Ausgabe 
19.2.1908 Zweites Blatt
 
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Reihen gestellt. Wir sind die alten geblieben, wenn sich auch äusserlich in unserer löjöhrigen Tätigkeit manches geändert fiat. Wir hoben die Ellbogcnsreificit der Knabeniahre gut gebraucht. 'Jetzt lind wir zur verantwortlichen Männlichkeit gelangt. Aber stets sind wir kaisertreu gewesen, selbst in der Zeit der größten Rot, als uns das Wasser bis an den Hals ging. Auch in dieser Zeit haben wir dem Kaiser zugejube.lt: inorituri de sa tu tont. Auch letzt, wo der Tritt der Arbeitcrüataillone erklingt, stehen 'mir treu zu unserem Kasier und die Temonstranten draußen «mögen erfahren, daß der Staat noch feststefit und er steht seit, solange die deutsche Landwirtschaft fest bleibt. «Stürm. Beifall.)

Es sprach dann noch Generalmajor von Klo eben, der die Grüße der Hessen überbrachte, und sich für eine Iu n g g c j e l l e n st eu er aussprach.

Darauf schloß Tr. ficke die Generalversammlung mit einem stürmisch aufgenommenen Hoch auf die deutsche Land- -nnrtschast.

politische Tagesßch««.

Rußland und Finnland.

Zm der. russischen Retchsduma brachte eine Gruppe von Abgeordneten der Rechten gestern eine Interpellation ein: erstens, ob es dein Ministerium deS Innern bekannt sei, daß, obgleich von den Anschlägen, die in letzter Zeit gegen die Ordnung und die Sicherheit des Staates stattgefunden hätten, viele in Finnland vorbereitet waren und obschon Leute, die solcher vcrbrecherijchen Anschläge schuldig sind, .n Finnland sich verborgen prellen, seitens des finnlän- dischen Generalgouverneurs und der Obrigkeit keinerlei Maßregeln zur Aufrechterhaltung der Staatsordnung ge- troifeit feien; zweitens: ob der Minister des Innern Schritte unternommen habe, um den finnländischen Genercllgou- verneur und die Obrigkeit Finnlands zu zwingen, der­artigen Anschlägen in Finnland ctit Ende zu machen.

So achtet man in Rußland die durch Gesetz und feier­liche Eide des Zaren garantierte Selbständigkeit des mit Rußland nur durch Personalunion verbundenen Groß- fürstentums Finnland.

Tas unsittliche Schnlbad.

