iRI'eeflnbt auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner lang- fahrigen treuen Dienste in den Ruhestand versetzt.
• • Erledigt sind: Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende 1. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Neu- Isenburg. Der reformierten Kirchengemeinde zu Neu- Isenburg steht das Präsentationsrecht zu. Die mit einem evang. Mehrer zu besetzende 2. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Gonterskirchen. .
• • Die Sitzung der Stadtverordneten, die für heute angcsetzt mar, fällt aus.
- Evangelische Landessynode. Wie die Darmst. Ztg. hört, soll die evangelische Landessynode am 19. Mai wieder zusammentreten. Die Beratungen werden voraussichtlich eine Woche in Anspruch nehmen.
"Aus bem Bureau des Stadttheaters. Es ist noch nicht lange her, daß das Wort o n n e" (gleichbedeutend mit Automobiluniall) dem deutschen Sprachschatz emverleibt wurde, öcit aber Skowronnek, der Mitverfasser von „Husarenfieber , den Schwank dieses Namens herausqegeben, ist das Wort populär geworden. Das Stück hat überall, so auch jüngst m Franklurt, durchschlagenden Öeiterkeitseriolg erzielt uiid dürfte auch hier bei der sorgfältigen Vorbereitung und reichen Ausstattung große Anziehungskraft aiisüben. Erwähnt sei noch, daß die neuen Dekorationen und Requisiten, die das Stück verlangt, m der Werkstatt des Stadltheaters unter Leitung des Herrn Theatermeisters Jenny und Dekorationsmaler Schwedler hergestellt ivorden sind.
* * Danny Gürtler. Ein stimmungsvoller Abend war gestern rm Kolosseum, in dem z-um erstenmal der „König der Bo Home", wie sich Danny Gürtler in liebenswürdiger Bescheidenheit nennt, auftrat. Das dein eigenartigen Künstler sonst überall entgegengebrachte Interesse war auch hier vorhanden, wenn auch nicht in dem gleichen Maße, wie anderwärts, wo man von Dannys Leben u"d Treiben öfters etwas hört. Gürtler, der mft seiner Kunst — es ist wirllich Kunst und nicht nur, wce seine Konkurrenten sagen, Reklame gepaart mit Unversrvren- heit — eigentlich nicht recht in den Rahmen eines Varietes hineinpaßt, ist ein lM sicher Landsmann, ein Darmstädter. Er ist guter Leute Kind und sollte Kaufmann werden. Aber die Beschäftigung mit Strohhüten paßte ihm nicht, er fühlte sich zu höherem geboren uiid ging zur Bühne. Mit 22 Jahren war er !. k. Hofschausvieler in Wien, aber seine starke Individualität vermoäste sich nicht in den künstlerischen Betrieb einer Bühne ein- und er selbst nicht der Leitung eines anderen untevznordnen. So verließ er denn die weltbedeutenden Bretter und ging zum Brettel über, das damals fast noch nichts bedeutete. Etwa gleichzeitig mit Wolzogen gründete er in Berlin ein Kvbcrret, das erfolgreich war. Aber auch hier litt es ihn nicht lange, er wurde zum fahrenden Künstler, der die deutschen Lande durchzieht und überall, wo er Einkehr hält, Triumphe feiert. Danny, der in seinem Aeußeren etwas Zigeunerhaftes lrat, ist Schauspieler und Sänger, Poet und Rezitator, vielseiiiger Musiker und noch einiges andere. Dazu besitzt _er ein mast- loses Selbstbewußtsein und große Schlagfertigkeit, Sinn für ori- grnelle Reklame und eine Humor, die man gespielte Verrücktheit nennen kann, kurz er ist ein Original, das zu sehen und zu Horen, ein Genuß ist. Mit einer Herold st rompete knn- det er sein Auftreten on; links und rechts Grüße austeilend, durchschreitet er den Zuschauerraum, um dann ein blendendes Feuerwerk feiner Geistesgaben auf das Publikum niederprasseln zu lassen. Gedichte, in denen Kaiser und Großherzog gefeiert werden, wechseln mut Verherrlichungen der Arbeiter, kecke T-irnen- lieder mit scharfen politischen Ergüssen gegen das Zentrum, rührende Kinderliedchen mit Hymnen auf Heine (dem Gürtler in Köln ein Denkmal errichten möchte). Dazwischen kommen in buntem Wechsel geistreiche Aussprüche und blutige Kalauer. „Stimmung" nennt er das und erbittet und verbittet sich mit einer Handbewegung Beifallsäußerungcn. Von einem Extrem fällt er ins andere, er ist nacheinander Wahrheitssucher und dann Possenreißer, aber, was er auch dem Publikum zu bieten wagt, er hält cs wie in einem Bann. Dreist, fast unverschämt sind seine Anreden an das Publikum, die Offiziere bitter er, ihn in ihr Kasino einzuladon und irgend einem vergnügten Zuichauer sagt er, er sei der größte Lebemann. Das gehr so eine gute Stunde fort, ohne daß das Publikum in seiner Spannung nachlästt, oder der Künstler selbst irgendwie ermüdet. Zum Schluß seiner Darbietungen, die sich leider in» folge der Progr am nientteilung bis nach Mitternacht hinziehen, gingen Beifallsstürmc durch das Haus, wie sie außer bei Reuter im Kolosseum noch nicht gehört wurden.
