'Neumann, aus Mainz gebürtig, 73 Jahre alt zu New-ihork. — John Ge o rg Ritter, geb. 1827 in Unter-Schönmattenwag, Kr. Lindenfels, gest. zu Ehillicothe. — Frau Magdalena Rößler, geb. 28. Juli 1840 zu Niedermöllrich, Kr. Melsungen, gest. zu Tayton. — Adam Wecht, geb. 1835 zu Himbach, gest. zu Logan-port. — Frau Marie Marx Haus en, geb. zu Volkmarsen, gest. zu Detroit. — John Scheid, geb. zu Oberneisen, gest. am 28. Mai in Ida, Mich. — Frau Margaretha Schluchter, geb. Hermann, geb. am 18. Ang. 1827 in Nieder- ofleidcn, gest. zu Heusall, Lnt.
Täublingen, 19. Juli. Kleinkinderschule. Unsere Gfc* meinde beging heute unter allgemnncr freudiger Teilnahme die Einweihung der neu errichteten Mcinkint>:rickule. — Sie ist in den verlassenen Räumen der alten Schule untergebracht, die nach stattgejundcner innerer und äußerer Renovierung sich für diesen Zweck sehr vorteilhaft erwiesen hat. Um 3 Uhr fand sich eine stattliche Festversammlung aus dem vor dem Schulhaufe gelegenen treieil Spielplätze ein, darunter auch viele Schwestern aus Gießen und den Lrten des Ztteifes. Nach dem Gemcindegefang hielt Pfarrer Gußmann die Wethirede, in der auch öffentlicher Tank ausgesprochen wurde der Gesindevertretung, die die Räumlichkeiten zur Verfügung stellte, dem Spar- und Vorschußverrin Taubringen, der von Anfang an jährliche namhafte Unterstützungen spendete, der Lezirkssparkasse Gteßen, die durch eine gwße Gabe die Einrichtung de- Dauses ermöglichte, und der Gencraldirckrion der Buderusschen Eisenwerke W.'tzlar, die sich scbr entgegenkommend mit Rücksicht aus die in Lollar beschäftigten Arbeiter, des Werkes angenommen hat. — Tcc Gesangverein Eintracht trug durch Dortrag eines passenden Liedes zur Verschönerung des Festes bei. Nach dem Ehorgesange hielt Dekan Strack eine längere, packende Ansprache. Er gab seiner Freude Ausdruck über das gelungene Werk und übermittelte die Dünsche der Kirchenbehörde. Sodann begrüßte Bürgermeister Walter im Namen der Gemeinde die Schwester mit her'lichen Worten und dankte noch einmal allen, die zur Verwirklichung des Werkes mitgcholsen haben. — Eine zwanglose Nack seien bei Wirt Weimer, wo der Gesangverein noch einige f^öne Lieder vortrug und manch gutes Wort'geredet wurde, hielt die Vorstände der Gemeinde und andere freiwillig erschienenen Gemeindeglieder noch einige Stunden zusammen. In allen Reden kam die Freude zum Ausdruck, daß das Werk nach 8 Jahren der Arbeit mit freudiger, verständnisvoller Unterstützung der ganzen Gemeinde vollendet, sicher auch der Gemeinde ium Segen gereichen wird.
— Steinbach, 20. Juli. Bei dein Nadfahrfeste in Wiescck errang der im Jahre 1903 gegründete Radfahroerein die zwei II. Preise. Der Verein beabsichtigt auch an der großen Dauerfahrt in Schotten teilzunehmen.
A Ruppertsburg, 19. Juli. (Fahnenweihe.) Nach Regentagen ein kühler, aber trockener Sonunertag. Festlich hatte unser Ort sich aufgeplitzt zur Fahnenweihe des Gesangvereins Sängerbund, zu der von aiisivärts 21 G» sangvereine als Gäste erschienen waren. Die neue Fahne, in Hildesheim hergestellt, hat bereits ihre Geschichte. Sie zeigt das hessische Landesivappen, das ober nur die hessischen Kriegerverelne zu führen berechtigt sind. Letzteres erfuhr inan erst, als die Fahne bereits fertig gestellt war. Der Gesangverein wandte sich vergeblich an das Kreisamt, sowie nn das Großh. Ministerium. Erst einem Gesuch an unseren Landesfürsten erfolgte die Genehmigung unter der Bedingung, daß der Verein so lange die Fahne tragen dürfe, als er nicht sozialdemokratischen Tendenzen huldige; dies dürste bei unserer reichstreuen Bevölkerung nicht zu befürchten fein. Nach 2 Uhr bewegte sich ein stattlicher Festzug, voraus 4 fein kostümierte Reiter und 4 Radfahrer, durch das Dorf zum Festplatze. Bürgermeister Lehr brachte cm Hoch auf das Hessenland aus. Vereinsprüsident Böcher toastete auf Kaiser und Grobherzog. Pfarrer Fritsch sprach über den Wert de§ Volksgesanges und endete mit einem Hoch auf den Gesangverein Sängerbund. Frl. Auguste Högg entrollte die neue Fahne, auf deren einen Seite die Stickerei zeigt: .Sind wir von der Arbeit müde, bleibt noch immer Zeit zum Liede." 9hm sang unter Musikbegleitung der Verein Sängerbund ein Preislied, worauf in bestimmter Reihenfolge jeder Gesang- verein einen Gesangsvorlrag hielt.
