Ausgabe 
21.7.1908 Erstes Blatt
 
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Vorverfahren, mehr I gemeinen Freiübungen der Mittelrheincr mußten ebcnio wie die zu konstatieren sind. I ireiter vorgesehenen Neckspiele zu Gunst n der schien au-egallen. noch so lange zurück- Diese turnten mit rund 3000 Mami bis in d c Nacht hulem, em

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glänzendes Zeugnis turnerischer Leistungsfähigkeit und Opfer-

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Tie Revolution in Persien.

Rach sicheren Nachrichten haben in Täbris starke Kämpfe zwischen der Schahpartei und der Parlamentspartei statt­gesunden. Rahinl Khan verließ mit den Truppen Täbris. Die Revolutionäre erstürmten die schwach besetzten Ver­schanzungen. Eine allgemeine Plünderung folgte. Die Lage ist für den Schah ungünstig. Die Lebensmittelzufuhr nach Täbris ist behindert.

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Hinsichtlich ber neuen Strafprozeßordnung sind die Veröffent- ''ichungen berKöln. Ztg." wohl noch nicht vollständig. Aber -mmerhin mag anerkannt werden, daß auch hier durch Ein­schränkung der Untersuchungshaft, durch Beseitigung des Ieug- ^iszwanges der Presse, durch Beschränkung ber Zeugnispflicht . , . _ . . _ .

;nb der Vereidigung, durch- Ausdehnung des Strafbefehlsver- unter denen viel gutes zu sehen war. Auch der Gau Hessen ährens und des Ausschlusses der Oeffentlichkeit, sowie durch Er-1 stellte 16 Riegen, während es im ganzen 172 waren. ' Die all-

Das zu Ehren der Turnerschast veranstaltete Festkonzert des Sängerbundes Frankfurt a. M. und der Frankfurter Sänger­vereinigung füllte heute abend die Festhalle. Ja die weite Halle war nicht groß genug, um alle Turner zu fassen, nicht einmal die fremden alle. Einen neuen glänzenden Schmuck hatte heute ber imposante Festraum angelegt: Sämtliche Turnerfahnen, die gestern im Festzuge defiliert waren, schmückten die Wände. In der Mitte gegenüber dem Podium das Bundesbanner mit dem neuen Silberkranz. Ziemlich2000 Sänger und 120 Musiker unter Leitung von Professor Maximilian Fleisch füllten baä Podium. Als Solist wirkte der Baritonist Adolf M ü l l e r mit, der Orgel Part lag in den Händen von Fräulein Marianne Hart­mann. DerFestgruß" von Meyer-Olbersleben eröffnete das Programm. Es folgten die VolksliederDas stille Tal" und Wohin mit der Freud", ä capella gesungen, dann derGriegsche Chor" mit BaritonsoloLandkennung" und hieraufDie Lore­ley" undHans und Lies". Tas war der erste Teil. Begeisterter Beifall lohnte den Sängern, Dirigenten und Solisten. Ter Griegsche Chor mußte wiederholt werden. Zu lange schien die Pause von 20 Minuten. Die fünf niederländischen Volkslieder, wer hörte sie nicht immer wieder gern! Aber das Tankgebet von

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Deutsches Reich.

M i t der Vertretung des erkrankten Chefs des Zivilkabinetts v. Lueanus ist der Regierungspräsident U. Valentin-Frankfurt a. O. vom Kaiser beauftragt worden.

Ter angebliche Rücktritt des Regentenvon Braun­schweig. Wegen der durch die Tagespresse gehenden Notiz betreffend den angeblichen Rücktritt des Herzog-Regenten wandten sich dieBraunschweiger Neuesten Nachrichten" an das Hof­marschallamt in Wiligrad um authentische Auskunft zu erlangen. Das Braunschweiger Blatt erhielt folgende Antwort:Wiligrad, den 20. Juli. Notiz ist sinnlose Erfindung, deren Abdruck zu jetziger Trauerzeit besser unter­blieben wäre."

