Nr. 284
Le: (Siebener Anzeiger er|d)cmi täglich, außer EonnlagS. - Beilagen: Die: mal wöchentlich SietzenerZamUienbläller, »ivcmtnl n>ödieiUl.Ktel$= blatt für een Kreis Sichen (Dienstag und Urei tag); zwennal moimtl tanb» wlrtfchaftllche Seitsragea Kerntpiech - Vimchlüfle: füi die iHeöaftioti 112, Verlag u. Expedition 51 Ad, eile tüt Depelchenr
Anzeiger Gießen.
Annahme von flnjetgcti füi die LageSnuminer bis ooninllags 10 Uhr.
Mittwoch 2. Dezember 1908
Erstes Blatt
158. Jahrgang
9
vezugSpret 5: monatlich 75Pi., viertel- fährlich 'Dlt. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Bi.; durch die Poft Alk. 2.—viertel- fährt, ausfchl. Bestellg. Zeilenpreis: lotall513U ausioans 20 Piemnq.
Beran« wort ltch tüt den polmirben Teil« tu, .Feuilletons und -Vermischtes^: Ernst Anderson. tüt ,Stabt u. xinnb" und.Gerichts-
Gietzeim Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
No-aNonr^rvS vnd Verlag der vrkihl'schen Univ.-Buch- und Steinöruuerei R. Lange. Redattion, Expedition und Drutfcrcf: Zchulstrahe 7. Anzeigenteil H. Beck.
Die heutige Nummer umfaßt IV Seiten.
Line aktuelle Umversitätösrage.
Don Professor Dr. M. Bier mer-Gießen.
Wer die Veränderungen im Lehrkörper unserer Landes Universität mit Aufmerksamkeit vcrsolgt hat, dem muß aus fallen, daß jo viele Professoren, die eingestandenermaßen sich in Gießen besonders wohl fühlen, ihr Verhältnis zur Studenten' und Kollegenschaft und die freie Selbstverwaltung der Hochschule nicht genug zu rühmen wissen und sich auaj in materieller Hinsicht als leidlich zufrieden erklären, trotz- detu Berufungen nach auswärts ohne allzu große Bedeuten Folge geben. Die hessische Landesuniversität, die sonst mit den Schwesteranstallen den Wettbewerb ganz gut auszuhalten vermag, zeigt, was die Beharrlichkeit ihres Lehrwr- pecS aiiberrijft, den ^nkurrenlinnen gegenüber wenig Wider- standsfahigkeit. Es gilt dies namentlich den preußischen Universitäten g genüber, obgleich deren Autonomie in den lebten Jahrzehnll.it bedenklich gelitten und man ihnen einen wenig beliebten Kolleggelderabzug, den Hessen nicht Fetinf, au|« gezwungen hat. Man wird vielleicht sagen, ein größerer Wechsel im Personalbestand schade gar nichts. Er wirte wie ein rationeller Fruchtwechsel oder, um ein anderes Bild zu brauchen, wie eine zeitgemäße Blutaussrischung. Das rst indessen nur cum grano salis zutrefsend. Nicht jede Verjüngung ist auch eine Verbesserung. Unter sonst gleich- üleibenbtn Verhältnissen verlieren wir meist gerade unsere besten Kräfte, erprobte Forscher und Lehrer von anerkanntem 9iu|e, und müssen uns mit jungem, weniger geschultem Ersatz behelfen, der zudem, wenn die Auswahl wirklich gelungen war, nach wenigen Jahren uns wieder abspenstig gemacht wird. Die Sage der Universität ist in dieser Hinsicht eine ähnliche wie die eines mittelstädtischen Theaters unter strebsamer Leitung und mit tüchtiger Besetzung der Hauptrollen. Der Theaterdirektor, mag er sich noch so viel Mühe geben, kann gerade seine fähigsten und beliebtesten Mitarbeiter auf die Dauer nicht halten und muß immer wieder einen talentvollen Nachwuchs heranziehen und ihn für Andere vorbilden. Wie es beim Theater ist, so ist es auch bei der Universität. In beiden Fällen wird durch den