Ausgabe 
20.6.1908 Zweites Blatt
 
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Nr. 143

Drittes Blatt

Samstag 2V. Juni 1908

Gießener Anzeiger

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

General-Anzeiger für vberheffen

158. Jahrgang

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unwersitäts - Buch- und Sieindruckeret.

UL Lange. Gießen.

Die ..Gtefienet Zamtlienblätter" werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich betgelegt, das Kretsblati tür öen Kreis Gletzrn" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen öett» fragen- erscheinen monatlich zweimal.

Redaktion. Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag.- e^5L Redaktian:1 r a TLL-2ldx^A^jgxxGteßeit.

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Gießen, den 18. Juni.

(Schluß.)

Baugesuche.

An dem Haus Ludwig st raße 10 will die Witivc Thörncr einen Laden ausbreäzeir uni> darüber Ballone anbringen. Ta ledere in die Fluchtlinie vorspringen, ist Dispens erforderlich. Er wird gegen Zahlung der üblichen Anerkennungsgebühr gewährt.

Jakob Horn hat in seinem Hof in der Steinstraße einen Treppenbau errichtet, ohne Genehmigung dazu zu l>aben. Er erhielt früher einen Aufschub bewilligt, nm den Dispens ein­holen zu können. Die Baudeputation spricht sich für Befürwortung des Dispenses aus.

Die Eisenbahnverwaltung erhält die Erlaubnis, an der Ecke der J-rankfurter Straße und des Wetzlarer Weges ein Beamtcnwohnhaus so weit zurück zu errichten, daß die Front des Hauses genügend groß werden kann. Das Baugrundstück wurde früher zum Zweck der Verbreiterung des Wetzlarer Wegs verkleinert.

Das Gesuch des Louis Müller, eine Einfriedigung am Schisfenberger Weg aus Holz anstatt Eisen zu gestatten, findet Befürwortung.

Wilhelm Ziegenhain hat an dem Haus Frankfurter Straße 72 ein sckMiedeeisernes Schild angebracht, das statt der erlaubten 50 75 Zentimeter in die Straße vorfpringt. Man ist damit einverstanden.

Stadtv. Eichenauer macht im Anschluß an ein imGieß. Anz." erschienenes Eingesandt auf das Sarglagerschild in der Alicestraße aufmerksam. Er hat an und für sich nichts gegen das Schild, aber es Hütte statt 4 Meter den dritten Teil jo groß sein können, dann wäre die bei den Anwohnern in der Tat vorhandene Erregung vermieden worden. Stadtv. Wallenfels spricht sich ähnlich aus.

Der Vorsitzende glaubt, daß die heutige Aussprache ge­nügen werde, die Schreinermeister zu einer Abänderung, ins­besondere Verkleinerung des Schildes zu veranlassen. Irgendeine Handhabe, die Abänderung zu erzwingen, habe man nicht.

.Die nachträglich erbetene Genehmigung zur Anbringung eines Schaukastens in der Diezstr. wird dem Photographen S ch u ch a r d t gegen Zahlung einer jährlichen Anerkcnnungsgebühr von 1 Mk. erteilt.

Straßeuangelegenheiten.

Die bereits früher genehmigte Befestigung des Bürgersteigs in der Plockstr atze und in der I o h a n n e s st r a ß e soll in Gailschen Klinkern ausgesührt werden. In der Blockstraße soll der befestigte Streifen bis an die Häuser verbreitert werden, auch werden die jetzt dort vorhandenen Bäume entfernt und durch Kugelakazien ersetzt. Die Versammlung ist damit einverstanden.

Die Graben st raße soll Kleinpflaster erhalten, mährend der Bürgersteig mit Zementplatten hergestellt werden soll.

In der M a r b u r g er Str. soll vom Wiesecker Weg bis zum Friedhofsweg links ein 41/2 Meter breiter Bürgersteig angelegt werden, was gutgeheißen wird.

Stadtv. Emmelius macht darauf aufmerksam, daß mit der Errichtung einer elektrischen Straßenbahn die Notwendigkeit eintreten werde, die Marburger Straße zu pflastern. Es sei deshalb zu prüfen, ob man nicht jetzt schon die Straße pflastern solle. Ferner spricht er sich für Beseitigung der Taubentränke aus.

Der Vorsitzende sagt letzteres zu. Wenn die elektrische Bahn wirklich gebaut werde, werde man allerdings die Mar­burger Straße pflastern müssen.

