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2.6.1908 Erstes Blatt
 
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Nr. 128

Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich StehenerFamilienblätter; zweimal wöchentl.Ureis- blatt für ben Kreis ©ießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Laute vtttfchaftliche Seitfragen Fernjprech - Anschlüsse; für die Redaktion 112, Verlag u, Expedition 61 Adresse für Depeschen:

Anzeiger Gießen.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnuininer Ml vormUtags 10 Uhr.

Erstes Blatt

158. Jahrgang

Dienstag 2. Juni 1908

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Rofafion$&ru(! und Verlag der Vrühpschen Unlv.-Vuch- und Ztelndruüerei. R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstrasze 7.

Bezugspreis: monatlich 75Ps., viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2.viertel- jährl. ausschl. Bestetlg. Zeilenpreis: lokot IbPf^ auswärts 20 Pfennig.

Verantwortlich für den politischen Teil: E. Anderson; s. Feuille­ton und .Vermischtes* P. Wittko; für .Stadt u. Land" undGerichts­saal": E. Heß; iür den Anreigenteil: H. Beck.

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Die heulige^Iummer umfatzt 10 Seiten.

vor -er Landtagswahl in Preußen.

Der Tag der Entscheidung m Preußen rückt heran: am Mittwoch toirb von den Urwählern das Los über die künftigen Geschicke Preußens geworfen. Ob die Wahlreform, die längst unaufschiebbar geworbene, nun endlich zum Ab­schluß kommt, ob man in den überaus wichtigen Schulfragen (das Schulunterhaltungsgesetz bot ja nur erst einerstes notdürftiges Fundament") weiter rücken wird das und so manches andere wird in den kommenden fünf Jahren zu entscheiden sein. Bedeutsamer als seit langer Zeit sind so oie Aufgaben, die dem neuen Abgeordnetenhause gestellt sind, und dringlicher denn je ist's, daß an diesem 3. Juni ein jeder Preuße seine Pflicht tut. Worauf kommt's denn überhaupt, wenn man die Dinge unter liberalem Gesichts­winkel sieht, bei den heutigen preußischen Wahlen an? Daß die bisherige konservativ-klerikale Mehrheit gebrückt wirb; baß ben einen wie ben anberen soviel Sitze abge­nommen werben, baß bie Konservativen nicht mehr nach Belieben ä beux mains spielen können im preußischen Lanb- tag. Daß von ihm die Uebermacht der zu Schutz und Trutz verbundenen Kräfte des Beharrens genommen wird. Frei­lich so klar das Ziel und so leicht zu übersehen, so schwierig wird es vielleicht im einzelnen sein, es zu erreichen. Das Zentrum ist erst die letzten Reichstagswahlen haben es wieder gelehrt aus seinem sozusagen angestammten Besitz schwer herauszudrängen. Für die Partei der Mitte arbeitet vie organisierte streitbare Kirche, arbeitet mit ihr auch die Schule. Bleibt also nur die Möglichkeit desindirekten Balls". Soll heißen: nach dem Muster der ReichstaHs- wahlen das Zentrum zu schwächen, inbem man ferne Alliierten schwächt. Aber auch bas ist in biesem Fall nicht so ganz einfach. In weiten Gebieten der Monarchie ist der konservative Besitz so stark verankert, daß ihn los­zulösen fast zur Unmöglichkeit wird. Und anderswo findet er Stütze ..unb Hinterhalt an den behördlichen Organen, sür die die strikten Neutralitätserklärungen des Minister­präsidenten und des Ministers des Innern überhaupt nicht zu existieren scheinen. Dennoch braucht man nicht mutlos zu werden. Es hat sich doch vwn ziemlich vereinzelten Fällen abgesehen, wo örtliche Besonderheiten und über­kommene Vorstellungen Berücksichtigung erheischten etwas wie eine liberale Gemeinbürgschaft herausgebildet. Mit Sicherheit ist so zu erwarten, daß, wenn am Wahltag ein jeber feine Pflicht tut, der Erfolg nicht fehlen wird. Das scheint bie hochtrabenben Rebensarten derKreuzztg." ändern daran nidjt das geringste auch in den Kreisen der liberalen Gegner befürchtet zu werden. Die stolze Zuversicht von ehedem ist im Schwinden; immer häufiger werden die Fälle, wo konservative Kandidaten und Redner ihr Herz entdecken und sich mehr oder minder verklausuliert zugunsten einer Wahlresorm aussprechen. Das zeugt doch wohl dafür, daß das Verlangen nach solcher Reform gleichwie die Forderungen auf dem Gebiet der Schule einem Zug der Zeit entsprechen. Diesen Zug der Zeit zu unter­streichen und nach Kräften zu fördern, sind alle gehalten. Für das Fernbleiben von der Wahl gibt es keine Entschul­digung. Großes steht auf dem Spiel. Für Preußen, aber durch Preußen auch für das Reich. Da darf niemand säumen und lässig sich drücken. Unter Umständen kann ja auch schon die Tatsache, daß möglichst zahlreicye national­liberale Wahlmänner gewählt werden, erhebliche Bedeutung aewinnen. Darum: ein stolzer Kampfpreis ist heimzu- bringen, Preußen, tut Eure Pflicht!

