Ausgabe 
19.11.1908 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Donnerstag 19. November 1908

158. Jahrgang

jährlich Mk. 2.20, durch ® Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch

ULI

vezu gSPrei 3: monatlich 7üPf^ viertel-

die Post Alk. 2. oiertel- jährl. ausjchl. Beslellg. ZeilenpreiS: lokal 15Pf^ auswärts 20 Pfennig.

Berant wort lich für den poliitfdien Teil,

für »Feuilleton

Nr. 273 Erstes Blatt Ter Siehener Anzeiger erscheint täglich, ander jKgtüßj Ak. * b * V

WlzwVIlvlIVw VllljVIWIVI

Fernsprech-Anschlüsse: Ä H ffigr

für die Redaktion 112, ^Le6' < aa

General-Anzeiger für Oberheffen WW

Hoiafions?ru<f und Verlag der vrübl'schen Unlv.-Vuch- und Steinöruderoi N. fange. Nedaltloi,, «Erpeöition und Druckerei: Schulstratze 7.

bis vormittags 10 Uhr. ________________________ _________

Die heutige Nummer umfatzt 10 Seiten.

Die Hundertjahrfeier der preußischen Städteordnung.

Unsere heutige Zeit ist sehr seslircudig und es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht irgend ein Gedenktag mit Tenkmals- enthüllung, Festessen unb Reden gefeiert wird. Ucber dieies über- madige Feste feiern ist schon genug in einsichtigeren Kreisen ge­klagt worden, leider vergeblich. (£5 gibt aber auch Gedenktage, die es wohl wert sind, daß man sich ihrer in besonderer Welse er­innert. Ein solcher Tag ist der 19. November dieses JahreS: er ermnert an ein denkwürdiges Ereignis. Am heutigen 19. No­vember sind es hundert Jahre her, daß König Friedrich Wilhelm III von Preußen seine Unterschrist unter em Dokument setzte, das für Preuhen und Deutschland von alleigrößter Bedeutung werden sollte, es war die preußische Städteordnung des Freiherrn vonr Siern. Ties Zeirtenarjubiläum wirkt in unseren Tage»« mit dein Reiz einer Aktualität. Die Städteordnung war eine der ersten Maßnahmen, durch bie der wieder i»6 Amt beruiene .wider­spenstige, trotzige, hartnäckige und ungehorsame Staatsdieiier* den Staat, der unter Kabuiellsregierung, persönlichem Regiment und Adelswirtschast zusa>nmeugedrochen war, zu erneuern versiichte. Sie sollte die Bürger daran gewöhnen, selbst Hand anlegend, das Regieren zu erlernen, und sie Hal diese Aufgabe auch, so gut es eben ging, erfüllt. Freilich sind nicht alle Wünsche des Freiherr» vom Stein in Erfüllung gegangen. Dian fiel ihm bald in d,e Arme und verhmderle die Ausführung feiner groß augeleglen Pläne. Auch die Fortsetzung des NelibauS, von dem die Ltädleordnung ja nur erst das Fundanlent darstellen sollte, »st dem Freiherrn uom Stein nicht mehr verslatlet worden. Trotzdem und trotz mancher handgreiflichen Mängel, die die nimmer rastende Zeil mit ihren neuen und größeren Aufgaben in sie hineingetragen hat, bleibt die Slädieordnung ein monumentales Wert, das in seinen Grundzügen und Kerngedanken heute so frisch ist wie vor hundert Jahre»».

Ter Gedanke der Selbstverwaltung, den die Städteordnung des Freiherrn vom Stein zuerst in Preußen-Teuischtand zu verwirklichen versucht hatte, hat seither trotz aller Hemm- nngen sich immer weitere Gebiete zu unterwer'en ver­mocht. Em gut Teil der Kräfte, die das neue Reich tragen, stammen aus der Schule der Selbstverwallimg. Anstands­los durchgefctzt haben diese Kräfte sich zwar noch nicht, ja, gerade auch in den letzte»» Jahrzehnte»» hat sich mehr als ein­mal ein Kampf zwischen der Regiermng und den Kommunen ge­zeigt. Alan denke nur an Die Bestätigung des Berliner Ober­bürgermeisters Kirchner, die l1/, Jahre auf sich warten ließ, man denke nur an den Fall Schncking auS der allerneueslen Zeit. In diesen und unzähligen anderen ähnlichen Fällen hat es sich immer wieder gezeigt, wie wenig Verständnis man an manchen hohe», und einfluizreichen Stellen für das Werk Steins hat. .Alan muß", Hal der Freiherr vom Stein einmal gemeint,Die Nation daran gewöhnen, ihre eigenen Geschäfte zu veriraltr.il und aus einem Zu» stände der Kindheit herauszulreten, in dem eine immer unruhige, immer dienslierlige Regierung ihre Menschen halte»i will/ Dieses ernue Wort paß« ganz ausgezeichnet auch auf unsere Tage, insbe- besondere nach den letzten traurigen Ereignissen. Alögen es die letzten gewesen sem, die unserem Volke beschieden sind, und möge der heutige Gedenktag bie Regierenden erkennen lassen, daß es allerhöchste Zeit ist, einen anderen Kurs einzusclüggen, wc.it wir nicht aui ein neues Jena lossleuern sollen. Möge unserem Volke doch auch endlich wieder em Staatsmann erstehen, der, wie der Freiherr vom Stein, die Awgaben seiner Zeit richtig zu erfassen vermag, um sie zum Heile deS ganze»» Volkes zu Late»» werden zu lassen.