fortgesetzten Perfonalwechsel hauptsächlich die Hörerschaft geschädigt; dort das Publikum, hier die Studentenschaft und damit das zukünftige Beamtentum. Ein größeres Beharrungsvermögen und eine stärkere Bodenwüchsigkeit wären entschieden vorzuziehen. Tie Wissenschaft ist zwar international, ebenso wie die Kunst, aber gerade eine Landesuniversität muß besonderen Wert darauf legen, daß ihre Dozenten mit Land und Leuten enger verwachsen, mit den Starnmeseigentüm- lichkeiten vertraut werden und eine gewisse lokale Tradition auf kommen lassen. Alles das wird ungemein erschwert oder ganz unmöglich gemacht, tvenn die Hochschule nur eine rasch erledigte DurchgangSstation für zugkrästige Gelehrte bildet. —
Fragt man nun nach den Ursachen der verminderten Widerstandsfähigkeit der Lndoviciana den Verlockungen von auswärts gegenüber, so verdient eine, die dem großen Publikum schwerlich bekannt fein dürfte, besonders heroorge- hoben zu werden. Es sind nicht etwa, jedenfalls nicht in erster Linie, die höheren Gehälter und sonstigen Neben- bezüge privatwirtschaftlicher Natur, die den Professor, der einen Nnf erhalten hat, veranlassen, ihm Folge zu geben. Besitzt ja auch die hessische Regierung einen Dispositionsfonds zur Erhaltung hervor.agender Lehrkräfte. Er ist allerdings recht knapp bemessen, aber das Ministerium macht von ihm, wenn irgend möglich, regelmäßig einen freigebigen Gebrauch. Außerdem weist die Gießener Universität in ihrer blühenden Entwicklung, zentralen Verkehrslage, reizenden Umgebung, in der koUegialischen Harmonie, der weitgehenden Selbstverwaltung und, dank ihrer ausgezeichneten Beziehungen zum ganzen Laude, mancherlei Imponderabilien auf, die sich in Geld allein kaum meßen lassen. Aber — und das ist der springende Punkt — die UuiversitütSprofessoren in anderen Staaten, namentlich in Preußen mit feinen zehn Universitäten, zu b^en noch als elfte die Straßburger mit ähnlichen Satzungen-hinzukommt, haben occDTteftc Rechtsverhältnisse, die um vieles günstiger sind, als die in Hessen. Sie entsprechen durchaus der Eigen- art dieser Beamtengruppe und ihren Bedürfnissen. Man darf niemals übersehen, daß, dank der Freizügigkeit der Universitätslehrer, die Professorenschaft mit den übrigen Beamtentategorien nicht ohne netteres verglichen werden kann. Einmal besteht zwischen den Univerjitätsstaaten ein lebhafter Wettbewerb, und dadurch bekommt der Professor etivas Internationales. Zum anderen ist es bedeutsäm, daß mau anderswo dem Universitätsprosessar im I tteresse der Freiheit der Wissenscl)aft gewisse Privilegien unbedenklich zugesteht, die man anderen Beamten versagt. Dafür ist ja auch die Professoren-Karriere eine sehr beschränkte. Mehr als Ordinarius kann selbst bet Tüchtigste nicht werden. Er bleibt zeitlebens in einer bestimmt en Rang- und Gehalts- klasse stecken. Gleichsam als Entschädigung hierfür hat man in Preußen den Professor ’jiix unabsetzbar erklärt, ebenso wie die Richter, und läßt ih:st außerdem das volle Gehalt, wenn er dienstunfähig wird. In Hessen kann er, wie jeöer andere Beamte auch, pensioniert werden. Muß ein Professor ans irgend welchem Grunde seine Lehrtätigkeit vorzei.ig aufgeben, so verliert er seine Kolleg- und Examensgelder und außerdem einen Bruchteil