einer solchen Schar und in einem solchen Raume, klang, als ob -das niederländische Volksheer unter freiem Himmel Gottes Hülfe gegen die spanischen Unterdrücker herabflehte. Hier wollte der Applaus nicht enden. Tann noch zwei Volkslieder „Mußt t denn zum Städtele naus" und „Mei Lua", und endlich der herrliche Chor „Friedrich Rotbart" von Pobbensky. Tamit war das Programm ;u Cnde. Ter Beifall ließ nicht nach, bis die Wiederholung des Chors ertrotzt war.
Nach einem solchen Genuß hatten die folgenden Tuntoor» führungen auf dem Podium einen schweren Stand, allein sie fanden vor Turnern statt und so ward ihnen auch dankende Aufmerksamkeit und Beifall.
In der 5kon;ertpause verlas der Präsident der Teutitpen ^Tumerschaft Tr. Götz folgendes Telegramm:
„S. M. der Maiiet und Stönig haben Allerhöchn über den treuen Gruß der um deutschen Turnfest Dort versammelten Turner sich gefreut und lassen mit besten Wünschen »ür einen guten Verlauf des Festes herzlich danken. Auf Allerhöchsten Befehl .Wabmettdrat von Berg."
Präsident Götz brachte im Anschluß an die Verlesung ein dreifaches Gut Heil auf Kaiser und Vaterland aus.
Festkommers.
Die Deutsch-Oesterreichiscken Turner veranstalteten heute abend im Saale des stau'ntännischen Vereins einen Fest- kornrners, zu Dem der Verein Austria-Frankfurt sehr zahlreich mit dem Vorstand, Prof. Hausmann und Kaiserl. Rat Lustig, erschienen war. Ten Ehrenvorsitz führte Prof. Gad-Prag. Ter Mommerdleiter, Tumroart Müller, übermittelte die Grüße der bl'tcrr. Turner aller Lander und Stabte Oesterreichs an bie Versammlung. Dann gedachte er des Deutschen Kaisers und brachte auf ibn ein dreifriches Gutheü aus, an das sich das Absingen der deutschen Volkshymne anschloß. Prof. Keller Frankfurt a. M.) gedachte in seiner Crwiderung der herzlichen Beziehungen Lefterreicks und Deutschlands und vor allem des Kaisers Fran; Iosef, au' den er toastete. In der eigenllichen Festrede schilderte Prof. Gad die letzten Tumkampfe in Oesterreich und schloß mit einem Danke an die Ausschüsse. Der österrei-chische Abg. Keller liest das deutsche Land und Volk leben. Kaisers. Rat Spitzer «Wien- sprach von dem herzlichen Empfang, der den Oesterreichern in Frankfurt geworden. Sein Hoch widmete er der Stadt Frankfurt und ihren Bewohnern. Kaiser!. Rat Lustig vom Verein Austria, der einst zur Unterstützung bedürftiger Oesterreicher in Frankfurt gegründet wurde, führte aus, daß man erst im Auslande lerne, sich seiner Nationalität bewußt zu werden, wenn schon Deutschland für die Oesterreickfer nicht als Ausland gelte und Frankfurt ihnen eine wahre zweite Heimat geworden .sei. Sein Gut Heil galt Oesterreich. Liedervorträge und Della- mationen wechselten mit dem Gesänge von Volks- und Turner» liebem ab.
