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Ausbeute on Witz und saschingsrohem Freimut doch wieder sehri dürftig gewesen. Im übrigen bietet der ganze Kölner Karneval, der nur noch von geschäftlichen Interessenten mühevoll aufrechterhalten wird, ein Bild kläglicher Oede. Eine gute Tat wäre es, wenn die maßgebenden Instanzen, der allgemeinen Erkenntnis folgend, dem wenig erfreulichem Scheinleben des längst wesenlosen Faschings endlich resolut den Garaus machten".
* Ein originelles Inserat konnte man vor einigen Tagen in der „Katkow iß er 3*0 " finden. ES lautete: „Bitte an & ernt Theaterdireitor Raul. Läßt sich der Beginn der Theater- vorstellung am Mittwoch nicht um 7 Uhr feit)eßen? Ich habe nämlicl) Schweineschlachten und möchte möglichst ball» loieder zu Hause sein."
N e w y o r k, 2. März. Der Genera l-Arbeiterver- b a n d der Vereinigten Staaten veröffentlicht eine Statistik, wonach in Newyork und Chicago 30 Prozent aller Arbeiter beschäftigungslos sind. Tie Löhne sind um 8 Proz. herabgesetzt worden und eine weitere Reduzierung st e h t sicher zu erwartet:.
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Besuch gut.
w. Weinheim, 2. Marz. Der Personenzug Nr. 910 von Frankfurt nach Heidelberg fuhr heute vormittag 7.30 Uhr beim Vorziehcn ins Ueberholungsglcis des Bahnhofes Weinheim einer Rangier maschine i n die Flanke. Tie leicht beschädigte Zuglokomotive brachte den Packwagen zur Entgleisung und entgleiste selbst. Das östliche Haupt- gleis war bis nachmittags 3 Uhr gesperrt. Der Verkehr in dem westlichen Hauptgleis und dem Ueberholungsgleis wird ousrecht erhalten. Personen wurden nicht verletzt.
Bingen, 1. März. Die Geschäftsstelle des provisorischen Arbeitsausschusses zur Errichliing eiiies B i s m a r ck d e n k m a l s auf der Elisenhöhe bei Bingerbrück teilt mit: Ter Gedaiike zur Errichtung eines Nationaldenknials für den Fürsten Bisntarck, das am 1. April 1915 enthüllt werden soll, ist nunmehr so weil gefordert, daß der im Entstehen begriffene große Ausschuß, den: l'ereits mehrere hundert deutsche Männer beigetrelen sind, an1 Ostermontag, 20. April d. Js., zii einer Geiieralversammlung nach Lingen elnberuien werden wird.
Hanau, 2. März. Der Hochstapler, der vor kurzem unter dem Rainen eines Dr. Heß von einem hiesigen Goldgeschäft einen großen Posten Gold- und ©dberroaren, die er sich zur Auswahl ins Hotel bringen ließ, unter falschen Angaben zu erschwindeln versuchte und rasch verschwand, als man seine Manipulationen durchschaute, ist jetzt, wie der hiesigen Polizei gemelbet wird, in Frankfurt in der Person des Kaufmanns Philipp Wilhelm Kimpel von dort verhaftet worden. In Trier, Offenbach und anderen Städten hat er seine Schwindelmanöver mit Erfolg durchgeführt.
Kassel, 2. März. Die städtischen Körperschaften stimmten im Prinzip einer allgemeinen Erhöhilng der Beamten- und Le hrerb esold:i ng en zii und stellten jii diesem Zweck in dem Haushaltsplan für das neue Etats- phr 1908 eine Summe von 250 000 Mk. zur Verfügung. — In der benachbarten Besserungsanstalt Rengshausen brach cme Meuterelaus. Vierzehn Zwangszögllnge schlugen zwei Aufseher mit Hacken und Messern zu Boden und ergriffen hierauf die Flucht. Zwei sind bereits wieder feslge- nonnnen worden.
le. Hofgeismar, 1. März. Nachdem er mit einem Vorgesetzten in eine Differenz geraten war, erschoß sich em Unteroffizier von: hiesigen (5. rheinischen) Dragoner- Regiment mit seinem Karabiner m dein Augenblick, als er sich vor bem Obers! verantworten sollte.
Kaiserslautern, 2. März. Bei dem Goldarbeiter Berg wurden durch einen nächtlichen Einbruch goldene Uhren und Schmucksachen im Werte von 10 000 Alk. gestohlen. Der Einbruch wird mit den letzten Einbrüchen in München und Karlsruhe in Verbindung gebracht. Man glaubt, daß es sich um eine internationale Embrecherbande handelt.