j)olrtifsche Tagesschau.

Zur Vogc in China.

Entocgen allen bisherigen Berufen über den Tod des Kaisers von China meldet das Petit Journal, daß der Kaiser mefa nn Neurast - nie gestorben, sonder»» von den kaiscrliä)en Eunuchen

erdrosselt worden sei. Eine Bestätigung dieser Meldung bleibt abzuwarten. Bemerkenswert ist cs, daß die Rute in Peking all- mal ich wieder zuruckkehrt. In den Straßen patrouillieren Gen­darmen. Die Wachen sind stark verringert worden. Die Stale kündigten den itai]erlitten Prin-en an, daß die Regentschaft eine entgüüige sei und daß man jedem Widerstand unverzüglich mit den erforderlichen Mitteln enlgegentreten und ihn bestrafen würde. 4001) Soldaten werden im Paläste der Kaiserin-Witwe in Bereit- scliaft gehalten. Ter Sieg des unter dem neuen Regime stark vertretenen Refvrniclenrents beunruhigt die Organisationen der MandsclZupartei. Man ist der Ansicht, daß der Einfluß dieser Partei gefährdet ift In den Provinzen ist die Nacknülst von dem Einsetzen einer Regentschaft mit Ruhe ausgenommen worden. 14 Dankistiuser Pekings, die vor einigen Lagen geschlossen hatten, Ixiben gestern wieder geöffnet und mit der Auszahlung begonnen. Die Mittel daM Hal ihnen die Regierung zur Verfügung ge­stellt, um ihnen über die Panik hinweg»ilhelsen. Diese Zal)- Lungen sollen fünf Tage lang fortgesetzt werben. In Peking herrscht vollkommene 'Jiute; es werten auch keine Ruhestörungen envartet. 10 OoO nach ausländischem Muster ausgebüdeie Sol- Daten halten die Ordnung aufrecl>t; sie verhalten sich frcunblid) gegen die Fremden. Bisher sind Aenderuitgen irgend welcher Art osfiziell nid>t bekannt gemacht Worten.

Deutsches Reich.

Der Kaiser hat vor feiner Abreise von Donaueschingen dem Bürgermeister eine Summe von 300*0 Marl überweisen lassen, die nach dem genanaten Blatt beim Rathausbau Verwendung finden soll.

Für die Reichstagswahl in Siegen haben die Nationalliberalen als Gegenkandidaten gegen den Berg- l^inplmann Vogel in Köln den Berghauptmaun Karl Sck)nci- der ausgestellt.

Der kommandierende General des baye­rischen zweiten Armeekorps, General der Infan­terie Freiherr Re i ch l in v. M e l d e g g, wurde durch Aller­höchstes Handschreiben zur Disposition gestellt und ihm in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste das Groß- lreuz des Militärverdienstordens verliehen; zugleich wurde verfügt, daß er auch fernerhin in den Listen der Aktiven fort- geführt werde.

Maßnahmen gegen Arbeitslosigkeit. Die Generaldireklion der nmrttembergischen Staa.seijenbahnen hat, um Arbeiterentlassungen zu vermeiden, an sämtliche Dienststellen eine Verfügung ausgegeben, wonach Arbeiter, denen infolge des Verkehrsrückgangs, der Einstellung von Zügen oder aus ähnlichen Gründen gekündigt werden muß, womöglich Gelegenheit geboten werten soll, in anderen Dienstellen unterzukommen.______________________________

Ausland.