Eine gewiße Mißstimmung hat, so wird un8 von anderer Seite aus Frankfurt geschrieben, unter den Turnern das Fernbleiben des Protektors des Festes, des Kronprinzen, hervorgernfen. Ursprünglich war der Kaiser als Protektor ausersehen, allein schon die erste Fühlung- nahme ergab, daß keine Geneigtheit für ein kaiserliches Protektorat bestand. Der Festausschuß wandte sich dann an den Kronprinzen, der nach längeren Verhandlungen zusagte, jedoch dann plötzlich eine Reise nach seinen Vorarlberger Besitzungen an- kündigte und diese auch gerade in den Tagen durchsührte, in denen sich die deutsche Turnerschast zur Beschickung des Festes rüstete. Im letzten Moment mußte daher nach einem Stellvertreter gesucht werden und nachdem auch Prinz Eitel Friedrich abgesagt hatte, wurde dieser in der Person des Prinzen Oskar ge* .sunden, der seinen Studien in Bonn obliegt. Im Anschluß an eine Audienz bei dem Minister des Jiinerii und bem Kultusminister erwirkte der Festausschuß schließlich auch das persönliche Erscheinen Ides Prinzen Oskar. Doch konnte das erst in später Stunde erfolgte Eintreffen des Prinzen den Sturm ebensoivenig beschwichtigen wie seine vielfach gerühmte persönliche Liebenswürdigkeit. Wenn man bebenft, daß die Deutsche Turnerjchait nahezu eine Million wehr und waffenfähige Mitglieder zählt, die zum Teil gediente Soldaten sind, zum Teil demnächst unter die Fahne treten ,verden, und daß die Deutsche Turnerschast außerdem ihr Möglichstes getan hat, um das in früheren Fahren bestandene Mißtrauen hoher juud höchster Kreise gegen die Turnerei zu beseitigen, so kann inan die Erregung verstehen. Sie kam sowohl vor >vie nach dem sFestzuge zum Ausdruck nub bauert auch heute noch in unver- ininbectcc Stärke an. Es kommt hinzu, daß das Turnfest tatsächlich deutsch-national, daß bie Beteiligung allgemein war, unb bau ber Einbruch ben bie frischen und ihrer Kraft sich bewußten Turner machten, überall hervorragend günstig war. Dem Einwand, daß cs der Unabhängigkeit und der Freiheitlichkeit des Turnens nur nähen könne, wenn derartige Protektorate überhaupt nicht mehr in Frage kämen, ivird man mit Recht entgegenhallen, daß dadurch auch die Mitwirkung der militärischen unb Zivilbehörden bei solchen Festen in Frage gestellt wird, ohne bie es gar nicht möglich sei, die andrängenden ungeheuren Menschenmassen in guten und billigen Quartieren unierzubringen. ES wird and) darauf hingewiesen, daß beim Gejaiigsiveltstreit der Mäniiergesangoereine der Kaiser persönlich erschienen sei und daß er auch dem Gorbon- öcmictMHcimcii im Taunus beiwohnte, Sbivohl dort nationale Interessen infolge des Sieges der franz. Farben nicht in Frage tarnen. So schwungvoll und begeistert auch die Feier in der PaulSkirche verlausen ist, so allgemein ist es doch ausgefallen, daß die Schlußkundgebung sich iiicht an die Adresse des deutschen Kaisers, sondern an das deutsche Vaterland richtete und daß in der Mehrzahl der gehaltenen Reden bie herrjchenbe Verstimmung spontane Kimbgebiingen für den Kaiser nicht auffonunen liefe- — Zum ersten Male finb auf einem beutschen Turnfest bekanntlich auch deutsche Turner and Süd-West-Afrika vertreten gewesen, bie ihrer Enttäuschung über bad Fernbleiben beS Kaisers bezw. des Kronprinzen ebenfalls Ausdruck gaben.
Sieger.
Wie der „Gen.-Anz." meldet, siegten im Fünfkämpfe voraussichtlich :
1. Wagne r-Bern mit 106 Punkten,
2. Butter- Kamenz mit 103 Punkten,
3. Kaltenbach- München mit 102 Punkten,
4. Stapf- 'Minden mit 101'/, Punkten,
5. Wo 1 z» Berlin (Sieger ui Nürnberg) mit 99 Punkten. Heimfahrt der Turner.
In den Massenguartieren haben sich bie Reihen schon beträchtlich gelichtet. Etwa 15 000 Turner dürften bereits wieder abgefahren fein. Bei der Huldigung am TonnerStag vor dem Nieder- ivalddenkmal dürften noch runb 20 000 Turner tcilneljmen unb von Freitag ab wird wieder Frankfurt den Frankfurtern gehören.
Statistisches.