** Kleine Mitkeilu ugen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Ten „Frankf. Neuesten Nachr." wird aus Berlin telegraphiert, daß Oberbürgermeister Ad ick es aus Tank- barfeit dafür, daß er so marin für die Polenoorlage eingeireien ist, in aller Kürze in den A d e l s st a n d erhoben werden wird. — Bei Wächtersbach in Hessen-Aassau wurde ein 60jähriger Mehrer vom Schnellzuge überfahren und gelötet. - Unter dem Verdachte des Mordversuchs gegen Öen Direktor Schröder von der Tonwarenfabrik in Haßlau bet Gelnhausen wurde der Sleinformer Karl B : e k d o r f in das Hanauer Uiuersuchungs- gefängnis eingelieiert.
Offenbach, 2. März. Als heute nacht der Tag- löhner Moeßlein mit feinen beiden Töchtern von einer Tanzbelustigung nach Hause ging, wurden die beiden Mädchen von dem früheren Geliebten der einen, Fuhrmann Schaefer und einigen Freunden desselben, überfallen und geschlagen. Der Vater der angegriffenen Mädchen brachte darauf mit einem Dolchmesser dem Schaefer und einem Freunde desselben mehrere Messerstiche bei, sodaß beide dem Krankenhaus zugesührt werden mußten. — Hier hat sich der Vorsitzende des Vereins zur Wahrung städtischer Interessen, der Fabrikant Koch, erhängt. Heber das Motiv zur Tat ist nach der Frkf. Ztg. Genaueres noch nicht bekannt.
Homburg, 2. Marz. Die feierliche Einweihung der Saalburg soll int Sommer d. I. in Gegenwart des Kaisers vorgenommen werden. Das Mithreum der Saalburg hat als Geschenk des Monarchen an Stelle des Gipsreliefs in der Darstellung des Mithras eine Nachbildung in Ton aus Sabinen erhalten. Vom Kaiser stammt auch noch eine weitere Widmung, 12 goldene Ringe aus dem Rheinland.
Wiesbaden, 2. März. Wie der „Rhein. Kurier" meldet, erschoß sich gestern hier ein Soldat des 80. Infanterieregiments. Der Tote ist ein 23 Jahre alter verheirateter Lehrer. Er beging die Tat, weil ihn ein Kellner wegen einer kleinen Zechschuld gemeldet hatte.
Mainz, 2. März. Dem hiesigen K a r n e v a l s zu g hat die Zdee der vier Jahreszeiten zugrunde gelegen. Ter Zug war prächtig und humorvoll, das Weiter sehr gimsttg und der
VeLnritzchres.
* Ein heftiger S ch neefi u r m. begleitet von (tarier Kälte, wütet in ganz England. Im südlichen Teil der Grcllschait Wales :st der Eisenbahnverkehr vollkommen unterbrochen. Der Schnee liegt stellenweise 1 Meter hoch, die Wege sind meist unpassierbar. In der Grafschaft Cumberland ist em Personenzug zwischen Pennth und Keswick im Schnee stecken geblieben. Man befürchtet zahlreiche Unfälle auf See. Ein mit 300 aus Amerika henngekehnen deuifchen und russischen Auswanderern besetzter, von zwei Lokomotiven gezogener Perjoncnzug der Great Central Rallwciy, Der von Liverpool nach GrnnSby fuhr, stieß bei Woodhouie infolge Schneesturmes mit einem Kohlenzuge zusammen. Beide Lokomotiven des Personenzuges stürzten um, und der dahinter befindliche Gepackwageii sowie zwei Personenwagen wurden total z e r t r ü m m ert. Ter im Gepäckwagen befindliche Schaffner witrde sofort gelötet, em Lokomotivführer und em Hetzer des Pcrsonenzuges wurden schwer verletzt. Bon den Auswanderern erhielt keiner lebensgeiährllche Verletzungen. — Infolge orkanartigen Sturmes mußte ferner in Istrien der Schiffsverkehr etngesteUr werden. . t _ , . . _