Von einemunsittlichen Scfiulbab" in Kessenich, einem Vor­orte Bonns, erzählt dieKöln. Ztg.": Tie Stadt Bonn hatte schon vor einigen zwanzig Zähren begonnen, ihre Volksschulen nach und nach mit Brausebädern zu versehen. Rach der vor wenigen Zähren erfolgten Eingemeindung der Vororte Tottendorf, Kessenich, Poppelsdorf und Endenich begann man auch die Schulen dieser früher mehr dörflichen, heute aber von zahlreichen Ar­beiterfamilien' betvohnlen Orte mit Badeeinrrchlungen zu^ ver­sehen. So wurde denn in der Kessenicher Nordschule ein Schul­bub eingerichtet, das auch die Schüler und <5d)ü ter innen aus dem ganz nahebei gelegenen Poppelsdorf benutzen sollten. Tiefe Brauiebadanlage ist genau jo eingerichtet, wie dies in zahl- reidjen anderen Städten der Fall ist. Tie Knaben tragen beim Baden Badehosen, die Mädchen Badeanzüge. Der Ki-ssenichex Ortspfarrer hat sich übrigens die Anlage ungesehen und suno nichts dagegen zu erinnern, sticht so der katholische Pfarrer von Poppelsdorf. Er verbot schlankweg zuerst den Mädchen, dann aud) den Knaben seines Pfarrbezirts die Benutzung der von der Stadtverwaltung eingerichteten und von der Schulbehörde nachdrücklich empfohlenen Badeanstalt. Nicht nur das. Er drohte, die Mädchen, die das Schulbad benutzten, von oer Kommunion auszuschließen, und ging selbst mit seinen Maplänen in den Häusern seiner Pfarrerngesessenert rund und verbot den Eltern, ihren Kindern die Wohltat des Schulbads zuteil werden zu lassen. Von den Herren Kapluneu wurden |ogar Kinder, die mit gebadet hatten, mehrfach verhauet:! Zur Rede gestellt, verlangte der Herr Pfarrer Einrichtungen derart, das; die badenden Kinder sich in abgeschlossenen Zellen sich entkleiden und zwischen Scheidewänden hindurch so zu den Brausen ge­langen müßten, daß sie einander nicht |"efieit könnten. Die Köln. Ztg." knüpft an diese Mitteilung folgende zutreffenden Bemerkungen: Abgesehen davon, daß solche Einrichtungen nir­gendwo für nötig befunden werden und jede Aufsicht beim Baden illusorisch machen, weis; auch ein jeder, daß solche Heimlichtuerei gerade die argloien Gemüter der Kinder auf böse Gedanken zu bringen geeignet ist und daher der «sitlsamteit nicht nur keinen Nutzen bringt, sondern sie geradezu gefährdet. Tie nette Geschichte zeigt, wie beschaffen die Eignung ist, die derartige Herren Geistliche zur Ausübung der Aufsicht über unser V o l ks s ch u l we j e n besitzen! Tie Schulverwaltung trifft eine anerkannt nützliche Einrichtung für die Schüler und cmpsiel)lt deren Benutzung der Herr Pfarrer verbietet sie einfach uud verhöhnt damit die Anordnungen der Schulbehörde.

parlamentarisches.

Das preußische Abgeordnetenhaus * hat gestern in zweiter Lesung die Beratung des Kultus- Etats fortgesetzt. Beim Kapitel Elcmentar-Unter- richtswesen, wozu mehrere Anträge über die gesetzliche Regelung der Dauer der Schulpflicht und Wiedereinführung früherer Schulpflicht-Gesetze vorliegen, erklärte der fDhnifter, daß die allgemein übliche Festlegung des Entlassungätermins auf den Zeitpunkt dec Konfirmation festgehalten iverden müsse. Der jetzige Zeitpunkt sei für gesetzliche Aenderungen nicht ge­eignet. Die Anträge gingen an die Budgetkonmussion. Es folgte die Beratung des Antrages von Schenckendorff, worm die Regierung um Vermehrung der Pflichtstunden zur Pflege der Leibesübungen in freier Luft er­sticht wird. Minister Holle sagte wohlwollende Prüfung der Angelegenheit zu. Der Antrag wurde nach kurzer Debatte einstimmig angenommen. Morgen wird die Be­ratung des Kultus-Etats fortgesetzt.

Zu dem Stande der Verhandlungen über die Züstizreform erfährt dieKöln. Ztg.": Der Gesetzentwurf zur Abänderung der Zivilprozeßordnung ist in den Buiidesralsausjchüssen bis auf einige Details jetzt durchberaten und angenommen ivorden. Ec fommt in der nächsten Woche zur Plenar- Beschlußfassiing des Bundesrats und wird, da seine An­nahme zweifellos ist, unmittelbar darauf dem Reichstage zugehen. Im Reichsjustlzamt ist der Gesetzentivurf zur Ab­änderung der Strafprozeßordnung abgeschlossen. Er unter­liegt jetzt der Prüfung der preußischen Regierring und wird, falls diese zusümmt, m einigen Wochen an den Bundesrat gelangen. Es wird beabsichtigt, den Entwurf alsbald nach der Vorlegung beim Bundesrat zu veröffentlichen.

Berlin, 18. Febr. Die freisinnigen Parteien des Reichstages brachten eine Resoliition Ablaß und Ge­nossen ein, den Reichskanzler zu ersuchen, daß die gleich­mäßige Zuziehung aller Stände 311m Ge­schworenen- und Schöffendienst in den einzelnen Bulidesstaaten durch Zahlung von Tagegeldern aus den Landesmitteln an die Schöffen und Geschworenen erleichtert wird.

