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19/10/1908 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt

Nr. 246

Montag 1V. Oktober 1908

Erschein! tögllch Ausnahme der Sonntag».

bahnangelegenheiten und die Konserenzjrage. Er hat seine

'von Paris ab, wird sich kurz in Baden-Baden aufholten

und am Donnerstag abend in Berlin ein treffen.

ciniiiger Staatsrcgierung die

ca

158. Jahrgang

in Paris den deutschen Botschafter Fürsten Radolin und hatte mit ihm eine eingehende Unterredung über die Orient-

: deutsch eBot- ssernngssähigkeii des Programms inwies. Pichon selber ist, wie ihm nahestehende Per-

Reiche entschädigt werden. Es bestätigt sich, bau nur große In­serate befteuen werden. Wegen her llnsicyerheit in Fragen der Reichsfinanzrcsorm hat die M

Rotationsdruck tmb Verlag der Brühl'schvr UnroerfnätS - Buch- und Stetndruckerei. 9L Bange, Dreßen.

Die Krips im Grient.

Tas englisch-russische Konferenzprogramm

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- ftrabe 7. Expeditton und Verlag: 51.

Redaktion:112. Tel.-Adr-'AnzergerGreßen.

in Aussicht gestellte allgemeine BcaMengeholtserhöhung vep- schvben.

Deutsches Heid?.

Der König von Griechenland, dessen unerwarteten Reise nach Berlin man grobe politische Bedeutung beimißt, hat am Samstag eine längere Unterredung mit dem Staatssekretär des Attswärligen v. Schon gehabt.

Der Erbprinz H e i n r i ch XXVII. von Reuß jüngere Lirrie leistete am Samstag vormittag den Eid auf die Beriassung des Fürstentums im Beisein der Staatsminister und städtischen Vertreter. Die Ablegung des Eides erfolgte in einfacher Form.

DieLietzener ZamilienblStter" werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das Kretiblatl für den Kreis Sichen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

zur Verfügung gestellten Wohnungen zu räumen. Bul­garien hat sich bereit erklärt, die Türkei um die Gutheißung

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhessen

GrcszerreV Sta-tLhea-er. M

Die Dame von Maxim

von Benno Jakobs en.

Die fesche, lebenslustigeDame von Maxim", die nach ängcicr Panse wieder einmal über unsere Bühne ging, sand dank ihrer flotten gut durchgearbeiteten Darstellung eine sehr herzliche, wohl verdiente Aufnahme. Die Regie, die Rudolf Göll mit Ulnsicht und Sicherheit führte, hatte den vergnüg­lichen Schwank sehr zu feinem Vorteil etwas überarbeitet und hatte auch für eine wirkungsvolle, gut abgestimmte AuS- stattung gesorgt. Im Mittelpunkt der Aufführung stand na­türlich unsere schneidige Lore Scholz, die die übermütige .Crevette" mit all der Keckheit und Laune verkörperte, die der Tänzerin in so reichem Maße eignet Ganz vorzüglich sang sie das gut gewühlte Liedchen, mit deut sie herzlichen Beifall hatte. Auch rein schauspielerisch ließ die Wiedergabe der tollen Tänzerin fast gar nichts zu wünschen übrig. Eme gut durchdachte und lebendige Darstellung bot Rudolf Goll als bedrängter Petypon, den er mit feiner lieber» legung sehr ansdrucks- und wirkungsvoll verkörperte. Lils seine Frau war Ada Pauly eine humorvolle, gemütliche Dame, die sich mir Geschick in den allgemeinen Rahmen ein­fügte. Willibald Völckcr war als General anfangs arg polterig, sonst aber recht anerkennenswert und gewandt. Dr. Mongicourt fand in Clemens Roden eine bis ins Kleinste gefällige und entsprechende Wiedergabe und Paul Kohl­mann als Herzog Guy war ebenfalls ganz auf seinem Posten. Die übrigen Mitwirkenden, die der flotten Gesamtdarstellung zu bestem Erfolge verhalfen, seien diesmal nur mit einem gemeinsamen Lob bedacht, da ich es mir Raummangels wegen versagen muß, näher auf die Aufführung einzugehen.

