Ausgabe 
19.5.1908 Zweites Blatt
 
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Elifabethenstift in Darmstadt sind gespendet worden: 1. Durch Schwester Julie Fuchs von Frl. L. 5 Mk., Fr. St. 10, Frl. F. 10, Fr. Pr. H. 5, Fr.

Schl. 1, Fr. Z. 1, Hr. H. 2, Fr. A. 5, Frl. W.

10, Irl. Schn. 2, Hr. 21. 4, Hr. 2lb. 2, Fr. H. ß,

Fr. 11. 1 «= ß.3 Vlk. 2. Durch Pfarrer 1). Schlosser: vou

Frl. E. 2 yjlf., Hr. N. 3, Fr. V. 2, Hr. S. 3 --- 10 Ml. 3. Durch Pfarrer 2lbolph: von Hr. P. im Provinzial- Sicchcnhauü 6 Mk. 4. Durch Herrn Pfarrer AuSfelb: von Hr. H. S Mt., Fr. Sch. l.Mk. - - 4 Mk. Sa. 82 Mk. Herzlichen Dank! Weitere Gaden nehmen die Pfarrer und die evange­lischen Schwestern entgegen. I. A.: D. Schlosser.

** Der OrtSvcrein Wichen des Verbände- deutscher Eisenbahn$) n » d werter 11 n o - r b c i t e. c (56 000 Mitgl.) feierte am Samstag sein 1.0 j d ()r i fl e s S t i f t u n g K s e st in der Tilnihallc am Oswaldsginten. Eine «.ältliche Anzahl Mitglieder, eingelad-^'ne Gaste und Arcuiibe des Vereins waren dazu erschienen. Wad) einer Begrüßungsansprache des ersten Vorsitzendc'u, die in ein Hoch auf S. M. den Kaiser nnd S. K. Hol), den 6üos;herzog anSklang, erschien, ein bei fällig allsaenommen.eS, lebendes Bild: Hnldtgnilg der Landes- rilrftcn. An Stelle des verhinderten VerbaubS-Vorsitzenden P. Molz. Trier, batte daö Anffichtöratmitglied G. Jörg, Frank- fnrt a. M. die Festrede übernommen. Der Bauers ä>e Ole* san averein unter feinem bewährten Dirigenten Lehre.) O. Gdrlach bmchte cinijjc stlinrnuilgSvolle Chöre unb Lieder 6nm Vortrag, die der sangcSiwhen Sängerschar ivoblucrbicntcn Beifall embrachten. Den Mittelpunkt der Feier bildete ein von einem Vereinülnitglied vevfassteS Festipiel, daS den Well- ftreit Mischen Dampf unb Elektrizität und deren Sieg über die (lute, alte Feit versinnbildlichte. Deo reiche 2kifall galt der farbenprächtigen, kostümierlen Aufführung, nnd den Darstellern, von denen einige über da- gewöhnliche Mas; hinausragende Leistungen boten. Der Beveinülviniker brachte durch seine gut pointierten EonplelS bald die Lad>er auf seine Seile. Die Weine der Firma Fr. Hcstn, sowie das sich ansdstiesicndc ge nüitüchc TäiiAdjen bei den flotten Weisen d r Weiterschiu Musik Fabel le brachten es fertig, bah die meisten Teilnehmer erst nach Sonnenallsgang hochbefriedigt ihren heimijchetl Penaten zu. ftvnerten. 0in Frühschoppen int VereinslolatStadl Kassel" nnd eilt wohlgelungener AnSflng auf dieKarlsruhe" bildeten eilten würdigen Abschluß der Feier.

Ordensverleihung. Se. Kgl. Hol), der Groh- Herzog haben dem Königlich Preußischen NegierungSrat im Königlich Preußischen Ministerium der öffentlichen Arbeiten, Joseph Pape zu Berlin, bisher Mitglied der Königlich Preuhifchen und Grohherzoglich Hessischen Eifenbahndirektion Mainz, auS 2lnlaß seines Ausscheidens aus dem Eisenbahn. direktionSbezirk Ntainz daö 'Ritterkreuz 1. Klasse deü Verdienst­ordens Philipps des Grohmütigen verliehen.