Berlin, 18. Febr. Die WahlprüfungL-Kommisiiou des Reichstages beanstandete die Wahl des Dr. Boehme M irisch aftlichc Vereinigung), 5. Kassel.

Derrtjehes lieich-

Berlin, 18. Febr. W1 au« Munchm gemeldet wird, wmmcn der Allgemein .',,.11x119 zufolge neuerdings al« Nachfolger des Fretherrn von Stengel un Reiche

schatzamt der frühere Unterstaatssetretär üt Elsast-Lothrmgcn, Tr. Georg von M a 0 r, gegenwärtig ordentlicher Profefior der Statistik', Finanzwirkschaft und Nattonal-Oekönomte an der Universität München, in Frage. In Berliner parlamentarischen Kreisei: wird auch der württembergische Ministerpräsident von Weizsäcker als Nachfolger des Freiherrn von Stengel genannt.

Weimar, 18. Febr. Ter Landtag nahm mit 16 gegen 15 Stimmen den Gesetzentwurf betr. Besteuerung der Warenhäuser des Großherzogtums an.

München, 19. Febr. Tas Kultusministerium soll dem Münchener Tageblatt zufolge der Ansicht sein, daß im Interesse der Lehrfreiheit und der persönlichen Sicherheit der Dozenten bessere Garantien ge­schaffen werden müssen, als sie der Rektor Endres dem Pro­fessor Bard-enhewer bet der ersten Demonstration gewährt habe. Auch bei dec gestrigen Vorlesung Professor Bardenhewers wie­derholten sich die Temmrstrationen. Als Professor Barden- hewer das Auditorium betrat, begrüßten ihn seine Anhänger mit Hochrufen, während die Gegner mit Pfeifen antworteten. Der Rektor erschien mit dem Pedell und vertrieb die Studenten unter Androhung des Consilium abeundi. Die katholische Ver­bindung erläßt eine geharnischte Erklärung, daß sie die Sprengung der allgememen Studentenversammlung nicht ver- ursacht hätte.

Ausland.

Toulon, 18. Febr. An Bord des PanzerschiffesTeiiro- cratie" brach gestern eine Meuteret ans. Tie Mannschaft erhob Einspruch gegen die schlechte Verpflegung. Der Zwischen­fall wurde später beigelegt. Auch vor bent Zeughause sind unter den dort beschäftigten Arbeitern ähnliche Klagen laut geworden.

Madrid, 18. Febr. Die Nachricht von den Bomben- Explo fronen in Barcelona machen hier einen tiefen Ein­druck. Ter Vorfall ereignete sich int Zentrum der Stabt trotz beö Belagerungszustandes und trotz ber strengsten Maßnahmen zur öffentlichen Sicherheit. Tie Täter blieben wie stets, so auch diesmal mrermittelt. Tiefe sich immer wiederholenden Bom­benattentate terrorisieren die 'stabt, die beinahe unbewohnbar geworden ist. Ter ganze Handel liegt darnieder.

Konstantinopel, 18. Febr. Tie Petersburger Nach­richten über türkische Militärvorbereitungen an der russischen Grenze sind gänzlich unbegründet. Tie Türkei zog in der letzten Zeit nur int Bereich des 4. Korps in Ersindschan an der persischen Grenze in zwei Gruppen ungefähr 40 Bataillone zusammen, darunter ein Drittel mobile Redifbatai Hone.

Gießener Strafkammer.

)( Gießen, 18. Febr-

Teure Dachkandeln.

