Ausgabe 
20.10.1908 Erstes Blatt
 
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Aus Stadt und Land.

Gießen, 20. Oktober 1908.

Die Volksschulen unseres Kreises.

Die Kreislehrerkonferenz fand gestern unter dem Vorsitz des Provinzialdirektors Geheimerat Tr. Br e i dert statt. Außer sämtlichen Lehrerinnen und Lehrern des Kreises Gießen, nahmen Schulrat Kleinschmidt, Dekan Strack-Leihgestern und Kreis- asslstenzarzt Dr. Langermann, der Schularzt der Landorte, daran teil. Den statistischen Mitteilungen über die Schuloerhältnisse des Kreises sei folgendes entnommen: Es bestehen im .Kreise 79 Volksschulen, in denen die Kinder der verschiedenen Konfessionen gemeinsam unterrichtet werden. Nur in einer Schule Stadt Gießer: werden Knaben und Mädchen getrennt unterrichtet, sonst sind die Geschlechte vereinigt. Tie 79 Schulen zählen 221 Klassen. Im Frühjahr 1909 steht wiederum die Errichtung von etwa 10 Klassen im Kreise bevor, davon eine in Gießen. Von den 79 Volksschulen sind 34 einklassig, 24 zweiklassig. 10 dreiklassig, 4 vierklassig und 7 mehrklassig. Ohne Schulgeld sind 76 Ge­meinden, während 3 Orte noch Schulgeld erheben. Aber auch bei diesen ist die baldige Beseitigung zu erwarten. Die Zahl der Lehrkräfte ,st 222, 208 Lehrer und 14 Lehrerinnen. Die Schüler- zahl ist fortgesetzt im Steigen begriffen und beträgt fehl 13 016, nämlich 6515 Mädchen und 6501 Knaben. Nach dem Bekenntnis sind 12 633 evangelisch, 269 katholisch, 110 israelitisch und 4 anderer Konfessionen. An der Stadtschule in Gießen wirken 42 Lehrer, 12 Lehrerinnen. Die Schülerzahl beträgt 4738. Auf eine Lehrkraft entfallen in Gießen 47, in den Landorten etwa 60 Schüler im Durchschnitt. Allerdings gibt es auch Klassen mit bedeutend höherer Schülerzahl. Es gibt im Kreise 7 9 Fort­bildungsschulen, 68 einklassige, 7 zweiklasiige, 4 mehr- klassige. Dazu kommen rroch die täusmännische Fortbildungsschule mit 6 Klassen und 162 Schülern und eine private Foribildungs- schule für Alädchen. Die Fortbildungsschulen zählen 1988 Schüler. Jrn Jahre 1907 wurden durch den Schularzt von 10 000 Schülern Der Landorte 2800 untersucht, der Gesundheitszustand der Schüler war gut. Große Fortschritte werden fortgesetzt auf dem Gebiete ocs Schulhausbaus geniacht, so wurden allein 1907 neun Neu­bauten eingeweiht. An die amtlichen Mitteilungen, die Schul­rat Kleinschmidt erstattete, schloß sich ein Vortrag des Haupt- lehrcrs B a ch * GroßcwLinden über Fichte, den großen Philo­sophen und Voltserzieher bei deutschen Bottes vor 100 Jahren. Voraus gingen in der Turnhalle der Stadtlnabenschule tur- üerische und gesanglick-e Vorführungen mehrererStadt-

Dienstag 30. Oktober 1908

Erstes Blatt

TENS:

ft« SftÄ

anzunehmen.

sandt wurde.

Gießen, 21. Sept. 1908.

Den

Vereins abends.

158. Jahrgang

gez. Eichenauer, Schriftführer.

Mit vorzüglicher Hochachtung Nationalliberaler Verein Gießen

I. V.:

das

Mauzdügelll durchaus ^^rnen.

gez. C. Kaufmann, 1. Vorsitzender.

Ausgefertigt: gez. Riedel, Sekretär.

Der erweiterte Vorstand beschäftigte sich in einer Sitzung mit dieser Frage, worauf der Brief vom 21. September abge-

ivnkohle, So&lenioinr, andere Llineraliv »er Garantie ausgeüchn ifliä&rine VraftSl te Referenzen/ [6131 öme, aMdM-aW rsbohrMiernehmeii Dortmund.

An verehr!. Vorstand des Freisinnigen Vereins,

Gießen.