Deutsches Resch.

Puttkamers Austritt aus dem Reichs- drenste. Den Berliner Abendblättern zufolge reichte Gouverneur D. v. Puttkarner beim Reichskanzler em Gesuch um Verabschiedung aus dem Reichsdienst ein.

vom hessischen Umrsiverein.

(Oiiginal»Öcriii i des Eigener Umcigers.)

Die am 7. Mai abgehaltene ungewöhnlich leblM be- sucht- Hauptversammlung des Kuuswercms Ker das Gr°s,h°r- zogturn Hessen, über bie ui diesem Blatt schon kurz bericytel toorben ist, stand unter dem Zeichen der Rewrm. Wichtige Anträge, bie alle demselben 3U zustveteen, dem neues Leben zu verleihen und in allen Teilen des £ftnbe3 nfme| I - ierene für ihn zu wecken, waren sowohl vom Ausschuß als von Mitgliedern eingegangen. Einstimmige Annahnie wnd ein vom Ausschuß beantragter Zumbzu ben ^atzungen, wonach Ausschuß beschlichen bart, baß statt ber bisher üblichen ycr losuna von an gekauften Kunstwerken wieder neben derselben An­rechtscheine unter die Mitglieder verlost werden wlen,welck)e ten Gewinner berechtigen und verpflichten, binnen bestlmmter ^'it für ben betreffenden Geldbetrag Kunstwerke, bie ich Kunst-

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verbraucht werden sollen. Damit werden.'^dists>;adr einer

mal niemand über daS Veremsolatt zu bettagem Lwmmi

Schlüsse einen ^9 der ^r,o.il. - nver Gvpflogenheilen, inb zugleich der Forderungen oes g 18öi Ql3 lang

ine bei ber Grnnonng bu rcV?, x, ,^.7-. hen Anspr>ichen lewäbrt und nachahmenswert gellen teuften, Den u-Nsprauna der heutigen Kuuftpslege aber nicht mehr ^nugen

-J d°» MÄWnS.

Nbt b« ebenenolt, ,,»ur H°rst-lluug und B-,chaung

Dienst sich der Kunstverein durch bl.

Schaffung jenes Fonds

künstlerische Sauer.

gestellt hat, würoigen Ausdruck veincihen Durch Talen.

bewilligt worden. Hiervon entfallen auf persönliche Ausgaben 12 000 Mark, an sachlichen Ausgaben sind vorgesehen für Bureaukosten 2000 Mark, für staatliche Aufwendungen in be­sonderen Fällen für die Erhaltung und Wiederherstellung so­wie die Aufnahmen nichtstaatlicher Baudenkmäler, Altertümer und beweglicher Denkmäler, für Ausgrabungen, sodann für Erwerbungen für das Tenkmalarchiv zusammen 1OOOO Mark. Dieser Fonds dient in der Regel zur Gewährung von Staats­zuschüssen in kleineren Beträgen. Für solche Anforderungen, die jeweils den Betrag von 3000 Mark überschreiten, sind in besonderen Posten zusammen 12 000 Mark eingestellt. Diese Summe verteilt sich wie folgt: für die Karmeliterkirche in Hirschhorn (als zweite Rate von 9000 Mark) 5000 Mark, für das Rathaus in Büdingen (als erste Rate von 8000 Mack) 3500 Mark, für bie Katharinenkirche in Oppenheim 3500 Mark. Ferner ist noch ein Betrag von 1500 Mark für einen Jahresbericht der Organe der Denkmalpflege eingestellt, der, mit Abbildungen ausgestattet, über das, was auf dem Gebiete ber Denkmalpflege seit dem Erlaß des Denkmal­schutzgesetzes in Hessen geschehen ist, zum ersten Mal Rechen­schaft ablegen soll.