seines Gehalts. In Preußen bezieht er für alle Fälle das volle Gehalt roeiter und bleibt sogar stimmberechtigtes Mitglied seiner Fakultäi. Es ist dabei ganz gleichgültig, zu welchem Zeirpuntt die Läuit- tierung des Dienstes eintritt. Diese wirklich wicß ige statutarische Einrichtung lvird mit Recht in Professoreu- Ireisen hoch bewertet. Sie ist keineswegs nur von materieller, sondern auch von ethischer Bedeutung, von materieller Bedeutung freilich besonders für solche Dozenten,
die ohne nennenswertes Privatvermögen sind. Dazu tommi aber noch ein Zweites: Die preußischen Univer,ttätspro- sesjoren unterstehen ganz anderen Bestimmungen über die Witwen- und Waiseuverjorgung, als andere Beamte. Die Höhe der Reliktengeldcr — und das ist ihr anderes Privileg — qt ganz unabhängig von dem Dienstalter und dem Dienst- gehalt des verstoroei.cn Professors. J.ce Witwe eines Or dinarins erhält jährlich glatte 1650 Mk. Ein ganz waiscs Prosessorenlind bekommt 720 Mk., jeder wettere Ganz- Waise 480 Mk., letztere Summe auch ein Halb-Waise, und jeder weitere Halbwaise 3JJ Mk. Wahrend oie preußischen Staatsbeamten erst nach 10 Iihren peusionsberechtigt werden, und erst nach dieser Frcst Witwen- und Waisengeldcr ausbezahlt werden, fallen aue die,e, jo wtt |ü an,echtbaren, Beschränkungen bei Universitätslehrern gruudjätzlich weg. Ja Sjefjeii dagegen ist die Reliktenversorgung für das ganze Beamtentum einheitlich geregelt, und außerordentlich t-ürp tige Sätze sind bc|ür vorgesehen. Das lägt sich durch ein einfaches Beispiel ohne weiteres illustrieren: Nehmen wir an, ein hessischer Ordinarius, der über zwölf Dienstjahre verfügt, stirbt. Er hatte zuletzt ein Gehalt von 57UU Mi. Die Witwe bekäme in uiejem Falle ’J'Ju Mc. Drei unerwachsem Kinder sind, wie wir weiter annehmen wollen, vorhanden. Diese Halb-Waisen hätten zusammen einen Anspruch au, ganze 541 Mk. s2üi Wi wen- und Wa.sengeld ivacjcn al(o 1150 Mk. ausbezahlt. I i Preußen dagegen betrüge die sc Summe 2750 Mk., also fast 1300 Mk. mehr. Ein pensionierter Gießener Professor, der das zwölfte D.eusljahc überschritten hat, erhielte 3J21 Mk. an Pension, in Preußen bekäme er 5200 Mk. Hier sind übrigens nur die Mindestgehälter angenommen, die meisten nach Preußen neu berufenen Pro.ejsoren haben in dem letzten Jahrzehnt pen sidnssähigc Zulagen in ganz beträchtlicher H^he bewillig! bekommen. Jedermann ivird einsehcn, daß solche Lerschce denheiien von Land zu Land unhaltbare Zustande erzeugen mussen. I l> spreche offen aus, daß es in hohem Gcade im Interesse unserer LandeSnniversität läge, wenn möglichst bald Wandel geschaffen würde. _ Dem Einwurf, die hessische Zweite Kammer würde eine solche Privilegierung einer einzelnen, so wie jo etwas exclu.iven, B^arntciigrupp. niemals zugestehen, hatte ich nicht für unbedingt be.ueiy- (räftig. Die Kammcrverhandlnngen in Baden, üi Bayern und jetzt die Kommissionsverbandlungen des Al'geordneten- hauses in Preußep, ausschließlich Ereignisse der aiicrjüngiten Zeit, haben jedenfalls bewiesen, daß man anderswo Ber- siänd.tts genug für die A^sgubeu dec eigenen Hochschulen hat. Man hat an oen beretts vesteyenoen Sonderbcstimmungen zugunsten der Univerjilätsprofessoren nicht zu rütteln gewagt. I i der preußischen