Im Anschluß an unser letztes Schreiben teilen wir Ihnen rrgebenst mit, daß der erweiterte Vorstand in seiner gestrigen Sitzung beschlossen hat, der demnächstigen Generalversammlung folgenden Antrag zur Annahme vorzuschlagcn:

Tic Kandidatur Gutfleisch wird unter der Bedingung un­terstützt, daß

1. die Hälfte der Wahlmänner von dem nationalliberalen Verein aufgestellt wird und

2. daß der Freisinnige Verein Gießen auf ein Eintreten der Freisinnigen in Mainz für die Kandidatur Pagenstecher binwirkt."

Wir bitten um baldgefällige Mitteilung, ob Herr Geh. Justiz­rat Dr. Gutfleisch nunmehr sich entschlossen hat, die Kandidatur anzunehmen.

Mit vorzüglichster Hochachtung

Der Vorstand des nat.-lib. Vereins Gießen

gez. Kaufmann. gez. Dr. Kraus müll er.

klärt, eine auf ihn fallende Wahl zum Landtage wiederum an- zunebmen.

Jnvem wir unS beehren, Ihnen hiervon Kenntnis zu geben,

politische Lagesscharr.

Ter Zwischenfall von Casablanca.

Es wird beftäligt, daß Jraiifrcid) gemäß seiner überlieferten Politik es nicht ablehnen würde, die Regelung der Deserteur- Angelegenheit einem Schiedsgericht anzuvertrauen. Angesichts des völligen Auseinandergehens der Berichte der fran­zösischen und deutschen Beamten über die tatsächlichen Vorkomm­nisse und den Rcchisstandpunkt ist aber Frankreich der Meinung, daß ein Schiedsgericht Die Frage im aaiuen Umfange behandeln müsset

1 ubern,

füi .Feuilleton

Gießen, 22. Sept. 1908.

An Verehrlichen Vorstand der Nationalliberalen Partei, zu Händen des Herrn Rechtsanwalt Kaufmann.

Hier.

iche Finder wirb gebeten, aegeM Belohn abm TiejenwegLvau.-

Iciifllliii&t1?®

gez. Metz, Justizrat, 1. Vorsitzender.

(Schluß folgt.)

Am 23, d. Mts. entnahmen wir mittags aus der Zeitung, daß Herr Dr. Gutfleisch bereits die Kandidatur angenommen, hat. Dies wurde uns mich bestätigt durch ein Schreiben des freis. vom 22. September, übermittelt durch Boten am 23.

Empfang Ihrer gefl. Zuschrift vom 11. er. bestätigen wir unter dem Ausdruck verbindlichen Dankes. Herr Geh. Justiz­rat Dr. Gutfleisch hat nun in einer gestern abend stattgefun­denen Vorstands-Versammlung unseres Vereins sich bereit er-

wajchen u. bügeln wird Wenberg.LZeslL.lWl itchjchstklle teilt unentgeltlich [D*/( uub 'Auskunft M iiii Milch!«, itunben Mitwochs vor , treuen Lime L>, lll

gerade sein sollte, würden wir Vorschlägen, Herrn Komm.-Rat Gail als neutralen Wahlmaun allein zu benennen. Bei einer geraden Wahlmännerzahl bitten wir, außer Herrn Kommerzien­rat Gail, noch einen Herrn in Vorschlag zu bringen, welcher weder Ihrer noch unserer Partei angehört.

Indem wir Ihren geschätzten Nachrichten gerne entgegensehen, zeichnen mit vorzüglicher Hochachtung

Der Vorstand des Freisinnigen Vereins.

I. A.: gez. Herm. Eichenauer, Schriftführer.

Als Antwort auf unser inzwischen bei dem freis. Verein ein» gegangenes Schreiben erhielten wir noch spät abends das Schreiben oom 23. September.

(Eingelaufen 23. 9. 08, abends 9 Uhr.)

Gießen, 23. Sept. 1908.

An verehrlichen Vorstand des Nationalliberalen Vereins zu Händen des Herrn Rechtsanwalt Kaufmann

Hier.

Nach Abgang unsere? Ihnen heute g'w'n 'i end Dur.. Voten übersandten Schreibens empfangen wir mit letzter Post Ihr ge- jckMtztes Schreiben vom 21. er. datiert, Poststempel 23. er. N. M.