Todesfall. Ter sozialdemokratische Reichs- und Land- tagsabgeordnete Franz Josef Ehrhardt in Ludwigshafen ist gestern nachmittag im Alter von 55 Jahren an Gehirnlähmung aestorben. Im Reichstage vertrat er seit 1898 den Wahlkreis Ludwigshafen-Speyer.

Festesten für die Ehrengäste.

Heute uachinitlag gab der Vorstand bet Deutschen Turnerschaft im kleinen Saale der Festhalle ein Festmahl für bie Ehrengäste. Etwa 120 Personen waren erschienen. Präsident Tr. Götz führte aus, die Deutsche Turnerschast stehe im Dienste einer großen und guten Sache nicht mit für das deutsche Vaterland, sondern für die ganze Menschheit. Kanzleirat Atzroth hob hervor, daß die Arbeit des Festausschusses nur durch Die Unterstützung und unter dem Schutze der staatlichen und städtischen Behörden erfolgreich sein konnte. Sein Gut Heil! galt den drei Ehrenvorsitzenden General v. Eichhorn, Lberpräsident Hengstenberg und Oberbürgermeister Dr. Adickes. Exz. v. Eichhorn erividerle und brachte ein Hoch auf Dr. Götz aus. Tr. Ra it h-Leipzig überbrachte Grüße vom Freih. v. Schenkendorff (Görlitz) und vom Zentralausschuß für Volks- und Jugendspiele. So viel auch bisher erreicht sei, jo bleibe beiden noch genügend zu tun: z. B. in der Heranziehung der schulentlassenen Jugend zur Pflege des Körpers. Seine Rede klang aus in em Gut Heil! auf das deutsche Vaterland. Geh. Rat Hinze ließ bie Vorturner, Turnwarte und die Turner hoch leben. Dann sprachen die Vertreter der auswärtigen Turnvereine: Euperus- A m st er b a m, Kaiferl. Rat Hagen- Salzburg, vanZuylen, der im Namen bes Niederländischen Turnerbund'es sprach, Brown- London, Widmer- Bern, Eberhard-Bo st o n, Thoinas- Windhuk und Thoniö-Tsingtau. Dr. Fried leb en toastete ans die Deutsche Turnerschaft, wobei er der Ver. dienste des Profeffors Bender um das Fest gedachte. Bei dem Hoch kam es dann zu Ovationen-für Professor Bender. Am Schlüsse gedachte Dr. Götz noch des Kaisers und des Kronprinzen, deren Fernbleiben voni Feste er bedauerte. Sein Hoch galt dem Deutschen Reich, dem Kaiser, dem Kronprinzen, Prinzen Oskar und dem ganzen Hohenzollernhause. Mil dem Vlbfingeu der Volkshymne und des LiedesDeutschland über alles" schloß der offizielle Tei/

Weiterung ber Rechte ber Verteidigung im i oder minder große Fortschritte gegen früher zu .

Dennoch wird man gut tun, mit feinem Urteil noch ,o lange zuruck- zuhalten, bis aus den ja in Kürze zu erwartenden amtlid>en. Veröffentlichungen ersichtlich wird, wie weit diese Reformen gehen sollen. Decken sie sich mit den Mitteilungen derKöln. Ztg." aus dem Juli vorigen Jahres, so wird man ihnen im allgemeinen zustimmen können. 9hir die Neuordnung des Zeugniszwanges für die Presse halten wir für völlig unaenügenb. Sollen doch danach bie Redakteure nur bann von der Zeugnispflicht entbunden werden, wenn sie selbst auf Grund ihrer Zeugenaussagen bestraft

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Die 5trasprozetzreform.