• • Ein Unfall, der unter Umständen ein großes Unheil hätte anrichten können, ereignete sich gestern abend i/29 Uhr an dem Turm unserer Stadtkrrche. Eine der
steinernen Ausladungen, die sich an den Turmecken in der Höhe des Umganges befinden, stürzte auf die Straße (den Durchgang zwischen Kirche und Laternenwärtcrhaus) dicht neben einen dort stehenden Laternenwärter, glücklicherweise ohne ihn zu treffen. Der Stein drang etwa 20 Zentimtr. tief in das Pflaster ein und zertrümmerte die Pflaslersteme, blieb aber selbst ganz. Die Unfallstätte wurde sofort abgesperrt und heute vormittag sind bereits Arbeiter damit beschäftigt, die übrigen Ausladungen auf ihre Sicherheit zu prüfen. Hoffentlich finden in Zukunft solche Prüfungen regelmäßig statt.
* * Schadenfeuer. Gestern früh 7 Uhr bemerkten Anwohner des Kreuzplatzes, daß dicker Rauch hinter dem Lagerhaus der Witwe Rothenberger im Kaanschen Besitztum hervordrang. Es fand sich, daß eine m einem Wmket am Lager untergebrachte Matratze, ein alter Sessel und ein Kinderwagen böswillig in Braud gesetzt worden waren. Durch das sofortige Ablöschen konnte noch rechtzeitig verhindert werden, daß das Feuer das mit allen Möbeln 20. vollgepfropfte Lager nicht ergriff, sonst würden wohl die ganzen dicht aneinander stehenden Scheuern und Holzgebäude niedergevrannt sein. Ob es sich um einen Summen Jungenstreich oder um versuchte Brandstiftung gehandelt hat, ist noch unaufgeklärt.
* • Das Albert Schumann-Theater in Frankfurt a. M. übt zur Zeit auf die Besucher der schönen alten Mainstadt eine besondere Anziehungskraft aus. Die Theaterleitung hat eine große internationale Rin gk am p fkonkur- renz ausgeschrieben. Es gilt da, den goldenen Pokal von Frankfurt a. M. und eine Siegesprämie von 10 000 Mk. zu erringen. Kein Wunder, daß die Beteiligung der Ringkämpfer aller Länder nicht nur sehr lebhaft ist, cs wird auch unter Anspannung der äußersten Kräfte und mit gewaltiger Leiden- fchaft um den hohen Preis gerungen. Wohl gegen 40, wahrhaft athletisch gebaute Kämpfer stellen sich dem Publikum vor. Ein ganz prächtiges Menschenmaterial 1 Aber auch das übrige Prograrnnt bietet viel des Schönen und Reizvollen. Da sind glänzciide Leistungen dreier Turner, The, 3 Cleares, am dreifachen Reck zu sehen. Eine Pantouumisten- und Tänzertruppe, der humorvolle Humorist, Rezitator unb Improvisator Paul Förster, ferner Sam Elton mit seinen überaus komischen Darbietungen, sorgen für angenehme Abwechslung. Leistungen besonders seiner und geschmackvoller Art bringen die 10 holländischen Sterne mit ihren Berwandlungsjzenen gu Gehör und zu Gesicht, während die Trapnell-Familie auf
akropatischem Gebiet an Eleganz und Gewandtheit wohl kaum zu übertreffen ist. ....
4- Klein-Linden, 19. März. Heute feiert der Arbeiter Lud. Luh II von Klein-Linden bei der Firma I. Barnaß-Gießen sein 25jähriges Arbeiter-Jubiläum.