Für die Verlegung der K r e i s st r a ß e n a ch Wißmar war der Ankauf einiger Grundstücke erforderlich. Ter nunmehr abgeschlossene letzte Kvufvertrag (2 Mk. für den Meter und Tragung der Einsriedigungskosten) wurde gutgeheißen. _ Tas früher be­schlossene Enteignungsverfahren ist damit gegenstandslos geworden.

Bei der Thromschen 'Fabrik soll ein Stück Weg als öffent­licher Weg aufgehoben werden, da er keine Verbindung mefyc vermittelt. Man ist damit einverstanden.

Tie Anlage eines Holzabfuhrwegs in Abteilung 111 wird gutgeheißen, die Feldbereinigung stellt das Gelände kostenlos. Ter Weg soll durch die Wiesen nach der Schiffenberger Schneise führen.

Die Stadtvv. Heichelheim und Tr. Schäfer bringen einige Wünsche bezgl. Wege vor, Einzelheiten waren bei der herrschenden Unruhe nicht zu verstehen.

\ Stadtv. Sya uba ch rügt, daß am Tage vorher im Phisosophen- waldeinL-Kadfahrübung des Militärs stattgefunden habe und er» suchiT^reierhalb beim Regiment Beschwerde zu führen.

Stadtv. Krumm wendet sich gegen das rasche Befahren der Philosophenwaldwege durch Autos.

Stadtv. Hab en ich t bringt den in einem Eingesandt des G. A." geschilderten Vorfall zur Sprache,. wodurch das rasche Einfahren eines Autos in die Tammstraße beinahe bei den Schul­kindern ein Unglück passiert wäre. Er wünscht, luic es mit der Verbreiterung der Straße stehe und meint, man solle wenigstens das Durchfahren von Fuhrwerken verbieten.

Nach einiger Debatte, an der sich außer dem Vorsitzenden die Stadtv. Krumm, Wallenfels, Berg. Georgi, die Stadtv. Simon, b er, Schaffstädt, Jughardt und

Huhn beteiligen, wirs auf Vorschlag des Beig. Georgi beschlossen, bei den Besitzern der für die Verbreiterung in Frage kommenden Ho freiten anzuiragcn, was sie sür ihre Häuser sordern. Ferner soll beim Polizeiamt der Erlaß einer Polizeiverorsnung wegen des Fahrens mit Wagen und Autos beantragt werden.

Märkte und J.ixplatz.

Von den obcrhessischen Viehhändlern ist eine Eingabe an die Versammlung gerichtet worden, in der über verschiedene Miß­stände geklagt wird. Jnsoesoubere wirb gebeten, bei der Polizei daraus hinzuwirken, daß die Schutzleute nicht so schroff gegen die Händler verfahren und die Tierärzte pünktlicher erscheinen.

Stadtv. Eichenauer bespricht den kürzlich von Abg. Köhler eingebrachten Antrag wegen der Seuchenbekämpfung, öerr Köhler habe ja das Recht, seine Anschauung zur Geltung zu bringen, aber gegen Ausdrücke wie parasitäres Händlertum müsse man Verwahrung einlegen. Zu den Besuchern unserer Märkte ge­hören auch eine Reihe unserer Mitbürger und diese müsse man gegen solche Ausdrücke in Schutz nehmen.

Ter Vorsitzende meint, der Antrag Köhlers und seine Begründung sei nicht ernst zu nehmen.

Stadtv. Krumm bemerkt, die Polizei solle nicht so kleinlich verfahren, wie die Eingabe es erkennen lasse. Vielleicht empfehle sich die Einstellung eines iveiteren Tierarztes.

Stadtv. Simon schildert an Hand eigener Wahrnehmungen die Berechtigung der Klagen.

Der Vorsitzende sagt Schritte zur Abhilfe zu. Mit der Eiurichrung des neuen Platzes werde es ntöglidj sein, weitere Tierärzte zur Untersuchung der Tiere heranzuziehen.

Max Walldors bat eine Eingabe an die Versammlung gerichtet, in der et darum nach sucht, seinen Wagenpark, auch wenn er nicht spielt, auf dem Schweinemarktplatz stehen zu lassen, oder ihm dafür einen Platz hinter dem Schlachthaus zur Verfügung zu stellen.

Nach kurzer Debatte wird das Gesuch äbgelehnt.

Dieselbe Erledigung findet ein Gesuch von I. Walldorf, während der Anwesenheit des Zirkus auf Oswalds Garten oder vor der Jungblutschen Wirtschatt spielen zu dürfen.

Eine Eingabe von Geschäftsleuten an Oswalds Garten und in der Neustadt bitten um Rückverlegung des Jux Platzes auf Oswalds Garten.

