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02/05/1908 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

158. Jahrgang

Samstag 2. Mai 1908

Annahme von Anzeigen

VezngdpretS: monatlich 75Pf viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post £Dlf.2. viertel- jährl. ausschl. Bestellg. äetlenpreiS: lokal. 15Pf^ auswärts 20 Pfennig.

Verantwortlich für den politischen Teil: E. Anderson; s. Feuille­ton undVermischtes" P. Witiko; für .Stadt

eomtttagTiouh" N«tatlsnr»ruck und Verlag »er vrühl'schen Univ.-Vuch- MI» SKinöruderet. 8. Lange. Be»aftion, Lrxedilion UN» Druckerei- SchulNraße r.

_____________________________ u Anzeigenteil: H. Beck.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Nr. 103

Der Gtetzener Anzeige, erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich AirhenerLamilienblälter; »weimal wöchentl.Ureis- blatt für öen Kreis (Sicfoen (Dienstag und Freitag); zwermal monatl. Land» wirtschaftliche deitfragen yernsprech-Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Exvedüion 51 Kdreffe füt Depeschenr «nzetger Gießen.

Die heutige Nummer umfaht 18 Seiten.

Aus SrudL und Land.

Gießen, 2. Mai 1908.

** Zu W ichernS Gedächtnis. Man schreibt uns: Es scheint säst, als ob die Nachwelt, wie bei so vielen großen Männern, Wicherns wirklichen Wert erst jetzt erkannt hätte und doch gab es zu seiner Zeit auch Leute, die die hervor­ragende Persönlichkeit Wicherns erkannten und sein weites Herz sür das Volk zu würdigen verstanden. Der preußische König, der Großherzog von Mecklenburg usw. waren öfters Gäste im Rauhen Hause. Wenn Wichern mit seinen Gästen im Rauhen Hause weilte, möglicherweise unter dec alten ehr­würdigen Kastanie, die die Geschichte des Rauhen Hauses miterlebt hat, dann ertönte plötzlich fröhlicher Kindergesang, die Gäste waren überrascht und entdeckten schließlich die kleinen Sänger in den Zweigen der Kastanie versteckt. Es wird vielleicht manchen Gießener interessieren, daß im Ga rten unserer Herberge zur Heimat, einer Anstalt, die seit 20 Jahren von Brüdern des Rauhen Hau; es geleitet wird, sich' ein Sp rößlin g dieses alten Baumes befindet, der die Höhe von 2 m schon erreicht hat. Der Gesang hat bei der Erziehung der geistig und sittlich verwahrlosten Kinder des Rauhen Hauses eine besondere Rolle gespielt. Die älteste Tochter Wicherns zeigte auch besondere Gaben für Musik. Von ihr sind eine Anzahl Lieder erschienen, die so recht die jugendliche Frische des Rauhen Hauses an sich' tragen. Die Gesangsabteilung des Evangelischen Arbeiter-Vereins bereitet einige dieser Gesänge zur Wlchernseier am 10. Mai vor.

haus werden sie ein lernfreudiges und willensstarkes Geschlecht heranwachsend finden, dem keine greisenhafte Pedanterie den Schul­gang zur Last macht und keine kurzsichtige Pädagogik die Energie zum Lebenskämpfe langsam, aber sicher zerbricht. Wenn s i c nicht geistig blindsind, so werde nsienach Deutsch­land zurückkehren mit dem guten Willen, mehr als bisher der Jugend zu geben, was der Jugend ist." Das wäre in der Tat aufs fieudigste zu begrüßen.

Lin deutsch-amerikanischer Lehreranrtausch.