R. Ober-Mockstadt, 19. Juli. Verband oberhessischer Pviaunciichör-'. Unter überaus zahlreicher Beteiligung aus Nah und Fein fand heute hier das dritte Jahrcsfest des „Verbandes vberheffi scher P o sa un e n chö r e" statt. 13 Ehöre mit 145 Bläsern hatten fiel: eingcstmden und mächtig hallten die herrlichen Weisen alter Kirchenmusik über das lieblich geschinücktL Törslein von dem der würdigen Z-eier würdig angepaßten Fest- platze aus hinaus, angehört von einer andächtigen wohl 2000- köpftgen Menschenmenge. Tie vereinigten Ehöre standen unter der tüchtigen Leitung des siir die Posaunenchorsache so außer- vrdentlich rührigen Ortspfarrers Kalbhenn von Ober-Mockstadt. In der ersten Feier um 1' Uhr sprach nach einer kurzen Begrüßungsansprache des Vorsitzenden, Pfarrer Weber von Lang- göns, der Missionar Hoffmann von Neu-Guinea, ntdem er schöne und traurige Bilder aus der Mission im fernen vcrdenlande vor den gekannten Zuhörern entrollte, beredtes Zeugnis ablegend von den großen Erfolgen der deutschen Veidenmission. In der zweiten Feier um 3>_. Uhr fesselte Pfarrer Tr. Busch von Sachsenhausen dte Zuljvrer, mit markigen Warten unter Anführung trefflicher Beispiele aus dem täglidjrn Leben, eine vorzügliche Auslegung des feiner Ansprache zu Grunde gelegten Textes 3 er cm. 32, 40 gebend. Las Schlußwort hatte Herr Superintendent D Petersen aus aarrnstadt, nachdem der Lrtsgeistliche den Tank der Gemeinde ausgesprochen und einen kurzen Ueberblick über die Ge- stichle der Pofannenchöre gegeben hatte, da bet l-ervorhebetid, daß — nachdem vor etwa 50 Jaljrcn in Klein-Linden der erste ober- desslsche Posaunenckwr entstanden fei — erst in den letzten Jahren eine weitere Verbreitung dieser für das kirchliche Leben in den Gememden w bedeutungsvollen Sach? stattgefunden habe. Beide Versammlungen verschönte der gut geschulte Kirck-en-Aesangverein von Ober Mockstadt, ebenfalls unter Leitung des Herrn Pfarrer Kalblicnn stehend, bürd' trefflich zu Gcljör gebrachte Gesangs- Vorträge. Tie für die Heidenmission erhobene Kollekte ergab den getvttz crtrculidjcn Betrag von 220 Mk. hoffentlich wird dief"s dritte Posaunenchorfest zu weiteren guten Erfolgen ermuntern.
sd. D ar mit ab t, 20. Juli. Generalmajor Keim hat auf wiederholtes Bitten der Kommission für die Bismarck- feier dem Reichs- und LandtagSabgeordneten Osann mitgeteilt, daß er nun doch bereit sei, die Rede zu dieser Feier am 30. d. zu halten.
Offenbach, 18. Juli. (Genehmigung zur Annahme einer Erbschaft.) Vor mehreren Wochen ging die Notiz durch die Zeitungen, daß der Freien Neli- gionSgemeinde zu Breslau der Antritt einer Erbschaft von 10000 Mark verwehrt wurde, da die Minister die Ge- nehmigung beim König von Preußen nicht befürworten konnten. Ntinmehr ist nach der ,Cffcnb. Ztg." der Ge- memde, die sich im Vereinsregister zu Offenbach a.M. hatte eintragen lasten, die Genehmigung zur Annahme seitens des DroßherzogS von Hessen erteilt worden.
