Ausgabe 
19.5.1908 Zweites Blatt
 
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Nr. U7

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieSiebener Zarnillenblätter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Sieben" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^5> 5L Redartwn:T^i.rATLl..sid^AnzeigerGiekzen.

, Ungarische Ministerkrisis? Es bestätigt sich, daß infolge bcr ab lehnendn Haltung, welch e die ungarischen Minister bei der letzten gemeinsamen Ministerialsitzung bekundeten, die Situation in politischen Kreisen als sehn ernst aufgefaßt wird. Sollte es in der Sitzung ain Tonnerstaag micht gelingen, zwischen dem gegenteiligen Standpunkte der beiderseitigen Regierungen ein Kompromiß zu schaffen, so dürfte eine Ministerkrisis un­vermeidlich sein. \

Schließung der Universität Innsbruck. Als gestern morgen in Innsbruck die der frclheitlicben Richtung angehörigen Studenten die Kollegien besuchen wollten, fanden sie die Türen der Universität besetzt von zahlreichen klerikalen Studenten und anderen Personen, die jenen den Einlaß in die Universität gewaltsam verwehrten. Als die Vermittelung d-es Rektors erfolglos blieb, ordnete dieser die vorläufige Sistierung der Vorlesungen an. Als auch dies nicht wirkte, vielmehr heftige Zusammenstöße erfolgten, befahl der Rektor die Schließung der Universitär vorläufig auf acht Tage, woraus die Klerikalen sich entfernten.

Massen Verhaftung en in St. Petersburg. In Petersburg wurden gestern nacht 60 Studenten und Studentinnen, darunter die Tochter eines Professors, im Pagen-Corps, in ihren Quartieren verhaftet. Sie wurden in den Kasematten der Peter Paul-Festung eingeschlossen. Es soll sich um ein weitver­zweigtes Komplott handeln.

Die Lemberger Staatsanwaltschaft hat die Vor­untersuchung gegen die Mutter des s>Nörders des Grafen Potocki eingestellt und sie sofort auf freien Fuß gesetzt.

Eine britische Vorpostenabteilung wurde vor­gestern nacht von Mohmands angegriffen. Auf britischer Seite wurden neun eingeborene Soldaten getötet ^lud 24 ver­wundet. Der Feind hatte ebenfalls große Verluste.

Die Regierung v o n H a i t i hat sich damit einverstanden erklärt,, daß die in die Gesandtschaften geflüchteten Personen die Insel verlassen. Ein Teil ist bereits nach St. Tomas ab­gereist und der übrige Teil recht nach Jamaika ab.

> Set Erb großherzog Georg reist heute nach-

; mittag 6 Uhr von Eckernförde nach Darmstadt ab, wo er ' morgen vormittag 10 Uhr eintrifft.

** Vom Manöver. Wie nunmehr feststeht, werden i die diesjährigen Manöver der 21. Division im RegiernngS- ; bezirk Arnsberg abgehaltcn und zwar in dem Gelände, das von den Städten Meschede-Altena-Hohenliw.bnrg-Arns- 1 berg begrenzt wird. An den letzten Tagen der diesjährigen Herbstübungen findet ein Äorpsmanöver der 21. Division gegen die 2 ü. (G r o ß h e r z o g l i ch H e s s i s ch e) D i v i s i o n : die im nördlichen Westerwald und im Siegerland . übt statt, das sich nach der Hessen-Nassauischen Grenze hinzieht.