Parlamentskommission haben sich sogar die verschiedensten Parteien zusammengelan, um oie Praxis des Kolleggelderabzngs, entgegen den fiskalischen Wünschen des lialtusMinisteriums, erheblich zu mildern. In Zukunft sollen erst die Kolleggelder über 4500 Mark ijüiöiert werden, in Bayern sogar nur diejenigen, die über 6000 Mk. betragen. In letzterem Lande ist man bei der großzügigen Be,olduiigyrL,orm bxjonoers freigebig gewesen. DaS Anfang izehalt der Ordinarien beträgt jetzt dort 6000 Mk. unb steigt nach 16 Jahren bereits aus 8400 Mk. Ein hessischer Ordinarius- erhalt nach 16 Jahren nur 6100 ML., also _;300 Mk. weniger als sein bayrischer Kollege. In Baden hat man zwar uaö Jndividualgehatts- 10 ft ein beiochalten, aoor die Gehälter sind im Dura)schnitt, ebenso wie die Reliktengelder, beträchtlich hoher als in Hessen. Man sollte also ernstlich daran denken, auch bei uns die Pensionierung mit vollem Gehalt und eine verbesserte Reliktenversorgung einzuführen. Nach meinen Berechnungen würde der budgetmäßige Effekt trotzdem nur ein geringfügiger sein, umso größer die mittelbare Einwirkung auf die Kvniurrenzfähigkeit und das Ansehen unserer Lndoviciana. Es sind temc gewöhnlichen (Bhatts- ichmerzen, deren Milderung hier gefordert wird, es [janbelt ,ich vielmehr um einen sehr einfachen Nesorrnvorscylag, der finanziell gar nicht ins Gewicht fällt. In der Praxis wird die Sache immer nur für einen
kleinen Kreis von Personen Bedeutung haben. Will
man aber die Materie trotzdem nicht generell regeln, weil es unbillig erscheinen tonnte, eine einzelne Gruppe von Staatsbeamten in chrcr Rechtsstellung herauszuheben, so genügt cs allenfalls, wenn das Staatsministerium das Jieajt behält, Zugeständnisse im Einzelfall, d. h. wo ein offizieller Ruf an eine auswärtige Universität vorliegt, zu machen. Ich kann mir nicht denken, daß eine lokalpatrio- lijch gefürote Volksvertremng, dte schon jo viele finanzielle Op.er für die Landesuniver.irät freudig bewilligt hat, in dieser Bagatelle um gewisse prinzipielle Bedenken nicht herumlommen kann. Was wir Professoren verlangen, ist ja nichts anderes als die Möglichkeit, mit gutem Gewissen für uns pnd uujere Angehörigen einen Rus nach auswärts ablehnen zu dürfen. Das ganze Land hat aber em J.ttercffe daran, daß man oem übertnäu-tigen Nachbarn mit ferner fc.i plutokralisch zu nennenden Ueberlegenheit die Spitze bietet. Es ist nun einmal nicht zu ändern, daß auf die Dauer der Kleinstaat nicht gegen den Strom schwimmen kann. Das, gilt ganz allgemein für die Besolonngsverhälmisfe aller Beamten, aucy derjenigen, die im Lanoe bleiben müssen. । Nachdem Württemberg, Baden, Bayern und zuletzt Preupen — dort soll die Refor.n allein jährttch 126 Mill. Mk. kosten — die Beamtengehül^cr und sonstigen Äienstbezüge den ioe», dürsuissen der vegenwart entsprechend neu geregelt haben, wird Hessen üicht zurüclbleibcn können. Tas wttd auch Ijalb»; offiziös bereits zugestanden. J.i verschiedenen Zettungen! war zu lesen, daß die später ireiwerdeuden Summen, Oie sür die' Anlegung von Grundbüchern ausgewor.en sind, für eine Besoldungserl)6hung verwendet toerbten sollen. Das! genügt natürttch nicht annähernd; die erforoeilichen Koste»! werden Vas Me.-rsache jener Summe ausmachen.