Erledigt ist eine mit einem evang. Lehrer zu bc- fetzende Lehrer st eile an der Gemeindeschule zu Duden- Hosen (Kr. Offenbach).

©mannt wurde der Militaranwcirter Mart. Mill auS Darmstadt zum AmtSgcrichtödiencr bei dem Amtsgericht Alsfeld.

Ucbertragen wurde dem Lehrer Johs. Verl zu Brensbach eine Lehrerstclle an der Gemeindefchule zu Nieberuhaufen.

** Eine sonderbare U e b c r r a s ch u n g wurde heute früh gegen 4 Uhr einem in der Liebtgstrahe in einem Parterre ziinmer wohnendeu Herrn zuteil. Er schlief bei offenem Fenster und wurde infolge eines GeräufcheS wach. Hier bemerkte er in feinem Zimmer in gebückter Stellung einen unbekannten M a n li, der mit den Händen auf dem Tifd) herum lastete. Ans das Aufschreien des Herrn sprang der Unbekannte behende zum Fenster hinaus. Offenbar handelte es fiel) um einen Ein schleich hieb, der gestört wurde, denn entivenbet war noch nichts. Alten Partcrreboivohucrn, die bei offenem Fenster zu schlafen pflegen, umhne der Vorfall zur Vorsicht.

Auf dem HoherodSkops ist am 15. Akai eine Po sthilfstelIe eingerichtet und die Verwaltung derselben dem Klubwirt Stein übertragen worden.

? NutterShausen, 18. Mai. Gestern fand in der Gastwirtschaft deö Herrn Heinr. Schoen 11 hicrfelbst eine von n a t i o n a 11 i b e va l c v Seite ein berufene Versa mm - tung statt, in der Professor Lu len aiuS Giehcn einen Vortrag über die Blockpolitik sowie über die Ziele und Be­strebungen der nationalliberalen Partei hielt. Die Aus führmigen des Redners fanden den Beifall der Anwesenden. Die Gründung eines nationa(liberalen Vereins wurde be­schlossen, der größte Teil der 'Anwesenden erklärte seinen Beitritt.

Linden st r nth, 18. Mai. Gestern hielt Herr Osw. Riedel aus Wichen eine Versa m m lung hier ab, die. zum grosten Teil aus jugendlichen Sozialisten bestand. Ta die Zeit beschränkt war, war Herr Riedel so lohal, seinen Vortrag so ab zukürzen, da st Redakteur Vetters aus Giestcu nod) zum Worte kam. Dieser spradi so lange, dast Herr Riedel kaum uoeb Zeit halle, ihm zu erwidern.

w. BerSrod, 18. Akai. Die Submission der Kanalisation unserer Gemeinde zeitigte folgendes Re­sultat: H. W. Rum-Gießen 26 112 Ml., M. Panzc-Wetzlar 25 887 Vik., G. Becker 23 616 Mk., Feit u. Balser-Lich 23 073 Mk., E. Wehruin 22 036 Vtk., Schlebusch-Leun 21 474 Mk., H. Bender 21 358 Mk., Berlisch-Wetzlar 20 959 2Ak., Schepp u. PrciS-Saasen 20 379 Mk., Will). Echepp-Saasen 18 595 Mk., Gernert-Qneckborn 18 358 Mk., Joh. Fischcr-Grosten-Linden 17 869 'Ulf. Der staatlich ans- gestellte Voranschlag für die Herstellung soll rund zirka 30 000 Mk. betragen. An Materialien sollen für ca. 10- biß 12 000 Ulf. erforderlich fein.

------ Harbach, 18. Mai. In der Wirtschaft von Wive. Schcld veranstaltete gestern »iachniittag die national- liberale Partei eine öffentliche Versannnlung, die sich eines recht guten Besuches erfreute. In längerer Rede führte Herr O. Niebel aus Gießen die äußerst aufmerksamen Zuhörer diireh sämtliche Gebiete der äußeren und inneren Politik. Geleitet wurde die Versammlung von Werkmeister Gg. Hcrzberger. Eine Diskussion schloß sich an den Vor­trag nicht an.