□ Lang-GönS, 18. März. In unserem Dorfe tritt gegenwärtig die Influenza sehr heftig auf, sie hat bereits mehrere Todesfälle im Gefolge gehabt. Innerhalb vierzehn Tagen sind sechs Personen, darunter zwei Jünglinge, gestorben. Erst gestern wurde ein hoffnungsvoller junger Mann namens Zirp, 19 Jahre alt, beerdigt und heute starb schon wieder eine Frau.
O Kirch-Göns, 18. März. In unserer Gemarkung gibt eS noch ziemlich Singvögel, besonders Meisen. Doch fehlt es ihnen infolge der steten Ausrottung der Hecken und Gebüsche an geeigneten Nistgelegenheiten. Es wurde deshalb hier em Vogelschutzverein gegründet, der vor kurzem eine größere Anzahl von Nistkästen bezog, die unter Leitung des LehrersNahn in der Gemarkung verteilt worden sind. Im nächsten Winter soll wieder eine Anzahl Nistkästen nach Berlepsch angeschafft werden. Auch ein Futterhaus wurde im Spätherbst am Kirchhof aufgestellt, das täglich von zahlreichen Vögeln besucht war. Die Gemeinde geht in anerkennenswerter Weise mit dem Vogelschutzverein Hand in Hand.
R.-B. Bad Nauheim, 19. März. Der Ankauf des Kohlensäurewerkes ist nunmehr zustande gekommen. Die Stadt Bad Nauheim hat die fehlenden 30 000 Mk. nicht bewilligt. Aber von den Besitzern wurden erst 20 000 Mk., dann noch 10 000 Mk. nachgelassen.
x Friedberg, 18.März. Die Sparkaffe Mathilden- stift, Bezirk Vilbel, hat aus ihren Ueberschüffen an die Handarbeitsschulen und für Beschaffung von Lehrmitteln an arme Schulkinder rund 1000 Mk. an die Gemeinden verteilt. Vilbel erhält 187 Mk., Rodheim 67 Mk., Heldenbergen 57 Mk., Altenstadt 47 Mk., Büdesheim 46 Mk.
ft- Büdingen, 18. März. Die letzten Tage haben uns wieder eine unangenehme Ueberraschung gebracht. Wie früher berichtet, hatte der verstorbene Kammerdirektor Korell in seinem gerichtlich deponierten Testament dem hiesigen Mathilden-Hospital 20 000 Mark vermacht. Jetzt hat der Schwager des Erblassers, Geh. Hofrat Dieffenbach, in dessen Nachlaß eine nachträgliche Verfügung vorgefunden, die jene Summe auf die Hälfte reduziert und die andere Hälfte den Gießener „Hessen" zur Tilgung der auf dem Corpshaus ruhenden Schulden überweist. So erfreut die „Hessen" darüber sein werden, so unangenehm war man hier enttäuscht. Das gemeinnützige Institut wird nun weiterhin auf die milden Gaben der Bewohnerschaft angewiesen sein, deren Opferfähigkeit durch die letzten Vorfälle stark herabgemindert ist.
△ Mücke, 18. März. Den ersten Arbeiter- entlassungen auf dem Ersenste inbergwerk Mücke- Ilsdorf sind jetzt weitere gefolgt. Abermals wurde fünfzehn Arbeitern gekündigt, so daß nunmehr von ca. 94 Bergleuten 35 entlassen werden. Trotz des beginnenden Frühlings zeigt der Eisenmarkt noch keine Befferung seiner schlechten Lage. Dadurch stockt der Abgang von Eisensteinen.
Offenbach, 18. März. Die Unterschlagungen de S Stadtkassen re chne^s Grebe, belaufen sich nach den neuesten Ermittelungen auf 56 783.40 Mk. Dazu kommt noch eine Summe von 6743.40 Mk. für Straßenbeiträge, die Grebe nicht verbucht hat. Nach dem Geständnis des Defraudanten liegen die Unterschlagungen bis in das Jahr 1883 zurück. Die städtische Verwaltung hat die Lebensversicherung Grebe- im Betrage von 10 000 Mark, seine Kaution von 5000 Mark, sowie die Miete seines Hauses mit Beschlag belegt.
Frankfurt a. M., 18. März. Prinz Viktor zu Jsenburq-Birstein wird sich demnächst mit der Tochter des lustigen wohlbekannten angesehenen Chirurgen Dr. Rehn vermählen, welcher der Großherzog von Hessen auS diesem Anlaß den Namen einer Baronin Rüdiger verleihen wird. Der Prinz ist 1872 zu Offenbach geboren und steht als Rittmeister ä la suite der Armee.