:piäii).um und Aurschüsft Oes neuen £anötags.
Der zum lo. Dezeinoer vehufS htonixituiecung eiitbe» rufene 34. Landtag wird voraussichtlich gleich an diesem Tome eine Kraftprobe der einzelnen Parteien gelegentlich onr Wahl des neuen Präsidiums und der Ausschüsse zu be- ftehen haben. Während Oie Sitze im Prafioium >ich regel' niäpig nach der eiätic der größten Parteien von selbst u erteilen, bedarf die Vergebung der 28 Sitze |ür die vier ständigen Kantmerausfchusse unter die einzelnen Parteien ci;iy: sehr reiflichen Ucbcrlcgung und einer gründlichen ob- settioen Verständigung unter den FraktionsvorstänOen, da hiärdei naturgemäß auch die kleinste Partei eine billige Bei.'ückfichtigung verlangt. Es hat zwar in der Stärke der ccwzelnen Kummerjraliionen gegenüber der Zufammen- s.»^ mig im 33. Landiag keine großen Veränderungen gegeben, t)ücl) bedingen auch sa-on die bekannten geringen Parieiver- i chiebungen nicht uilive,elttliche auoerweitige Einleilungem
Das Präjidium der Kammer besieht aus orei Präfidenien utib zwei Sekretären. Die nationallibcrale Partei als die । uirl:|ic in der Kammer hat den ersten Prafioenken zu stellen. Ttze Wühl wird hier ohne Frage wieder aus den Abg. Haas füllen, der bcu Präsibentenstuhl bereits üb.'r ein Dezennium c iunimmt. Die zweitstärkste F-rattion, die Anspruch auf c'C'.t zweiten Präsidenten erheben wird, ist der Bauernbund, u?c auch auf dem 33. Lanocog diesen Posten mit dem Abg. Ni) hler be.etzt hatte. Man ivird zunächst adwarteu müssen, i n welcher Weise imo um welche Per,on sich diese Partei demnächst gruppieren dürfte; es sind zivar in einigen Blättern v-reits verschiedene Namen dafür genannt luorocu, doch , eh.'.t dafür noch jede pb.icive Unterlage. Als nächster Prä- i'ibcmtschastscaudidat dürste dann in erster Lime der Abg. Zr. Schmitt in Betracht kommen, da die Zentrumspariei ooii jetzt ab im Landtag 8 Stimmen besitzt; er hat übrigens den Posten als zweiter Präsident schon während der 31. unb 32. Landtagsperiode innegchabt und sich in diesen sechs Jahren, wie in der verflossenen Periode auf dem dritten Posten, als ein umsichtiger und gerechter Verhanclungsleiter erwiesen. Da die 5 Sozraldemoiraten und die 3 freisinnigen A/-geordneten wegen der Schwäche ihrer Parteien eine Bern afitiguiig im Kanimervorstand nicht bean,prüfen tannen, dkirflen auch die beioen Sekretäre von den beiden stärksten Fscaktionen gestellt werden.