Der Austausch von Universitätsprofessoren zwischen Deutsch- land und Amerika, der seinerzeit auf Anregung unseres Kaisers ins Leben gerufen wurde, war ein Experiment, von dem man sich ui weiten Kreisen anfänglich nicht viel versprach. Auch der Austausch von deutschen und englischen Studenten, wie er durch eine Stiftung von Cecil Rhodes unmöglich wurde, konnte die Zweifler noch nicht überzeugen. Der Gedanke eines solchen Austausches scheint sich nun aber doch als fruchtbar erweisen zu wollen, und der Austausch von deutschen und fianzösischen Schü­lern, der bald darnach ins Werk gesetzt wurde, hatte schon sehr viel Bestechendes an sich. Inwiefern es sich bewährt hat, darüber läßt sich wohl noch kaum ein abschließendes Urteil abgeben, aber daß auf diesem Wege etwas wirklich Brauchbares zu erzielen ist, wer wollte das ohne weiteres bestreiten. Inzwischen ist man nun aus dem einmal eingeschlagenen Wege einen Schritt weiter fortgeschrit­ten. Man will einen deutsch-amerikanischen Lehrer- austausch herbeiführen, und die langen Verhandlungen hierüber zwischen dem preußischen Kullusministerium und den Verein. Staaten haben schon, wie dieKöln. Ztg." erfährt, Erfolg ge­habt. , Schon im kommenden Winter soll der erste Lehreraustausch stattfinden. Was man sich von diesem deutsch - amerikanischen Lehreraustausch verspricht, faßt der Washingtoner Korrespondent derKöln. Ztg " in folgendem zusammen:

Die deutschen Lehrer aber werden im Laufe der acht Mo- nirte, die sie hier an einem College oder zur Not auch einer Nigh School zubringen sollen, die Erfahrung machen, daß Amerika sie ebensoviel lehren kann wie die ältesten Kulturstätten Europas. Gerade im Verkehr mit der Jugend des Landes werden sie die Jugend des amerikanischen Volksgeistes erkennen und den Zauber dieser Jugend genießen, der sich nicht beschreiben und nach Europa herübersenden läßt, der aber ansteckend wirkt auf jeden empfänglichen Geist und wohl das Geheimnis der wun­derbaren Anpassungskraft dieses Volkes aufs einsachste erklärt. Tastend werden sie das Neuland unter ihren Füßen entdecken, werden andere Begriffe von Staat und Regierung, Schule und Kirche, Polizei und Beamte,ttum, bürgerlichen Berufen und so­zialen Ständen in sich ausiiehmen und verstehen lernen, werden an ererbte Vorurteile abstreifen und werden der Freiheit des Den­kens, wie die Hochschule sie lehrt, die Freiherr des Lebens, wie, Ame­rika sie lehrt, gleichschätzen lernen. Gewiß werden ihm auch die großen Unvollkommenheiten dieses jungen Volkes nicht entgehen; seinen Mangel an gemeinsamen Interessen, seine nationale Eitelkeit, die Mechanik seines Denkens, die alles über einen Kamm scheren möchte, seine Liebe zum Absurden und zu schrillen Wirkungen, seinen wenig entwickelten Kunstgeschmack w.rdcn ne schon m der Schulstube beobachten können. Doch sie werden glauben lernen, daß diese Unvollkommenheiten mit den Jahren der Reife ver­schwinden werden, wie Amerika selbst es glaubt, und werden in solch jugendmutigem Glauben aufs neue das Geheimnis seiner Straft erkennen. So wird ihnen auch der Bau des amerikanischen Unterrichtswefens gegenüber dem deuffchen nur wie ein roh­gezimmertes Blockhaus erscheinen, denn er entbehrt sowohl einer gleichmäßig wissenschaftlich ausgebildeten Lehrerschaft wie einer einheitlichen und systematischen Gliederung. Aber in diesem Block­

in Berlin eingetvoffen. Das Verfahren wird, roie es bestimmt heißt, nach Möglichkeit beschleunigt und mit jedem Nachdruck führt werden. Dem Fürsten Eulenburg stehen als pi«htsbei- stände der Geheime Justtzrat Lämmel in Neu-Ruppin und der Justizrat Wvonker in Berlin zur Seite.