** Die 2 7. Hauptversammlung des Vogels­berger Höhenklubs findet am Sonntag, 14. Juni, zu Nidda statt. Von 10 Uhr ab ist Frühstück und Frühschoppen im Gambrinus, worauf um 11 Uhr die 2. Hauptversammlung dortselbft beginnt. Auf der Tagesordnung stehen u. a. Bericht über bie Tätigkeit des Gesamtvereins im abge- laufenen Vereinsiahr. Wahl des Orts für bie nächste Haupt­versammlung. Beschlußfassung über bie eingebrachten An­träge: a) Antrag bes Zweigvereins Alsfeld: Bewilligung eines Beitrags von 50 Mk. zur Aufstellung von Bänken, b) Anträge des Zweigvereins Frankfurt: 1. Herausgabe einer neuen Spezialkarte des Oberwaldes sowie einer Touren - Karte von Oberhessen. 2. Erneuerung ber Wegmarkierung; speziell der Routen: Taufstein-Geisel­stein-Lanzenhain und Taufstein-Geiselstein-Eichelhain-Hopf- mannsfew-Lauterbach. c) Anträge des Zweigvereins Ge­dern: Nach Fertigstellung des Bismarckturmes auf dem Taufstein: Ausführung des Baues des Ernst Ludwig- Turmes auf der Herchenhainerhöhe durch den Vogelsberger Höhenklub, wenn ber Verkehrsverein Vogelsberg als Zweig­verein dem V. H. C. beitritt, d) Anträge bes Zweigvereins T a u f st e i n z u G i e ß e n: 1. Die Hauptversammlung wolle bie Mittel für die innere Herstellung bes Klubhauses be­willigen und bie Art und Weise ber Ausführung bem Zen­tralausschuß überlassen. 2. Der Zentralausschuß soll bie Eisenbahnbirektion Frankfurt um einen jährlichen Unter­stützungsbeitrag zur Erschließung bes Vogelsbergs ersuchen, e) Anträge des Zentralausschusses: 1. Neubruck ber Satz­ungen und Ermächtigung des Vorstandes zur Vornahme von redaktionellen Aenderungen. 2. Einfügung eines Absatzes 3 zu § 11: Für den Vorstand zeichnet rechtsverbindlich der Vorsitzende und ein Mitglied des Vorstandes. 3. Die Haupt­versammlung wolle dem Mehraufwand von ca. 2500 Mk. bei dem Ausbau des Klubhauses, die durch unbedingt not­wendige Abweichungen von dem Bauplan und durch Ver­legung der Aborte in einen besonderen Anbau veranlaßt waren, nachträglich Genehmigung erteilen. Aufnahme der neugegrüiibeten Zweigvereine Büdingen, Gießen, Orten- berg und Vilbel. Feststellung des Voranschlags für 1908/09. Ergänzungswahl des Vorstandes des Gesamtvereins. An­schließend an die geschäftlichen Verhandlungen findet ein gemeinsames Mittagessen um 1 Uhr im Gambrinus statt. Nach dem Essen soll bei günstiger Witterung ein gemein­schaftlicher Spaziergang nach Bad Salzhausen und dort ein Besuch des Kurkouzertes der Kapelle des Thüring. Ulanen-Regts. Nr. 6 unternommen werden. Ter Voranschlag für 1908/09 schließt in Einnahmen und Aus­gaben mit 2100 Mk. ab.

nehmens macht.

Es war ein großer Entschluß, über den so beträchtlich angewachsenen Fonds zu verfügen, aber er wurde erleichtert durch die Erwägung, daß nirgends im Lande eine große Aus­gabe von solcher Bedeutung und Eigenart gestellt sei. So haben auch die anderen im Kunstverein berrrelcnen Städte neidlos der Landeshauptstadt den Vorteil und den Ruhm der ernsten Ver­wendung des Dispositionsfonds zugestanden.