X Wißmar, 19. Juli, pöauarbeiten.) Wie int Dorigeu Jahre so tuirb auch wieder hier viel gebaut. Sehr begehrt ist das Baugelände an der Straße nadi Laun^ballj Md nach dem Bahnhofe. Die Bahnhofsstraße ist nunmehr
fast vollftäirdig ausgebaut. _ Neben dem stattlichen Cefo- nomiehof steht - auch gar-manches - gefällige Arbeiterhäuschen. Tie seit dem Jahre 1904 hierselbst eröffnete Güter- verladestelle bringt auch dem Baulustigen große Vorteile. Während früher alle Baumaterialien per Allste angefahren werden mußten, bringt diese jetzt die Eisenbahn. Tas große Werk der Wasserversorgung ist soweit vollendet. Durch alle Straßen bis hinunter nach dem Bahnhof find die Rohre gelegt und werden jetzt noch die Hausanschlüsse Dorgcnomfaen. Schon bei den durch Unternehmer Schott- Gieken ausgeführten Erdarbeiten zeigte sich die große Lasserfülle, welche die erbohrten Quel.en zu liefern imstande sind. Letztere liegen im „Aschbachtal" und im „Stockborn" und sind von ganz vorzüglicher Güte. Unsere sorgenden Hausmütter warten sehnlichst auf den Augenblick, wo auch ihnen der Krahn klares Luellwasser nach Bedürfnis liefern wird.
= Dutenhofen, 19. Juli (Schulhausfrage) Trotz wiederholter Verhandlungen konnte die P atzsrage für den geplanten Schulhausneubau bisher nicht gelöst wer den. Bei der regen Baulust und den hohen Bodenpreisen, die hier herrschen, ist es eben schwer, ein größeres Objekt käuflich zu erwerben. Tie neue Schule ist für vier Klassen mit entsprechenden Lehrerwohnungen vorgesehen. Man bc» alstichtigt, das Gebäude in den Gärten, gegenüber der Kirche in der Richtung nach Gießen zu stellen: ein Platz, der für die Hinter von allen Seiten bequem zu erreichen ist. Falls die Besitzer nicht freiwillig das vorgesehene Gelände abtreten, so wird, wie im Jahre 1904 bei unserer Bahnhofserweiterung, das Enteignungsrerfahren eingclcitct werden Ter Schulbau ist schon längst ein Bedürfnis und kann auch hier nicht mehr länger aufgeschoben werden.
•n. Bottenhorn, 20. Juli. (Bezirksseuer- wehrfe st.) In unserm sonst so stillen Dorfe herrschte am gestrigen Sonntage reges Leben. Begünstigt von der Witterung, wurde unter großer Beteiligung das Bezirks- feuerwehrseft für den Kreis Biedenkopf gefeiert. In der Bezirksvorstandssitzung begrüßte Lezirksvorsteher Gg. Hermann III. den neu ernannten Kreisbrandmeister Achenbach-Biedenkopf, sowie die Abgeordneten. Tie für den ersten Bezirk Biebentopf ausgearbeiteten Satzungen sowie der Antrag: „Gleichmäßige Ausrüstung der Kommandanten", wie diese vom Verband gewünscht luirb, wurden angenommen. Sodann zeigte die hiesige freiwillige Feuerwehr einige Schulübungen, darunter als Glanzpnnlt emen wohlausgeführten Brandangriff. Gegen 2\2 Uhr bewegte sich ein großer Festzug, geleitet von Ehrenjungfrauen, durch die Ortsstraßen nach dem Festplatz. Kommandant Hermann hieß alle Gäste willkommen und schilderte in kurzen Worten die bisherige Tätigkeit der im Jahre ItiOu gegründeten hiesigen Wehr. Mit dem Kaiserhoch schloß die Ansprache. Kreisbrandmeister Achenbach sprach hierauf im Auftrage des leider verhinderten Landrates Tr. Taniels über das Feuer löschwesen im Kreise Biedenkopf. Gerade unserm Landrat haben wir cs zu verdanken, daß in kurzer Zeit bis jetzt fünf junge Wehren begründet und zwei weitere in Wallau und Niederwerdbach im Entstehen begriffen sind. Dem eifrigen Förderer des Feuerlöschwesens im hiesigen Kreise wurde ein donnerndes Hoch aus der Versammlung bar gebracht.
