Nr. 4Ä
Ter Kampf der Industrie darf
leitigen Bäuchen. (£' gehört Herr v. Podbie
ielski wieder zu uns und hat sich in unsere
verfaulten Kultur meisterhaft darstelle. Als der bedeutendste von den drei Männern erscheint Hagemann Frank Wedekind. Während die beiden andern nur Gescllschaftszustände des modernen Lebens ins Auge fassen, gehe Wedekind nach der Tiefe des Menschentums mit einer überwältigend großen Ironie, die aus der Sehnsucht nach unerreichbaren Schönheitsidealen heraus, in bitten» Zorn an nichts mehr glaube und in allem die Lüge sehe. Er reiße der Menschheit die Kleider vom Leibe und stelle sie in grauenhafter Nacktheit ihrer Verderbnis hin. Tabei komme er in die Tiefe jenes Urmenschlichen, in der das Tierische sich unheimlich geltend macht, und als den Träger dieser brutalen Urmcnschlichkcit sehe er das Weib an, das überlegen den Kampf aufnehme mit dem Weib suchenden Manne. Im Zusammenhangs damit interessiere er sich logisch vor allem für das Triebleben und weiterhin für die Frage der Erziehung des Menschen inbezug auf die Regelung der Instinkte. Wedekind sei nicht unmoralisch trotz seiner verwegenen Frechheit, sondern amoralisch, und ob man nun seine grausam düstere Weltanschauung teilen wolle oder nicht, jeden falls müsse inan in chm das Genie, die große Persönlichkeit erkennen, und es sei wahrscheinlich, daß von ihm aus das deutsche Drama der Zukunft seine weitere Entwicklung neunten werde.
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Redaktiome^A 112. Tel.-AdruAnzetgerGseßen»
Es betrat dann von mnmtenlangen Händeklatschen und Getrampel , begrüßt der frühere Staatsminister von Pod- b i e 1 s k i die Rednertribüne und führte aus: Was uns Not tut, ist eine gesundeHeimats-undWirtschaftspoli- t i k. Manches ist erreicht gegenüber einer Belvegung, die.um die Mitte des vorigen Jahrhunderts eintrat für eine günstige Entwickelung von Hairdel und Industrie. War deshalb die Forderung der Landwirte auf Schutz der heimischen Arbeit so unberechtigt? Es ist richtig, daß, wenn der Wohlstand des Landes wächst, günstige Absatzverhältnisse für däs ganze Er- wcrbsleben_ vorhanden sind. Aber wir dürfen nicht vergessen. daß es das Land war, ist und bleiben wird, das den Grundstock für den Wohlstand bilden wird. (Lebh. Beifall.) Wir haben vor uns eine wirtschaftliche Krisis, hervorgetrieoen durch übertriebene Spekulation und eine ungesunde Kreditgewährung, demgegenüber steht eine gesunde Landwirtschaft, die uns die Krisis überwinden helfen ivirb. Wir wünschen Schutz für die Landwirtschaft, daß aber auch Handel und Wandel und das Erwerbsleben blühen möge. Der Kampf der Industrie darf aber nicht ausarteu in eine Jagd nach dem Glück, sondern nur dauernde Arbeit zeitigt sicheren Erfolg, imb Händeklatschen.) ~
ALeönes Feuilleton.