Nach der laudstänbi,ci)en Gcschästsordnung müssen alle Vorlagen der Regierung, wie Gesetzentwürfe, Bcwilligungs- actträge, das Fiuanzge,etz mit dem Hauptvoranschlag njw. stttts durch die zuständigen Ausschüsse vorberaten werden. Jl'eiter werden die Wahlen aller SU)geordneten durch den W ahlprüfungsausschuß einer Prüfung unterzogen und endlich auch alle Anträge von Kamniermiigliedern und Vorstellungen und Eingaben Dritter, wenn — was gewöhnlich (zu geschehen pflegt — bei der ersten Beratung die Ueber- I meifuiig des Gegenstandes an einen Ausichuß beschlossen w icd, in den Ausschüssen vorberaten. Da sonach die Ausschüsse bei fast allen, besonders bei allen wichtigeren Bera- ttimgsgegenständen das erste Votum abzugeben haben, ist den AusschUffen und ihrer Zusammensetzung eine erhebliche Bc- ceutung beizumesjen, namentlich auch deshalb, weil das Pi'euum der Kammer mit geringen Ausnahmen dem Vorspruch seiner Ausschüsse zu folgen pslegt. Tie einzlnn Frak- tiünen müssen deshalb bei der Besetzung ihrer Ausscyuß- plätze mit großer Sorgfalt unb Gewissenhaftigkeit verfahren.
In jedem der vier Ausschüsse sitzen 7 Llbgeordnete. Der er fte ^Finanz -) Ausschuß, der sich mit allen Vorlagen unb ’J. nträgen, die eine Geldbewilligunb zuin Gegen,tano haben, bttfassen muß, ist hierdurch der wichtigste. Er wird neben bl'm jährlichen Budget aus dem kommenden Landtag auch Gemeindesteuerreformgesetz, sowie die Revision der Be- amtenbesoldung zu bearbeiten haben. Der nächstwichtige Ausschuß ist der zweite (Ge s e tz g e b u n g 2 -) Ausschuß. Er Hirt sich meist mit juristischen Vorlagen zu beschäftigen unb nietet demnach besonders für die Juristen in der jCammer Gelegenheit zur Betätigung ihres Kennens. In: kommenden .Oanbtag wird ihm die große Ausgabe der Vorberatuna der ni men Wahlrechtsvorlage zusallen, und beshalb bean- sr>rucht seine Zusammensetzung diesmal eine ganz besondere A-eachtung. Tie Haupttäligteit des dritten (Wahlprü- s ungs - und De,chweroe-) Ausschusses ist naa) Erledö- gung der Wahlen in den ersten Monaten des Landtags fast ij unz beendet, während der vierte (P e t i t i o n s -) Ausschuß .^ähreiid des ganzen Landtags durch die ständig eingehenden A nträge und räorßellungen vollauf zu tun hat.
Von den 50 Abgeordneten werden das Amt eines .Ausschußmitgliedes erhalten, und die Beteiligung der ein- ‘ ;,a Inen Fraktionen an den Ausschüssen pftegt nach parlamentarischem Brauch dem Verhältnis ihrer Stärke zu entsprechen. J «- iii " >__» ’_!gy----U--L 2----- . ■
Aus S:a05 und Lcrud.
Gießen, 2. Dezember 1908.
** T a q e s k a l e n d e r für DüNiooch, 2. Tez.: Stadt- I heaker: ,2x2 = 5“. Amang 7 Uhr.
V u r g e c v e c e i n. Doriraq von Amtsrichter 2r. M a h > ou§ Tarmüadl: ,'L>alißeivecbe und Llcheruitg der Bausorderuilgen". )Ubends 9 Uhr im Einhorn.
Ortsge Werdeverein. Mottalsveriammlung 81/, Uhr: , Ter kleine Beiählaungsnachivcis".
Verein i ü r Jjraue n sr rmmrech t. Vortraa von Dr. 1 i 5 t r e d e r aus Bad-Nauheun. Abends 8 Uhr im Hotel Großhcrzog.
** Landtag seröffn nng. Se. Kgl. Hoh. der Groß. Herzog haben den Geh. Staatsrat Krug von Nidda zum Landesherrlichen Kommiffar bei dec Ersten Kammer der Stände, die Ministerialrats Geheimerat Dr. Dr.=ing. Weber unb Geheimerat Wüh. Best zu Rittgliedern dec Landesherrlichen Einwelsungskointnission für die Zweite Kammer der «Stände ernannt.
"Bor den General-Staatsanwalt, der des- l falb von Darmstadt nach hier gekommen ist, sind heute vor-