b. Biedenkopf, 19. Juli. (Heimatmuseum — Bezirksschau.) Eine rührige Tätigkeit entfaltet die vom hiesigen Geschichtsverein erwählte Kommissio.i zur Begründung eines Heimatmuseums. Tie Königliche Tvmänenver- waltung hat in entgegenkommender Weise auf dem hiesigen Schlosse einen Raum zur Verfügung gestellt. Tie ui Umlauf gesetzte Liste zur Zeichnung einer einmaligen Spende für den MuseumSfondS war vom besten Erfolge gekrönt. Da der Geschichtsverein auf die tätige Mitwirkung weiter Ä'reifc selbst aller Kreisgemeinden rechnen darf, so hofft er auf diesem Wege ein Werk zustande zu bringen, das dem Kreise zur Ehre und der Kreisstadt zur Zierde gereichen wird. — Recht zahlreich sind die Anmeldungen eingelaufen zu der am Montag, 27. Juli, aus dem hiesigen Seewasen ftattfinbenben Bezirks sch au für ben 2. Zuchtbezirk bes Vogelsberger Rindes. Es kommen bei dieser Tierschau zur Verteilung 1140 Mk. für Rindvieh nebst 450 Mk. für Aufzuchtprämien, 115 Mk. für Schweine und 80 Ml. für Ziegen. Wie immer, so wird auch diesmal die Bezirksschau durch ein Volksfest am voraus gehenden Sonntag eingeleitet. Zu der damit verbundenen Verlosung sind die Lose bereits vergriffen.
Ij Marburg, 20. Juli. (Selbstmord e.) In den letzten Tagen haben sich hier, in Wehrda und in Schönstabt je ein Einwohner erhängt unb in Dreihausen schnitt sich gestern ein älterer Mann bie Kehle durch.
Universitäts-Nachrichten.
Professor Pfleidcrer j.
Wir erhielten, seltsam verspätet, gestern kurz nach Schluß der Redaktion folgendes Telegramm:
W. B. Berli n, 20. Juli. Ter Theologieprofessor Otto Pfleidcrer ist am SamStag abend in Großlichtcr. felde gestorben.
Professor Tr. Pfleiderer, der berühmte Theologe, ist, heutiger Meldung ziäolge, 69 Jahre alt, einem Herzschlag erlegen. Noch bis zum Mittwoch hatte er seinen Lehrberuf ausgeübt; an diesem Tage suhlte er sich unpäßlich und legte sich zu Ben. Sein Befinden ucr- schlimmerte sich von Tag zu Tag, bis ein Herzschlag seinem reichen Leben cm Ende gemacht.
Professor Pfleiderer war au5 dem Predigerberus hervorgc- gaiigcn, mit dem er in seiner wärttembergischen Heimat zu Tübingen im Jahre 1865 sein Wirken begann. Zugleich halte er sich an der dortigen Universität habilitiert. Er ivirtle dann als Prediger in Heilbronn und darauf in Jena. 1870 wurde er ordeml. Professor an der theologischen Fakultät der Universität Jena. '2115 durch -Zweitens Tod der Lehrstuhl für systematische Theologie an der Berliner Unweisität srclgewordeu war, wurde Pfleiderer als dessen Nachfolger dorthin berufen. Der nun Entfchlasene gehörte zu den- icingen deutschen Gelehrten, die über den Kreis ihrer Umversitäls. Hörer hinaus zu lehren und zu wirken suchen. So bat er in öffentlichen Vortragen Fragen der Religion, des Unter-rrchls u-.id der Ethik behandelt. In jungen Jahren hatte Pfleidcrer ui England und Schottland Reisen gemacht und sich die englische Sprache so vollkommen ungeeignet, daß er in ihr religiös-philosophische Werke schrieb.^ Im Frühjahr 1903 war er einer Einladung der Harvard- Univerirtät gefolgt, um bort theologische Vorlesungen zu halten ZC'" bekanntestes Werk ist „Tie E>,tstehuug des EhnstenlumS"' Aur Mutwoch mittag findet die Beisetzung aus dem Fricdiichs- kirchhos m Groß-Lichterselde-Ost statt.