— Dem Gedächtnis Richard Wagners widmet der ® t e 6_e n e r Konzertverein einen Teil des am 23. d. Mts. um Theater bevorstehenden Konzertes, über dessen Solisten ,^uh. Backhaus wir in Nr. 158 bereits berichtet haben. Der herein gedenkt hiermit der 25. Wiederkehr des Todestages Rich. Wagners. Zur Ausführung gelangen zwei der erst jüngst von §elrx Mottl neu herausgegebenen Orchesterstücke der Meisters. *rte'.e als Ouvertüren bezeichneten sinfonischen Werke „König enzro", „Polonia", „Columbus" unb „Rule Britannia" waren mher verschollen. Es sind gerade 60 Jahre her, seit die beiden m i' auch zu uns jetzt gebrächt werden, „Columbus" und "Rule Britannia" in einem Konzerte in Riga aufgeführt wurden, >ann innöte sie Wagner im Manuskript nach England, und iettoem waren sie verschwunden, bis sich 1904 die Manuskripte 9te‘)et landen. Diese Kompositionen sind für jeden Musikfreund ?on hohem Interesse und es ist erfreulich, daß wir sie hier .enncn zu lernen Gelegenheit erhalten. Sie sind höchst bezeich- aend stir den Entwicklungsgang des Meisters und die unruh- wllen Zeiten seines Lebens in der damaligen Zeit. Unter ;i9nen sind Nr. 1 („König Enzio") - und Nr. 2 („Polonia") 1832, "«plumbus" 1835 und „Rule Britannia" 1837 entstanden, die i^tercn stammen also aus der Magdeburger und Königsberger -atigkeic Richard Wagners. In der Enzio-Ouvertüre steht Wagner voch unter dem Banne Webers, auch lehnt sich die Jnstrumcn- an Mendelssohn an, aber in der „Polonia" „zeigt >ch jchon die Klaue des Lölven", sie, wie die folgenden, sind mheblrch freier in der Anlage und schon in der, damals jedenfalls v°uz neuen Instrumentierung geschrieben, die uns jetzt an
Wagner" als ganz selbstverständlich erscheint. Ja, für »leiet'uoertüren verlangt der Komponist, was Besetzung anbelangt, uuejenorchester, vornehmlich durch die Ausnützung der Blas- mitrumente. Tie Columbus-Ouvertüre darf nach G l a s e n a p p, ™eni bekannten Wagnerkenner, wohl als Vorläufer der Ouver- Ere „zum fliegenden Holländer" bezeichnet werden — hier wie aort Serben die Wogen und Wellen des ftunnbeipegten Meeres -tönen ausgemalt, ein gewaltiger Fansarenschluß deutet aus 6lucklichc Landung des kühnen Seefahrers hin; geradezu uoerraichend wirkt aber der am Eingang in der wogenden -^ci'egung der Streicher sich ausprägende Ausblick aus Wagners Miere Schaffensperiode, welche geradezu eine Vorahnung des !-ahcmgold" vermittelt. Tie Ouvertüre schrieb Wagner zu einem, qD' -Magdeburg aufgeführten Sck-auspicl fernes Freundes Theodor .Mel „Columbus": sie ging später verloren, bis das Mannftrrpt n zufällig in Paris entdeckt wurde. Ueber die 4. Ouvertüre '" 'Ule Britannia" schreibt Magner selbst: „Das Jahr, welches ich • Königsberg zubrachte, ging durch die kleinlichsten Sorgen ö'Mzlich für meine Kunst verloren. Eine einzige Ouvertüre schrieb 1Q, „giule Britannia". Nach ßonbon gesandt, war sie bis 1904 schollen, bis sie schließlich in Leicester im Besitze eines dortigen
Anstrengungen gemacht mürben, das äußere Bühnenwesen gründlich zu resonnieren, es vor allem an einer erfolgkräftigen dramatischen Literatur fehle. Tas Begehren deutscher Kunstfreunde ziele einerseits nach einem Trama großen Stils, das bedeutende Menschheitszüge auf kulturgeschichtlicher Grundlage vorführe, und anderseits nach einer Lebensschilderung mit satirischem Inhalt. In letzterer Beziehung stehe es aber in Deutschland besonders schlecht, und bodj müsse man sagen, das Drama der Zukunft werbe wesentlich ttagikomischcn Charakter haben. Einen verheißungsvollen