* Vom Lawinenunglücktn der Schwerz. Im Hotel zum Goppen stein befanden sich, als die Lawine niederging, etwa 30 Personen beim Abendessen. Als der Donner der Saturne ertönte, nahm der 28 Jahre alte Arzt Tr. Bossus aus Genf seine junge J-rau schützend in die Anne. Er wurde getötet, seine Gattin erlitt einen Beinbruch. Ter Krankenwärter Gand tut allem brachte beit Verwundeten Hilfe. Im Krankenhaufe erhob sich eine Panik. Tie Kranken wollten das Spital sofort verlassen und nur der Geistesgegenwart des Wärters gelang es, jie zuruckzuhal^n. Tic i Aerzte aus Bng langten erst Sonntag früh m Goppenstem an. Bereits am Samstagmittag war südlich vom Hotel eine Lawine niedergegangen. Tas Hotel war erst bvr 2 Aümaten eröffnet. Alan batte ,ich an dem Unglückstage grabe zu Tisch gefetzt, als die zwei Kinder des Hoteliers heremsturzten und fchneen: „die Lawine, die Lawine". Jrn gleichen Augenblick wuroe das Hotel durch den fürchterliclren Luftdruck umgeiuorfen und stürzte wie ein Kartenhaus zusammen, unter feine n Drummern etwa 30 Personen begrabend. Tas Poftbureau, m welcl-em 2 Familien wohnten, neigte sich zu gleick-er Zeit aus etiua 45 Grad und mußte unverzüglich geräumt werden. Ueber dem Bureau der Bauunternehmer wurde das ^ack> wcg- aerissen. Tie Leichen der Opfer wurden im Spckal des Lotichberg- Uiitemehuiens in Goppensteiu aufgebahrt. Unter denen, die bei dem Lawinensturz in Goppenstein unitcunen, beitnöet )uü and) em Reichsdeutscher namens Richter, Buchhalter des Spitals der Unter, nehmuna — ferner wird heute von Lawinenstürzen in Ti?ol^gemeldet: Alle Orlsäiafteoi im Waldertal (Tirol) sind wegen Schneeverwehungen vom Verkehr übgejdmUten, -r-ie Äobner der Ortschaft Al)0in sind wegen Lawineiigefahr ge- fLüdjlet. Durch Lawinen sind dort 2 Personen ums Leben gekommen. Alehvere andere wurden verletzt.
' Vorn Karneval in Köln. Bei voi-wiegend sehr günstigem Wetter herrschte am Sonntag und Montag ziemlich reges, aber- zumeist lediglich rohes, sinnloses Karnevastreiben m einige» Zentralen der Altstadtstraßen. Wahrend die Aiaskenballe den üblichen Verlauf nahmen, gestaltete sich das Reftaurautleben ni ehr lärmend als intereffant. Weiingleich bei dem R o f c n ni o n t a g s - M a s k e n z rr g, von der traditionellen, einheitlichen Idee abgefehen, und foimt der Betätigung des Humors setteiis der Eätizelgruppen aller Spielraum freigegeben roary ist die
handel.
Deutsche Reichsbaiik. Öleuefren Meldimgen zufolge hat sich bet der Reichsbank in den letzten Tagen ivlder Erwarten der Status ungünstiger gestaltet. Die Anfprüche waren am Freitag und Sanislag groß, nanieullich in Lombard. Ta dürfte es mog- licherweife am ilächsten Donnerstag ivieder keine Dlskonterniäßigung geben und wenn doch, nur eine folche von Vlt Proz.
Norddeutscher Lloyd. Tie Aktien dieser Gesellschaft, die am Samstag »om 103,20 notierten, sind am Montag bis 101,. 0 zniückgegangen. Als Ursache darf wohl mit angegeben werden, die Ausführung m dem Proipekt über 25 Mill. Mk. neue Cbligntionen. Es wird darin nämlid) u. a. mitgeteilt, daß das Tampierlonto m 1907 nad) Abschieibungen voraussichtlich auf 179 Mill. M. (im Borjahre 161 Mill. Aik.j geivachsen ist. Das Beteiligungskonto ist durch Ausbau der Zeche Emjcher Lippe und durch den Aiiieil an Der Hamburg-Bremei-Airiia-Lmie auf 35 Aiill. Mk. (30 Mill. Mk.) gestiegen. Die Dividende des Lloyd fei mit höchstens 5 Prozent , Piozcnt) m cvmiuten.
Märkte.
fc. Frankfurt a. M., b. März. Heu- und StrohNiarkt. (Org.-Tel d. Eneß. Anz.) Angeiahren waren 10 Wagen Heu, 3 Wage>i Stroh. Bezahlt tvurbe für Heu Mk. 3.30—3.00, für Stroh Alk. 2.60—2.70, Alaschinen-Langstroh Mk. 2.10—2.40. Alles für 50 kg Tendenz flott.
haben trotz aller Belehrung (das bekannte Kinderschutzmerkblatt wurde soviel wie möglich an die Interessenten verteilt), eher zu- als abgenommen.