? Sichenhausen, 17. Mai. Bei der gestern vorgc- nominencn Wahl eines Bürgermeisters winde der Beigeordnete Ludwig Fischer IV. mit 34 Stimmen ge­wählt. Sein Gegner Ludwig Fischer III. erhielt 18 Stimmen. Ende voriger Woche sand die leigte Versteigerung von Brennholz ans einzelnen Distrikten der Forslwartei Sichenhausen und Burkhards statt. Die Preise waren bieö- mal nicht so hoch als bei Versteigerungen vorher, da viele Leute ihren Brennholzbebarf schon gebeckt hatten. Scheitholz l. Kl. kostete bmchschnittlich 4,50 5 Mk., Knüppel 1. Kl. 3,50l Mk, pro Raummeter.

r. Hu n gen, 18. Mai. Die lanb cSpolize iliche A b n a h in e unseres bedeutend erweiterten B a h n h o s c S findet aiu 2. Juni statt.

Lauterbach, 15, Mai. Unter dem Vorsitz be§ 1 ban unseres altehrwürbigeu Rathauses bürste nunmehr Schulrats Anbreö wirb bic Großh. KrciSschnlkonnnission, in Bälbc näher getreten werden. Die städtischen Behörden im Hauptschulhanse hier durch LandwirtschaftSlehrcc Heck haben nämlich als erste Baurate 50 000 Mf. hierfür in den von Alsfeld einen Kursus in la n d w irtfcha f tl. Ratnr - außerordentlichen Etat eingestellt. Selbstredend soll der Um- kimde für ländliche Fortbildungsschulen abhaltcn lassen, bau dem historischen Charakter deö BaubcnkinalS angcpaßt

Die Vorträge werden an schulfreien Nachmittagen gehalten und umfasfen ca. 40 Stunden. Der Beginn ist auf den 27. d. Mts. festgesetzt; ca. 30 Lehrer der Umgegend werden sich hieran beteiligen. Der vor ktirzein hier gegründete Verke hröv crc i n zählt bereits über 100 Mitglieder. Als erste Tätigkeit läßt der Verein demnächst einen vom Ober­lehrer Eomo verfaßten Führer durch Lauterbach und Umgegend in einer Auflage von 10 00O Exemplaren er­scheinen. Der Führer, der tünstlerisch auSgeslattet und daS Historische unb SehenSwürbige unseres Stäbtchens wicber- giebt, kommt gratis zur Verteilung. Die sich auf ca. 1500 Mark belaufenbcn Kosten werben auS bcn Einnahmen ber

Anzeigen gebeckt.

4- AuS bem Kreis Lauterbach, 18. Mai. Im laufenben Jahre werben in ben Orten 'Allmenrob, Fleschen­bach, Gunzenau, Heblos, Lanzenhain, ReichloS unb Steinfurt Telefonanschlüsse hergeslellt. Für eine größere Anzahl von Gemeinben, bic einen Teil zn bcn Baukosten beitragen, sind für daö nächste Jahr Anschlüsse in Aussicht genommen, so baß alöbann fast sämtliche Gemeinben bem Fernsprechnetze

angcschlosscn sinb.