Karl Neurath.

TenrPZ" meldet, der erste Vertreter der fremden Mächte, der Kenntnis von jenem Anerbieten erhielt, durch das Bul­garien die m Berlin gegen die Proklamation von Tirnowo erhobenen Bedenken gegenstandslos machen will. Bci der Regelung der bulgarischen Schuld sollen die gegenwärtigen Einnahmen der Bahn als Basis dienen.

Tie Erregung der Türken gegen Oesterreich.

Der österreich-ungarische Botschafter Markgraf Balta vioini hat am Freitag wegen der Boykottierung der Lloyd- dampfer sowie wegen der Zwischenfälle in Jaffa und Beirut ernste Vorstellungen erhoben und sie Samstag wiederholt. Der Großvesir erklärte, daß die Pforte ihr möglichstes getan habe, um die Bewegung einzudämmen. In Konstantinopel haben aber inzwischen fast alle Firmen Angestellte ent­lassen, die österreichische Staatsangehörige sind.

Jungtürkische Agitatoren verbreiteten oas Gerücht, daß österreichische Untertanen nachts in die Moschee hinein- schossen, um die zu den Ramadan-Gebeten versammelten Moslemen zu beunruhigen Der Zweck dieser Provokationen ist, die Moslemen zu einer Plünderung der österreichischen Geschäfte aufzuhetzeu, um Anlaß zu Entschädigungsforde­rungen zu geben.

Tie Nachrichten aus Armenien und Turkestan lauten sehr bedenklich. In Wiranschehir Haven furchtbare Armenier-Massakres stattacfunden, bei denen auch Frauen und Kinder auf schreckliche Weise geschändet wur­den. Die Truppen, die gegen die Wüteriche entsandt wurden, gingen zu diesen über und nahmen an Mord und Plünde­rungen teil. Die Stadt ist fast vollkommen zerstört. Zwei Drittel der Bewohner waren Armenier. Die Situation in Diarbekir soll nicht weniger alarmierend sein. Der Tod des Kurdenchofs Ibrahim wird nach Meldungen von dort bezweifelt.

Im Namen von 250 000 Bajonetten.

Wie es heißt, ist der Minister des Aeußern, Miwcmo- witsch, der Ueberbringer eines .Handschreibens König Peters an den deutschen Kaiser. Dem BlattePravda" zufolge sagte der Kronprinz Georg, als sich der Minister von ihm verabschiedete, folgendes: Sie reisen in einer sehr delikaten Mission nach Berlin. Ver­gessen Sie nicht, daß Sic im Namen von 250 000 Bajonetten sprechen. Sie dürfen sich daher vor niemandem beugen. Wer im Namen von 250000 Bajonnetten spricht, braucht sich vor niemandem ku fürchten. 9hir wenn Sie so sprechen, dürfen Sie wieder in die Heimat zurückkehren.

In Saloniki ist eine Sendung von Schnellfeuergeschützen für Serbien eingetroffen, die sofort mit der Eisenbahn nach Belgrad weiter befördert wurde. Vor Belgrad sollen zum Schutze gegen eventuelle Angriffe der österreichischen Donau-Moniteure Minen gelegt worden sein.

Wie verlautet, trifft man in Montenegro Maß­nahmen, um die militärischen Vorbereitungen zu beschleu­nigen. Montenegro wird mit den im Auslande befind­lichen Staatsangehörigen 70 000 Mann aufbringen können. Diese verfügen übr 50000 Gewehre. Außerdem besitzt Montenegro 120 Geschütze und 40 Maschinengewehre. Eines der Forts von Antivari kann mit seinen Geschützen Cattaro bestreichen, weshalb die Oesterreicher mehrere dortige Pro­viantmagazine, die bedroht waren, verlegen mußten.

Die Rrmdreise JSwolslyS.

Ter russische Minister Iswolsky besuchte am Sonntag

Ter Zwischenfall von Casablanca vor dem Schiedsgericht.