Aus dem Kreise der Lehrer wurde die Gewerbeinspektion mehrmals auf die Nachteile bestehender Kinderbeschäftigungen hin- geroiefen, unter anderem wurde auch über landwirtsch. Befchäftigung geklagt und mitgeteilt, daß in einem Dorfe einige Leute ihre Kinder trotz aiisdrucklicher Urlaubsverweigerung beim,Dreschen" von der Schule ferngehaltcn hätten; dabei hatten sie dem Lehrer offen erklärt, die Schulstrafe sei im Vergleich zu dem Lohn für einen Erwachsenen, den sie für das Kind einstellen müßten, gering. Mehrere Eltern hallen fogar ihre Kinder aus oer Schule behalten, um sie anderen Leuten gegen Lohn und Bezahlung der.Schulstrafe" beim Drefcheu Hellen zustasfen.
Ueber die einzelnen Beschäftigungsarten lesen wir in dein
Bericht das Folgende:
Im Sommer 1907 wurden 2 schulpflichtige Kinder bei verbotenen gewerblichen Arbeiten angetroffen. Darunter war ein Junge, der Sonntags nachmittags seinem Vater beim Sortieren von GeWellchcn in einem Häulelager half. Als der Beaiitte den Vater aus das Neichsgesetz zum Schtitze der Kmder aufmerksam machte, wonach aiich die vorliegende Arbeit verboten wäre, zeigte öteser auf emen benachbarte» Festplatz hin und erwiderte ivÖrtlich folgendes: „Herr Inspektor, ich habe hier mein Kind unterAusstchl. Die 'Arbeit, die es verrichtet, ist leicht und nicht gesundheitsschädlich. Drüben auf dem Juxplatz vergeuden ferne Kameraden mit Karussel- fahren und Nafchen viel Geld, sie sehen und hören dort gewiß nichts Vorteilhaftes, und nun soll ich von Staats wegen mem eigenes Kind zum Alüßigang aiihalten, das verstehe ich nicht." Im Berkehrsgewerbe ergaben dieHerbslverzeichnlsfe ferne Veichäfligmigeii. Während des Sommers aber maßte auf ergangene Beschwerde bei Schulbehörde hm gegen einen Fuhrunternehmer Anzeige erhoben werden, weil er fortgesetzt seinen Sohn die Schule schwänzen lien und ihn nachts mit Pferd und Wage» ganz allein ftimdenwegs weit forifchickte. Tie Gerichtsverhanblung steht noch aus.
Mit einer eigentlichen WerkstälteuarBeit wurden im ganzen 95 Schulkinder beschäftigt, 60 Kmder mit Smhlsitzflechten und 26 mit Garnspule», während sich der Rest auf Tüieiikleben, Zigarren-
bei altem husten,
chron. Verschleimung, Asthma, Atemnot, pronchiülkatarrh, Racheiüatarrh etc.
wurden in der letzten Zeit mit einer neuen, aus Süd'Amerika staimnenden, bisher in Europa noch völlig unbekannten, giftfreien Heilpflanze, der Punaria ascochingae erzielt. Wir haben es unter» nommen, diese eigenartige Droge, die in ihrer Heimat fchon lange in dem Ruse eines Spezifikums gegen Asthma und chron. Bronchittc steht, in Deutschland einzufiihren und sie zu dieseui Jweae zuvor von einer ganzen Anzahl ärztlicher Autoritäten auf ihren therapeutischen Wert hin prüfen lassen. Die erzielten Resultate waren tn vielen Fällen geradezu verblüffend und übertrafen selbst die höchsten Cnvartungeii. Auch uv» feiten zahlreicher Patienten liegen bereits Aeußerungen vor, aus denen die Zuinedenhett über die gehabte» guten Erfolge hervorgeht. Richt fette» wird uns hierbei über Fälle berichtet, die jahrelang jeder Behandlung trotzten und deren Heilung bei Anwendung der Punaria ascochingae in kürzester Zeit herbeigefuhrt wurde. ^.. .