Ihrer bezüglich der Kandidatur Dr. Gutfleisch geftellten Be­dingung betreffs der gleichen Zahl Wahlmänner haben wir durch den Ihnen in unserem Schreiben gemachten Vorschläge entsprochen, Da die Benennung zweier, bezw. eines neutralen Wahlmannes nur eine reine Formsache ist.

Auf die uns unter pos. 2 gestellte Bedingung bedauert der Vorstand, zusolge seines gestern abend gefaßten Beschlusses, ab­lehnend antworten zu müssen. Wir sind nicht in der Lage, auf unsere Parteifreunde in Mainz irgend einen Einfluß ausüben zu können, da wir zum Voraus wissen, daß dieselben eine Ein­mischung in ihre Wahlangelegenheiten ablehnen würden.

Nachdem wir bei den letzten drei Neichstagswahlen bedingungslos für Ihre Kandidaten mit der Aufbietung aller unserer Kräfte und Mittel eingetreten sind, überrascht diese uns gestellte Bedingung aufrichtig.

Wir sehen daher einer baldgefälligen Mitteilung entgegen, ob Sie aus derselben beharren, und zeichnen inzwischen mit vor­züglichster Hochachtung

Der Vorstand des Freisinnigen Vereins

Li-

NIIN

'SAN

Schrift a|s Erkennung. !

hoffen wir zuversichtlich, daß auch Ihre Generalversammlung I und selber keine faftchen rcxhaup^ungen Quntellcn. Als Beispiel der Kandidatur Gutsleisch wiederum zustimmen wird, und bitten'"" 1

wir bann, die Lifte Ihrer Wahlmänner alsbald aufstellen zu

wollen.

Im Jahre 1902 nominierten untere beiden Vereine je 24 Wahlmänner, und die Herren Kommerzienrat Wilh. Gail und Stadtv. Emil Schwall wurden als neutrale Wahlmänner be­zeichnet. Wenn dieiesmal die Zahl der Wahlmänner eine un-

ücher Echarpes

S p»«sn eben naan> reicher AuswaM- a I.

Salomon &

Wahlbezirk Grünberg-Gießen.

In unserem Wahlkreis hat seit einigen Wochen eine rege Agitation eingesetzt. Die Anhänger der vier Kandidaten sind in den letzten Tagen besonders eifrig tätig. Die antis. Partei hatte im Verein mit dem Bund der Landwirte am Sonntag in Grünberg imRappen" eine Versammlung für ihren Kandidaten Lutz (Elpenrod). Es sprachen die Reichstagsabgg. Lattmann und Köhler und Landtagsabg. Korell. Zugleich tagte in Grünberg eine Vertrauensmännerversammlung der Nationalliberalen, deren Kandidat Bürgermeister Lang (Odenhausen) ist. Eine allge­meine Wählerversammlung soll in Grünberg am nächsten Sonntag folgen. Arn gleichen Sonntag hält die 3. Partei in Grünberg eine allgemeine Wählerversammlung ab, bei der Dr. Sttecker (Bad-Nanheim) für den Kandidaten der Linksliberalen Bürger­meister Sann (Weitershain) spricht. Es läßt sich noch nicht mit Sicherheit sagen, welche Partei die meiste Aussicht hat, ihren Kandidaten durchzubringen.

Wahlbezirk Darmstadt-Stadt.