Zn letzter Zeit wurden hier von mehreren Häusern Tach- tändeln abgerissen und entwendet. Eines Abcitbs hörte ein in der Ostanlage diensttuender Schutzmann von der Tietz- straße her ein verdächtiges Geräusch. Als er in die Nähe kam, sah er, wie ein Mann damit beschäftigt war, eine Tachkandel zusammenzuknicken. In diesem Moment erscholl auch ein Pfiff uni) der Mann ergriff die Fluclst. T-em Schutzmann gelang es, ihn alsbald zu ergreifen und er erkannte in ihm, den wegen Diebstahls vielfach bestraften, noef) nicht lange aus dem Ge­fängnis entfallenen Taglohner Z. Sch au3 Salz, der nach anfänglichem Leugnen zugeftand, das Rohr von einem Haus im Neuenweg übgcrqfen zu haben. Tie Folge war eine Anklage wegen Diebstahls im Rückfall. Der Notlage des Angeklagten Rechnung tragend, iah das Gericht von ber verwirkten Zucht­hausstrafe ab und ließ ihn mit 10 Monaten Gefängnis durch kommen, worauf drei Wochen Untersuchungshaft anzurech- nen find.

Eine Hausdiebin.

Tie vielfach wegen Tiwstahls bestrafte 28 jährige Tienst- magd M. M. aus Gelnhaar, die wegen ihres Hanges zu Diebstählen unter Polizeiausiichc gestellt worden ist, nahm nach ihrer lürzlichen Entlassung in Friedberg zwei Monatsstellen an. Als einct_ ihrer Arbeitgeber etwa 130 Flaschen Wein und mehrere goldene Schmuckgegcnstänbe seiner Frau vermißte, machte er der Polizei bavon Mitteilung, die den Verbucht sofort auf bie ihr bekannte M. lenkte. Bei einer Haussuchung würben mehrere HauShaltungsgegeuitände unb Kleidungsstücke vorgefunden, von denen fic zugab, sie ihren Herr|cha|ten gestohlen zu haben: dagegen leugnete sie die Entwendung der Schmucksachen und deS Weines. Ta ein Nachweis in dieser Beziehung nickst zu cr- bringen war, erfolgte nur Anklage, insoweit fic geständig war. Aus früheren Verhandlungen war bekannt, baß ne bereits auf ihren Geisteszustand untenuefit worden ist. Tas Gutachten ging dahin, daß sie nicht geistestrank ist, doch kann sie der Be,rie- digung ihrer strafbaren Triebe nur wenig Widerstand entgegen­setzen, was als geistige Minderwertigkeit bezeichnet wirb. Tiefem Umstand hatte sie es zu verdanken, baß statt ber Zuchthaus­strafe auf Gefängnisstrafe erkannt wurde. Tie Straie sollte doch die beträchtlich Höhe von 1 Zahr 4 Moiuten erreichen, aber ihr ein Atonal Untersuchungshuit in Anrechnung gebracht werden.

Betrug oder Untreue?