Hanau, 17. März. Dem Direktor Steffi er vom Hanauer Stadttheater wurde seilens der Kurverwaltung zu Homburg o. d. H. die Direktion des Kurtheaters für die Sommerzeit übertragen.
Gießener Strasrammer.
)( G i e ß c n , 17. März. Wandergewerbesteuer.
In der vor acht Tagen verhandelten Sache gegen den Kaus - mann A. U aus Reichmannsdorf, welcher für die Rheinische Essigfabrik zu Rieder-Olm bei Landwirten in Nieder E rle n- bach ohne vorherige Aufforderung Bestellungen auf Essig entgegennahm, ohne im Besitze eines Wandergemerbescheins bezw. einer Legitimationskarte zu sein und dafür drei Strafmandate erhielt, erfolgte die Entscyeidungsverkündung. Nack dieser Entscheidung wäre der Angeklagte verpflichtet gewesen einen Wandergewerbeschein zu lösen. Eine Legitimationskarte bei sich zu führen wäre er verpflichtet gewesen, wenn er um Bestellungen bei Kaufleuten nachgesucht hätte. Da dies aber nicht der Fall war, ist seine Bestrafung aus diesem Gesichtspunkte zu Unrecht erfolgt. Die nochmalige Bestrafung wegen des Nichtlösens eines Wandergewerbescheins konnte nicht erfolgen, da der Angeklagte bereits durch das Steuerkommissariat Mainz wegen Vergehens gegen die Gewerbeordnung in Verbindung mit Ucbcrtretung des hessischen Wandergewerbesteuergesetzes rechtskräftig bestraft worden ist. Die von der Staatsanwaltschaft gegen das freisprechende schöffengerichtliche Urteil erhobene Berufung mußte deshalb verworfen werden.
Eme berechtigte Berufung.
In der letzten Silvesternacht tam^ der Bergmann G. W. von Üehnheim im angetrunkenen Zustande in eine Wirtschaft, wo er unter den Gästen seinen Schwager vorfand, mit dem er nicht auf gutem Fuß steht. Er machte ihm wegen Vorkommnissen in seiner Familie Vorwürfe und griff nach einem Krug, um nach feinem Schwager zu werfen, wurde aber durch einen Gast daran gehindert, 'Nunmehr ergriff er einen auf dem Tisch stehenden Zigarrenabschneider und schleuderte ihn nach seinem Schwager, verfehlte aber das Ziel und traf einen neben diesem sitzenden Gast an den Kopf, daß er ohnmächtig wurde und eine erhebliche Verletzung davontrug. Auf ergangene Anklage wegen Körperverletzung gelangte das Schöffengericht zum Freispruch, da der 'JLiigcflagte die Absicht hatte feinen Schwager zu verletzen und nicht dessen Nebenmann zu treffen. Es führte aus, der Wille und das Bewußtsein des Täters, daß durch sein Verhalten bi r Schwager verletze werden sollte, lag vor: der von ihm beabsiänigte Erfolg traf jedoch nicht ein, da das Wurfgeschoß sein Ziel verfehlte und einen andern verletzte, dessen Verletzung gar nicht beabsichtigt war, weshalb der Angeklagte hierfür reicht verantwortlich gemacht werden könne. Von einer vorsätzlichen Körperverletzung tonne solange keine Rede fein, als I nicht nachgewiesen ist, oaß der Angeklagte nach Lage der Dinge
annehmen mußte, und daß ihm dies auch zum Bewußtsein kam, daß durch fein Vorgehen auch eine andere Person, deren Verletzung nicht beabsichtigt war, verletzt werden könnte. Eine Bestrafung wegen fahrlässiger Körperverletzung konnte auch nicht erfolget, da der Verletzte von Stellung eines Strafantrags absah. Tas Schöffengericht Hill aber auf) die Bestrafung to.-gen Ueber- tretung des § 366 — Werfen mit harten Gegenständen — nicht für angängig, da das Wersen und die hierdurch beabsichtigte ^Körperverletzung eine einheitliche Tat bildet. Wenn der Täter für die Körperverletzung nicht verantwortlich ist, kann er auch wegen Wersens nicht bestraft werden. Die Staatsanwaltschaft focht dieses Urteil an, und die Strafkammer stimmte dem erstinstanzlichen Urteil insoweit bei, als es bezüglich der Körper- Verletzung zum Freispruch kam. Diese Freisprechung schließt aber nicht ans, daß der Anaellagte wegen Wersens verurteilt wird. Alle Umstände berücksichtigend, wurde eine Geldst-vase von 2 0 Mark für angezeigt erachtet.