Die Nattonallibnale Partei hatce für Montag Abend im großen Turnhallensaal eine allgemeine h l e r v e r s a m m- lung einberufen, die sehr zahlreich besucht war. Den Vorsitz führte Professor Dr. Neßling, der namens der Partei den beiden bisherigen Vertretern für ihre aufopfernde Arbeit wärmsten Dank aussprach. In einem allgemeinen Blick auf die politische Lage beleuchtete der Redner dann die Stellungnahme der hessischen Freisinnigen, die im Gegensatz zu ihren Parteigenossen im Reich mit den Sozialdemokraten zusammengingen und sich damit von den übrigen bürgerlichen Wiblern trennten. Bürgermeister Dr. Glässing gab danach ein kurzes Bild über die jüngste Tätig­keit des Landtags und seine Anteilnahme daran, so sei er bei Beratung der Verwaltungsgesetzrevision im Ausschuß energisch für das freie Selbstverwaltungsrecht eingetreten. Bei Besprechung Der Wahlrechtsvorlage führte er aus, daß die Behauptungen der Freisinnigen von dev Preisgabe irgend welcher Volksrechte im Antrag Glässing den Tatsachen völlig widersprechend seien. Der Ausschuß der Zweiten Kammer habe alle Darauf hinzielenden Vorschläge der Regierung uno der Ersten Kammer rundweg abge­lehnt und kein Jota von Volksrechten preisgegeben. Redner sucht das an der Land der Verfassung nack^uweifen und legt dar, zu welchen Konsequenzen das vermeintliche Recht der Zweiten Kammer zur BudgewerWeigerung führen würde. Der einzigen Konzession an die Erste Kammer, die in der gesetzlichen Festlegung des bisherigen Gewohnheitsrechts der Rckommunika.ion liegt,ftonDen zahlreiche Vorteile in der Wahlrechtsvorlage gegenüber, z. B. purd) Erweiterung der Ersten Kammer durch Zuwahl von beruf­lichen Vertretern. Reichstagsabg. Dr. Osann sprach zuerst sein Bedauern dariiber aus, daß die Linkslioeralen mit so schveren Angriffen gegen die Nationalliberalen in den Wahlkampf einge- treten sind und ihnen zuriefen:Ihr seid Reaktionäre, Ihr seid Verräter an den Volks rechten!" Ein solcher Vorwurf müsse auf die Seele eines Politikers fallen, der gerade sein ganzes Wirken in den Dienst seines Volkes gestellt habe und an dessen Wohl­ergehen arbeiten will. Es habe früher auch in den Reihen der Nationalliberalen eine starke Gegnerschaft gegen das direkte Wahl­recht gegeben, aber heute könne die Partei mit Stolz jagen, daß sie das direkte Wahlrede für unser Volk erkämpfen uno erreichen will. Er selber haoe stets erklärt, daß er es nicht um jeden Preis wolle, sondern mit auf das äußerste Maß beschränkten Kon­zessionen an die Erste Kammer. Der Hauptangriff der Frei­sinnigen sei durch die Darlegungen Dr. Glässings und die jetzt Durch die Presse gehende Aufklärung über Das Budgetrecht der Zweiten Kammer widerlegt. Es sei als falsch erwiesen, daß diese allein das Recht der Budgetablehnung besitzen. Wenn sich die Franks. Zlg. über Iben Ton in Dem gegeiuvärtigcn Wahlkampf behage, so stimme er dem xu, aber das Blatt sollte bann auch seinen Korre,pondeten um) Mitarbeitern empfehlen, sich des Tones zu befleißigen, die es selbst den gegneriidjen Parteien empfiehlt

I und selber feine fa sichen rcx Hausungen auiitellen. Als Beispiel I für denTon" führt Redner einen von dem Blatte abgedruckten Artikel gegen den Frhrn. von Heyl an und spricht als Er­sitzender Der Partei Die schärfste Verwahrung dagegen aus. Wer so im öficntlid)cn Interesse tätig gewesen und in Den sozial­politischen Einrichtungen bahnbrechend für seine Arbeiter vor­gegangen sei, wer seit langen Jahren hunderttausenDe für Woh- 'nungsgelegeilheit feiner Arbeiter ausgegeoen habe, dem sollte man solch haltlose Borwürfe nicht madjen. Und solche Vorwürfe würben von der Franks. Ztg. and) anderen Mitgliedern der Ersten Kammer, den Darin befindlichen Vertretern der Kirche, der Unweriität und Der höchsten Gerichtsbeamlen gemacht, die alsausgezeichnete lOÜnner" in die Erste Kammer berufen wurden. Der Redner geht dann auf die fajpn im Regierungsblatt zurückgewiesene Be­hauptung Korells näher ein, daß daS Hauptverdienst an Der libe­ralen Gesetzgebung Hessens bei den drei Freisinnigen und den sieben Soziatdemotraten in der Kammer gelegen habe. Er er­kennt die eifrige Mitarbeit Dr. Gutfleischs bei Der Wertzu- wachssteuer und Rühls beim Jagdgesetz an, weiß auer von positiver Arbeit der Sozialdemokraten nichts zu berichten, dagegen erinnert er nebenuei an die Mitaroeit feiner Partei bei wichtigen Verträgen, wie Wahlrecht, Fürsorgegefetz und die Verwaltungsgesetze und betont, daß die ganze liberale Gesetzgebung der 70er Jahre nicht von den Linksliberalen, sondern von den Nationalliberalen aus­gegangen seien. Im kommenden Landtag werde die Partei an oie Pensionsverhältnisse Der Lehrer, Witwen unD Waisen Heran­gehen unD Den Lehrern das passive Wahlredst geben, aber auch oen gerechten Ansoroerungen des Mittelstandes und der Land­wirtschaft Folge geben. Die Partei habe auch vielfach nid)t nur bei Den Deutsch-sozialen und Dem Zentrum, sondern auch bei Den Freisinnigen Anerkennung gesunden, oft seien echte Frei­sinnige zu ihm gekommen und hätten ihn gebeten, ihre In­ce ress en in Der Kammer zu vertreten, oder ihm Material ge­liefert, befondcrs zu seinen fozialpolitifchsen AuseinanDersetzungen mit der Sozialdemokratie. Er habe auch in Angriffen auf die Regierung nicht zurüclgehalten, wo ein solcher notwendig erschien. Der Redner beleud)tet Dann noch das Bündnis dex Freisinnigen! mit der Sozialdemokratie und sdftießt mit Der Versicherung, Daß chn in feiner Lotigkeit Der Gedanke geleitet habe. Dem Volke jU Dienen und am Blühen und Gedeihen des Vaterlandes plit*