** Oeffentliche politische Versammln n g. Wir machen nochmals auf die Versammlung aufmertsam, die von den beiden hiesigen linksliberalen Ver­einen, d. h. dem freisinnigen und dem nationalsozialen Verein, nächsten Donnerstag hier veranstaltet wird. Pfarrer Korell aus Königstedten ist in Hessen und weit darüber hinaus als hervorragender Redner bekannt. Auch seine Gegner erkennen die tief eindringendc Gründlichkeit seiner politischen Vorträge an und jeder, der ihn gehört hat, weiß, das; er mit feinem Takt feine Person durchaus zurücktreten läßt vor den Problemen, die er behandelt. Der Vortrag ist frei für jedermann, auch Damen sind willkommen. Wenn wir recht unterrichtet sind, werden auch die Gegner von der äußersten Linken und von der antisemitischen Rechten an­wesend sein mit Ohr und Mund, und da ßdie national- liberale Partei vertreten sein wird, ist bei der Behandlung des ThemasEinigung des Liberalismus" selbstverständlich. Mögen Referat und Diskussion auf gleicher Höhe stehen.

* Eine eigenartige Fassade hat der Bauunter­nehmer H. W. Rinn seinem nach Plänen des Architekten Hamann erbauten Hause in der Plockstcaße gegeben. Das Gebäude, im modernen Styl erbaut, hat einen Lithinverputz erhalten, dessen einzelne Farben besonders angetragen wurden. Der Parterrestock macht den Eindruck, als wenn er in Sand­stein ausgeführt worden sei, wahrend die übrige Front eine durch matte Tönung überaus wirksame Modellierarbcit zeigt, die noch durch Vergoldung gehoben wird. DaS Gebäude ist ziveifellos eine nicht gewöhnliche Zierde der Straße.

** Geschäft Sjubiläum. Am 15. Mai feierte die Firma Joh. Spieß u. Eo., Inhaber M. Levi, Schirmsabrik hier, ihr 2 5jähriges G e s ch ä f t s j n b i l ä n m und vereinigte ihre sämtlichen Angestellten am Sonntag auf der Liebigshöhe zu einer Feier, die bei Reden, Gesangs- und komischen Vorträgen glänzend verlief. ,

** Israelitischer Lehrerverein. Sonntag, den 3 1. Mai, findet die diesjährige Jahresversammlung des Israel. Lehrervereins im Grotzherzogtum Hessen unter dem Vor­sitz des Lehrers Wertheimer aus Heldeubergeu im Gesangsaal des Philanthropin zu F r a n k f u r t, Rechneigrabenstraße 16, statt.

** Der Kaufmännische Verein veranstaltet morgen abend in feinen Vereinsgärten ein Konzert, welches von der Regimentskapelle ausgesührt wird.

*"* Eine Sänger--Maifahrt mit Familie veranstaltet der 'S äng c rkra nz" am nächsten Sonntag nach Braun­fels. Nach der Bahnfahrt durch das im jetzigen frischen Frühlingsgrün besonders reizvolle Lahntal wird der kleine Tiergarten besticht und im Schloßhotcl der Kaffee eingenommen, während das Abendessen im Hotel Wittkopp bestellt ist. Brattnfels und der Ruf der Sängerkranzfahrten werden die VereiuSangchörigen zu recht zahlreicher Beteiligung anregen.

** Stenographisches. DieDeutsche Stenogr.- Ztg.", das Bundesorgan desDeutschen Stenographenbund Gabelsberger", bringt in ihrer Nr. 11 folgende Nachricht: Im Reichsamt des Innern findet, iüic diePost" berichtet, Ende dieses oder Anfang nächsten Monats eine Konferenz von Vertretern der bundesstaatlichen Negie­rt, ng cn zum Zwecke der Festsetzung des modus procedendi für die in Aussicht genommene amtliche Stenographie-Kon­ferenz, die bekanntlich ein einheitliches deutsches Ste- n ograp h iesp ste m schaffen soll, statt. Die sämtlichen ver­bündeten Regierungen werden je einen schultcchuischen Refe­renten zu dieser Beratung entsenden. Preußen wird durch Geh. Oberregierungsrat Dr. Matthias vertreten sein; den Vorsitz wird enhveber Geh. Oberregierungsrat Dr. Lewald vom Neichsamt des Innern oder Ministerialdirektor Just führen.