Anfang dazu habe der in Dublin geborene Bernhard Shaw gemacht, der zunächst im eigenen Vaterlande weniger beachtet worden sei als in Deutschland. Er wende sich gerade so wie Wilde und Wedekind von der Wirklichkeit und ihren vermeintlichen Notwendigkeiten der Lebensklugheit zornig ab, und sehe die Tinge aus einem entgegengesetzten idealen Standpunkte an, der ihn zwinge, all das läclMlich zu machen und zu, verspotten, was die herrschende Meinung für notwendig und gesetzmäßig ansehe. So verfahre auch Oskar Wilde in seinen Tar- stellungen der modernen Gesellschaft. Wilde sei zwar höchst geistreich, aber kein so starker Dramatiker wie Shaw, sondern baue seine Schauspiele sehr oberflächlich und ohne feste Logik auf. Während Dr. H. nach dieser Richtung über Wilde mehr abfällig als lobend urteilte, pries er in hohem Maße dessen Salome als ein Künstwerk ersten Ranges, das in knapper Form und vollendeter künstlerischer Steigerung den Zustand einer
Produkt muß mit den steigenden Löhnen auch immer teuerer werden, und so hoffe ich als alter Mann, als Mann, der heute ftiedlich aus seiner Scholle sitzt. Ihnen die Grundsätze angegeben zu haben, unter denen sich in deutschen Gauen ein gesundes wirtick-astliches Leben einrichten läßt unb von hier auä rufe ich in alle deutschen Lande hinein: Ihr Männer des Handwerks, des Mittelstandes, vereinigt euch, laßt den alten Zwiespalt und die Eigenbröbelei. Unb Ihr beutschen Frauen, lehrt eure Kinder beten unb sie allezeit mit Gut und Blut für ihren Kaiser, für ihr Vaterland unb ihren Glauben eintreten. Lehrt sie auch, baß nur Fleiß unb Arbeit die wahren Grundlagen für Zuftredenheit unb Wohlergehen sind. Tann werden wir ein Geschlecht von Männern erhalten, auf das unser Vaterland stolz sein kann. (Man erhebt sich von den Plätzen zu Ehren des Redners, die Damen lvinken begeistert mit den Taschentüchern. Stürmischer Beifall.)
Mit der Ansprack)e des Staatsministers v. Podbielski war der Höhepunkt der Tagung sichtlich überschritten. Eine große Anzahl der Teilnehmer verließ den Zirkus; doch blieben immer noch einige Tausend zurück, um bas nun folgenbe Referat des Rfttcr- gutsbesitzers Bo ck-Groß-Brütz über Reichs st euervorlagc zu hören. Er führte u. a. aus: Die Landwirtschaft hat ein bedeutendes Interesse an der Hebung der finaiuietten Notlage, denn das Kapital ist international, die Industrie wandelbar, aber das Land besteht. Ter traurigste Etat, der je dem Reichstage vorgelegen, sei der von 1908, denn er weist ein Defizit von 260 Millionen Mk. auf, bei einem Schuldenbestand des Reiches von 2 Milliarden 74 Millionen Mk. Eine derartige Finanzwirtschaft ist des deutschen Landes unwürdig. (Zustimmung.) Sind wir in Portugal oder Grieckienlanb, daß wir unsere Schulden nicht bezahlen können? Wenn wir es nicht tim, so liegt es nicht an unserem Können, sondern an unserm Wollen. Ter Redner tritt ein für Bier- unb Tabaksteuer, Dividenden st euer, Börsenbesteue- r uüg und lehnt eine ein ft euer ab. Das Spiritusmonopol bringt uns keine Vorteile; wir lehnen es aber nicht grundsätzlich ab, wenn die gewünschten Gewährleistungen gegeben, unb wenn die mittleren unb kleineren Brennereien vom Großkapital nicht aufgesogen werden. Energisch Front machen müsse man gegen die geplante Erbschaftssteuer. Der Redner schloß: der Reichstag dürfe das Börsengesetz und das Gesetz über den Terminhandel nicht eher verabschieden, bis eine durck)- greisende Finanzreform durchgeführt sein wird. Er beantragte dann die Annahme seiner Resolution. (Lebh. Beifall.')