Im Juterefse der schnellen Einführung des Mittels und in Erwägung des Uinstandes, daß ein von dem Patienten selbst an- gestellter Versuch weit mehr zu überzeugen vernwg, tute alle euipfehleuden Worte, haben mir uns entschloßen, eine größere Anzahl kostenfreie proben
an alle bteienigen zum Versand zu bringen, die sich für die Sache interessieren. Wir senden jedem, der und seine Adresse einschickt und fernem Briese 20 Pf. in Briefmarken für Porto beifügt, eine solche Probe und fügen derselben nebst der Gebrauchsanweisung eine Aiizahl ärztlicher Gutacht'.'N und Anerkennungsschreiben von Patienten bei. Möge jeder, der an einem chron. Katarrh rc. der Ältmnngsorgane erkrankt ist, in seinem eigenen Jnteresfe den ihm ksstenloK gebetenen Versuch machen- er wird denselben nie bereuen.
Brockhaus & So., Berlin-Halensee.
kistennageln, Tabakentrlppen und Putzlumpemiäheli verteilt.
Tie Arbeit des G a r n j p ii l e n s tu den Hauswebereien nidet nur im Winter statt. Es sind verfchiedene Umfragen über Die Schwere diefer Arbeit und ihre Nachteile für die betreffenden Schulkinder feilend der Gewerbernfpekiion veranstaltet worden. Tie Ergebnisse waren aber derartig widersprechend, daß demnächst noch iveitere Feststellungen erfolgen müßen. Wie schon früher erwähnt, haben die Borfchriiten des Kmderfchutzgesetzes nicht genügt, Die Verwendung von Kindern zum Stuhlslechten m dem Mage em- zuschränken wie es int Jmeresfe der Gefmidheit, sowie insbesondere einer besser zu handhabenden Überwachung der Beschästigungen wünschenswert wäre. Es ist daher auf Grund des § 39 des Kinder- ichutzgejetzes mit Genehmigung des Großherzoglichen Ministeriums des Innern im laufenden Jahr eine PolizewerordniNig für den Kreis Alsfeld mit verschärnen Bestiinniungen erlaßen worden. Sie schreibt m der Hauptsache vor, daß nur Kinder über 12 Jahre von ihren Eltern in Werkitätlen mit gewerblichen Arbeiten und nur zu ganz beftimmten Tagessliinden von 5—7 Uhr nachmittags beschäftigt luerben dürfen. In den Ferien ist die Arbeit auch voi- Nilltags von 9—11 Uhr erlaubt. Durch die Festlegung der Arbeitszeit wird den revidierenden Beamten die Kontrolle wesentlich er- leichtert. Zum Zettungstragen wurden 177 Schulkinder von ihren Eltern venvendel. Botengänge besorgten insgesamt 123 Kinder. lieber1 die Frage, ob die Agenten einer- Zeitung als selbständige Zellungshändler oder Bedienstele eines anderen Betriebes anzujehen Und, ist von einem Gerichte folgende Entscheidung gefällt worden. Ter Agent einer Zeitung war wegen der Befchäftigung feiner eigenen noch nicht 12 Jahie alten Kinder mit Austragen von Blättern angezeigt ivorden. Das Gericht aber sah ihn als selb- iiandlgen Filiaueiter an und sprach ihn irei, indem es von folgenden Erlvägungen ausging. Der Agent habe zwar einen fchiinlichen Penrag mit der Expedition. Tiefer enthalte aber fein direktes Verbot für ihn noch andere Zeitungen zu vertreiben. Er felbst bestelle zu Beginn eines jeden Monats eine ganz bestimmte Anzahl von Zeitungen und bezahle sie auch. Er treibe fomu das Geschän auf eigene Rechnung und nur er fei der Expedition des Blattes gegenüber verpflichtet. Tie durch ihn beziehenden Aboimenteu iuären lediglich feine Kunden. Eigentlich sei nur er allein der Abonneiit von jouiidso viel Exeniplaren, die er dann ivieder auf eigene Rechnung und Gefahr vertreibe. An diefer felbfiänbigen Stellung gegenüber der Expedition uermöge auch der Umstand nichts zii ändern, daß er für das Exemplar un Alonat nicht mehr als 10 Pfennig Tiägerlohn veilangen öüvie. Ties bilde bloß cme nebensächliche Bestimmung des Vertrages zwischen lhni und öei Expedinon, von der leine g-.nzc Recknsnellnug allein nubt abbänge.
Uindcrschutz in Gderhesien.