** V. H. C. Nach dem schönen Lahntal ging die zweite diesjährige Wanderung des Vogelsberger Höhen-Elub, Zweig­verein Gießen, der es sich zur Ausgabe gemacht hat, nicht nur den Vogelsberg, sondern auch andere sehenswerte Punkte zu bc- fuchen. Und gerade die diesmalige Wanderung gehörte mit zu den schönsten, die sich der Verein erkoren hat. Bis Obernhof ging die Bahnfahrt. Hier wurde erst das nahegelegene Kloster Ä r n st e i n , diese Stätte längst entschwundener Zeiten, sowie die sehenswerte Pfarrkirche einer Besichtigung unterworfen, um hieraus den Marsch durch das wild-romantische Dörsbach- oder Jam­mertal, das an der Neubäcker Mühle wieder verlassen wurde, anzutreten. Das erste Ziel war das hochgelegene, saubere Städtchen Singhofen. Nach kurzer Rast erfolgte der Weitermarsch zum idyllischen Mühlbachtal. Bot schon das Törsbachtal genug des Interessanten und Eigenartigen, so wurde es doch bei weitem durch das nunmehr durchwanderte Tal übertroffen. Ter erste Halt wurde am S ch i l d e k o p f gemacht, einem Felskegel, von dem aus man eine entzückende Aussicht auf Täler, bewaloete Höhen, sonstige Wiesengründe, silberne Bäche und Mühlen hat. Schwer nur konnte man sich von diesem herrlichen Fleckchen Erde trennen. Doch immer neue, reizende Punkte bet das liebliche Tal mit seinen vielen Windungen und Schluchten, mit seinen zum Teil schroffen Schieserfelsen und seinen blumigen Wiesen. Der spätere Zug führte die Teilnehmer von Nassau, das den Ausgangspunkt des Mühlbachtales bildet, noch nach Balduin­stein, von wo aus Schloß Schaumburg erstiegen und hierauf nach Dietz gegangen wurde, um von hier aus die Heimfahrt an* zutreten.

** In der Unter such ungss ache gegen den Fürsten Eulenburg bat das hiesige Amtsgericht auf Antrag der Staatsanwaltschaft Berlin einen Zeugen, der hier wohnt, vernommen.

** Diakonissenhaus Elisabeth enstift. Kirche» rat D. Schlosser schreibt uns: Als Gaben zum üOjäh- rigen Jubiläum des Diakonissenmutterhauses

Ausland.

... Kass er Franz Josef fühlt sich durch die Anstrengungen ^^präsentationspflichten der letzten Zeit foiuie infolge ewjs v»llupfens der Nasenschleimhäute etwas müde und mutz. sich l-iti"Ultraton seines Leibarztes für die nächste Zcic nur ^aut bie N^äuglichen. .notwendigsten Empfänge b cj di mit feit. n oer

-ung des Kaisers wird jedoch versichert, daß acholut ketnu vorhanden und daß das Befinden em vollständig su- -^e'MlleiMs sei.

Deutsches Reich.

Fürst Eulenburg. Da die Besserung im Befinden j Fürsten Eulenburg anhält, so dürfte dessen lleberführung hii der Charite nach der Krankenabteilung des Moabiter ^«csuchungSgefängnisseS in diesen Tagen erfolgen. Die Lehmungen in der Affäre Eulenburg haben einen solchen Ihpimg angenommen, daß der Abschluß der Voruutersuch- cg in diesem Monat kaum zu erwarten ist.

Die Maler- und T ü n ch e r m e i st e r - Ve r e i n i - l'.mg Ludwigshafen und Mannheim sowie die : Weitung des Verbandes der Maler und Tünchergehilfen genannten Städten erlassen in der Tagespresse Er- ittttngen. Die Meister behaupten, die Gehilfen begingen Me« Tarifbruch und suchten ihre Kollegen in den Streik zu Iten. Die Meister versuchten, die vom Berliner Schieds- 136äi(f)t festgesetzte Lohnerhöhung (pro Stunde 1 Pfg.) zu lAgrhen. Die Aufnahme der Arbeit, die gestern erfolgen UM!, ist deshalb unterblieben.