Tie Stadtv. L ö b c r und Troß sind an sich der Rückverlegung nicht abgeneigt, l?alten aber unter allen Umständen eine Ver­besserung des jetzigen Platzes ünd seine Einfriedigung nad) der Lahn zu für erforderlich.

Stadtv. Wallenfels würde die Rückverlegung bedauern im Interesse der Anwohner von Lsivalds Garten, die nicht bis in die Nacht hinein in ihrer Ruhe gestört werden wollen.

Es wird beschlossen, den Juxplatz an seinem jetzigen Platz zu belassen. Er soll ledoch im Herost durch die auf dem Vieh­marktplatz überflüssig werdenden Schlacken besser hergestellt werden.

Konzejsioltegesuche.

Abgelehnt wird aus prinzipiellen Gründen das Gesuch des Ludwig Steinhäuser, Neuen Bäue, um Erlaubnis zum Branntweinverkauf über die Straße, sowie das Gesuch des Wil­helm Valentin um Erteilung der Erlaubnis zum Schank- wirisckwftsbetrieb für.an der Hardt 12 (mangels Bedürfnisses) und von Karl Euler Wwe. für Schützensttaße 15.

Befürwortet werden die Konzessionsgesuche von Jakob 9te>ll für Lindengasse 2 (Frankfurter Hof), Joh. Carle für Neuenweg 28 (Löwe), Ernst Gemmer für Kaiser Allee 117 (Germania), Will). Graf Wwe. für Alicestraße 20, Ludwig Schneider für Kaiser Allee 17 undj Wilh. Flamme für Neuenweg 5 (Deutsches Haus). In allen Fällen handelt cs sich um Uebergang bestehender Wirt­schaften an andere Besitzer.

Verschiedenes.

Einige Arbeitsvergebungen werden nach den Vorschlägen der Deputation erledigt.

.Die Evang. Gemeinde eriucht um U e b e r l a s s u n g der F»r i e d h 0 f s k a p e l l e auf dem Friedhof am Nahrungsberg für die Abhaltung von Sonntagsnachmittagsgotiesdiensten, die alte 14 Tage stattfinden sollen. Für Pfingsten hat Oberbürgermeister Mecum einmal die Abhalliing erlaubt. Für die weitere Geneh­migung empfiehlt sich die Ueberweisung an die juristische Kom­mission, damit geprüft werde, ob nicht durch die Erlaubniserteilung ein Anspruch auf die Käpelle gegeben wird. Auf Vorschlag des Stadtv. Tr. Gut fleisch wird die Ueberweisung an die juristische Kommission beschlossen und gleichzeitig zur Beschleunigung der Angelegenheil den Stadtv. Grünewald als Weserenten bestellt.

Die S a n i t ä t s k 0 l 0 n n e nutzte wegen des schlechten Wetters einen Teil ihres Uebungskuvsus in eine Turnhalle verlegen, was nachträglich genehmigt wird.

Ter evangelische I ü n g l i n g S v e r e i n bittet ebenfalls um Ueberlassung einer Turnhalle für 2 Tage in der Woche. Tas Gesuch wird zu denselben Bedingungen, die der Freien Turnerschaft gestellt wurden, genehmigt.

Der Turnverein, dessen Turnhalle für die Ober- re al schule benutzt wird, will nunmehr 800 Mk. Miete jährlich haben, während seither monatlich 75 Mk. bezahlt wurden. Man ist damit einverstanden.

Dem K a 11 s m ä n n ischc n V e r c i 11 sür w eidliche Ä n- ge stellte wirb ein Schulraum in der.Oberrealschule gegen Er­stattung der Reinigungskosten von 35 Mk. zur Verfügung gestellt.

Ter Voranschlag der O b e r r e a l s ch u 1 e und des Real­gymnasiums findet keine Beanstandung. Ter Zuschuß der Stadt zu den persönltchen Kosten beträgt-rund 50 000 Mk., wäh­rend die von der Stadt ,;u tragenden sachlichen Kosten auf 8073 Mk. veranschlagt sind.

Auch der W a l d w i r t s ch a s t S P l a n sür 1909, den Stadtv. Tr. W i m in e n a u e r geprüft hat, findet debattelos Genehmigung. Es sollen wie seither 8200 Festmeter Holz geschlagen werden: außerdem auf dem Gelände der neuen Irrenanstalt, ausschließlich des Schutzstreifens, noch 250 Meter (Abtrieb von Fichten).

Tie El ekt r i z i tüt sm e ss erm i e t e wird von 8, 8,80 und 9,80 Mk. auf 6, 7,20 und 8,00 Mk. festgesetzt. Bei größeren Messern wird besondere Vereinbarung beabsichtigt. Gießen wird damit hinsichtlich der Miete von 85 Städten mit gleichen Ver­hältnissen die Trittbilligste.