Zu dem Ermittelungsverfahren gegen den Fürsten Eulen­burg erfahren die Berliner Aiorgenblütter ferner, daß bic Ge­richtskommission sofort nach ihrem Eintreffen eine Haus­suchung vomalhm, bei der mehrere Briefschaften be­schlagnahmt wurden. Der beigegebene Gerichtsarzt Hoff­mann stellte fest, daß der Fürst wegen schweren Krankheitszu­standes nicht tva us Port fähig iei. Dem Fürsten wurde in aller J-vrm mitgeteilt, daß gegen ihn die gerichtliche Voruntersuchung wegen Verdachtes des wissentlichen Meineides eröffnet sei. Der Fürst entgegnete, er sehe dem Fortgänge der Untersuchung mit Stube entgegen und wünsche nichts anderes als den Zeugen Riedel und Ernst gegenübevgestellt zu werden; er könne sich nicht erklären, wie diese zu ihren Llussagen gekommen feien. Harden war für gestern vormittag in der Straffache gegen den Fürsten Eulenburg wegen Meineides vor den Untersuchung^, richtet nach Moabit als Zeuge geladen. Das Versa hren, gegen Justizrat Dr. Bernstein in Aüünchen wegen Be­leidigung des Fürsten Eulenburg ist bis zur Erledigung baa wegen Meineides gegen den Fürsten eingeleiteten Vorunter-,

Anstand.

Rücktritt Fritjof Nansens. In der gestrigen Sitz­ung des norwegischen Staatsrates wurde dem König das Gesuch Fritjof Nansens unterbreitet, der seine Enthebung von dem Posten des Gesandten in London, den er seit drei Jahren inne hat, erbittet. Das Gesuch wurde genehmigt.

Niedermetzelung von Armeniern und Juden. Telegramme aus Tiflis melden, daß an der ttlrkisck-en Grenze furchtbare Armenier - und Judenmassakres stattgefun- ixn haben. Tausende fliehen nach Jelisawetpol und anderen russischen Städten, jedoch auch dort werden sie von Tartaren bedroht. Angeblich sind 10 000 bewaffnete Perser im Anmarsch, um die Ordnung wiederherzustellen. Eis wird befürchtet, daß sich die Kurden der Bewegung anschließen, und daß ein Grenz- frieg ausbricht.

Persisches. Ein Teheraner Blatt brachte vor kurzem einen Artikel, in dem dem Schah ein lasterhaftes Pri­vatleben vorgeworfen wurde. Der Redakteur wurde an­geklagt, trat aber den Beweis der Wahrheit an für seine Behauptungen. Der Schah zog darauf die Klage zurück und die Zeitung erscheint wieder.

Aufruhr in China. Nach einer Meldung aus Shang- h a i wurden in der chinesischen Stadt Hingshang von der durch die neuen Steuerdekrete empörten Bevölkerung das Gerichtsge­bäude zerstört und die Gefangenen fieigelassen. Diese legten Feuer an di e Gebäude der französischen Mission. Der Aufruhr ist noch im Wachsen.

Voruntersuchung gegen den Fürsten Luienlmrg.

Gegen den Fürsten Philipp Euleubuvg ist auf Gruird der im Münchener Hardenprozeß erfolgten Zeugenaussagen die Vorunter­suchung von der Staatsanwaltschaft beantragt und vom Gericht beschlossen worden, und zwar wegenWerdachtsdes wissent­lichen Meineides. Es handelt sich dabei um die eidliche Aussage des Fürsten, feüurteiSchmutzereien" getrieben zu haben, der die Aussagen der beiden Münchener Zeugen entgegensteh-en. Es hat sich gestertl, da Fürst Eulenburg krank ist, eine Gerichts- konrmission nach Liebenberg begeben, bestehend aus dem Unter* suchungsrichwv, Landgerichtsra' Schürdt, dem Protokollführer, dem Kriminallommissar 'Diane und Dem Gerichtsarzt, Medizinalrat Dr. G. Hoffmann. Die ärztliche Untersuchung hat ergeben, daß Fürst Eulenburg nicht transportfähig, sondern schwer krank ist. Es ist auch sestgestellt worden, daß das schwere Leiden schon seit Jahr und Tag besteht. Die StaatS- anwallfchaft hat sofort nach dem Däünchcner Prozeß das Er­mittelungsverfahren eingeleitet und hat bann, ohne erst das Ein­treffen der Münchener Akten abzuwarten, die Eröffnung der Vor­untersuchung beantragt. Die Protokolle des Münchener Gerichts, insbesondere über die Zeugenaussagen sind auch jetzt noch nicht

Prinz Emil von Schönaich Larolath f.