Reichstagsabg. v. Oldenburg -Januschau (von lebhaftem Beifall und Händeklatschen begrüßt): Ueber die Junker möchte ich mich hier nicht aussprechen. Denn die Junker sind auch verschieden. (Heiterkeit.) Ein Junker hat uns in dem Vorredner bereits begrüßt, und ein anderer Junker aus West
preußen, der Herr v. Gerlach, hat uns in der „Welt am Aöontag" begrüßt. («Stürm. Heiterkeit.) „Sei gegrüßt, du holder Stern,
du bist )o nah und doch so fern." (Stürm. Heiterkeit.)
Tie Situation ist außerordentlich schwierig; in Zeiten des Kampfes hieß es: Bor mir Licht, hinter mir duster. Jetzt heißt es umgekehrt: Bor mir duster, hinter mir Licht. (Heiterkeit.) Auch in diesem Zirkus hat ein großes Licht geleuchtet gelegentlich des freisinnigen Parteitages, und als ich die Einladung zur heutigen Versammlung erhielt, dachte ich gleich: hier muß Musike drin liegen. (Große Heiterkeit.) In der Einladung würbe mitgeteilt, daß nicht die Gedanken des Bundes der Landwirte es gewesen seien, welche bei den letzten Wahlen die Sozialdemokratie erfolgreich dekäinpft hätten, sondern den Sieg habe erfochten das liberale Bürgertum. (Heiterkeit.) Meine Herren! An dieser Behauptung ist das eine richtig, daß in den Großstädten nicht die Landwirte wohnen. Aber daß die Gedanken des liberalen Bürgertums die Sozialdemokratie nieder geworfen hätten, ist nicht richtig. Zu den bekannten Großstädten gehört doch auch Berlin, unb hier hat die Sozialdemokratte ihren ganzen Besitzstanb behauptet. Tann ist zum anbern gesagt worden, der Name des Grafen Caprivi mürbe in ber Geschichte noch fortleben, wenn niemand mehr von den Führern des Bundes reden würde. (Heiterkeit. Hört! Hört!) Und ferner ist gesagt worden, das kann nicht scharf genug zurückgewiesen werden — wir verfolgten den Grasen Caprivi noch über das Grab hinaus. Meine Herren! Wir lieben über das Grab hinaus, aber wir hassen nicht über das Grab hinaus. (Sehr richtig! Lebh. Beifall.) Wir haben auch den
, „ (Lebh. Beifall . , . Von dem Vorredner wurde die Frage schon berührt nach unseren heimischen Arbeitern. M. H. Wo liegt die Hörigkeit, die Abhängigkeit? Doch in den Siäbten, wo die Gesamtsumme der Bevölkerung abhängig ist vom Kapital (stürmischer Beifall) und deshalb müssen wir immer wieder Wert legen auf eine vom Kapital unabhängige Landwirtschaft. Sie ist im Staacsgebäude das Mckgrat, auf das sich die ganze Bevölkerung verlassen kann. Mit schönen Worten, Verheißungen, mag man sich ia vielleicht _ täuschen lasseii über die wirklick)e Bedeutung der Amdivirtschaft. Aber halten Sie fest, daß der deutsche Mann, deutsche Volk rechnet nur mit dem Mann ber Tat. (Lebh. ocifalQ Das ist bas Empfinden, das jetzt doch überall im oolfc lebendig geworden ist. Ich bin der festen Ueberzeugung, daß eine gesunde Landwirtschaft, ein blühender Handwerker- jtanb, das Bollwerk ist, an dem alle diese Angriffe zerschellen. Wir, brauchen um die Gunst der Massen nicht zu buhlen, der Massen, die heute einem Manne zujubeln, und ihn morgen mit vred beschmeißen. M. H. Halten Sie daran fest, daß, die Wurzeln ber Kraft unseres Vaterlandes in seinem Bauernstände ruhen. Halten Sie fest an dem Grundsätze: Ehrliche Arbeit auf deutschem Boden ist ihres Lohens wert. Halten Sie aber auch daran fest, wenn man in heutigen Tagesläuften Sie fragt, weshalb die Produkte intmet teuerer werden? Ein von menschlicher Arbeit belastetes