Errichtung einer italienischen Universität in Oesterreich. Vorgestern abend unterbreitete eine Deputation der ualieniid)cn Reichsratsabgeordneten den» Leiter des Unterrichts- Ministeriums Forderungen der Italiener wegen Errichtung einer italienischen Universität. Gestern veranstalteten etwa 180 italienische Ltudeiuen vor dem Unterrichtsministerium in Wien eine Kund- gebung zu Gunsten einer italienischen Universität. Die Polizei zerstreute die Demonstranten und nahm 16 Verhaftungen vor.

Die Zukunft des Ex-Sultans Abdul Afis scheint nun sichergestellt worden zu sem. Wie ein Londoner Blatt aus Tanger meldet, ist zwischen Muley Hafid und Abdul AsiS eine Verständigung dahingehend erzielt wo»den, daß Abdul Afis sein Privateigentum zurückeihält, ihm eine Pension von 7U00 Lstrl. zu- gebilligt und ihm als Wohnsitz Tanger angewiesen ist.

Dekanalrsqnode Sichen.

L e i h g e st e r n, 18. Nov.

Zur großen Freude der Syuodalmttgltcder wurde die diesjährige Synode in der freundlichen im letzten I hre er­bauten Kirche zu Leihgestern abgehalten. Im Er- öffnungsgottesdienst predigte Pfarrer M i ct c l - Auendorf an der Lumda im Anschluß an Luc. 6, 33 über der christ­lichen Barmherzigkeit Quelle und Segen. Nachdem sodann der Bor,itzende, Dekan Strack von yicr, die Erschienenen begrüßt und des im letzten Jihre verstorbenen Mitgliedes, des Bürgermeisters Otto von Beuern, in der üblichen Weise gedacht halte, wurden Pfarrer Weber-Lang-Göns und Geh. Forstrat Prof. Wimmcnaucr-Gießen durch Akklamation zu Sck)rijtführern gewählt. Daraus wurden die int letzten Som­mer vorgenornmenen Neuwahlen zur Dekanats,ynode für gültig erklärt. D.r Bescheid des Gcotzh Kousi. o i. ms aus die Verhandlungen und Beschlüße der vorjährigen Synode lautet zustimmend. Der gedruckte vorliegende Bericht des Dekanatsausschusses gibt zu leinen besonderen Aus­stellungen Veranlassung. Nach ihm hat der Kirchenbesuch in den Gemeinden des Dekanats um ein geringes zngenom- men, ebcttjO auch die Beteiligung am hl. Abendmahl. Das­selbe erjreulick-e Resultat zeigt auch der Vergleich der ein- gegangenen Op.er und Kollekten für kirchliche und wohltätige Zwecke mit 50027 Mark mit denen des Vorjahrs. Tie dies­jährigen übertressen die vorjährigen um 2503 SitarL Die Jahresleistung für jeden Evangelischen im Dekanat belaujen ,tch auf nur 87 Pfennig. lieber die äußere Mission berichtet sodann Pfarrer Gußmann-Kirchberg, über den Gustav Adols-Verein P.arrer Go m b e l-Reiskirchen, über den Evangelischen Bund in besonders eingehender Weise Psarrer H e p d i n g-Hausen und über die innere Mission und den Erzrehungsverein Psarrer W e b e r-Lang-Göns. Aus die im Dekanat bestehende, ausgebrciteie, organisierte Kran'en- pjlege geht sodann Pfarrer Schwabe-Gießen näher ein und gibt ein deutliches Bild von ihrem ausgezeichneten Stand. Er emp.iehlt zum Schluß seiner Ausführungen die Ausstellung von Krant'enpslegekästen in allen Gemeinden. Aus Antrag des Dekanatsaus,chusses wird der Gehalt der Dekanatsschwestern in angemessener Weise erhöht. In R ö d - gen soll eine neue zirantenschwesterstation errichtet werden, zu der die erforderlichen Mittel von der Synode bereit­willig zur Versagung gestellt werden. Zu dem Neubau des Elisabeiylranlenyaujes in Bad-Nauheim wird auf Vorschlag des Vorsitzenden für die nächsten 3 Jahre ein jährlicher Beitrag von 20 Mark bewilligt. Die Rechnung der Deka, natstasfe für 1905/07, die von 2 Mitgliedern der Synodt eingehend geprüft worden ist, wird genehmigt. Bei den hierauf vorgenornmenen Wahlen werden auf weitere zehn Jahre der seitherige Dekan Strack von hier und sein Stell­vertreter Pfarrer Glück-Heuchelheim einstimmig wieder- aewählt. Ebenso die übrigen Mitglieder des Dekanats-Aus- schusses, Landgerichtsrat Neuenhagen-Gießen, Bürgermeister Krämer-Steinbach, Bürgermeister Volk-Allendorf a. d. L., Pfarrer Hepding-Hauseu und Altbürgermcifier Kreiling-Heu­chelheim. Obwohl die Wahlen unter größter Einstimmig­leit erfolgt waren, hatten |ie doch infolge des bestehenden Wahlsystems soviel Zeit in Anspruch genommen, daß das noch auf der Tagesordnung stehende Referat des Pfarrers Gugmann-Kirchberg über die Belebung des Misfwnssinnes in den Gemeinden oes Dekanates leider nicht mehr er,tattet werden tonnte und für nächstes Jahr zurückgejtellt wer­den mußte. So wurde denn die Synode um zwei Uhr nach einem Gebet des Pfarrers Schmalz-Beuern geschlossen.