Ter seitherige Lester ber OauteiwuuM Filiale eines hiesigen Bankgeschäfts, Prokurist Z. I. aus Landau wurde durch das Schöffengericht wegen Betrugs zu 400 Mk. Geldstrafe verurteilt. Nach den Feststellungen der ersten Instanz hat der Angeklagte einem Lauterbacher Fabrikanten, der Werwapiere kaufen wollte, Aktien der Harnburg-Amerika-Paketfahrtsgeiellschaft empfohlen.und ihm zugcsichert, dast bie Papiere nach eingezogencr Erkunbigung in Berlin steigen würden. Ter Fabrikant lauste für 3000 Mt. dieser Aktien unter ber Bedingung, baß, falls biefer Umstanb nicht eintreten sollte, das Geschäft als nicht abgeschlossen be­trachtet werden solle. Ter Angeklagte bestellte bic Papiere im Warnen und aus Konto bet Firma bet ber TisMntogejellschaft in Frankfurt a. M., wo sie in Tepol blieben. Als nach einigen Tagen bec Aktien etwas sanken, trat der Fabrikant von bem Kauf zurück und verlangte bie Streichung ber 3000 Mk., was auch m feiner Gegenwart geschah. Kurz daraus kaufte ber Angeklagte von den nämlichen Papieren bei berfclben Gesell- fchast in gleicher Höhe einen Posten, die ebenfalls dort in Te- Vot blieben, aber ohne Auftrag des Fabrikanten, unb unter­ließ den Eintrag im Kontogegenbuch. Ta ber Angeklagte aus dem Geschäft austrat, fam fein Prinzipal infolge der ihm angegangenen Konto törreniauszuge, bi seither unterlassen wor­den waren, hinter bie Adauipuiationcn des Angeklagten. Zw- zwischen sind bie Aktien so gefallen, daß dem Prinzipal, helfen Konto der Angeklagte dazu benutzt hat, um in (eine Laiche zu 1 Mutieren, ein "Nachteil von ca. 3000 Mk. entstanden ist. Angellagttr unb Staatsanwalt erhoben Berufung, was eine er­neute Verhandlung zur Folge halle, in ber von bent Ange­klagten behauptet wurde, er habe in beiden Fällen von dem Fabrikanten den Auftrag 3um Ankauf bet Papiere bekommen, auch sei int ersten Fall der Kauf persett geiücicn. Ter Fabri­kant beharrte jedoch bei feinen früheren Angaben und der Prinzipal gab an, der Angeklagte fei überhaupt nickst befugt geweien, solche Papiere anzukauien, da derartige Kaufe durch das Hauptge|ajäfi abgeschloisen wurden. Die Staatsanwaltfchaft stellte die Vestrafung des Angeklagten wegen Betrugs bezw. Be- BettugsbetiuchS in das Ermeifen des Gerichts, beantragte aber Verurteilung wegen Untreue zu drei Wochen Gefängnis unb 300 Mark Geldstrafe. Ta bie Bestrafung aus einem anderen Ge- UchtSpiinkle als dem unter Anklage steheuben erfolgen soll, unb der Angeklagte mit feiner Vetteibigung nickst darauf gerichtet war, wurde die Sache, um ihm Gelegenheit zu bieten, feine Verteil digung darnach einzurichten, ausgesetzt.

vermischtes.

* Ein wunderlicherForscher". Ein Herr Friedrich Robert in Steglitz bei Berlin ickstckt uns einen großen Schreibe- brief, in dem er bitter darüber klagt, daß et feit Monaten butflj ein Rundschrechen aus bent Preußischen Ministerium bc3 ^nncrn verfolgt unb in feiner Existenz gefchädigt werde. Taruui

habe er sich beschwerbefühtend an den preußischen Landtag gcivanbf. Durch mehr als 30jähriges Forschen habe ermethodisch nachweisen können, wodurch es den Eltern möglich werde, durch eigenes besseres Bestreben veredelnd auf deren werdende Kinder einzuwirk'en. Sodann fei es ihm gelungen, aus bent Verhältnis, wie bie Frilchterreger für baä Entstehen eines neuen Wesens zusammengekominen, ben Beweis zu erbringen, wie es bei: Eltern möglich werde, zu wirken dafür, ob ihnen eiN-Knabe ober ein Mädchen werben soll." Darüber habe er in Halle a. S. bett Vortrag halten wollen. Doch habe ein Gelehrter der Universität vor bem Vortrag gewarnt. Ter Vortrag wurde daraushinradikal verboten". Seitdem spüre erben Geist einer Erdrückung". Mehr als sechs Monate ließ man ihm trotz wiederholter Erinnerungen warten;als der Bescheid bann endlich tarn, ba waren bie Weisen von Halle gerächt, denn wie ein Ministerium beschied, sollten bie Herren recht gehabt haben, wenn sie meinen Vortrag verboten". Und obendrein versende das Ministerium bziv. das Berliner Polizeipräsidium ein Rundschreiben, in bem es u. a. heißt, baß sein VortragErläuterungen zu Lichtbilbern gebe, bic bes wissenschaftlichen Wertes entbehren, dagegen geeignet erscheinen, die Lüsternheit besonders jugendlicher Zuschauer zu erregen und das Schamgefühl abzustumpfen". Tazu sagt Herr Robert in grollendem Stolze:Tas icheint doch für unsere freiheitlichen Rechte eine absollllistifchc Neigung, die gegen jedes Versassungsreckst zeugt unb gewiß nicht vorgeschrittener ist, als wenn man im 18. Jahrhunbert einen Kant wegen feiner verderb­lichen Lehren dem preußischen König verleumdete." Unb er fügt hinzu:Tic strenge Wissenschaftlichkeit meiner neuen Lehre kann man nur bort bestreiten, wo man mich nicht kennt. Ick mache mich anheischig, jedes Rigorosum für meine Wissenschaft zu bestehen. Mir geschieht offenbar ein schweres Unrecht, unb deshalb wende ich mich verllauensvoll an ein hohes Haus bei Abgeordneten des Preußischen Landtages, um zu bitten, bei erster Gelegenheit ben Einfluß geltend zu machen, daß bic meines Erachtens wahrhaft grausame Verfolgung wegen des Polizei-: Verbots der Stabt Halle an maßgebenber Stelle eingestellt werbe." ;