späteren Kaisermarsch uns vorahnen läßt. Wir müssen Professor Trautmann dafür dankbar sein, daß er uns diese, bis jetzt nur in Wien, Paris und kürzlich in Chemnitz mit großem Erfolg aufgeführten Jügendwerke Richard Wagners vermitteln will. Tas Orchester, die vom ersten Orchester- unb Chorkonzert bei uns schon bekannte Sinsoniekapelle bes Zoologischen Gartens in Frankfurt, ist gemäß der vorgeschriebenen, ganz ungewohn- licheu Besetzung, durch Frankfurter Künstler sehr erheblich verstärkt. — Liszts Tasso wird manchem Konzertbesucher noch von einer, unter Professor Trautmann stattgehabten Aufführung durch das Homburger Kurorchester (1901) her noch in Erinnerung sein. — Tas Konzert verspricht demnach, auch was die Auswahl des Programmes anlangt, einen hochinteressanten seltenen Kunstgenuß; hoffen nrir, daß sich kein Musikfreund diesen Kunstgenuß entgehen läßt!
— Aus Darmstadt wird uns unterm 17. d. Mts. geschrieben : Die freie literarisch-künstlerische Gesellschaft vermittelte uns gestern die Bekanntschaft einer außerordentlich wertvollen Dichtung des hier lebenden Schriftstellers Karl Hepp, der schon vor einigen Jahren durch das am Hoftheater aufgeführte Schauspiel „Jrrgang des Herzens" eine Probe seines tiefen Eindringens in _ philosophische Charaktere gegeben hat. Regisseur und Hofschauspieler Hacker hielt vor einem auserlesenen Auditorium eine Vorlesung aus des Dichters „P a r a e e l s u s", einer groß angelegten, fein psychologisch durchgeführten Dichtung, in welcher uns der Verfasser den berühmten Schweizer Arzt unb Naturphilosophen Theophrastus Paracelsus aus dem 16. Jahrhundert in lebendiger, ergreifender Darstellung vor Augen stellt. Ter Vorttagende ließ der Dichtung kurze, charakteristtsche Erläuterungen über den Lebensgang des 1493 zu Einsiedeln in der Schweiz geborenen Helden vorausgehen, der in seinem Wahrheitsdrang und seinem unermüdlichen Streben nach Besserung der Menschheft an Leib und Seele bis zu seinem Eirde ein unruhiges Forscherleben führte und in seinem Ringen nach Erkenntnis und Geistesfteiheit sein Alles für seine Mitinensckien opferte. In Herrn Hacker hatte das herrliche Werk den berufensten Interpreten gefunden; er verstand es, die poetischen Schönheiten, wie die dramatische Kraft und Plastik der Dichtung in vollendeter Weise zur Geltung zu bringen und damit ber zahlreichen Zuhörerschaft einen Kunstgenuß zu bereiten, für welchen dem mit zugegen gewesenen Verfasser, wie dem geistvollen Interpreten in gleicher Weise wärmster Dank gebührt.
— In der Literarischen Gesellschaft zu Köln hielt unlängst der Intendant der Mannheimer Hofbühne, Dr. Karl Hagemann, früherer Feuilleton-Redakteur der „Rhein. Wests. Ztg." in Essen,
Musikers aufgefunben wurde. Tie Partitur trägt die Inschrift I einen Vorttag über drei moderne Dramatiker, Bernhard „Richard Wagner, 15. Röärz 1837. Königsberg." Auch sie ist S h a w, O s ka r W il d e und Fr a u k W e d e k i n d. Ernannte im Aufbau einheitlicher und zeichnet sich gleichfalls durch eine > es ein tragikomisck)es Verhängnis, daß, wenn die größten imposante Kraftsteigerung aus, die an einigen Stellen den A " ......