Naturwisienschaftliche Dorträge.

Der Neigen der allgemein verständlichen Vorträge, den die naturwisicnschaftliche Abteilung der oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde in diesem Winter veranstaltet, wurde am 12. November mit einem Vor- trage des Professors König über die Verflüssigung der Gase eröffnet. Der Vortragende zeigte an der Hand einfacher Versuche, wie der Physiker zu der Meinung kam, daß sich die Gase verflüssigen lassen und gab eine Darstellung des geschichtlichen Verlaufes der ersten hierher gehörigen Eni- deckungen. Atittels der Eajlletetschen Pumpe zeigte er, daß es möglich sei, Kohlensäure in den flüssigen Zu stand zu bringen, daß diese Verflüssigung aber nur erreichbar sei, wenn der Versuch unterhalb einer bestimmten Temperatur, der kritischen Temperatur ausgeführt werde. Er erläuterte bann eingehend diesen Begriff des kritischen Zustandes, durch desicn Kenntnis der Physiker erst in Stand gesetzt wurde, auch nut den sogenannten permanenten Gasen, deren Verflüsfigung bis zur Feststellung dieser Begriffe nicht gelungen war, weiter erfolgreiche Untersuchungen anzustellen. Zu diesen Erfolgen trug die Kenntnis der ebenfalls experimentell vorgeführten Tatsache bei, daß unter hohem Drucke stehende Gase, bei plötzlicher Entspannung eine Abkühlung erleiden. Die auf dieser Erscheinung beruhende Linde'jche Viaschine wurde in ihrer Wirkungsweise besprochen unb gezeigt, wie eS mit ihrer Hilfe gelungen ist, flüssige Luft in großen Mengen herzu­stellen, ben Wasserstoff unb kürzlich auch das Helium zuoer- flüisigen, jenes Gas, das sich am längsten allen barauf ab» zielenden Versuchen widersetzt hat. Nach einem kurzen Ueber- blide über bie mannigfaltigen Anwenbungen, bie bie jetzt im Großbetriebe erzeugte flüssige Luft in der Technik finden kann, wurde eine große Anzahl von Versuchen ' mit fester Kohlensäure und flüssiger Lust auSgeführt, die zeigten, wie sehr sich alle bekannten physikalischen Eigenschaften der Körper bei tiefen Temperaturen ändern. Du flüssige Luft war von der Btarkt- unb Kühlhallen-Ge- sellschaft geliefert worden, die durch eine größere Sendung den Vortrag in dankenswerter Weise unterstützt hat. Ter

fo zahlreiche Besuch dieses Vortrages die Aula Der- mochte die Erschienenen kaum zu fassen zeigte, daß bie Veranstaltung der oberhessischen Gesellschaft allgemeinen Bei­fall gefunden hat und läßt hoffen, daß auch die weiteren Vorträge, deren nächsten Prof. Stoffel über koloniale Be­strebungen und medizinische Forschung am 10. Dezember halten wird, sich großen Zuspruchs erfreuen werden.

Einen Architektenscherz hat sich der Bau­meister der nenerbauten höheren Mädchenschule in Grune- ivald bei Berlin erlaubt. In den kleinen Nischen zu beiden Seiten des Aulasensters sind zwei weibliche Gestalten zu erkennen, von denen die eine den Typ des modernen Weibes, veranschaulicht durch Antomobilkappe mit Staubschleier, fuß- frei gerafftem Rock und Siouxtasche, die andere das moderne Vollweib in sehr hygienischer Reformgewandung und Korsett- losigkeit, zur Darstellung bringt. Dieses sympathische ^Rädchen trägt als Zeichen der Häuslichkeit in der linken Hand ein Slochbuch. Ein eigenartiges Symbol ist ein Relief, auf dem drei Gänslein einl)ermarschieren. Der Direktor der Schule soll diese Skulptur beanstandet haben.