X WerngcS, 18. Mai. Vor einigen Tagen würbe baß hiesige Quellen gebiet zwecks Erbauung einer Wasser­te i t u n g burd) bic Großh. Kulturinspektion Gießen unb baS Großh. Kreisamt Lauterbach besichtigt. Die hinter bem

Dorfe gelegene Quelle soll zur Wasserspeisung benutzt werben. Der Gemeinberat beschloß, ein Projekt burch bic Kultur- inspeltion aiiSarbcilcit unb bic erforberlichen Arbeilen vor­nehmen zn lassen. DaS Wasser soll burch eine Wasscrhebe- maschiue gefördert werden.

r. Schotten, 18. Mai. Wie verlautet, beabsichtigt Graf Don (st örst gen. vou Schlitz das JagdhausWolfs- l a ii f" bei Ra in rod zu raufen und den umliegenden größeren Jagdbezirk zn übernehmen. Der seitherige Besitzer, Rentner Eloos zu Atdda hat mit Rücksicht auf feine Gesundheit eine nähere Jagd gepachtet, so das; ihm Jagdhaus und Jagd­bezirk entbehrlich find. Das Jagdhaus ist ein massiver viNeuartiger Bau, wohnbar eingerichtet und zu längerem Aufenthalt geeignet nnd hat Telephonverbinduiig mit Scholten. Das ganze. Jahr über wird der Jagdschutz von einem aus deut Jagdhaus tvohueuden Jägermeister aus geübt. Heute wurde einer unserer geacl)testen Bürger, der Stadl , Kreis - und Spanassenrechner Hch. Glock zur l e tz t c ii N ii I) e gebettet. Ein inneres Leiden machte die Ver­bringung in die Gießener Klinik nötig, doch konnte die er sehnte. Heilung nicht erreicht werden. Ein mit Arbeit fast libcrlabener kräftiger Mann ist in verhältnismüßig niedrigem Alter zur ewigen Ruhe gekommen.

|| Groß-Eichen, 17. Mai. Vor zwei Jahren würbe auf bem FrühjahrLnmrft zu Ruppertenrob cm unserem Bürger­meister Schombcrt gehöriger SchwcincbchäOer ^cstohlen.

In biesem Jahre würbe auf bcinfelbcn 9)larf i. ; Behälter von feinem Eigentümer wiebergefunben. Als D 1 h urbc ein

'Ulann von 'Ruppertenrob erkannt.

= Vindsachsen, 17. Mai. Der in gelegene Fürstlich Isenburg-Birsteinische G u t kurzer Zeit zum Kaufpreis vou 13 000 Alk. ai Maul hier über. Wie man hört, beabsichtige, bem Hof eine Holzschneiderei einzurichten. Die hörigen Grunbslückc sinb seit einer 'Reihe von Ja Landwirte in Pacht gegeben. Sie sollen bei zu erwartenden Feldbercinigung möglichst in c einigt und später mit Wald angelegt werden.

/rein Dorfe ging vor Gebrüder v elben in

Hofe gc " an hiesige demnächst lur vcr-

sd. Erbach, 17. Mai. Die H a uptv e r, u m lung

des Gesamlverenis des O d e u w a 1 d l l u b s , je heute

im hiesigen Saalban stattfand, war von 15 neu mit

über 600 Mitgliedern besucht. Es war die am stärksten

besuchte Versammlung seit Bestehen de-.' Klubs. Besonders stark waren Mannheim, Worms und Darmstadt vertreten. Den Vorsitz führte Bürgermeister Dr. Glässing-Darmstadt. Der Jahresbericht und die Rechnung der Zentral fasse für 1907/08 wurde genehmigt und Decharge erteilt. Auch der Voranschlag für 1908/09 wurde mit unwesentlichen Aende- riiitßcn gutgeheißen. Jin übrigen wird aus den im Druck UDrltcgcitbcn Jahresbericht venrüescn. Als Ort der nächsten Hauptversammlung wurde Eber dach und für den Gc saiutausflug König gewählt. Die Errichtung eines Oden- waldmnseums wurde im Prinzip gutgeheißen. Der Antrag Darmstadt, die Sektionen in Zutnnft alsOrtsgruppen" zu bezeichnen, wird angenommen. Hieran schloß sich'das Fest­mals, an dem sich über 600 Personen beteiligten. Den Toast auf die Bunde Hörsten von Hessen, Bayern, Würt­temberg und Baden brachte Bürgermeister Dr. Glässing aus; daran schlossen sich Toaste des Kreisratcs Schliephake- Erbach, des Oberbürgermeisters Köhler-Worms, soivie Vor­träge, Lieder, Gedichte re. Die Veranstaltung nahm den besten Verlauf.