VermLsÄMs.
* Eine Ehetragödie a m spanischen Hof. „Le Journal" meldet aus Madrid: Der Jnfant Don Alfonso von Bourbon stellt an das Gericht das Ersuchen, feine Gemahlin in einem Irrenhaus zu internieren. Er begründet dieses Ansuchen damit, daß seine Gemahlin ihn während eines Zwistes mit einem vergifteten Dolch attackiert habe, und er nur durch das Dazwischentreten seines Oberhofmeisters unverletzt geblieben sei. Wie verlautet, soll Prinzessin Tomase bis zur gerichtlichen Entscheidung über das Ehescheidungsbegehren in einem Kloster untergebradjt werden.
* Ein Zweikampf zwischen Generalen. Die leidige Porth-Arthur-Afsäre hat nach der Verurteilung und Begnadigung -Ltöfsels fttzt noch ein blutiges Nachspiel gehabt. In Petersburg fand ein Duell statt zwischen den Generalen Fock und Smyrnow. Beide waren Angeklagte im Port-Arthur- Prozeß. Smyrnow erlitt eine schwere Verwundung. Ueber die Vorgeschichte dieses Zweikampfes entnehmen wir einem Petersburger Blatte folgende Einzelheiten. General Fock fühlte sich durch den Rapport Srnyrnows, der sehr viele abfällige Wendungen über Fock enthielt, beleidigt. Fock beschloß nach seiner Freisprechung, Smyrnow zu fordern Doch Smyrnow gab den Kartellträgern Focks den Bescheid, er sei prinzipielle rGeg- n er des Zweikampfs. Er mache sein Duell mit Fock von der Genehmigung seiner Vorgesetzten abhängig. Die Kartell- träger gingen nun zu den Vorgesetzten Srnyrnows. Der General- ’tab sandte sie in den Hauptstab. Der Chef des Hauptstabs erklärte, er übernehme die Entscheidung in dieser Sache nicht unb werde die Angelegenheit dem Kriegsminister vorlegen. , Dieser erklärte schließlich die Austragung des Duells für zulässig. Die Bedingungen lauteten auf Pistolen und 15 Schritt Distanz.
Kleine Tageschronik.
Wie aus Karlsruhe gemeldet wird, ist der Rechtsanwalt und Professor Karl Hau im Zuchthaus zu Bruchsal an galoppierender Schwindsucht erkrankt. Hau ist, wie die Karlsruher Presse meldet, von den Aerzten auf gegeben^
In Hamburg wurde Prinz Menölik von Abessi-, nien, ein naher Verwandter des Negus, der erst vor kurzem dort als lästiger Ausländer ausgewiesen wurde, wegen vollbrachten und versuchten Betruges verhaftet.
In Paris wurde eine Haussuchung in einem Lokal, in welchem der Verkauf von Theater-Billetts betrieben wurde, vorgenommen, lieber 2000 Billetts ohne Datum wurden be- schlagitahmt. Die Beschlagnahme erfolgte wegen Steuerhinterziehung. Man rechnet, daß die Defraudanten auf diese Weise während eines Jahres über eine halbe Million Gewinn erzielt haben.
Der Herzog der Abruzzen, ein Vetter des Königs von Italien, als Nordpolfahrer bekannt, ist in Sankt Augustin im nordamerikanischen Staate Florida eingetroffen und von der Familie Elkins empfangen worden. Seine Hochzeit mit Katharina El kins wird am 2. April stattfinden. Die 3ere>* monie wird sich durch große Einfachheit auszeichnen.
Märkte.