Humanität. Niemand kann die vornehmen Lords, die im Oberhaus die Nolle gebotener Gesetzgeoer spielen, der Humanitätsduselei beschuldigen. Es sind noch keine hundert Jahre her, daß sie mit Eifer für die Beibehaltung öer Todesstrafe für Diebstahl stimmten, und soeben haben sie, wie denMünch. N. N." geschrieben wird, eine Entscheidung getroffen, die ihrer grausamen Tradition würdig ift. Jedes zivilisierte Strafgesetz unterscheidet den K i n d s m o r d, den die Mutter an ihrem unehelichen Kind nach der Geburt aussührt, von dem gewöhnlichen Mord; nur das englische Gesetz lennt diese Unterscheidung nicht. Hier muß ein armes Mädchen, das in der Verzweiflung jein eben geborenes Kind erwürgt, zum Tod verurteilt werden, und der Richter hat, ob er will oder nicht, die schreck­lichsten Formalitäten durchzumachen, die mit der Verhän­gung der Todesstrafe verlnapft sind. Selbst in Engianb ist Die Todesstrafe seit 1849 in keinem solchen Fall mehr wirk­lich durchgeführt worden; das Oberhaus hat aber trotzdem soeben einen Antrag der Regierung verworfen, nach dem oas Gericht in einem solchen Falle auf lebenslängliche Zucht­haus- oder eine geringere Strafe sollte erkennen dürfen. Auch

keiner der chrifllichen Bischöfe stimmte für den humanen Antragl

Studenten der Cornell-Universität in N e w y o r-k führten in dem neuen Deutschen TheaterAlt- Heidelberg" in deutscher Sprache mit großem Er­folge aus. Auf dem Kommers, der der Ausführung folgte, wies Professor Faust aus die innige Pflege des deutschen Wesens und der deutschen Sprache auf den amerikanischen Universitäten hin. Der Herzog von Meiningen hat erklärt, die 11/2 Millionen betragenden Kosten für den Neubau des Hoftheaters aus seiner Prioatschatulle bestreiten zu wollen, und anderweitige BeihÜse abgelehnt.

DiewifsenschastlicheExpedition nach den Auckland- und Campbellinseln im Süden von "Neuseeland wurde demGlobus" zufolge von der neuseelän­dischen Regierung im Verein mit der Philosophie Society in Canterbury aufs beste ausgerüstet. Sie bestand aus mehr als 20 wissenschaftlichen Mitgliedern mit Tr. Farr an der Spitze und hatte als Hauptaufgabe die magnetische und geo­logische Aufnahme jener Gruppen; auch Zoologie und Bo­tanik sind gefördert worden. Die Arbeiten in dem zum großen Teil ganz unbekannten Gelände waren sehr schwierig, zumal Nebel und Regen fortgesetzt hinderlich waren. Die geologischen Forschungen ergaben u. a., daß die Inseln einer verhältnismäßig jungen Vereisung unterworfen gewesen sind; sie müssen also damals wohl um mehrere tausend Fuß höher gewesen sein, und daraus würde folgen, daß sie in viel näherer Verbindung mit Neuseeland gestanden haben. Das erklärt die enge Verwandtschaft von Fauna und Flora mit der neuseeländischen. In einem der Berichte heißt es ferner, daß alte sedimentäre Gesteine gefunden wurden, die insofern wichtig seien, als sie die Annahme von einer früheren Existenz eines großen subantarktischen Kontinents unterstützten. Ter Botaniker Cockayne führt aus, daß der Charakter der Fauna und Flora auf den Snares mit der Vermutung übereinstimme, daß diefe Eilande bie dürfti­gen Reste eines ehemals viel größeren Lan^gebiets seien.

Kleine C b r 0 n 1 l 0 11 -5 sv h ,i a u n 0 W 1 > 1 e ns ch a f t. Ter Nobel-Preis für Medizin soll zwischen Professor Jljia Al 0 t I ch 111 f 0 w - Paris unb Professor Paul Ehrlich-Frank- i u r 1 a. M, Direktor des Königlichen Instituts iür erper. Therapie geteilt werden. Professor Hugo Hertzer, em veidienter berliner Mathematiker, ist tin Alter von 77 Jahren ge­worben.