Ter römische Imperator 9icro, int Nebensache Dichter, Schau­spieler und Musikant, den begabte deutsche Primaner zum Hel­den ihres ersten bluttriesendeu Versdramas zu machen pflegen, ist ein unheilvolles Vorbild für gefürstete Künstler geworden: er hat die sck>öngeistigen Schöpfungen derer, die auf den Höhen der Menschheit wandeln, in Verruf gebracht oder wenigstens mit Vorurteil belastet Die Großen dieser Welt, die als Dichter oder Tonsetzer,' sD)laLer oder Bildhauer hervortteten, haben schwerer um Anerkennung und richtige Wertung ihrer Werke zu ringen, als die von Geburt Kleinen, die namenlos ihre künstlerische Laufbahn beginnen. Man hegt immer ein leises Mißtrauen gegen Gaben aus Fürstenhand und kann sich icbtoer gewöhnen, das Buch eines hochgestellten Mannes ohne Vor­eingenommenheit in die Hand zu nehmen.

Dieses Schicksal ist auch dem nun leider verstorbenen Prinzen Emil zu Schönoich-Carolath nicht erspart geblieben, der als Lyriker wie als sJtoDctli)"t zu unseren Ersten und Besten ge­hörte. Unter seinen erzahfeuden Werken finden sich Meister­stücke, wieTie Sphinx",Ton Juans Tod",Die Kiesgrube", Bürgerlicher Tod",Der Heiland ber.Tiere", und viele andere, und einzelne seiner Gedichte und Lieder rechnen zu den schönsten, die das jüngere Tentsckstand beroorgebracht hat. Voll- und aleichwertig steht Schönaich--Carolaih neben Konrad Ferdinand Meyer, Th. -Storm, Klaus Gtroil) und Detlev von Liliencron, und doch wer kennt daS künstlerische Lebenswerk dieses zu früh verblichenen tiefen und männlichen Geistes?

Es läßt sich denken, daß der Dickterprinz schwere innere Kümpfe zu bestehen hatte, ehe er sich zu einheitlicher Welt­anschauung burdjrang unb das vollkommene geistige Gleich- getvicht sand. Prinz und Dichter! Wenn der eine mit dem anderen im Streite lag, so mar es nicht immer der Dichter, der schließlich Sieger blieb. Hier der Trager eines alten Namens, der Besitzer reicher ebrlmirbtgcr Stammgüter, als Prinz ge­boren und erzogen, mit all ben Trieben und Lebensansichten, die schon int Blut liegen unb dort der freigeistige Mensch das ungebundene Künsllerherz, der hochsttebende Gedankenflug des Dichters! Das sind [eine kleinen Seelenkämpfe. Wie alle wahre Kunst im letzten Grunde nur Bekenntnis und Offen­barung der Persönlichkeit ist, so spiegeln auch dte Schöpfungen des Priitzen Ockstmaich^Earvlath ben Werde- und Entwicklungs­gang des nut sich ringenden Menschen wieder. Wie der Dichter selbst über sich urteilte, zeigt ein Brief, den er an eine Dame schrieb, die ilpt an einem Vortragsabend nach seiner Meinung -über Gebülxr gefeiert hatte:Ich bitte Sie dringend, nie etwas anderes in imc zu sehen, als nur den geistesverwandten Künstler, uuo alle Titulaturen beiseite zu lassen. Wenngleich öie, hochverehrte gnädige Frau, meine Leuchtkraft für spätere Zeiten allzu Iwch bewerten, so gebe ich deitnoch zu, daß ich mich stets bestrebt h.rbe, trotz aller Leidenschaft des Tempera­ments die Linien, welche das Gesetz der ewigen Schönheit vorzeichnet, ftreng innezuhalien. Dieses Eine gelang mir viel­leicht besser, als manchen: meiner Zeitgenossen, doch es fiel mir leicht, »oeil mein Herz von der Jugend an der Romantik und dem Hellenentum eutgegengeschlagen."