Hand in Hand mit den Bestrebungen, die auf eine Reform !>er Zivilprozeßordnung hinzielen, und denen das Reichsmsttzamt int Ottober vorigen Jahres durch einen Gesetzentwurf Rechnung rüg, olme daß es gelang, diese in ber abaelausenen Session des Reichstages zu verabschieben, gehen die Forderungen, die man djon seit den achtziger Jahren an eine moderne Gestaltung des rutschen Strafrechts, der Strasprozeßordnung und des Gerichts- lerfassungsgesetzes erbebt. Nur schwer entschloß sich die Reichs- :egierimg, an eine Aendcrung dieser aus dem Jahre 1870 bezw. 1877 stammenden Gesetze heranzulreten. Nicht etwa, daß sie sie :ür durchaus gut und zweckdienlich hielt, aber es handelte sich Ker um ein ungemein weitsichtiges Gebiet, dessen Neuordnung aicht nur eine große Anzahl von Vorarbeitern nötig machte, son- )em auch mit erheblichen finanziellen Opfern verbunden mar. Dennoch berief das Reichsjnstizarnt im Jahre 1902 eine Fach­kommission ein, welche die Aufgabe hatte, eine vergleichende Dar­stellung des gesamten deutschen Sttafrechtes mit dem ausländischen ;u verfassen, die die Grundlage abgeben sollte, für die Kodi­fikation eines deutschen Strafrechts. Ein Jahr darauf trat im lieichsjnstizamt eine zweite Fachkommission zusammen, die ihrer- eils mit der Reform der deutschen Strasprozeßordnung betraut ivurde.

Die Strafrechtskommission hat vor kurzem ihre Aufgabe ge­löst, doch ist die Vorlage eines neuen Strafgesetzbuches,^ mit deren Ausarbeitung sich jetzt vorerst das Reichsiustizamt beschäftigt, nach den Erklärungen des Staatsselretärs Tr. Wicbcrbing (23. No­vember 1907) wohl kaum vor ber Wintersession 1909/10 zu erwarten. Dagegen wird die neue deutsche Strasprozeßordnung bereits in der kommenden Neichstagssession zur Beratung gelangen, ckuch dieses Work war schwierig genug. Ter Vorentwurf, den die Kommission im Jahre 1905 zustande gebracht hatte, entsprach den auf ihn gesetzten Erwartungen so wenig, daß die Notwendig­leit seiner Umarbeitung allgemein anerkannt mürbe. Nachdem die Umarbeitung im Reichsjustizamt vorgenommen war, konnte Dr. Nieberding schon am 12. März 1907 dem Reichstage all­gemeine Mitteilungen über bie Richtung des Entwurfes machen, wenn er sich auch dagegen verwahrte, die Einzelheiten des Ent­wurfes eher preiszugeben, als bis derselbe die Genehmigung der größeren Justizverwaltungen und des Bundesrats erhalten hätte.

Trotzdem war dieKöln. Ztg." Anfang Juli vorigen Jahres in der Lage, diesen Entwurf in extenso mitzuteilen. Während "ich aber die juristische Fachliteratur eifrig mit ihm beschäftigte, at ihm die übrige Presse schon i>e3^a^b keine besondere. Beachtung , geschenkt, weil anzunehmen war, daß er noch größeren Ver­änderungen innerhalb ber bundesstaatlichen Justizverwaltungen unterliegen würde, bevor er in endgültiger Form dem Bundesrat zuging. Diese endgültige Form steht nun fest. Wird sie vom -Zundesrat gebilligt, so dürste die neue Strafprozeßordnuna und »ie umfangreiche dlovelle zum Gerichtsverfassungsgesetz dem Reichs- ig in derjenigen Gestalt zugehen, über die dieKöln. Ztg." Ichon jetzt allerlei Interessantes mitzuteilen weiß.