Zum Zwischenfall von Casablanca stcllt dieKölnische Ztg." fest, daß erhebliche Meinungsverschiedenheiten oblvattcn, weil Deutschland auf die Berichte seiner Beamten, Frankreich sich auf die seiner Offiziere beruft. Weitere Verhandlungen von Kabinett zu Kabinett dürsten deshalb taum noch Erfolg versprechen, wes­halb der richtige Weg der wäre, die Angelegenheit einem Säftebs- spruch zu urttcrwerscn. Inzwischen hat der deutsche Botschafter Fürst Radolin dem französischen Minister des Aeußeren Pichon den Vorschlag gemacht, den Zwischenfall von Casablanca dem Haager Schiedsgericht zu unterbreiten. Die Antwort Pichons dürfte erst in 23 Tagen erfolgen, und dürfte, wie in Rcgie- rungstreisen angenommen wird, in zustimmendem Sinne gehal­ten fein.

Vorstellung am 11. Dezember wird auch der Sultan beiwohnen. Wie wir erfahren, ist cs der Direktion unseres Siadttheaters gelungen, das Rehvft-Ensanble zu einem Gastspiel am Sa ms- ra g den 24. Oktober mitBaumeister Sol ne ß" zu ge- ivinnen.

Einen Kongreß für Theater-Aefthctik als ständige Jahreseinrichtung bringt der Theater-Aesthetiker und Wiener Schauspieler Ferdinaird Gregori, einer der ständigen Mit­arbeiter des Kunstwarts, in dieser Zeitschrift in Anregung. Gre­gori führt ans, daß alles, was sich an Versuchen und Taten auf der lebendigen Bühne der Gegenwart zutrage, was an reforme­rischen Ideen in den Köpfen zeitgenössischer Aesthetirer auftauche, im Ohr des Zuschauers vergehe und in den Spalten der viel zu schnell beiseite gelegten Tagblätter verflattere. Die ins un­geheure, gewiß ins Unüberschaubare ausgedehnte Literatur über theatralische Dinge können kaum in den reichhaltigsten Büchereien und nur in langwierigen Studien notdürftig katalogisiert und aus­gezogen werden. Wenn man erwäge, baß Direktoren, Spielleiter und Schauspieler weder Zeit noch Lust hätten, vor der Inszenierung des Hamlet ein paar hundert Aufsätze über dieses Drama aus aller Welt zusammenzubettcln und durchzugehen, um schließlich zehn nutzbare Zeilen auSzuziehen, dann dürse man sich nicht über die Wiederkehr darstellerischer Fehler und über das Fest­halten an verschabten dramaturgischen Einrichtungen wundern. Als gemeinsames Becken, in dem die vielen Quellen, Bäche und Flüsse, die ins Theaterland rollten, bereinigt und ge­reinigt werden könnten", empfiehlt Gregori einen Kongreß für Theater-Aefthetik in Wien oder Berlin, in Weimar ober München, in Dresden oder Düsseldorf.

Charakterveränderungendurchhypnotische Suggestion. Die nierfrüürbigen Veränderungen, die mit einem Menschen vorgehen können, sobald er sich als Medium einem Hypnotiseur überliefert, sind wohl allgemein bekannt: selten aber wurde bte Wirkung der hypnotischen Suggestion in so ansck)au- lichen Bildern geschildert, wie Herr Dr. R. Hennig dies in einem Aufsatz der neuen psychologischen ZeitschriftDer Menschen­kenner" (Nr. 7, Verlag Otto Wigand, m. b. H. Leipzig), getan hat. Dr. Hennig suggerierte einem Studenten zunächst bte Rolle eines wohlerzogenen jungen Mädchens und bann die eines rück­

forderte, veranschaulicht schlagend den Gegensatz in den Gedanken und Empfindungen, den Gegensatz in der ganzen Gemütsart. Bei Else Förster" sehen wir eine wohlgesormte, gleichmäßige, kleine, zierliche Schrift, bei dem Anarchisten dagegen große, derbe, dicke, wild aussahrcnde Züge, so daß wir aus diesen beiden Hand­schriften allein schon den Typus herauslesen, der jeweilig zur Darstellung gebracht werden soll. Wenn solche und ähnliche Ex­perimente ganz systematisch vorgenommen würden, würden sie für den Psychologen ein Studienmaterial von unschätzbarem Werte darbieten.