1c. F r a n f f u r t a. M., 19. März. (Tetegr. Orig.-Bericht des „Gieß. Linz.".) Amtliche dlolietungen der heutigen B i ehmarkt- preise. Zum Verkaufe standen: 55 Ochsen, 0 ans Oesterreich 4 Bullen, 0 ans Oesterreich, 73 Kühe, Zersen, Stiere und Rinder, 919 Kälber, 72 Schafe und Hümmel, 1274 Schweine, 0 Ziegen, 65 Ziegenlämmer, 53 Schallämmer. Bezahlt wurde für das Pfund Schlachtgewicht: Ochsen: 1 Qualität 74—76 Mk., 2. Qualität 70—72 All., 3. Qualität 60—64 All.; Bullen^ 1. Qual. 64-66, 2. Qual. 58—60; Rübe 1. Qualität 68—72 '.Bit, 2. Qual. 62—64 All., 3. Qual. 46—48 All., 4. Qual. 00—00 All., 5. Qual. 00—00 All. Kälber 1. Qual. 92—94 Pfg., Lebendgewicht i)4—56 Pfg., 2. Qualität 76—84 Pfg., Lebendgewicht 44—49 Pfg., Schlachtgew. 60—65 Pfg.; Schafe: 1. Qual. Schlachtgew. 80 bis 82 Pfg., 2. Qual. 72—75 Pfg. Schweme: 1. Qual. 60—00 Pft Lebendgewicht 47,0—00 Pf., 2. Qual. 59—00 Pi., Lebendgewicht 46,0—00 Pfg., 3. Qual. 48—52 Pfg., Lebendgewicht 00—00 Pfg« Geschäft gut, fein Ueberftanb.
Limburg a. d. Lahn, 18. März. Fruchtmarkt. Durch- schnittspreis pro Alalter, 'Roter Weizen (naffautidjer) 17,50 Alt, weißer Weizen 00,00 All., Korn 14,40 All., Gerste 11,00 Alk., Hafer 8.15 All., Erbsen 0,00 All., Kartoffeln 6,00 All.___________________
Gießener Wetteroicnst.
Bwrausfichtliche Witterung für Hesse» am Freitag den 20. März 1908: Meist trüb. Geringer Regen. Temperatur rote heute. Veränderliche Winde.
B e r n, 19. März. Aus Anlaß der Alä r zfe i er sand gestern in Genf eine große internationale Versammlung statt. Italienische, deutsche, französische und schweizerische Redner hielten Ansprachen. Es gelangte eine Resolution zur Annahme, worin die rujstscheu und deutschen Sozialdemokraten aufgesordert werden, den Kampf zu Gunsten des allgemeinen gleichen Wahlrechts sortzusetzen.
Petersburg, 18. März. Folgender ErlaßdesKaisers a n d i e A r m e e und die Flotte ist veröffentlicht worden: „Die heldenmütige Verteidigung Port Arturs, welche die gesamte Welt durch die Standhastigkeit und Tapferkeit der Besatzung in Staunen versetzte, wurde plötzlich durch die schmachvolle Uebergabe der Festung unterbrochen. Tas Oberkriegsgericht, das die an der Uebergabe Schuldigen bestrafte, stellte gletchzeiiig die volle, erhabene Wahrheit der unvergeßlichen Heldentaten der tapferen Besatzung wieder her. Mutige Verteidiger Port Arturs! Durch eure heldenmütigen Taten, durch eure selbstverleuguende Tapferkeit und Eidestreue, welche ihr bei der Verteidigung unserer Feste im fernen Osten bc^ wiesen habt, habt ihr unsterblichen Ruhm erworben, und ein neues, glänzendes Blatt den Annalen der Heldentaten der ruslischen Krieger eingereiht. Das dankbare Rtißland ist stolz auf euch und wird eure Taten nimmer vergessen, wie auch ihr eure Pflicht ihm gegenüber nicht vergessen habt. Nikolaus."
K o n st a n 11 no p e l, 19. Alärz. Wie aus Saloniki gemeldet wird, wurde dort em Komplott des bulgarischen Komitees ausgedeckt, das bezweckte, mehrere St o n f u l § der Großmächte z u ermorden. Auch ein gegen mehrere Griechen geplantes Attentat wurde vereitelt.
Casablanca, 19. Marz. Den durch dieftlnruheu geschädigten Deutschen wurde gestern eine weitere Teilzah t u n g gewährt. Auch die Franzosen luerben nunmehr eine vorläufige Entschädigung erhalten. Dte Engländer stellten die gleiche Forderung in einer gestern abgehalteneu Versammlung.
Tau g e r, 19. März. Abdul Asis plant die Wieder- besetzuug von Saffi durch einen Handstreich. Es heißt, Raisuli wolle für Abdul Asis Fez zurück erobern. — Laut Nachrichten aus Tetuau bestätigt sich die Acitteilung hiesiger französischer Blätter, daß die s p a ni^ch en Behörden in Ceuta mit dem Häuptling des Andjera Stammes wegen der B es e tz u ng der Sierra B u 11 o u e s d u r ch d i e Spanier u c r 1) a n b e l n. Es handelt sich hierbei ledensalls darum, von den reichhaltigen Antirnon-Mmen bei Ceuta Besitz zu ergreifen.