Das Wichtigste an diesen Mitteilungen ist unstreitig ber Teil, 2er von ber Neuorganisation der Strafgerichte handelt. Hier jU in Zukunft der Amtsrichter als Einzelrichter, also ohne Stic bisherige Hinzuziehung von zwei Schöffen, über bie Ver­gehen urteilen, während die leichteren Straftaten dem Amts­gerichts als kollegialem Gerichtshof, und zwar in seiner bisherigen iusammensetzung von einem Richter und zwei Schöffen unter­stellt werden. Für diejenigen schweren Straftaten, die nicht vor las Schwurgericht gelangen, sollen die Strafkammern der Land­gerichte zuständig bleiben, aber mit dem Unterschiebe, daß sie lieb nicht, wie bisher, aus 5 Richtern, sondern aus 2 Richtern -mb drei Schöffen zusammensetzen. Tie Schwurgerichte dagegen Gehalten im wesentlichen ihre bisherige Gestalt und Zuständigkeit, hinsichtlich ber Berufungsinstanzen bestimmt der Entwurf, daß ruber die Entscheidungen des amtsgerichtlichen Einzelrichters die Uandgerichtliche Strafkammer in der Besetzung von drei Richtern -urteilt, die ebenso über die Entscheidungen des kollegialen Amts- 'gerichts, wie bisher, zuständig bleibt. Gegen die Urteile der ge­mischten Strafkammer aber geht die Berufung an einen aus fünf ' Achtern gebildeten Sttafsenat, ber je nach den örtlichen Verhält- nssen beim Landgericht, oder in Ausnahmefällen, beim Ober- .andesgericht gebildet, und mit dessen Leitung der Präsident des Landgerichts oder ein anderer höherer Richter des Landgerichts- «ober Oberlandesgerichtsbezirks betraut wird. Tie Revision gegen . alle BerufungSurteile geht nach wie vor an das Reichsgericht.

Eine besondere Behandlung aber sollen jugendliche Personen 1218 Jahr) erfahren, beten Straftaten sämtlich ber Aburteilung )urch bie Kollegiatsamtsgerichte unterliegen sollen. Und zwar ollen hier nicht nur eigene Jugendgerichtshöse burch Besetzung mit .'esonders bafür geeigneten Richtern und Schöffen gebildet werden, andern es soll sogar bas Gericht die Befugnis erhalten, von einer trafgerichtlichen Verfolgung in Einzelfällen überhaupt abzusehen und die Ahndung des Vergehens ober Verbrechens dem Vormund-

Willigkeit.

Der Festmontag.

Am Morgen des fOIantag, der sich leider durch häufig nieder­gehende Regenschauer anszeichnete, begann schon um 6 Uhr das Einzelwetturnen der Streite Pommern, Norden, Hannover, West- alen, Rheinland, Schwaben, Bayern, Rheinland unb Xeut]d> Oesterreich, die zusammen etwa 800 Wetturner stellten. Wettkämpfe spielten sich am Neck, Barren und Pferd, einer rzwei- übung unb den volkstümlichen Hebungen Hochspringern Hmdernis- lausen über 100 Meter und Kugelstoßen, ab. Es wurden gute unb teilweise namentlich bei den Kürübungen vorzügliche Leist­ungen gezeigt, was darin seinen Grund hat, daß durch vorher in den Kreisen abgehaltene Prüfiingsturnen bie schlechteren Turner bereits ausgeschieden waren. Tas Turnen ging ohne Störungen durch bas Wetter vor sich, hatte man doch, um auf alle Fälle gerüstet zu sein, drei große Zelte für daS Einzettvettumen errichtet.

Um 7 Uhr begannen die ersten Wettspiele. Gespielt: wurde von ben verschiedensten Vereinen Faustball, Schlagball, Barlauf, Tamburinball, Fußball, Schleuderball, Korbball und Kürnitt. ~ .

Eine Stunde spater nahm bann das Turnen der Kreise einen Fortgang. Heute kamen an die Reihe, die Kreise I 4tt>rd- osten mit 171 Turnern, 2 Schlesien unb Südposen mit 38G Tur­nern, 3 a Pommern mit 100 Turnern, 3c Provinz Sachsen mit 272 Turnern, 5 Niederweser unb Ems mit 381 Turnern, 7 Ober- weser mit 215 Turnern und 10 Oberrhein mit 1293 Turnern. Alle Kreise führten gemeinsame Freiübungen ans, daneben selbst- gewählte Massenübungen und Gau- und Vereins-Musterriegen. Tie Vorführungen werden burch Kampfrichter beurteilt, doch gibt es keine Preise, sondern nur Beurteilungsurkunden. Und doch wird von allen mit Eifer unb Hingebung geturnt und gerade bei diesen Hebungen, die dem Einzelnen keinen anderen Lohn als das Bewußtsein treuer Hingabe bringen, zeigt sich der erzieherische Wert des Turnens. . .