sc. Reu Isenburg, 18. Mai. In der Gcucralver- fammluug der hiesigen Gew erbe bank wurde sestgestellt, daß die Eieileigwareusabrik an die Bank 108000 Mk. fchuldet. Der Fabrik war ein MJcbit von 18 000 Mk. ciugcräumt worden. Der Kassierer WaaS, so wurde erklärt, hat nun ohne Wissen des Vorstandes und des Aufsid)tSralö der Fabrik weitere 49 000 Mark Kredit eingeräumt. Die Gewerbebauk hat nun als Sicher heilen erhalten eine Hhpothck von 90000 'Ulf. auf bic Eierteig- wareusabrik, zwei -weile Hiipolhekeu von 10 000 Mk. unb 8000 Mk. aus bas Wohnhaus des Fabrikinhabers DebuS unb eine zweite auf das Wohnhaus des Waas vou 20 000 Mk. Verluste füll trotzdem die Kaffe haben, unb wurde beschloßen, Vorstand und Auf- fichtsrai für alte Haudluugeu des .staffiercrs Waas veraulwortlidi au machen. Au herbem wurde beftinunt, daß ein Revisor aus Darmstadt die Bank einer genauen Prüfung uitterziehen soll.

R. B. Weinheim, 18. Mai. Der M vrde r des dreijährigen Georg Fischer hier ist in der Person des 15 Jahre alten Fabrikarbeiters Philipp Borweißer ans Bürstadt ermittelt und verhaftet worden.

Wißmar, 17. Mai Vom herrlichsten Wetter begün­stigt Hielt unser T u r u ver ci u heute hier sein Scha n t u r uen ab Turner Eule r leitete bic Feier durch eine Anst>rachc ein, in der er den erschienenen Vereinen Dank anssprach. Er hob bann hervor, bah fich ber Verein m beit vier Jahren seines Bestehens trotz mancher politischen Aufciubnugeu nicht zersplittern liest. Er betonte, baß die Tu merci zur Pi lege der Gesundheit da fei und in diesem Sinne müge ber Veretn auch fernerhin cmporblühcu. Er führte daun uod) aus, dast bas Preisturnen am fnützen Alorgen zur Zufriedenheit aller ausgefallen sei unb schloss mit einem Gut Heil auf daS fernere Blühen und Ge deihen des Vereins, sowie deS Turncrbunbcß Lahn DünSberg.

f] 'Ularbiivfl, 17. Ulai. Dem seit Jahren angeregten, infolge deS vergrößerten Geschäftsbetriebs notwendigen Um­

werben.

II Marburg, 18. Mai. Rach dreistündiger Fahrt von Dortmund aus landete gestern nachmittag bei M ü n ch- Hausen der LuftballonFrede bäum". Von den fünf Insassen war einer bereits bei Laisa bei einem Lan- dungSversuch aus einem hohen Baurn ausgestiegen und hatte sich dabei eine leichte Handverletzung zngezogcn.

Frankfurt, 18. Mai. Der 27jährige Schausteller Heinrich Orth, Beudergasse 21, mißhandelte am Freitag seine Fran so schwer, daß sie nach bem Krankenhause gebracht werden mußte. Dort ist sie gestern an Gehirn^ blutung gestorben. Orth ist flüchtig und wird wegen Totschlags verfolgt. - Ein brutaler Totschlag er­eignete sich gestern abend im Parterre deS Hinterhauses Schweizcrstraße 21. Dort warf der Ausläufer Otto Wetzel * sein zweijähriges So hnchen, das der Aufforderung, zu ihm zu kommen, nicht Folge leistete, mit aller Gewalt zu Boden. Das Kind erlitt einen Schädclbruch und starb wenige Stunden später. Der Vater mürbe in Hast ge­nommen.