(öeiiuaivdjoriimiung des Bundes der Landwirte, n.
S. n. H. Berlin, 17. Fehr.
Es folgte das Referat des Abg. Chefredakteur Schrempf- Stuttgart über die Blockpolitik. Er führte aus: Tas Wort vom Block und der Blockpolitik ist in Deutschland noch ganz neu. Im Süden des Reiches hat eS jedenfalls keinen guten Klang. (Hört! Hört! Beifall.) Man hört oft sagen, man ivürbe wohl noch einsehen, was man mit dem Block für eine Dummheit gemacht habe. Der Linksliberalismus finde sich am schwersten mit dem Block ab, er sei die reinste politische ^ndcrstube geworden. Ter Block bürfc nicht zum Werkzeug werben, bcmokratische Träume zu verwirklichen. Die Stärke des Liberalismus sei stets gewesen: nein zu sagen. Das deutscheVolk habe bem £ibcralidmu5 läng ft den Laufpaß gegeben unb nur noch in den Städten führe er ein kümmerliches Dasein. Ter Block müsse nationale Politik treiben, damit Deutschland auch dem Ausland imponiere. Im Reichstage ist ein Versuch mit der Blockpolitik vorhanden, aber er ist noch nicht eingewurzelt. Wir haben ja einen Block in dem „Bunde", ber sich aus allen Teilen des deutschen Volkes zusammensetzt. Die schwersten Nieberlagen hat das deutsche Volk erlitten durch seine Uneinigkeit. Solange ein Mann an ber Spitze des Reiches stehe, der als vornehmste Aufgabe bettachtet, den deutschen Bauernstand zu schützen, und die Sozialdemokratie von ber Norbsee bis zu den Alpen zurück- zudrcingcn, einem solchen Manne wollen wir helfen. Ter Md- ner schloß mit einem Hoch auf den Bund der Landwirte unb beantragte bann die bereits mitgeteilte Resolution anzunehmen.
Chefredakteur Dr. Oertel (lebhaft begrüßt): Wenn ich die heutige Versammlung sehe, möchte ich ausrufen: Welche Wandlung, wie lang ist es her, daß ein preußischer Landwirts hafts- minifter uns als gemeingefährlich bezeichnete, unb als vor kurzem dieser selbe Minister seinen 80. Geburtstag feierte, ist er vom Bunde lebhaft beglückwünscht worden. Wie lange ist es her, daß unser hochverehrter Herr v. Podbielski das Tischtuch zwischen sich unb dem Bunde zerschnitt. (Heiterkeit.) Tas haben wir ihm nicht Übel genommen. (Heiterkeit.) Wir müssen zw- geben, daß wir ihn manchmal vor den Bauch gestoßen haben. (Stürm. Heiterkeit.) Tas ist nicht schlimm bei unseren beiber- "Heiterkeit.) Welch eine Wanblung! Heute
Grasen Caprivi nicht gehaßt sondern immer anerkannt,, daß er ein tapferer unb ein braver Mann war. Was mit bekämpften, ivar seine Wirtschaftspolitik. Unb wenn sie geblieben märe, so ist es ja möglich, baß man Caprivi noch lange genannt hätte, aber den Namen des Deutschen Reiches würde inan dann nicht mehr lange genannt haben. (Sehr richtig! Großer Beifall.) Ob die Namen ber Bundesführer verklingen werden, ist diesen selbst wohl am allermeisten egal. Wichtig ist ihnen unb uns nur, daß die großen Gedanken, die unsere Bewegung durchziehen, be- steheir bleiben, unb sie werden unüberwindlich bleiben. (Stürm., anbauernder Beifall.) Tie deutsche Landwirtschaft lag am Boden, als ber Bund kam. Er hat ihr aufgeholsen, unb darum muß and) heute der Ruf erneut ins Land gehen: Schließt Euch uns an, Ihr deutschen Bauern. (Stürm., anhaltender Beifall.)