Es ivar gewiß ein Glück für den Dichter, daß er f:ch gans nach eigenem Gefallen ausleben und ohne äußeren Zlvang feinen Neigungen und Liebhabereien folgen tonnte. Ter Schönheits­sinn wurde schon im Knaben geweckt. Geboren am 8. Aprll 1853 üt Breslau als einziger Sohn des Prinzen Karl und der Prin- tzesfin Emilie, geb. von Oppen-Gchlldeu, verbrachte er den

Winter vielfach mit seinen Ettern in Italien, die ihren ständigen Wohnsitz in Wiesbaden hatten. Früh verlor er Vater und Mutter. Als Leutnant trat er in das Kur märkische Dragoner- Regiment 9ir. 14, doch konnte er im militärischen Leben keine Befriedigung finden. Er zog sich auf seine dänische Besitzung Paulsgaard zurück seine Mutter war eine geborene Dänin und von hier aus unternahm er große Reisen, die ihn nach Spanien, nach dem Orient und nach Afrika führten. Längere Zeit blieb er in Zürich, wo er Vorlesungen von Johannes Scherr besuchte-und herzlick)c Beziehungen zu Kvnrad Ferdi­nand Meyer anknüpfte, bic in einem lebhaften Briefwechsel bis zum Tode des großen Schweizer Dichters fortdauerten.

Prinz Schönaich-Carvlath ist als glücklicher Gatte und Vater auf seinem prächtigen Besitztum Hasewvrf in Schleswig-Holstein gestorben. . Von den sechs Kindern, die seiner Ehe mit der aus Efthland stammenden Katharina von Knorring entsprossen, steht das älteste, die Prinzessin Margarete, bereits im 20. Le­bensjahr.

In diesem verlorenen Erdenwinkel des meerumschlungenen norddeutschen Landes wirkte und schaffte in genissinsamer stiller Arbeit das prinzliche Paar. Denn auch die Gattin des Dichters hat ein Feld künstlerischer Betätigung gefuiiden, die ibr selbst reiche Befriedigung, der Dorfbevölkerung aber lohnenden Er­werb gewährt. Das eigenste Merl der nun venvitweten Prin- zesfin ist es nämlich, daß> jetzt in den Häusern dort wieoer lustig die Webstühle schnurren, die solange verstaubt und vernach­lässigt auf der Zftunpelkammer staiiden, daß weiße uiü» farbige Gewänder, mit eigenartigen nordischen Mustern geschmückt, m die weite Welt hinausgesäfickt iuerben. Diese Liebe zur Heimar­beit hat bie Prinzessin aus ihrem baltischen Vaterland mit* gebracht, aus dem so viele unnachahmliche Erzeugnisse des Kunstgewerbes zu uns kommen, und es ist dankenswert, daß sie diesen Haussleiß in ihrer neuen Heimat hegt und pflegt.

Ter nun dahingegangene Dichter, der leidenschaftliche Na­turfreund und eifrige Jäger lebte nicht abgeschlossen in seiner Gedankenwelt, sondern in steter Berührung mit anderen Menschen, mit der Bevölkerung des Landes und seiner Scholle. Unb das kam seiner Künst zugute. So manches seiner Gedichte mutet wie ein echtes Volkslied an. Zur Probe eins dieser sang­baren Lieder:

Wenn dir ein Mägdlein recht gefällt, Uni) sie nimmt einen andern. Dann heißt es in die weite Welt Zu wandern.

Ta draußen viele Mädchen sind. So viele blond und braune, Als Rosen blüh'n im Maienwind Am Zaune.

Mit neuem Glück, an neuem Ort Zufrieden sind bie Mehrsten, Ost treibt ein zweiter Nagel fort Ten ersten.

Wenn dir ein Acägdleia recht gefällt, Unb sie nimmt einen andern. Dann ift's am besten, aus der Welt Zu wandern.

Weitere Pwben Schönaicher Lyrik finden unsere Leser in unseren heutigen Familienblättern.

Fest wurzelte der Dichter in feiner ihm eigenen Erde und fetten sah ihn bfe garße Wett. Aher die Welt kam $u ihm. Viele

Künstler unserer Tage haben in Haseldorf Einkehr gehalten! und unter dem gastlichen Dach des prlnzlichen Paares geweilt. Sie alle dachten wohl, einen stolzen und reichen Herrn zu fin­den, und sie fandeii einen bescheidenen Dichter uui> schlich reu Menschen. Die 9iach»oell wird den Tichre^Piinzen Euiil Schön- aich-Carolath nicht vergessen.