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hauchabgehoüv. iu7(ti Louis Reitz Ww., 31,1)., Neub. «r.-Leibel nimmt noch Sunbcn aa zwischen 7-10 Uhr

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zuarbeiten.

Wahlbezirk Worms-Stadt.

In einer Versammlung des hiesigen jungnationalliberalen Ver­eins wurde nach derWorms. Ztg." darauf hingewiesen, daß durch die Enttvicklung, die die Wahlrechtssrage in Hessen genommen hat, leider zwischen keinen Parteien so heftige Kämpfe sich ab­spielen, wie eben zwischen diationalliberalen und Linksliberalen. Es wurde ohne Widerspruch Die Meinung zum Ausdruck gebracht, daß Die große Aenderung, Die in Der Stellung Der nationalliberalen Landespartei zur Wahlrechtssrage eingetreten ist, sehr zu bc-- dauern sei; denn die Zugeständnisse, Die man der ersten Kammer madjen will, seien viel zu groß.

Eine neue Parteigruppierung im kommenden Landtag?

In einer zu Michelbach abgehaltenen Versammlung des Bundes der Landwirte wies Forstmeister Dr. Weber die Aus­streuung seiner Gegner zurück, daß er auch im nächsten Landtag parteilos bleiben werde und führte aus, daß ihm die unerhörte Kampfesweise zweier Abgeordneter, die sich in der Kammer und im öffentlichen Leben als Die Führer des hessischen Bauernbundes bezeichnen, ihm es unmöglich gemacht habe, sich der bäuerlichen Gruppe im Landtag anzuschließen. Aber in feiner Weise könne ihm mangelhafte Vertretung der Interessen seiner Wähler zum Vorwurf gemacht werden. Im Gegenteil, er sei stets mit voller Ueberzcugung für das Wohl Der hessischen Bauern und des Hess. Mittelstandes eingetreten. Jedenfalls werde aber der kommende Landtag ein anderes Gesicht zeigen, denn es sei beschlossene Sache, daß im nächsten Landtage eine Parteigruppe zusammentreten werde, die lediglich aus dem Boden des Programms des Bundes der Landwirte steht und in erster Linie wirtschaftliche Ziele verfolgt. Nach diesen Ausführungen ist anzunehmen, daß im nächsten Land­tag die Fraktion des Bauernbundes (Hess. Volkspartei) nicht mehr vorhanden ist und an ihre Stelle zwei neue Partei­gruppen treten, eine deutsch-soziale und Die des Bundes der, Landwirte.

Nr. 247

Der Oteyener »nzelger jnwinrj- ä Ä vezugöpretS:

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wirlschaslltch« dcitlragcB MW Nr W auswärts 20 Pienntg.

Ferulprech - Anschlüße: y Verantwortlich

füi Die Redaktion 112, /18a. < für Den politischen Teil,

SS? General-Ametger für Oberhesen Annahme von Anzeigen ** 6 I

Mr Die Lagesnummer Rotationsdruck und Verlag öct vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steinöruderei R. Lange. RedaMon, Expedition und Vruckerei: §chnlstratze ?. K etnCnteiiö Wct bis vormittags 10 Uhr.