Ter Turnsestzugssonntag war das größte Volksfest, das bis jetzt überhaupt in bcutjd)cn Landen gefeiert worden ist. Mehr als die packendsten Stimmungsbilder sagen können, künden uns die Zahlen. Zimäcbst wird mitgeteilt, daß an dem Sonntag im öauptbalmbofe 220 Züge abgetanen würben. Fahrkarten wurden im Haupt da Iw hei für 1-11000 Mk., im Ostbahn ho so für ca. 50 000 Mk. verkauft. Die Schalter 4. Klasse im Hauptbahnhofe haben iiber 73000 Karten verkauft, die anberen Schalter insgesamt 60000, so daß also von auswärts, den Ostbahnhof mtigeredmet, etwa 300 000 Fremde für den Feftzug nach Frankfurt gekommen waren. AuS Offenbach beförderten Lokalbahn unb Trambahn annähernd 20 000 Personen. Zu diesen Zahlen kommen nun 40000 Turner, kommen Neugierige auS Frankfurt selbst, die man gut auf 200000 abfrfw^en darf, denn waS am Sonntag nur
Beine halle und humpeln konnte, war nach den Festzugsstraßen geeilt. Tie ältesten Mütterlein und Großväterchen,-die sonst leine Macht der Welt aus dem behaglichen Zimmer locken kann, waren mobil unb drückten sich mit schaulustiger Zagend im Gewirr. Tee Turneryig legte einen Weg zurück, der gut alles tn allem zehn Jtilometer lang war. Für das Durch'ckreiten die,es wurde die Zell von Mittag punkt 12 Uhr bis Nachmittags - .6 Uhr gebraucht, denn erst um diese Zeit kamen die Letzten des izest- zuges auf dem Festplatze an. , .
Von dem Durste der Turner laßt sich nicht annähernd eine Statistik geben. Tatfadie ist, daß die Geduld der Turner, bis sie endlich zum Abmarsch kamen, auf die härteste Geduldsprobe gestellt wurde, unb daß Sachs en hausen buchstäblich leer getrunken wurde. Selbst große Wirtschaften, bu* mit einem Massenbetrieb gerechnet hatten, waren eine, zeulang ohne Btcr. Es ereignete sich die spassige Episode, daß verschiedene Wirte gezwungen waren, auf stundenlangen Umwegen das Bi.w mittels Droschken aus den Brauereien zu holen, da eine Fahrt durch die Stab: infolge der Festzugsabip.rrungen unmöglich nmr. Nimmt man das Allermintmalste an, daß nämlich von der halben Million Mensck-en, die am Sonntag in Frankfurt geweilt hat, von jebem nur cm halber Liter Bier getrunken worden ist, so würbeii insgesamt 2500 Hektoliter Bier an einem einzigen Tage verzapft. Nimmt man aber an, daß von der halben Million Menschen den ganzen Tag über das Minimum von 2 Litern Bier verkamunnert worden ist, so gibt das im ganzen 10000 Hektoliter, was für die Brauereien eine Bruttoeinnah ni von rund 190000 Mark bedeutet. Nun kommen "bie ungezählten Rippchen unb die Frankfurter Wünstchen, die sind zu aber, abertausenden den Weg alles Fleisches gegangen. Auf dem Festpla^ selcht betrug bie Kasseneinnahme am Sonntag, soweit Tageskarten in Frage kommen, annähernd ,0000 Mark. '
9äxf) eine kleine Wahrscheinlichkeitsbereckmung. Wenn von der halben Million jede Person nur etne^Mark den Tag über ausgegeben hat, so fino an freiem Tage in Frankfurt eine Halde Mi 11ionMark für Speise unb T r a n t umgesetzt worden. Für Plätze, um den Festzug zu sehen, sind, da die Fensterplätze in der Hauptsache 20 Rfrirk pro Platz gekostet haben, n^ mald über 60 000 Mark vereinnahmt worden sind.
Mit einem Worte: Würde man alle Zuschauer Schulter an Schulter stellen, so würde man auf die Strecke von Frankfurt nach Kassel schon fünfzehn Personen hintereinander stellen müssen, um sie alle unterzubringen. Dabei ist nur eine Turchschnins- fd)ulierbreite von sechzig Zentimeter ms Auge gefaßt. Würde man die Festzugsbesucher der Lange nach aneinander legen, so könnte man damit eine Strecke belegen, die zehnmal so lang ist, wie die Strecke von Frankfurt nach Berlin, unb, rechnet man jeden der halben Million nur 50 Kilo schwer, so ergäbe die Masse ein Gewicht von' 25 Millionen Kilogramm.