Frankfurt a. M., 19. Mai. Jin Hause Wittelsbachcr Allee 139 hat gestern die Frau des Werkmeisters Emil Jaenkc sich und ihre drei Kinder mit Gas ver­giftet. Sofort vorgcnommene Wiederbelebungsversuche waren nach auderthalbitundiger Tätigkeit nur bei der Mutter von Erfolg, die Aufiiayme ins Heiliggeisthospital fand. Die Leichen der drei Kinder wurden nach dem Bornheimer Friedhöfe verbracht. Der Mann, der in Freienwalde bet Berlin geboren ist und in einer hiesigen Kunstdruckerei bc- schästigt ist, lebte mit seiner Familie in bestem Einver­nehmen. Die erst 27 Jahre alte Frau dürfte, lautFranks. Ztg.", die unselige Tat mit voller Ueberlegnng vorbereitet und ansgesührt haben.

Gerrchtssaal.

Hanau, 18. 9)lai. Vor der Strafkammer hatte sich heute Herr E o h c u au- Frankiurl a. Ai. tucgcit Vergehen- gegen die 111 und 110 des Str.-G.-B. zu verautivorteu. Der Angeklagte halte am 9. Januar m einer foziaibcinokralifchen Wahlrechks-Te- mouslrakiouS-Verfaminlimg hier die Worle gcbraud)t:Ich wundere mich bloß, dast die Arbelter die Fenster des AbgeotdiieteuhaufeS noch nicht eingefchlagen haben, hofsenllich werden sie dies bald tim". Daraufhin löste ber übevivadjcnbe Polizeikoimnissar die Versannnlnng aid, weil er in diesen Worten eine Aufreizung zu einer strafbaren Handlung erblickte. Tiefe Aeußerung bildete auch die Grundlage der heutigen Verhandlung. DaS Gericht erkannte nach kurzer Beratung am Freisprechu n g.

Wien, 18. Mcn. In der E h r c n b e 1 e i d i g u n g S k l a ge der ruthenifchen Studenten gegen den polnischen Dichter Heniht S i e n t i e m i r z , die heute vor bem Schwurgericht zur Verhand­lung staub, würbe ber Angeklagte zu 300 Kronen Geldstrafe cvcut. 30 Tage Arrest verurteilt.

Nttiverfttäts-riachrrchten.

Von der A ka-dcntic z n Frankfurt a. M. Am 7. er. wurden 8 2 Studierende neuaufgenommeu. Die nädiftc Immatrikulation findet Montag, 18. d. Mts., statt. Es wird darauf nufmctTfnm gemacht, das; die Studierenden diejenigen Zeug- niste, ans Gründ deren die Immatrikulation erfolgt, wahrend der Dauer der Studienzeit im Original bei der Quästur au depo­nieren haben. Dr. Otto Schultze, Assistent des Pfhdwloa. Zuslituts und deö Seminars für Philosophie und Pädagogik, ist als Privatdozcut für das Gebiet der Philosophie, Psychologie und Pädagogik an der Akademie zugelasscn worden.

Aunst uitfc rvö-scttlchast.