Ter Jahresbericht der Großh. (Seroerbe- > nspek11on über b i e Durchführung bes Äinber- käiutzgefetzes ist erfd)ienen und bringt roieberum intereffemte Mitleilungeu über die geiverbliche Kinderarbeit in der Provinz Oberhefsen:
Tie Berroendung von fchulpflichligen Kindern zu geroerblichen Arbeite» ist i» Oberhefsen im Jahre 1907, rote schon seither, verhältnismäßig gering gewesen. Bon insgesamt 47 085 Bolksschul- knldern wuiden nur 404 gezählt, die gewerbliche Arbeiteii ver° richteten, das sind 0,88 Proz. sämtlicher Bolksschüler. Die Mehrzahl dieser Kinder war ivlederilin mit Zeilungsiiagen bejchäittgt. Sieht man vo» diesen, die sich auf die ganze Provinz verteilen, ob, lo beschränkte sich die gewerbliche Kinderarbeit im wesentlichen auf die lediglich Botengänge befolgenden, also im Freien beschauigten Kinder in den Stadien Friedberg, Bad Nauheim und Gießen, sowie auf die in den Wohnuiigen ihrer Eltern Stühle flechtenden und Garn spiilende» Kinder in einigen Dörfern der Kreise Alsfeld und Lauterbach.
Bon deu gewerblich tätigen Kindern entsielen mtf den Kreis:
Die Durchführung Oes Gesetzes ist auf ferne besonderen Schwieiigfeileli gefloßen. Die Klagen der Eltern aber über die Einmischung des Staates in ihre Faniilienrechle, ihre u>id auch der fremde» Ärbeitgeber Ab»eigu»g gegen das Kmderschiitzgesetz
opreiplM der vereinigten zranklurter Ztadttheater.
Opernhaus.
Dienstag den 3. März, abends halb 7 Uhr: „Lohengrin." Mittivoch den 4. Alärz, abends halb 8 Uhr: „Madame Biilterfly." TomierSlag den 5. Alärz'"-: „Tie Jüdin." Freitag den 6. Alärz geschloffen. Samstag den 7. Aiärz: „Ein Walzertraiini." Soiintac Den 8. März, nachmittags halb 4 Ubr : „Die lustige Witwe." Abends 7 Uhr: „Ter Prophet." Alonlag den 9. Alärz, abends halb 8 Uhr. „Salome."
Schauspielhaus.
Dienstag den 3. yjiarj ’): „Ter Dieb." Mittwoch der 4. März: „Tie Nibelungen." Tonnerstag den 5. Alärz, abends halb 8 Uhr: „Nathan der Weise." Freitag Öen G. März: „Du Rabenslemerin." Samstag den 7. März: Zum 70. Geburtstage voii -aboli L Arrouge: Neu einslubiert: „Doltor Klaiis." Sonntag öen 8. März, nachmulags halb 4 Uhr: „(im Falllsjement." Abenb» 7 Uhr: „Doktor 5UanS." Alonlag ben 9. Aiärz: „Moberue Diplomaten."
*) Anfang, roemi nicht anbers bemerft, abenbs um 7 Uhr.
LZviaitSfichtliche Witteruug für ycneii am Mittwoch bcu 4. Aiärz 1908: Heuer und trocken. Slachis Frost, am Tage Er. ivärinunq. Oesilickie Winde.
Berlin, Atärz. Zu der BlanerinetOung, der Staatssekretär des ßieichsjchatzainies Sydow plane eine Erhöhung der Postgebühicn für Zellimgsbeiörderung und eine Erhöhung bet Wortlaxe für inla»bische Telegramme, erfährt bie „Deutsche Tageszeitung", bng bieje ÜDlitteilung vollkommen ber Begrünblrng entbehrt.
Stuttgart, 2. März. Tcr liberale Landesverband für Württemberg nahm in seiner gestrigen Bertrcter- ü\riammlmtg einstimmig eine Erklärung an, in der es^ heißt: Der liberale Landesverband Württembergs betrachtet die Wahl- rechtserklärnng Bülows vom 10. Januar als eine bewußteArüskiernligdesdeiufchenLiberalismus und einen Verzicht auf dessen Vertrauen und M i t- arboil. Teshalb ist das schärfste Rüßtranen gegen! Bülvws Politik and} im Reiche geboten, und es muß von den für Fortschritt und Freiheit in den Reichstag entsandten Abgeordneten erwartet werden, daß sie von den Forderungen beS LiberalisM'us nichts preisgeben.
1907
1906 ___
Ortschaften
Kinder
Ortschaften
Kinder
Dießen . . .
26
126
21
112
Älsield
12
80
13
78
Büdingen......
7
23
7
26
Friedberg......
21
120
20
128
Lauterbach .
8
38
8
36
Schollen . .
4
17
4
16__
Sumnia:
78
404
73
396