Umbau des Stuttgarter Hauptbahn Hofes. -^Schwäbischen Merkur^ zusolge hat das Schiedsgericht täii betrag, welchen der Staat an die Krvngutsverwaltung fit »en zuin Umbau des Hauptbahnhofes erforderlichen Teil Anlagen zu zahlen hat, auf annähernd 5 Mill, festgesetzt. Die JachtH o h e n z o l l e r n" ist gestern von der Mit- kerreise wieder in stiel eingetroffen und alsbald in die ^rfnliche Werft gegangen. .. y

... Das MinenschulschiffPelikan" ist nach zehn- IfWkiizer Tätigkeit aus g'e s ch ie d e n. Stab und Besatzung !IN® auf den modernen, 2000 Tonnen großen Minenleger itroß" über.

t Sanfen en quete. Nach dem bisherigen Fortgang a rbeiten in der Bankenenquete ist mit Sicherheit anzu- ittiinm, daß die Vernehmung der Sachverständigen vor birgst en beendet sein wird. Soweit nicht besondere "®i)fl!tungen etwa eintreten, finden die Sitzungen auch vWhin täglich statt; erledigt wurden am Samstag die Wg m III bis V über engeres Bankwesen, s/ie Arbeiten ^Enquete werden vertraulich behandelt.

-on seiner Erwiderung auf die Ausprache Haldanes sagte der i verbürge r meist er von München, nichts wäre ver- -chlter, als aus dem freundlichen, wenn auch energischen Wett­rups auf wirtschaftlichem Gebiete und aus Maßnahmen, die das -"Ische Reich zum Schutze seines mächtig entwickelten Handels- rckehres dem unerreichbaren Beispiel Englands solgend zu treffen i-iwtigt ist, auf eine feindselige Gesinnung gegen Ihr herr- !chis Vaterland schließen zu wollen. Was ein mächtiges Deut- )?5 Reich für die Erhaltung des Völkerfriedens bedeute, habe l-e Geschichte der letzten 37 Jahre genugsam erwiesen. Alle Iik Ströme Bluts, mit denen sich Großbritannien herrliche Siege uf deutschem Boden erkaufte, hätten erspart werden können, die Verhängung der Kontinentalsperre durch bidpolcou I., die trotz \x glorreichen Heldentaten Nelsons bei Trafalgar fast ein De- uuim hindurch den englischen Handel unterband, wäre unmög- i) gewesen, wenn sein liatürlicher, stammverwandter Bundcs- nrosse Deutschland nicht so schwach und so elend gewesen wäre, lngesichts dieser Tatsachen, mit denen die Geschichte, die Lehr- "ifterin der Völker, in ernster Sprache zu uns sprach, erscheint lt Gedanke, daß Großbritannien und Deutschland, für die beide i len einander Platz genug an der Sonne ist, und it die eine Kollision politischer Interessen absolut nicht existiert, l aus wirtschaftlichen Gründen entzweien könnten, als das über; innig ft e, waS es gibt. Möchten meine Worte nicht ux in diefem Saale, sondern auch weit darüber hinaus die Leitung finden, die sie als Ausdruck herzlichen, ehrlichen deutschen klnchsindens verdienen. Später erschien Premierminister As- siulh und die Bürgermeister wurden ihm vorgestellt.