W o wäre n die Verehrer Bachs? ES ist lehrreich, bei DcnkmalS-Enthüllimgen sich daran zu eriuneru, ivclchcS Ge­schick den Berühinlheiteu, in deren Glanz sich viele Tausende sonnen, und den natürlichen Forlsetzern ihrer Persönlichkeit, nämlich ihren Kindern, deschieden war. DieLeipziger Abendzeitung" frischt anläßlich der Aach-Feier einige Daten dieser 'Art airi. Ter große ThomaS-Kanlor und gewaltige Tonschöpfer Johann Sebastian Bach, dessen 'lUomimem jehi mit so viel Feierlichkeit am Thomas- Kirchhof zu Leipzig eiugeweiht wird, Hal wenig Dankbarkeit von den Leipzigern erfahren. 'Mau Hal ihn in alter Stille begraben und seine Grabstätte der Vergessenheit anhennsallen lassen. Seine Witwe nnd seine unversorgten Kinder aber waren der öffentlichen Wohltätigkeit pveisgegeben. Aus Griuid der Jahrgänge 1800 bi-3 1801 derAllgemeinen musikalischen Zeitung" (Verlag von Breii- kops u. Härtel) ivivd daö Schicksal einer greifen Tochter Bachö in ein besonders Helles Licht gerückt. Jin Mai 1880 erlieg Friedrich Rochlitz einen Aufruf für diese greise Frau, in bem cs heißt: 'Tic Familie ist ausgestorben bi5 auf eine einzige Tochter bcö großen Sebaslia>i Aach, uub diese Tochter, jel;l in hohem 'Alter, diese Tochter darbt. Sie soll, sie wird nud) nicht betielu." Im Dezenibcr 1800 quittierte Regina Susanna Bach über 36 Taler 5 Groschen.Wenn den Geistern ineincö verdienten Vaters und meiner verdienten Jörübcr vergönnt ist," so schrieb bic Tochter AachS,an meinen Schicksalen Anteil zu nehincu: wie sehr muß ihr bisheriges 'Uhllcib in Mitfreube ver- ,vanbeit worden fein." . . Tic Unterstützungen gingen von Berlin, Dresden usw. ein. In Leipzig kommt höchstens ein Ungenannter mit 16 Groschen in /rage, doch steht baS iiicht cimital fest. Im Mai 1801 ivurde der Tochter AachS eine zweite, burd) Äubreaü Streicher in Wien gesammelte Summe überwieseii. Der Wiener Touküusller Streicher war der Galle der berühmten Ä(avicrbaiicriu Nanetle Streicher geborene Stein. Rochlitz unb Arcilkovf u. Härtel ui Leipzig teilten nunmehr der Oesscnllichteil folgoides nut: Mit inniger Rührung empfingen wir durch den Wiener Tonkünstler, Herrn 'Andreas Streicher, die ansehnliche Summe von 307 Gulden Wiener Eourant (200 Taler). Die Sammlung war vornehmlich betrieben von dem verdienten Herrn Grafen Fries in Wien, an welchen ohnedies, wer unter uns Sinn bat für das Gute und Schöne, von feinem 'Aufenthalt in Leipzig her, fo gern denkt. Zugleich er­klärt sich der berühmte Kouipouisl und BirtlioS, Herr van Becl- hoven, er werde eins feiner iieueflcn Werke einzig zum Acfteu der Tochter AachS im Brcilkopi-Härlelfchen Verlage hevaudgeben, damit bic gute Alle von Zeit zu Zeit Vorteil bavon ziehen mochte: wove» er auf so cblc Weise auf nwglistc Aeschleunigting der Herausgabe dringt,dainit uns ja nicht diese Bach etwa früher stürbe, alSjener Zweck erreicht würde. Friedrich Rochlitz. Areilkops u. Hörtel.' Tic Wiener Spender waren 2cule von 'Adel: Fürst Lobkowitz, die Grafen FricS, Wobna, Apvom), Schönfeld, Hardegg, Lerchenfeld, Flavigin) und die Aaroiie toivietcv, ESkeleS und Herz. TaSgute Weib", die alle Regina Susanna Bach, ivar überglücklich. Am 20. Mai 1801 schrieb sic:Atil Tränen der Freude empfange ich diese, alle meine Eewarluugcu weit übersteigeude ©imune. Keiner von ben Tagen, bic mir die Vorsehung noch schenkt, soll vergehen ohne bah ich bi cs er meiner Wohltäter uul innigem Tank gedachte.

Vermischtes.

Die Mörbcrin Guincß. 21 uS 9lew Port wirb geniclbct: Die amerikanische Polizei glaubt auf der opur ber Mörderin von Laporlc, Frau Guincß zu fein. Die ein­gehenden Nachforschungen in allen Teilen ber Vereinigten Staaten haben zu bem Ergebnis geführt, baß Frau Guineß sich nach Euro pa gcflüchtct hat, um Sicherheit zu ci- Ifliiflcn. Ferner glauben bic mnenlaNischen Behörben er*

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