— Seitens des preuß. Land.-virtschaftSniinifterS ist für die Sa n b w i r t s cha f t l i ch e Hochschule in Berlin bie Einrichtung eines bo tan isch-m i kros koPi f chen Parallel- kuri us sur das Winter-Semester, mit dessen Leitung der Privat- oozent Magnus betraut wurde, genehmigt ivorb<n. Außer- bcm bat sich bet Minister mit der Einfügung mehrerer einstündiger Vorlegungen und warjiber „Ernährung der Teichfische" in den Stundenplan für das Sonnner-Semestrr, über „AuSaeiräblte Hn p"el aus der Müllerei und Bäckerei" unb „Staatliche unb DEl^al<;r'2Zo6nvül,mcn »ut Hebung der Tierzucht in ~ c u 11 cfo 1 anb" in ben ^tundepplan des Winter-Semesters
einver-standen erklärt unb den Scbrauhrag für diese Dorlesungeitz an Tr. Eronheim, Tr. Buchwalb unb Dr. Völtz über»
Sport.
0 Fußball. Am üergangenen Sonntag spielte die 2. Mann- schaü des ^("ießeuceAallipie!-Klubs 1904' in Friedberg gegen die gleiche Mannichaft des Friedberger Fiißball-Klubs ,9)lerhir*. Während der ganzen Tauer des Spieles gelang cs keiner Partei, einen Erfolg zu erringen, und ging daS Spiel unentschieden nut 0:0 Toren an5. Tas Retourspiel findet in drei Wochen in Gießen statt.
Petersburg, 20. Juli. Ter am 91 utc mobilrennen New york — PanS beteiligte deutsche ProtoSwagen ist als erster heute abenb tu Moskau emgeiroffen.
Vermiidites.
• Vom Wetter. In Halle sperrte ein Wolkenbruch die Zugänge zum Hauptbahnhose. Die Feuerwehr rettete an der überschwemmten Salzstraße die Einwohner au8 den gefährdeten Häusern. — Ter Obertalfluß Tre bbia durch, brach in der Provinz Piozenza seine Dämme und verwüstete ausgedehnte Ländereien. Der Fluß Vachiglione zerstörte eine Anzahl Mühlen und das Elektrizitätswerk von Paus. Infolgedessen ist die Stadt ohne Licht.
• Eine Feuersbrunst zerstörte einen ganzen Häuser» komplex in Foggia (Oberitalien). Große Getreidelager sind zerstört worden. Der Schaden wird auf über eine Million Lire veranschlagt. Mehrere Personen, darunter Soldaten, die sich an den Löscharbeiten beteiligten, erlitten Verletzungen. — Infolge Kurzschlußes der elektrischen Beleuch. uing ist das prachtvolle Schloß des Grasen Serenyi tn Vaczduba (Ungarn) vollständig tncdergebrannt. — Der franz. Kreuzer „Tupliy De Lome^, »vclcher Schießversuchen oblag, erlitt nn Hafen von Brest plötzlich ein Maschinendesckt. Gleich, zeitig brach an Bord beS Kreuzers ein durch Kurzschluß ver. iirsachter Braud aus. Es gelang jedoch, nach einigen An. slrengungcn den Kreuzer in ben Hafen zu lenken und die Feuersbrunst zu löschen. Ter „Dupuy de Lome" sollte dem- nächst an Stelle deS Kreuzers „Tesaiy" nach Marokko ab. gehen; er wird sich nunmehr für längere Zett Reparaturen unterziehen muffen.
♦ Abnahme der Berliner Bevölkerung. Zum ersten Male feit Jahrzehnten hat sich die Berliner Bevölkerung verringert. Im Januar 1908 betrug sie 1021590 männliche unb 1091998 tveibliche Personen. Ende Mai dieses Jahres nur 1012 518 männliche und 1088 244 weibliche Personen, also rund 13 000 weniger. Diese "Abnahme ist zurückzusithren darauf, baß insgesamt 115 202 Per« fönen nach außerhalb, meist nach bett Vororten, verzogen sind. Diesen Fortzügen stehen 97 769 Zuzüge gegenüber.