Ter Nachmittag brachte die Fortsetzung der Wettspiele, Sonder- vorsührungeu zahlreicher Turnvereine an einzelnen Geräten und das Turnen ber Ausländer. Ter deutsche Turnverein in Bu­karest turnte am Barren, der nordameritänische Turnerbund mit 90 Mann Hantelübungen mir Musikbegleitung, sowie 2 Muster­riegen am Barren und eine im Keulenschwingen. Die Züricher führten ein Sektionswetturnen von 48 Mann am Pferd vor. Der belgische Turuerbund zeigte Freiübungen und Kürübungen an Reck und Barren. Tas Turnen der Ausländer fand großes Interesse, es beruht durchweg auf deutscher Grundlage, wenn auch ab und zu fremdartige Gepflogenheiten nicht zu verkennen waren. Von den Sondervorführungeii gefiel namentlich die des Turn- klubs Hannover, eines von jeher durch seine Leistungsfähigkeit sich anszeichnenden Vereins, an den Schaukelringen.

Auch in der Stadt ging es den ganzen Tag über und bis in die Nacht hinein lebhaft zu und namentlich die großartige Illu­mination verschiedener Geschäftshäuser fand viel Interesse.

Zahlreiche Turner, die nicht durch turnerische Arbeit auf dem Festplatz festgehalten waren, besichtigten die Sehenswürdigkeiten Frankfurts, vielfach unter kundiger Führung und zu ermäßigten Eintrittspreisen. Auch die umliegenden Städte hatten zahlreichen Turnerbesuch, namentlich die Landesausstellung in Darmstadt.

Der älteste in Frankfurt anwesende Turner, der allerdings im Wagen auch den Festzug von Anfang bis zu Ende mitmadjte, war der 92 jährige Betriebskontrolleur Valentin Appel von Darmstadt, ein Mitbegründer der dortigen Turii- gemeinde, der er nunmehr 62 Jahre an gehört.

-chaftsgerichte zu überlassen. Schließlich wird in dem Entwur tten Schöffen unb Geschworenen dec schon so lange geforderte An­spruch auf Tagegelder und Erstattung der Reisekosten zugebilligt.

Durch die Schaffung der einzelrichterlichen Instanz und durch "iic nur dadurch mögliche Kompetenzerweiterung der Schöffen- geridjte unb Strafkammern findet also eine Verschiebung der ganzen Rechtspflege nach der Richtung der unteren und mitt» "Icren Instanzen statt, die zu einer Entlastung der Strafkammern mb Schwurgerichte und damit zu einer Beschleunigung des straf­rechtlichen Verfahrens führen muß. Dann aber wird auch der Forderung nach einer größeren Berücksichtigung des Laienelements jturd) die neue Zusammensetzung der Strafkammern Rechnung getragen und dadurch das Volkstümliche unserer Rechtssprechung mftreitig erhöht. Zwar soll sich die Hinzuziehung des Laien- -ilements nicht auf die Berufungsinstanzen ansdehnen, wo der Richter nach wie vor ausschlaggebend bleibt, aber dieser Fehler wird reichlich dadurch ausgeglichen, daß nunmehr die Berufung gegen Strafkammerurteile eingeführt wird, die Schwurgerichte in Oer bisherigen Form erhalten bleiben und durch Errichtung von Jugendgerichtshöfen, sowie Zubilligung der Tagegelder undReise- !osten an Geschworene und Schöffen, eine Anzahl von Forde­rungen erfüllt werden, von denen nufere gesamte Strafprozeß^- .--raris nur Vorteil haben kann. Möglich, daß der Reichstag iic Institution des Amtsrichters als Einzelrichter, weil sie gar i;u sehr an den alten Polizeirichter erinnert, mißbilligt und die Hinzuziehung des Laienelemenls auch für die Berufungsinstanzen ordert. Jedenfalls würde cs uns leid tun, wenn das Reform­werk, das tatsächlich, sonst einen wirklichen Fortschritt bedeutet, taran scheiterte.

politische Lagesschau.

Die Lage in der Türkei.