Schließlich noch einige unangenehme statistische Zahlen. Unfälle tarnen 30, aber alle nur leichterer Natur vor, Taschendiebe wurden fiebert verhaftet, auf dem Festplatze leistete bie Rettungswache in 130 Fällen die erste Hilfe. Glücklick-crweise waren die Verletzungen nur leicht. Tic fliegenden Rettungswachen wurden etwa 100 Mal und die ständigen 30 Mal in Artspruch genommen.
Vom Slraßcnschmuck.
Vater JahnS Büste und das vierfache F der Turner dominieren überall; geschmückt mußte alles werben, von den Normal- Uhren und Automobildroschken bis zmn Fahrrad deS Schlächter- lungert. Bieten aber die großen Geschäftsstraßen mit ihrem imposanten und luxuriösen Schniuck ein Bild des Frankfurter Reichtums, so hat es einen ganz besonderen Reiz, die Altstadt mit ihren engen Gäßchen int Festschmnck zu sehen. Namentlich abends sind diese winkligen uollgcfraintcn Gassen mit der spärlichen, aber unendlich viel wirtsamercn Beleuchtung als die itivellleienden Bogenlampen, jetzt bezaubernder als je. Sie hängen treulich voll von bullten Fahnen, von Fenster zu Fenster spannen sich die Girlanden über die schmale Straße, jede Tür, jedes Fenster liebevoll bekränzt, als wenn ein besonders lieber Gast erwartet würbe. Tabei sind sie, trotz der rührend schlichten Tannenkränze und grasgrünen Papiergirlanden, wie von Urgroßmutters Geburtstagskuchen, mit seinem Stilgefühl der Architektur angepaßt. Ter Römerplatz, sieht aus wie ein Märchen deutscher Vergangenheit, und sieht man die qualmenden Pseischen und schwatzenden Nachbarn in den kleinen erleuchteten Fenstern der Gäßchen, wo kaum der Himmel hineinblicken kann, so ist man tvahrhaftig nicht mehr int 20. Jahrhundert. Auch die Frau Rat hatte im Hirschgraben unter jedes der Fensterlein ihres Hauses ein zierliches Kränzchen mit Altfranksurter Faibcn gehängt und saß gewiß ucvgnügt über das luftige Treiben hinter den blanken Scheiben. . . vr. L. K.
Falsche Gerüchte.
Wir nahmen gestern Notiz von einem unsinnigen Gerücht, dem ztisolge schweres Unheil vielen Turnern rviderfahren sei. Bald hieß es, es seien zivei Eisenbahnzügc, voll besetzt mit Turnern, zusammengestoßen; und zwar behaupteten diese, das Uitglück habe sich zwischen Wiesbaden i.r.ö Frankfurt, andere, es habe sich bei Neuwied, noch andere, es habe sich bei Hanau zugetragen. Bald ivurde kolportiert, der Zusammenstoß sei erfolgt zwischen zwei Turnerzügen in Frankfiirt selber, d. h. zwei Timwcreme seien mit einander ins Handgemenge geraten. Immer aber würbe behauptet, es habe mindestens 15 Tote und Verwundete gegeben.
Wir stellen heute nochmals sest, daß an allen diesen G e- r ü ch t e n kein wahres W ort i st. Es hat sich nichts Derartiges ereignet. Tic Erfinder dieser falschen und die Menge aufregenden Gerüchte aber sollten verfolgt und in Strafe genommen werben, zumal sie die kalte Sommer-Ente iiicht mir hier, fonbern in ganz Hess en und Nassau zu verbreiten wußten und viele s21ip gehörige von Turnern in bange Sorge versetzt haben. Wahr ist nur, daß an der'Maschine eines Extrazuges itahe bei Wächtersbach bie Kurvenstange brach. Ter Zug mußte auf freier Strecke drei Stunden liegen, bis ihn eine Rcscxvclokomotive nach Frankfurt beförderte.
Aus Statt und Land.
Gießen, 21. Jult 1908.
