bie Pflege aller auf die Förderung menschlicher Körperschön- heit gerichteten Bestrebungen" bilden. Run kann es ja unseren jungen Damen und Herren an nichts mehr fehlen. Es sollen nämlich hier auch Vorlesungen darüber avgehalien werden, wie man sich schön und geeignet kleidet. Auch Der Tanz soll hier kultiviert werden. Aber vor allen Dingen sind natürlich die Bestrebungen zu erwähnen, bic sich auf bie Nacktkultur beziehen. Nach den Grundsätzen der Vereinigung ist es als sicher anzunehmen, daß bie Pflege ber Nacktheit von beiden Geschlechtern gemeinschaftlich betrieben werden soll. „Se x u a 1 r c f o r m", „sittliche Reinheit des Nackten", „bas edel Kuiistlerische des Vtadten", das sind die Sck)lagworte, die gleichsam das Grunc- thema aller dieser Bestrebungen bilden. Die Rückkehr zur Natur, d. h. zur Bekleidung, die der Mensck' von .iamr aus hat oder vielmehr nicht hat, bildet die .Haup.sorderuiig. Die Vereinigung beabsichtigt jetzt sogar, ein eigenes (wund- |tüct zu erwerben, auf Dem sie dann ungehindert ihre siele befolgen können.
— Rückkehr einer französischen Afrika- Expedition. Nach zweiundzwanzig Monate lanu?r Abwesenheit i,t die erste Hälfte Der französischen u.nia-Ex- pedition des Hauptmanns Tilho, die in Gemeinschaft mit einer englischen Kommission zu Grenzregulieruiigszwecken unternommen war, kürzlich in Bordeaux wieder eingetrossem -ter zweite -teil unter Leutnant Aildonin trifft im . lODember ein. Hauptmann Tilho i)at bas Tschadseeg^diet neu kartographiert, so daß jetzt Die Mündung des Komadoju und mehrere Grenzpuntte geographisch feiigelegt sind.
r- Das. größte Telestop der. Welt wird jetzt
Hamburg, begründete die 'Jtottoenbigfeit, in der Fürsorge ür die schulentlassene Jugend neue Bahnen ;<u suchen. Das ei unerläßlich trotz der unvergänglichen Verdienste ber kirch- ichen Jünglingsvereine, bie niemanb vertcnnen bürfe. Mit ihnen fühle er sich verbunden durch die tiefe Heberzeugung von der Unentbehrlichkeit religiöser Beeinflussung, ohne die man an das Gemüt eines Jungen überhaupt nicht herankommen könne. Aber „religiös" sei nicht gleichbedeutend mit „kirchlich". Mit „kirchlichen" Vereinen erreiche man bie Massen nicht, grabe die nicht, bie es am meisten bedürfen- das seien nicht die brauen christlichen Jungen, an denen das Elternhaus feine volle Schuldigkeit tue, sondern die Jugend, die Masse. Diese Großstadtjugend von vierzehn Jahren sei nicht so schlimm, wie sie oft geschildert werde, vielleicht etwas trotzig, freiheitslustig unb renommisttsch, aber verlangend nach Freundschaft. Wer ihnen wirklich Freund werden kann, der kann sie gewinnen. Dazu müssen aber Pastor unb Lehrer ihnen ganz Mensch werden, jede Amtswürde zurücklassen. Pastor und Kirche sind heute, vor allem in ber Großstadt, zu unpopulär, stehen zu sehr als Parteisache da, als daß sic grabe in der gefährlichsten Zeit auf die Jugend den unentbehrlichen religiösen Einfluß üben
vier- und Biotin-U« üe auch (Seiangvcrtaa chriiil. Angebote nur: den hiiehener Anzr^
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