Kanzleirat Wilh. Demnth hat in seinem Testament der Stadt eine Stiftung von 1760 Mk. gemacht. Tie Zinsen von 1260 Mk. sollen zur Unterhaltung der Gräber dienen, während die Zinsen der weiteren 300 Mk. alljährlich am 13. Februar, dem Hochzeitstag des Stifters, an zwei bedürftige Gießener Witwen verteilt werden follen. Die Stiftung wird unter Ausdruck des Tankes gntgeheißeu.

Stadtv. Emmelius regt an, den unteren Teil des Fried­hofes am Nahrungsberg besser herzu stellen, insbesondere die alten Grabsteine, die ein Stück Alt-Gießen bedeuten, besser zu.unter­halten und zugänglich zu machen. "Nach Befürwortung dieses Wunsches durch den Vorsitzenden, wird dementsprechend beschlossen.

Tie Abänderung des O k t r 0 i t a r i s e s für B r a n ntwein wird nach den Beschlüssen der Kommission gutgeheißen.

UnLversitäts-rrachröchten.

tz. Jena, 18. Juni. Tas offizielle Progrmmn für die zum 350] äl)r igelt U u i u e r ] i t ä t § j u b i l ä u nt ftattfinbenben Festlichkeiten ist jetzt fetzgesetzt. Am Abend des 30. Juli findet ein akademisches Festkonzert statt, bei dem u. a. Beethovens neunte Sinfonie zur Aufführung gelangt. Nach Beendigung dieses Kon­zertes erfolgt in einer eigens erbauten Festhalle eine Begrüßung der Gäste. Ter Morgen des 31. Juli vereinigt die Festteilnehmer zu einem Festgottesdienst in der Stadtkirche, wo der Universitäts- prebiger Prof. Thtimmel die Predigt hatten wird. Mittags wird ein Redeakt abgebalten, bei dem durch Prorektor Prosi Telbruck Ehrenpromotionen vollzogen werden. "Abends gibt die Stadt Jena ein großes Marktfest. 91 ad) einem Umzug der gesamten Studenten­schaft erfolgt am 1. August die Einweihung der neuen Universität. Ein Festdiner und ein Kommers schließen sich an. Geheimerat Prof. Tr. Ernst H a e ck e l wird der Universität seine berühmte und auf der ganzen Welt >vohl einzig dastehende phylogenetische Sammlung überreichen, die einen Wert von etwa 1 Million Mark hat.

Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen.

Juni

1908

Barometer auf 0° reduziert

Temperatur der Liift

Absolute Feuchtigkeit

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Bekanntmachung.

Die diesjährige öffentliche Jmvsuug in der Stadt Gicffcu

wird, beginnend am

Mittwoch, den 3. Juni

im Jmvslokale - Schulgebäude, Neustadt 61 - für die nächsten .->6 Wochen jeden Mittwoch, nachmittags 56 Ubr, abgehalten werden Jmpfpflichtig im laufenden Malcnbermbr sind die tm vorigen vabre geborenen zwider, sowie die rückständigen aus trüberen Jahren.

Wir laden die hiesigen Einwohner, welche nnpspslichtige Kinder haben, zur Benutzung dieser öffentlichen Termine mit dem Bemerken ein, daß alle in demselben vorgenommenen Impfungen unentgeltlrch sind Wer dic Termine nicht benutzen will, muß die Impfung seines pflichtigen Kindcö die- zum Jahresschlüsse aus seine Kosten tiewcrtstclltaen lassen, widrigenfalls rinn im Hanuar nächsten Zabrcs eine vicrwöchentliche Frist zur Nachholung der Impfung unter Strafandrohung gesetzt wird. r ,

Außer den Pflichtigen werden auch Kinder, welche int lausenden Jahre geboren sind, auf Wunsch ihrer Vertreter geimpft.

Alle in einem Termine geimpften Kinder müssen tn dem acht Tage später abgehaltenen Termine zur Nachschau nochmals erscheinen.

Kinder, deren Zurückstellung von der Impfung wegen Kränklich­keit beansprucht ivtrd, können gleichfalls dem Jmpfarztc in den öffentlichen Terminen vorgestellt werden.

Tie Impflinge muffen mit reiner Wasche und rein gewaschenem Körper zur Impfung gebracht werden. Es wird nur an einem Arme nut Lymphe aus dem Landesimvsinstitut geimpft.

Kinder auS Familien, in denen ansteckende Krankheiten Herrichen, dürfen mast in die Termine gebracht werden.

Gießen, den 29. Mai 1908.

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