” Habilitationen. Für das Fach der Physik an unserer Universität wirb sich Oberlehrer a. D. Professor Tr. Noack in der philosophischen Fakultät habilitieren und am Mittwoch nachmittag um 4 Uhr seine Probevorlesung .lieber die Vorbildung der Studierenden der Physik für das höhere Lehramt" halten. Im Einschluß hieran sei erwähnt, daß vom kommenden Semester ab ein besonderer Unterricht in physikalischer Hand- fertigfeit, wie er schon an anderen Universitäten besteht, auch an unserer Universität in Form eines Praktikums, zu besten Einrichtung die Großh. Regierung besondere Mittel bewilligt hat, abgehalten werden wird, und daß Herr Prof. Noack bie Leitung bieses Unterrichts übernehmen wirb. — LU. Am nächsten Mittwoch, den 22. Juli, nachm. 6 Uhr, hält in der kleinen Aula der Assistenzarzt an der Klinik für psychische unb nervöse Krankheiten Dr. med. Kurt Berliner, der sich für bas Fach ber Psychiatrie habilitieren will, eine Probevorlesung über bas Thema ,Tie apraktischen Störungen.*
** Iugenbfest. Nächsten Donnerstag nachm. 2 Uhr wirb sich ber Jugenbfestzug an der Bürgermeisterei
zusammenziehen. Da ein Teil ber Kinder von ber Ost-Anlage, der andere von der Süb-Anlage herkommt, kann naturgemäß am Zusammenstoß beider Straßen leicht eine Stauung ein- treten. DaS verehrt. Publikum wirb barum höflichst ge. beten, sich zu dem genannten Zeitpunkte möglichst entfernt halten zu wollen von ben Kopfenden der angegebenen Straßen. Dagegen empfiehlt c3 sich für sehr ängstliche bl. fern der Kleinsten, ick ber Kaiser-Allee sich aufzustellen und von hier au5 neben bem Zuge herzugehen, bamit sie sich nötigenfalls ihrer Äinbcr un Walbe annehmen können. Größere Mädchen unb alle Knaben können an ihren Spielplätzen im Walbe ausgesucht werben. Kinderwagen werben natürlich nicht im Festzuge gebulbct. Kleine Mädchen (die zwei untersten Schuljahre), bie nicht spielen unb nach Empfang ihrer Brezeln usw. von Angehörigen noch nicht mitgenommen worben finb, sammeln sich in der Mitte beS FestplatzeS am Komiteezelt, wo sie unter Aufsicht einer Lehrerin stehen und jeberzeit abgeholt werden können. Hierher wolle man auch verirrte Kinder bringen unb verlorene coent. bort suchen. Damit bei einem Unfälle sofort Hilfe zur Stelle ist, besindet sich in einem Zimmer ber Leibschen Wirtschaft eine Sa nitätS wache; auch werben Sanitäte- Mannschaften den Zug begleiten. Sammelplatz für die am Zuge teilnehmenden Schülerinnen ber höheren und erweiterten Mäbchenschnle spätestens J/4 vor 2 Uhr nachm. im Hofe be| Bürgermeistereigebäubes.
** Tie Tegernfeer, deren Gastspiel im Kolosseum sich fortgesetzt eines sehr guten Zuspruches erfreut, werden, wie wir hören, leider nur noch drei Tage hier auftreten.
♦♦ Unehrliche Monat ssrau. Einer Tarne in bei Bleichstraße tarnen in letzter Zeit mehrfach Geldbeträge aus ihrer Kommode abhanden. Ta außer der Lauffrau niemand in der Wohnung verkehrte, diese aber für ehrlich gehalten wurde unb auch recht die Unschuldige zu spielen verstand^ war die Sache höchst rätselhaft. Nachdem der Tarne gestern wieder ein 20 Mark-Stück fehlte, erstattete sie 'Anzeige. Die Kriminalpolizei sah sich die Lauffrau etwas näher an und konstatierte, daß sie in letzter Zeit Anschaffunaen gemacht hatte, die sie von ihrem Verdienst nicht decken konnte. Sie gestand daraufhin auch ein, sich nach und nad> 90 Mark angeeignet zu haben. Bis auf 10 Mark hatte sie das Geld verausgabt.
A Friedberg, 19. Juli. Gestern nacht gelang es der Polizei, einen der gefährlich st en Verbr echer Hessens hier Burg 25 in seiner Wohnung zu verhaften. Er heißt Stephan Will und ist geboren in Burkhards bei Schotten. Will ist zirka 40 Jahre alt unb seit seiner Kind- heit mit fast allen Delikten bc5 Strafgesetzbuchs in Berührung gekommen. Er ist vielfach mit Gefängnis, aber meistens mit Zuchthaus vorbestraft. Er würbe wegen eines Sittlichkeit«, verbrechens seit brei Monaten von ber Großh. Staatsanwaltschaft in Gießen steckbrieflich verfolgt. Gestern abtnb erhielt bie hiesige Polizei Kenntnis, baß sich ber Verbrecher in seiner Wohnung aufhalte. Sofort ließ Herr Polizeikommisiar Weis von fämtlichen ihm gcrabe zur Verfügung stehenben Schutzleuten baS HauS umstellen. Der Verbrecher ergab sich trog Fluchens unb Schimpfens ohne weiteren Wiberstaob in fein Schicksal unb liefe sich ruhig abführen.