Von Wilhelm und Caroline ooit Humboldts Briefen ist jetzt die Herausgabe des dritten Bandes seitens der Urenkelin Fran Anna v. Sydow beendet worden. Die in! diesem Bande mitgeteilte Korrespondenz rührt aus den Jahren 18081810 her, als Caroline noch in Rom geblieben war, wäh­rend Humboldt, nach Deutschland zuruckgekehrt, die staatsmännische Laufbahn eingeschlagen hatte. Sie stellt sich somit als ein Zeuge der Zeit vor 100 Jahren dar, iw die u. a. die Gründung der Uni­versität Berlin unö der Tod der Königin Luise fallt. Gleich den Trüberen BändenAus der Brautzell" und.Aus der jungen Ehe" wird der den TitelWeltbürgertum und preußischer Staats­dienst" tragende Brieswechsel bei .E. S. Mittler u. Sohn ia Berlin erscheinen.

Kleine Chronik au? St n n ft und Wissenschaft. Wie uns aus München gemeldet wird, steht es nun fest, daß in Bayreuth im nächsten Jahre wiederum Festspicle stattfinden. Es wird nebenParsifal" und demRing" wieder Lohengrin" aufgeführt. Das Befinden der Frau Cosima Wagner hat sich in ganz erfreulicher Weise gebessert. Die Anthro­pologische Gesellschaft in Stockholm ernannte 3Den Hedinn zum Ehrenmitglied und verlieh ihm I. A. Aahl- bergs Medaille i n Gold. Die Kurdirektion von 5) o m - bürg v. d. H. Hai mit Meta Illing einen Vertrag abgeschlossen, demzufolge das Englische Theater im August jeden Jahres ein vierwöchiges Gastspiel im Königlichen Kurtheater von Hom­burg absolvieren wird. EineinternationaleTheater- ausstellung wird für das Jahr 1913 in Mailand vorbe­reitet, aus Anlaß ber Hundertjahrfeier von Verdis Geburt. Die Ausstellung soll drei große Abteilungen umfassen: Theater (Ge­bäude und Zuschauerräume), Musik (Interpretation uni> Instru­mente), , Künstler- und Theaterliteratur ^Biographien, Manu­skripte usm). Auch die Regierung hat sich bereit erklärt, die groß* angelegte Ausstellung zu förbern. Eincnschrintere s ja n- ten Fund hat man vor kurzem in Belgien, in den Dünen nordöstlich Don Oostduinkerke, gemacht. Nahe am. Meer tourden zahlreiche l£ii en arbeiten der verschiedensten Art, Angel­haken, Nadeln, Perlen usw. entdeckt, die aus dem 13. Jahr­hundert zu stammen scheinen, ferner alte Schmuckstücke und Münzen von denen eine das Bildnis Philipps IL trägt.

sich^losen Anarchisten. Beide Rollen wurden mit gleicher Vor- tresftichkeit gespielt. Als(Ase Förster" zeigte das ganze Ge­baren des Hypnotisierten Liebenswürdigkeit, Ruhe und Gehalten- heit, während der Anarchist durch heftige, unruhige Bewegungen und ein rücksichtsloses, flegelhaftes Benehmen gekennzeichnet würbe. Es erstreckten sich die gegensätzlichen Ausdrucksbewegungen in diesen verschiedenen Rollen jedoch nicht nur auf Mienen und Gebärden, wie wir das in ähnlich markanter Form auch bei guten Schauspielern zu sehen gewohnt sind, sondern auch die

findet gerade . ine begeisterte Zustimmung. Römischen Blät­tern zufolge ist Tiltoni der Konsercnzidee noch immer nicht günstig gesinnt. Nach seiner Ansicht seien Verhand­lungen zwischen den Kabinetten der beteiligten Staaten einer Konferenz vorzuzichen. Aehnlich ist die Stimmung in Paris. Zu oer längeren Unterredung des französischen Ministers Pichon mit dem deutschen Botschafter Fürsten Radolin, deren Gegenstand hauptsächlich das Konferenz- Programm bildete, wird berichtet, daß der schaster auf die Verbcsserungssähigkeit

Der Fall Hansen in Toenning.