Auf dem Bankette zu Ehren der süddeutschen Bürgermeister, int Sir John Gorst präsidierte, und an dem 195 Gäste, h runter der Botschaftsrat Fr eil;. v. Stumm, alle Londoner und ?le Provinzialmaiser teilnahmen, herrschte die größte Herz- fjfeit. Sir John Gorft brachte die Gesundheit des deutschen trisers aus und sagte, der Kaiser vertrete stets die berech- yten Interessen seines Volkes, habe aber erkannt, daß das größte Finesse seines Volkes der Friede sei. Nach seinen Besuchen ^Deutschland, fuhr Sir John Gorst fort, sei er stets mit der laeczeugung zurückgekehrt, daß nicht die deutschen Pan- >!l schiffe, sondern die deutschen Schulen eine i:reite Gefahr für England seien. Der Abgeordnete tiaä Isaacs betonte die großen Fortschritte, die die deutschen Etälte in der Fürsorge für die Armen gemacht hätten, schloß mit dem Hinweis auf die herzlichen Beziehungen inschen Deutschland und England. Tie Bürgermeister von aintfurt a. M. und München betonten in ihren Er­rungen mit Wärme den hohen Wert der in den letzten Jahren iülixehabten gegenseitigen Besuche für die Sache des Friedens, die Kenntnisse, die man durch die gegenseitigen persönlichen ckamntschasten gemacht habe. Ferner sprachen der Bürgermeister *ii Heidelberg und der englische Konsul in Köln Niessen.

Ans Stcrdt und Land.

Gießen, 19. Mai 1908.

Bom Turnen.

Man schreibt uns: < .

Wiederum haben die Schulen Zehntausende junger Menschen entlassen, die zwar geistig in den Gewerbe- bezw. Fortbildungsschulen usw. weilergebildet werden, körperlich aber sich selbst überlassen bleiben. Unb doch ist gerade diese Zeit auch körperlich von größter Bedeutung für Die Entwick­lung des Menschen. 9^och sind Leib und,Glieder bildsam und formbar, gleichsam weiches Wachs in ber Hand eines tüch­tigen Erziehers. Jeder Mann ist nicht nur seines Glückes Schmied, sondern innerhalb sehr weiter Grenzen auch. Selbst­bildner des eigenen Körpers. Tazu gehört aber mehr Wil­lenskraft, als sie unsere schulentlassene, vielen äußeren Ein­flüssen ausgesetzte Jugend entfalten kann, sie braucht fort­gesetzt Anregung und dauernde sichere Führung durch ältere, vorbildliche Leute. Hier setzen die Turnvereine mit In­ge ndabteilun gen und Jugendriegen ein, worin meist ältere Vorturner, oft Familienväter oder jugendfreund­liche Jungäesellen, sich der Jüngsten int Turnverein au» nehmen. Regelmäßige, an das Schulturnen anschließende Turnübungen, straffe, wohlgeleitete Ordnungsübungen, Ge­sang vaterländischer und Volkslieder, Turnfahrten und Turnspiele, Wettkämpfe int Freien, alles das ist geeignet, die erwachende Jugendkraft in die rechten Wege zu leiten. Gerade aber die Teutsche Turner sch ast und mit ihr die dazu gehörigen Turnvereine erblicken ihre hehre, ideale Ausgabe darin, die schulentlassene Jugend beiderlei Ge­schlechts in weitere treue Obhut zu nehmen. Deshalb er­geht an die Lehrer die Bitte, die Schüler der Gewerbe-, vezw. Fortbildungsschulen auf die fernere Pflege der Leibes­übungen aufmerksam zu machen und sie auf den Eintritt in die Vereine der Teulschen Turnerschaft hilczuweisen. In noch höherem Grade liegt diese Pflicht den Eltern ob, denen die weitere gedeihliche Entwicklung ihrer Kinder ganz besonders am Herzen liegen sollte. Viel, sehr viel vermag in dieser Beziehung daS Elternhaus zu tun, wenn die nötige Einsicht vorhanden ist und der gute Wille nicht fehlt. Ebenso gilt aber auch diese Frage für die L e h r h e r r e n der Heran­wachsenden Jugend. Je gesunder und kräftiger, je gewandter ihre Gehilfen, desto vorteilhafter für sie selbst in wirtschaft­licher Beziehung, ganz abgesehen davon, daß sie die freie Zeit derselben zu nützlichen Zwecken in guter Gesellschaft verwandt wissen, was sonst nicht immer behauptet werden kann. Alle, die so ihre Mitwirkung leihen, die Jugend nach der Schulentlassung auf die richtigen Wege zu weisen, sie helfen zu gleicher Zeit mit an der Lösung einer hohen vaterländischen und sozialen Aufgabe. Wo wäre also ein zweites, gleich wichitges Gebiet der weiteren Erziehung in gut deutschem Sinne für die schulentlassene Jugend wie das deutsche Turnen"? Es ist in bester Weise dazu berufen, die klaffende Lücke in der Fortbildung unserer Jugend nach der Schulentlassung auszufüllen.