Inzwischen hat Die neue Ansammlung des Fonds bereits begonnen. Wieder wird es eine Reihe von Jahren dauern, bis seine Verwendung in Frage kommen kann, und wenn der Beschluß dieses Jahres, von Ansammlung abgesehen und auch das dafür vorgesehene Fünftel anderen Zwecken mzuwcnteu, sich öfters wiederholt, fo wird die Frist sich noch wesentlich verlängern. Jedenfalls Cann man bei Zeiten sich darüber klar werben, welche künstlerischen Aufgaben, nun auch außerhalb der Hauptstadt, das Land wirb stellen tonnen. Denn cs m nicht mehr als billig, daß bei der nächsten Verwendung des Fonds andere Teile des Landes in erster Linie in Betracht grogen werden, und sicher werden die Vertreter der Hauptstadt bann ebenso loyal solchen Ansprüchen cntgegen.'oimnen, wie diesmal die Mainzer, Offenbacher, Wormser und Gießener den |u woyioe- gvündeten des Vorortes. Eines darf man zuversichtlich er­warten, und das ist die Haupsiaa>e: Daß es bann wie jetzt, vielleicht noch in höherem Sinne, eine blühende l;_ fische Kunst geben und daß es nicht schwer fallen wird, unter GmDeskindern Die Künstler zu finden, bie Dem Hochsinnigen Gedanken, in dessen

von Kunstwerkcll zur Ausschmückung ...

Plätzen, von Kirchen, Fest- und Versarnmlungchalen rc. an-1 zuregen. Gerade damit hatte man dem Verein von Anfang an einen bedeutenden Einfluß auf das Künstleben des ganzen Lan­des, ein Mäzenatentum im großen Stil ermöglichen wollen, ohne sich zunächst Gebauten darüber zu machen, ob man auf kürzere oder längere Zeit Kapital anfamnieln, in kleinen Dofen ober mit seltenen, reichen Gaben die hessische Kunst füttern folle. Tie Praxis hat für das letztere entsch.eden. Bei Ansamm­lung von je Vs der Jahreseinnahme ließen sich in kurzen Fristen nur Betrüge erzielen, d e für bedeutende, des Vereins würdige Kunstzwecke nicht ausreichten. Man zögerte also immer von neuem und wartete auf eine große Gelegenheck. So hat man erst beinahe 20 Jahre nach der Gründung des Vereins sich entschließen können, den Fonds, der nun aus über 30000 Mark angewachsen war, zum erften Male zu verwenden. Höhere Kräfte ais die beschcebenen Mittel eines Kunftverems hatten inzwischen einen Aufschwung ter hessischen Kunst herbergeführt, den man sich bei ter Gründung tev Vereins mcht batte träumen lassen Große künstlerische Aufgaben, namhafte einheimische Künstler waren Da; eine herrliche Gelegenheit zu einer will­kommenen Mitwirkung des Vereins war geboten Eie be­deutendste architektonische Schöpfung, die Hessen in ben letzten Jahren hat enlsteheu sehen, Messels Museumsbau, war aus reichen plastischen Schmuck berechnet, der gegenüber den Museumsstücken älterer Zeit das Können der Gegenwart würdig darstellen sollte. In dem herrlichen, wecken Raum der turenhalle, in dem säMgegliederten ^reppenbau, findet das Auge des kimstempsänglichen Besuchers leicht die PunM, an denen ter entwerfende Künstler die Mitwirkung ter btltenten Kunst vorgesehen hat. Und sobald die Gewährung, der Mittel in Aussicht stand, war auch das Programm da. Hessische Künst­ler sollen hier schöne mW hoh, Aufgaben finten. Mit einer Marmorbüste des Großherzogs und zwei Bronzestatuen, deren Motto man nicht ängstlich bevormundend un voraus seftlegte, wirb Ludwig Habich teu feierlichen Repräsentattonsraum zwifchen den Treppmläufen mW der großen Prachtlür im Hinter- arund schmücken, Robert dauer das Treppengeländer mit marmornen Kinderfiguren ausstatten; auf der Hohe ter Treppe, iuo ' sich brettere Flächen entwickeln, werden, in Bronze oder

öffentlicher Bauten undi Terrakotta ausgeführt, Tierfiguren von Gaul Ausstellung fin­den, der seit seiner Mitarbeit am Kaiser Wilhelm-Denkmal zu Berlin als einer ber bedeutendsten Tierdarsteller unserer Zeit an­erkannt ist. Und baß keine dieser künstlerischen Aufgaben die an­dere stört, diese Kunstwerke miteinander mW mit Den Formen der Arcksttekten zu einer höheren Einheit verschmelzen, dafür wird die Bestimmung sorgen, daß ter Verein bie Summe von 30 000 Mk.ter Bauleitung zur Verfügung stellt," also Messel selbst zur ordnenden und leitenden Instanz des ganzen Unter»

Aus SLcrSL und Land.

Gießen, 2. Juni 1908.