Kleine TagLSchronik.

Auf die Wiebercrlangung der gestohlenen kostbaren Perlen, die einen Wert von 268000 Mk. repräsentieren, ' hat bic Gräfin Wartensleben in Berlin eine Belohnung von 10 000 Mk. ausgesetzt. Tic unter dem Verdacht des Dieb-i stahls verhaftete Kammerfrau Marta Steger ist in das llitter-1 luchungSgcfängnis eingeliefert worden. Zhr Mann ist Kauf-/! mann in Frankfurt a. M. .Tie Steger hat eingeräumt, bafi das Zeugnis, auf Grunb helfen fic von her Gräfin als ZoM angenommen murce, von ihrem Manne gefälscht ist. Ti

Zn Breslau würbe Die 73 jährige Rentierswitwe BloA in ihrer Wohnung, als sie von einem Ausgang zurückkehrte,! von zwei jugenblicfien Einbrechern, bic ben Gelbichrant bc reits erbrochen unb aus bemselben 200 Mt. entwenbet hatten, überfallen unb am Halse berartig gewürgt, baß fic bewußt­los am Boben liegen blieb. Tie Täter sind entkommen.

In K 0 t t b u S erschoß s i ch b c i m S p i e l e 11 mit einem kleinen Revolver, den er von einem Schulfreund ge­schenkt erhalten hatte, der 10 V2 jährige Schulknabe Stan- kiowicz, her Sohn eines armen Maurers.

Aus Blankenburg a. H. wird vom 17. Februar ge­meldet : Als gestern ein junger Franzose namens Picard mit einem Bekannten einen Ausflug auf die Teufelsmauer un­ternahm, stürzte er ab 1111 ö blieb mit zcrsch in eitert em Schädel, Arm- unb Beinbrüchen, liegen. Sein Begleiter holte ans Blankenburg sofort einen Arzt unb Hilfsmauufchaft herbei, worauf ber Verunglückte nach bent Krankenhaus ge­schafft wurde, wo er nach einigen Stunden verstarb.

Zn Au bei W i e n wurde ein junger Mann mit zerschmetter­ter rechter Hand und einer Wunde am Kopf aufgetunben. Er würbe ins Spital geschafft, wo er angab, er heiße Perutz, sei Gymnasiast und aus Rußland geflüchtet, da er als Revo­lutionär verdächtig fei. Infolge von Not unb Entbehrungen habe er sich erschießen wollen, her Revolver sei aber explo- biert unb habe ihn so verletzt. Tiefe Angaben stellten sich als unwahr heraus. Tie Polizei glaubt, Perutz habeSpr eng- stoff bei sich getragen uub huich Explosion habe er idne Verletzungen erlitten. Er befand sich iit Gesellschaft ciius russischen Fabrikarbeiters, her aber behauptete, Perutz erst rurze Zeit zu kennen unb angeblich bei bem schuß nicht anwesenh war. Er Ijabe ihn erst berrounhet ausgesunden unb ihn in ein Gasthaus zur Hilfeleistung gebracht.