DieNordd. Ailg. Ztg.' schreibt: DasBerliner Tageblatt" hat in einem Artikel vom 14. September unter ber Ueberschrift: Ein Nettovexamen" die Behauptung aufgestellt: Ter jetzt in den Ruhestand getretene Geh. Regierungsrat und Schulrat Diercke ans Schleswig habe zu den: zweimal im Rektorew-Examen duöch- aefallenen Lehrer Hansen-Toenning gesagt:Sie sind nicht loegcn. Ahrer Unfähigkeit in ber Schule, noch ans Mangel an Kennt­nissen durchgeplumpft: gehen Sie nur hin und bedauern Sie Ihr bisheriges politisches Verhalten, darnr haben Sie Ihr Examen. gemaAt." In Verbindung hiermit mürbe zugleich an gedeutet, daß ber Schulrat Dierckeals Geograph uns durch feine musterhafte Offenheit, die sck-on seit langem bekannt sei, entsprechend versrüht'^ in Pension habe gehen müssen. Diese Behauptungeir desBer­liner Tageblatts" sind sämtlich frei erfunden und wider­spreche n der Wahrheit. Diercke ist, wie er selbst be­stätigt, aus eigenster, durch Familien- urtb Gesundheitsverhält­nissen bedingten Entschließung am 1. Oktober 19Ö8 in den Ruhe­stand getreten. Tie Geschichte von dem Rektorexamen Hansens! ift ebenso unrichtig. Von Politik und von Hansws politischer Gesiunuirg sei bei der ganzen Unterredung weder dem Wortlaut, noch dem Sinne nach die Rede gewesen.

jonen versichern, von der Fassung des Programms keines­wegs entzückt. Er findet beispielsweise die Kritik, daß die Türkei nicht vorteilhaft genug bedacht worden sei, ganz begründet. Selbstverständlich ergehen sich auch die türki­schen Blätter in längeren Kommentaren über das von der Agence Havas" verbreitete Konferenzprogramm und er­klären verschiedene Punkte desselben für unannehmbar. Am bedeutsamsten ist natürlich die Haltung der Pforte zum Konferenzprogramm. Ter türkische Minister des Aeußern Tewkik Pascha erklärte einem Redakteur desDanin", daß die Pforte das bekanncgewordene Kvnfcrenzprogramm nicht annehme. Die türkischen Programmpunkte seien: 1. Prokla­mierung Bulgariens zum Königreich, 2. Anuektioir Bosniens und der Herzegowina, 3. Verbindlichkeit der Anteilnahme an der türkischen Staatsschuld uitb anderen finanziellen und Apolitischen Verbindlichkeiten, 4. Festsetzung der Integrität der Türkei. Der Minister des Aeußcrn gab zu, daß die Pforte in Erwägung gezogen habe, die Konflikte mit Oester­reich-Ungarn und Bulgarien direkt zu regeln, sie habe aber nocy keinen Beschluß, gefaßt Die Nachricht über eine ab­lehnende bulgarische Note bezüglich der Orieulbahn sowie die Meldung, daß Serbien Deputationen zu den Signatarmäch­ten sendet, haben die Türken sehr erregt.

Da8 euglifch-russtsch-frallzösische Abkommen über die Dardanellea lautet: Die Llriegsscyc,ie ber Uierpaaten haben das Recht, die Dardanellen zu passieren. Bloß im Falle eines Krieges mit Rußland haben auch die Kriegsschiffe des mit Ruß­land Krieg führender! Staaies das Recht, ins Schwarze Meer einzusahren. Diese Bcstirnrnung hat England trotz des russischen Widerrspruchs aufrecht erhalten. Für die Türken scheinen diese Vorschläge unannehmbar.