** Ordensverleihung. S. K. H. ber Groß­herzog haben bem Fürstl. Haushofmeister Michael Schoen zu Schönberg bie Krone zum Silbernen Kreuz bes Verbienstorbens Philipps bes Großmütigen und bem Kam- merbieuer Philipp Dubois zu Schönberg bas Silberne Kreuz bes genannten Ordens verliehen.

** Die Denkmalpflege in Hessen. Im Haupt­voranschlag für bas Jahr 1908 sind für Denkmalpflege im ganzen 37 500 Mark eingestellt mW von ben Lanbstänben

AuflösungbespreußischenAbgeorbneten- Hauses. DerStaatsanzei^er" veröffentlicht eine könig­liche Verorbnung vom 1. Ium, burch bie bas preußische Ab- georbnetenhaus ausgelöst wirb.

Der erste Jugenbgerichtshof in Berlin ist gestern am Amtsgericht Berlin-Mitte eröffnet worben.

Der neue amerikanische Botschafterin Ber­lin, Hill, ist für ben Fall, baß ber republikanische Präsi- bentschaftskanbibat, Kriegssekretär Tast, aus bem Wahl­kampf als Sieger hervorgehen sollte, für bas von biesem bann neu zu bilbenoe Kabinett als Staatssekretär bes Aus­wärtigen in Aussicht genommen.

Das Weingesetz wirb, einer Melbung berKöln. Ztg." zufolge, voraussichtlich mit kurzer Frist mit ein- gehenber Begrünbung vom Reichsamt des Innern bem Bunbesrat vorgelegt werben. Es kann baher erwartet werben, baß ber Bundesrat bald nach ber Sommerpause über ben Gesetzentwurf Beschluß fassen wirb, so baß ber Entwurf bem Reichstage gleich bei bessen Zusammentritt im Laufe bes Oktobers vorgelegt Werben wirb.

Oberstleutnant Quabe, ber ben Staatssekretär bes Reichskolonialamtes auf seiner Reise nach Deutsch-Ost­afrika begleitete, soll seinen Abschied' einreichen wollen. Man bringt in kolonialen Kreiseii diesen Wechsel im Ober­kommando ber Schutztruppe in Zusammenhang mit Diffe­renzen, die während ber ost afrikanischen Reise Dernburgs ihren Anfang genommen haben sollen.

23er b anb berbeutschen Buchbrucker. Die zur­zeit in Köln tagenbe 6. Generalversammlung bes Ver- banbes ber beutschen Buchbrucker hat gestern nach berKöln. Ztg." bie von Leipzig vorgeschlagene, von ber Verbanbsleitung gebilligte Entschließung einsttmmig an­genommen, bie bcchin geht, baß ber Verbanb auch ferner auf bem grunbsätzlichen Stanbpunkt ber gewerkschaftlichen Neutralität unb in gleichem Sinne ber Solibarität zur all­gemeinen Arbeiterschaft stehe, baß aber ber Anschluß an bie Generalkommission ber Gewerkschaften Deutschlanbs not- wenbig sei. Der Antrag wurde einstimmig angenommen, nachdem Berlin einen Zusatz, baß von allen Organen bes Verbanbes bie Beschlüsse unb gewerkschaftlichen Verträge zu befolgen seien, zurückgezogen hatte.

Ausland.

Ein Zarenbesuch in England? In letzter Zett ist auffallend viel von Reifeplänen des Zaren die Rebe gewesen, ohi^ daß ttch auch nur eine dieser Meldungen bewahrheitet hätte. Auch jetzt wieder spricht man von einem Zarenbesuchc. Wie man derPolit. Korresp." aus London meldet, verlautet dort in gut unterrichteten Kreisen, daß für den Herbst d. Js. ein acht­tägiger Aufenthalt des Zarenpaares in Windsor in Aussicht ge­stellt sei. Heute siedelt übrigens die Kaiserliche Famitte nach Peterhof über. Nach der Entrevue in Reval beabsichtigt der Kaiser mit der Kaiserin eine Kreuzfahrt in den finnischen Schären zu unternehmen. L ,

Der serbische Kronprinz. Amtlich wird die Mel­dung eines Berliner Blattes, wonach der serbische Kronprinz die Bandenbewegung unterstütze, als böswillige 83erleumdung be- zeichnet. $ neue persische Kabinett ist bereits zusammen­gestellt. Das Innere übernimmt Muschir es Saltaneh, das Aeußere der frühere Gesandte in London Ala es Saltaneh.