* Wunderbarer Hagelschlag in Frankreich. Tie „Semaine religieuse" von Saint-TiS veröffentlicht ben Bericht bcs Erzpricstcrs Vuillentin von Remircmont an feinen Bischof über eine ganz anßerorbentlich wunderbare Begebenheit. Am 27. Mai, um 7 Uhr abends, acht Tage, nachdem in Rcmiremont auf Befehl des Papstes die Statue der Jungfrau (Notrc Dame du Tröfor) in Rcmiremont vom Bischof gekrönt worden war, und gerade zu der Stunde, zu der am nächsten Tage eine große Prozession statt- fhibcn sollte, die aber von der Behörde verboten wurde, geschah in Rcmiremont ein Hagelschlag, wobei Hagelkörner, groß nric ein Taitbenei fielen. Unb o Wunber! c« Anzahl von biefett Hagelkörnern trug bett genauen Abbrut bcr Mebaille, welche zur Feier ber Krönung her Ma« bonncnstatuc geprägt tvorben war! Zeugen biejer außer- orbentlichcn Begebenheit sinb nach bein Bericht bes Erz- Priesters 117 Personen. In Remiremont sielen biese wunderbaren Hagelkörner in ben Garten eines Ehepaares. Trostlos eilten sie nach bent Hagelschlag ins Freie unb meinten, all ihr Gemüse fei zerfchlagcn. Aber siehe! ber Garten war unversehrt, nur in ben Wegen lagen bie wunbcrbaren Schloßen! Erzpriester Vuillcmin fragt am Schluß feines Berichts: Wer hat bies getan? Soll ein Schwinbler ben Hagclfchlag vorhergefchcn unb all bie wunberbaren Hagelkörner unter bie übrigen gemischt haben? Das wäre ein noch viel größeres Wunber als bas geschehene. War ber Teusol ber Urheber? Aber ber Teufel kann bvch nichts zu Ehren ber Jungfrau Maria tun. Also ist es Gottes Finger, ber sich hier zeigte! — Ter „Lorrain" des Bischofs Bcnzlcr in Metz druckt bas gläubig nach!
Kleine Tagcöchronik.
Einen schrcckiichcn Tob fanb btc hundertjährig« Frau bcs Eigentümers Thomas Watczap in WtnnySlowo (Posen. Als ber Mann von einem "Rückgänge zurückkehtte, fand er feine Frau völlig verkohlt mit dem 5topfe in einem Wasicrbottich licgcnb vor. Man nimmt an. baß jic beim Lsenanzünben Ötuet gefangen unb bie Flammen in bem Bottich zu ersticken versucht hat.
Der Leiter bcs im Apollo-Theater zu Nürnberg gaftü- rciibeit Ensembles, Dirrkwr Oskar Schramnr l-at burch Gift seinem Leben cm Ende gemacht. Ursache hierzu warrn zwei vergebliche Prozesse, die Schramm gegen bas Berliner Lorßmg- unb Zentral-Theater führte unb bic für ihn mit einem Verlust von 70000 Mk. enbeieu.
In Golbap (Ostpr.) hat sich ber VorschußvereinS-Dirrklor Bürau auf bem Kirck-Hofc er,chossen. Die Beweggrünt».- sind noch unbekannt.
In Messina erschoß ber Zollwächter Moa- wsalconc, welcher mit einem Unlerossizier einen Patcouillenaau- machte, seinen Begleiter hinterrücks. Taraus begab er sich zu seiner Geliebten unb jagte bieser eine folgt 1 ins üxn. AIS Laue, durch bie Schüsse alarmiert, herbeieilten, rötete sich Montofolcoie« selbst burch cuien Schuß in btc Schläfe. Das Motiv bcr Tat ch Eifersucht.
Von 43 Sol bat en bcS 15. frans. Artillerie-Bataillons, bie unter Vergiftungserscheinungen erkrankt sind, ck einer gcitorbcn. Ter Zustano b;r übrigen erkrankten äoldato, vcrfchtinuncrl sich von Tag zu Tag. — Im Garnifon-Hospital von Luneville, wo infolge schlechten TrinkwasserS eine heftiac Typlws-Epidemie unter ben Truppen ausgetreten ist, imb 96 Kranke in Behandlung.
2lrbcitcrbcivcgung.
— Tie Arbeiter des Stettiner Vulkan erklärten, tvie der ,Bcrl. Lok.-Anz/ au5 Stettin meldet, bie AuSi'perrung lut imdcicchligt und lehnleii Verhandlungen mit der Tiiektton ad.
Literarisches.
— Dr. Konrad Küster: Gesammelte Schriften. Banb 3. Bekämpfung ber politischen Parteiungen durch Politik. Berlin 1908. Verlag von I. Harrwch Nachfolger G. m. b. H. 236 Seiten. Preis brofch. 2 ML - Man mag auf einem politischen Standpunkt stehen imc man will, der Leser hat bas Gefühl, baß er einem Geist gcgcnüberstcht, ber tief in bie Materie bringt. Mag er über Politik unb Parteiungen, über bic Sozialbemokratü, über das Nationalltätcnprinzrp ober bie Emanzipation bet oberen Stäube schreiben, über beti RiebLkgagg Rattos