Parlamenta risches. Der Text dec Lan o ge­rn eindeordnung, sowie er auS der letzten Beratung des Anschusses hecvorgegangen ist, wurde in den letzten Tagen durch die Referenten Köhler und Uebel festgestcllt. Der Ent­wurf ist bereits gedruckt und iuirb voraussichtlich von dem Präsidenten Haas dieser Tage zur letzten Beratung nochmals dem Ausschuß vorgelegt werden. Es besteht sonach die Ans­icht, daß der Ausschitßbericht zur Landgemcindeordnung noch den gegenwärtigen Landtag vorgelegt, wahrscheinlich aber nicht mehr durchberaten wird. Tie Erläuterungen zu dem Bericht, die in Stärke von 65 Joliofeiten vorliegen, werden, wenn dem Anträge der Berichterstatter nachgegeben wird eben» älls noch auf dem gegenwärtigen Landtag zur Verteilung gelangen. Hand in Hand damit werden auch die zahlreichen Petitionen zur Landgemeindeordnung ihre Erledigung finben. DaS Material bürste bann als wertvolle Unterlage für bie Beratungen im nächsten Lanbtage bienen. Auf bie Inter­pellation bes Abg. Bähr betr. bie Grundsätze, die für die Regierung bei Versetzung von Staatsbeamten maßgebend sind, hat der Staatsminister geantwortet, baß er vor ber Beantwortung bieser Frage zunächst um Auskunft barüber bitte, welche Becnnterwersetzung in ber Interpellation gemeint seien.

Die süddeutschen Bürgermeister in London.

Die süddeutschen Bürgermeister besuchten das Parlament ft") sie von Haldane, Harcourt, Lord Avebury, Hcmiikerhealon und auoeren Parlamentsmitgliedern empfangen wurden. H a l- d : n e hieß sie namens der Regierung und des Premierministers

zu Hause zurückgehaltcu sei, willkommen. Er drückte seine Z icude über den freundschaftlichen Besuch aus und sagte, daß Mschcn beiden Landern mancherlei Bande beständen Der rrfer schenkte England vor kurzem die Ehre seines Besuches, >iZ> das ^villkommcn, das ihm in London zuteil geworden ist, 'en dem ganzen Volke von Herzen gekommen. Die Bande : 1C i w.U on England nnd Teutschland bcftändeu! nun geistiger Natur. Deutschland lese und verehre Shakespeare, uuchrend das englische Volk den Taten Teutschlands auf dem üebretc der Industrie und der geistigen Kultur Achtung zolle. .3 gäbe auch noch andere Bande; Deutschland wie England Balten ui ihren Kolonien die Zivilisation zu fördern: sie" ver- uctteten dies schwere Werk im Interesse des Friedens und des artschritts, nicht für sich selbst, sondern für die Welt im all- Meinen und müßten dabei gemeinsam vorgehen. Haldane schloß den Worten:Wir. haben in der Vergangen heil jiLiammen gearbeitet, lassen Sie uns das in Zu- liLiift noch mehr tun."

Zweites Blatt 158.Jahrgang Dienstag IS. Mai 1SV8

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