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D i e Akademie für Sozial- und Handels- Wissenschaften zu Frankfurt a. 9)1. roirb in den Pfingst- ierien unter Führung von Dozenten der Technik, Volkswirtjchaits- lehre unb Wirlfchaftsgeographle eine auf 10-12 Tage berechnete Exkursion zur Besichtigung von Hasenanlagen, Fabrik-, Bergwetts- und anderen Bettieben unternehmen, bei der insbesondere Genua, Marseille und Lyon besucht weiden jollen.

Internationale Ausste11ung für Volkskunst. Eine für 1909 in Berlin geplante Internationale Ausstellung iür Volkskunst erfreut sich bereits reger Teilnahme. In Deutschland iand sich besonders in Bayerii und Thüringeii Bereitioilligteil zur Förderung der Sache. Ente Anzahl Fürstinnen versprach für ihr i^and die Angelegenheit in die Hand zu nehmen und trat dem Ehrenkommitee bei, so die Königin von Rumänien, die Groß­herzogin von H e s s e n, die Regentin von Braunfchmeig, bir Fürstin von Schaumburg°Lippe.

Für die vom 20. bis 26. September in Köln stattsindende 8 0. Versammlung deutscher Naturforscher und A e r z t e sind Vorträge in Aussicht genommen von Prozessor Dr. Heim-Zürich (Teckenbau der Alpen), Major v. Parseoal-Berlm (Motorballons), Professor Tr. Stadler-Ptunchen (Albertus Magnus als Naturforscher), Geheimrat Proiessor Dr. Rubner-Berlin, Professor Dr. Hassert-Kolii (Kamertm), Professor Dr. Wiener-Leipzig (farbige Photographien) und Professor Dr. Losleiu-Liüuchen (Try­panosomen).

Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft. Der VarietLkünftler u.Reklameheld Danny Gürtler hat bekanntlich sein Heine-Denkmal auch der Stadt F r a u k f u r t angeboten. Wie in Köln hat er aber auch dort einen ablehnenden Bescheid erhalten. Nun beabsichtigt Gürtler das Denkmal zunächst der Stadt Breslau aiuuöieten. Das Neue Theater zu Berlin 'erzielte mit einer flotten Aufführung der oieraftigen Groteske Ramon der Abe n teurer von Ernst Prange unb Willy Rath (dem früheren FeuiU.-Red. des Frank'. Gen. Anz. einen vollen Heiterkeitseriolg. Tas Stück parodiert die Detektivirücke imb erzielt zugleich mit denselben Mitteln seine Wirkriug. Das ergibt mit nicht allzugroßen Unkosten an Geist zugleich Ulkstimmung und Spannung. In allen Gesährnissen, die meist verliebter Art sind, bewährt sich Ramon als gewiegter Schurke. Er bringt es bis zum Prasü)enten einer südamerikaiiischen Republik, und mit der Höllenmaschine, die ihn verderben soll, entwaffnet er seine Gegner. Die preußische Akademie der Wissenschaften bewilligte dem Oberlehrer Dr. Ernst Gerland in Homburg vor der Hohe als erste Rate zur Bearbeitung und ^Herausgabe eines Corpus notitiaram episcopatuum ecclesiae orieutaLis graecaeque 1000 SDlt Am 1. Mai wurde die große Berliner Kun st- ausstellung eröffnet. Ter Präsident der Ausstellimg O. H. Engel hielt eine Ansprache, worauf Unterstaatsiekretär Weoer die Ausstellmig mit einem Hoch auf den Kaiser für eröffnet erklärte. Gleichzeitig erfolgte auch in Dresden in Gegeiuvart des Königs von Lachsen die Eröffnung der dortigen großen Kunstausstellung. Hieran schloß sich ein Rundgang durch die Aiisstellung sowie diirch die SonderausstellungenAlt Japan unb ferne Kunst" unb _Dis Kultur unter den sachsifchen Kurfürsten".