Die Lage wird in Wien im allgemeinen als ernst be­trachtet, hauptsächlich wegen der hochgradigen Unzufrieden­heit der Türkei mit dem Konferenzprogramm. Trotzdem werden die Meldungen über österreichische

Mobilifierungeu

dementiert Dasselbe tut die Türkei. In Sofia meint man trotz der dort herrschenden schwülen Kriegsstimmung, daß keine direkte Kriegsgefahr vorliege. Die Bulgaren be­haupten zwar, die Türkei rverde, wenn sie sich- gesammelt habe, loZichlagen und man müsse ihr deshalb zuvortommcn, man wisse aber auch sehr wohl, daß ein Krieg ein Unglück wäre. Der König ist gegen den Krieg, obwohl der einfluß­reiche General Älwow sich bemüht, ihn von dem Vorteil zu überzeugen. Auf hem letzten Ministerrat unter dem Vorsitz des Königs wurde beschlossen, den Krieg zu vermeiden. Die am 16. d. M. verfügte Einberufung eines Teiles der Reservisten zur Wasfenübung ist darauf wieder aufgehoben worden.

Die Meldung, daß die Königskrönung im No­vember stattfindeu werde, ist unbegründet. Die Regierung hat diese Frage noch nicht erwogen.

Bulgarien und die Orientbahn.

Der österreichische Vertreter in Sofia hat eine Protest­note gegen den Befehl der bulgarischeri Regierung über­reicht, ourch welche den Angestellten der Orientbahnen auf­gegeben worden war, die ihnen seitens der Gesellschaft

treffenden Abkommens selbst crnzugehen. Tamil will Bul­garien das Eigentumsrecht der Tüi^i auf die fragliche Bahnstrecke anerkennen; aoer erst dann, toenti der geschäft­liche Teil Mischen Sofia und der Bahngesellschast erledigt sein wird. Ter deutsche Gesandte in Sofia war, wie der

Die französische Regierung beauftragte ihre 25er> tretet in Konstantinopel und Sofia, den Regierungen der Türkei und Bulgariens Mäßigung und Besonnenheit an­zuraten.

Tagesschau.

Zur Neichsflaanzvorlage.

Die B n n d e s r a t s a u s s ch ü i s c für die Beratung! der Reichsfinanzvorlage haben die erste Lesung erledig!, lieber alle Neu Vorlagen wurde eine Einigung erzielt, nur über die Elektti-itätsstcuer noch nicht. Die Entscheidung über diese Steuer wird möglicherweise erst burch Abstimmung im Bundesrat selbst herbeigeführt. Vvcanchichtlich am nächsten Freitag oder San.stag wird dev Bundevrat über die gesamte Reichsftnanz- vorlage Beschluß fassen. Wie vevlantet, solleir die ZertungK- Verleger bezrv. Druckercibesitzer für die Kosten ihrer MckwirÜing bei der Erl-ebung der Jnfcraien-Reklame und Plakatsteuer vom

Ibsen in Konstantinopel. Frau Maria Re- hofs, die bcionnte Jvsendarstellcrin, wird, wie wir jüngst schon tu cs mitteilten, auf ihrer großen internationalen Kunstrcnse mit ihrem Ensemble in diesem Jahre auch in Konstantinopel gast- fVielen. Es ist der erste Versuch, dem Orient norvische Kunst zu vermitteln. Es wird dem Gastipiel des deutschen Jvsenensemvies das übrigens erst durch Aufhebung der Zeus.:, in ber Türkei guten öajauipteiern W legen grwvyni jtno, ivnoern auch Die möglich wurde großes Interesse entgegen.» . und der f Namensunterschrift, die der Hypnottsem: von seinem Medium

eines zwifck)en ber Regierung in Sofia und der Orient- baßnangelegeußeiten und die Konferenzsrage. Er hat feine ba hn g e sellschas t iregen deren rurnelischer Strecken zu Abreife um 24 Stunden verschoben. Er reist Dienstag abend ♦rr'f&o-ntvoni rtTtlllftpfiott -Tnntif (Rnt-. Xintt fRrrriS Ulirh firfv f IIT2, i 11 J^nhPTT nn