Die Londoner Morgeublättcr bringen alarmierende Meldungen aus slonstantinovel über die Ausdehnung der militärischen Meutereien in der europäischen Türkei. Nach diesen Depeschen zu urteilen, befindet sich die Türkei in einer sehr ernsthaften Krise. In Monaslir allein meutern 7000 Soldaten, und dieses Beispiel wirkt ansteckend auf die Soldaten der übrigen Garnisonen. Die Meuterer er­klären, sämtliche Generale der türkischen Armee, einen nach dem anderen, zu ermorden, für den Fall, daß 38 Offiziere, die zur jungtürkischen Partei gehören, und die gegenwärtig im Gefängnis in der Hauptstadt schmachten, nicht sofort befreit werden. Die gesamte Garnison von Takvesh im Vilajet Saloniki hat gemeutert, indem die Truppen ihre Bezahlung, die seit zwei Jahren rückständig ist, verlangen. Der Korrespondent derNeuen Freien Presse" in Saloniki teilt fest, daß die jungtürkische Bewegung das ganze dritte Korpsbereich beherrscht und auch auf das zweite Korps- bcrcich übergegriffen hat. Die Behörden sind machtlos, weil das OffizierkorpS und die Truppen solidarisch auftreten. Eine Offiziersdeputation überreichte den Konsuln ein Me­morandum, ihre gerechte Sache bei den Großmächten zu unterstützen. Die Landbevölkerung ijt durch die Emissäre ast ganz gewonnen, das Räuber- und Bandenunwesen ist ast gänzlich geschwunden, weil das jungtürkische Komitee Räubereien standrechtlich bestraft. Niazi Bey von Resna, gegenwärtig in Starowa, ersuchte drahtlich Halil Pascha um Vermittelung bei dem Sultan zwecks Erreichung einer Kon­stitution. Er teilt mit, daß er jetzt nach Epirus gehe, um hort die Bevölkerung für eine Revolution vorzubereitcn. Eine angeblich 300 Mann starke griechische Bande will die Dörfer Doljani und Kerolivado niederbrennen.

Aus Marokko.

Die aus Europa nach Tetuan zurückgekehrten hasidi­schen Delegierten wurden gestern dem Pascha vorgestellt. Sie sprachen in sehr schmeichelhafter Weise von dem Emp­fang, der ihnen in Deutschland und speziell in Berlin zuteil geworden ist. Aus Tetuan wird ferner berichtet: daß die Mahalla Muley Hasids, die nach Marakesch aufbrechen sollte, angeblich auf 200 Mann zusammengeschmolzen sei, so daß der Abmarsch überhaupt in Frage gestellt sei. Nach einem Telegramm aus Casablanca lagerte die Mahalla von Abdul Asis am 17. Juli bei Ainseuzer, 30 Kilometer von Rabat entfernt. Sie rückt gleichmäßig weiter vor, ohne durch das von den Franzosen besetzte Gebiet zu marschieren.

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Präsident Falliörcs ist programmäßig gestern nach­mittag um 3 Uhr an Bord des Kreuzers Berits in Kopenhagen eingetroffen. Ter Empfang am Kai war äußerst herzlich, ebenso der seitens der Bevölkerung,, die massenhaft am Hasen er­schienen war. .Gestern abend sand ein großes Galadiener im Schlosse statt.

Die Erste niederländische Kammer nahm! den Ge­setzentwurf an, der die Zeit von Amsterdam als gesetzliche Zeit festlegt.

XL deutsches Turnfest.

(Original-Bericht des (Siebener Anzeigers.)

eh. Frankfurt a. M., 20. Juli.

II.

Nachträgliches vom Festfonntag.

Tie turnerische Sonntagsarbeit dehnte sich bis 3A10 Uhr aus. Tie Mtttelrheiner, die mit ihren Kreisvorführungen zu Gunsten der Sachsen ganz zurückstehen wollten, turnten nach den vorzüglich gelungenen Massenkeulungen, die eine erfolgreiche Krö­nung mehrjähriger treuer Hebung war, noch ihre Musterriegen,

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