Ruhestörungen in Böhmen.

In den letzten Tagen ist es in verschiedenen Orten Böhmens xu ernsten Ruhestörungen gekommen. In Gablonz wiederholten sich die Zusammenstöße zwischen Sozialdemokraten und Deutfch- Ralionalen. Die Gendarmerie stellte die Riihe wieder her. In Budweis drohte es anläßlich der Bekränzung des Kaiser Franz Joseph-TenkmalS durch die Deutschen zu Konflikten zwischen den Deutschen und den Tschechen zu kommen. Der Polizei und der Gendarmerie gelang es, die beiden Parteien zu trennen. In Teplitz saiiden blutige Zusammenstöße zwischen den Deutsch- Nationalen und den Sozialdemokraten statt. SediS Perioneii wurden verletzt, davon eine schwer. Tie Polizei und die Gen­darmerie zerstreuten die üstenge. Zehn Personen wurden verhastcl, von denen acht aber wieder sreigelassen wurden. In Kailsbad landen auch Ansammlungen vor Dem tschechischen Veremshause flau: eine Fensterscheibe wurde durch Steinwür'e eingeschlogeu Da oie Wiederholung von Temonslralionen befürchtet ivird, wurde die Gendarmerie verstärkt. In Prag iDiirben bei den UeberiäUcn die deutschen Studenten auch von semgekleldeten Damen angegriffen und mißhandelt. Bier deutsche Sludcnlen ivurden blutig verletzt, ebenso sechs Wachleute; ein Polizeiinspektor wurde schwer ver­wundet. Im deutschen Kasino wurde eine Rettungsstation ein­gerichtet. DaS deutsche Theater mit seinen nackten Aiauern und offene« Türen, inmitten der Trottoire voll Glassplitter, sieht grausig aus. Tie Demonstranten riefen: .Hoch die Revolutionl Serbien ist mit uns 1 80 Tschechen wurden verhaltet.

Landtagrwahlbewegung.

Wahlbezirk Gießen-Stadt.

Der Sozialdemokratische Wahlverein hat gestern mit großer Mehrheit beschlossen, die eigene Kandidatur für den Landtag aufzugeben und bedingungslos für Geh. Ju­st i z r a t Dr. Gut fleisch einzutreten.

Ter Vorftalip des nalionaliiberalen Vereins übergibt Uns folgende Tarstellung dev Verhandlungen, die zwischen der frei­sinnigen und nationalliveralcn Partei wegen einer gemeinsamen Lundtagskandidatur schwebten.

Zur Aufklärung:

lieber unseren Beschluß, bei der diesmaligen Landtagswahl, die freisinnige Partei in Gießen nicht zu unterstützen, sind in Der Bürgerfchaft unrichtige Angaben verbreitet worden. Wir geben daher nachfolgend das vorhandene Material bekannt und legen die Gründe Dar, die uns diesem Schritt führten.

Auf eine mündliche Anfrag? der Herren Stadtverordneten Eidrenauer und Jughardt wurde eine Vorstundssitzung zwecks vor­läufiger Beantwortung dieser Anfrage abgehalten und folgender Brief vom 11. September an den freisinnigen Verein gesandt:

Gießen, 11. Sept. 1908.

An den Freisinnigen Verein, Gießen!

Die dem unterzeichneten Vorsitzenden im Auftrage Ihres Vereins von den Herren Stadtbv. Eichenauer und Jughardt un­terbreitete Anfrage, ob wir geneigt seien, mit Den Freisinnigen zusammen Die KandiDatur des Herrn Geh. Justizrat Dr. Gut- fleisch für die Wahl zum Landtage zu unterstützen, hat der­selbe der geftrigen Vorstandssitzung des nat.-lib. Vereins vor­getragen. Diese hat beschlossen, die Angelegenheit einer Ende September einzuberufenden Aritgliederverfammlung befürwortend vorzulegen. . ,

Wir bitten bis dahin um die feste Mitteilung, ob Herr Geh. Justizrat Dr. Gutfleijch sich bereit erklärt, die Wahl bestimmt

M stands-SiizoDg CtbOh-7 Sanger-Chor , .,-n-Berems Hieve.

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