Weiter sprach Herr v. Machui, Oppeln, ber die Grüße der Schlesier überbrachte und sich eingehend über die Frage: Darf e^in Katholik Bundesmitglied sein? ausließ. Diese Frage könne eigentlich einem Zweifel nicht unterliegen. Ebenso v>ie es unsinnig fei, daß jeocr Latholik Zentrumsangehöriger fein müsse, ebenso unsinnig sei es, einem Katholften etwa den Beitritt zum Bunde ver'.vehren zu motten. Ein braver Katholik kann sehr wohl Mitglied des Bundes, unb muß es sogar sein, ebenso wie er nicht unbedingt ein Zentrumsanhänger sein muß. (Stürm., demonstrativer Beifall.)
Nachdein^ hierauf noch ein Bunbcsmitglieb aus Lübeck die Grüße ber Hanseaten überbracht hatte, nahm, mit stürmischem Beifall begrüßt, Reichstagsabg. Liebermann v. Sonnen» b e r g von ber deutschsozialen Partei, bezw. ber Wirtschaftlichen Vereinigung, das Wort. Auf ber vorigen Bundesversammlung habe er gefehlt, weil er damals int Wahlkampfe gestanden habe. Damals habe es geheißen, er hätte den deutschen Bauernstand infam beschimpft, aber im Ernste habe dies wohl niemand von ihm geglaubt. Inzwischen sei die Haltlosigkeit dieser Verleumdungen feftgcftellt worden, und er freue sich, wieder hier unter feinen Freunden stehen zu können. Man hat bereits von der Blockpolitik gesprochen, und ich bin selbst Blockpolitiker geworden, nicht im Drange meines Herzens, sondern ■ im Drange ber Nottveirdigkeit. Aber niemals werde ich das kleinste Titelck>eir von meiner Ueberzeugung aufgeben. Der gegenwärtige Block ist eine ^ujöbfung, die vom Verstände beurteilt werden muß, die aber das Herz nicht erwärmen kann. Vielleicht hat der Block noch den Vorteil, daß er die Wahlsitten mildert, die sich bisher zu kleinen Bürgerkriegen ausgebildet hatten. Er fei. damit zufrieden, wenn durch den Block nationale Forderungen glatt und sicher durchgesührt werden. Wenn wir wieder einmal in den Wahlkampf kommen mctben, merben die Liberalen wieder darauf bedacht sein, ihre liberalen Prinzipien zu reiten. Die Liberalen des linken Flügels werden sich bann wieder auf bie Sozialdemokratie stützen: wir verzichten auf jede dieser Stimmen. (Beifall.) Ter Freisinnige sagt: Wenn er einmal national gewesen ist, bann müsse er auch gleich Gegenleistungen haben. Wir stehen auf dem Standpunkt, daß die nationalen Güter nicht Handelsartikel fein tonnen. (Zustimmung.) Die Mittelstandpolitik hat bei dem Bund der Landwirte verständnisvolle Unterstützung gefunden. Bisher sah eS so aus, als ob bie Sozialdemokratie bie alleinige Vertreterin der Arbeiterschaft und des Mittelstandes sei. Tas ist anders geworden, unb wir haben heute eine christlich-nationale Gewerkschaft, hinter der eine Million von Mitgliedern steht. Zu dieser Arbeiterschaft möge her Bund ber Landwirte eine Brücke bahnen. Ter Redner feierte zum Schluß die deutsche Frau als Priesterin des Hauses, die der deutschen Arbeit den Segen gebe unb brachte ein dreifaches Heil auf die deutschen Frauen und Jungfrauen aus.
Zweites Matt 158. Jahrgang Mittwoch 19. Februar 1908
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