WormS a. Nh., ben 20. Juli. In ber Angelegen- he it beS Patronenbie bftahlS bebürfen bie aus da Pfalz stammenben Mitteilungen ber Berichtigung insofern, d hier von ber Verhaftung von angeblich 3 beteiligten Unteroffizieren nirgenbs etwas bekannt ist. Auch sinb keine Anhaltspunkte vorhanben, bie ben Diebstahl als LanbeSverrat qualifizieren. Vielmehr stellt sich bie Sache als gemeiner Diebstahl unb eriverbsmäßige Hehlerei bar. ?
Vermischtes.
— Flugtechnisches. Der Rtaior Paul Rönarb in Paris einer der ersten franz. Fachmänner für lenkbare Luflfchiffahrl, urteilt in einem langen Gutachten im „Figaro" über ZcppelinS u f t f ch i f f abfällig. Seine Starrheit hebe feine guten Eigen- fchaftcn nicht uodflätibig auf, hinberc aber ihre Wirkung unb fet ein Fehler. — H. OUibcn, ber Vorfitzenbe der anierckanifchen Lull- fchiffahrtgefeUfchast, erklärte, baß in ungefähr 18 Atonalen bie Geschäft einen regelmäßigen LuitfchisfSbetrieb für Paffagiere unb Fracht zwischen Neiv - Pork, B o i t o n, New- Haven änb Springfield emführen werde, ebenfo wahrscheiz»- lid) einen Aeroplanbienst im gleichen Umfange.
Kleine Tagcochronik.
In K ö l n würbe ber Dachdecker Stricker in der Wohnmig seiner Eltern e r st o ch e n. Ein Bruder Strickers wurde um« bem Verback)re der Täterschaft verhaftet.
Tie ,Vojs. Ztg." melbet aus Innsbruck: Die Tauferer Talbahn mit clcftr. Betriebe wurde feierlich eröffnet.
In B rüffel stürzte sich ein Handelsangestellter, ber nervenkrank war, aus dem Fenster feiner im 2. Stockwerk belegentn Wohnung auf die Straße unb fiel mit zerschmettertem Schäbel vor b»e Füße feiner Frau. Tie Frau brach ohnmächtig zufannnen unb die Aerzte befürchten, baß sie ihre« V e r st a n d verlieren wird.
Der frühere Staatssekretär beS ungar. DerteibigungSministe- vium§, Baron Tejibcr Eromon, hat aus unbefflimlen Ursachen in Bubapest S e l b ft m o r b verübt.
In Ananjewo, Kreis Lbeffa, winde bei der Revision der Stadtbank eine Unterschlagung von 1 40000 Rubel fefiflcfleüL Tic Direktion verweigerte der RevisionSbehörde den Zutritt, so daß Polizei einfchreiten mußte.
OrigincHl-Drahtmeldungen.
Berlin, 21. Juli. Fürst Eulenburg ui gestern abenb 7 Uhr aus dem Konferenzzimincr der Eharitec auf Anord* nung der ihn behandelnden Aerzte in fein altes Zimmer überführt worden.
Trier, 21. Juli. Domkapitular Einich ist heute Nacht im Alter von 56 Zähren gestorben.
Mailand, 21. ZuU. Wolkenchc haben in Piemont und der Lombardei großen Schaden angerichtet. Auch Menschen haben ihr Lebert cingebüßt. Schnee« fälle auf den Borbergen der Alpen zeichnen den Zuli ^beritaliens auS.
Odde, 21. Juli. Ter Kaiser ist gestern abend u» 10.13 Uhr hier eingetroffen.
Honkong, 2L Juli. Ueberschwcmmunaen haben die Ernte völlig vernichtet. Gegen 300 000 Menschen leiden Hungersnot.
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