In s)2 e wy 0 r k fiat sich Tfied 0 ra Sfi 0 nts , hie Lochtet eines vielfachen Millionärs, ber jetzt Präfihcnt her Newyorkcr Straßenbafiugesellschaft ist unb früher ben Panamakaualbau leitete, mit bem Herzog von Techaulnes vermählt. Tie Trauung fand in ber denkbar einfachsten Weise nach kathol. Ritus statt. Ter Vater der Braut war lange gegen bic Heirat unb hatte wiederholt in Abrede gestellt, daß sich feine -to(fiter mit bem Herzog verlobt habe. Schließlich hatte er feinen Wider­stand aufgegeben, aber seine Kapitulation mit ber für bas junge Paar nicht gerade erfreulichen Ankündigung geleistet, daß er seiner Tochter keine Mitgift geben werde.

Meteorologische Beobachtungen

der Station Gießen.

Februar

1908

Baroinetci auf 0° rehuzierl

Teniperalur der Luft

Absolute Feuchtigkeit

Relative Feuchtigkeit

6itn|(puqui$j

Windstärke

Wetter

18. ! 216

736,0

5,2

5,9

89

WSW

2

Sprühregen

18. 926

733,0

4,2

5,8

93

NW

2

Regen

19. 7»

738,9

1,8

4,5

85

NW

6

Schnee

Höchste

Lenwe

atuv a

in 17.

-18.

Febrna

r

4- 5,4 ° C.

Vliehrinfte

17.

-18.

4- 1,3 ö C.

l'edetomscfrBe tv-oa-stoeraciatie

des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Hank für Hande) und Industrie, Giessen.

Frankfurter ifcörse, 19. Februar, 1.1-ä Ubr.

Reichsanleihe . . 92.70 0% do. . . 82.50 3J$°/0 Konsols .... 92.65 "6% do 82.60

Hessen .....

c/o Oberhesseu . . . 92.00 1% Uesterr. Goldrente. 98 85 41;6 % Uesterr. tiilberreute 99.50

Ungar. Goldreute . . 9410 4z6 Italien. Reute . . . 104.00 3 z» Portugiesen Serie 1

Portugiesen HI 62.40 4p3u/0 russ.Staatsaul. 190i) 93 65 4>n">o Japan. Staatsanleihe 88.20 4% Uouv. Türken von 19U3 95. lu Tilrkenlose 145.80 1% Griech. Slonopol-Anl. .. 4% äussere Argentinier . 86.25 o°/0 Mexikaner .... 65.30 4>ao/0 Chinesen .... 96.00

Aktien:

Bochum Guss 196.40

Buderus E. W. . . . 111.30

landenj : etwas fester.

Berliner Börse, 19

Cauada E. B 140.10 Darmstädter Bank . . . 125.0U Deutscnc Bank .... 235.00 Dortmunder-Union C. . . 57 20 Dresdner Bank . . . 136.7p

Tendenz; schwach

Elektnz. Lahmeyer . . . 120.00 Elektriz. tichuckert . . 104.00

Eschweiler Bergwerk . . 205.00 Gelsenkirchen Bergwerk . 183.80 Hamburg-Amerik. Paket! 117.80 Harpeiier Berg wer 1c. . 197.00

Laurahütte 211.80 .Xordd. Lloyd . ... 105.50

Ubeischlcs. Eisen-Industrie 96.25 Berliner llandelsges. . . 158.00 Darmstädter Bank . . . 125.10 Deutsche Bank .... 234.90 Deutsch-Asiat Bank . , 137.50 Diskouto-Kommandit . . 173.40 Dresdner Bank .... 137.40 Kreditaktien .... 201.00 Baltimore- und Oliio-

Eiseulanu 81.10

Gotthard bahn Lomoard. Eisenbähn . . 2550 Uesterr. btaaisouim . . . 143.30 lrinee-Henn-Eisenbahn . 115.75

Februar. Anfangskurse.

Harpenei Bergwerk. . . 196.20

Laurahütte 211.40

-.um mir den E. H. . . 25.40

Nordd. Lloyd 105 40 l ürkenlose 146^0